Posts mit dem Label Dänemark werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dänemark werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 20. März 2023

Leonora Christina Skov : "Das Inselhaus"

Leonora Christina Skov :
"Das Inselhaus"
Kriminalroman
original "Hvor intet bryder vinden"
2015, Politikens Forla, Kopenhagen
Aus dem Dänischen von Nora Pröfrock
2018, btb Verlag
408 Seiten
ISBN 978-3-442-71424-7

Sieben Menschen werden auf eine Insel in ein Glashaus eingeladen, wo kein Internet vorhanden ist, und  die Meeresströmung den Zugang zum Festland quasi unmöglich macht. Robin Lee, eine Reisejournalistin in mittleren Jahr; Anne Elizabeth Solvtoft, perfekte Ehefrau und engagierte Mutter ohne Anerkennung, die Scherenschnitte macht; Sofie Lynggard, eine junge Frau die dünn und nervös ist; Greta Eek, eine bekannte Geruchsexpertin und eher kühle Frau mittleren Alters; Kevin Bergman, dessen Freundin mit ungewollten und kranken Kind schwanger ist, er aber nichts weiterbringt; Joachim Wedel Nordgren, erfolgreicher Krimiautor, der seiner geschiedenen Frau nachtrauert; Poul Erik Norgaard, Lehrer, dessen Frau Krebs hat.
Langsam entwickelt sich heraus, daß der Großteils dieser Menschen die schöne faszinierende Marcella gekannt hatten - einige als Kind, andere als Jugendliche, immer jedoch mit Einfluß und oft Zerstörung hinterlassend.
Einer der sieben Menschen verschwindet, einer stürzt die Stiegen unglücklich hinunter, weitere verschwinden, bis am Ende zumindest einiges erklärt wird.

Die Geschichte wird sprunghaft erzählt; spannend lesen sich die Kapitel in den Marcella agiert. Interessant sind auch die Kapitel in denen Marcella, Anne die hauptberufliche Ehefrau und Robin als Reisejournalistin in verschiedenen Ländern und Kulturen unterwegs sind. Während Robin neugierig ist, ist Anne bemüht ein gewissen Maß an elitärem Benehmen zu behalten; Marcella ist als Kind und Jugendliche bemüht nicht unterzugehen.

Die Menschen sind eher unsympathisch, wobei die kühle Greta, die sich weigert bei gewissen gesellschaftliche Konventionen mitzuspielen, im Laufe des Romans durchaus Qualitäten zugeschrieben bekommt. Anne die zuerst die perfekte Ehefrau und Mutter spielt, wird in ihren selbstgefääligen dummen Stereotypen immer unerträglicher. Robin ist eine weltoffene Charakterfrau, deren Charakter durchgängig ist. Die Männer sind alle eher unerträglich weinerlich, auch wenn einer erfolgreich ist.
Marcella ist vielschichtig - von schön und liebenswürdig und hilfsbereit, bis durchtrieben und manipulativ; letztendlich war sie überfordert und man hatte ihr zuviel zugemutet.

Der steigende Druck in dem Glashaus ist gut geschildert. Glaswände, die je nach Belieben mit einem Vorhang zugezogen werden können, gefallen nicht jedem der Protagonisten.
Es ist auch spannend zu lesen, wie mache der Protagnisten sich an das Leben anpassen zu vermögen, und anderer im aggressiver werden.
Sex wird mir zu aggressiv geschildert.

In Summe nicht uninteressant, auch wenn das Genre daß Menschen augenscheinlich willkürlich, aber doch mit Absicht zusammen sein müssen und einige ums Leben kommen, nicht neu ist.

Mittwoch, 16. Juni 2021

Frida Gronover : "Dänische Schuld"

Frida Gronover :
"Dänische Schuld" - Gritte Madsen ermittelt
2020, Ullstein Verlag
361 Seiten
ISBN 978-3-548-06078-1

Gitte Madsen lebt in einer freundlichen Feriensiedlung am Meer in Dänemark, und arbeitet bei einem Bestatter. Als beim Abendessen in einem Restaurant am Nachbartisch ein Mann vergiftet wird, bemüht sie sich den/die Mörder herauszubekommen, und trifft wieder mit Kommissar Ole zusammen. Parallel versucht sie weiterhin herauszubekommen, wohin und warum ihr Vater verschwunden ist.
Die Familie des Ermordeten ist interessant, ihre Nachbarn in der Feriensiedlung ebenfalls, und auch andere Begräbnisse bringen interessante Menschen.
Am Schluß ist der Mord gelöst - der Tod eines Kindes hatte Reaktionen nach sich gezogen - , und ein Puzzlestein über ihren Vater ist dazugekommen.

Gitte stammt aus Münster, und hat nach einer Beziehung mit einem besitzergreifenden Mann beschlossen zu übersiedeln um sich wohl zu fühlen.
Es ist einiges über verschiedene Bestattungen und Vorbereitungen zu lesen, was wenig mordid, dafür humorvoll unterhaltend ist und zeigt wie verschieden die Kunden in den Metier sind.

Gitte fährt entweder im Auto oder auf dem Rad durch die Gegend. Der Ferienort ist nett beschrieben.
Das Sammelsurium an Menschen die hier beschrieben werden ist unterhaltend : ein charismatischer junger Mann im Rollstuhl, eine bodenständige Großmutter, zwei Künstlerinnen, ein attraktiver Kommissar, tätowierte Männer mit Hund, eine faszinierende Witwe, und eine von Gerüchten umwitterte Frau sind mit Mitgefühl und Humor beschrieben.

Die Liebe bzw der Wunsch nach Liebe kommt nicht zu kurz, sowohl für Gitte als auch für ihren Chef könnte sich etwas entwickeln.

Mir ist die betonte Freundlichkeit, die die Dänen (angeblich) leben, etwas zu viel, vor allem in Kombination daß jeder jeden dutzt und das auch noch freundlich findet.

Mitraten im Sinn des Who-dunnit ist möglich.
 
In Summe ist der Krimi ein schwungvoll geschriebener Kriminalroman. Viel Spaß beim Lesen.

Freitag, 24. Januar 2020

Judith Arendt : "Helle und der Tote im Tivoli"

Judith Arendt :
"Helle und der Tote im Tivoli" - Der erste Fall für Kommissarin Jespers
Kriminalroman
2. Auflage 2018  Atlantik Bücher bei Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
280 Seiten
ISBN 978-3-455-00271-3

Helle ist ein Dänischer Frauenvorname, und gehört zur weiblichen Hauptperson Frau Jespers, die in einem kleinen Urlaubsort am Meer in Dänemark die Polizeistation führt. Ein pensionierter Schuldirektor wird in der fünf Stunden entfernten Hauptstadt bestialisch ermordet gefunden. Das kleine Team vor Ort macht sich gegen den Wunsch der Truppe der Hauptstadt auf die Suche nach Information und wird bei einem charismatischen Esoterik-Psychologen fündig. In der Hauptstadt wird eine zweite ebenfalls bestialisch ermordete Leiche gefunden. Eine kleine Reise nach Deutschland, einige Gespräche im kleinen Küstenort weiter, entwickelt sich die Geschichte um einen gewissenlosen Pädophilen, der viele Menschen getäuscht hat.

Die Geschichte wird meist aus Sicht von Helle erzählt, einige von einem Polizisten, einige von einem Psychologen; kursiv sind Texte aus Sicht eines der traumatisierten Kinder eingestreut, der mit seinem inneren bösen Kind in Kontakt ist. Diese Stellen sind beängstigend.

Die Gedanken und Gefühle der rundlichen Polizistin mit Sozialarbeiter-ehemann und Kind und Hund sind engagiert, warmherzig und logisch. Ihr Kollege bei der Polizei hat mit privaten Problemen zu kämpfen und eine alte Geschichte wird wichtig. Der Guru und Psychologe wird als gutaussehend aber kaltschnäuzig geschildert. Sören aus Kopenhagen ist Helles Quasi-Vorgesetzter bei der Polizei, unterkühlt, rechthaberisch, kann dann doch richtig reagieren. Hilfe aus Deutschland bei der Recherche um einen Buben wird sympathisch geschildert.

Der Druck hat gemütlich halbwegs große Buchstaben.

Der Kriminalroman ist spannend geschrieben. Die Verzweiflung des Mörders ist greifbar, auch daß er um das Richtige ringt. Die Ursprungsgeschichte ging mir unter die Haut. gutes Lesen ! 

Judith Arendt ist ein Pseudonym für eine Drehbuchautorin. Sie lebt in Deutschland.