Dienstag, 13. Juli 2021

Kerry Greenwood : "Tod am Strand"

Kerry Greenwood :
"Tod am Strand" - Miss Fischers Mysteriöse Mordfälle (Band 1)
original "Queen of the Flowers"
2004, Allen & Unwin
aus dem australischen Englisch von Regina Rawlinson
2019, Insel Verlag
   Seiten
ISBN 978-3-458-36405-4

Phyrne Fischer - schön, reich, sexy, unkonventionell, angstlos, bewandert in Konversation, - lebt in einer Vorort Melbournes in der Zwischenkriegszeit. Dort wird ihr Leben mit zwei Adoptivtöchtern, vertrauter, aktuellem verheirateteen Liebhaber sogar von betulichen Gesellschaftsdamen akzeptiert, da sie sehr charmant ist. Als ein ausgewähltes Mädchen, das für den Blumencorso ausgewählt wurde, verschwindet macht sie sich auf die Suche. Die besucht deren gewissenlose ausnützerische Familie, den Chef eines Bordell-clubs, alte Zirkusfreunde, eine Orchideenausstellung um am Schluß das Mädchen in Richtung besseres Leben zu bringen.

Sie selbst ist als schlanken Frau mit grünen Augen geschildert, die durchtrainiert ist, aber genau weiß wie sie mit sich umgehen muß. Ihr aktueller Lieberhaber Lin ist verheiratet, seine Frau weiß Bescheid; er steht ihr bei manchen Aktionen bei. Dessen Diener ist ebenso hilfreich, da er Phrynes Zielgerichtetheit bewundert und wie sie mit den Elementen in Einklang steht. Die Stieftöchter sind sehr unterschiedlich im Temperament, was nicht einfach zu führen ist. Auch die charaktäre der anderen Blumenmädchen sind fast mit Genuß unterschiedlich von lieblich bis bösartig geschildert.

Der Krimi ist sehr unterhaltsam. ich habe öfters gelacht. Viel Spaß beim Lesen !

Sonntag, 11. Juli 2021

Friedrich Dönhoff : "Der englische Tänzer"

Friedrich Dönhoff :
"Der englische Tänzer" - ein Fall für Sebastian Fink
2010, Diogenes Verlag
288 Seiten
ISBN 978-3-257-24018-4

Bei den Vorbereitungen zu einem neuen Musical in Hamburg wird eine Leiche gemeldet, die verschwunden ist, als die Polizei erscheint. Die Premiere und Feier danach werden ein voller Erfolg; Kommissar Sebastian Fink ist dorthin eingeladen und sieht wie die die Menschen die für den Erfolg verantwortlich sind miteinander umgehen. Er kommt mit Linda Berick - sie hat das Musical zusammengestellt und damit ihre Jugenderinnerungen verarbeitet - ins Gespräch, da sie halbe Deutsche ist. Nach einer von Sebastian durchtanzten Nacht (Techno) wird der wichtigste und auch charismatische englische Haupttänzer, Max-Andreas, des Musicals tot aufgefunden - erstickt. Sebastian und sein Polizeipartner Jens arbeiten sich in die Musicalszene und deren Hintergründe ein, lernen über Strukturen im Musicalbetrieb wer eigentlich den meisten Gewinn erhält und die meiste Macht hat. Es gibt dann eine Leiche, die wie die erste verschwundene trapiert ist, und Sebastian löst beide Morde.

Ort der Handlung ist Hamburg, mit einem kleinen Abstecher nach London; Zeitpunkt Winter.

Sebastian Fink ist Mitte Dreißig, single, und lebt mit einer alten Freundin und deren Kind, nachdem deren Ehe zerbrochen ist, zusammen. Für das Kind ist er mittlerweile zu einer Art Ersatzvater geworden. Er läßt sich bei der Recherche auf die Stimmung an der Mordszene ein
Polizeipartner Jens ist verläßlich.
Linda Berick ist eine dickliche nicht schöne Frau, die versucht mit dem späten durch das Musical gewonnene Geld ihre Zuneigung zu zeigen. Sie hat sich eine Machtposition für ihr Musical geschaffen, das es anderen schwer macht wie üblich zu agieren.
Max-Andreas ist eine wunderbare Erstbesetzung für die Hauptrolle - attraktiv, mit Ausstrahlung.
Olga ist die weibliche Hauptrolle. Duncan Preston, ist die Hauptrolle in London, und hat eine behinderte Tochter, die im Rollstuhl sitzt, und alles mitkriegt. Es gibt noch Musicalproduzenten in London, und Theatermacher in Hamburg mit allen Beleuchtern, Souffleuren-Souffleusen, bis Maskenbildnern.

Der Kriminalroman ist flüssig geschrieben, und die Szenerie ist gut vorstellbar. In Summe ein sehr empfehlenswerter Krimi. Viel Spaß beim Lesen.

Freitag, 9. Juli 2021

Günter Pfeiffer : "Hawelka & Schierhuber laufen heiß"

Günter Pfeiffer :
"Hawelka & Schierhuber laufen heiß" - ein Waldviertel Mordbuben-Krimi
2015, Haymon Taschenbuch
265 Seiten + 1 Seite Nachbemerkung + 3 Seiten Glossar und Anmerkungen
ISBN 978-3-7099-7803-0

In einem winzigen Ort im Waldviertel ist ein Mann eigentümlich verstorben, worauf aus Wien zwei Mitarbeiter, einer kommt aus dem Waldviertel, zu Lösung geschickt werden. Es wird viel Alkohol getrunken und geredet, bis sich langsam und sehr mühsam eine sehr sehr alte Geschichte und Erbwunsch sichtbar werden.

Es gibt viele und sehr unterschiedliche Menschen in diesem Kriminalroman.
Am unterhaltsamsten finde ich die vier-Frauen-Recherche&Organisier-Gruppe der Polizei in Wien : eine strenge, humorvolle, gewitzte Vorgesetzte; eine unschöne die blitzschnell arbeitet; eine bildschöne die mit Lächeln alles herausbekommt und eine die kombiniert gewitzt und blitzschnell arbeitetet.
Der Vorgesetzte von Hawelka und Schierhuber liebt es seine Position und Macht auszuüben, schreit seitenweise durchs Telephon und wurde von mir nur quer gelesen, weil er mich nervte.
Die Menschen vor Ort sind eingespielt aufeinander, und lassen (fast) niemanden in ihr Leben; Bürgermeister, Gastwirt, Großgrundbesitzer werden beschrieben wenn sie allabendlich trinken, und Karten spielen.

Obwohl ich das Waldviertel sehr mag, bin ich mit diesem Krimi nicht wirklich warm geworden. Vielleicht geht es anderen Lesern & Leserinnen hier besser, viel Spaß !

Mittwoch, 7. Juli 2021

Beate Ferchländer : "Das Zimtschneckenfiasko"

Beate Ferchländer :
"Das Zimtschneckenfiasko"
2017, Emons Verlag
311 Seiten + 2 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-7408-0172-4

Minerva, genannt Minnerl, unterrichtet mit Leidenschaft, bezaubert mit dem Oma Rezept der Zimtschnecken, lebt gesund und ökologisch und ist mit ebenfalls Lehrer Wolfram verheiratet. einziges Problem: sie will Kriminalautorin werden. Zweites Problem : eine ungute machtlüsterne Inspektorin soll die Schule bewerten und schafft Probleme. Mitte des Buches ist die Inspektorin ein Leiche, ihr Hund kläfft, und Minnerl hat alle Hände voll zu tun mit einem Call Boy, Videoaufnahmen der Inspektorin, und Probleme mit Überwachungstechnik. Mit Hilfe kann sie am Ende das Chaos so glätten, daß fast keine Nachteile für die Überlebenden sind, und sie ein neues Leben hat.

Die Kapitel sind bis Mitte des Buches nicht chronologisch, sondern bauen die Geschichte auf. Dazwischen sind in kursiv immer wieder einige Absätze mit immer kruder werdenden Gedanken abgedruckt.

Die Personen der Handlung und Seitenstränge sind mit Humor geschildert, wobei Autorin bei den Schilderungen der Lehrer und der Struktur der Lehrerschaft auf dem vollen zu schöpfen scheint. Es gibt die sexy junge Lehrerin mit kurzem Rock, und viel Humor; es gibt die bodenständige Freundin die bei Schülern und Kollegin wegen ihrer wenigen Probleme viele Freunde hat; es gibt die hochkorrekte aber dumme und humorlose Lehrerin die nicht merkt wenn sie auf der Schaufel ist; es gibt den braven biederen Lehrer, der keinerlei Rückgrat oder Werte hat; es gibt den netten freundlichen Lehrer der weil er EDV unterrichtet bei den Schülern beliebt ist; der Schuldirektor hat wenig Rückrat.
Zusätzlich gibt es noch besserwissende Schwiegereltern und einen knackigen Mann, der sich als hilfreich entpuppt.
Minnerl ist eine dünne Frau, die sehr auf Bio und gesund achtet, und vegane Schuhe trägt; eine Schiene die mich beim Lesen etwas nervt. 

Ort der Handlung ist das Weinviertel mit kleinem Ausflug nach Wien. 

Die Situationen sind am Anfang immer wieder sehr humorvoll, und leben von der Situationskomik die im Kopf abläuft. Gegen Ende wird es dann ziemlich skurril, obwohl der Grund des Mordes in sehr unguten Machtspielen und dem Loswerden eines ungewünschten Kindes liegen.

In Summe ein sehr unterhaltsamer Roman, bei dem ich immer wieder sehr Lachen konnte.

Mittwoch, 30. Juni 2021

Magne Hovden : "Die Kunst, einen Elefanten zum Tanzen zu bringen"

 Magne Hovden :
"Die Kunst, einen Elefanten zum Tanzen zu bringen"
Roman
original "Cirkus"
2019, Cappelen Damm Oslo
aus dem Norwegischen von Frank Zuber
2020, Knaur Verlag
295 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-426-22714-5

Lise Gundersen, die seit einigen Jahren einem toughen Geschäftsmann zu Seite steht, Firmen aufzukaufen und viele Menschen durch Merger zu entlassen, erbt von dem unbekannten Bruder ihres Vaters einen Zirkus; sie erbt nur wenn sie einige Zeit mit dem Zirkus lebt und fünf Vorstellungen - inklusive daß Elephantendame Lucille tanzt - durchhält.
In der Zirkus gibt es Fillipp - einen Clown -, Tatjana - eine Trapezkünstlerin -, Miranda - mit trainierten Kaninchen -, Schwertschlucker und einen tanzenden Elephanten. Onkel Hilmar hatte eine Freundin im Zirkus, die warmherzige Diana, die als einzige versucht zwischen der wirtschaftsorientierten Lise und dem zerfledderten Zauber des Zirkus zu vermitteln.
Lises Chef Borge hat als Käufer des Zirkus einen Künstler, der bereit ist die Mindestsumme zu zahlen, zum Zirkus eingeladen. Das Ende ist ziemlich überraschend.

Die Beschreibungen sind entweder cooles Stadt-ambiente in gestyltem Mobiliar oder wie der Zirkus durch ländliche Gegend fährt, nette Dörfer mit Fluß, oder sonst abgelegene Gegenden. 

Lise ist die Hauptperson, die entweder für menschliches Miteinander und Mitgefühl oder genau das andere Extrem nämlich Mitarbeiter in Arbeitslosigkeit bringen pendelt. Ihr abendliches bei der Elephantendame Lucille sitzen und reden, bringt sie durcheinander.
Borge, ihr Chef, von dem sie das Handwerk des Mergens und Kündigens gelernt hat, ist der kühle, gefühllose Punkt in diesem Märchen.
Die Artisten und Acrobaten im Zirkus bilden das menschliche Sammelsurium mit heimlicher Liebe, enttäuschte Liebe, verletzte Liebe, und später dann etwas Hoffnung in Liebe.
Der Künstler der sich für den Zirkus interessiert ist als ziemlich bizarre Figur gezeichnet.

Im Hintergrund wird die Geschichte von Vater und Onkel Ilses erzählt, und in kurzen Kapiteln in Briefen Onkel Hilmars erste Eindrücke Ilse übermittelt.

Der Roman ist liebevoll geschrieben, und macht Hoffnung auf Menschen und daß doch Entscheidungen, die gut tun getroffen werden können.

Dienstag, 22. Juni 2021

Antonio Hill : "Der Sommer der toten Puppen"

Antonio Hill :
"Der Sommer der toten Puppen" - ein Barcelona-Krimi
original "El verano de los juguetes muertos"
2011, Debolsillo Barcelona
Aus dem Spanischen von Thomas Brovot
2013, Suhrkamp Taschenbuch
362 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-518-46467-0

Hauptperson ist der argentinische Inspektor Hector Salgado, dem in Barcelona die Wut über einen Mädchenhändler Schwierigkeiten beschert hat. Ein Freund ersucht ihn  zu untersuchen ob ein Teenager wirklich beim Rauchen aus dem Fenster gefallen ist, oder ob mehr dahinter steckt.
Aus mehreren Blickpunkten wird spannend erzählt und auch in die Vergangenheit gesprungen, wie ein Kindheitserlebnis - bei dem Puppen um eine Leiche im Wasser trieben - Jahre später endlich gelöst wird, und weitere Tote bringt.
Die Lösung und das wieso hatte ich nicht erwartet, es geht aber um Kindesmißbrauch.

Hector Salgado, war der Liebe wegen in Barcelona hängen geblieben; seine Ex-Frau liebt jetzt eine Frau; es gibt einen Sohn. Innerhalb der Polizei hat er Menschen die ihn  unterstützen, was wichtig ist, da aus dem Mädchenhändlerring ein sehr bösartiger Rachefeldzug gegen ihn aktiv ist. Er wird als schwierig, verschwiegen und eigenbrötlerisch beschrieben.
Die neue ihm zugeteilte Kollegin Leire ist jung, gescheit, denkt schräg und ist sexuell sehr aktiv.
Marc Castell ist der Teenager, der aus dem Fenster gefallen war; er war sehr verschlossen, hatte sich erst im Auslandssemester wegen Englisch zu öffnen begonnen, und eine junge Frau kennen gelernt.
Sein bester Freund Aleix Rovira hat Krebs besiegt, ist sehr attraktiv und charmant, und spielt mit der Gefahr und Frauen. Seine Familie zählt zu den wichtigen und reichen der Stadt; liebevoll und ihm durch die Krankheit geholfen hat ihm allerdings nur sein Bruder Eduard.
Deren gemeinsame Freundin Gina Ballester ist lieb, besorgt und läßt sich leider zu leicht zu führen.
Enric Castell, der Vater von Marc, ist erzkatholisch, zeigt wenig Liebe, was zu einem Teil des Problems wird.
Joanna, die Mutter Marcs, hat ihren Mann und Sohn verlassen, ist aber diejenige die nicht aufgibt die Lösung um ihren Sohn zu wissen zu wollen.
Felix Castell ist der Onkel von Marc, ein Priester, der sich immer um seinen Neffen liebevoll gekümmert hat, und der ihm wichtig ist. Er weiß mehr über die Leiche mit den Puppen, sah sich aber veranlaßt zwei  Menschen zu schützen.

Der Roman ist spannend geschrieben.
Die Menschen sind oft einsam und in ihren Gedanken und Problemen geschildert.

In Summe ein sehr empfehlenswerter Kriminalroman der auch unter die Haut geht. Viel Freude beim Lesen !

Antonio Hill, wurde 1966 in Barcelona geboren. Er studierte Psychologie und arbeitet dann als Übersetzer aus dem Englischen. Er lebt und arbeitet in Barcelona.

Mittwoch, 16. Juni 2021

Frida Gronover : "Dänische Schuld"

Frida Gronover :
"Dänische Schuld" - Gritte Madsen ermittelt
2020, Ullstein Verlag
361 Seiten
ISBN 978-3-548-06078-1

Gitte Madsen lebt in einer freundlichen Feriensiedlung am Meer in Dänemark, und arbeitet bei einem Bestatter. Als beim Abendessen in einem Restaurant am Nachbartisch ein Mann vergiftet wird, bemüht sie sich den/die Mörder herauszubekommen, und trifft wieder mit Kommissar Ole zusammen. Parallel versucht sie weiterhin herauszubekommen, wohin und warum ihr Vater verschwunden ist.
Die Familie des Ermordeten ist interessant, ihre Nachbarn in der Feriensiedlung ebenfalls, und auch andere Begräbnisse bringen interessante Menschen.
Am Schluß ist der Mord gelöst - der Tod eines Kindes hatte Reaktionen nach sich gezogen - , und ein Puzzlestein über ihren Vater ist dazugekommen.

Gitte stammt aus Münster, und hat nach einer Beziehung mit einem besitzergreifenden Mann beschlossen zu übersiedeln um sich wohl zu fühlen.
Es ist einiges über verschiedene Bestattungen und Vorbereitungen zu lesen, was wenig mordid, dafür humorvoll unterhaltend ist und zeigt wie verschieden die Kunden in den Metier sind.

Gitte fährt entweder im Auto oder auf dem Rad durch die Gegend. Der Ferienort ist nett beschrieben.
Das Sammelsurium an Menschen die hier beschrieben werden ist unterhaltend : ein charismatischer junger Mann im Rollstuhl, eine bodenständige Großmutter, zwei Künstlerinnen, ein attraktiver Kommissar, tätowierte Männer mit Hund, eine faszinierende Witwe, und eine von Gerüchten umwitterte Frau sind mit Mitgefühl und Humor beschrieben.

Die Liebe bzw der Wunsch nach Liebe kommt nicht zu kurz, sowohl für Gitte als auch für ihren Chef könnte sich etwas entwickeln.

Mir ist die betonte Freundlichkeit, die die Dänen (angeblich) leben, etwas zu viel, vor allem in Kombination daß jeder jeden dutzt und das auch noch freundlich findet.

Mitraten im Sinn des Who-dunnit ist möglich.
 
In Summe ist der Krimi ein schwungvoll geschriebener Kriminalroman. Viel Spaß beim Lesen.