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Samstag, 14. Juni 2025

Liza Markland : "Prime Time"

Liza Markland :
"Prime Time" - ein Annika Bengtzon - Roman
original "Prime Time
2002, Piratförlaget, Stockhom
Deutsch von Susanne Dahmann
2005, Rowohlt Taschenbuch Verlag
408  Seiten + 3 Seiten Danksagung
ISBN 978-6-499-23298-7

Annika muß nach der Geburts des zweiten Kindes nach der Karenz wieder zurück in ihre journalistische Arbeit, während ihr Partner mit den beiden gemeinsamen  Kindern einige Tage bei seiner Familie im Urlaub ist. Eine charismatische Fernsehmoderatorin war ein einem dort Regen abgeschlossenen Ort ermordet worden - weshalb es genug eindeutige Verdächtige aus der Medienbranche gibt, von denen jeder einiges zu verbergen hat.
Nebenbei kämpft der Herausgeber der Zeitung, in der Annika angestellt ist, gegen das Gefühl, daß der aktuelle Besitzer die Zeitung in den Abgrund und Verkauf führen möchte, und setzt Annika auf heimlich Recherche an.
Am Schluß hat Annika Insiderhandel aufgedeckt, die Zeitung gerettet und in einem großen Showdown wird der Mord aufgeklärt.

In dem Kriminalroman wird einiges aus dem Hintergrund des Fernsehjournalismus erzählt - Bänder recherche, Datenbank, Machtkampf und Intrigen mit Terminen, Menschen die es nie schaffen werden aber notwendig sind, und zerstörte Visionen weil zuwenig Kameracharisma vorhanden sein kann. Diese Abschnitte sind sehr glaubhaft, und habe mich am meisten berührt.

Nebenbei gibt es Familienthemen weil Annikas Partner einige Erwartungen seiner Familie zurecht rückt, und mit Glück sich auch seiner Arbeit neue Türen auftun.

Der Roman ist gut geschrieben und durchaus unterhaltend. Viel Spaß beim Lesen über die Medienbranche.

Eva Elisabeth „Liza“ Marklund wude am 9. September 1962 in Parmark, einem Dorf bei Pitea , in Stadt in der Provinz Norrbottens geboren . Sie  eine schwedische Journalistin, Krimiautorin und Gründerin des Verlages Piragförlaget. Annika BengtzonRomane erschienen ab 1999 auf schwedisch; mittlerweile gibt es 13 Romane. Ihr erster Roman war 'Mia. Ein Leben im Versteck', Originaltitel 'Gömda' (1995, überarbeitete Auflage 2000).

Sonntag, 20. Februar 2022

Anna Ihrén : "Mord in den Schären"

Anna Ihrén :
"Mord in den Schären"
original "Strandsittaren"
2014, Engberg Agency, MIMA Stockholm
Aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann
2019, Harper Collings
441 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-95967-295-5

Dennis Wilhelmson, Spitzenpolizist in Göteborg, nimmt Auszeit, und fährt in seine Kindheits- und Jugenderinnerung Smögen. Dort taucht prompt eine Leiche auf, und ein sehr guter Jungendfreund verschwindet, und er muß die Fälle übernehmen. Gemeinsam mit Polizeianwärterin Sandra fragt er ehemalige Freunde und Bekannte aus. In die Recherche funkt Mittsommerfete hinein. während alle ein Wirtschaftsverbrechen vermuten, entpuppt sich eine getäuschte/enttäuschte Frau als Hintergrund der Geschehnisse.

Meist folgt die Geschichte Dennis mit seinem Gedanken und Aktivitäten, einige auch Sandra. Einige Kapitel sind aus dem Herbst 1837. Hier geht es um ein untergehendes Schiff, und eine kleine Fischerfamilie, die wenig hat, aber trotzdem von Steuerschergen besucht wird.

Dennis ist als gutaussehender Mann Ende 30 geschildert, der zwar Humor hat, aber im Eifer der Arbeit alles andere vergißt. Sandra ist ehrgeizig und bereit mitzudenken. Es gibt junge Frau Sofie und Maja, einen kaltherzigen Unternehmer, einen Träumer der von Reichtum durch ein Schiffswrack träumt, eine überreizte Mutter, eine hübsche Frau deren Kind starb, und eine Amerikaner der seie Wurzeln sucht.

Die Mittsommerfete ist gemütlich geschildert. Allerdings tue ich mir schwer eine Heringstorte vorzustellen.

In dem Roman ist Sommer, es ist heiß, die Menschen gehen oft schwimmen. Viel Spaß beim Lesen.

Donnerstag, 9. April 2020

Klara Nordin : "September-Schuld"

Klara Nordin :
"September-Schuld" - ein Lappland-Krimi
2015, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
367  Seiten + Karte von Lappland in den beiden Innenseiten des Umschlages
ISBN 978-3-462-04836-0

Ein schöne Ärztin wird ermordet in Rentierteilen gefunden. Kommissarin Linda Lundin, Margareta und Bengt durchforsten das Leben dieser Frau und kommen einigen Ungereimtheiten auf die Spur. Ein Umweltskandal aus den 70-er jahren, für den nie die Verantwortung übernommen worden war, denn hier waren die im Wald arbeitenden Samen für den Einsatz eines giftigen Unkrautmittels eingesetzt worden, das massive Schäden im Körper der Menschen und Kinder verursacht hatte. Der Verantwortliche war verschwunden, seine Tochter hatte ihn sein Leben lang gesucht. Auf der anderen Seite steht die Welt der Samen mit ihrer Naturverbundenheit, und dem Überleben mit und durch die Rentiere. Am Schluß sind das Verschwinden gelöst und auch der Mord.

Ort der Handlung ist Lappland, das für Menschen die sich nicht gut in Schweden auskennen, im Norden Schwedens liegt.
Kulturell kämpfen die dort lebenden Samen um ihre kulturelle Eigenständigkeit, die über reine Folklore hinausgeht, und Akzeptanz im schwedischen Leben.

Das Team um Kommissarin Linda Lundin sowie sie selbst hat auch seine private Seite und damit Probleme. Es gibt Eheprobleme, Kindesverlust, pubertierende Tochter und neue Liebe in den rüstigen Jahren.
Die Menschen sind für mich teilweise gut greifbar, dann werden sie flach und gehen weniger unter die Haut.
Unter die Haut ging mir der Ehemann der Ermordeten der für seine Rentiere lebt und den Boden unter den Füßen hat. Dieser beginnt erst zu wanken, als ihm immer mehr klar wird, daß er für seine große Liebe dies leider nicht umgekehrt war.
Die Ambivalenz und das Aushorchen bis Benutzen ihrer Umgebung, das die Ermordete betrieb, unterband mein Mitleid mit ihr.
Warum immer wieder eine Frauengruppe, die sich wenig leiden kann, geschildert wird, hat sich mir nicht erschlossen.

Spannend ist der Hintergrund des Romans, in dem verantwortungslos mit Natur und Mensch umgegangen wird, und niemand bereit ist dafür Verantwortung zu übernehmen und bereit ist vieles zu ruinieren.

In Summe ein interessantes Buch mit starken Motiven. Viel Spaß beim Lesen ! 

Klara Nordin ist ein Pseudonym. Die Autorin wurde 1960 in Heilbronn geboren. Nach Buchhändlerlehre folgt Studium von Germanistik und Pädagogik in Tübingen und viele Jahre in verschiedenen Verlagen. 2001 wanderte die Autorin nach Schweden aus und lebt nun seit einigen Jahren im schwedischen Lappland. Der erste Kriminalroman mit Linda Lundin erschien 2014 unter dem Titel "Totenleuchten". 

Dienstag, 11. Februar 2020

Camilla Läckberg : "Schneesturm und Mandelduft"

Camilla Läckberg :
"Schneesturm und Mandelduft"
original "Snöstorm och mandeldoft"
2007, forum Verlag Stockholm
Aus dem Schwedischen von Max Stadler
2013, Ullstein Buchverlag / List Taschenbuch
134 Seiten + Leseprobe für "Der Leuchtturmwärter"
ISBN 978-3-548-61176-1

Kommissar Martin Molin begleitet seine Freundin zu deren Fest mit deren Familie, wo ziemlich bald der reiche Großvater vergiftet stirbt. An Verdächtigen auf der verschneiten Insel, die wegen Schneesturms unerreichbar ist, mangelt es nicht. Jeder in der Familie hätte Chance und Motiv gehabt. Es gibt noch einen zweiten Toten, ehe der Kommissar es schafft das Rätsel um die Toten zu lösen - Sherlock Holmes sei Dank.

Ort der Handlung ist bei Fjällbacka.
Die Menschen in der Familie sind ein Gemisch aus zu weich für Geschäftsführung, spielsüchtig, selbstgefällig, verträumt, depressiv, egoistisch, sensibel, mit dunklem Geheimnis geschildert.
Der Kommissar selbst ist alleine auf sich gestellt, die Beziehung mit seiner Freundin ist abgelaufen.

Die Geschichte ist gut geschrieben, aber hat mich nicht mit Spannung eingefangen. Leider ist nur ein Erzählstrang. Mitraten nach dem Mörder ist möglich.

Jean Edith Camilla Läckberg Eriksson wurde am 30. August 1974 in Fjällbacka geboren. Sie ist Schriftstellerin. Ihr erster Roman ist 2003 erschienen; mittlerweile sind 15 Bücher zu verzeichnen.

Donnerstag, 30. Mai 2019

Hiltrud Baier : "Helle Tag, helle Nächte"

Hiltrud Baier :
"Helle Tag, helle Nächte"
Roman
2018, Fischer Krüger
354 Seiten
ISBN 978-3-8105-3038-7

Zwei Frauen, Tante und Nichte, erzählen abwechselnd die Geschichte ihres Lebens bzw. das ihrer Familie, und wie sie am Schluß Geheimniskrämerei lösen. Anna, ist die ältere, weniger begabte, weniger geliebte Tochter eines braven bayerischen Handwerkers der sich während des zweiten Weltkriegs in Norwegen in eine Frau aus Lappland verliebt hatte. Seine Frau wurde leider nicht glücklich in Bayern. Marie die ältere Schwester ist quirlig und begehrt, hat Mann und Tochter. Nach dem tödlichen Verkehrsunfall von Schwester und Schwager, nimmt Anna ihre Nichte Frederike auf. Diese hat sich zu Beginn des Buches von ihrem Mann getrennt und war durch Europa im Bus gereist, während Tochter Paula in Australien ist. Als Anna sie beauftragt nach Lappland zu reisen und einen Brief persönlich abzugeben, kommt die Vergangenheit und ein Mann namens Petters bekommt Wichtigkeit.
Die Einsamkeit in den Bergen von Lappland hilft Frederike sich über einiges klar zu werden. Am Schluß steht großer Familienfrieden.

Interessant ist was über die Samen steht, deren Kultur, deren Handwerkskunst, und die bunten Trachten.

Die Verknüpfung der Geschichten in Südbayern in den Bergen und Schweden in den Bergen ist durchaus gelungen.
Hauptaugenmerk sind die Frauengestalten in dem Roman. Das Leben von Anna die immer die zweite Position hatte, zurückhaltend und freundlich agiert, sich um alles kümmert, ihre Gefühle nur in Briefen lebt, ist eindrücklich gezeichnet.

Die Kapitelüberschriften sind entweder Anna oder Frederike gewidmet

Die Empfehlung von Freunden die meinten, das Buch sei so wunderbar entschleunigend, kann ich nicht nachvollziehen.

Der Roman ist gut lesbar. Viel Spaß beim Lesen.

Hiltrud Baier wurde vermutlich 1953 geboren. Sie hat in Tübingen Kinder- und Jugenliteratur studiert, hat in Verlagen und als Buchhändlerin gearbeitet. 2001 wanderte sie nach Schweden aus.
Unter dem Pseudonym Klara Nordin hat sie Lappland Krimis veröffentlicht, die in Jokkmokk spielen und auch von der Kultur der samischen Bevölkerung erzählt.

Freitag, 9. Februar 2018

Stieg Larsson : "Verblendung"

Stieg Larsson :
"Verblendung"
Roman
original " Män som hatar kvinnor" (dt. „Männer, die Frauen hassen“)
2005, Norstedts
Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
2006, Wilhelm Heyne Verlag, München
683 Seiten
ISBN 978-3-453-43245-1

In dem Thriller werden die Suche nach einer Vermißten mit der Recherche gegen einen gut vernetzen Wirtschaftsboss.
Am Anfang steht daß der Journalist Mikael in eine Falle getappt ist, weswegen er eine Auszeit nimmt. Diese nutzt ein anderer Wirtschaftsboss um ihn zu beauftragen eine Familienchronik zu verfassen, aber ihm vor allem das Verschwinden bzw den Tod seiner Enkelin Harriet aufzuklären. Parallel wird die Hackerin Lisbeth zu Recherchezwecken eingeschaltet. Für das Verschwinden von Harriett arbeiten sie zusammen, was ihm letztendlich das Leben rettet. Am Ende werden die Netze des betrügerischen Wirtschaftsbosses medienwirksam entflochten.

Die Familie des Wirtschaftsmagnaten Vanger wird mit vielen Menschen geschildert, von denen die meisten ziemlich ungemütlich bis eigen sind, nur wenige sind liebenswert und bereit sich positiv für anderen Menschen einzusetzen. Es gibt nicht nur Workoholics, Alkoholiker, Religionsbesessene, politisch einseitige Persönlichkeiten, sondern auch wirklich Schädliche für Menschen und Gesellschaft.

Als wichtige handelnde Personen sind der Journalist Mikael Blomkvist der eine privat finanzierte also unabhängige Zeitschrift mit einer uralten Freundin führt. Er hinterfragt politische und wirtschaftliche Machenschaften und hat jede Menge Feinde.
Ihm gegenüber und gleichzeitig als Hilfe ist Lisbeth Salander, die etwas ähnliches wie Asperger Syndrom hat, damit Menschen emotional neutral bleibt aber grandios mit Daten ist. Ihr Leben war gezeichnet von Menschen die sie dirigieren wollten, und auch Übergriffen, sie saftig geschildert sind.
Während Mikael journalistisch getrieben ist, ist Lisbeth entweder neutral denkend oder auf Seiten der unterdrückten und gequälten Frauen aktiv. Von ihr kommt cirka der Satz "auch nur ein Mann der Frauen haßt".

Die Geschichte ist spannend geschrieben (und übersetzt). Die Sprache ist direkt und schnörkellos, ohne großartige Metaphern, fällt manchmal ab, ist aber nicht störend tief.

Der Roman ist der erste Teil der Trilogie. Ich habe mich noch nicht entschieden ob ich die beiden weiteren Teile lese, oder mich den vielen anderen von mir noch nicht gelesen Büchern widme. 

In Summe ein spannender Roman, bei dem mir die Frauengestalten mehr unter die Haut gingen, den ich gerne weiterempfehle.

Karl Stig-Erland Larsson - als Schriftsteller unter Stieg Larsson - wurde am 15. Augugust 1954 in Skelleftehamn Västerboten (Nordschweden) geboren. Er war Jounalist,  arbeitete bei einer Nachrichtenagentur, gab das Magazin "Expo" heraus und Schriftsteller über Extremismus. Die "Milleniumstrilogie" kam posthum heraus; der vierte Band blieb unfertig; weitere vier bis sechs Bücher liegen als Expose vor. Er starb am 9. November 2004 (Herzinfarkt).

Dienstag, 19. Juli 2016

Viveca Sten : "Tod im Schärengarten"

Viveca Sten :
"Tod im Schärengarten" - ein fall für thomas andreasson
Roman
original "I den innersta krestsen"
2009, Forum Bokförlag, Stockholm
Aus dem Schwedischen von Dagmar Lendt
2011, Kiepenheuer & Witsch
355 Seiten
ISBN 978-3-462-04396-9

Bei einer renommierten Segelwettfahrt wird im Moment des Startschusses ein reicher, eingebildeter Machtmann auf seinem neuen Schiff (einer Swan 601) ermordet. Kommissar Thomas Andreasson und sein Team ermitteln im privaten (es gibt reihenweise Geliebte) und beruflichen (der Tote war Konkursanwalt) Umfeld, und ist teilweise mit den Adeligen in Schweden konfrontiert. Rasch wird klar, daß der Tote zwar sehr charmant, aber nicht beliebt war; seine Machtspiele wurden ihm zum Verhängnis.
Parallel geht es um Nora Linde, eine alte Jugendfreundin von Thomas Andreasson, die ein altes Haus geerbt hat, das ihr Mann gerne verkaufen möchte um sich was Besseres zu gönnen. Nora entscheidet sich anders, was zu ziemlichen Problemen in der Ehe führt.
Immer wieder sind Gedanken und Erinnerungen in kursiv gedruckt. Erst rückwirkend lassen sie sich verschiedenen Menschen zuordnen.

Das Polizeiteam besteht aus dem Mentor Göran Persson, dessen Tochter Carina (mit der Thomas ein Verhältnis hat), Margit (mit der Thomas am besten und eingespielt zusammenarbeitet), sowie Kalle und Eric.
Diesmal stehen sie einer Gruppe aus einer traditionsreichen Segelvereinigung gegenüber: der dynamische Hans Rosensjöö, der 2 Perioden lang der Geschäftsführer gewesen war; dessen Ehefrau Britta; Ingmar von Hahne, den sein Benehmen und Abstammung auszeichnet, aber wenig Konturen zeigt; dessen schöner kühler Ehefrau Isabelle; dem Bankmenschen Martin Nyrén. Es wird hier zeitweise reiches abgehobenes Leben geschildert, als auch die Doppelbödigkeit der Gesellschaft, aber auch daß Menschen für ihren Lebensstandard arbeiten müssen (oder betrügen).

Die Orte der Handlung sind entweder das Meer um die Inseln und im Schärenmeer, Stockholm mit Banken, Polizei-Konferenzräumen und Bibliotheken.
Die Beziehungen sind meist nicht glücklich : entweder lange anspruchslos laufend, oder kur und intensiv, manchmal sehr einseitig, oder auch von Änderungen in Ansprüchen und Werten ausgeliefert.

Die Menschen sind gut vorstellbar. Bei den Orten tue ich mir schon schwerer.
In Summe ein gut lesbarer Kriminalroman bei dem Mitraten nach dem Mörder und dem Motiv möglich ist. Viel Freude beim Lesen !

Viveca Anne Bergstedt Sten wurde am 18. Juni 1969 in Stockholm geboren. Sie studierte Jus, und arbeitet als Juristin bei der schwedischen Post. 2008 wurde der erste Kriminalroman mit den beiden Figuren Kommissar Thomas Andreasson und dessen Jugendfreundin Nora Linde veröffentlicht. Die Romane spielen in den Schären auf Sandhamn, wo sie auch privat lebt.

Montag, 18. April 2016

Per J. Andersson : "Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden"

Per J. Andersson :
"Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" - eine wahre Geschichte
original "New Delhi - Bords"
2013
Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
2015, Kiepenheuer & Witsch
312 Seiten + 12 Seiten Photos in sw
ISBN 978-3-462-04747-9

Pikay ist der jüngste Sohn einer Familie der Kaste der Dalait im indischen Bundesstat Orissa (seit 2011 Odisha). Er wächst geliebt und behütet auf; erst in der Schule lernt er was er als Kastenausgestossener alles nicht darf und muß brutale Zurückweisungen erfahren. Ihm wird die Schulausbildung ermöglicht, und ein Lehrer erkennt, wie grandios er zeichnet und daß er auf die Kunsthochschule in Delhi soll. Da die Stipendienzahlungen ausfallen, zeichnet er am Springbrunnen Porträits. Dadurch und durch Freunde kann er im wahrsten Sinne überleben. Es ist die Zeit der 70-er Jahre in denen Indira Ghandi erstmals regiert und europäische und amerikanische Jugendliche die Spiritualität Indiens bereisen und besuchen kommen. Hier kommt auch Lotta aus Schweden, die eine Parallelität zwischen einigen schwedischen und indischen Stoffmustern erkennt und den mittlerweile berühmten Zeichner am Brunnen kennenlernt.
Im zweiten Teil des Buches reist Pikay zuerst mit dem Fahrrad durch Pakistan, dann dem Iran, und mithilfe von Freunden weiter nach Istanbul, dort wieder mit Hilfe weiter nach Wien, und dann wieder mit Hilfe weiter nach Schweden. Dort bauen er und Lotta wirklich ein gemeinsames Leben inkl. Heirat und Kinder auf, wobei er beruflich wieder seine künstlerische Seite lebt.

Da Buch liest sich wie eine Art Märchen in dem zwar einige Menschen nicht angenehm sind, aber auch auch wieviele freundlich sind und weiterhelfen.

Von Indien wird der Bundesstaat Orissa geschildert mit seinem unterschiedlichen Kastenwesen, den Trennungen zwischen Waldmenschen die mit den Göttern und Geistern des Waldes vertraut sind aber von allen anderen mißtrauisch bis abwertend behandelt werden, und dann der großen Stadt Delhi mit den vielen unterschiedlichen Menschen aber einem gemütlichen Café mit offenherzigen Menschen die ihn einladen, seine Zeichnungen schätzen und weiterhelfen. Durch die Zeichnungen öffnen sich manche Pforte für ihn bis hinauf zu Indira Ghandi.
Ihm immer wieder seine Nicht-Kaste vorgehalten, auch wenn offiziell das Kastenwesen abgeschafft wurde. Für andere Menschen, v.a. in Künstlerkreisen, ist dieses Schachteldenken nicht vorhanden.

Durch seine Zeichenkenntnisse und gewinnende Art gelingt es ihm bei der Reise durch Pakistan, und Afghanistan auf dem Rad durchzuhalten und sich weiterhelfen zu lassen. Es ist faszinierend zu lesen wie Pikay damals Pakistan und Afghanistan Mitte der 70-ger Jahre schildert, vor allem wenn man sich die aktuellen polisch-verfeindeten Verhältnisse ansieht. Auch im damaligen Persien / heute Iran kam man ihm hilfreich und freundlich entgegen. Auch in Wien bekommt er Hilfe, Wohnung, Zugkarte und kann Zeichnungen verkaufen.

Die Situationen die ihm dann in Schweden Probleme machen sind eher als Kulturunterschied zu sehen ? Wenn er Floskeln über das Wetter für Small Talk, ernst nimmt, oder Worte so vermischt, daß sie als Beleidigungen verstanden werden. Aber er lernt die Sprache und wird so ernst genommen, daß er als Zeichenlehrer arbeiten kann. Spät lebt er dann die Spiritualität mit Yoga und Meditation, die eigentlich mit Indien assoziiert wird.

In Summe ein wunderbares Buch das ich sehr genossen habe, vor allem weil es positiv stimmt. Diese Freude wünsche ich auch anderen Leserinnen und Lesern !

Per J. Andersson wurde 1962 in Halstahammar (Provinz Västmanland/ Schweden) geboren. Er ist Mitbegründer von Schwedens bekanntestem Reisemagazin Vagabond und viel gereist.

Montag, 11. Januar 2016

Daniel Scholten : "Der zweite Tod"

Daniel Scholten :
"Der zweite Tod" - ein Fall für Kommissar Cederström
2007, Wilhelm Goldmann Verlag München
337 Seiten + 1 Seite Karte Stockholm Umgebung + 1 Seite Karte Stockholm
ISBN 978-3-442-46402-9

In diesem Kriminalroman aus Schweden mit sprachlichen Ausflügen nach Island und echten nach Ägypten und Spanien ermittelt Kommissar Kjell Cederström mithilfe seines Teams und manchmal seiner künstlerischen Tochter.

Das Team wird gebeten den Mord um einen charismatischen Altertumsforscher aufzuklären. Die verschwundene Geliebte wird gesucht, die ehemaligen Assistentinnen ausgeforscht, der Ruf der durch Fälschungen ruiniert worden war untersucht und vor allem den Forschungen um den Diskos von Phaistos nachgegangen. Sofi, das Computergenie in Cederströms Team, jagt einem 45-stelligen Passwort nach. Ein Sommerhaus geht in Flammen auf, eine Leiche wird entdeckt, Sofi in Kairo überfallen und einer schwedische Firma, die Firmen hilft Probleme zu bereinigen, auf den Zahn gefühlt. Schlußendlich ging es bei dem Mord am Forscher nur um Geld.

Den Personen der Handlung wird viel Platz gegeben.
Kjell Sederström ist Witwer, hatte eine Affäre mit Ida vor zehn Jahren gehabt, die wieder aufblüht. Er liebt Bücher, Archäologie und seine malende Teenagertochter Linda.
Linda hat durch Ida zu malen begonnen und eine genaue Maltechnik entwickelt. Sie hat ihre erste Beziehung mit einem älteren faszinierenden berühmten Maler, der sie unterstützt. Sie hilft beim Rätseln des Passwortes.
Sofi ist erst seit Kurzen im Team; sie war ein Ägypten gewesen und kann arabisch. Ihre Computerkenntnisse sind formidabel. Sie und Henning bringen Linda das Autofahren bei. Barbro ist schon länger in Cederströms Team. Sie hat eine Tochter Emilie. Henning ist der älteste des taktischen Teams das im Showdown am Ende gut zusammenspielt.
Ida wird Charisma zugeschrieben, zwei ehemalige Freundinnen des Opfer Mari und Kajsa sind unterschiedlich mal sehr weich und naiv und die andere zielstrebig und klar beschrieben; Fohlin als Chef einer Firma wird mit gelernter Gelassenheit und Soldatenfocus beschrieben.

Der zweite Tod heißt das Buch durch den Brauch der Ägypter, ihre Toten für das Weiterleben nach dem ersten Tod auszustatten. Erst wenn die Prüfung des Lebens negativ ausfällt stirbt die Seele wirklich- den zweiten Tod.

Die Fährte zur Entschlüsselung des Diskos führt einerseits in die kühlen Sommergebiete Schwedens, als auch für Sofi und Linda einige Tage nach Kairo. Oft sitzt Sofi aber auch nur dem Computer und grübelt.

An Liebensgeschichten werden drei unterschiedliche geboten. Kjell und Ida kommen wieder zusammen. Linda hat eine Affäre. Zwischen Babro und Henning könnte etwas werden. Als vierte könnte die des Mordopfers zur lange Zeit Verdächtigen gelten.

Als Hintergrund der Geschichte ist der fortwährende Schmuggel von Antiquitäten bzw. das Herstellen von Fälschungen beschrieben.

Nebenbei gibt es kleine Hinweise auf isländische Kultur, die mit dem Autor persönlich zu tun haben

Das Buch ist gut geschrieben und mir haben die Personen der Handlung gut gefallen. Der Krimi ist netterweise nicht so düster wie eines anderen wichtigen skandinavischen leider kürzlich verstorbener Kriminalromanciers.

Daniel Scholten wurde 1973 geboren. Er ist ein deutsch-isländischer Schriftsteller. Davor arbeitete er als Typograph und studierte in München Äygptologie und historische Sprachwissenschaften. Nebenbei beschäftigt sich Scholten auch mit skandinavischer Literatur (Isländisch und Schwedisch) und publiziert dafür auch zwei Literaturzeitschriften. Er hat auch einen Video-Podcast 'Belles Lettres', der sich  sich mit Sprachkunde und Stilistik befaßt und dem Zuschauer die eigene Urteilsfindung über diverse Elemente der deutschen Sprache ermöglichen möchte .
Ab erschienen 2007 die Kriminalromane mit Kommissar Cederström. Es erschienen von ihm auch Bücher zur isländischen Grammatik.
Seit 2012 lebt Scholten abwechselnd in Stockholm und München.

Sonntag, 25. Mai 2014

Jonas Jonasson : "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand"

Jonas Jonasson :
"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand"
2009, Piratförlaget, Stockholm
original "Hundraaringen som klev ut genom fönstret och försvann" 
2011, Carl´s Books, München
übersetzt von Wibke Kuhn
   Seiten
ISBN 978-3-570-58501-6

Allan Karlsson ist der 100-jährige der aus dem Fenster eines Altersheims steigt und einfach weggeht. Damit beginnt einer der unterhaltsamsten Romane die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Der alte Mann macht sich auf die Reise durch Schweden, lernt netten und böse Menschen kennen, einen Hund und einen Elephanten. Und erzählt parallel die Teile der Weltgeschichte bei denen er zufällig anwesend war.
Das gedankliche Roadmovie führt in den spanischen Bürgerkrieg (Tequila trinken mit Franco), Ziegenmilchschnaps im Himalaya entwickelt, Churchill im Iran vor eine Autobombe rettet, in Amerika die maßgebliche Ideen zur Atombombe hat (Kaffee mit Truman), sich mit den Russen verplaudert (Wodka mit Stalin und ab in den Gulag), den kleinen heulenden Koreaner Kim Il-sung  am Schoß hat und mit Mao in China speist. Leben auf Bali, modellhaftes Beschreiben von Korruption, Aufenthalt in Paris (Abendessen mit De Gaulle) und später gemütliches Spion zwischen USA - UDSSR sein runden sein humorvoll beschriebenes Leben ab.
In diese zeitliche Chronologie sind Kapitel in Schweden nach dem Verschwinden das alten Mannes beschrieben - wie Presse (intelligent) und Polizei (intelligent) und Staatsanwalt (dumm) versuchen das 'Geheimnis' zu lüften und vielen verrückten Geschichten auf den Leim geht.
Letztendlich reisen ein frisch verliebtes Paar, ein ex-Gauner, ein wiedergefundener Bruder, ein ex-Kommisar, der alte Mann, eine sehr intelligente Elephantendame und ein hübscher Rüde ab. Die zwei Leichen werden unlogisch erklärt und kümmern niemanden mehr.

Die Geschichte ist mit viel Humor beschrieben. Ob die Vorlage bereits so witzig war, oder die Übersetzung so gut ist, läßt sich von mir nicht feststellen. Es ist ein Buch auf der ich öfters laut auflachen durfte.

Bei den Figuren waren der Alte Mann die Hauptperson, aber "die Schöne Frau" (Gunilla), die herzhaft fluchen konnte, hat es mir auch angetan.

In Summe ein wunderbares Buch, das ich nur empfehlen kann - v.a. Leser und Leserinnen die ein bißchen in der Schule bei Geschichte aufgepaßt haben, wird dieses Buch unterhalten. Viel Vergnügen !

Jonas Jonasson wurde am 6 Juli 1961 in Vaxjö (Smaland /Schweden) geboren. Er ist Journalist, lebte in Schweden, dann im Tessin und jetzt wieder in Schweden. Der "100-jährige .." ist sein Debüt als Schriftsteller.

Dienstag, 15. November 2011

Bo Balderson : "Der Fall des Staatsministers"

Bo Balderon (Pseudonym) :
"Der Fall des Staatsministers"
2000, Bengt Nordin Agency Schweden
original 'Sta°tsradets fall'
2002, Typographische Werkstatt & Verlag Stegemann
übersetzt aus dem Schwedischen von Dagmar Mißfeldt
274 Seiten
+ 1 Seite am Anfang : Mitwirkende
+ 1 Seite am Schluß : Glossar
ISBN 3-9808037-4-0

Studienrat Vilhelm Persson, ein etwas betulicher und biederer Einzelgänger, wird vom Mann seiner Schwester (die beiden haben 15 Kinder gemeinsam) in die Aufdeckung eines Mordfalles gezogen.
Sein Schwager ist Staatsminister, ein Mensch mit sprunghaften Gedankengängen und eine bei der Bevölkerung beliebte Gestalt.

In Ich-form beschreibt der Studienrat, wie Staatssekretär Svanberg wird erwürgt im Schrank des Arbeitszimmers des Staatsministers - in seiner Villa - aufgefunden wird.
Der Staatsminister meint, daß er es seiner Funktion als Polizeiminister schuldig ist diesen Mord aufzuklären und fordert die permanente Unterstützung mit Zeit und Mitdenken des Studienrats.
Menschen die als mögliche Täter in Betracht kommen sind die Tennis spielende Gattin, Justizschef Rylander und Gattin, Konsul Karling - ein Unternehmer -, Ministerialrat Da°a°bh, sowie der Unternehmer in Sache Toilettenherstellung Johann Johansson mit seiner sehr attraktiven Gattin, die Assistentin von Herrn Svanberg ist und sich 2 Liebhaber (beide unter den Verdächtigen) hält.
Leider gibt es noch einen Mord. Am Schluß löst der Staatsminister mit einer Falle die Morde auf - und erfährt daß er zum 16. Mal Vater wird.

Unterhaltsam und leicht böse wird die Politik, die Politiker, das Fäden ziehen, das Umsetzen der eigenen Wünsche und auch Gerechtigkeitssinn in der Politik geschildert.
Der Absatz in dem sich der Staatsminister bei einem Auftritt nicht an die vorgeschriebene Rede hält, sondern sagt was die logischen denkende Bürger denken aber damit seine politische Security schwer beunruhigt ist vergnüglich gut geschrieben (übersetzt).

Das Buch ist etwas mühsam zu lesen, da ich mit den schwedischen Namen und wer-ist-jetzt-wer etwas Probleme hatte, aber die etwas respektlosen (aber nie untergriffigen) Personenschilderungen oder andere nette kleine boshafte Halbsätze machen den Aufwand wett.
Ich kann den Krimi guten Gewissens allen Lesern mit Sinn für Humor empfehlen.