Montag, 28. Mai 2018

Matthias Martin Becker : "Automatisierung und Ausbeutung"

Matthias Martin Becker :
"Automatisierung und Ausbeutung"
2017, Promedia Verlag Wien
198 Seiten +  22 Seiten Anmerkungen
ISBN : 978-3-85371-418-8

Der Autor hat sich vorgenommen das Thema Digitalisierung im Sinne welche Arbeiten von Menschen werden in Hinkunft von Maschinen gemacht, aus der sozialistisch-marxistischer Sicht (seine Eigendefiniton) zu betrachten. Er arbeitet sich hier anfangs von technischen Spielereien auf Jahrmärkten bis zu Auswirkungen für Arbeiter/innen am Fließband durch. Er beschreibt wie das Zerlegen eines Arbeitsprozesses den Menschen noch mehr entmündigt und frustriert, Maschinen Kontrollmöglichkeiten einräumt und dem oberen Management Daten liefert. Das mittlere Management wird mittelfristig eingespart.

"In der betrieblichen Praxis sehen sich Technisches und Organisatorisches zum Verwechseln ähnlich" (Seite 47)

Sehr interessant fand ich seine Erzählungen über Frau Ada Lovelace (eine geniale Mathematikerin und vermutlich erster Informatiker überhaupt in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts), und Vaucansons Ente von 1885.

Es gibt einige Abkürzungen und Schlagworte wie beispielsweise : KI (künstliche Intelligenz), KNN (Künstliches Neuronales Netz) etc.; Crowdworking (die Leistung wird mit nichts bis zu gewohnter Einkommenshöhe bezahlt, Abhängigkeiten von Willkür der Information), Granularität (die Module werden so klein, daß der Einzelne nicht mehr weiß was sein Arbeitsbeitrag bringt) und Outsourcing und 'Plattform Kapitalismus' (wobei er hier kritisch betrachtet, daß bei Essenszulieferern die Zulieferer selbst Fahrrad + Muskelkraft + Zeit einbringen und die Schnittstelle für vergleichsweise wenig Arbeit viel mitschneidet).

Er versucht Kostenbetrachtungen in der Euphorie für Digitalisierung zu sehen, was bringt die Technisierung wirklich an finanziellen Einsparungen wenn gleichzeitig die Arbeitsnachfrage steigt.

Die Betrachtungen über die Veränderungen der Arbeiter-Welt am Fließband oder bei der Produktion sind eher sachlich geschrieben.
Emotional wird der Autor wenn es um Journalismus, guten Recherche - Journalismus bis zu schlechtem Stundenlohn fürs Zusammentippen von Zeilen geht.

Auf dem Cover war ein Ausblick auf das Arbeitsleben inklusive des Büro-lebens angedeutet. Leider gibt es hier kaum Überlegungen für Änderungen für Büro-Anstellte. Er bleibt eher bei den Arbeitern/innen und den Journalisten/innen, aber die Basis-Büroarbeit bleibt von dem Autor unbetrachtet.

In Summe in nicht einfach zu lesendes Buch, das zwar nicht uninteressant in seinen Überlegungen ist, aber meine Frage nach den Veränderungen der Bürowelt offen ließ.

Matthias Martin Becker wurde 1971 geboren. Er hatte viele sehr unterschiedliche Jobs, bis er als Übersetzer und Wissenschafts/Wirtschafts.Journalist tätig wurde. Er macht jetzt Beträge für Deutschlandfunk in Berlin und hat bereits drei Bücher veröffentlicht.

Sonntag, 13. Mai 2018

Clara Rojas : "Ich überlebte für meinen Sohn"

Clara Rojas :
"Ich überlebte für meinen Sohn"
original "Captive. Otage des FARC, elle accouche au coeurde l'enfer"
2009, Éditions Plon, Paris
Aus dem Spanischen von Stephan Gebauer
2009, Blanvalent Verlag, München
264  Seiten + 13 Seiten Anmerkungen der Autorin und Erläuterungen
ISBN 9787-3-74645-0337-6

Die Autorin war fast sechs Jahre als Geisel der FARC - Guerillos im kolumbianischen Regenwald. Sie beschreibt die Geiselnahme, die Örtlichkeiten an denen sie zu ziemlich unguten Bedingungen mit anderen Geiseln zusammenleben muß, sowie ihre geistigen und körperlichen Überlebensstrategien. Wichtiger Punkt für ihren Überlebenswillen ist die Entdeckung daß sie schwanger ist, die Geburt und das Bewußtsein ihren Sohn zu haben bzw für ein späteres Wiedersehen fit zu sein. Als eine ehemalige Geisel den Medien erzählt, daß es diesen Buben gibt, der nicht bei seiner Mutter ist / sein darf, beginnen die Verhandlungen und ihre Freigabe.

Ich habe das Buch als Gegenpol gelesen, da ich gerade auf Seite 515 von 728 Seiten von Ingrid Betancourts Reflexionen zur gemeinsamen Geiselnahme und Geiselhaft lese und mich die andere Darstellung zu den Ereignissen, Menschen und Ansichten interessiert.

Diese Autorin schreibt ziemlich sachlich, auch wie sie sich ziemlich bald in sich zurückzieht, und in der katholischen Religion ihre geistige und mentale Zuflucht sucht.
Sie schildert das unwürdige Zusammensein der Geiseln, also Menschen die gewohnt waren aktiv zu sein und plötzlich nur noch Hoffen dürfen, und die kleinen Gemeinheiten mit denen sie sich das Leben zu vereinfachen suchen und verletzen.
Die ehemalige Zusammenarbeit, vielleicht auch Freundschaft mit Betancourt scheitert und geht zugrunde. Für die Autorin als nicht junge Mutter war es erstaunlich wie wenig ihr die anderen Mütter (u.a. Betancourt) beistanden und helfen wollten.

Die Abschnitte über den Kaiserschnitt ohne taugliche Mittel und Menschen lassen erstaunen, daß Mutter und Kind zwar später in der Freiheit einige Operationen brauchten, aber in Summe wohlauf sind. (Über den Kindsvater gibt es Schweigen; sie wird es dem Sohn mitteilen, weil es nur für ihn wichtig sein kann).

Sie beschreibt sachlich mit wenig Adjektiven und Adverbien. Die menschliche Brutalität des Einsperrens, ecklige Toilettegruben bis Einsatz von Ketten spricht jedoch für sich.

Als Tatsachenbericht geht dieses Buch unter die Haut, die religiösen Teile waren mir etwas zu viel, die Liebe zu dem Sohn liest sich wunderbar.

Das Buch ist in angenehm großen Buchstaben gedruckt.
Die Ergänzungen zu den Menschen in den Anmerkungen enthalten oft kurze Hinweise auf andere Geiseln, bei denen nicht klar ist wie deren Geschichte ausging.

In Summe ein interessantes Buch. Ob es mich mehr oder weniger anspricht als das der Mitgeisel die mehr mediales und internationales Echo erhielt behalte ich mir bis zum Auslesen des anderen Buches vor.

Clara Leticia Rojas González wurde am 20. Dezember 1964 in Bogotá geboren. Sie ist seit 1992 Rechtsanwältin und 1997 Politikerin für die ökologische Partei 'Oxigeno Verde'. Sie war vom 23. Februar 2002 bis 10. Jänner 2008 bei den FARC als Geisel gefangen. Am 16. April 2004 kam ihr Sohn Emmanuel zur Welt, den ihr die FARC später wegnahm und den sie am 13. Jänner 2008 wiedersah. Sie ist jetzt wieder in der Politik tätig.

Sonntag, 6. Mai 2018

Carolina Conrad : "Mord an der Algarve"

Carolina Conrad :
"Mord an der Algarve" - Anabela Silva ermittelt
2018, Rowohlt Verlag
275 Seiten
ISBN 978-3-499-27112-0

Anabela hört bei einem Besuch bei ihren Eltern von vielen Beerdigungen, die ihr merkwürdig vorkommen, worauf sie nachzufragen beginnt. Parallel wird ein Tourist ermordet und die Polizei fragt um ihre Mithilfe beim Deutsch - Portugiesisch Übersetzen an. Bei den Recherchen über Geschichte und Tote der Familie Aves ist ihr Mário behilflich, bei der Polizei trifft sie auf den sympathischen Chefinspektor Joao Almeida  und den kühlen Inspektor Paolo Pinto. Neugier auf der Suche nach einem geographischen Punkt helfen der Lösung des Touristenmordes, Durchblättern ihres Familienalbums beim Entdecken einen Familiengeheimnisses das zu einigen Toten geführt hatte. Das zweite macht Anabela ziemlich unglücklich.

Der Roman begleitet Anabela / Bela / 'Filha' in ihrem Tun und ihren Überlegungen. Die alte böse Geschichte und ihre Rache sind in kursiv gedruckt und aus dieser Sicht geschildert.

Geschichtlich fließen die konservativ-autoritäre Diktatur unter Antonio de Oliveira Salazar, dem 'Estado Novo' und seine Geheimdiensttruppe PIDE ein, unter denen gesetzlose Übergriffe der Machthaber ohne Chance für die Kleinen gelebt wurde.

Leider kenne ich den Teil Portugals nicht, aber die Schilderungen waren gut und eindrücklich. Sowohl das Dorf ist gut vorstellbar, sowie das Naturschutzgebiet.

An Menschen ist ein schönes Gemisch im Angebot: Anabela selber die mit netten Journalistengeschichten ihr Geld verdient hat aber von ihrem Ehemann einem Politikprofessor für nicht gescheit genug gehalten wird und ihn verliert. Der Ehemann tritt nie auf, es wird nur von ihm erzählt. Bela Eltern sind liebevolle ältere Herrschaften die sich freuen daß die Tochter aus Deutschland zu ihnen in ihre Heimat kommt. Cousin Luis ist gemischt nett bis unfreundlich zu ihr, wobei er mehr über die Hintergründe der eigenen und der Familie Aves weiß. Die deutschen Touristen sind unterhaltsam geschildert. Mário ist attraktiv aber Bela kennt sich bei ihm nicht aus. Der Chefinspektor ist freundlich und tut ihr gut, während der durchtrainierte Inspektor kühl bis unfreundlich ist.

In Summe ein gemütlicher schöner Kriminalroman - ideal für verregnete Tage (da er im Sommer spielt) und als Geschenk. Viel Spaß beim Lesen !

Carolina Conrad ist das Pseudonym für die Journalistin/Autorin Bettina Haskamp. Sie wurde 1960 in Oldenburg geboren, und arbeitete als gelernte Journalistin für WDR und NDR. Nach einer Segelreise auf der das erste Buch entstand, entschied sie sich für das Leben als Schriftstellerin. Sie lebt entweder in Hamburg oder in Ostportugal mit Familie, Katzen, Hund und Esel.

Sonntag, 29. April 2018

Andreas Pittler : "Die Spur der Ikonen"

Andreas Pittler :
"Die Spur der Ikonen"
Kriminalroman
2017, Gmeiner Verlag
275 Seiten
ISBN 978-3-8392-2040-5

Dieser Kriminalroman im utopischen Staat ÖDR (Österreichische Demokratische Republik), in dem Wien noch immer eine aufgeteilte Stadt ist, spielt 1989 als Honecker noch Chef der DDR ist und Gorbatschow Perestrojika durchsetzt. Es gibt keinen Toten, aber geschmuggelte Ware. Hauptwachmeister Peter Landsrait ist aufrechter Polizist seines Staates, glaubt an ihn und seine Werte und die Gesetze. Er versucht mit seiner Truppe den Fragen nach Geld ohne Ware, einem Kleinganoven und einem Westler mit zwei Pässen. Er kommt Ikonenhandel, sowie Ikonenfälscherei auf die Spur - alles kurz vor dem den großen Fluchtwellen aus der DDR via Ungarn in die hier sogenannte Bundesrepublik Österreich. Am Ende wird noch der Drahtzieher des Schmuggels in der eigenen Hierarchie aufgedeckt.

Als Wien-Kenner ist es durchaus spannend zu lesen wie die Namen bekannter Straßen für die unter kommunistischem Regime stehenden Bezirke Wiens umgenannt wurden. Beim Cafe Eintracht und der Karl-Marx-Allee habe ich etwas Zeit gebraucht.

Die Personen der Handlung sind durchaus schön gezeichnet. Hauptwachmeister Peter Landsrait, der nicht nur als Polizist für Recht und Ordnung sorgt, liebt auch seine Frau und Kinder und die Ordnung und Sauberkeit im sozialisten Leben. In seinem Team gibt es begeisterte Polizisten aber auch Menschen die sehen wie sehr das System am kippen ist, und wie die Unzufriedenheit steigt. Seine Vorgesetzten sind Hierarchie bewußt, aber ohne jegliches Verständnis für Menschen gezeichnet. Bürger die etwas neben dem System stehen sind eher unsympathisch gezeichnet.

In dem Krimi gibt es keine Leichen, nur Betrug und Fälschung, trotzdem ist es eine Kriminalgeschichte, und etwas Mitraten wer 'der Böse' ist, ist möglich.

Der Roman ist sehr interessant, aber streckenweise etwas mühsam zu Lesen. Auf jeden Fall ist er für alle Leser und Leserinnen, die sich für Geschichte interessieren und in Wien auskennen ein sehr empfehlenswertes Buch.

Andreas P. Pittler wurde am 21. November 1964 in Wien geboren. Er lebt den meisten Teil im fünften Wiener Gemeindebezirk. Er studierte in Wien Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft und arbeitete lange als Journalist. Im Jahr 2000 erschien sein erster Roman, dem noch viele Romane aber auch Sachbücher folgten.

Samstag, 21. April 2018

Catalina Ferrara : "Spanische Delikatessen"

Catalina Ferrara :
"Spanische Delikatessen" - ein Barcelona Krimi
2018, Droemer Verlag
283 Seiten + 2 Seiten über Jamón + 2 Seiten über Tapas + 10 Seiten Rezepte + 2 Seiten Einstieger Vokabel Katalanisch
ISBN 978-3-426-30617-8

In diesem Krimi ist es möglich durch Barcelona Stadt zu gehen und die einzelnen durchaus bekannten Viertel (wieder) zu erleben.
Der irisch-stämmige deutsche ehemalige Polizeikommissar Karl Lindberg (hier mit Flugangst) ist mit seiner aus Barcelona stammenden Apothekergemahlin Alba und Sohn Oli in die Stadt am Meer übersiedelt. Sein charmanter Schwager Alex ist zu aller Erstauenen bei der Polizei und ersucht ihn um Hilfe, da in einem bekannten Delikatessenladen ein Schinken aus Menschenfleisch aufgetaucht ist. Gemeinsam macht sich das Duett auf die Suche nach dem Mörder bei der Delikattessenfamilie, sucht die ehemalige Geliebte des sehr unsympathischen Verstorbenen, und arbeitet innerhalb der Polizei mit und auch gegen die eigenen Leute, bis am Schluß eine akzeptierbare Lösung vorhanden ist.
Parallel gibt die Familie Albas einigen Rückhalt und Homosexualität bekommt auch einen Nebenstrang der Handlung.

Das Leben und die Schwierigkeiten der Stadt werden beschrieben - die schönen und reichen Seiten, genauso wie die armen und verwahrlosten, die Probleme mit Touristen, nach Olympia 1992 und der dunkle Schatten aus der Franco-zeit als die Spanier den Kataloniern das Leben schwer machten. Kleinigkeiten wie daß in der Kathedrale die Spanier heirateten, in Sta Maria del Mar die Katalanen machen das Buch lesenswert.

Die Geschichte ist aus Sicht von Karl beschrieben - mit seinen Überlegungen und Handlungen und Eindrücken von Menschen und Wohnungen / Ambiente. Er selbst dürfte ein knorriger Rotkopf sein, seine Frau eine fröhliche bildschöne Katalonierin, Rafa - der Freund von Oli - ein schlanksiger 18-jähriger mit blauen Augen, Alex ein charmanter frauengewöhnter attraktiver Mann mit Dackelblick aber überraschend auftauchenden grundsoliden Werten, Dolores Molina die Delikatessenladenbesitzerin eine arbeitsame solide Frau, ihr Sohn José ein dummer brutaler Kerl, die Geliebte Carmen eine schöne Frau mit Geschmack die sich in ihren Traumbereich zurückziehen kann, Vater Mateu ein gepflegter armer gebliebener Mann mit einer grauenvollen Geschichte, Thomas Sedlmayer ist Manager einer eher neuen Wurstfabrik und aalglatt, Marla die Assistentin in der Commissaria ist eine bildschöne Frau deren Bruder ein Verbrecher ist was ihr alle Chancen für Freundschaften nimmt, Maria Arbol als Capitan ist als Vorgesetzte nicht mit Sympathie gezeichnet, dafür die Forensikerin Chi umso mehr.

Der Roman ist gut und unterhaltsam geschrieben. Wer gerade in Barcelona zu Gast gewesen war, oder Sehnsucht nach dieser Stadt hat, ist bei diesem Krimi gut aufgehoben.

Samstag, 7. April 2018

Antonio Ortuno : "Die Verbrannten"

Antonio Ortuno :
"Die Verbrannten"
original "La Fila India"
2013, Editoreal Océano Mexico
Aus dem Spanischen von Nora Haller
2015, Verlag Antje Kunstmann
199 Seiten
ISBN 978-3-95614-055-6

Die titelgebenden Verbrannten sind Menschen aus Mittelamerika, die versuchen über Mexiko in das Wunschland USA zu gelangen. Sie vertrauen sich Menschenhändlern an, die hier aber mit Mafiagruppen zusammenarbeiten. Das Buch startet mit der brutalen Schilderung des Abbrennens eines abgeschlossenen Lagers mit diesen Durchreisenden, unter Mithilfe von Waffen. In diesen fiktionalen Ort wird die Sozialhelferin Irma (genannt Negra) vom Nationalkommission für Migration (kurz NkM) zur Aufklärung geschickt. Die junge Mittelamerikanerin Yein hat überlebt; für sie strengt sich Irma an. Vor Ort findet sie einige Polizeibeamte wie den häßlich-charismatischen Vidal, Pirúli und einige Assistentinnen. Selbst ein lausiges Cafehaus gibt es in dem Ort mit hausgemachten Problemen der immer übergehenden Wasserleitung.
Rundherum erschiessen sich Mitglieder der Mafiagruppen El Sur oder El Rojos und wieder geht eine Flüchtlingsunterkunft in Flammen auf. Irma rettet kurzfristig Yein, die die Ermordung ihrer Landsleute rächt, bevor sie selbst einem Mafiamann zum Opfer fällt. Irma wird gewarnt jemals zurückzukommen und reist mit ihrer Tochter gemeinsam aus.

Das Buch ist hart, brutal, ohne Liebe, manchmal mit Überlebenswillen, aber oft mit grundsätzlicher Menschenverachtung.

Die Geschichte wird in mehreren Strängen erzählt. Hauptsächlich wird Irma (Negra) in ihrem Tun begleitet, wie sie sich vergeblich um die Überlebenden und die Angehörigen der Verbrannten kümmert, wie sie versucht ihre Tochter zu beschützen, die Annäherung an Vidal und das Erschrecken am Schluß.
Selten ist Yein zu vernehmen, auch wie sie am Schluß nur noch Rache antreibt.
Besonders umsymatisch und kleingeistig ist der Samenspender von Irmas Tochter, der als schlecht bezahlter Lehrer arbeitet; er scheut sich nicht eine Hilfesuchende zu vergewaltigen, dann als Hausmädchen für alles Mögliche zu halten und wundert sich als sie ihn ausraubt und verschwindet.
Zynisch lesen sich die offiziellen Berichte der Nationalkommission für Migration (kurz NkM).

In dem Roman sind Wut, Zorn, Enttäuschung, Verletzung, Brutalität, Gewalt, Selbstüberschätzung, Gnadenlosigkeit zu spüren, und alles geht unter die Haut. Es ist kein einfaches, aber ein empfehlenswertes Buch.

Antonio Ortuno wurde 1976 in Guadeljara (Mexico) geboren. Zuerst war er Journalist, bevor er sich dem schriftstllern zuwandte. 2006 erschien sein erster Roman 'El buscador de cabezas'.

Montag, 19. März 2018

Klaus Schwab : "Die Vierte Industrielle Revolution"

Klaus Schwab :
"Die Vierte Industrielle Revolution"
original "The Fourth Industrial Revolution"
aus dem Englischen von Petra Pyka und Thorsten Schmidt
2016, Pantheon Verlag
162 Seiten + 4 Seiten Dank + 58 Seiten Anhang Tiefgreifende Änderungen + 12 Seiten Anmerkungen
ISBN : 978-3-570-55345-9

In diesem Buch faßt einer globalen Denker unsere Zeit die Chancen und Aufgaben für die vor uns stehende nächste Welle der Industrialisierung, diesmal nicht durch Maschinen, sondern durch verstärkte Digitalisierung und Vernetzung zusammen.
Er ruft die oberen Hierarchien der Unternehmen auf, hier offen, flexibel und verantwortungsbewußt vorzugehen und den Zug der Zeit nicht zu verpassen.
Es werden Themen wie Staatseinfluß, Reglementierung von Datenmengen, bis zu Kundenerwartungen einbezogen und ein großer Bogen des Durchdenkens gezogen.

Schlagworte wie "Vierte Industrielle Revolution" und "Digitalisierung" sind jetzt öfters in den Medien, weshalb ich zu diesem Buch gegriffen habe.
Manche Tatsachen und Überlegungen sind mir neu, einiges bekannt. Bei manchen Tatsachen stimme ich zu, bei anderen sehe ich den Autorenansatz als zu fortschrittsgläubig. Beispielsweise nennt er vermehrten gemeinsamen Nutzen an wie bei Autos, Wohnungsvermittlung - als Gegenbeispiel sind für mich das Teilen eines Buches über einen gewissen e-Reader nicht möglich oder das private weiterverwenden eines aufgenommenen Filmes auf einer neuen TV-Festplatte nicht mehr möglich.
Auch den Arbeitsmarkt sehe ich für junge Arbeitskräfte als offen, die Frage was mit der Baby-Boomer Generation (das sind die Menschen die derzeit ab 50 aufwärts sind) sein wird, wird nicht einmal angekratzt.
Gänzlich unverständlich ist mir, warum der Beruf des Arztes durch die Digitalisierung aufgehoben sein soll - das Gespür der Diagnostik stelle ich mir schlecht ersetzbar vor, die Gabe einen Patienten zu berühren gar nicht ersetzbar, und wie nimmt ein Roboter Blut ab ?


Klaus Martin Schwab steht zwar als Autor auf dem Buch. Da er sich aber für die Mitarbeit bei vielen Autoren in dem Buch bedankt, frage ich mich ob er eher der Autor-Herausgeber ist ?

 .. die Kritik ist noch nicht fertig ...

.. aber das Buch ist sehr interessant, durchaus kontroversiell und lesenswert.


Klaus Martin Schwab wurde am 30. März 1938 in Ravensburg geboren . Er studierte Maschinenbau in Zürich inkl. Doktorat, später Wirtschaft in Fribourg ebenfalls inkl. Doktorat und in Harvard Public Administration. Er unterrichtete an der Universität in Genf und gründete das Weltwirtschaftsforum.