Mercè Rodoreda :
"Der Garten über dem Meer"
Roman
original "Jardt vora el mar"
1967, Club Editor Barcelona
Aus dem Katalanischen von Karsten Brand
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Roger Willemsen
2016, Berlin Verlag Taschenbuch
216 Seiten + 13 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-8333-1054-6
Der Garten zu dem Meer gehört zu einer Villa einige Kilometer von Barcelona entfernt. Der reiche Senyoret Francesc wohnt, feiert, liebt, und lebt mit seiner Frau Senyorita Rosamaria und anderen Freunden in den wärmeren bis warmen Monaten hier. Er liebt seine Frau mehr als umgekehrt. Senyorita Eulália ist mit dem meist abwesenden Senyoret Sebastià verheiratet; wenn Sebastiá doch hier ist ist es sehr lustig da er einmal mit einem Löwen und einem Affen kommt und sonst jede Menge an Schabernack ausheckt. Nach seinem Tod nähern sich Senyorita Eulália und der Maler Felíu an, wobei ihre Malereien sogar in USA Erfolg haben.
Nachbar ist der in Kuba reich gewordenen Senyoret Bellem, der auf seine Tochter Maribel und Schwiegersohn Eugeni wartet. Dieser Eugeni entpuppt sich die Jugend- und große Liebe von Senyorita Rosamaria - er kommt beim Schwimmen ums Leben.
Selbst das Liebesleben einiger Mädchen im Haushalt von Senyoret Francesc wird erzählt.
Das Buch ist aus Sicht des Gärtners erzählt der das Leben der Villa-Besitzer und des Nachbarn entweder durch seine Gartenarbeit mitbekommt, oder weil es die Mädchen aus dem Haus erzählen oder er plaudernden Besuch in seinem Häuschen erhält. Er hält die Liebe zu seiner mittlerweile verstorbenen Frau Cecília aufrecht. Er behält sich Respekt für die anderen Menschen deren Garten er versorgt und läßt dem Leben der anderen seinen Lauf ohne gleich zu richten und zu bewerten.
Eugeni der nie seine Liebe zu Rosamaria überwunden hatte, ist in seinem Unglück spürbar, während Rosamaria lange unbeteiligt erscheint, und Francesc seine Liebe zu Rosamaria ausdrückt.
Die Sprache ist langsam; alles wird langsam beschrieben. Es werden viele Pflanzen im Garten genannt, die Gartenfreaks erfreuen werden.
Die Stimmung ist wie bei einem impressionistischen Bild, auf dem die Pastell- und Blumenfarbe schimmern und leuchten.
Zeit der Handlung dürften die 20-ger, 30-er Jahre sein. Daß einige Jahre später der Bürgerkrieg toben wird ist nicht spürbar. Auch wenn man bißchen an Great Gatsby denken kann, ist dieses Buch ruhiger, weniger hektisch, und auch die Geschäfte sind nicht undurchsichtig.
Berührend sind die Szenen in denen die einfach bodenständigen Eltern von Eugeni dem Gärtner von der Jugendliebe der zwei jungen Menschen erzählen.
Das Buch ist nicht einfach zu lesen, weil sich unüblich wenig tut. Ich wünsche viel Freude beim bewußten Lesen dieses Buches !
Mercè Rodoreda i Gurgui wurde am 10. Oktober 1908 in Barcelona geboren. 1928 heiratete sie ihren Onkel, der 14 Jahre älter war und bekam 1929 ihren Sohn Jordi; von beiden entzweite sie sich. 1938 erschien ihr Roman "Aloma". Sie ging ins Exil nach Frankreich und später in die Schweiz. Erst 1958 veröffentlichte sie wieder den Erzählband "Vint-i-dos Contes". Ihr Roman "La plaça del Diamant" (1962) wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. 1974 erschien ihr Roman 'Mirall trencat' und sie kehrte in 70-er nach Spanien zurück. Sie starb am 13. April 1983 in Girona.
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Samstag, 30. September 2017
Montag, 20. Februar 2017
Nagib Machfus : "Miramar"
Nagib Machfus :
"Miramar"
Roman
original "Miramar"
1967
Aus dem Arabischen von Wiebke Walther
1989/2012, Unionsverlag
225 Seiten + 6 Seiten Worterklärungen
ISBN 978-3-293-20591-8
Die Geschichte findet in Alexandria statt, und wird aus mehreren Perspektiven erzählt, wobei in die Historie Ägyptens bis vor den Machtwechsel der Wafd-Partei gegriffen wird. In der Pension der griechisch-gebürtigen Madame Mariana wohnen mehrere Männer unterschiedlichen Alters, die die junge Fellachin Zuchra unterschiedlich betrachten und behandeln. Zuchra ist aus einem Dorf ausgerissen und versucht sich in der Stadt ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen, was in den 60-ern des 20. Jahrhunderts trotz angeblicher Gleichheit nicht einfach ist, da das Benehmen der Männer von respektvoll bis sehr respektlos ist. Am Ende steht ein toter Männerkörper, und daß Zuchra sich eine neue Arbeit suchen muß.
Die Geschichte der fünf Männer, die im Hotel Miramar wohnen, wird aus deren unterschiedlichen Sichtweisen und persönlichen Geschichten erzählt. Keiner der zwei Frauen wird eine Erzählung gewidmet.
Ausgangspunkte und auch Epilog bietet der alte Journalist Amir Wagdi , der gütig und verständnisvoll die Positionen der Menschen ansieht und auf Revolution(en) und viele Regierungen, und viel Menschliches zurückblickt. Ruhe bieten ihm nur verschiedene Suren.
Etwas jünger ist der arrogante Tolba Marzuq, der lange Ministerposten und viel Einfluß hatte, und dessen Vermögen nach dem Regierungswandel zerstreut wurde. Er darf keinen eigenen Blickwinkel anbieten.
Jeder der drei jungen Männer erzählt aus seiner Sicht:
Husni Allam der sein Geld verjubelt, Frauen ohne Bedenken genießt und in Zuchra zumindest eine Geliebte sieht. Sein Geld möchte er in ein Bordell investieren. Der Stil seiner Sichtweise ist locker und schnell geschrieben. genauso wie er schnell Auto fährt.
Mansur Bahi, dessen Bruder beim Geheimdienst ist, weshalb er aus Kairo und einer kommunistischen Gruppe gerettet wurde, aber seine Liebe nicht vergessen kann. Leider kann er weder zur seiner Liebe Durrejja stehen, noch politisch etwas weiterbringen. Dafür ist er der einzige der das Wissen um Worte und Geschichte des alten Journalisten zu schätzten weiß, da er beim Radio arbeitet. Er ist grüblerisch, introvertiert, traut sich nichts zu, denkt zuviel nach und explodiert unvermutet.
Sarhan al-Buheri läßt sich von der Professionellen Sarejja aushalten, verguckt sich in die Zuchra und versucht alles um von ihr erhört zu werden, und flirtet dann mit ihrer Lehrerin. Am Schluß zerfällt alles für ihn : seine Versuche am Schwarzmarkt zu handeln und seine Ideen von Ehe und Geliebter.
Zuchra, die als attraktives Mädchen von dem Land geschildert wird, erzählt selber nicht, aber es wird klar, daß sie in Sarhan verliebt ist/war. Sie bleibt aber geradlinig bei ihrem Ziel lesen und schreiben zu lernen, und mehr zu arbeiten als nur als Ehefrau, Bäuerin oder Hausmädchen, weil sie nicht dumm bleiben will. Einzig Amir sieht dies wohlwollend, und versucht sie bei ihrem Liebeskummer freundlich zu trösten. Selbst die Hotelbesitzerin Mariana hilft ihr am Schluß nicht mehr.
In den Kapiteln sind immer wieder Absätze eingestreut die Dialoge aus der Vergangenheit der jeweiligen Männer quasi einblenden. Diese sind manchmal einfach zu verstehen, manche aber bleiben wegen der ägyptischen (Innen)Politik für mich unverständlich.
In dem Roman wird viel aus der Geschichte Ägypten zur Zeit der Wafd-Partei erzählt, auch daß manche nur einen aktuellen Ausweg entweder bei den Kommunisten oder religiösen Bruderschaften sehen; Amerika bietet keine politische oder lebenswerte Alternative. Auch von einer Revolution 1919 ist zu lesen.
Die Sprache des Autors oder die Übersetzung ist langsam und mit Bildern durchsetzt. Bespiel: "Die Himmelskuppe war von einer Aureole aus gekrempelter Baumwolle umrankt .."(S. 175).
Die Personen sind gut vorstellbar mit ihren Gesichtsbeschreibungen, Stil den sie tragen, die Art wie sich bewegen und temperamentvoll bis introvertiert sind. Die Ort der Handlung (in Alexandria) sind das Hotel in Miramar, die Corniche, verschiedene traditionelle Cafés; gesprochen wird über das Rif (Land) und Feddan (ein Flächenmaß) Land das manche noch haben, anderen aber weggenommen worden war.
In Summe ein schöner Roman, der nicht ganz einfach zu Lesen ist, aber durch seine Personen berührt. Viel Freude beim Lesen.
Nagib Mahfuz (auch Nagib Machfus, Nadschib Mahfus, Naguib Mahfouz, Nadjib Mahfus;) wurde am 11. Dezember 1991 in Kairo geboren. Er studiert Philosophie; ab den 1930er Jahren arbeitete er als Beamter im ägyptischen Bildungsministerium. Er begann daneben Romane zuerst über die Pharaonenzeit zu schreiben, ab den 40-er Jahren dann in zeitgenössischem Ambiente. Mit der 'Kairoer Trilogie" hatte er seinen Durchbruch. 1959 gab es nach 'Die Kinder unseres Viertels' Proteste aus religiösen Gruppen. 1994 griff ihn ein Messerattentäter an, was er überlebte. Er starb am 30. August 2006.
"Miramar"
Roman
original "Miramar"
1967
Aus dem Arabischen von Wiebke Walther
1989/2012, Unionsverlag
225 Seiten + 6 Seiten Worterklärungen
ISBN 978-3-293-20591-8
Die Geschichte findet in Alexandria statt, und wird aus mehreren Perspektiven erzählt, wobei in die Historie Ägyptens bis vor den Machtwechsel der Wafd-Partei gegriffen wird. In der Pension der griechisch-gebürtigen Madame Mariana wohnen mehrere Männer unterschiedlichen Alters, die die junge Fellachin Zuchra unterschiedlich betrachten und behandeln. Zuchra ist aus einem Dorf ausgerissen und versucht sich in der Stadt ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen, was in den 60-ern des 20. Jahrhunderts trotz angeblicher Gleichheit nicht einfach ist, da das Benehmen der Männer von respektvoll bis sehr respektlos ist. Am Ende steht ein toter Männerkörper, und daß Zuchra sich eine neue Arbeit suchen muß.
Die Geschichte der fünf Männer, die im Hotel Miramar wohnen, wird aus deren unterschiedlichen Sichtweisen und persönlichen Geschichten erzählt. Keiner der zwei Frauen wird eine Erzählung gewidmet.
Ausgangspunkte und auch Epilog bietet der alte Journalist Amir Wagdi , der gütig und verständnisvoll die Positionen der Menschen ansieht und auf Revolution(en) und viele Regierungen, und viel Menschliches zurückblickt. Ruhe bieten ihm nur verschiedene Suren.
Etwas jünger ist der arrogante Tolba Marzuq, der lange Ministerposten und viel Einfluß hatte, und dessen Vermögen nach dem Regierungswandel zerstreut wurde. Er darf keinen eigenen Blickwinkel anbieten.
Jeder der drei jungen Männer erzählt aus seiner Sicht:
Husni Allam der sein Geld verjubelt, Frauen ohne Bedenken genießt und in Zuchra zumindest eine Geliebte sieht. Sein Geld möchte er in ein Bordell investieren. Der Stil seiner Sichtweise ist locker und schnell geschrieben. genauso wie er schnell Auto fährt.
Mansur Bahi, dessen Bruder beim Geheimdienst ist, weshalb er aus Kairo und einer kommunistischen Gruppe gerettet wurde, aber seine Liebe nicht vergessen kann. Leider kann er weder zur seiner Liebe Durrejja stehen, noch politisch etwas weiterbringen. Dafür ist er der einzige der das Wissen um Worte und Geschichte des alten Journalisten zu schätzten weiß, da er beim Radio arbeitet. Er ist grüblerisch, introvertiert, traut sich nichts zu, denkt zuviel nach und explodiert unvermutet.
Sarhan al-Buheri läßt sich von der Professionellen Sarejja aushalten, verguckt sich in die Zuchra und versucht alles um von ihr erhört zu werden, und flirtet dann mit ihrer Lehrerin. Am Schluß zerfällt alles für ihn : seine Versuche am Schwarzmarkt zu handeln und seine Ideen von Ehe und Geliebter.
Zuchra, die als attraktives Mädchen von dem Land geschildert wird, erzählt selber nicht, aber es wird klar, daß sie in Sarhan verliebt ist/war. Sie bleibt aber geradlinig bei ihrem Ziel lesen und schreiben zu lernen, und mehr zu arbeiten als nur als Ehefrau, Bäuerin oder Hausmädchen, weil sie nicht dumm bleiben will. Einzig Amir sieht dies wohlwollend, und versucht sie bei ihrem Liebeskummer freundlich zu trösten. Selbst die Hotelbesitzerin Mariana hilft ihr am Schluß nicht mehr.
In den Kapiteln sind immer wieder Absätze eingestreut die Dialoge aus der Vergangenheit der jeweiligen Männer quasi einblenden. Diese sind manchmal einfach zu verstehen, manche aber bleiben wegen der ägyptischen (Innen)Politik für mich unverständlich.
In dem Roman wird viel aus der Geschichte Ägypten zur Zeit der Wafd-Partei erzählt, auch daß manche nur einen aktuellen Ausweg entweder bei den Kommunisten oder religiösen Bruderschaften sehen; Amerika bietet keine politische oder lebenswerte Alternative. Auch von einer Revolution 1919 ist zu lesen.
Die Sprache des Autors oder die Übersetzung ist langsam und mit Bildern durchsetzt. Bespiel: "Die Himmelskuppe war von einer Aureole aus gekrempelter Baumwolle umrankt .."(S. 175).
Die Personen sind gut vorstellbar mit ihren Gesichtsbeschreibungen, Stil den sie tragen, die Art wie sich bewegen und temperamentvoll bis introvertiert sind. Die Ort der Handlung (in Alexandria) sind das Hotel in Miramar, die Corniche, verschiedene traditionelle Cafés; gesprochen wird über das Rif (Land) und Feddan (ein Flächenmaß) Land das manche noch haben, anderen aber weggenommen worden war.
In Summe ein schöner Roman, der nicht ganz einfach zu Lesen ist, aber durch seine Personen berührt. Viel Freude beim Lesen.
Nagib Mahfuz (auch Nagib Machfus, Nadschib Mahfus, Naguib Mahfouz, Nadjib Mahfus;) wurde am 11. Dezember 1991 in Kairo geboren. Er studiert Philosophie; ab den 1930er Jahren arbeitete er als Beamter im ägyptischen Bildungsministerium. Er begann daneben Romane zuerst über die Pharaonenzeit zu schreiben, ab den 40-er Jahren dann in zeitgenössischem Ambiente. Mit der 'Kairoer Trilogie" hatte er seinen Durchbruch. 1959 gab es nach 'Die Kinder unseres Viertels' Proteste aus religiösen Gruppen. 1994 griff ihn ein Messerattentäter an, was er überlebte. Er starb am 30. August 2006.
Sonntag, 12. Februar 2017
Anna Achmatowa : "Gedichte"
Anna Achmatowa :
"Gedichte"
ausgewählt und übertragen von Hans Baumann
1967, Langewiesche-Brandt Verlag, Ebenhausen bei München
87 Seiten + 5 Seiten biographisches Nachwort + 1 Seite Bibliographische Anmerkungen + 4 Seiten Anmerkungen zum Text + 3 Seiten Inhaltsverzeichnis
keine ISBN
Da Anna Achmatowa zu einer der großen Lyrikerinnen zählt und die Repressalien unter Stalins Herrschaft überstanden hat, habe ich zu diesem Lyrik-band gegriffen.
In drei Kapiteln (I. 'Im dunklen Kreis'; II. 'Netze am Ufer'; III. 'Gekreuzte Regenbogen'; Requiem [1935 - 1940]) sind Gedichte zusammengefaßt, die zwischen 1911 und 1963 entstanden sind.
Mich haben die Gedichte im zweiten Kapitel am meisten angesprochen da in ihnen Liebe, Sehnsucht, Zärtlichkeit, Hoffnung, Behutsamkeit zu spüren ist. Im ersten Kapitel ist das Elend des Krieges und Verzweiflung in der blockierten Stadt Leningrad spürbar. Die Gedichte im dritten Kapitel kann ich nicht zusammenfassen, mir gefällt auf Seite 62 der acht-Zeiler über die Muse aber am besten.
Die Gedichte im Kapitel 'Requiem' sind schwarz, das Unglück der Menschen um sie ist spürbar.
Es kommen die großen Namen der russischen Dichtkunst wie Puschkin, Pasternak vor.
Auch sonstige russische Örtlichkeiten wie die Malka (Fluß), die jemanden der sich in Rußland nicht auskennt, beim Lesen zum Straucheln bringt.
Obwohl ich kein Lyrik-Fan bin (und mich mit Gedichten ehrlicherweise eher schwer tue) haben mich diese Zeilen und Reime sehr angesprochen. Sie sind zwar nicht einfach zu lesen und damit nicht unterhaltend, aber sie 'entschleunigen' und bringen zum Nachfühlen und Nachgrübeln. Viel Freude beim Mitgehen !
Anna Achmatowa (Anna Andrejewna Gorenko) wurde am 23.Juni 1889, Odessa (Ukraine) geboren. Sie ging in ein exklusives Lyzeum, und kannte von Kindesbeinen an Künstler. Sie veröffentlichte Gedichte als Jugendliche und bereits vor der Revolution, hatte dann Veröffentlichungsevrbot zwischen 1922 bis 1940, ihr erster Mann wurde erschossen, der Sohn inhaftiert, der zweite Mann wurde ebenfalls inhaftiert. Sie erlebte Teile der Blockade um Leningrad mit, wurde erst nach Stalins Tod teilweise rehabilitiert und durfte in den 60-er ins Ausland zu Entgegennahme von Ehrungen. Sie starb am 5. März 1966, Moskau (Rußland).
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Rund um dieses Buch kam es zu Diskussionen, da Hans Baumann, geboren 1914, als ex-Hitlerjugendführer und Verfasser des Liedes "Es zittern die morschen Knochen" als Übersetzer von Achmatowa kam. Ingeborg Bachmann drückte ihr Entsetzten aus, kündigte beim Piper-Verlag, wechselte zu Suhrkamp. Im Piper Verlag sollten eigentlich die Achmatowa-Gedichte erscheinen - die fallen gelassenen Gedichte wurden dann in Raten vom Kristof Wachinger, dem Chef des Münchner Kleinverlags Langewiesche-Brandt, dem großen Kollegen Piper die 3900 bereits gedruckten "Gekreuzten Regenbogen" abgekauft. Mit neuem Verlagsimpressum und neuem Titel ("Gedichte") wurde diese Achmatowa-Gedichte dann auf den Markt gebracht - Piper produzierte die ausgewählten Gedichte mit neutralem Einband und schenkten sie dem Übersetzer.
[das Buch ist übrigens in einer öffentlichen Stadtbibliothek zum Leihen]
"Gedichte"
ausgewählt und übertragen von Hans Baumann
1967, Langewiesche-Brandt Verlag, Ebenhausen bei München
87 Seiten + 5 Seiten biographisches Nachwort + 1 Seite Bibliographische Anmerkungen + 4 Seiten Anmerkungen zum Text + 3 Seiten Inhaltsverzeichnis
keine ISBN
Da Anna Achmatowa zu einer der großen Lyrikerinnen zählt und die Repressalien unter Stalins Herrschaft überstanden hat, habe ich zu diesem Lyrik-band gegriffen.
In drei Kapiteln (I. 'Im dunklen Kreis'; II. 'Netze am Ufer'; III. 'Gekreuzte Regenbogen'; Requiem [1935 - 1940]) sind Gedichte zusammengefaßt, die zwischen 1911 und 1963 entstanden sind.
Mich haben die Gedichte im zweiten Kapitel am meisten angesprochen da in ihnen Liebe, Sehnsucht, Zärtlichkeit, Hoffnung, Behutsamkeit zu spüren ist. Im ersten Kapitel ist das Elend des Krieges und Verzweiflung in der blockierten Stadt Leningrad spürbar. Die Gedichte im dritten Kapitel kann ich nicht zusammenfassen, mir gefällt auf Seite 62 der acht-Zeiler über die Muse aber am besten.
Die Gedichte im Kapitel 'Requiem' sind schwarz, das Unglück der Menschen um sie ist spürbar.
Es kommen die großen Namen der russischen Dichtkunst wie Puschkin, Pasternak vor.
Auch sonstige russische Örtlichkeiten wie die Malka (Fluß), die jemanden der sich in Rußland nicht auskennt, beim Lesen zum Straucheln bringt.
Obwohl ich kein Lyrik-Fan bin (und mich mit Gedichten ehrlicherweise eher schwer tue) haben mich diese Zeilen und Reime sehr angesprochen. Sie sind zwar nicht einfach zu lesen und damit nicht unterhaltend, aber sie 'entschleunigen' und bringen zum Nachfühlen und Nachgrübeln. Viel Freude beim Mitgehen !
Anna Achmatowa (Anna Andrejewna Gorenko) wurde am 23.Juni 1889, Odessa (Ukraine) geboren. Sie ging in ein exklusives Lyzeum, und kannte von Kindesbeinen an Künstler. Sie veröffentlichte Gedichte als Jugendliche und bereits vor der Revolution, hatte dann Veröffentlichungsevrbot zwischen 1922 bis 1940, ihr erster Mann wurde erschossen, der Sohn inhaftiert, der zweite Mann wurde ebenfalls inhaftiert. Sie erlebte Teile der Blockade um Leningrad mit, wurde erst nach Stalins Tod teilweise rehabilitiert und durfte in den 60-er ins Ausland zu Entgegennahme von Ehrungen. Sie starb am 5. März 1966, Moskau (Rußland).
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Rund um dieses Buch kam es zu Diskussionen, da Hans Baumann, geboren 1914, als ex-Hitlerjugendführer und Verfasser des Liedes "Es zittern die morschen Knochen" als Übersetzer von Achmatowa kam. Ingeborg Bachmann drückte ihr Entsetzten aus, kündigte beim Piper-Verlag, wechselte zu Suhrkamp. Im Piper Verlag sollten eigentlich die Achmatowa-Gedichte erscheinen - die fallen gelassenen Gedichte wurden dann in Raten vom Kristof Wachinger, dem Chef des Münchner Kleinverlags Langewiesche-Brandt, dem großen Kollegen Piper die 3900 bereits gedruckten "Gekreuzten Regenbogen" abgekauft. Mit neuem Verlagsimpressum und neuem Titel ("Gedichte") wurde diese Achmatowa-Gedichte dann auf den Markt gebracht - Piper produzierte die ausgewählten Gedichte mit neutralem Einband und schenkten sie dem Übersetzer.
[das Buch ist übrigens in einer öffentlichen Stadtbibliothek zum Leihen]
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