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Freitag, 21. April 2017

Robert Thorogood : "Mord im Paradies"

Robert Thorogood:
"Mord im Paradies" - Ein Fall für Inspector Poole
original "A Medidation on Murder"
2015, Harlequin Richmond UK
Aus dem Englischen von Sabine Längsfeld
2017, Rowohlt Verlag
371 Seiten + 3 Seiten Danksagung
ISBN : 978-3-499-27275-2

Inspektor Richard Poole aus England wird auf einer Insel  Saint-Marie in der Karabik versetzt. Dort schlurft er in Wollanzug, Socken und Schuhen durch Sand und Hitze, schimpft auf beides, teilt seine Hütte mit dem frechen Gecko Harry und muß einen Mord lösen: der Guru Aslan ist beim Meditieren in der Gruppe in einem Erholungsresort erstochen worden. Poole, Sergeant Camille, Police Officer Dwayne und Sergeant Fidel graben in der betrügerischen Vergangenheit des Opfers, und der Menschen der Gruppe. Reißnägel die bereits zu Beginn gefunden wurden, führen zur Auflösung des Mordes.

Die Menschen sind schön vorstellbar und immer wieder humorvoll geschildert: Inspector Pool wie er in seinem zu warmen Anzug schwitzt sich aber weigert von britischen Regeln abzugehen. Camille ist eine faszinierende französische Frau mit Ausstrahlung, die vergeblich versucht ihrem Chef Anpassung an das hiesige Klima begreiflich zu machen. Die Meditationsgruppe besteht aus einer wunderschönen jungen Frau die dem Guru und seiner Frau mit Verwaltungstätigkeiten half, einem ehemaligen Installateur, einem zurückhaltenden Apotheker, seiner farbenfrohen Frau die gerne Schauspielerin geworden wäre, und einer liebenswürdigen Frau die wie die anderen um ihre Ersparnisse aus den früheren Betrügereien des Gurus geworden war. Die Ehefrau/Witwe ist eine schöne Frau, die nach den Betrügereien ein Resort in der Karibik aufgebaut hat.

Das Leben auf der Insel wird geschildert wie es den Inspector umgibt. Seine Beschwerden daß der seltene Regen nicht kühlt, das karibische Essen das er konsequent verweigert, seine Freude über Chips aus der Heimat, die sofort matschig werden. Das quasi-Duell mit dem uneingeladenen Gast Gecko Harry dürfte übrigens Harry gewinnen.

Die Geschichte ist humorvoll und gut vorstellbar geschrieben. Mitraten wer der Mörder ist, ist möglich. Viel Spaß beim Lesen !

Robert Thorogood wurde 1972 geboren, wurde in Rutland ausgebildet und studierte Geschichte in Cambrigde. Er gründete eine Theatergruppe und tourte durchs Land. Er ist Drehbuchautor und schreibt u.a. für die BBC Kriminalgeschichten wie "Death in Paradise". 2014 erschien sein erster Roman A" Meditation on Murder" mit Richard Poole, 2015 erschien der zweite "The Killing of Polly Carter".

Montag, 27. Januar 2014

Roberto Ampuero : "Tod in der Atacama"

Roberto Ampuero :
"Tod in der Atacama" - Cayetano Brulé ermittelt
Roman
auf original "El Alemán de Atacama"
1996, Planeta, Santiago de Chile
Aus dem Spanischen von Carsten Regling
2012, Bloomsbury Berlin
338 Seiten
ISBN 978-3-8270-1034-6

Der unterhaltsame Krimi ist gut geschrieben und macht Freude zu lesen.

Detektiv Brulé und sein Helferlein Suzuki bekommen von einer rothaarigen attraktiven deutschen Journalistin den Auftrag dem Tod eines idealistischen Bekannten nachzugehen. Dieser ebenfalls Deutsche war mit zwei Kugeln im Körper in der Atacamawüste aufgefunden worden. Obwohl Brulé die regenfeuchte Karibik vorzieht, fährt er auftragsgemäß in die trockene, heiße und hochgelegene Ebene. Er trifft dort Atacamenos, Touristen, Barbesitzer, und Ingenieure die Schürfrechte haben. Es dauert seine Zeit, aber schlußendlich kommt er einem Umweltskandal auf die Spur, die dem Deutschen, einer Ingenieurin, und einem chilenischen Politiker das Leben gekostet hat.

Ort der Handlung ist die Atacamawüste, über die und deren Bewohner viel erzählt wird. Die Atacamenos hatten eine uralte Kultur (älter als 1500 Jahre), von der nur wenig erhalten blieb, da Räuber erfolgreicher waren als Archäologen. Mittlerweile ist das Land Schauplatz verschiedener Baustellen, weil mehrfach nach Rohstoffen gesucht wird.
Die Kargheit der Landschaft, die Weite bis zu den Kordilleren, die Magie der nächtlichen Beleuchtung des Mondes und der Sterne sind schön beschrieben.

Die Figur des Detektivs Cayetano Brulé ist vielfältig. Seine Familie war aus Frankreich ausgewandert, seine Eltern hatten im vorrevolutionären Kuba gelebt, ihr hatte als junger Mann die Lust an Revolution nach Chile verschlagen. Jetzt ist er ein rundlicher, dem Essen zugeneigter Mann mit dicken Brillengläsern, dicken Schnurrbart, der mit violetter Krawatte mit Guanakos vor dem geistigen Augen des Lesers gut vorstellbar ist.

Die anderen Menschen in dem Roman sind ebenfalls gut vorstellbar: die deutsche Journalistin Cornelia Katz, die ehemalige Freundin des Ermordeten Isabel Ayabire, der Touristenführer und leidenschaftliche Schatzsucher Pompeyo Jara mit seinem klapprigen Pick-up sowie der Unternehmensleiter Bodo Pankow.

Der Krimi ist drei Jahren nach dem Ende von Pinochets Diktatur entstanden. Innen-Politisches kommt nur auf wenn die Atacamenos über ihre Diskriminierung berichten - sie waren lange nur Durchzugsgebiet für Bolivien und Peru gewesen, und die Chilenen kommen nicht gut weg. Witzig liest sich der Vergleich von kommunistischem Regime und rechter Diktatur unter Pinochet - - die Entwicklung der Idealisten bei beiden Gruppen kann nach Auflösung der tyrannischen Strukturen vom Superkapitalisten bis zum Entwicklungshelfer gehen. Aber es bleiben die extremen Bereiche.

Ich habe es genossen das Buch zu lesen und empfehle es gerne weiter !

Roberto Ampuero wurde am 22. Februar 1953 in Valparaíso / Chile geboren. Er war zwischen 1973 bis 1993 im Exil - lange davon an der Universität in Leipzig/DDR. Seit 2012 ist er Botschafter für Chile in Mexiko.
 
Roberto Ampuero hat 1993 mit der Figur dieses Detektivs begonnen: "? Quién mató a Christián Kustermann" (1993), "Boleras en La Habana" (1994), "El alemán de Atacama" (1996; auf deutsch "Tod in der Atacama), "Cita en al Azul Profundo" (2001), "Halcones de la noche" (2005; ) und als derzeit letzter "El caso Neruda" (2008; auf deutsch "Der Fall Neruda" 2011)

Sonntag, 12. Januar 2014

Jesús Carrasco : "Die Flucht"

Jesús Carrasco :
"Die Flucht"
original "Intemperie"
2013, Verlag Seix-Barral, Barcelona
Aus dem Spanischen von Petra Strien
2013, J.G.Cotta'sche Buchhandlung; Klett-Cotta
201 Seiten
ISBN 978-3-608-98001-1

Der spannende Roman erzählt wie ein Halbwüchsiger, der aus einem Dorf verschwunden ist, durch die karge Landschaft mit wenig Versteckmöglichkeiten flieht. Er hatte geplant, aber auch sich verplant. Hilfe bietet überraschenderweise ein Hirte mit seinen Ziegen, dem Hund, und dem Esel. Er zeigt ihm wie man überlebt. Und er steht ihm bei und erduldet des Jungen wegen gemeine Folter. Am Schluß ist der Junge wieder allein.

Keine der Personen hat einen Namen: es sind der Junge, der Hirte, der Polizist, der Scherge, der Krüppel. Den Vater gibt es nur im kurzen Rückblick.
Warum der Junge geflohen ist und dermassen Angst vor dem Polizisten und seinem Bluthund hat, läßt sich nur aus kurzen Sätzen erahnen.

Ort der Handlung ist eine ausgedorrte Landschaft mit wenig Gestrüpp. Die Ziegen finden hin und wieder Nahrung. Eine Ruine spendet einige Zeit Schatten vor Sonne und Hitze.

Der Hirte zeigt Tricks und Wege wie ein Mensch überleben kann, wie er einfachste Materialien zu seinem Nutzen verarbeiten kann z.B. ein Gatter für die Ziegen bastelt. Er weist den Halbwüchsigen auf Gefahren des Wassers aus Brunnen hin.

'Intemperie' heißt Unbillen, Wetterunbillen bis obdachlos- lt. Internetdictionaire.

Der Roman ist dicht geschrieben und geht unter die Haut. Die Beschreibung des Terrors an dem alten Hirten sind heftig. Viel Überleben, einiges an Gewalt, aber die Suche nach etwas Zuneigung und Vertrauen wechseln sich ungleich ab. Ein intensives starkes Buch, das lange nach dem Zuschlagen der letzten Seite nacharbeitet. Sehr empfehlenswert !

Jesus Carrasco wurde 1972 in Badajoz geboren. "Die Flucht" ist sein erster Roman. Er lebt seit 2005 in Sevilla und ist Herausgeber einer Zeitschrift.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Rafael Arozarena : "Mararía"


Rafael Arozarena :
"Mararía"
1973, unter Mararía
Verlag Noguer, Barcelona
aus dem Spanischen von Gerta Neuroth übersetzt
1998, Gustav Lübbe Verlag GmbH
232 Seiten
1 Seite Glossar
4 Seiten Nachwort der Übersetzerin
ISBN 3-7857-1503-X

Es ist ein sprödes Buch bei dem man so langsam weiterkommt wie man durch den Sand waten kann, oder bei Hitze einen kargen Berg erklettert. Es ist die Geschichte einer wunderschönen Frau auf einer Insel in einer Männergesellschaft, die zwar Erwartungen für das Schöne entzündet aber keiner damit glücklich wird.

Ort des Romanes ist die Insel Lanzerote, die als Skelett eines Kamels beschrieben wird, der Kampf ums Überleben in einem Dorf mit Gasthaus, Landwirtschaft, aber von dem die Männer weggehen um als Matrosen zu arbeiten.
Sprunghaft wird durch Erzählungen von ausschließlich Männern die Geschichte einer wunderschönen jungen Frau erzählt, die im Alter nur noch abends außer Haus geht und den Ruf als Hexe hat.
Sie hatte eine Kind von einem Mann, wollte einen anderen heiraten der am Tag der Hochzeit von betrunkenen Männern ihres Dorfes spaßhalber erschlagen wurde, verlor ihren Sohn an das Meer das ihn nicht mehr hergab, und bewahrte ihre Würde und ihre kerzengerade Haltung aber auch das Feuer in ihren Augen bis ins hohe Alter.
Männer wollten sie heiraten, sie besitzen, mit ihr angeben, verloren durch sie Berechnung oder Ziele aus den Augen, oder beteten sie einfach nur an.

Die Erzähler sind der Gasthausbesitzer, der Bucklige, der Pfarrer, ein Landbesitzer, ein Matrose der mittellos heimkehrt, ein Arzt am Strand etc. Andere Frauen haben keine Chance und hier auch keine Stimme zur Äußerung.

Die Geschichte fasziniert, aber sie ist trocken und spröde wie die baumlosen Berge, die herumliegende Gerippe der Tiere, und erst langsam baut sich auf warum die kerzengerade Gestalt, vor der sich die Hunde fürchten, so ein Faszinosum birgt.

Das Buch ist jedem zu empfehlen der sich die Zeit und Lust nimmt, langsam eine Landschaft und auch Art des Lebens auf sich einwirken zu lassen und dabei die Personenschilderungen zu genießen.