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Mittwoch, 10. Dezember 2025

S J. Bennett : "Die unhöfliche Tote"

S J Bennett :
"Die unhöfliche Tote" - ein Queen-Elizabeth-Krimi
original "A three Dog Problem"
2021, Zaffre, Bonnier Books, London
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
2023, Knaur Taschenbuch Lizenz
358 Seiten + 1 Seite Dank
ISBN 978-3-426-52734-4

Queen Elisabeth II, hat nicht nur die Verantwortung für ihre Land und Sorgen um ihre Familie, sondern braucht auch Hilfe um ein Bild, das sie gemeinsam mit ihrem Mann in den ersten Zeiten ihrer Ehe gekauft hatte. Sie bitte Rozie Oshodi, ihre Privatassistentin um deren energische Hilfe; als plötzlich die unbeliebte Haushälterin ermordet am Pool gefunden wird.
Rozie fährt zu dem früheren Leiter der kunsthistorischen Sammlung, entdeckt einen Geheimgang im Buckinghampalace, und legt sich mit Bediensteten an; und erzählt alles der Queen.
Die Queen grübelt während der Spaziergänge mit ihren Corgis nach, während sie zu Portrait sitzt, fragt manches ihren Mann, und langsam entwickelt sich ein Muster, das zu Betrug mit Kunstwerken führt.

Mit viel Humor wird erzählt wie die Queen in ihrem persönlichen Umfeld agiert, aber mit Zähigkeit an ihren Zielen bleibt. Ihre Assistentin Rozie wird als gutaussehende, große, sportliche, höfliche und gescheite junge Frau geschildert, die kein Problem hat anzupacken.

Hintergrund sind Zeichnungen der Artemisia Gentileschi. Es geht um Menschen die Kunstgeschichte und Künstler/Künstlerinnen lieben, aber auch um Menschen die sich der Werke zu eigenem Wohlstand bedienen. 

Das Buch feinfühlig und mit Respekt für die Menschen in der königlichen Familie beschrieben. Nur sehr von der Ferne wird auch die aktuellen Mitglieder der Familie Bezug genommen, ebenso auf die hohe Politik im Parlament.
Auf Bürokratie machen sich alle immer wieder lustig.

Für Hundefans gibt es einige nette Anekdoten mit den Corgis, und auch Sorgen um sie.

Der Roman ist mit Humor geschrieben; ich habe beim Lesen in der Straßenbahn öfters Lachen müssen. Viel Spaß beim Lesen !

Sophia Bennett wurde 1966 in Yorkshire geboren. 
Ihr erstes Buch erschien 2004; sie hat zuerst viele Kinderbücher geschrieben, die in viele Sprachen übersetzt worden sind.
Den Namen "SJ Bennett" verwendet sie für Kriminalromane für Erwachsene, bei denen Queen Elizabeth II als geheimer Privatdetektiv agiert, unterstützt von ihrer fiktionalen Privatassistentin mit Stammbaum in Nigeria, Captain Rozie Oshodi. Mittlerweile gibt es fünf Kriminalromane
mit Queen Elizabeth II und ihren Corgis, die auf deutsch übersetzt worden sind.

Freitag, 6. September 2024

Elif Shafak : "Das Flüstern der Feigenbäume"

Elif Shafak :
"Das Flüstern der Feigenbäume"
original "The Island of MissingTrees"
2021, Viking, London
Aus dem Englischen von Michaela Grabungen
2023, Kein & Aber Zürich - Berlin
481 Seiten inkl Prolog + 2 Seiten Einleitung + 5 Seiten Anmerkung der Autorin + 1 Seite Photo Feigenkaktus im Maschenzaun + 2 Seiten Danke + 1 Seite Zitatnachweise + 2 Seiten Glossar (türkisch - griechische Wörter)
ISBN 978-3-0369-6162-0

Ada 'mou' lebt in London. Ihre Mutter Define ist vor kurzem verstorben, und ihr Vater Kostas ist leidenschaftlicher Gärtner und vergäbt seine junge Feige über den Winter unter der Erde.
Die Schwester der Mutter, Meryem, kommt aus Zypern zu Weihnachten nach London - nachdem die Eltern gestorben sind und sie endlich ihre Nichte besuchen darf.
In zeitlichen Sprüngen wird die Geschichte der Aufsplittung Zyperns anhand der Liebe der Türkin Define und des Griechen Kostas, deren Familien sowie eines Männerpaares, die eine Taverne "zur glückliche Feige" führen.
Die Briten verlassen die Insel, und das frühere Zusammenleben weicht bewaffneten Konflikten, sowie mehr oder weniger offenen Morden auf der Straße, die auch zivile Personen Kollateralschäden sind.
Die junge Liebe muß heimlich bleiben, Kostas wird außer Landes geschickt, als er später zurückkommt findet er Delfine beim Aufarbeiten von Massengräbern, die Liebe ist stark, die beiden reisen nach London aus mit einem Zweig des Feigenbaums aus der alten verbrannten Taverne.

Einige Kapitel sind aus der Sicht des / der Feigenbäume geschrieben : einige aus der Sicht des Feigenbaums in der Taverne, einige aus der Sicht des Ablegers in London. Die Perspektive ist durchaus nicht uninteressant, nur wird es mir am Schluß etwas zu kitschig.

Stark fand ich die Kapitel in denen die Geschichte der Teilung der Insel erzählt wird, und was es mit den Menschen vor Ort hier fiktiv aber vermutlich nicht unrealistisch gemacht hat. Es stellt sich die Frage, wie Versöhnung möglich sein kann.

Es war interessant die unterschiedlichen Charaktäre Ada in ihrer verletzten Pubertät zu lesen und wie die Tante aus Zypern mit Buntheit, fröhlichem Essen aber auch Geschichte der Familie schafft an die junge Frau doch heranzukommen.

Stark fand ich die Nebengeschichte des freundlichen hilfsbereiten Männerpaares, die auch türkisch-griechisch sind, und die eigentlich nur eine Taverne führen möchten. In manchen Regimen ist nicht einmal das möglich.

Das Glossar ist gut - ich wünschte es nur gerne um die Kochrezepte ergänzt.

In Summe ein Roman der mich lange fasziniert hat, nur am Schluß zu sehr ins happy end abgebogen ist.

Elif Şafak wurde am 25. Okt 1971 in Straßbourg als Elif Bilgin geboren ; international meist Elif Shafak geschrieben. Nach der Trennung ihrer Eltern zog sie mit ihrer Mutter zur Großmutter nach Ankara.
Sie studierte "Internationale Beziehungen" und "Politikwissenschaft" in Ankara. Ab 2006 arbeitete sie als Gastdozentin an der Abteilung für Nahost-Studien in Tucson. Shafak hat an verschiedenen Universitäten in der Türkei, den USA und im Vereinigten Königreich gelehrt, darunter am St. Anne’s College der Universität Oxford, wo sie Ehrenmitglied ist.
Literarisch debütierte Elif Shafak mit der 1994 veröffentlichten Erzählung 'Kem Gözlere Anadolu'. Ihr erster Roman 'Pinhan' erschien 1997. Ein erster Durchbruch gelang ihr mit dem Roman 'Şehrin Aynaları' ('Spiegel der Stadt').

Dienstag, 20. August 2024

Michael Köhlmeier : "Matou"

Michael Köhlmeier :                                                                                          
"Matou"
2021, Hanser Verlag
947 Seiten + rotes Lesebändchen
ISBN 978-3-446-27079-4 

Matou ist ein hübscher roter Kater mit weißer Schwanzspitze, der bereits in seinem ersten Leben entdeckt, daß er menschliches Sprechen lernen kann. Später lernt er auch Lesen, und liest sich im Laufe des Romans durch die Enzyklopädien, Romane, Philosophischen Traktate der Weltgeschichte des Menschen.
Im ersten Kapitel lebt er zur Zeit der französischen Revolution bei Camille Desmoulins, dessen Frau, Kind und Schwiegermutter und lernt auch die wichtigen Menschen der französischen Revolution kennen. Der Kater lernt Liebe, Romantik, Charme, Machtspiele kennen. Und menschliches Sprechen
Für das zweite Leben sucht er sich das Leben bei E.T.A. Hoffman und seiner Frau aus. Hier lernt er Lesen. Hoffmans Frau ist allerdings sehr mißtrauisch. Später unternimmt er eine Schiffreise, überlebt im Dschungel und perfektioniert sein intrigantes Spiel indem er Menschen gegeneinander aufhetzt.
Im dritten Leben lebt er auf einer Insel mit anderen Katzen, schwingt sich mit einigen Schlägerkatzen um Diktator auf, hält manipulative Reden, erzählt eigenartige Narrative und kommt am Schluß drauf, daß ihn auch das nicht interessiert.
Im vierten Leben ist er in Afrika und lebt als Leopard, erzählt die Übergriffe aus dem belgischen Königreich auf deren Kosten viele Menschenleben gingen und zieht mit einem verstümmelten Mädchen als Albtraumerinnerung durchs Land.
Das fünfte Leben ist in Prag bei einem Ehepaar mit dick gefüllter Bibliothek, deren Enzyklopädie er liest. Paulina Bartok ist eine sensible Künstlerin, die das Wilde sucht. Bei Kriegsausbruch 1914 ist alles vorbei.
Sein sechstes Leben verbringt er in den USA, was für europäische Katzen sehr ungewöhnlich ist. Er hat sich Andy Warhol ausgesucht, weil er sich ein luxuriöses Leben gewünscht hat und eine große Bibliothek, was beides nicht geklappt hat.
Im siebenten Leben ist er in Wien, und wohnt bei einer netten älteren Frau und ihrem etwas faden Neffen, den er bereits als Kind tröstet. Der Neffe studiert Philosophie und der Kater hilft ihm dabei, und versucht ihm die Wichtigkeit von Charme beizubringen.

Zwischen den verschiedenen Leben erzählt der Kater vom Leben im "Weggemachten" mit den anderen Katern und Katzen in der Zeit zwischen den sieben (europäische Katzen) bis neun (amerikanische Katzen) Leben der Katzen.
Eine der Katzen merkt sich wie Matou (wie er sich selbst nennt, auch wenn ihm Menschen anderen Namen geben) die verschiedenen Leben; Fragnichtchen ist eine schöne Katze mit blauen Augen, die Matou vom dritten bis fünften Leben immer wieder trifft.

Die Geschichte ist aus Ich-Sicht des Katers geschrieben, und springt dementsprechend auch in den Erzählebenen, und es gibt jede Menge Hinweise auf andere Leben.

Es gibt lange Abhandlungen über den "Charme", wer ihn hatte oder gehabt haben mag, und wie man Charme lernen kann. Viel ist über Macht und Machtspiele zu lesen. Matou vergräbt sich auch in die Werke der großen Philosophen und versucht damit den Menschen zu entschlüsseln, denn ihm bleibt immer unklar warum manches für Menschen wichtig ist und einiges nicht.

Da ich zugegebenermassen den Stil des Autors sehr mag habe ich mich in die langen Sätze, komplizierten Schachtelungen gerne eingelassen.
Es gibt viele Hinweise und lange Leselisten für weiterführendes Lesen.

Ich habe fast drei Jahre an diesem Buch gelesen, das mich zwar sehr interessiert hat im Sinne von wie geht es weiter, mußte aber meinen Widerwillen gegen diesen obergescheiten arroganten intriganten und eigentlich mir nicht sympathischen "Kater" kämpfen.

In Summe ein wunderbares Buch, das mich viele Stunden gut unterhalten und in den Bann gezogen hat.

Michael Johannes Maria Köhlmeier wurde am 15. Oktober 1949 in Hard (Vorarlberg) geboren. In den 70-er Jahren begann er mit Hörspielen, in den 80-er Jahren wurden die ersten schriftstellerischen Arbeiten veröffentlicht.

Montag, 13. Mai 2024

Gerald Durrell : "Die aberwitzige Reise eines betrunkenen Elefanten" *

Gerald Durrell :
"Die aberwitzige Reise eines betrunkenen Elefanten" * - eine fast wahre Geschichte
original "Rosy is My Relative"
1968, Collins London
Aus dem Englischen von Sabine Schilasky
2021, Ullstein Taschenbuch
   Seiten
ISBN 978-3-548-06417-8

Adrian Rockwhistle ist ein vorsichtiger Mensch mit einem langweiligen Job. Sein Onkel vererbt ihm eine Elephantendame, Rosy - früher ein Zirkusattraktion, und leider dem Alkohol zugetan. Adrian versucht mit ihr quer durch die Insel zu reisen, um sie bei einem Zirkus unterzubringen. Die Reise bringt vor allem Adrian an seine Grenzen, denn zuerst wird eine Jagdgesellschaft durcheinander gewürfelt, dann eine Geburtstagsparty zum Desaster, später bricht sich Adrian den Arm und verliebt sich - der Gastgeber meint in einem seiner früheren Leben mehrer Elephanten gehabt zu haben, eine entzückende Hexe namens Nell hilft ihnen immer wieder weiter, beim Zirkus gibt es Problem, später einen Gerichtsprozess, dank dessen humorvollem Richter dann alles doch gut ausgeht.

Die Landschaften sind englisch, sanft hügelig und nicht immer einfach eine Elephantendame mit Temperament zu verstecken.

Die Personen sind sehr unterhaltsam geschildert. Es gibt den eingebildeten Jagd-adeligen, den humorvollen Adeligen, die Schreckschraube an Gattin, eine bezaubernde Hexe, einen Mann mit vielen Leben, eine schöne kluge medizinisch erfahrene junge Frau, Menschen die alles besser wissen, einen gescheiten Anwalt, den nervösen aber liebenswerten Adrian, und seinen Freund den Schmied.

Rosy ist eine zirkustrainierte freundliche Elephantendame. Wenn ihr Obst oder Gemüse gefällt ist sie es einfach, Bier bis Rum und Schnaps sind auch immer willkommen. Sie ist auch hilfsbereit wenn es darum geht mit dem Rüssel Wasser zu verteilen.

Das Buch ist sehr humorvoll geschrieben. Ich habe viel in den Straßenbahnen gelesen und mußte öfters laut lachen.

Viel Freude beim Lesen und gutes Lachen  !

Gerald ('Gerry') Malcolm Durrell wurde am 7. Jänner 1925 in Jamshadpur, Indien geboren und starb am 30. Jän ner 1995 auf Jersey. Er war ein britischer autodidaktischer Zoologe, Autor, Tierpfleger, filmte Tiere für die BBC und war zuletzt auch Tiergartendirektor.

Samstag, 27. April 2024

Nick Bradley : " The Cat and the City"

Nick Bradley :
"The Cat and the City"
2020, Atlantik Books Ldt / Paperback 2021
287 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 2 Seiten Gedicht "blue Cat" von Hagiwara Sakutaro inkl englische Übersetzung + 3 Seiten Danksagungen
Paperback ISBN: 978-1-78649-991-2

In fünfzehn Erzählungen geht es um Menschen, und meist um eine kleine zarte dreifarbige Katze, die den Weg kreuzt.
Ein bekannte Tattoo-künstler zeichnet die Skyline von Tokyo auf den Rücken einer zarten Frau, und eine kleine Katze ist dabei.
Ein obdachloser Geschichtenerzähler mit Katze besucht andere Obdachlose, und wird am Schluß von der Polizei erwischt; die Polizei bereinigt die Straßen vor den Olympischen Spielen von Obdachlosen und interniert sie.
Drei Angestellte müssen zum verpflichtenden Firmen Karaoke Abend, und sprechen über Videospiele.
Ein Taxi fahrer denkt über sein einsames Leben nach.
Ein Privatdetektiv hat meist mit Untreuefällen zu tun, und freut sich wenn er mit Vermisstenfällen betraut wird.
Flo aus Oregon ist in Japan als Übersetzerin geblieben; sie liebt das Land und die Varianten der Sprache mit ihren chinesischen Wurzeln und träumt davon eine bestimmte Erzählung zu übersetzen und veröffentlichen. Am Nachbartisch streitet sich ein Paar laut.
Eine japanische Karrierefrau zahlt das Leben ihres Freundes, eines Amerikaners weil diese derzeit als originell gelten. Bei einem Ausflug wird klar, daß sie heiraten möchte und er nicht, worauf die Beziehung zerbricht.
Ein Techniker will eine künstliche Katze anhand einer natürlichen dreifarbigen nachmachen, denn sein Kind ist allergisch auf Katzenhaare. Es gelingt ihm die mechanische Katze fast echt zu gestalten - auch das Kind ist glücklich; die natürliche Katze ist allerdings irritiert. Am Schluß ist die mechanische Katze kaputt, und die natürliche Katze fühlt sich merkwürdig allein.
Zwei Angestellte geben sich einen Abend mit viel Alkohol und Essen.
Eine junge Frau mit dominanter Mutter ist in einen jungen Mann verliebt, der andere Frauen liebt, und wird vom Postmann angehimmelt (sie kennt die japanische Karrierefrau).
Ein Automechaniker träumt von Sex (russische Prostituierte wie im Klischee) und Ameisen.
Ein einsamer Knabe hilft einer Katze was seine Eltern nicht wollen, und freundet sich mit einem einsamen Agoraphobiker an, und hilft ihm wieder ein normaleres Leben, indem er ihm ein Manga widmet.
Ein junge Frau kommt aus den USA zurück nach Japan (ihr Mann liest ein Buch in dem Flo die Geschichte des Technikers mit der Katze übersetzt hat) und trifft ihren Vater (den Taxifahrer) wieder und ihren Onkel (den Geschichtenerzähler); sie denkt an die dreifarbige Katze ihrer Kindheit.

Ich hatte mir das Buch gekauft in der Hoffnung auf einen poetisch freundlichen Roman oder Geschichten. Leider waren die meisten Geschichten traurig, weil die Menschen einsam waren, sie sich in den Beziehungen unglücklich machten und viel Einsamkeit zu merken war.

Interessant ist wie manche Menschen in einer Geschichte als Hauptpersonen sind, und dann irgendwo als Nebenperson auftauchen.

Manche Menschen bleiben stark mir in Erinnerung wie die Karrierefrau die ein Blättertagebuch führt (jeden Tag ein schönes Baum ? Blüten ? Blatt), der Geschichtenerzähler und auch der Detektiv. Andere Menschen bleiben blaß für mich.

Es gibt Beschreibungen von gewünschtem Sex der mir beim Lesen wenig Freude macht.

In Summe ein interessantes Buch mit einigen schönen Stellen und selten humorvoller Situationskomik, aber mir blieb vieles doch fremd.

Nick Bradley wurde in Deutschland 1982 geboren, und wuchs in Bath auf. Aus einem geplanten Aufenthalt in Japan für ein Jahr nach seinem Studium Englischer Literatur wurden zehn Jahre Leben und Lernen in Japan. Er spricht fließend Japanisch und hat sich während des Studiums in Japan auf die Figur der Katze in der Japanischen Literatur fokusiert. "The cat and the city" ist sein erstes Buch.
Im Nachwort bedankt er sich bei seinen zwei Katzen für deren Unterstützung.

Donnerstag, 7. März 2024

Britta Habekost : "Stadt der Mörder"

Britta Habekost :
"Stadt der Mörder"
Kriminalroman
2021, Penguin Verlag
450  Seiten mit Lesebändchen + 6 Seiten Nachwort + 3 Seiten Dank
ISBN 978-3-328-60195-1

Lieutenant Julien Vioric wird beauftragt besonders grauenerregende Morde in Paris aufzuklären. Eine Gouvernante wurde ermordet, deren Schützling ein adeliger Jüngling ebenso
Lysanne Magloire kommt vom Land nach Paris um ihre Schwester zu suchen; die sie spät aber doch durch Hilfe der Surrealisten findet, allerdings an eine Krankheit verliert. Sie arbeitet ihre Jugendliebe auf, die trifft den ehemaligen Ortsarzt wieder, und läßt sich vom Charme Paris einfangen.
Lysanne trifft inzwischen eine Künstlertruppe, wobei ihre die Phantasie von Luis Aragon am meisten zusagt. Die anderen der Surrealisten, wie Breton, irritieren sie mehr , wobei Bretons Frau ihre wichtige Ideen gibt.
Juliens Bruder Edouard, der kein Kriegstrauma hat, erklimmt die Karriereleiter bei der Polizei, ist mittlerwweile Polizeipräfekt, pflegt Kontakte zu den besseren Kreisen und traktiert seinen Bruder sooft er kann.
Eine farbefrohe, fröhliche neugierige Frau arbeitet als Journalistin und geht der Polizei mit Fragen auf die Nerven. Sie hilft Lyssanne weiter.
Das Ende ist überraschend.

Die Menschen sind gut beschrieben - mit Mitgefühl Lysanne die den Dorf-Mief abschüttelt bzw abschütteln muß und Julien, der das Traum aus dem ersten Weltkrieg und den Verlust seiner großen Liebe aus Südfrankreich, zu verarbeiten hat. Der Krimi ist mit 1924 datiert - und hier wird beschreiben, wie manche Menschen die Kriegsgreuel nicht verarbeiten, während manche gut mit der Vergangenheit leben.

Ort ist Paris bevor Passagen und dunkle Winkel vor den Olympischen Spielen 1924 abgerissen werden. Viele billige Wohnungen gehen durch diese Maßnahmen verloren.

Die Szenerie der Surrealisten ist unterhaltsam geschildert, v.a. wenn die kleinen Ankündigungen ein Großaufgebot der Polizei verursachen.

In Summe ein unterhaltsamer Kriminalroman.

Donnerstag, 30. März 2023

Gabriela Garcia : "Von Frauen und Salz"

Gabriela Garcia :
"Von Frauen und Salz"
original "Of Women and Salt"
2021, Flatiron Books
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube
2022, Claassen / Ullstein Buchverlag GmbH, Berlin
293 Seiten + 4 Seiten Dank
ISBN 978-3-546-10011-3

Carmen denkt an ihre Tochter Jeanette in Miami, María Isabel hört in Camagüey in der Zigarettenfabrik dem Vorleser zu, Jeanette kommt in Miami weder vom Abscheu an ihren Vater noch vom Drogenkonsum ihres Freundes los, Gloria und Ana haben sich mühsam nach Miami geschmuggelt und werden nach Mexico zurückgeschickt, Dolores und Maydelis bekommen Besuch von Carmen und Jeanette in La Habanna, Dolores denkt zurück, es endet mit Ana.

Vier dieser Frauen gehören zu einer Familie, die Kuba zur Zeit von Batista, CheGuevara und Miami erlebt und drei versuchen ernsthaft zu Überleben. Männer sind nur in Nebenrollen vorhanden. 

Interessant ist wie die jeweilige Zeitgeschichte erzählt wird. Kuba mit dem Kampf gegen Batista und seine Clique ist spürbar, wie die Arbeiterschichte dagegen kämpft, ist interessant; es wird auch unnötig Brutales gegen Frauen geschildert. Miami ist als amerikanische Stadt nicht spürbar; das Frauenanhaltelager ist dagegen sehr spürbar geschildert.

Das Buch wird als Roman bezeichnet, was ich nicht nachvollziehen kann. Ich empfinde diese zwölf Kapitel, in denen episodenhaft zwischen 1866 bis 2019 zeitlich unchronologisch von Frauen erzählt wird, als kleine Erzählungen, die für sich stehen.

Manche dieser Frauengestalten haben mich interessiert, bei manchen ist das Interesse gestiegen, aber eine Frau wurde mir beim Lesen unsympathisch. Alle sind nachvollziehbar geschildert.

In Summe ein interessanten Buch über Frauen, und deren Ziele oder Nicht-Ziele.

Gabriela Garcia ist die Tochter von Immigranten aus Cuba und Mexico, die Miam aufwuchs. "Of Women and Salt" ist ihr erster Roman.

Sonntag, 26. Februar 2023

Nancy Campbell : "Fünfzig Wörter für Schnee"

Nancy Campbell :
"Fünfzig Wörter für Schnee"
original "Fifty Words for Snow"
2020, Elliot and Thompson Ltd, London
Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit
2021, Hoffmann und Campe
Umschlaggestaltung : Jo Walker
214 Seiten + 1 Seite Dank + 6 Seiten Quellenverzeichnis + 1 Seite über Autorin und Übersetzerin
ISBN 978-3-455-01180-7

In diesem wunderschönen Buch mit weißem Schneeflockenmuster auf blau, das auf den Innenseiten umgedreht ist indem blaue Muster auf weiß sind, sind weltweite Geschichten und Gedanken über Schnee gesammelt. Es wird das für ausgewählte 50 Sprachen Wort für Schnee oder eine besondere Art Schnee, denn es gibt ja Schneeflocken von fluffig weich, bis knirschend und erdrückend hart und kompakten Schnee, genannt, und daraus eine bezaubernde Geschichte oder etwas erzählt, das gänzlich ohne Magie ist.

Manche Geschichten brachten mir Tränen in die Augen, andere fand ich einfach nur schlecht.

Zwischen den kurzen Geschichten ist immer eine Seite in der eine wunderschöne weiße Schneeflocke auf blau gedruckt ist.

Die Auswahl der Sprachen ist interessant. Es geht von Sprachen die oft auf der Welt gesprochen werden zu ganz seltenen die kurz davor stehen von niemandem mehr gesprochen werden zu können.

Ich konnte meist nur zwei oder drei Geschichten pro Tag lesen; rasches Durchlesen ging für mich bei diesen Erzählungen / Übersetzungen nicht.

In Summe ein wunderbares schönes Buch mit viel Magie, das Freude auf Sprache und Verständigen macht.

Nancy Campbell, wurde 1978 in Exeter geboren; Sie wuchs in Schottland und Northumberland auf, lebt in Oxford / UK. Sie lernte traditionelle Buchhandwerkskunst bei Barbarian Press in Kanada und Woodside Press in New York und arbeitete anschließend bei Kunstbuchdruckereien in den USA und in Großbritannien. Mehrere Aufenthalte bei arktischen Forschungseinrichtungen inspirierten sie zu verschiedenen literarischen Projekten, die sich mit der Umwelt der arktischen Zone beschäftigen. 

Brigitte Jakobeit wurde 1955 in Hirschfeld geboren. Sie studierte Anglistik, Romanistik, Germanistik und Biologie. Sie ist Jouranlistin, Redakteurin und Übersetzerin.

Dienstag, 14. Februar 2023

Roberto Andò : "Ciros Versteck"

Roberto Andò :
"Ciros Versteck"
Roman
original "Il bambino nascosto"
2020, La nave di Tesco editore
Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
2021, PolioVerlag Bozen
216  Seiten + 3 Seiten Anmerkungen + 5 Seiten Zitatnachweise
ISBN 978-3-85256-826-3

Gabriele Santoro, ehemaliger Pianist und jetzt Lehrer am Musikkonservatorium in Neapel, lebt in seiner eigenen Welt aus Ritualen wie Gedichte beim Rasieren rezitieren, sich seiner Kleidung zu widmen, Musik zu spielen und zu hören, und sonst seine Gewohnheiten zu pflegen. Nachbarsjunge Ciró flüchtet sich zu ihm, denn er und ein Freund hatten eine ältere Frau um ihre Handtasche erleichtern wollen; diese hatte sich gewehrt, war unglücklich gefallen und verstorben - und war die Mutter eines Mafiabosses, der nun Rache sucht.
Im Haus sieht Gabriele immer mehr unbekannte Menschen und bemerkt, daß er beobachtet, und sogar von einem ehemaligen, sehr schmierigen Schüler beobachtet wird. Er versucht einerseits seinen Bruder einen Staatsanwalt um Hilfe zu ersuchen was scheitert, den Mafia-boss zu erschießen was ebenso scheitert. Der Besuch bei seinem Vater ist zwar harmonisch, bald sehen sich Pianist und der Junge zur Weiterfahrt genötigt. Die Spirale der Gewalt dreht sich weiter, wird leider nur wenig durchbrochen.

Der Stil des Romans ist distanziert beobachtend. Alles wird aus Sicht von Gabriele Santoro beschrieben - der Roman folgt seinen Aktionen und Gedanken, wie sich aus einem Menschen mit geregeltem Leben jemand entwickelt, der versucht einen ca 10 jährigen Buben zu retten. 

Die Personen sind ebenfalls distanziert. Gabriele Santoro ein gepflegter Mann, Ciro mit dunklen Haaren und sehr blauen Augen, Diego der ehemalige Schüler als schmierigen Typen, Renato Santoro ebenfalls gepflegt und sehr von sich eingenommen, Vater Santoro warmherzig, der Mafiaboss klischeebehaftet.

Fast jedem der Kapitel ist ein kleiner Vers von  Konstantinos Kavafis voranstellt, der die Stimmung des kommenden Kapitels widerspiegelt.

Da der Protagonist Pianist ist werden viele Musikstücke zitiert. Es geht auch um die Kunst des Klavier lehrens. 

Der Roman ist nicht in einem und rasch lesbar, sondern es brauchte Muße da in dem Buch keinerlei Geschwindigkeit herrscht.

In Summe ein intensives Buch, das aufgrund seiner Geschichte und Personen etwas länger nachhallt.

Samstag, 28. Januar 2023

Constanze Scheib : "Der Würger von Hietzing"

Constanze Scheib :
"Der Würger von Hietzing"- Die Gnä' Frau ermittelt
Roman
2021, ein Oktopus Buch bei Kampa
277 Seiten
ISBN 978-3-311-30014-4

Helene Ehrenstein, elegante Gattin im noblen 13. Wiener Bezirk in den 70-er Jahren, lebt ihr höflich gelangweiltes Leben, und interessiert sich für Kriminalgeschichten. Eines der Dienstmädchen, Marie, teilt den Faible für Kriminalgeschichten. Nachdem die Tante eines der anderen Dienstmädchens ermordet worden war, beginnt sich Frau Ehrenstein manchmal geschickt, manchmal ungeschickt nachzulesen und zu recherchieren, denn es waren mehrere ältere Damen in Hietzing bestohlen und ermordet worden. Bei der Polizei bekommt sie wenig Information, aber ein Besuch bei einer Hippie Kommune, zu der Marie sie mitnimmt, bei der sie erstmals eine Jeans trägt und Gras raucht wird interessanter. Der Besuch bei einem möglichen Hehler bringt die schauspielerischen Talente der beiden noch mehr heraus. Am Schluß wird es spannend.
Parallel findet das Leben der gehobenen Dame mit sehr altmodischen (sehr klischeehaften) Haushalt und Tagesroutinen statt. Ehe- und Familienleben sind strukturiert - Wärme ist nicht spürbar.

Die Orte der Handlung wie die Villa in Hietzing, das Respalbüro der Polizei, die gemütliche Hippiewohnung sind gut vorstellbar geschildert.

Die Personen sind zwar gut geschildert, haben mich aber nicht berührt. Die Herzlosigkeit der Räuber-Mörder ist heftig.

Die Sprache in Wien - sowohl die der Dame, als auch die der Zimmermädchen mit wienerische - sind stimmig und es wurde nicht germanisierend eingegriffen, was wohl tut.
Bei Band 2 wurde ein Glossar erstellt, um Menschen die kein Wienerisch kennen resp verstehen, das Nachlesen zu erleichtern.

In Summe ist dieser Kriminalroman ist unterhaltsam zu lesen.

Freitag, 20. Januar 2023

Laura Coleman : "Spaziergang mit Puma"

Laura Coleman :
"Spaziergang mit Puma" - eine Freundschaft, die alles verändert
original "the Puma Years"
2021, Samar Hammam, Rocking Chair Books Ltd
Übersetzung aus dem britischen Englisch von Jasmin Humburg
2022, Bastei Lübbe AG, Köln
1 Seite Anmerkung der Autorin + 336 Seiten + 2 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-431-05042-4

Die Autorin ist Mitte 20 und auf der Suche nach sich, dem richtigen Job und dem Platz auf den sie hingehören könnte. Sie findet einen Prospekt vom "Parque" des "Comunidad Inti Wara Yassi" im Schutzgebiet des Ambue Ari, bei dem für die Tiere Freiwillige mitten im Dschungel Boliviens gesucht werden. Zuerst ist sie dort mit allem überfordert - dem Klima, dem Schmutz, den Tieren und den anderen Menschen vor Ort. Ihr wird da sie länger bleibt eine Puma-dame anvertraut, um mit ihr durch den Dschungel zu laufen : so lernt sie Wayra kennen. Von Beginn an ist sie von der kleinen Großkatze, den Farben, den Bewegungen, dem grantigen fauchenden Charme von Wayra fasziniert.
Sie erzählt auch von den großen und kleinen Papageien, von verschmusten Brüllaffen, von anderen kleinen Großkatzen, die alle in "Parque" gepflegt und wenn es geht wie einem halbwegs normalen Tierleben zugeführt werden.
Das Wetter in Bolivien ist von extremer Hitze bis kalten Regenperioden. Schlimmer sind die Waldbrände die bewußt gemacht werden, und dann ausufern; entweder es gelingt Schneissen in den Dschungel zu schlagen, oder Regen löscht.
Lau/Laura/Laurita fährt einige Zeit weg, wird dann wieder sehnsüchtig nach dem "Parque" und lebt dann länger dort. Das Einverständnis zwischen ihr und Wayra, die entflohen war, aber nicht alleine überleben konnte, und glücklicherweise gefunden wurde, wird immer dichter. Auch gemeinsames Schwimmen im Fluß erleben die beiden. Laura fliegt wieder nach England, weiß aber was sie mit ihrem Leben macht .. und kommt weiterhin in den "Parque" um zu helfen.

Die Geschichte zwischen der Erzählerin und dem Puma geht zwar und die Haut, ist aber manchmal mühsam und sperrig zu lesen.

Es wimmelt von Namen für die Tiere und die anderen Freiwilligen. Es ist nicht immer alles leicht merkbar, wobei die charaktere der Tiere faszinieren. Die Liebe der meisten Freiwilligen gehören den "Katzen" - das Bauen der Gehege und Laufpfade durch den Dschungel ist sehr mühsam.
Die Schilderungen der Pflanzen, vor allem der riesengroßen Bäume, hat mich sehr angesprochen.

Die Landstraße die durch den Parque führt wird durch den steigenden rücksichtslosen LKW-Verkehr immer mehr zum  Risiko für die Tiere im "parque"; Tiere werden gestohlen und Landwirtschaft nimmt wertvollen Dschungelgrund. 

In Summe ein faszinierendes Buch, auch wenn ich mir mit dem Stil etwas schwer tat.

Sonntag, 19. Dezember 2021

Donna Leon : "Flüchtiges Begehren"

Donna Leon : 
"Flüchtiges Begehren" - Commissario Brunettis dreißigster Fall 
original "Transient Desires" 
Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz 
2021, Diogenes Verlag 
307 Seiten 
ISBN 978-3-257-07120-7

Zwei verletzte amerikanische Touristinnen werden vor einem Krankenhaus abgelegt, die jungen Männer die das tun verschwinden. Gemeinsam mit der Küstenwache kommt rasch heraus, daß diese beiden ein junger Anwalt aus guter Familie und der Neffe eines groben Schiffunternehmers waren, wobei diese beiden rasch die Geschichte zu dem Unfall erzählen. Parallel tut sich die Geschichte einer illegalen Prostituierten auf, die unter falschen Zukunftsaussichten ins Land geschmuggelt worden war, und erzählt wie ihre mitflüchtenden Frauen jämmerlich ertrunken waren. Die des Menschenhandels verdächtigen Personen werden erwischt, leider gibt es dann einen sympathischen Toten zuviel.

Brunetti liest in diesem Buch viel aus Tacitus, und geht der Idee nach wie es zu Gerüchten kommt - damals und heute.

Um Brunetti ist das bewährte Team aus Vianello, Griffoni und Singbar Elettra; auch Patta gibt es. zu Hause sind Paola und die beiden Kinder - wie gewohnt. Neu sind die jungen Männer Berto und Vito, der erfolgsgewohnte brutale Onkel von Vito, und die Mitarbeiter der Küstenwache. 

Behutsam wird das Thema Freundschaft behandelt. Auch wenn sich daraus mehr entwickeln kann.

Ich bin mit dem Ende gar nicht einverstanden; es hat mich geschockt, auch wenn ich mittlerweile die manchmal unbefriedigenden Geschichtsenden bei Frau Leon gewohnt sein sollte.

In Summe ein gewohnt guter Venedig-Roman, der diesmal viel auf der Giudecca spielt. Viel Freude am Lesen !

Mittwoch, 24. November 2021

Tanja Brandt : "Die Eulenflüsterin"

Tanja Brandt :
"Die Eulenflüsterin" - Was ich von meinen Tieren über das Leben lernte
2021, Bastei Lübbe
210 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-404-61720-3

Die Autorin, die vielen durch ihre Tierphotographie bekannt ist, beschreibt hier ihre Kindheit, ihre Liebe zu Tieren, ihre Beziehungen - und für sie viel wichtiger das Zusammenleben mit ihren Tieren. Hund Ingo war Eigenbrötler bis er lernte, daß er für einen kleinen Steinkauz ein guter Freund ist. 

Mich haben die verschiedenen Eulen und Kauze fasziniert die mit der Autorin gelebt haben, und wie unterschiedlich sie die Temperamente beschreibt. Die Charaktere der Eulen und Käuze sind grundverschieden von freundlich bis supergrantig, stetig bis launenhaft geschildert. Auch in ihrem Verhalten zu ihr sind die Vögel unterschiedlich, weil Bussarde sofort in den Beschützermodus verfallen, Eulen aber ruhig und abwartend agieren. Eulen sind offenbar die Meister der Ruhe, die bei allem was Hektik oder Stress sein könnte, abtauchen können. Witzig wird es wenn die Autorin beschreibt, daß sie bei Spaziergängen von einer Eule zu fuß begleitet wird (fliegen war offenbar anstrengender), oder wenn sie mit Bussard auf der Schulter spazieren ging, und Kinder bis Polizei sie vorsichtig ansprachen.

Die Geschichten mit den Tieren - vor allem mit den von mir so geschätzten - Eulen und diversen Käuzen sind herzerwärmend und unterhalten. Auch wenn einige Tiere sterben - weil sie kürzere Lebenserwartung haben, oder etwas dazwischenkommt - ist viel Wärme und Zuneigung zwischen Autorin und den Tieren spürbar.

In Summe ein bezauberndes Buch, das gerade in Pandemie- und Lockdownzeiten gut tut. Viel Freude beim Lesen - und beim Betrachten der Photos im Mittelteil des Buches !

Tanja Brandt wurde am 15. Juni 1968 in Stuttgart geboren.  Sie lernte zuerst Bürokauffrau, später arbeitete sie in einer Spedition und als LKW-Fahrerin. Seit ca. 5 Jahren ist sie Tierfotografin und lebt heute in Remscheid und Grevenbroich, zusammen mit Ihren Hunden, Eulen und Greifvögeln.

Mittwoch, 10. November 2021

Michael Schnitzler : "Der Geiger und der Regenwald"

Michael Schnitzler :
"Der Geiger und der Regenwald" - Erinnerungen
Mitarbeit und Vorwort : Petra Hartlieb
2021, Amalthea Signum Verlag
250 Seiten (mit zahlreichen Abbildungen) + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis + 3 Seiten Vorwort + 3 Seiten Prolog + 2 Seiten Epilog + 1 Seite Dank + 1 Seite Bildnachweis + 5 Seiten Namensregister
ISBN 978-3-99050-204-4

Michael Schnitzler, Musiker und Regenwald-Engagierter, hat seine Lebensgeschichte und einiges über seine Familie in engagierter und humorvoller Weise zusammengefaßt. In den ersten Kapiteln geht es um seine Großeltern, inklusive dem berühmten Großvater den er selbst nie kennengelernt hat, und wie sie es geschafft haben aus dem Nazi-Reich herausgekommen.
Er selbst kam erst in Amerika zur Welt, haßte Sport und begann früh Violine zu spielen.
Als Teenager zurück in Wien wurde er von Prof Samohyl unterrichtet, war Substitut bei den Wiener Philharmonikern, und seine berufliche Karriere begann. Er wurde rasch Konzertmeister bei den Wiener Symphonikern, mit denen er ein großes Repertoire aufbaute, und war Mitglied von Kammerensembles und kleineren Musikergruppen. Die "Schnurren" aus dem Musikerleben, in denen Situationen oder Menschen liebevoll bis trocken erzählt werden, sind zum Lesen sehr unterhaltend.
Der Autor erzählt viel über Bergsteigen in den USA, und Schweiz und - wie er sich in Costa Rica in den Regenwald verliebt. Zuerst kauft er ein Haus, dann beginnt das Engagement für diese Region, die Gründung des "Regenwald der Österreicher" und seine Verhandlungen für Hilfe. Die Erzählungen über nicht klappende Installationen, einbrechende Dächer, Regengüsse die Bäche in Sturzbäche verwandeln ziehen in den Bann.
Der Epilog bleibt zwiespältig in seiner postiven Einschätzung für die Zukunft der "klassischen" Musik, aber negativen für den Regenwald.

Der Stil ist leicht lesbar und unterhaltend, trotz der nicht einfachen Themen wie Flucht und Regenwald.

Die Seiten, in denen über die großen Dirigenten und Solisten in der klassischen Musikbranche erzählt werden, sind für Liebhaber der Branche unterhaltend bis weiterbildend; mit Sympathie wird nicht gegeizt.

Die gleiche Leidenschaft, die über viele Seiten für Kammermusik zu spüren ist, wird später dem Regenwald zuteil. Als Unterstützer des 'Regenwald der Österreicher' hat mich vorallem der Beginn dieser Idee fasziniert.

Berührend ist wie der Autor erzählt, daß seine Mutter in Amerika mit Krankenschwesterjob und Kammermusik glücklich, während sein Vater mit Studententheatern unterfordert war, und daß es in Wien umgekehrtwar das der Vater im Theater glücklich wurde, aber seine Mutter nicht mehr als Krankenschwester arbeitete und auch wenig von Musikmachen erzählt wurde.

In Summe ein interessantes Buch mit ernsten Themen aber auch humorvollen Absätzen. Viel Freude beim Lesen !

Samstag, 23. Oktober 2021

Jean-Yves Ferri + Didier Conrad: "Asterix und der Greif" (Asterix Band 39 )

Jean-Yves Ferri + Didier Conrad: "Asterix und der Greif" (Asterix Band 39 )
original "Astérix et le Griffon"
2021, Editions Albert René
aus dem Französischen übersetzt von Klaus Jöken
2021, Egmont Comic Collection
46 Seiten
ISBN 978-3770424399
 
Cäsar möchte einen Greif, den er nur von einer Amphore kennt, als Unterhaltung für den Zirkus in Rom, und schickt einen Geographen mit Unterstützung in die Wüste. Parallel sind Asterix, Obelix, Idefix und Miraculix ebenfalls in diese Richtung unterwegs, weil der dortige Schamane Terrine um Hilfe gebeten hat. In der Wüste sind Amazonen mit sehr unterschiedlichen Temperamenten, Figuren und Haartrachten am Entscheiden und Kämpfen - die Namen der kampftüchtigen Frauen und haushaltenden Männern sind übrigens zum Zerbröseln. Nach einigen diplomatischen Zwischenfällen befreit sich eine bildschöne gefangene Amazone gemütlich selbst, der Schamane wird mithilfe von Idefix befreit. Am Schluß gibt es zwei Feten.

Die Zeichnungen habe mich sehr gut unterhalten, die Phantasietiere sind schön, das Pferd das Obelix trägt hat eine eigene Linien, Miraculix ist diesmal mehr verkühlt als zaubernd.

Idefix schließt Freundschaft mit Wölfen, die entzückend gezeichnet ist; den armen Obelix aber in seiner Sorge um Idefix einiges kosten.

In Summe habe ich mich sehr gut beim ersten Lesen und Ansehen unterhalten, und werde vermutlich viele Feinheiten beim zweiten Durchgang entdecken. Viel Spaß !

Biographien von Autor und Illustrator bei Band 35 (Asterix bei den Pikten).

Donnerstag, 30. September 2021

Roland Freisitzer : "Frey"

Roland Freisitzer :
"Frey"
Roman
2021, Septime Verlag
251 Seiten + 1 Seite Porträt + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-99120-005-5

Daniel Frey, frustriert in seinem Job in einem Verlag, streitet mit seiner Frau, haut aus der Wohnung ab, hat einen kleinen Verkehrsunfall, fährt zum Flughafen und fliegt mit dem ersten Flugzeug - und das ist nach Tokyo. Im Flugzeug plaudert er mit seinem Sitznachbarn Daniel Bernhaugen, der mit seiner japanischen Frau in Nagasaki eine wunderbare Buchhandlung hat - und bucht weiter. Im Anflug auf diese Nachbarinsel kommt es zu einem Flugzeugunfall, aus dem D Frey als D Bernhaugen erwacht, was er immer wieder hinterfragt, aber dann auch zu akzeptieren bereit ist, denn seine quasi Frau ist wunderschön, seine quasi Angestellte für ihn hochinteressant und anregend. In einem Kaffeehaus lernt er den aggressiven Amerikaner Charles kennen, der erzählt, daß er der Enkel des Piloten sei, der die zweite Atombombe - die auf Nagasaki - fallen gelassen habe. Dann nimmt der Roman an Geschwindigkeit auf, denn Charles wird angeblich ermordet, er wäre der Mörder, ein Schwert verschwindet, der vertrauensvolle Arzt weiß merkwürdig viel Bescheid, einige japanische Mafia-gruppen jagen ihn, Charles und die Angestellte, plötzlich könnte D Bernhaugen auftauchen ..... bis der Roman ein plötzliche Wendung macht.

Ort des Buches sind Wien (sehr erkennbar), und Nagasaki (keine Ahnung ob erkennbar oder nicht). Das Museum, das sich den Auswirkungen der 'fat boy' widmet wird detailreich und zugleich spannend beschrieben. Die Buchhandlung dort sei fiktiv, aber trotzdem gut vorstellbar.

Daniel Frey ist um die 40, lebt sein Leben vor sich hin, bis er durch die zuerst Kommunikationslosigkeit, dann lauten Streit mit seiner langjährigen Frau alles in Frage stellt. Er ist die zentrale Figur, durch die sich alles entwickelt. Er ist aktiv, und sei es bei einer halsbrecherischen Autofahrt, oder als er versucht gegen die Mafiagruppen mit seinen Mitmenschen zu überleben.
Greifbar ist auch die Angestellte Yuki, die zwar nicht hübsch ist, aber Ausstrahlung und Netzwerk hat. Charles ist als Amerikaner ein Gemisch aus Elephant im Porzellanladen, aber dann mit positiver Energie dabei. 
Der Arzt ist freundlich-zurückhaltend-positiv-hilfreich, aber ob er wirklich der ist, bleibt zwischen den Zeilen stecken.

Der Roman ist teilweise grandios geschrieben, die Beschreibungen ziehen in den Bann, die Unsicherheiten  von D Frey nachvollziehbar, die 6-szenen brauche ich nicht.

In Summe ein empfehlenswerter Roman. Viel Freude beim Lesen !

Samstag, 11. September 2021

Philip Gwynne Jones : "Venezianische Vergeltung"

Philip Gwynne Jones :
"Venezianische Vergeltung"
original "Vengeace in Venice"
2018, Constable/Little London
Aus dem Englischen von Birgit Salzmann
2021, Rowohlt Taschenbuch Verlag
355 Seiten + 3 Seiten Glossar
ISBN 978-3-499-17660-6

Nathan Sutherland lebt als - unbezahlter - Honorarkonsul in Venedig, und macht Übersetzungen ins englische für die Biennale. Kunstinteressiert und Vernissagen schätzend ist er auch dieses Jahr bei der Eröffnung des Britischen Pavillons anwesend, als ein bekannter, für seine Verrisse bekannter Kritiker in die spitze Glasinstallation stürzt. Nathan sieht sich verpflichtet dem britischen Pavillon und dem schüchternen Künstler zu helfen, arbeitet mit der Polizeit zusanmmen, legt sich mit einem schmierigen Journalisten an, verletzt sich in einem Bereich der Biennale und kann mit Hilfe seines Katers Gramsci und seiner Freundin Frederica gerade noch sein Ende abwenden.

Dieser zweiter Band mit Nat Sutherland ist für Genießer des Charmes Venedig und der alle zwei Jahre stattfindenden Kunstbiennale wie mich ein Genuß. Es macht Freude den Straßerln, Vaporetto-linien und Kirchenbesuchen in Venedig zu folgen, sowie die Beschreibungen der Kunstpavillons zu lesen.

Nathan selber wohnt in einer Wohnung mitten in Venedig, seine Freundin wohnt am Lido. Er wohnt mit seinem grantigen, sportsüchtigen Kater Gramsci zusammen, kocht gut, und ist ohne Kaffee nicht ansprechbar. Seine Freundin Frederica / Fede ist Kunsthistorikerin, und arbeitet gerade in einer der schönsten Kirchen Venedigs. Freund Dario hilft ihm am Schluß des Romans zur Lösung des Falles, auch wenn es brenzlig wird.

Im Glossar sind italienische und venezianische Redewendungen und Worte abgedruckt, die Freude machen nachzulesen.

Der Kriminalroman ist sehr gut geschrieben, und hat mir Freude gemacht ihn zu lesen. Mitraten des Who-dunnit ist möglich. Viel Freude beim Lesen !