Freitag, 15. August 2014

Mario Vargas Llosa : "Der Hauptmann und sein Frauenbataillon"

Mario Vargas Llosa :
"Der Hauptmann und sein Frauenbataillon"
Roman
original "Pantaleón y las visitadores"
1973, Editorial Seix Barral S.A., Barcelona
Aus dem Spanischen von Heidrun Adler
1984, Suhrkamp Taschenbuch 959
copyright der deutschen Übersetzung - 1974 bei Claassen Verlag, Düsseldorf
278  Seiten
ISBN 978-3-518-37459-1

In diesem skurrillen bis bösartigen Roman nimmt Vargas Llosa das Militär mit seiner Doppelbödigkeit aufs Korn, bei dem Manneskraft gewünscht, aber sexuelles Leben tabu ist.

Der naive Unteroffizier Pantaleón Pantoja wird mit Ehefrau und Mutter nach Iquitos, ins heißblütige Amazonien mit seinen leidenschaftlichen Laretaniern entsandt, um Übergriffen der Soldaten auf die weibliche Bevölkerung Einhalt zu gebieten. Er wird beauftragt - im geheimen - die TBDGGK (TruppenBetreuungsDienst für Garnisonen, Grenzposten und andere Kommandos) aufzubauen. Gehorsam arbeitet er sich in das Milieu der Huren, "Wäscherinnen" und sonstige Gewerbe der Nacht ein, stellt Statistiken des durchschnittlichen Bedarfs an Zeit, Qualität je Soldat je Betreuerin. Das Projekt wird ein Erfolg, weil die Übergriffe zurückgehen.
Daß parallel ein geistiger Mann, Pater Francisco, eine Sekte aufbaut in der zuerst Tiere, später aber auch Menschen ans Kreuz genagelt werden, beunruhigt die Bevölkerung dann weniger.
Da die Betreuerin nur für die niederen Chargen des Militärs requiriert werden, sorgt bei höheren Rängen und abgelegenen Dörfern für Unmut, da jeder vermeint hier Rechte zu haben. Die Climax ist der Überfall auf ein Schiff mit Damentransport, einer Toten, einer emotionalen Abschiedsrede von Pantaléon und "Pantilandia" wird von den Militärs, weil es dem Ruf schadet, gestrichen. Der naive Offizier in die kälteste Region des Landes geschickt.

Stilistisch ist das Buch unterschiedlich aufgebaut. Auf der einen Seite klare Berichte an das Militär und Aufträge, erzürnte Briefe vom Militärkaplan, und sprudelnde von Pochita der Ehefrau des Unteroffiziers. Dazwischen Kapitel in denen fast die Absätze zwischen den handelnden Personen springen, und die es erfordern sehr wachsam mitzulesen wer jetzt gerade dran ist. Allerdings fand ich die Komik hier sehr gut und hat mich durchgetragen.

Befremdend fand ich die Tatsache, daß den Betreuerinnen fast ein acht Stunden durchgängiger Job zugemutet wird. Auch der nicht unwichtige Punkt daß hier verhütet werden sollte, ist hier offenbar nicht bekannt.

Die Absätze über das hysterische Wirken der Anhänger des Franciscos, der am Schluß stirbt, waren eigen. Was das Kreuzigen von Getier bringen soll, geht unter. Die Energie dieser Massen ist lange stärker, als die Macht und Waffen der Soldaten.

Die Personen sind durchaus vorstellbar geschildert - von den verschiedenen mehr oder minder verlogenen oberen Rängen im Militär, ein schmieriger bestechlicher Journalist, die unterschiedlichen 'Betreuerinnen', die Aufpasser, ein guter Freund von Pantaleon, Frau Leonor die bemutterne nervende Mutter von ihm und die liebenswerte Pochita, Frau von Pantaleón.

In Summe ein grandioses Buch, das zwar konzentriert zu lesen ist, aber die Spannung hält. Viel Vergnügen !

Mario Vargas Llosa wurde 1936 in Areqipa, Peru als Kind einer spanischern Mutter und eines peruanischen Vaters geboren. Er ist Schriftsteller, Journalist und in liberalen Partein aktiv; seine Wahl zu Präsendenten scheiterte. Der "Hauptann und sein Frauenbataillon" ist sein fünfter Roman; 2013 ist sein 22. erschienen. Er lebt in Lima und Madrid.

Dienstag, 12. August 2014

Eva Menasse : "Quasikristalle"

Eva Menasse :
"Quasikristalle"
Roman
2013, Kiepenheuer & Witsch
399 Seiten
ISBN 978-3-46-04513-0

In dem Roman wird in 13 Kapiteln das Leben einer Frau aus Wien beschrieben. Beginnend von der Unterstufe in der das hübsche, intelligente, freundliche angepasste Mädchen jede Untersütztung erhält, über kreative Anfangszeiten die sie dann in Berlin mit einer eigenen Filmagentur krönt. Ihre Filme sind subversiv und zeigen Mißhelligkeiten auf. In Berlin findet sie die große Liebe, einen erfolgreichen Mann, und zieht dessen Töchter und ihren endlich gekommenen Sohn auf. In späteren Kapiteln besucht sie wieder Wiener Freunde sowie ihren alten Vater im Wiener Altersheim und Bruder in Wien. Das letzte Kapitel sind Briefe die ihr Sohn aus Berlin an sie, wieder in Wien, schreibt.

Leider hat mich die Hauptperson (Ro)Xane Molin herzlich wenig interessiert. Dafür fand ich die Menschen um sie herum viel spannender. Im ersten Kapitel war dies die Freundin Judith, mit verrücker Mutter und Vater der sich anstrengt alles herum zu retten, und dafür zuschlägt. Oder der Fremdenführer, er eine Gruppe mit unterschiedlichen Charaktären nach Mauthausen bringt und ihnen die Stellen der Menschenvernichtung zeigt. Er ist die Reaktionen von Schweigen, Sarkasmus bis Hysterie gewohnt, und sie ermüden ihn. In der Gruppe sind familär betroffene, geschichtlich interessierte und einfach fragende Menschen. Oder in Berlin die Ärztin die das Kinderwunscherfüllungszentrum managt und mit Sachlichkeit erfüllte oder auch nicht erfüllte Kinderwünsche sowie das zerbrechen wenn es nicht klappt beobachtet. Auch Sally, eigentlich Salome, die die jüngere Schwester von Judith aus dem ersten Kapitel ist, und sich und ihr Kind mit Arbeit beim Caterer sowie Singen in Berlin durchschlägt, hat für mich mehr Kontur als die Hauptperson / oder "rote Faden" ? Spannend ist auch das Kapitel in dem der Berliner Art Direktor in ihrer Filmfirma an der 'österreicher-mafia' - also den zweien, die die Firma führen  - scheitert. Die Figur des Nestor, ein Holocaust-überlebender ?, war mir zu ungreifbar, obwohl dieser Figur einiges an Platz und Liebe der Hauptperson zugeflossen sind.

Das vorletzte Kapitel war etwas eigen. Hier beschriebt eine junge Frau ihre Beobachtungen zu Vernetzung und zu Verhalten älterer Damen und Herren gegenüber, deren Tod nachgeholfen sein kann. Das Thema schlug bei den Medien ein und sie versucht sich dem Hype zu entziehen. Ob das gelingt ? Dieses Kapitel schien mir in Stil und Beobachtung ganz anders als die vorherigen zu sein.

Wieso das Buch 'Quasikristalle' heißt habe ich nirgends entschlüsselt gefunden.

Teile in Wien und Berlin werden geschildert, weniger geographisch als wie Menschen miteinander ver-gruppt oder vernetzwerkt sind. Eigenartigerweise haben die meisten Menschen in dem Buch Erfolg, die die scheitern finden wenig Raum. Nachdem die Hauptperson als exrem ehrgeizig geschildert wird, haben wohl die anderen keinen Platz.

Ich kann das Buch Menschen empfehlen die Menschenbeschreibungen mögen. Da mir nach dem Lesen von zwei Dritteln das Interesse ziemlich ausging, hoffe ich daß es anderen Lesern & Leserinnen besser mit dem Buch geht.

Eva Menasse wurde am 11. Mai 1970 in Wien geboren. (sie ist die Halbschwester von Robert Menasse). Sie studierte Germanistik und Geschichte ind Wien, war Journalistin beim 'profil' und der 'faz'. Seit 2003 lebt sie in Belrin

Mittwoch, 6. August 2014

Cristina Garcia : "Träumen auf Kubanisch"

Cristina Garcia :
"Träumen auf Kubanisch"
Roman
original "Dreaming in Cuban"
1992, Alfred A. Knopf, New York
Aus dem Amerikanischen von Carina von Enzenberg und Hartmut Zahn übersetzt
1994, S. Fischer Verlag Gmbh, Frankfurt
263 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnung + 1 Seite Stammbaum
ISBN 3-10-024406-0

Drei Generationen von Frauen sind die wichtigen Menschen in diesem Roman über Kuba mit Ausläufern nach USA.

Celia, die Großmutter erlebt die Doppelbödigkeit ihres Vaters der zwei Familien hatte und die nach Havanna abgeschoben wird. Sie erlebt Liebe, heiratet einen anderen, gebiert drei Kinder und wird Fan von 'El Lider' Castro und der Revolution. Sie ist mit Kuba verwurzelt aber Realistin.
Ihr Sohn Javier geht in die damalige CSSR, heiratet und bekommt dort eine Tochter, die Celia nie sieht.
Die älteste, die Tochter Lourdes, verliebt sich in einen reichen jungen Mann und verläßt Kuba nach der Revolution. Sie baut eine Bäckerei in New York auf, hat Erfolg, ernährt Mann und künstlerische Tochter Pilar. Sie hat mit dem toten Vater spirituellen Kontakt, ihe Tochter mit Celia.
Anders ist die zweite Tochter Felicia, die Gefühl für Übersinnliches hat. Sie bringt Zwillingen auf die Welt und später einen Sohn, Ivanito. Sie fühlt sich zu den mystischen Riten hingezogen und stirbt kurz nach der Initiation.
Pilar und Lourdes besuchen Celia. Pilar findet ihr Wurzeln, während Lourdes die Stätten der Vergangenheit aufsucht und Verfall findet; und sich nach New York sehnt. Sie hilft Ivanito außer Landes. Am Schluß löst sich Celia auf.

Das Buch ist vielschichtig mit einem Gemisch aus Geschichte, Landeskunde, starken Persönlichkeiten, und Spiritualität der Yoruba. Mich haben die Erzählungen der unterschiedlichen Gesellschaften, Gruppen und Menschen in Kuba am meisten fasziniert.

Liebe ist ein großes Thema, aber keiner ist glücklich damit. Celia schreibt ihrer alten Liebe nie abgeschickte Briefe nach Spanien, ihr Mann ist deshalb eifersüchtig, Lourdes fühlt sich von den Eltern ungeliebt und geht ihren eigenen Weg, Felicia hüllt sich in eine andere als die irdische Welt, und erleidet Schiffbruch in ihren Beziehungen, nur Ivanito ist ihr nahe und eine gute Freundin.

Es ist ein starkes Buch für das sich der Leser/die Leserin Zeit nehmen sollte. Mich haben die Beschreibungen gefangen genommen, die Ausflüge Celia in Gedicht Lorcas fasziniert. Viel Freude beim Lesen !

Cristina García wurde am 4 Juli 1958 in Havanna geboren - ihre Mutter ist Kubanerin, ihr Vater aus Guatemala.1961 Flucht der Familie nach New York. Sie studierte "International Relations", begann aber nach einem kurzen Ausflug ins Marketing bei einem Weltkonzert als Journalistin. 1983 bis 1990 arbeitete sie für das 'Time Magazin'. Seit diesem Zeitpunkt schreibt sie Romane. 1992 erschien "Dreaming in Cuban", das sofort großen Erfolg hatte, 1997 "The Agüero Sisters", 2003 "Monkey Hunting", 2007 "A Handbook to Luck" und 2010 "The Lady Matador's Hotel". Auf deutsch sind "Träumen auf Kubanisch" und "Die Agüero Schwestern" erschienen. Sie lebt derzeit in Los Angeles.

Sonntag, 27. Juli 2014

Günter Linecker (hrsg) : "Mord in Oberösterreich"

Günter Linecker (Hrsg) :
"Mord in Oberösterreich"
7 Kapitalverbrechen von Franzobel, Rudolf Habringer, Gabi Kreslehner, Beate Maxian, Kurt Palm, Ernst Schmid, Erich Weidinger
2013, Oberösterreichverlag
166 Seiten + 4 Seiten Biographien der Autoren & Autorinnen
ISBN 978-3-902775-14-6

Sieben ziemlich unterschiedliche Erzählungen mit kriminalisitischem Inhalt sind in diesem Büchlein zusammengefaßt.

Hintergrund sind die unterschiedlichen Gegenden Oberösterreichs. Franz Schmid hat seine Geschichte im Mühlviertel im Drei-Länderbereich Österreich-Deutschland-Tschechien lokalisisiert, während Beate Maxian in Aussee stattfindet. Kurt Palm plaziert seine Geschichte in den Fischereirechten des Attersee, Gabi Kreslehner ihre an der Donau, wie Franzobel dessen Geschichte ins Donaubecken gesetzt wurde. Erich Weidinger ortet den Großteil seiner Geschichte in Bad Schallerbach.

Beate Maxian erzählt lange über den Unterschied von traditioneller Dirndltracht und modernem kurzen Dirndl, Spannungen zwischen zwei Frauen bis ein überraschendes Dreiecksverhältnis und einige Tote wieder zu Harmonie in der Touristenstadt führen.

Eine Kommissarin leitet bei Kurt Palm die Aufklärung an einem unbeliebten Anwalt, der sich Atterseeer Fischereirechte gesichert hat. Eine uralte Geschichte die mit Tauchern zu tun hat, ist die Lösung.

Gabi Krehslehner erzählt eine Geschichte die lange wie eine glückliche Liebesgeschichte klingt, die schlußendlich nur häusliche Gewalt kaschiert.

Traurig ist die Geschichte von Ernst Schmid, in der Kinder verschwinden, Erwachsene Nicht-Einheimische verdächtigt werden, alles zwar gut ausgeht, aber die Stimmung im Dorf bereits so negativ ist, daß es trotzdem einen Toten gibt.

Franzobels Held, ein Autor dem eine Lesung bevorsteht, erstickt an Bier und Milchkännchen.

Rudolf Habringer erzählt von Werner und Erik und Gruppendynamik von Burschen. Leider fällt ein Kater der sogenannten Mutprobe zum Opfer.

Weidingers Hauptperson ist Ludwig Lehner, der es gelernt hat zu profitieren ohne anderen groß zu schaden. Gutscheine die ihm in die Hände fallen, ermöglichen einen gemütlichen Tag im Wellnessbereich in Bad Schallerbach. In den Dämpfen um die Sauna erhascht er eigenartiges bei dem Unfall eines Stadtrats mit zufälliger Nähe eines bestechenden Managers. Auch hier sieht er Chance zu profitieren.

Die Geschichten sind ziemlich unterschiedlich. Die Beschreibung der Personen der Handlung hat mich in fast allen Geschichten angesprochen.
Spannend empfand ich die Geschichten von Beate Maxian und Gabi Kreslehner.
Bei Franzobel hatte ich meine Mühe. Da ich es nicht mag wenn Katzen gequält werden, hat Rudolf Habringers Geschichte bei mir keine Chance.

Für Regenwetter und wer die Unterschiedlichkeiten Oberösterreichs zu schätzen weiß, ist das Buch eine sehr gute Unterhaltung. Viel Vergnügen !

Beate Maxian "Dirndlkrieg" - geboren 1967 in München
Kurt Palm "Der Tote im Attersee"- geboren 1955 beim Kobernaußerwald
Gabi Kreslehner - "Ach .. Hyazintha" - geboren 1965 in Oberösterreich
Ernst Schmid "Familienangelegenheiten" - geboren 1958 in Jenbach (Tirol)
Franzobel "Biertod" - geboren 1967 in Vöcklabruck
Rudolf Habringer "Man muss spüren, wie das ist" - geboren 1960 in Schwanenstadt
Erich Weidinger "Sauna Impressionen" - geboren in Seewalchen am Attersee

Mittwoch, 23. Juli 2014

Muriel Barbery : "Die Eleganz des Igels"

Muriel Barbery :
"Die Eleganz des Igels"
Roman
original "L'Élegance du hérrison"
2006, Edition Gallimard Paris
aus dem Französischen von Gabriela Zehnder
2008, Deutscher Taschenbuch Verlag München
Donaulandausgabe
358 Seiten + 4 Seiten Inhaltsangabe
Buch-Nr. 069518

Der Roman beschreibt in sehr schöner Art und Weise wie zwei hochintelligente Menschen in ihren einsamen Inseln leben, ein dritter Mensch dazukommt und die Türen öffnet und trotz letalem Ende Hoffnung macht.

Der Igel, das ist die Concierge Renée Michel; sie ist Mitte fünfzig, klein, bucklig, unschön, liebt Philosophie, russische Romane, japanische Kunstfilme und manchen Hollywood Mainstream. Sie lebt mit Kater Leo, nach Tolstoj; die Vorgänger hatte auch beziehungsvolle Namen gehabt. Sie ist Witwe.
Im gleichen Haus, einem feudalen Haus mit großen Appartements in einem eleganten Viertel von Paris, lebt im vierten Stock ein 12 jähriges Mädchen - Paloma Josse - mit klarem Verstand, die Strukturen von Gruppen und Menschen durchschaut, japanisch lernt, Mangas im Original lesen möchte und eigentlich beschlossen hat sich zum ihrem 13 Geburtstag umzubringen, da sie nicht ihr Leben wie ein Fisch im Wasserglas leben möchte.
Bei einem Drittel des Buches betritt Kakuro Ozu das Haus und plötzlich tut sich was. Er durchschaut die Stacheln des Igels von Renée. Behutsam baut sich ein tiefes Verständnis zwischen den beiden Menschen auf, die beide niederländische Stilleben, japanische Filme und Mozart lieben.
Paloma beginnt sich zu Renée zu verziehen wenn sie ihre Ruhe oder ein gutes Gespräch möchte.
Den beginnenden Zauber zwischen Renée und Kakuro zerstört ein Verkehrsunfall.

Das Buch ist in Kapiteln aus der Sicht von Renée und von Paloma beschrieben. Paloma führt mehrere Tagebücher in denen sie ihre Gedanken notiert. Die Kapitel über Bewegungen haben mich fasziniert. Das Thema Alter war nie wichtig, es ist nicht aufgefallen ob eine junge oder mittelalte Frau hier denkt, beide waren ebenbürtig interessant und mitreißend zu lesen.

Ein kleines Details das mir gefallen hat, waren die Haustiere. Renée hatte immer Katzen, die Familie von Paloma hat 2 Katzen (namens 'Constitution' und 'Parlement'), Kakuro hat 2 Siamkatzen; eine Partei hat Spaniel 'Neptun' (eigensinnig und charmant) und dann gibt es noch ein kleines Hundetier.

Kamilien ziehen sich als zartes Thema mit durchs Buch. Renée hat einige gepflanzt, in japanischen Filmen sind sie wichtig, und ein schönes Gespräch kommt auch daraus.

Das Thema Freunde wird wichtig, weil Renée die zeitlebens achtgab, damit niemand durchschaut was sie alles durchschaut und die bisher nur eine wunderbare Freundin hat - eine portugisische Putzfrau mit Herz und Verstand, plötzlich lernen darf daß es nicht nur Einsamkeit sondern miteinander diskutieren und genießen gibt.

Witzig fand ich daß Palomas Schwester Colombe heißt. Beide Namen heißen auf deutsch Taube. Leider ist die Schwester sonst eher unliebenswürdig gezeichnet.

Kleine Seitenhiebe gibt es auf die snobistische Gesellschaft, Werte die Minister leben oder sich nach außen hin verpflichtet fühlen zu leben, kleine Bosheiten auf die politischen Rechten und Linken (die aber nicht untergriffig sind).

Die kleinen Betrachtungen über Philosophie waren mir manchmal etwas zu anstrengend, da mir die Grundlagen fehlen. Die Überlegungen zu Anna Karenina oder Filmen waren unterhaltsam bis anregend zu lesen.

Ein wunderbares Buch, das ich gerne weiterempfehle (auch wenn ich am Schluß ziemlich weinen mußte).

Muriel Barbery wurde am 28. Mai 1969 in Casablanca (Marokko) geboren. Sie studierte Philosiphie und unterrichtete dann diese an der Universität. 2000 veröffentlichte sie ihren ersten Roman : 'Une Gourmandise' (deutsch: Die letzte Delikatesse). 'Die Eleganz des Igels' ist ihr zweiter Roman und wurde zum Bestseller; und wurde 2009 verfilmt. Sie lebt jetzt in Japan.

Sonntag, 20. Juli 2014

the Oatmeal : "How to tell if your cat is plotting to kill you"

the Oatmeal :
"How to tell if your cat is plotting to kill you"
2012, Andrews McMeel Publishing
auf deutsch : 'Woran du erkennst, dass deine Katze deinen Tod plant'
2013 erschienen
Seiten
ISBN 978-1-4494-1024-7

Kleine feine böse Comics über Katzen, Menschen und den Arbeitsalltag mit dem Computer unterhalten hier auf bisweilen wirklich bösartige, aber großartige Art und Weise.

Die 2 'Bobcats' die den Büroalltag tyrannisieren finde ich imponierend - beige und schwarze Katze mit schiefer Krawatte nutzen eingespielte Bürogewohnheiten zu ihrem Vergnügen.
Vergleich zwischen Baby und Katze oder Obdachlosem und Katze sind unterhaltsam bis böse.
Die unterschiedlichen Betrachtungen zum Thema "Bauchi kraulen !!" von angeregt, bis eingefordert, unterschiedlichem Rollenspiel zwischen Mensch-Katze brachten mich zum Lachen.
Von den Ideen die eine unbeachtete Katze hat um endlich beachtet zu werden, war die Partykatze einfach großartig.

Zeichnerisch hat mir die stilisierte Art die Katzen zu zeichnen gut gefallen - nur die Menschen nicht. Ob der Autor Menschen weniger mag ?

Für Katzenfans und Menschen die sich über Computerblödheiten zu unterhalten wissen, sehr empfehlenswert. Mreooowww !

"The Oatmeal"ist das Pseudonym von Matthew Inman, einem ist ein 31-jährigen Web-Designer und -Entwickler aus Seattle, Washington.  Seit Juni 2009 veröffentlicht er seine Comics als "The Oatmeal".

Sonntag, 13. Juli 2014

Juan Marsé : "Liebesweisen in Lolitas Club"

Juan Marsé :
"Liebesweisen in Lolitas Club"
Roman
original, "Canciones de Amor en Lolita's Club"
2005, Arete, Barcelona
aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz
2007, Wagenbach Verlag Berlin
247 Seiten
ISBN 978-3-8031-3213-0

Raúl Fuentes ist frustrierter, zynischer Polizist, der zum Zuschlagen neigt. Als er zwei Frauen beschützt und dumme Motorfahrer zusammenschlägt, ist leider der Sohn eine mächtigen Mannes dabei. Er wird suspendiert und fährt zur Vater, Zwillingsbruder und deren Pferden in Galicien. Valentín, der Zwillingsbruder, ist der einzige Mensch dem er Zuneigung entgegenbringt - allerdings ist Valentín durch Probleme bei der Geburt geistig zurückgeblieben, dafür liebevoll und vorurteilslos. Er hat sich in eine traurige illegal eingereiste Prostituierte verliebt. Keiner kann ihm das ausreden. . Auch oder gerade Raúl mit seinem Haß und Verachtung auf und für alle Frauen - die Mutter hat sie beide verlassen - nicht. Valentín hilft in dem Etablissement als Koch/Kellner/Bote/Mädchen für alles aus. Ein Irrtum löst Valentíns Problem, das der anderen nicht.

Der Roman ist irgendwie spröde. Manchmal geht die Geschichte überhaupt nicht weiter, dann ist plötzlich Dynamik drin. Die Stellen in denen die beruflichen Unterhaltungsmädchen auf den Abend warten und nichts tun, ziehen sich mir etwas zu lange.

Die Menschen sind in ihren Träumen und Traumata gefangen. Raúl mit seinem Ansatz, daß alle Frauen Huren wären, der Vater der die Willkür der Franco-Ära nicht überwunden hat, die Mädchen die in die Fremde geschleppt wurden und denen es nun schlechter als vorhin geht, die Freundin des Vaters (die Raúls Ex-irgendetwas war) und nun den Haushalt der Männer schupft.

Kurz wird es politisch, als ein arrivierter Arzt und der Raúls Vater die sich aus alten Zeiten kennen und etwas schuldig sind, versuchen Raúl zu helfen. Die Frage nach den Werten in der Politik, gerade das diktatorische rechts und die Frage wie Demokratie funktionieren kann wird kurz angerissen. Wie paßt man hier seine Werte an, oder nicht ? und wie reagieren anderen darauf ?

Wer sich für Spanisches interessiert und einen eher mißmutigen Hauptdarsteller (Beschreibung im Buch : Herz wie ein Stachelsaurier) umgehen kann, dem wird das Buch vermutlich gut gefallen. Wer freundliche heitere Urlaubslektüre möchte, ist hier nicht gut aufgehoben. Mich hat das Buch angesprochen.

Juan Marsé ( geboren als Juan Faneca Roca; adoptiert Marsé) wurde 1933 in Barcelona geboren. Er arbeitete in einigen Berufen (Spanischlehrer, Übersetzter, Laborgehilfe, bei einem Goldschmied etc) und schrieb Filmskripten und für die Werbebranche. 1961 erschien sein erstes Buch, 1966 mit 'Últimas tardes con Teresa' (auf dt.: Letzte Tage mit Teresa) war der Durchbruch. 1973 wurde 'Si te dicen que caí' (auf dt. Wenn man Dir sagt, ich sei gefallen...), da es durch die spanische Zensur fiel in Mexico herausgebracht und brachte ihm einen internationalen Preis. Er erhielt 2001 den 'Premio Nacional de la Crítica' und für sein bisheriges Gesamtwerk den 'Premio Nacional de Literatura'.