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Samstag, 27. Juni 2026

Jegana Dschabbarowa : "Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt"

Jegana Dschabbarowa :
"Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt"
Roman
original ' Руки женщин моей семьи были не для письма'
2023, No Kidding Press. Moskau

Aus dem Russischen von Maria Rajer
2025, Paul Zsolnay Verlag
130 Seiten
ISBN 978-3-552-07591-7

In elf Kapiteln die Titel von Körperregionen haben erzählt eine junge Frau (Jegana), die ältere Tochter einer Familie, aus Aserbeidschan, die auch in Rußland leben. Sie erzählt von der Gewalt und Unterdrückung die ihre Mutter durch ihren permanent eifersüchtigen Ehemann erleben mußte. Die Unterdrückung von Frauen bzw der wenige Ausdruck der ihnen erlaubt war, wird auch anhand ihrer Mutter erzählt. Ausnahme ist der Großvater der immer liebevoll war, und in ihr die Liebe zu Lyrik und zur Schönheit der Natur erweckte.
Frauen müssen für den Mann schön sein, Kinder gebähren und der Haushalt muß blitzen vor Sauberkeit. Die Frauen der kleinen Familie halten trotzdem gegen den prügelnden Vater und Ehemann zusammen, und blockieren ihn auch wenn er Süßigkeiten nach Hause bringt.

Sie (Jegana) hat ein anderes Leben als die anderen Frauen, da bei ihr die Stimme versagt, immerwieder Körperteile, manchmal ein Bein bis es endlich zu Diagnose kommt, daß sie generalisierte Dystonie hat. Zuerst sollen Medikamente helfen, als sie auf der Universität ist, wird ihr eine Operation genehmigt. Auch dort wird ihr Vater nur eifersüchtig, weil sie wie allen anderen Patienten Leggings und Sweatshirt trug, und damit ihre Beine zeigt.

Spannend ist wie sie Rußland und Asserbeidschan vergleicht - und schreibt, daß sie in keinem von beiden Länder zu hause war, und ihre öfter gesagt wurde, daß sie keine Sprache wirklich kann.

Die Kapitel heißten "Augenbrauen", "Augen", "Haare", "Mund", "Schultern", "Hände", "Zunge", "Rücken", "Beine", "Hals" und "Bauch".Die Körperlichkeit der Frauen, die von den Männern unterdrückt wird, ist spürbar. 

Ich habe länger gebraucht dieses Buch zu lesen, weil mir die geschilderten Situationen  mit Gewalt und seelischer Enge der Frauen unter die Haut gingen.

In Summe ein starkes eindrückliches Buch über Frauen in engen Gesellschaften; ich wünsche gutes Lesen !

Jegana Dschabbarowa, wurde 1992 in einer aserbaidschanischen Familie in Jekaterinburg/Russland geboren. 2024 war sie gezwungen wegen Morddrohungen, Russland zu verlassen; sie lebt heute in Hamburg. 'Die Hände der Frauen in meiner Familie' waren nicht zum Schreiben bestimmt ist ihr Debütroman.

Montag, 29. Mai 2023

Toby Barlow : "Baba Jaga"

 Toby Barlow :
"Baba Jaga"
original "Babayaga"
2103, Straus & Giraux, New York
Aus dem amerikanischen Englisch von Giovanni und Ditte Bandini
2014, Hoffmann und Campe, Hamburg // 2. Auflage 2017
530 Seiten + 1 Seite Prolog + 1 Seite historischer Hintergrund + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-455-65062-4

Zoja, eine attraktive junge Frau mit Kurven hat ein gutes Auge welche Männer ihr behilflich sein könnten, im Paris der 50-er Jahre. Sie hat bereits ein bewegtes Leben hinter sich, da sie aus Rußland kommend durch weise Frauen in die Kunst der Hexerei geschult worden war; ihr sieht man die vielen Jahre ihres Lebens nicht an. Elga ist einer der weisen Frauen, die sie eingeschult hatten, die sich aber zur bösen alten Frau entwickelt hatte, die ausgezeichnet hexen kann.
Will lebt seit einigen Jahren in Paris, hat es aber als Amerikaner nicht weiter als einige Frauenbekanntschaften gebracht, und arbeitet als Werbetexter. Ihm wird ein Naheverhältnis zu einer Außenstelle der CIA nachgesagt. Er lernt über seinen Chef Zoja kennen. Ein Bekannter namens Oliver bringt ihn immer wieder in Schwierigkeiten und mit einigen eigenartigen brutalen Menschen zusammen. Sein Chef Brandon ist etwas undurchsichtig. Seine Liebe zu Zoja bringt beide in Probleme.
Charles Vidot ist Polizist aus Leidenschaft und damit seinem karrieresüchtigen Chef überlegen. Er soll einen Mord aufklären, lernt Elga kennen und wird in einen Floh verwandelt. Er versucht auch als Floh zu überleben, lernt später Will kennen und überlebt.

Der Roman wird vier Büchern erzählt in dem den verschiedenen Figuren gefolgt wird. Es sind immer wieder Strophen abgedruckt bei denen sich langsam entschlüsselt, daß hier Rückblenden stattfinden und manchmal auch gehext wird.

Zojas Leben wird auch in Rückblenden erzählt, als sie eine menschliche junge Frau war, die nur durch die Hilfe der Hexen überlebt. Sie versucht manchmal die menschliche Liebe wieder zu leben, merkt aber daß das sie das nicht mehr machen darf. Elga ist über Jahrhunderte des Lebens hart geworden, für sie zählen Menschenleben nicht mehr. Den beiden sind zwar einige kaltherzige Menschen, die Hexenwissen und magisches Wissen sammeln (wollen), den Menschen nach Wissensübergabe sehr übel mitspielen.
Will lebt zwar in Paris, läßt sich treiben, und wird wie von einem Wirbelwind von den Menschen und Hexen durch die Luft gewirbelt. Vidot ist unterhaltsam wie er als Floh überlebt, er behält seinen Gestaltungswillen auch als Floh, und es gelingt ihm am Schluß sogar seinen unfähigen Chef loszuwerden.
Die Geschichte des Priesters Andrej, der die Hexen über Jahrhunderte begleitet hatte, und seines Bruders Max ist berührend.

Der Roman ist sehr unterhaltsam geschrieben. Die Bilder laufen beim Lesen im Kopf ab. Gewisse Ungereimtheiten, und hier meine ich nicht Hexensprüche und deren Wirkungen, lösen sich doch freundlich auf.

In Summe habe ich diesen Roman sehr genossen und mich köstlich dabei unterhalten (Floh Vidot mit seinen Transporttieren als Beispiel genannt). Viel Spaß beim Lesen !

Donnerstag, 27. August 2020

Karl von Holtei : "Ein Mord in Riga"

Karl von Holtei :
"Ein Mord in Riga"
erstmals 1854 in Graz erschienen
Dateigröße: 403 KB
ASIN: B004UBDTUI

In dieser episch geschriebenen Geschichte geht es um das Leben in Riga, in dem Lebensbereich zwischen und mit Russland, Deutschland, im damaligen Livland, in dem der betuchte Kaufmann Sigward mit seiner Frau mit viel Personal. Zuerst geht es hier immer wieder um den hübschen intriganten Simeon, dann um Iwan dessen Vater aus politisch-religiösen Gründen verschleppt worden war. Iwan arbeitet bei einem Geldverleiher, und wird nach dessen Ermordung des Mordes verdächtigt und gefoltert. Gerade noch rechtzeitig wird der neue Stadtvorsteher auf die Situation aufmerksam gemacht, er macht sich auf die Suche und findet genug Beweismaterial um Iwan zu entlasten, und ihn in die Freiheit entlassen zu können.
Später verreist Iwan und muß in Deutschland untertauchen. Auch hier macht ihm das Leben durch Mißtrauen das Leben schwer, bis endlich ein happy end beschrieben wird.

Der Stil ist altmodisch und langsam; es werden viele nicht mehr geläufige deutsche Wörter verwendet, auch einige russische Umschreibungen gibt es.

Der Autor nimmt sich Zeit die Stimmung der Orte, die Gepflogenheiten im Haus, mit Gästen oder in der Öffentlichkeit zu erzählen, er beschreibt die Gegend um Riga, Riga selbst und einige Gebiete in Deutschland ziemlich genau.
Es gibt in Riga bereits Verkehrsregeln, bei denen der Rücksicht auf Fußgänger seitens der Kutschen-fahrer genommen werden muß; bei bereits leichter Berührung mit einem Fußgänger gibt es heftige Strafen für Kutscher und Besitzer der Kutsche.

Die Menschen in Haushalt der Sigwalds sind schön beschrieben : die Gutmütigkeit des Kaufmanns und seiner Frau, die Fehde zwischen Köchin und Kammerzofe, die Intrigen des hübschen Dieners, die unscheinbare bösartige 'Muhme' des Dieners, Pferdenarr und positiver Mensch Iwan, der ehrgeizige neue Stadtherr der noch die richtigen Entscheidungen treffen kann.

Ein Drittel lang wird beschrieben, wie das Leben in Riga abläuft, welche Einflüsse aus Rußland und Deutschland auf Livland einwirken, welche großzügigen Lebensregeln herrschen. Ein Drittel lang wird beschrieben wie Iwan verdächtigt und gefoltert wird, und auch wie der echte Täter überführt wird. Im letzten Drittel lebt Iwan in Deutschland.

Mich hat diese Kriminal-Erzählung interessiert weil sie zu den ältesten des Genre Kriminalromans gezählt wird. Mitraten des Who-dunnit für den Kriminalteil ist möglich.

Für das Lesen mußte ich mir Zeit und Ruhe nehmen, weil das Tempo sehr gemütlich ist.
Meine Gedanken gingen einige Zeit durch die alten schönen Straßerln in Riga mit.

Viel Freude beim Lesen !

Karl Eduard von Holtei, auch Carl (von) Holtei, eigentlich Karl Eduard von Holtey wurde am 24. Jänner 1798 in Breslau, damals Schlesien in Königreich Preußen, geboren. Er spielte Theater in Breslau, war auf Wanderschaft in Frankfurt Paris Prag Dresden Weimar Berlin Hamburg sowohl als Schauspieler als auch Theaterleiter. ab 1850 schrieb er in Graz Theaterstücke und Romane, ab 1863 lebte er wieder in Breslau, wo er am 12. Februar 1880 starb.

Freitag, 21. August 2020

Sebastian Themessl : "Wo dein sanfter Flügel weilt"

Sebastian Themessl :
"Wo dein sanfter Flügel weilt" - Schuberts letzte Symphonie - ein musikgeschichtlicher Kriminalroman
2020, Hollitzer Verlag Wien
404 Seiten
ISBN 978-3-99012-806-0

Der amerikanische Dozent Phil Mason hört in Wien Schuberts große C-Dur Symphonie. Ihm entschlüsselt sich ein Zusammenhang zu Mozart, er findet eine wissenschaftliche Arbeit in der diese Komposition Beethovens 9. Symphonie gegenübergestellt wird, und hell und dunkel in diese Kompositionen und Aufführungen interpretiert wird. Phil kommt einer großangelegten Verschwörung gegen Schuberts große Symphonie inklusive Weltherrschaftsanspruch seit dem Beginn dieser Symphonie auf die Spur, geht nach Moskau zur Recherche, reist mit seinem Bruder Adam nach Südamerika und kommt wirklich auf die Rädelsführer, die größer als Freimaurer oder Illuminati sind. Er kommt wie alle, die davor auf der Spur dieser Vernetzung sind, nicht mehr an die Nähe der Veröffentlichung.

Für mich als Klassikfan sind Überlegungen die Große Schubert-C-Dur Symphonie als negatives Gegenstück zur positiven 9. Symphonie von Beethoven zu positionieren unterhaltsam, obwohl mich die Intensität dieser Schubert Komposition immer in den Bann zieht.

Die vielen Menschen die hier vorallem in Wien, aber auch in Moskau beschrieben werden sind von faszinierend vielfältig bis zu aktuellen Personen sehr genau nachempfunden. Manche Namen in Wien dürften nur leicht verändert sein, und werden Menschen, die sich in der Musikszene Wiens auskennen, vermutlich zum Schmunzeln bringen.

Es gibt viele Menschen, die als Typen gut beschrieben sind und mir gefallen haben: in Wien z.B  die musikenthusiastische pensionierte Vermieterin, die schöne ukrainische Musikstudentin, der versoffene Musikprofessor, der Pubbesitzer der griechische Verse an die Wand seines Pubs schreibt; in Russland sind es der intrigante Wirtschaftsmensch, und ein witziger Archivar.
Leider ist mir die Hauptperson Phil Mason nicht sympathisch.

Zum Lachen brachte mich eine kurze Szene, in der ein junger Komponist in schönstem pidgin-english einen nerven Phototouristen weiß macht, daß in Wien am Montag Photo machen verboten sind - bei Gefängnisstrafe. Leider fliegt die Idee rasch auf, der Tourist wird aber noch einmal durch den Kakao gezogen.

Mir fehlen bei dem Buch das Inhaltsverzeichnis, und ein Glossar der vielen musiktheoretischen Begriffe.
Der Titel ist Friedrich Schiller und Beethovens 9. Symphonie entnommen.

Beim Lesen war ich zuerst gut unterhalten, dann war es spannend, und am Schluß war ein Gemisch aus traurig und verrückt.

Da es in dem Buch von Komponistennamen und anderen Worten in Musikzusammenhang ziemlich wimmelt, werden sich vermutlich Musikenthusisten/-innen bei dem Buch gut unterhalten Am Schluß hatte ich das Gefühl einem Roman der nicht mehr um Liebe, Mantel und Degen, sondern und Internet, Tod und Verschwörung geht.

Sebastian Themessl wurde 1975 in Innsbruck geboren. Er studierte zunächst Geschichte und Philosophie und 2003 schloss er ein Kompositionsstudium an der Musikuniversität Wien ab. Er ist Komponist, Schriftsteller und Lehrbeauftragter für Musiktheorie. 

Samstag, 29. Februar 2020

Ada Dorian : "Betrunkene Bäume"

Ada Dorian :
"Betrunkene Bäume"
Roman
Ullstein Verlage 2016 / 2018 Taschenbuchausgabe
263 Seiten
ISBN 978-3-548-29050-8

Erich in Hamburg, dessen Augen immer weniger funktionieren, trifft auf die Jugendliche Katharina, die aus dem Haushalt mit der Mutter abgehaut ist und der ein machtgieriger Mann mit Drogen hilft. Katharina hat Verständnis für seine Liebe zu den Bäumen, und dafür, daß er sein Schlafzimmer fast in einen Wald verwandelt hat. Jahrzehnte zuvor hat Erich den Welt in Sibirien gemeinsam Wolodja, und dessen Hund Laika, die Undurchdringlichkeit der Wälder kennen gelernt. Dort lernte er auch seine spätere Frau Dascha kennen, die in Deutschland unglücklich war. Erich schafft es mit seiner letzten Verbindung nach Rußland, Katharina einen Wunsch betreffend des Vaters zu erfüllen.

In schöner Sprache wird diese Geschichte von Menschen in ihrer eigenen Welt und ihrer Kommunikationslosigkeit erzählt. Katharina sehnt sich nach ihrem Vater der meist außerhalb Deutschlands arbeitet und hat einen netten Schulkameraden. Erich träumt von seinen Bäumen damals ins Rußland, den Menschen dort, seiner Frau die nicht mehr ist. Wolodja ist nur Vergangenheit aber mit seiner blinden Vertrautheit mit dem Wald faszinierend. Daschas Tochter Irina macht in Deutschlnd karriere, versucht ihrem Vater zu helfen, und versteht spät welche Hilfe er wirklich möchte.

Die Region in Rußland, hier Srednekolymsk, mußte ich mit dem Finger auf der Landkarte suchen. Wie in dem Roman über Permafrost und schwankenden Bäume, die wie betrunken wirken,  geschrieben wird, fängt die Stimmung wunderschön ein.

Die Figuren des Roman und die Schilderungen der Bäume und der Einsamkeit zieht nach den ersten etwas mähsamen Seiten in den Bann. Ein wunderbares Lesevergnügen ! 

Ada Dorian  wurde am 12. September 1981 in Hannnover geboren. Sie studierte an der Universität Osnabrück Literarutwissenschaften und Philosophie. 2009 erschien der erste Roman "Frühling zwischen den Stühlen". "Betrunkene Bäume" wurde am Ingeborg Bachmann Preis vorgelesen.

Dienstag, 13. August 2019

Doris Gercke : "Beringers Auftrag"

Doris Gercke :
"Beringers Auftrag" - Ein Milena - Proháska - Krimi
Original 2003 Ullstein Verlag München
2016, Haymon Verlag Innsbruck
333 Seiten
ISBN 978-3-7099-7855-9

Der ehemalige Kommissar Beringer beschließt sich von der schönen Rechtsanwältin Milena Prohaska beruflich und privat zu trennen, und nimmt daher den Auftrag aus Hamburg zu verschwinden und Kaliningrad einem dubiosen Auftrag nachzugehen, an. Im Hintergrund ziehen der mächtige, undurchsichtige Politiker Waller und ein dubioser reicher mächtiger Geschäftsmann Alik/Usbeck die Fäden. Im Hamburg läßt sich Milena auf eine Affäre mit Waller ein, in Kaliningrad zeigt der Milizsoldat Wadim, daß es auch ehrliche Polizisten und Soldaten in Kaliningrad gibt. In beiden Städten werden aus Machtgründen Menschen, die als kleine Rädchen gesehen werden, rücksichtslos umgebracht und deren Familien bedroht. Am Schluß sind zwar einige böse Ränkeschmiede auch tot, Zufriedenheit stellt sich allerdings nicht ein.

Orte der Handlung sind Hamburg, und Kaliningrad. Das Kaliningrad hier ist trostlos, mit trostlosen Bauten und Menschen ohne Hoffnung; das Hotel für Beringer ist ordentlich, aber auch hier ist die Hoffnungslosigkeit greifbar.

Während Milena versucht Unterlagen zurückzubekommen und mit den Mächtigen und Bösen mitzuspielen, allerdings Waller falsch einschätzt, begleitet Beringer Wadim im zur Witwe eines ermordeten Soldaten, zu einer Abtreibungsklinik, und Wami rettet ihn später aus Verhandlungen in einem U-boot.

Die Stimmung ist dicht und grau. Auch wenn Milena kraftvoll auftritt und aktiver Sexualität offen gegenüber ist, ist spürbar wie ihr die Kraft ausgeht.

Das Ende habe ich mit sehr gemischten Gefühlen gelesen. Der Kriminalroman ist trotz der Traurigkeit, die wie eine Wolke über der Geschichte liegt, sehr gut erzählt und zieht in den Bann. Gutes hineinfallen in den Roman !

Biographie der Autorin ist 11. September 2015 (Bella Block ermittelt in "Giorgia").

Samstag, 14. Oktober 2017

Fjodor Dostojewski : "Der Spieler"

Fjodor Dostojewski :
"Der Spieler"
1867 erstmals erschienen bei Verleger Stellowski
Aus Gesammelte Werke in zwanzig Bänden - Band "Der Spieler" und "Späte Prosa"
Herausgegeben von Gerhard Dudek und Michael Wegner
Deutsch von Werner Creutziger
1990, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
184 Seiten (von 348 bis 530) + passenden Anmerkungen (hier meist Übersetzungen aus dem französischen) im Anhang
ISBN 3-351-01509-7

In einem deutschen Kurort haben sich eine verarmte russische Familie, der in die Stieftochter verliebte Hauslehrer, ein reicher französischer Adeliger, ein verliebter Engländer, eine schöne junge etwas frivol wirkende Frau mit Mutter eingefunden. Der Chef der Familie ist Witwer, braucht das Geld der Erbtante um die schöne junge Frau heiraten zu können. Inzwischen lebt mittels Schuldscheinen bei dem französischen eitlen unangenehmen Mann, der nebenbei Tochter Polina zu einem Verhältnis erpresst. Die Erbtante erscheint mit großem Auftritt, und verspielt in drei Tagen den großteils ihres Geldes und damit die Zukunft des Generals, seiner Stieftochter Polina und legt den Grundstein zur Spielsucht des Hauslehrers. Polina ist hin- und her gerissen zwischen gehobener Tochter-Dünkel, Liebe zu dem Hauslehrer und keinem Vertrauen zu ihm. Der Hauslehrer lebt einige Zeit mit der schönen Frau von seinem Geld in Paris, verheiratet sie mit dem General und bleibt selbst spielend in Deutschland hängen.

Der Hauslehrer Alexej Iwanowitsch erzählt aus seiner Ich-Sicht, wie er den Franzosen provozieren will, wie er Enkelin/Stieftochter Polina helfen will oder auch nicht, wie er die schöne Blanche beobachtet und eigentlich Angst vor ihr hat und wie ihn das Spiel, das ihn am Anfang nicht interessiert hat, am Schluß dirigiert. Nicht einmal die klaren Worte des Engländers können ihn aus der Sucht reißen.

Dostojewski springt mit dem ersten Satz in die Handlung als ob jede Leser alles über die Personen bereits wüßte. Aber erst langsam entschlüsseln sich trotz Schreianfällen die Absichten und Gefühle der handelnden oder reagierenden Personen.
Wie die Hauptperson Alexej die Lethargie aller Liebe und dem Leben gegenüber erfaßt, und dafür die Spielsucht ihn in die Krallen bekommt, ist dicht und faszinierend beschrieben.

Die Geschichte ist fast in Dialogen geschrieben. Es wird wenig beschrieben, außer Luxus der russischen Familie im fiktiven Ort Roulettenburg oder später in Paris.

Im Text sind immer wieder französische Phrasen oder Wörter eingebaut, die im Anhang übersetzt werden. Nicht übersetzt ist der Begriff "Outchitel", der ein französischer Begriff für einen russischen Lehrer ist, und den v.a. die Babuschka und später Blanche an Alexej verwendet.

Eine berühmte Geschichte zur Entstehungsgeschichte ist, daß die Stenographin und spätere zweite Gattin Anna Snitkina auf den Einfall kam, das Manuskript bei einem Notar zu hinterlegen, um dem Autor die rechtzeitige Abgabe des Manuskripts zu bestätigen, da der Verleger hinterlistigerweise die Stadt verlassen hatte.

In Summe ein dichter spannender Roman, der packt. Viel Freude beim Lesen !

Fjodor Michailowitsch Dostojewski wurde am 11. November 1821 in Moskau geboren. Er studierte Ingenieurtechnik, wollte dann aber Schriftsteller werden. 1849 wurde er verhaftet und verlor nach einer Scheinhinrichtung alles Vermögen, und für fünf Jahre ins Arbeitslager gesteckt. 1866 erschien "Schuld und Sühne" in einer Monatszeitschrift über einige Monate. 1866 erschien auch "Der Spieler".1869 war der Roman "Der Idiot" fertig.1872 schloß er "Die Dämonen" ab. 1875 war "Der Jüngling" fertig. 1880 schloß er "Die Brüder Karamasow" ab. Er starb am 9. Februar 1881 in Sankt Petersburg.

Samstag, 2. September 2017

Michail Gorbatschow : "Das neue Russland: Der Umbruch und das System Putin"

Michail Gorbatschow
"Das neue Russland: Der Umbruch und das System Putin"
original "Posle Kremlja"
2015, Bastei Lübbe (Quadriga)
Übersetzer : Boris Reitschuster
514 Seiten + 5 Seiten Inhaltsverzeichnis + 9 Seiten 'Gedanken über mich' + 6 Seiten Anhang + 7 Seiten Personenregister + 9 Seiten Anmerkungen (Fußnoten)
ISBN 978-3-869950822

In diesem dicken gescheiten Buch mit vielen herausfordernden Überlegungen erzählt einer der wichtigsten Politiker des 20. Jahrhunderts über 25 Jahre Rußland. Er geht etwas auf die verkrusteten Strukturen ein bevor es ihm gelang Rußland zu öffnen, und erzählt dann im 1. Kapitel die Zeit der 90-er Jahre mit dem Elend der Bevölkerung und den Fehlern Präsident Boris Jelzins, im 2. Kapitel die Nuller-Jahre des 21. Jahrhunderts inkl. Wirtschaftskrise und dann im 3. Kapitel die Chancen, die Gefahren und die Fehler in Rußland und der Welt und räsoniert über Punkte die ihm in der Welt wichtig sind.

Am Anfang beschreibt er wie man innenpolitisch mit ihm nach dem Präsidentenwechsle 1991 umgegangen ist, wie grob wie abweisend plötzlich viele Menschen und Organisationen waren - er konnte sich nur seine Position als Meinung halten weil er und seine Organisationen zu bekannt waren.
Er blickt auf die Jahre der Perestroika zurück und auf viele Gespräche mit anderen hochkarätigen Politikern in USA, Deutschland und anderen großen Staaten der Welt.

Wie er über Wladimir Wladimirowitsch Putin schreibt ist faszinierend zu lesen. Er bemüht sich um Sachlichkeit und versucht das Positive und Negative abzuwägen. Im dritten Abschnitt findet er nichts mehr Positives zu schreiben. Die Schwachheit von Präsident Boris Nikolajewitsch Jelzin nennt er allerdings klar.

Viele Themen und Fragestellungen werden angesprochen - u.a. :
Frage ob zuerst Reformen laufen sollen und erst dann die Meinungsfreiheit forciert gehört , weil gleichzeitiges die Menschen überfordert ?
was ist für ihn Sozialismus ?
wie wichtig ist Demokratie (vorneweg : es geht nicht ohne)
Gefahren und Chancen der Globalisierung
Seine Sorgen um die Ukraine (ein Elternteil waren Raissa Maximowna Gorbatschowa war aus der Ukraine)
Syrien ist 2015 bei Drucklegung bereits Thema aber noch nicht mit der derzeitigen politischen und menschlichen Tragweite.

Seine Definition von Nationalismus - er meinte aber hier den russischen - ist sehr eigen.
Irritierend ist, daß für ihn Rußland zu Europa gehört, und daß es für ihn erschreckend ist, daß dies Europäer anders sehen.
Wie er China einschätzt ist vollkommen anders als man gewohnt ist zu Lesen.

Das Buch ist nicht einfach zu lesen, weil es viel zitiert wird aus Gesprächen, aus Veröffentlichungen und diese mit anderen Fonts, Absätzen gekennzeichnet sind, was das einfache Lesen herausfordert.

Ich habe mit vielen Unterbrechungen von anderen Büchern fast eineinhalb Jahre an dem Buch gelesen und es hat mich immer fasziniert. Meine Umgebung hat es meist abgekommen wenn ich wieder 10 oder 15 Seiten gelesen hatte und darüber erzählen mußte, weil es hochinteressant - aber kompakt - ist.

In Summe ein faszinierendes Buch über Politik, Demokratie, Meinungsfreiheit das nicht so leicht losläßt und öfters gelesen werden sollte !

Michail Sergejewitsch Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje / Region Stawropol / UdSSR geboren.  Er war von März 1985 bis August 1991 Generalsekretär der KPdSU und von März 1990 bis Dezember 1991 Präsident der Sowjetunion. Er leitete 'Glasnost' (steht für Öffnung und Kommunikation mit den Menschen) und 'Perestroika' (steht für Umbau des politischen, wirtschaftlichen Systems) ein, und beendete den Kalten Krieg mit den USA.
Boris Reitschuster wurde a. 12. Mai 1971 in Augsburg geboren. Er war als Journalisten lange in Rußland tätig und ist auch Sachbuchautor.

Sonntag, 12. Februar 2017

Anna Achmatowa : "Gedichte"

Anna Achmatowa :
"Gedichte"
ausgewählt und übertragen von Hans Baumann
1967, Langewiesche-Brandt Verlag, Ebenhausen bei München
87 Seiten + 5 Seiten biographisches Nachwort + 1 Seite Bibliographische Anmerkungen + 4 Seiten Anmerkungen zum Text + 3 Seiten Inhaltsverzeichnis
keine ISBN

Da Anna Achmatowa zu einer der großen Lyrikerinnen zählt und die Repressalien unter Stalins Herrschaft überstanden hat, habe ich zu diesem Lyrik-band gegriffen.

In drei Kapiteln (I. 'Im dunklen Kreis'; II. 'Netze am Ufer'; III. 'Gekreuzte Regenbogen'; Requiem [1935 - 1940]) sind Gedichte zusammengefaßt, die zwischen 1911 und 1963 entstanden sind.

Mich haben die Gedichte im zweiten Kapitel am meisten angesprochen da in ihnen Liebe, Sehnsucht, Zärtlichkeit, Hoffnung, Behutsamkeit zu spüren ist. Im ersten Kapitel ist das Elend des Krieges und Verzweiflung in der blockierten Stadt Leningrad spürbar. Die Gedichte im dritten Kapitel kann ich nicht zusammenfassen, mir gefällt auf Seite 62 der acht-Zeiler über die Muse aber am besten.
Die Gedichte im Kapitel 'Requiem' sind schwarz, das Unglück der Menschen um sie ist spürbar.

Es kommen die großen Namen der russischen Dichtkunst wie Puschkin, Pasternak vor.
Auch sonstige russische Örtlichkeiten wie die Malka (Fluß), die jemanden der sich in Rußland nicht auskennt, beim Lesen zum Straucheln bringt.

Obwohl ich kein Lyrik-Fan bin (und  mich mit Gedichten ehrlicherweise eher schwer tue) haben mich diese Zeilen und Reime sehr angesprochen. Sie sind zwar nicht einfach zu lesen und damit nicht unterhaltend, aber sie 'entschleunigen' und bringen zum Nachfühlen und Nachgrübeln. Viel Freude beim Mitgehen !

Anna Achmatowa (Anna Andrejewna Gorenko) wurde am 23.Juni 1889, Odessa (Ukraine) geboren. Sie ging in ein exklusives Lyzeum, und kannte von Kindesbeinen an Künstler. Sie veröffentlichte Gedichte als Jugendliche und bereits vor der Revolution, hatte dann Veröffentlichungsevrbot zwischen 1922 bis 1940, ihr erster Mann wurde erschossen, der Sohn inhaftiert, der zweite Mann wurde ebenfalls inhaftiert. Sie erlebte Teile der Blockade um Leningrad mit, wurde erst nach Stalins Tod teilweise rehabilitiert und durfte in den 60-er ins Ausland zu Entgegennahme von Ehrungen. Sie starb am 5. März 1966, Moskau (Rußland).

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Rund um dieses Buch kam es zu Diskussionen, da Hans Baumann, geboren 1914, als ex-Hitlerjugendführer und Verfasser des Liedes "Es zittern die morschen Knochen" als Übersetzer von Achmatowa kam. Ingeborg Bachmann drückte ihr Entsetzten aus, kündigte beim Piper-Verlag, wechselte zu Suhrkamp. Im Piper Verlag sollten eigentlich die Achmatowa-Gedichte erscheinen - die fallen gelassenen Gedichte wurden dann in Raten vom Kristof Wachinger, dem Chef des Münchner Kleinverlags Langewiesche-Brandt, dem großen Kollegen Piper die 3900 bereits gedruckten "Gekreuzten Regenbogen" abgekauft. Mit neuem Verlagsimpressum und neuem Titel ("Gedichte") wurde diese Achmatowa-Gedichte dann auf den Markt gebracht - Piper produzierte die ausgewählten Gedichte mit neutralem Einband und schenkten sie dem Übersetzer.
[das Buch ist übrigens in einer öffentlichen Stadtbibliothek zum Leihen]

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Edmund de Waal : "Der Hase mit den Bernsteinaugen"

Edmund de Waal :
"Der Hase mit den Bernsteinaugen" - Das verborgene Erbe der Familie Ephrussi
original "The Hare with the Amber Eyes. A Hidden Inheritance"
2010, Chatto & Windus, London
Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer
2011, Paul Zsolnay Verlag
340 Seiten inkl. Vorwort + 2 Seiten Dank
ISBN 978-3-352-05556-8

Ausgehend von einem Geschenk seines Großonkels, 264 Netsuke (kleine japanische Schnitzereien aus Holz oder Elfenbein, die gemütlich in einer geschlossenen Hand Platz haben und ursprünglich am Kimono getragen wurden) erzählt der Autor die Geschichte seiner Familie : der Efrussi /Ephrussi, indem er hauptsächlich der Geschichte dieser 264 Stück Handwerkskunst in seiner Familie folgt.
Das erste Kapitel ist Paris und seinem Groß-Groß-Onkel Charles gewidmet, das zweite Kapitel Wien und seinen Urgroßeltern Victor und Emmy, dann folgen gemischt verschiedene Stationen z.B. seine Großmutter über Niederlande-Frankreich-Schweiz nach England, andere Familienmitglieder nach USA, und Japan, bis er an die Wurzeln seiner Familie zurück nach Odessa fährt.

Spannend und haptisch wird erzählt wie Geld ermöglicht mit Gefühl und Freude zu sammeln und zu leben. Viel Platz ist Beschreibungen von Wohnungen, und Häusern und dem Landgut gewidmet, viel Platz den Einrichtungen, den Kleinigkeiten, den Bildern, der Farben in den Zimmern, und sonstige Kleinigkeiten wie Uhren um das berührbare Leben vorstellbar zu machen.
Der Bruch der nach dem Anschluß in Wien vollzogen wurde, läßt den Schluß zu, daß niemand innerhalb seiner Familie mit diesen brutalen Aktionen gerechnet hatte, denn sie wurden monetär und seelisch überrumpelt, und waren froh ihr Leben zu retten.
Seine Großmutter, die nach dem ersten Weltkriegt als eine der ersten Frauen studiert hatte, fuhr nach dem zweiten Krieg nach Wien, und bekam von der alten Kleiderfrau ausgehändigt, was sie retten konnte; es ist berührend, daß der Autor erst als der beim Schreiben des Buches nach ihr nachforschen wollte, von niemandem mehr den Familiennamen dieser Frau erfahren konnte.

Ausgehend von den Netsuke, und daß sein Groß-onkel in Japan lebte und starb - und damit die Netsuke einige Zeit wieder 'nach Hause kommeb', wird einiges über Japan erzählt. Auch Japan gehörte nach dem zweiten Weltkrieg zu den besiegten Nationen, und Ausverkauf alten Kulturgutes fand statt. Der Großonkel lernt viel über Japan und seine Kunst (hier gibt es viele neue Vokabel kennen zu lernen wie z.B. 'kakemoto' sind Rollbilder), und gab einiges an den Autor (und Keramik-Künstler) weiter.
Die 264 Kunstwerke kamen Mitte 19. Jahrhunderts über Charles Ephrussi in Paris in den Familie. Dieser hochgebildete kunstsinnige Mann wurde auch der "benediktinische Dandy aus der Rue Monceau" (Zitat Jules Laforgues) genannt. Wunderschön sind hier die Schilderungen des schöngeistigen Paris dieser Zeit, aus dem Charles hier Jahrzehnte lang sammelte. Heftig ist die Reflexion über die jahrelangen Dreyfuss-Intrigen.

Die Menschen sind gut vorstellbar geschrieben. Die Urgroßmutter Emmy ist gut fühlbar, auch Groß groß Onkel Charles, dafür Urgroßvater viktor eigentümlich wenig.

Das Buch ist spannend und sehr gut zu lesen. Die Übersetzung ist sehr sehr gut.
Viel Freude bei diesem Bericht über Kunst und Geschichte von Europa und Japan.

Edmund Arthur Lowndes de Waal wurde am 10. September 1964 in Nottingham, England geboren. Er lernte bereits in der Schule das Töpferhandwerk, studierte dies in Cambridge weiter und arbeitet als ein britischer Keramiker und jetzt auch Professor an der Uni Westminster. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.  

Samstag, 17. September 2016

Gaito Gasdanow : "Die Rückkehr des Buddha"

Gaito Gasdanow :
"Die Rückkehr des Buddha"
Roman
original "Возвращение Будды"
1950, in der russischen Literaturzeitschrift 'The New Review', NY
übersetzt aus dem Russischen, mit einem Nachwort von Rosemarie Tietze
2016, Hanser Verlag
208 Seiten und 5 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-446-25047-5

Der Roman spielt in Paris in den frühen 20-jahren des 20. Jahrhunderts. Ein junger Mann der geschichtliches recherchiert taucht immer wieder in eine Traumwelt ab, spendiert einem Bettler einen Geldschein, trifft Pawel Alexandrowitsch /den Bettler wieder, wird des Mordes an ihm verdächtigt und auf Grund des Diebstahls einer kleinen goldenen Buddha-statue, die der Mörder zuerst genutzt hatte und dann gestohlen hatte, von dem Vorwurf des Mordes befreit.

Der "ich" des Buches erzählt anfangs von seinem traumatischen Sterben in den Bergen, was allerdings nur im Kopf stattfindet.
Paris wird viel im Nebel, in Grau und in Elendsviertel geschildert. Die Freundin Pawels Lina, die unglücklich in einen groben Mann aus dem Orient verliebt ist und gewohnt ist ihren Körper zu verkaufen, wird als eigenartige Mischung aus schön, lasziv, kalt, leidenschaftlich bis schlammig geschildert. Pawel selbst ist ein belesener Mensch, nur durch sein Glück an Geld kam. Der Erzähler erzählt auch von einem Schnorrer, der seine große Liebe eine nicht echte Gräfin nicht vergessen kann und vor und nach einer Erzählung immer auf sie zurückkommt. Auch andere Figuren in dem Roman sind zwar für die Erzählung nicht notwendig aber gut gezeichnet und gut vorstellbar.
Die Menschen sind entweder russisch - französisch, oder Franzosen, oder aus einem Gemisch aus Europa und dem Orient um das Atlasgebirge.

Die Bruchstücke die französisch geschrieben sind, sind erfreulicherweise übersetzt, und bleibt nicht als Leser/Leserin dem Rätseln überlassen (oder der Suche nach Vokabeln).

Der Stil des Buches ist gemessen. Es herrscht keine Eile. es gibt immer wieder schöne Beschreibungen wie : ' unisono irgendwelchen musikalischen Müll zu singen', 'undefinierbaren Seelennebel', 'deren Haltlosigkeit sich erst danach herausstellte und nur darum, weil er sich mit dem Sterben verspätet hatte' etc.

Ich habe länger an den Buch gelesen, und konnte es nicht in einem Rutsch durchlesen, weil mich die Sprache bremste. Es ist ein Buch das ich wieder lesen werde ! Viel Freude auch anderen beim Lesen !

Gaito Gasdanow (eigentlich Georgi Iwanowitsch Gasdanow), wurde am 23, Nov (jul Kal)/6. Dezember (greg. Kal) 1903 in St. Petersburg geboren und ist am 4. Dezember 1971 in München gestorben. Da sein Vater Forstbeamter war wurde er als Kind oft mit der Familie versetzt. Er kämpft ab 1919 auf Seite der Weißen Arme. Als Flüchtling nach der Niederlage reist er über Türkei und Bulgarien an Paris, wo er viele unterschiedliche Beschäftigungen hatte und an der Sorbonne Vorlesungen zuhörte. Er begann, regelmäßig literarische und journalistische Texte zu veröffentlichen. Während des zweiten Weltkrieges war er in der Resistance. Ab 1952 berichtete er als Journalist unter dem Pseudonym „Georgij Tscherkassow“ über das Pariser Kulturleben. Ab 1954 bis  berichtete er zuerst aus München, dann Paris, und wieder München bis zu seinem Tod. Sein Werk umfasst zahlreiche Romane und Erzählungen. Als wichtigstes Buch gilt "Das Phantom des Alexander Wolf " (Призрак Александра Вольфа, 1948).

Mittwoch, 17. Februar 2016

Michael Chodorkowski mit Natalija Geworkian : "Mein Weg - Ein politisches Bekenntnis"

Michael Chodorkowski mit Natalija Geworkian :
"Mein Weg - Ein politisches Bekenntnis"
aus dem Russischen von Steffen Beilich
2012, Deutsche Verlags.Anstalt
5 Seiten Vorwort Michael Chodorkowski + 2 Seiten Anstelle eines Vorwortes Natalija Geworkian+ 609 Seiten + 11 Seiten Anstelle eines Nachworts von Michael Chodorkowski + 7 Seiten Namensverzeichnis
ISBN 978-3-421-04510-2

In diesem hochinteressanten, aber nicht einfach zu lesenden Buch erzählen der ehemalige Unternehmer Michael Chodorkowski und die Journalistin Natalija Geworkian in abwechselnden Kapiteln über die Zeit in Rußland in den 90-er Jahren den letzten Jahrhunderts, als einige gewiefte und mutige Menschen Geschäfte machten und aufbauten. Hier wurden Lücken im Gesetzt genutzt um eine Bank zu gründen, Firmen zu erwerben und später dann auf Geheiß des damaligen Präsidenten Jelzin diesen auch zu unterstützen. Parallel erhält man den Eindruck, daß es den Menschen in dem Land nicht gut gegangen sein dürfte, wogegen erst Ende der 90-er Jahre Versuche hier aufzufangen gestartet wurden. Der Einstieg ins Öl-Geschäft war ein Wagnis, das durch die wechselnde Ölpreise ein wirkliches Hasard-spiel war; nebenbei wurde die Technologie der Öl-Förderung verbessert, sodaß nicht mehr so viel Schwund erzielt wurde. Die Gruppe hatte mit dem Ölpreis auch Glück und konnte so weitere Firmen erwerben und einen Konzern aufbauen. Unterstützungen an Parteien wurden nach dem Tod Jelzins nicht mehr gut geheißen, wie andere Ziele der Gruppe auch. Einige reisten rechtzeitig aus, andere blieben und wurden verhaftet. Was in dem Buch über die Prozesse, deren Ablauf, die manchmal eigenartigen Anklagen, zu lesen ist, macht kein großes Vertrauen. Die Gelassenheit, oder vielleicht auch Schwerblütigkeit, die der Autor als typisch russisch beschreibt, mag geholfen haben, mit manchem leichter fertig zu werden.

Im letzten Kapitel geht es um Mögliches : hier gehen Wirtschaft - Politik - Wirtschaftspolitik - Politikphilosophie komplex ineinander über.

Ich habe dieses Buch gekauft, als Michael Borissowitsch Chodorkowski noch im Gefängnis saß, aber erst in den letzten Monaten gelesen. Es ist ein beeindruckendes Buch, auch wenn die Rolle bei den Firmenerwerbungen über die Pfandbriefe zwar legal, aber vermutlich nicht ruhmreich gewesen sein dürfte. Dieses Image ist nicht einfach abzuwaschen, obwohl danach viel in Menschen, in Bildung, in die unterschiedlichsten Parteien aller Richtungen und auch in Offenheit des Geldes investiert worden war. Rückwirkend gesehen wäre es interessant zu wissen, wie das Engagement in neueres Denken und neue Strukturen innerhalb der Bevölkerung das Land geändert hätte.

Faszinierend ist wie die Menschen geschildert werden. Chodorkowski selber, sein engster Mitstreiter, Platon Lebedew der auch im Gefängnis saß, Leonid Newslin der es nach Israel schaffte, genauso wie Michael Brudno; aber auch Roman Abramowitsch bis zu Wladimir Putin und seinem Getreuen Igor Setschin erhalten viel Raum. Auch privates wird erzählt, wobei der Eindruck bleibt es hier mit Workoholics zu tun zu haben.

Eigen ist eine Passage in der erzählt wird, daß sich Chodorkowski aussuchen konnte ob er einen russischen oder jüdischen Paß möchte. Für ihn keine Frage als Russen. Ihm wurde jedoch geraten Technisches zu studieren, da er in Geisteswissenschaft aufgrund dieser Frage keine Chancen erhalten würde.

Das Buch ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung: man sollte über Rußland mit seinen Menschen einiges wissen, über die Politik in Rußland, über Erdöl und es ist sprachlich auf hohem intellektuellem Niveau geschrieben/übersetzt.
Sowohl Frau Geworkian  als auch dem Übersetzter Herrn Beilich ist hier zu danken, wie viel sie als hilfreiche zusätzliche Information in Fußnoten dazuschreiben oder anmerken.

In Summe ein faszinierendes Buch, für dessen Lesen ich Monate gebraucht habe, aber es nochmals in einiger Zeit lesen sollte. Die Faszination wünsche ich anderen Leserinnen & Lesern ebenso !

Michail Borissowitsch Chodorkowski wurde am 26. Juni 1963 in Moskau geboren.  Er ist ein russischer Unternehmer, früherer Oligarch  und ehemaliger  Vorstandsvorsitzender des Ölkonzerns Yukos . Von Oktober 2003 bis zum 20. Dezember 2013 befand er sich in Haft.  Kurz vor Weihnachten 2013 wurde Chodorkowski nach seinem Gnadengesuch überraschend begnadigt und freigelassen. Am 25. Dezember 2013 wurde bekannt, dass das Oberste Gericht Russlands zwei gegen Chodorkowski verhängte Urteile überprüfen lässt. Er lebt jetzt im Exil in der Schweiz.

Natalia Geworkjan, 1956 in Moskau geboren, arbeitet seit 1996 für die angesehene russische Zeitung Kommersant, zunächst als Sonderkorrespondentin für Politik und Wirtschaft, heute als Pariser Korrespondentin des Blatts. 1991 erhielt sie die amerikanischen Auszeichnung „Freedom of Press“. Sie veröffentlichte ein Buch über den KGB und einen Gesprächsband mit Wladimir Putin. Michail Chodorkowski lernte sie Anfang der neunziger Jahre kennen.

Steffen Beilich ist bilingual aufgewachsen mit Deutsch-Englisch, und maturierte 1992 in Magdeburg (Deutschland). Er ist Übersetzer für Russisch-Deutsch / Englisch-Deutsch / Belarussisch (Weißrussisch)-Deutsch // Deutsch-Englisch, Deutsch-Russisch; Dolmetscher für  Deutsch-Russisch-Deutsch / Deutsch-Englisch-Deutsch / Englisch-Russisch-Englisch und spezialisierte sich v.a. als Fachübersetzer und Dolmetscher für Umwelt, Klima, Politik und Kultur.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Verena Boos : "Blutorangen"

Verena Boos :
"Blutorangen"
2015, Aufbau Verlag
398 Seiten, 2 Seiten Inhaltsverzeichnis, 3 Seiten Dank und Quellen
ISBN 978-3-23594-5

Dieser dicht geschriebene Roman erzählt springend zwischen den Jahren 1939 (folgende), 1990 und 2004 spanisch-deutsche Kriegsgeschichte mit französischen und russischen Elementen in zwei (Familie Maite) und drei (Familie Carlos) Generationen.

Maite (Maria Theresa) und Carlos lernen einander in Bayern am Berg kennen. Sie ist seit einigen Monaten Austauschstudentin aus Valencia in München. Bei einem Familienfest lernt sie den Großvater Antonio kennen, und sieht ein Photo in der Küche in einer Uniform, die auch ihr Vater auf einem Photo trug, das sie verbotenerweise gesehen hatte.
Ab hier entrollt sich die Geschichte nach vorne und hinten für Maite und Carlos, für Franco-Spanien, für eine spanische Truppe die Hitler zu Hilfe geschickt wurde und Leningrad belagerte, für Franco-Gegner die in Frankreich interniert und Hitler ausgeliefert wurden, und Greuel zwischen Franco-treuen und Franco-Gegnern die erst spät aufgeräumt werden (können).

Carlos Großvater Antonio mußte mit seiner Frau Julia und Tochter Pau(l) fliehen; er geriet nach Deutschland, fand Unterschlupf und Arbeit am Bauernhof, Frau und Sohn kamen nach dem Krieg nach; Paul heiratete Margot, eine wunderbare Frau die die Familie zusammenhielt, nachdem Julia ihre Couture wünsche in Paris umsetzte. Sohn Carlos brachte Maite mit; Antonio hilft Maite spanische Hintergrundgeschichte zu verstehen. Am Schluß bricht auf, daß Antonio seinen ermordeten Vater begraben und dann wieder entdecken half.
Maites Vater war bei Blauen Division, dann bei der Guardia Civil. Seine große Liebe hat seinen Bruder Luis geheiratet. Mit Strenge und Disziplin erzog Francisco seine zwei Söhne und zwei Töchter; nur Maite rebelliert. Erst am Schluß entdeckt Maite, daß in ihrer Familie auch Franco-Feinde waren, denn ihre Mutter Isabel hatte ihre komplette Familie verloren und erst durch Francisco wieder einen sicheren Platz im Leben gefunden.

Die Personen die am meisten begleitet werden sind die beiden alten Herren Antonio und Francisco mit ihren gegenseitigen Werten und Leben, Maite die recherchiert und Margot die zusammenhält. Carlos tut gut, Pau(l) schweigt und ist seltsam abwesend, Isabels Wärme und ihre Werte kommen erst spät zur Geltung.

Die historisch belegte Tatsache der "Blauen Division" ('División Azul'), in der Franco Hitler wirklich 40.000 Menschen zur Hilfe gegen Stalin zur Unterstützung sandte, waren mir bis dato unbekannt. Die Schilderungen rund um die Belagerungen Leningrad in der fürchterlichen Kälte sind eindrücklich geschildert (Im Nachwort ist die Quelle angegeben).
Daß in Frankreich die Flüchtlinge aus Franco-Spanien interniert worden waren und an Deutschland Richtung Mauthausen weitergingen, war auch neu (Quelle Nachwort).
In Spanien werden seit den 2000-er Jahren nach Informationen Überlebender die ungeweihten Massengräber gesucht und versucht den Familien zumindest einen Teil der Fragen zu beantworten.

Mich hat das Buch fasziniert. Ich habe zwei Monate daran gelesen, wobei ich zwischendurch unterhaltsamere "leichtere" Kriminalromane als Gegenpol las.
Obwohl die Geschichte spannend ist und ich wissen wollte wie das Ende sein wird, ist der Stil der Sprache und Bilder im Kopf für mich schön, daß ich mir auch dafür die Zeit nahm. Beispielsweise : "Republik Maite" (S.44), "hing ihr die Verlorenheit in den Wimpern wie Schnee" (S. 304) etc.

Die titelgebenden Orangen sind das Verbindende, denn die Familie Maites hat eine Orangenplantage bei Valencia und Carlos Großvater findet nach dem Krieg Arbeit am Großmarkt in München und baut dort einen Obst-Gemüse-Handel (inklusive Orangen) auf. Orangenpapier gab es um den zweiten Weltkrieg und noch lange danach; für die älteren Herren bilden sie wertvolle Erinnerungsstücke.

Mich hat dieser Roman, der mir neues aus spanischer (und europäischer) Geschichte beibrachte, sehr berührt. Ich wünschen allen Lesern und Leserinnen daß ihnen dieses Buch und seine Sprache ebenso gut gefällt wie mir.

Verena Boos wurde 1977 in Rottweil (Deutschland) geboren. Sie studierte Anglistik, Soziologie und promovierte in Zeitgeschichte und arbeitet als Journalistin, Referentin und Autorin. Sie lebt in Frankfurt.

Dienstag, 14. Januar 2014

Alina Bronsky : "Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche"

Alina Bronsky :
"Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche"
Roman
2010, Kiepenheuer &Witsch
310 Seiten
ISBN 978-3-462-04235-1

Das Buch ist kein Kochbuch sondern ein Roman in dem die attraktive Rosalind aus der Ich-Perspektive ihr Leben und das ihrer Lieben am Fuß des Ural im Kommunismus und später in Deutschland gestaltet und dirigiert.

1978 wird ihre (dumme) Tochter Sulfia schwanger. Vater unbekannt. Das Mädchen kommt auf die Welt und gewinnt sofort das Herz der Großmutter. Für Aminat macht Rosalind alles und mischt sich in alles ein - und versteht nicht, daß sie dafür keine Liebe erhält. Als Sulfia mit Aminat, dem jüdischen Ehemann, dem gemeinsamen Kind Lena nach Israel auswandern möchte, ist das der einzige Moment in dem Buch, in dem die starke egoistische Frau zusammenklappt.
Die Zeiten in Rußland werden schlechter und trotz stundenlangem Anstellen gibt es immer weniger Lebensmittel. Rosalind beauftragt ihr Tochter, sich als Krankenschwester einen Deutschen anzulächeln. Sie haben Glück - ein Deutscher taucht auf, dem das Kind Aminat gefällt. Er bringt die drei Generationen Frauen nach Deutschland. Rosalind setzt sich auch dort durch und erarbeitet als Putzfrau Geld, Anerkennung und lernt die Sprache, die sie in der Schule etwas gelernt hatte, perfekt. Am Schluß hat sie wieder einen Partner, aber Aminat lebt ganz woanders und will nichts mehr von ihr wissen.

Die Ich-Sicht von Rosalind ist faszinierend. Wie sie organisiert und dabei rücksichtslos ihren Willen lebt, ohne den von Tochter, Enkelinnen oder Ehemann zu berücksichten zu wollen, hat Energie. Kein Zweifel an Aussehen oder Tun trüben ihre Gedanken.
Sulfia ist anders - weich, lieb, liebevoll, sich um andere kümmernd. Sie stirbt an Krebs, mangels der richtigen Medikamente und weil sie sich um ihren Vater kümmert, der ihre Mutter wegen einer unauffälligen Frau verlassen hat.
Aminat wird als Kind mit tartarischem Aussehen geschildert, was das Herz der Großmutter gewinnt; und hat genauso starken Charakter. Sie wird zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen zerrieben, hält aber immer wieder zur Mutter.
Die Männer sind belanglos. Der Ehemann von Rosalind ist ein russischer Gewerkschafter der alles tartarische verleugnet. Die drei Ehemänner von Sulfia keine Stütze für die liebe Frau, eher das Gegenteil.

Der geschichtliche Hintergrund liest sich interessant. Rosalind ist als Kind von Tartaren verwaist und wird in nach dem zweiten Weltkrieg ein Waisenhaus zur Russifizierung gesteckt. Ihr Bruder bringt sich als Erwachsener um. Alles tartarische soll abtrainiert werden - nur manche Gerichte können überleben.
Die Wirtschaftslage für die vielen normalen Menschen in Rußland wo lange mit Geschenken (Schokolade, Nylonstrümpfe) notwendiges plötzlich wieder möglich ist, wird erzählt. Der Absatz als die Lebensmittellage massiv schlechter wird, geht unter die Haut.

Obwohl das Buch kein Kochbuch ist, gibt es einige Absätze über das Kochen und welche Gerichte es gibt. Kochen ist immer wieder wichtig, da sich Rosalind Gerichte für Familienfeste ausdenken muß; Rezepte gibt es aber keine.

Ich habe das Buch in knapp fünf Stunden durchgelesen und mich dabei sehr gut unterhalten. Die Moral bleibt auf der Strecke. Trotzdem ein empfehlenswertes Buch. Viel Spaß !

Alina Bronsky ist ein Pseudonym. Die Autorin kam 1978 in Jekaterinenburg/Swerdlowsk auf die Welt und wuchs nahe des Urals und in Südhessen auf. Die Familie war Anfang der 90-er Jahre nach Deutschland ausgewandert. Sie studierte Medizin und arbeitete als Texterin in Frankfurt. Ihr erster Roman "Scherbengericht" erschien 2008 und war sofort ein Bestseller. Die Autorin lebt mit ihrer eigenen Familie in Berlin.


Sonntag, 16. Dezember 2012

Sarah Quigley : "Der Dirigent"

Sarah Quigley :
"Der Dirigent"
Roman
original "The Conductor"
2011, Vintage Books, Auckland
aus dem Englischen von Bettina Abarbanell
2012, Aufbau Verlag Berlin
2. Auflage (bei der 1. Auflage war eine CD mit der 7. Symphonie von Dmitri Schostakowitsch beilegt)
378 Seiten
2 Seiten Danksagungen
13 Seiten Anhang: über 1. Dmitri Schostakowitsch 2. Die Leningrader Sinfonie 3. Die Belagerung Leningrads 4. Interview mit Sarah Quigley
ISBN 978-3-351-03502-2

In diesem faszinierenden, gut geschriebenen Roman wird die Geschichte von faszinierenden Persönlichkeiten mitten während der Blockade und Belagerung der Stadt Leningrad zwischen Sommer 1941 und Sommer 1942 erzählt. Die Persönlichkeiten sind der Dirigent Karl Eliasberg, der Komponist Dmitri Schostakowitsch, und der Geiger Nikolai, sowie Freunde und Nachbarn in Leningrad.

Im Hauptinteresse des Buchs steht der Dirigent des Leningrader Rundfunk Orchesters Karl Eliasberg. Er ist Sohn eines Schusters und mußte zuerst sein Violinstudium, nach Verletzungen sein Dirigierstudium hart erarbeiten. Während der Blockade kümmert er sich so weit es geht um seine ziemlich immobile Mutter, die geistig erschreckend abbaut.
Dmitri Schostakowitsch lebt mit seiner Frau Nina, Tochter Galina und Sohn Maxim in der Stadt. Er dürfte sich evakuieren lassen, will aber in Leningrad bleiben. Die ersten drei Sätze der siebenten Symphonie schreibt er in Leningrad - tw. im Beschuß durch Bomben. Alle erwarten Großartiges von dem Werk - eine Art Kriegssymphonie. Den vierten Satz schreibt er in Kuibyschew.
Nach der triumphalen Uraufführung wird Eliasberg beauftragt mit dem Rest des Rundfunkorchesters diese Symphonie in Leningrad - die Stadt hat soeben einen grauenvollen Winter überstanden - aufzuführen. Verstärkung sind andere Musiker aus der Stadt sowie aus den Militärkapellen. Das Buch endet in der Vorbereitung für diese Aufführung.
Dritter Strang ist der Musiker /Violinist Nikolai und  - da seine Gattin gestorben war - seine Liebe zu der präzisen Tochter Sonja (und dem Cello von Mutter und Tochter). Er glaubt sie lange verloren, da es schlechte Nachrichten über einen Zug mit evakuierten Kindern (und seiner Sonja) gibt.

Für Leser/Leserin die sich mit klassischer Musik und deren Komposition beschäftigen ist dieses Buch sehr sehr gelungen. Es ist spannend der Fiktion zu folgen wenn aus Ehegezänk, Bombardement im Schutzkeller oder salbungsvollem Gesäusel eines linientreuen Notenschreiberlings plötzlich Ideen zu der siebenten Symphonie auftauchen und Dmitri Schostakowitsch einen Weg findet sich die Melodie / den Aufbau zu merken. Der Druck etwas schaffen zu müssen, ist auch spürbar - ebenso wie die Leere danach, die manchmal in einem Wodka-Exzeß endet.

Das Buch ist faszinierend mit seinen Menschenbeobachtungen und Schilderungen und fast schrecklich mit seinen Beschreibungen des Elends der Menschen in der blockierten Stadt. Es ist fast unvorstellbar welchen Hunger, welche Kälte und welche Schmerzen diese Menschen ausgehalten haben - oder auch nicht. Im Roman überleben die meisten der Bezugspersonen.

Neben dem Schrecken der Belagerung und der Bombardierung verliert der Terror den Stalin vor dem zweiten Weltkrieg ausgeübt hat, nicht seine angstvolle Wirkung. Immer noch nicht trauen sich die Menschen etwas ehrlich miteinander zu sein - und sie haben recht damit.

Beim Querlesen/Recherche im Internet über die handelnden Personen fällt auf, daß die Aufführung aus dem belagerten Leningrad tw. genannt wird, oft aber neben den berühmten Dirigenten und Aufführungen nicht genannt wird. Eine andere Quelle meinte sinngemäß etwa : 'als wir Deutschen diese Musik hörten, wußten wir, daß wir diese Stadt nicht besiegen werden.'

Das Buch ist für jeden Musikfan empfehlenswert - ich habe die Sätze der Symphonie nach Kapitelende auf CD jeweils nachgehört. Die Atmosphäre ist dicht beschrieben, die Menschen sehr gut vorstellbar, die Stadt mit Überlebenswillen und Elend packend und unter die Haut gehend gezeichnet. Ich kann diesen Roman nur wärmstens empfehlen.

Sonntag, 8. April 2012

Viktorija Tokarjewa : "Der Baum auf dem Dach"

Viktorija (Samojlovna) Tokarjewa :
"Der Baum auf dem Dach"
original "Derevo na kryse"
aus dem Russischen von Angelika Schneider
2010, Diogenes Verlag AG Zürich
Roman
191 Seiten
ISBN 978-3-257-06749-1

Das Buch ist ein starker intensiver Roman, der sich meiner Ansicht nach mehr auf die Frauen konzentriert. Die Geschichte und die Personen haben mich fasziniert.

Im Mittelpunkt steht Vera. Sie stammt aus einem kleinen Dorf, möchte Schauspielerin werden, heiratet in eine Professorsfamilie und überlebt als einzige Hunger und Kriegswirren in Leningrad. Daß ihr damaliger Mann sie vor die Tür setzt, weil er ihre Lebensmittelkarten will, versteht sie sogar.
Nach dem Krieg arbeitet sie wieder im Theater, lebt heimlich in den Kulissen, hat eine Affäre mit einem jungen sehr kreativen, aber kranken Mann und wird gezwungen das/sein/ihr Kind abzutreiben.
Sie lebt weiter in den Kulissen und lernt den zehn Jahre jüngeren Alexander kennen. Wider Erwarten wird sie wieder schwanger, bekommt das Kind diesmal und mit Unterstützung von Alexanders Mutter, die glücklich ist einen Enkel zu haben, bauen die zwei 2 Frauen eine Familie um die Männer auf.
In der Zeit mit Alexander entstehen viele Filme und Vera wandelt sich von einer bläßlichen in eine starke, intensive, sehr russische Filmschauspielerin. Wenn sie nicht filmt oder spielt, sorgt sie für den reibungslosen Ablauf des Haushalts.
Alles könnte gut gehen, wenn Alexander nicht auch andere Frauen sehr sehr gut gefallen. Meist kommen und gehen sie. Vera versteht, daß ihr Mann hin und wieder inspirierende Abwechslung braucht. Eine aber wird aber wirklich wichtig : sie schreibt Drehbücher, ist verheiratet und hat eine Tochter. Wie die Geschichte weitergeht, wie sich wer entscheidet, oder nicht entscheidet, dazu sollte man das Buch selber lesen.

Mich haben die Schilderungen der Frauen in den Bann gezogen - Vera (Schauspielerin, Gattin, Mutter, Hausfrau, kümmert sich um alles), Margo - Alexanders Mutter (charismatische Frau die auf ihr Aussehen schaut, Chorleiterin, zieht gerne die Fäden, liebt ihren Sohn und ihr Enkelkind), Lena (schreibt Drehbücher, erhält ihre Familie, schreibt Bücher und Erzählungen, liebt verheirateten Mann auf dessen Entscheidung sie wartet), Rabja - Rebekka (Sohn von Iwan, Enkelin von Vera und Alexander, Kind einer Frau aus dem Dorf die Alexander und Vera nicht gut genug war, sie gibt Alexander Hoffnung).

Immer wieder blitzen die Situationen aus dem Regime der Sowjetunion auf, bei denen die Menschen in Freiheit und Kreativität gehemmt werden. Sie dürfen oder auch nicht ins Ausland, Filme werden gezeigt oder landen in der Schublade, Bücher werden veröffentlicht oder landen in der Schublade, irgendwelche Beamte greifen ein. Nach dem 'Prager Frühling' wurde es für die Kreativen enger, die 'Perestroika' gab allen Hoffnung und Aufschwung.

Mich hat der Roman fasziniert und in den Bann gezogen. Einzelne Bilder arbeiten noch in mir nach. Ich kann das Buch nur empfehlen.

Freitag, 21. Oktober 2011

Matti Rönka: "Bruderland"

Matti Rönka :
"Bruderland"
- Kriminalroman
original "hyvä veli, paha veli"
2003 Gummerus Kustannus Oy, Helsinki
aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara
Deutsche Erstausgabe, 2008, Grafit Verlag GmbH, Dortmund
217 Seiten
ISBN 978-3-89425-656-2

Viktor Kärppä lebt in Helsinki und organisiert Arbeiter für Baustellen. Zmindest ist das der offizielle Job. Früher hat er für die russische und die finnische Schimannschaft Dopingmittel und andere Drogen besorgt. Durch seinen Vater kann er russisch, durch die Familie seiner Mutter finnisch. Diese Sprachkenntnisse setzte er bei auch bei Übersetzungen für Arbeitsvermittlungen ein.

Der Polizist Korhonen, der christliche Zitate von sich gibt und leise christliche Lieder vor sich hinsummt, ist auf ihn angesetzt, da neues Heroin bereits einige Menschenleben gefordert hat. Viktor muß die Lieferanten finden, denn es glaubt ihm niemand, daß er nichts mehr mit Drogen zu tun hat.
Viktors Bruder Aleksej, kommt von Rußland nach Finnland und bereitet - da er bereits mit Drogen zu tun hatte - noch mehr Sorgen.
Freundin Marja ist zur Zeit in den USA und e-mails erzählen von gegenseitiger Sehnsucht - was Viktor nicht von Flirts oder mehr abhält.

Die Umgebung sind Baustellen, Lagerhallen, Polizeidienststellen, Fahrt nach Rußland und retour, Wohnungen mit mühsam erworbenen Habseligkeiten. Es gibt einige Machtorganisationen (Polizei, Mafia mit Schmuggel von Drogen, Porno-Dvds bis Baumaterial).

Spannend für mich war das Wort 'Rückwanderer' mit dem die Menschen bezeichnet werden, die Finnen waren, aus Karelien in die Sowjetunion abgezogen worden waren, und nun zurückkommen. Es gibt nicht nur Sprachschwierigkeiten,  Rückwanderer und Menschen deren Eltern aus beiden Kulturen (russisch und finnisch) kommen, bekommen mehr als nur dumme Kommentare ab.

Die Menschen sind eher vierschrötig geschildert, als Menschen die anpacken, aber moralisch-ethische Standpunkte wegen Überlebens beiseite lassen (müssen).
Ein kleines Happy End gibt es da Viktor das Haus in dem er bisher gewohnt hat, erwirbt und viele Freunde ihm bei der Sanierung helfen.

Das Buch ist gut, aber es bleibt etwas kühl in seinen Schilderungen, was vielleicht am Temperament im Norden Europas liegen mag.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Val McDermid : "Die Geiselnahme"

Val McDermid :
"Die Geiselnahme"
original "Hostage to murder"
deutsch von Sonja Finck
Ariadne Krimi 1143 - 2003, Argument Verlag
250 Seiten
ISBN 3-88619-873-1

Guter, schön lesbarer Krimi der einige Handlungsstränge miteinander vermengt, und - was ich mag - sich die Zeilen nimmt um auf Menschen und deren Umgebung einzugehen.

Lindsay, ehemalige Journalistin in Kalifornien, ist mit ihrer Traumfrau Sophie nach Schottland zurückgekehrt, weil Sophie hier eine Universitätsprofessur angenommen hat. Lindsay lernt Rory kennen : jung, lebenslustig, Journalistin mit zu vielen Themen um sie alleine zu bearbeiten. Als ein Schulbub entführt wird (erst rückblickend wird klar, daß dies nur zum Schutz des Buben war), setzen die zwei Frauen einen verrückten Plan den Buben aus Rußland zurückzuholen mithilfe des Stiefvaters des Buben, Lindsays Vater und einem Schiff um. Kurz darauf wird das Auto mit dem Stiefvater mittels Bombe zerstört. Im Showdown in einer Garage können die Mutter und Bub den Erpressungsversuchen des biologischen Kindesvaters entgehen, und Männer deren Mitgliedschaft bei der extremen IRA bekannt ist, kommen ums Leben.

Parallel zur Journalisten-Enthüllungsgeschichte wird die Beziehungskrise zwischen den Frauen geschildert. Sophie hat ein Männerpaar gefunden, dessen ein Teil bereit ist als biologischer Vater zu fungieren. Lindsay ist der ganze Kinderwunsch suspekt, und erst am Ende des Romans als die kleine Tochter da ist, funkt es und sie ist bereit ihren Part als Co-Mutter zu übernehmen.

Schön finde ich wie die Autorin die Menschen schildert.
Alleine wie sie die Typen der IRA skizziert - den coooolen Chef, den habichtsartigen zynischen Mörder, den ewig zerstrubelten chaotischen 'Idioten' dem man aber auch einen Job geben muß, sind für mich ein Genuß.
Im Gegensatz dazu die Farben in denen das Schwulen-lesben-Café gezeichnet ist und deren verschiedenen mehr oder weniger ausdrucksstarken Menschen, v.a. das Leben von Rory, die in dem Café einen Stammtisch als ihr Büro aufgebaut hat.

Die Story ist rasch, mit starken Linein gezeichnet, Personen / Landschaften / Umgebung sind klar; für mich war es ein Vergnügen das Buch zu lesen.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Tschingis Aitmatow : "Der Junge und das Meer"


Tschingis Aitmatow :
"Der Junge und das Meer"
original "Пегий пес, бегущий краем моря“
1977 Zeitschrift Snamja
aus dem Russischen von Charlotte Kossuth
1978 Bertelsmann/München/ Verlag Volk und Welt, Berlin DDR
160 Seiten
ISBN 3-570-05431-4

In dem Buch wird eine spannende Geschichte über das Erwachsen werden, Sterben für die Familie und die Urgewalt der Natur , in diesem Fall des Meeres, erzählt wird.

Kirgis wird das erste Mal von Großvater, Vater und Onkel im Kajak mitgenommen. Er soll lernen in der Tradition der Familie Robben zun töten und als Jäger seine Familie zu ernähren. Die Fahrt zu den Inseln, auf denen die Robben leben wird bei gutem Wetter angetreten. Dann kippt das Wetter, riesige Wellen gefährden Kajak und Männer, und Nebel fällt ein. Mit dem Nebel kommt die absolute Stille und Windlosigkeit. Da das Trinkwasser - der größte Schatz in dieser Situation - auszugehen droht, beschließt zuerst der Großvater, später der Onkel, und am Schluß der Vater über Nacht das Boot zu verlassen, um den Jungen die letzten Trinkwasserschlucke und damit vielleicht das Überleben zu sichern.
Die Polareule und Sterne, die endlich auftauchen, leiten den Jungen heim. Er hat seinen Stern (den Vater), seine Welle (seinen Onkel) und sein Lebensgedicht auf dieser Fahrt kennen gelernt.

Der Roman ist stark, er ging mir unter die Haut. Das rauhe Leben auf dem Meer, die Art wie das einfache Überleben geschildert wird, und nach welch archaischen Regeln die Männer beschließn in den Tod zu gehen um anderen das überleben zu ermöglichen, setzen sich wie Widerhacken fest und die Bilder lassen nicht einfach los.

Die Schilderungen des Lebens im Dorf und später die Windlosigkeit und Stille im Meer liefen wie ein Film vor mir ab.
Schön finde ich wie der Autor die zarten Bande zwischen Kirgis und einem Mädchen andeutet.

Schauplatz ist das ochotskische Meer und einige Inseln dort; ich mußte erst einmal den Atlas bemühen damit ich wußte wo der Roman spielt.

Ein starkes Buch für alle Leser, die keine Angst vor Urgewalten haben, und Leser, die sich in eine Geschichte hineinziehen lassen wollen.

Sonntag, 1. August 2010

Maria Norowska : "Der russische Geliebte"

Maria Norowska :
"Der russische Geliebte"
1996 'Rosyjski kochanek" bei Wydawnictwo W.A.B.,Warschau
aus dem Polnischen von Karin Wolff
2000 Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt
254 Seiten
ISBN 3-596-14876-6

Ein Buch von einer Frau eher mit Zielgruppe für Frauen geschrieben, das von einer großen, oder der richtigen Liebe glauben machen kann, oder zumindest Mut auf Liebe.

Julia, ist Literaturprofessorin in Warschau, Mutter und vielfache Großmutter (was ihr nicht angenehm ist), und auf ein Jahr an die Universtität in Paris als Dozentin eingeladen. Ihre Nachbarn im Hotel sind ein russisches Päarchen - Aleksander ist Historiker und schreibt an einem Buch über die letzten Tage des letzten russischen Zaren und Nadja, die Friseuse ist und über alle Ohren und Zellen in Aleksander verliebt. Nachdem Najda im Streit zurück fuhr, gehen Julia und Aleksander öfters miteinander essen, bis sie nach einem Streit miteinander das Bett teilen. Während für Aleksander die Beziehung kein Problem zu haben scheint, tut sich Julia mit dem Altersunterschied schwer / mehr noch der Beginn der biologischen Menopause führt ihr ihr Alter noch mehr vor Augen. Nach einem gemeinsam Urlaub auf Mallorca - wie vor langer Zeit auch Frederic Chopin und George Sand - zieht das Paar in eine Pariser Mansardenwohnung. Aleksanders Buch wird ein großer Erfolg. Im letzten Kapitel schreibt Julia ihrer Tochter einen Brief und schildert ihr ihr Leben als Ehefrau eines Historikers in Moskau.

In Rückblenden rollt Julia ihre Kindheit auf, die sie bei ihrer hilflosen Mutter und dem lieblosen autoritären Großvater verbracht hat. In der gleichen Beiläufigkeit und Lieblosigkeit wird sie beim Erstkontakt mit einem Mitstudenten schwanger. Die Tochter Ewa baut sich ihre Familie auf, in dem sie innerhalb kürzester Zeit einen liebenvollen Mann und mehrere Kinder hat - etwas das Julia lange suspekt ist.

Die Menschen in dem Buch sind schön gezeichnet - die Persönlichkeiten der verschiedenen Freunde Aleksanders in Paris klar und nachfühlbar geschildert. Auch die Szenerien sind fast filmhaft - sei es in Paris, auf Mallorca oder in Moskau.

Kurz kommt das Thema Krieg zu Wort, als einer der Freunde Aleksanders als Photograph ins zerfallende Jugoslawien geschickt wird, und Julia in einem Absatz die Greueltaten und Unmenschlichkeiten der Sieger schildert.

Das Buch ist gut geschrieben, macht das Frau sein und geht schön mit den Veränderungen des Körpers um. Die Liebe des jüngeren Mannes ist für mich romanhaft, denn das Gemisch aus Sensibilität und Sorgen-um-die-Frau ist zwar eine schöne Idee, aber unglaubhaft. Wer die Idee genießen möchte, ist in dieser Geschichte gut aufgehoben.