Christine Cazon :
"Stürmische Côte d'azur" - der dritte Fall für Kommissar Duval
2016, Kiepenheuer & Witsch. Kiwi 1469
284 Seiten; auf der Innenseite ist eine Skizze der Insel und die Schiffswege an das Festland
ISBN 978-3-462-04883-4
Kommissar Léon Duval muß über das schwankende Meer von Cannes auf die Insel Sainte-Marguerite. Dort wurde ein toter Seemann gemeldet, später findet sich ein zweiter, ein schönes wenig genutztes Schiff liegt in der Bucht und das eines mit der Mafia verbundenen Geschäftsmannes wartet auf Ersatzteile. Auf der Insel gibt es ein Naturschutzreservat für seltene Vögel das ein brummig wirkender Ecoló verwaltet; als Reste der Wirtschaft ist für die Arbeitenden eine Werft vorhanden. Treffpunkt ist das Bistro in dem der ständiger Wirt, und eine aktuelle Hilfe, ein Mädchen das seinen Sinn sucht, sowie vorzüglich kocht aber einen schlechten Männergeschmack hat, führen. Der Kommissar führt endlose Gespräche, Telephonate, friert im Herbstregen, und kann schlußendlich ein Ergebnis präsentieren.
Die Geschichte wird am Anfang aus Sicht von Alice, der jungen Frau die nach dem Surf-Sommer auf der Insel geblieben ist, beschrieben, dann wird der Kommissar begleitet. Er wird leicht seekrank, was sich durch den Roman zieht.
Duval ist eine gepflegte Erscheinung, geschieden, 2 Kinder, in einer frischen Beziehung mit einer Journalistin. Sein Team mit Pathologen und Spurensicherung arbeitet gut zusammen. Er kommt mit Hilfe eines kleines Buben einer Tatwaffe auf die Spur. Alice ist eine attraktive jungen Frau, die sich dessen bewußt ist; sie ist nicht wirklich sympathisch in ihrer Launenhaftigkeit. Alle Männer der Insel machen sich Hoffnungen auf sie; Hoffnungen die sie oft enttäuscht. 2 ältere Fischer, der Wirt, der Ecolo, die Seeleute und ein Kapitän scharwenzeln um sie herum; auf der einen Yacht ist eine Familie, die es eher ruhig mag, aber einen guten Kapitän hat.
Einheimisches Essen wird genannt wie eine 'Daube', eine 'Brandade' und ein saftiger 'Croque Monsieur'. Der Croque wird genauer erzählt, die anderen Speisen mußte ich im Internet nachlesen, weil es in diesem Buch leider kein Glossar zu ortstypischen Ausdrücken gibt. Hier wären auch die Vokabel für die ortsüblichen Messer nachzulesen gewesen - erhoffte ich mir als nicht dem Französischen verbundener/in Leser/in.
Drogen und Mafiaverbindungen spielen in diesen Roman hinein. Auch die Geschichte wie es auf der Insel zum Vogelreservat kam.
Die Menschen bleiben nicht ganz greifbar. es ist nicht schlüssig wenn Alice anbaggert oder wen nicht. Die Vorgesetzte Duvals ist von anfang an unangenehm und zieht Arroganz durch.
Das windige Seeklima ist spürbar, auch die kalten Winde vor denen sich die Menschen entweder unter windgeschützte Balkone oder ins Bistro retten.
Vieles ist in dem Buch gut lesbar, und gut vorstellbar. Die Seekrankheit von Duval hätte es kürzer auch gebracht. In Summe aber ein guter Roman für Unterhaltung, Entspannung und Urlaubsgefühl.
Christine Cazon wurde 1962 geboren. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in Cannes.
Freitag, 17. Juni 2016
Montag, 13. Juni 2016
Almudena Grandes : "Sieben Frauen"
Almudena Grandes :
"Sieben Frauen" - Stadtgeschichten
original "Modelos de mujer"
1996, Tusquetes Editores, Barcelona
aus dem Spanischen von Wanda S. Wild
1997, Scherz Verlag Bern - München - Wien / Fretz & Wasmuth
184 Seiten + 8 Seiten Nachwort (Erinnerungen eines Zigeunermädchens)
ISBN - keine im Buch abgedruckt
Sieben Geschichten über Frauen, über Töchter und Mütter, über Liebe und Leben sind in stringenten Bildern und immer aus der Ich-Form der Erzählerin geschildert. Das Ich ist unterschiedlich : mal unterdrückte Tochter, dann regierende Mutter, hungernde Liebende, gescheiterte Mutter ..
Die gute Tochter (1995) ist die jüngste am wenigsten geliebte Tochter Berta einer Familie. Um sie hatte sich ein warmherziges Kindermädchen gekümmert. Erwachsen wird ihr die Aufgabe sich um die demente unangenehme Mutter aufgetragen, die sie tyrannisiert, bis sie - sie liebt Mathematik - ganz logisch ihre Aktionen zur Befreiung plant und durchzieht.
Zwei Frauen (1995) sind die rundliche Dolmetscherin Lola fürs Russische sowie Englische und das bildschöne Mannequin Eva, das mit einem bekannten russischem Regisseur einen Film drehen soll. Daß der Regisseur für die rundliche Dolmetscherin entflammt, kann das schöne junge Modell gar nicht verstehen.
Balkongespräche (1994) schildert wie eine Liebesgeschichte seid der Kindheit erst langsam und spät über Balkon-Pantomime ins Laufen kommt.
Mutterliebe (1994) ist fast beängstigend, wie eine besitzergreifende Mutter ihre hübsche Tochter Marianne, die das Leben etwas genießen will, durch einen Unfall wieder unter ihre Kuratel bekommt, und auch einen braven Ehemann erzwingt; alles ohne einen Hauch von schlechtem Gewissen.
Barbara und der Tod (1991) ein Mädchen das einen Regenwurm mit Brombeermarmelade ißt.
Malena, ein Leben auf Sparflamme (1990) - indem die Hauptperson lange auf Essen verzichtet, lernt sie über Schauen - Riechen - Fühlen die Sinnlichkeit des Essens anders aufzunehmen. Die Gedanken an ihre Jugendliebe lassen sie durchhalten, bis sie merkt, daß sie zwar blendend aussieht, aber der Vergötterte keiner ihrer Erwartungen entspricht. Zuerst überlegt sie noch Suizid, sie findet jedoch einen lebensbejahendere Antwort.
Blinde Augen (1989) räumt etwas mit Geschichte auf. Ausgehend von zwei verwirrt wirkenden Frauen im Irrenhaus werden die Gräueltaten der ersten Jahre unter Franco mit Denunzianten und Vergewaltigungen aufgeräumt. Hilfreich ist ein Geist, den nur diese beiden sehen können. Migue (Miguela) schafft es in unbeobachteten Momenten aus ihrem Down Syndrom durch ihre Erinnerung an ihre Liebe Orcencio vor der Franco-zeit, und Queti (Maria Enriqueta) die nach dem Tod ihres Lieblingssohnes Rafa gekippt war, helfen einander. Die herumschusselnde Krankenschwester ist Gregoria, die nicht nur der Direktorin des Haues den Nerv zieht. Die Geschichte kommt ins Laufen, als bei Gartenarbeiten Gebeine gefunden werden, Freund und Feind vereint, was nicht überall gut ankommt.
Nachwort : Erinnerungen eines Zigeunermädchens - hier erzählt die Autorin, daß ihre ersten Märchen immer eine Geschichte über ein Mädchen war, daß von Zigeuern im Zirkus mitgenommen wurde, aber später zur Mutter zurückkam. Hier reflektiert sie über die einzelnen Geschichten.
Die Orte sind meist eher skizziert. Wichtig sind die Menschen mit ihren Handlungen und Beweggründen. Manche Begründungen sind sehr eigen, manche einfach nur menschlich.
Obwohl mir Erzählungen oft einfach zu kurz sind um mich einzulesen, haben mich diese Geschichten sehr angesprochen und durch ihre Dichte, und schönen Metaphern ins Geschehen hineingezogen.
Die Frauen sind sehr gut vorstellbar. Ich hatte beim Lesen das Gefühl ich würde sie durch die Geschichten in die Szenerien - wie eine Freundin - begleiten; auch die nicht so liebenswerten Gestalten.
Viel Freude beim Lesen !!
Almudena Grandes Hernández wurde am 7. Mai 1960 in Madrid geboren. Sie studierte Geographie und Geschichte und arbeitet als freie Verlagsmitarbeiterin. 1989 erschien ihr ersten Roman 'Lulú' in Spanien, der sofort Auszeichnungen erhielt. (Lulú. Die Geschichte einer Frau. Aus dem Spanischen übersetzt von Christiane Rasche. Galgenberg, Hamburg 1990); diese Buch wurde verfilmt. Der zweite Roman der Bestsseller wurde ist 'Malena es un nombre de tango' eschien 1994 (Malena. Aus dem Spanischen übersetzt von Christian Rasche und Wanda S. Wild. Goldmann, München 1996). Weitere schöne Roman erschienen, in denen sie sich auch mit dem Franco-Regime, dem Exil vieler Spanier in Frankreich widmet - vor allem 'El corazón helado' 2007 (Das gefrorene Herz. Aus dem Spanischen übersetzt von Roberto de Hollanda. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2009), über das viel diskutiert wurde.
"Sieben Frauen" - Stadtgeschichten
original "Modelos de mujer"
1996, Tusquetes Editores, Barcelona
aus dem Spanischen von Wanda S. Wild
1997, Scherz Verlag Bern - München - Wien / Fretz & Wasmuth
184 Seiten + 8 Seiten Nachwort (Erinnerungen eines Zigeunermädchens)
ISBN - keine im Buch abgedruckt
Sieben Geschichten über Frauen, über Töchter und Mütter, über Liebe und Leben sind in stringenten Bildern und immer aus der Ich-Form der Erzählerin geschildert. Das Ich ist unterschiedlich : mal unterdrückte Tochter, dann regierende Mutter, hungernde Liebende, gescheiterte Mutter ..
Die gute Tochter (1995) ist die jüngste am wenigsten geliebte Tochter Berta einer Familie. Um sie hatte sich ein warmherziges Kindermädchen gekümmert. Erwachsen wird ihr die Aufgabe sich um die demente unangenehme Mutter aufgetragen, die sie tyrannisiert, bis sie - sie liebt Mathematik - ganz logisch ihre Aktionen zur Befreiung plant und durchzieht.
Zwei Frauen (1995) sind die rundliche Dolmetscherin Lola fürs Russische sowie Englische und das bildschöne Mannequin Eva, das mit einem bekannten russischem Regisseur einen Film drehen soll. Daß der Regisseur für die rundliche Dolmetscherin entflammt, kann das schöne junge Modell gar nicht verstehen.
Balkongespräche (1994) schildert wie eine Liebesgeschichte seid der Kindheit erst langsam und spät über Balkon-Pantomime ins Laufen kommt.
Mutterliebe (1994) ist fast beängstigend, wie eine besitzergreifende Mutter ihre hübsche Tochter Marianne, die das Leben etwas genießen will, durch einen Unfall wieder unter ihre Kuratel bekommt, und auch einen braven Ehemann erzwingt; alles ohne einen Hauch von schlechtem Gewissen.
Barbara und der Tod (1991) ein Mädchen das einen Regenwurm mit Brombeermarmelade ißt.
Malena, ein Leben auf Sparflamme (1990) - indem die Hauptperson lange auf Essen verzichtet, lernt sie über Schauen - Riechen - Fühlen die Sinnlichkeit des Essens anders aufzunehmen. Die Gedanken an ihre Jugendliebe lassen sie durchhalten, bis sie merkt, daß sie zwar blendend aussieht, aber der Vergötterte keiner ihrer Erwartungen entspricht. Zuerst überlegt sie noch Suizid, sie findet jedoch einen lebensbejahendere Antwort.
Blinde Augen (1989) räumt etwas mit Geschichte auf. Ausgehend von zwei verwirrt wirkenden Frauen im Irrenhaus werden die Gräueltaten der ersten Jahre unter Franco mit Denunzianten und Vergewaltigungen aufgeräumt. Hilfreich ist ein Geist, den nur diese beiden sehen können. Migue (Miguela) schafft es in unbeobachteten Momenten aus ihrem Down Syndrom durch ihre Erinnerung an ihre Liebe Orcencio vor der Franco-zeit, und Queti (Maria Enriqueta) die nach dem Tod ihres Lieblingssohnes Rafa gekippt war, helfen einander. Die herumschusselnde Krankenschwester ist Gregoria, die nicht nur der Direktorin des Haues den Nerv zieht. Die Geschichte kommt ins Laufen, als bei Gartenarbeiten Gebeine gefunden werden, Freund und Feind vereint, was nicht überall gut ankommt.
Nachwort : Erinnerungen eines Zigeunermädchens - hier erzählt die Autorin, daß ihre ersten Märchen immer eine Geschichte über ein Mädchen war, daß von Zigeuern im Zirkus mitgenommen wurde, aber später zur Mutter zurückkam. Hier reflektiert sie über die einzelnen Geschichten.
Die Orte sind meist eher skizziert. Wichtig sind die Menschen mit ihren Handlungen und Beweggründen. Manche Begründungen sind sehr eigen, manche einfach nur menschlich.
Obwohl mir Erzählungen oft einfach zu kurz sind um mich einzulesen, haben mich diese Geschichten sehr angesprochen und durch ihre Dichte, und schönen Metaphern ins Geschehen hineingezogen.
Die Frauen sind sehr gut vorstellbar. Ich hatte beim Lesen das Gefühl ich würde sie durch die Geschichten in die Szenerien - wie eine Freundin - begleiten; auch die nicht so liebenswerten Gestalten.
Viel Freude beim Lesen !!
Almudena Grandes Hernández wurde am 7. Mai 1960 in Madrid geboren. Sie studierte Geographie und Geschichte und arbeitet als freie Verlagsmitarbeiterin. 1989 erschien ihr ersten Roman 'Lulú' in Spanien, der sofort Auszeichnungen erhielt. (Lulú. Die Geschichte einer Frau. Aus dem Spanischen übersetzt von Christiane Rasche. Galgenberg, Hamburg 1990); diese Buch wurde verfilmt. Der zweite Roman der Bestsseller wurde ist 'Malena es un nombre de tango' eschien 1994 (Malena. Aus dem Spanischen übersetzt von Christian Rasche und Wanda S. Wild. Goldmann, München 1996). Weitere schöne Roman erschienen, in denen sie sich auch mit dem Franco-Regime, dem Exil vieler Spanier in Frankreich widmet - vor allem 'El corazón helado' 2007 (Das gefrorene Herz. Aus dem Spanischen übersetzt von Roberto de Hollanda. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2009), über das viel diskutiert wurde.
Sonntag, 5. Juni 2016
Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown : "Mord auf Rezept"
Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown :
"Mord auf Rezept" - der 9. Fall mit Mrs. Murphy
original "Claws and Effects"
2001, Bantam Books, New York
Aus dem Englisch von Margarete Längsfeld
2002, Econ Ullstein
2 Bestseller in einem Band - gemeinsam mit "Rache auf leisen Pfoten" / "Pawing the Past"
2016 Ullstein Taschenbuch
ISBN 3-548-26384-4
Der Cheftechniker des Krankenhauses in Crozet wird ermordet aufgefunden. Nach einer Fuchsjagd wird auch der beliebte mittlerweile pensionierte Gemeindearzt ermordet aufgefunden. Harry (Mary Minor Harristeen) und Cynthia Coop(er) folgen Harrys zwei Katzen und Hund, die schon längst eine Geheimtüre in den Keller des Krankenhauses gefunden haben. Mrs. Murphy (Tigerkatze), Pewter (graue etwas rundliche Katze) und Tee Tucker (Corgi) helfen im Show-Down im Krankenhaus den Mörder (Grund: Geld und Gier) zu überführen.
Dieser Krimi spielt vor dem Hintergrund des Valentinstages mit viel Post, und Fuchsjagden. Eine uralte Liebesgeschichte wird aufgearbeitet, als eine imponierende schöne reiche Frau früher gefällte Entscheidungen überarbeiten kann.
Rundherum sind die Menschen die Fans dieser Serie gut kennen : Susan (Harrys beste Freundin), Miranda Hoggendobber (die in der Post mithilft und fantastisch böckt), die große und die kleine Mim (Sandburne), der Reverend mit seinen zwei Katzen, Fair (Harry Ex.mann), und auch Boom-Boom ist auch kurz dabei.
Pferde- und Fuchsjagd-fans werden diese Krimi vermutlich mehr als ich genießen können / dem Fuchs passiert nichts.
Als Katzenfan gibt es einige unterhaltsame Gespräche und Diskussionen zu lesen; das Geplänkel zwischen Hund und Katze(n) wer gescheiter oder überlegener wäre ist durchaus witzig. Das Buch ist ein gute Zerstreuung nach einem anstrengenden Tag oder bei anhaltendem Regen - Mitraten über den Mörder ist möglich ! miau !
Rita Mae Brown wurde am 28. November 1944 in Hanover (Pennsylvania / USA) geboren. Sie studierte Anglistik und Kinematographie und war aktiv in der Frauenbewegung. Sie war zuerst Schriftstellerin für feministische Literatur : Rubyfruit Jungle (1973) / 'Rubinroter Dschungel' .
Der erste Kriminalroman gemeinsam mit der Tigerkatze Sneaky Pie Brown als Mrs. Murphy war 'Wish You Were Here' (1990)/ 'Schade, dass du nicht tot bist' (Rowohlt, Reinbek 1992); mittlerweile ist der 21. Roman mit diesem bewährten Team erschienen. Rita Mae Brown lebt als Schriftstellerin und Drehbuchautorin auf einer Farm in Charlottesville (Virginia).
"Mord auf Rezept" - der 9. Fall mit Mrs. Murphy
original "Claws and Effects"
2001, Bantam Books, New York
Aus dem Englisch von Margarete Längsfeld
2002, Econ Ullstein
2 Bestseller in einem Band - gemeinsam mit "Rache auf leisen Pfoten" / "Pawing the Past"
2016 Ullstein Taschenbuch
ISBN 3-548-26384-4
Der Cheftechniker des Krankenhauses in Crozet wird ermordet aufgefunden. Nach einer Fuchsjagd wird auch der beliebte mittlerweile pensionierte Gemeindearzt ermordet aufgefunden. Harry (Mary Minor Harristeen) und Cynthia Coop(er) folgen Harrys zwei Katzen und Hund, die schon längst eine Geheimtüre in den Keller des Krankenhauses gefunden haben. Mrs. Murphy (Tigerkatze), Pewter (graue etwas rundliche Katze) und Tee Tucker (Corgi) helfen im Show-Down im Krankenhaus den Mörder (Grund: Geld und Gier) zu überführen.
Dieser Krimi spielt vor dem Hintergrund des Valentinstages mit viel Post, und Fuchsjagden. Eine uralte Liebesgeschichte wird aufgearbeitet, als eine imponierende schöne reiche Frau früher gefällte Entscheidungen überarbeiten kann.
Rundherum sind die Menschen die Fans dieser Serie gut kennen : Susan (Harrys beste Freundin), Miranda Hoggendobber (die in der Post mithilft und fantastisch böckt), die große und die kleine Mim (Sandburne), der Reverend mit seinen zwei Katzen, Fair (Harry Ex.mann), und auch Boom-Boom ist auch kurz dabei.
Pferde- und Fuchsjagd-fans werden diese Krimi vermutlich mehr als ich genießen können / dem Fuchs passiert nichts.
Als Katzenfan gibt es einige unterhaltsame Gespräche und Diskussionen zu lesen; das Geplänkel zwischen Hund und Katze(n) wer gescheiter oder überlegener wäre ist durchaus witzig. Das Buch ist ein gute Zerstreuung nach einem anstrengenden Tag oder bei anhaltendem Regen - Mitraten über den Mörder ist möglich ! miau !
Rita Mae Brown wurde am 28. November 1944 in Hanover (Pennsylvania / USA) geboren. Sie studierte Anglistik und Kinematographie und war aktiv in der Frauenbewegung. Sie war zuerst Schriftstellerin für feministische Literatur : Rubyfruit Jungle (1973) / 'Rubinroter Dschungel' .
Der erste Kriminalroman gemeinsam mit der Tigerkatze Sneaky Pie Brown als Mrs. Murphy war 'Wish You Were Here' (1990)/ 'Schade, dass du nicht tot bist' (Rowohlt, Reinbek 1992); mittlerweile ist der 21. Roman mit diesem bewährten Team erschienen. Rita Mae Brown lebt als Schriftstellerin und Drehbuchautorin auf einer Farm in Charlottesville (Virginia).
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USA
Samstag, 28. Mai 2016
Jean Bagnol : "Commissaire Mazan und der blinde Engel"
Jean Bagnol :
"Commissaire Mazan und der blinde Engel"
Kriminalroman
2015, Droemer Knaur GmbH
412 Seiten
ISBN 978-3-426-51653-9
Band 2 für Commissaire Zadira Matéo und ihren schwarzen Kater, ein Findelkind das sie Commissaire Mazan nennt: diesmal geht es um den blinden Künstler Etienne Idka, dessen Temperament und Fehler, und dessen auch blinde weiße Katze Camille, die ein Gefühl sowohl für Sicherheit als auch Gefahr entwickelt hat. Nach dem Vorbild einiger neuer Bilder geschehen häßliche Morde, für die die Zusammenhänge gesucht werden.
Parallel dazu ist Sergant Brell auf der Jagd eine snobistische Gruppe von Menschen aufzudecken, die einen Kick darin finden geschützte Tiere zu essen; beispielsweise kommt er dem heimlichen Mästen von Ortolanen (Gartenammer)[kleine gelb-grüne Zugvögel] auf die Spur; in einem schrägen Show-down gelingt ihm dies.
Immer von der Partie und letztendlich hilfreich sind Commissaire Mazan und seine Kater/Katzenfreunde - für beide Handlungsstränge.
Der Roman ist spannend geschrieben. Die verschiedenen Handlungsstränge sind geschickt verflochten - Menschen haben ihre Kapitel, wie Katzen auch.
Die Katzen sind als Charaktere geschildert. Alpha-kater ist schwarzfellige Mazan. Als seine große Liebe zur ingwerfarbenen Manon plötzlich nicht mehr auffindbar ist, wird er gründlich nervös; das Auffinden von inkl. vier kleiner frisch Kätzchen überfordert ihn allerdings ziemlich. Rocky steht ihm bei, ein italienischer Kater der alle Farben im Fell hat nervt mit permanenten Kommentaren (die Katzen nennen ihn Orangino, sein 2-Beiner allerdings Pavarotti was die Katzen zum Lachen bringt), Tin-Tin übt weiterhin tot stellen, ein alte weise Katze namens Morgaine gibt Tips - etc. Atlas, der große Hund des Tierarztes, ist auch wieder von der Partie.
Für die Menschen werden zwei bis drei Liebesschichten gesponnen, inkl. Erotik, aber auch die Komplikationen, die die Katzen kommentieren. Zadira und Tierarzt Jules, Zadira und der attraktive Pariser Geheimpolizist, Tierarzt Jules und Ex-Verlobte tummeln sich eher mühsam, Vegetarier & Koch & Sergent Brell und Zadiras beste Freundin & Journalistin finden über die Singvogelsache hoffentlich zusammen, Künstler Etienne Idka und seine Langzeitfreundin/Geliebte/Haushälterin Solange haben weniger Glück.
Der Abschnitt über das illegale Fangen und vor allem Mästen der entzückenden kleinen Singvögel ist stark. Bei den Beschreibungen, wie man dieses Nichts aus Haut und Knochen zu sich nimmt, war spürbar, wie sehr es den vegetarischen Polizisten anwidert. Verständnis für snobistische Menschen die diesen illegalen Kick brauchen, kommt nicht auf. Katzen wollen die auch essen ....
Hintergrund des Krimis ist auch der Kunstmarkt. Fragen wer wie warum als Künstler gefördert oder niedergemacht wird, wer Chancen bekommt, wer wen kennen muß, welche Galerie hilft, welcher Kunstkritiker neutral sein kann, und wie schräge Geschichten dem Marktwert sehr förderlich sein können werden angerissen und durchaus diskutiert.
Witzig waren die Beschreibungen der Haute Volee in der Provence die sich mit Amuse Gueules (die neuerdings auch Amuse Bouche genannt werden) über Wasser hält. Respektlos aber humorvoll wird einmal ein sehr liebenswürdiger Dackel damit gefüttert.
Dieses Buch war so spannend, das ich diesmal wirklich versäumt habe bei der gewünschten Station aus den Öffis zu steigen, was mir schon lange nicht mehr passiert ist !
Viel Spaß beim Lesen !
'Jean Bagnol' ist das Pseudonym des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jens "Jo" Kramer.
Die Spiegel-Bestsellerautorin George und der Journalist, Pilot und Schriftsteller Kramer sind seit 2006 verheiratet, leben in Hamburg, schreiben unter insgesamt sieben Namen und Pseudonymen und veröffentlichten bisher insgesamt 29 Solowerke (Romane, Sachbücher, Thriller, historische Romane). "Commissaire Mazan und die Erben des Marquis" ist der erste gemeinsame Jean-Bagnol-Provencethriller.
Nina Georg wurde 1973 in Bielefeld geboren. Sie arbeitete als Polizei Journalistin und Kolumnistin in vielen Zeitungen. Sie lebte in Berlin oder der Bretagne.
"Commissaire Mazan und der blinde Engel"
Kriminalroman
2015, Droemer Knaur GmbH
412 Seiten
ISBN 978-3-426-51653-9
Band 2 für Commissaire Zadira Matéo und ihren schwarzen Kater, ein Findelkind das sie Commissaire Mazan nennt: diesmal geht es um den blinden Künstler Etienne Idka, dessen Temperament und Fehler, und dessen auch blinde weiße Katze Camille, die ein Gefühl sowohl für Sicherheit als auch Gefahr entwickelt hat. Nach dem Vorbild einiger neuer Bilder geschehen häßliche Morde, für die die Zusammenhänge gesucht werden.
Parallel dazu ist Sergant Brell auf der Jagd eine snobistische Gruppe von Menschen aufzudecken, die einen Kick darin finden geschützte Tiere zu essen; beispielsweise kommt er dem heimlichen Mästen von Ortolanen (Gartenammer)[kleine gelb-grüne Zugvögel] auf die Spur; in einem schrägen Show-down gelingt ihm dies.
Immer von der Partie und letztendlich hilfreich sind Commissaire Mazan und seine Kater/Katzenfreunde - für beide Handlungsstränge.
Der Roman ist spannend geschrieben. Die verschiedenen Handlungsstränge sind geschickt verflochten - Menschen haben ihre Kapitel, wie Katzen auch.
Die Katzen sind als Charaktere geschildert. Alpha-kater ist schwarzfellige Mazan. Als seine große Liebe zur ingwerfarbenen Manon plötzlich nicht mehr auffindbar ist, wird er gründlich nervös; das Auffinden von inkl. vier kleiner frisch Kätzchen überfordert ihn allerdings ziemlich. Rocky steht ihm bei, ein italienischer Kater der alle Farben im Fell hat nervt mit permanenten Kommentaren (die Katzen nennen ihn Orangino, sein 2-Beiner allerdings Pavarotti was die Katzen zum Lachen bringt), Tin-Tin übt weiterhin tot stellen, ein alte weise Katze namens Morgaine gibt Tips - etc. Atlas, der große Hund des Tierarztes, ist auch wieder von der Partie.
Für die Menschen werden zwei bis drei Liebesschichten gesponnen, inkl. Erotik, aber auch die Komplikationen, die die Katzen kommentieren. Zadira und Tierarzt Jules, Zadira und der attraktive Pariser Geheimpolizist, Tierarzt Jules und Ex-Verlobte tummeln sich eher mühsam, Vegetarier & Koch & Sergent Brell und Zadiras beste Freundin & Journalistin finden über die Singvogelsache hoffentlich zusammen, Künstler Etienne Idka und seine Langzeitfreundin/Geliebte/Haushälterin Solange haben weniger Glück.
Der Abschnitt über das illegale Fangen und vor allem Mästen der entzückenden kleinen Singvögel ist stark. Bei den Beschreibungen, wie man dieses Nichts aus Haut und Knochen zu sich nimmt, war spürbar, wie sehr es den vegetarischen Polizisten anwidert. Verständnis für snobistische Menschen die diesen illegalen Kick brauchen, kommt nicht auf. Katzen wollen die auch essen ....
Hintergrund des Krimis ist auch der Kunstmarkt. Fragen wer wie warum als Künstler gefördert oder niedergemacht wird, wer Chancen bekommt, wer wen kennen muß, welche Galerie hilft, welcher Kunstkritiker neutral sein kann, und wie schräge Geschichten dem Marktwert sehr förderlich sein können werden angerissen und durchaus diskutiert.
Witzig waren die Beschreibungen der Haute Volee in der Provence die sich mit Amuse Gueules (die neuerdings auch Amuse Bouche genannt werden) über Wasser hält. Respektlos aber humorvoll wird einmal ein sehr liebenswürdiger Dackel damit gefüttert.
Dieses Buch war so spannend, das ich diesmal wirklich versäumt habe bei der gewünschten Station aus den Öffis zu steigen, was mir schon lange nicht mehr passiert ist !
Viel Spaß beim Lesen !
'Jean Bagnol' ist das Pseudonym des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jens "Jo" Kramer.
Die Spiegel-Bestsellerautorin George und der Journalist, Pilot und Schriftsteller Kramer sind seit 2006 verheiratet, leben in Hamburg, schreiben unter insgesamt sieben Namen und Pseudonymen und veröffentlichten bisher insgesamt 29 Solowerke (Romane, Sachbücher, Thriller, historische Romane). "Commissaire Mazan und die Erben des Marquis" ist der erste gemeinsame Jean-Bagnol-Provencethriller.
Nina Georg wurde 1973 in Bielefeld geboren. Sie arbeitete als Polizei Journalistin und Kolumnistin in vielen Zeitungen. Sie lebte in Berlin oder der Bretagne.
Jens "Jo" Kramer, wurde 1957 in Cuxhaven geboren, studierte Ethnologie und Islamwissenschaften in Berlin. Er verdiente sein Geld in Kreuzberg als Messerhändler, in der Steiermark als Steinmetz, verkaufte Autos nach Marokko und lebte einige Jahre in der Bretagne, um sich als Pilot ausbilden zu lassen. Der Schriftsteller lebte in Hamburg-Eimsbüttel.
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Donnerstag, 26. Mai 2016
Donna Leon : "Endlich mein"
Donna Leon :
"Endlich mein" - Commissario Brunettis vierundzwanzigster Fall
Roman
original "Falling in Love"
2015, William Heinman
Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz
2015, Diogenes Verlag Zürich
300 Seiten
ISBN 978-3-257-06943-3
Der 'neue' Donna Leon Krimi spielt im Gran Teatro de Fenice, dem traditionsgeladenen Opernhaus in Venedig, bei dem die Diva aus einem früheren Krimi Flavia Petrelli gestalkt wird. Es gibt keine Leichen, nur zwei Verletzte, aber das Grauen gestalkt und bedroht zu werden ist spürbar.
Brunetti muß diesmal nicht nur Freunden - Flavia & Freddy - helfen, sondern auch seinem Kollegen Alvise, den ein intriganter Höfling um Vicequestore Pata, mit fiesen Mitteln loswerden möchte. Hier ist wie gewohnt Signorina Elettra zuerst mit Generalstreik und dann Computerkenntnissen hilfreich.
Brunettis Familie inkl. Schwiegereltern sind präsent. Schön ist die Überlegung von Paola (Brunettis Ehefrau), die Petrarca liebt, aber plötzlich zu überlegen beginnt, ob seine berühmten Sonette an Laura heute nicht unter Stalking fallen würden ?
Hintergrund ist das Leben und das Geschehen in einem Opernhaus, sowie wie gewohnt venezianische kulinarische Köstlichkeiten und eher neu Überlegungen über das Veneziano (Sprache in Venedig).
Der Kriminalroman ist für Fans der Oper, und v.a. von 'Tosca' gut geschrieben und ein Genuß. Wie Menschen, die mit Opern und Geschehen auf und hinter der Bühne wenig anfangen, darauf reagieren, werden diese Leser- und Leserinnen selbst zu entscheiden haben. Viel Spaß dabei !
Donna Leon wurde am 28. September 1942 in Montclair / New Jersey geboren. Sie lebt seit 1982 in Venedig.
Sie unterrichtete Englisch und englische Literatur, arbeitete aber auch als Reisebegleiterin, als Werbetexterin. Ihre Dissertation über Jane Austen konnte sie nicht abschließen, da alle Unterlagen bei der Flucht aus damals Persien, heute Iran 1979 verloren gingen.
1992 erschien der erste Krimi mit Guido Brunetti der 'Death at La Fenice' heißt auf englisch; 1993 kam die deutsche Übersetzung. Übersetzungen gibt der Krimis gibt es in 35 Sprachen, aber nicht auf italienisch, damit sie dort weiterhin ein normales Leben führen kann.
"Endlich mein" - Commissario Brunettis vierundzwanzigster Fall
Roman
original "Falling in Love"
2015, William Heinman
Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz
2015, Diogenes Verlag Zürich
300 Seiten
ISBN 978-3-257-06943-3
Der 'neue' Donna Leon Krimi spielt im Gran Teatro de Fenice, dem traditionsgeladenen Opernhaus in Venedig, bei dem die Diva aus einem früheren Krimi Flavia Petrelli gestalkt wird. Es gibt keine Leichen, nur zwei Verletzte, aber das Grauen gestalkt und bedroht zu werden ist spürbar.
Brunetti muß diesmal nicht nur Freunden - Flavia & Freddy - helfen, sondern auch seinem Kollegen Alvise, den ein intriganter Höfling um Vicequestore Pata, mit fiesen Mitteln loswerden möchte. Hier ist wie gewohnt Signorina Elettra zuerst mit Generalstreik und dann Computerkenntnissen hilfreich.
Brunettis Familie inkl. Schwiegereltern sind präsent. Schön ist die Überlegung von Paola (Brunettis Ehefrau), die Petrarca liebt, aber plötzlich zu überlegen beginnt, ob seine berühmten Sonette an Laura heute nicht unter Stalking fallen würden ?
Hintergrund ist das Leben und das Geschehen in einem Opernhaus, sowie wie gewohnt venezianische kulinarische Köstlichkeiten und eher neu Überlegungen über das Veneziano (Sprache in Venedig).
Der Kriminalroman ist für Fans der Oper, und v.a. von 'Tosca' gut geschrieben und ein Genuß. Wie Menschen, die mit Opern und Geschehen auf und hinter der Bühne wenig anfangen, darauf reagieren, werden diese Leser- und Leserinnen selbst zu entscheiden haben. Viel Spaß dabei !
Donna Leon wurde am 28. September 1942 in Montclair / New Jersey geboren. Sie lebt seit 1982 in Venedig.
Sie unterrichtete Englisch und englische Literatur, arbeitete aber auch als Reisebegleiterin, als Werbetexterin. Ihre Dissertation über Jane Austen konnte sie nicht abschließen, da alle Unterlagen bei der Flucht aus damals Persien, heute Iran 1979 verloren gingen.
1992 erschien der erste Krimi mit Guido Brunetti der 'Death at La Fenice' heißt auf englisch; 1993 kam die deutsche Übersetzung. Übersetzungen gibt der Krimis gibt es in 35 Sprachen, aber nicht auf italienisch, damit sie dort weiterhin ein normales Leben führen kann.
Sonntag, 22. Mai 2016
Ingrid Noll : "Kuckuckskind"
Ingrid Noll :
"Kuckuckskind"
Roman
2008, Diogenes Verlag
334 Seiten
ISBN 978-3-257-24012-2
Anja Reinhold erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht. Sie überrascht ihren Mann mit einer anderen Frau, zieht in eine gräßliche Wohnung, läßt sich scheiden, ätzt mit ihrer Freundin Birgit, die auch an einem Gymnasium unterrichtet über ihre Mitmenschen, rafft sich auf, zieht in eine neue Wohnung bei einem Schüler und dessen Vater, beobachtet daß ihre Freundin schwanger ist und weiß daß der Ehemann nicht der Samenspender sein wird, und beginnt Fragen zu stellen. Am Schluß gibt es zwei Tote und eine etwas schräge aber glückliche sowie zusammengebastelte Familie inkl. Baby.
Der Roman ist herrlich lesbar. Die Personen im Lehrerzimmer sind aus dem Fundus aus Lehrenden Menschen gegriffen - die Kommentare der Freundinnen frei von Freundlichkeit. Birgit die immer lustig und fröhlich herumwirbelt, ist es am Schluß gar nicht mehr. Wie Anja doch ihr Leben umgekrempelt bekommt, ihr Mutter wohlmeinend bis anstrengend eingreift, und wie sich das Leben mit dem Schüler und dessen Vater zum allgemeinen Wohlwollen entwickelt, spult sich schön sichtbar ab.
Die Schüler sind meist freundlich geschildert. Wirklich mühsame Gestalten sind keine dabei. Die Sorgen und Überlegungen so mancher vortragenden Person werden über Anja transportiert, wobei sie mit Deutsch und Französisch und einer Vorliebe für schöne Sprache und Barock und Lyrik angelegt ist.
Das Thema Schwangerschaft, Nicht-Schwangerschaft, In-vitro-Fertilisation, Vaterschaftstest (auch heimlich) wird genannt inkl. aller seelischer Probleme, und gesellschaftlichem Echo.
Sprachlich macht es Spaß, wenn Anja für die Übersetzung von meterosexuell zehn verschiedene Vokabel aus drei europäischen Jahrhunderten zum besten gibt und in ihrem Wohnzimmer eine Recamiere (elegantes und gemütliches Möbel zum herumlümmeln) stehen hat, für die Besucher drei andere Wörter bereit haben. Oder wenn die Autorin das Sächseln (?) der Kollegenschaft Anjas in Lautschrift nachmacht.
In Summe ein wunderbares Buch nach einem mühsamen Arbeitstag oder um einen Regentag gut zu überstehen. Viel Spaß beim Lesen !
Ingrid Noll wurde am 29. September 1935 in Shanghai geboren und wuchs in Najing bis zu ihrer flucht dort auf. Sie studierte Germanistik und Kunstgeschichte nicht fertig. Sie heißt verheiratet Ingrid Gullatz und hat drei Kinder. Viele ihrer Krimis spielen in Mannheim und Umgebung. 1991 erschien der erste Roman 'Der Hahn ist tot' . Ihre vermutlich bekanntestes Buch 'Die Apothekerin' erschien 1994 und wurde auch mit Katja Riemann in der Hauptrolle glänzend verfilmt. Ihre Bücher wurden in 27 Sprachen übersetzt.
"Kuckuckskind"
Roman
2008, Diogenes Verlag
334 Seiten
ISBN 978-3-257-24012-2
Anja Reinhold erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht. Sie überrascht ihren Mann mit einer anderen Frau, zieht in eine gräßliche Wohnung, läßt sich scheiden, ätzt mit ihrer Freundin Birgit, die auch an einem Gymnasium unterrichtet über ihre Mitmenschen, rafft sich auf, zieht in eine neue Wohnung bei einem Schüler und dessen Vater, beobachtet daß ihre Freundin schwanger ist und weiß daß der Ehemann nicht der Samenspender sein wird, und beginnt Fragen zu stellen. Am Schluß gibt es zwei Tote und eine etwas schräge aber glückliche sowie zusammengebastelte Familie inkl. Baby.
Der Roman ist herrlich lesbar. Die Personen im Lehrerzimmer sind aus dem Fundus aus Lehrenden Menschen gegriffen - die Kommentare der Freundinnen frei von Freundlichkeit. Birgit die immer lustig und fröhlich herumwirbelt, ist es am Schluß gar nicht mehr. Wie Anja doch ihr Leben umgekrempelt bekommt, ihr Mutter wohlmeinend bis anstrengend eingreift, und wie sich das Leben mit dem Schüler und dessen Vater zum allgemeinen Wohlwollen entwickelt, spult sich schön sichtbar ab.
Die Schüler sind meist freundlich geschildert. Wirklich mühsame Gestalten sind keine dabei. Die Sorgen und Überlegungen so mancher vortragenden Person werden über Anja transportiert, wobei sie mit Deutsch und Französisch und einer Vorliebe für schöne Sprache und Barock und Lyrik angelegt ist.
Das Thema Schwangerschaft, Nicht-Schwangerschaft, In-vitro-Fertilisation, Vaterschaftstest (auch heimlich) wird genannt inkl. aller seelischer Probleme, und gesellschaftlichem Echo.
Sprachlich macht es Spaß, wenn Anja für die Übersetzung von meterosexuell zehn verschiedene Vokabel aus drei europäischen Jahrhunderten zum besten gibt und in ihrem Wohnzimmer eine Recamiere (elegantes und gemütliches Möbel zum herumlümmeln) stehen hat, für die Besucher drei andere Wörter bereit haben. Oder wenn die Autorin das Sächseln (?) der Kollegenschaft Anjas in Lautschrift nachmacht.
In Summe ein wunderbares Buch nach einem mühsamen Arbeitstag oder um einen Regentag gut zu überstehen. Viel Spaß beim Lesen !
Ingrid Noll wurde am 29. September 1935 in Shanghai geboren und wuchs in Najing bis zu ihrer flucht dort auf. Sie studierte Germanistik und Kunstgeschichte nicht fertig. Sie heißt verheiratet Ingrid Gullatz und hat drei Kinder. Viele ihrer Krimis spielen in Mannheim und Umgebung. 1991 erschien der erste Roman 'Der Hahn ist tot' . Ihre vermutlich bekanntestes Buch 'Die Apothekerin' erschien 1994 und wurde auch mit Katja Riemann in der Hauptrolle glänzend verfilmt. Ihre Bücher wurden in 27 Sprachen übersetzt.
Montag, 16. Mai 2016
Tomás González : "Das spröde Licht"
Tomás González :
"Das spröde Licht"
Roman
original "La luz dificil"
2011, Verlag Alfaguara, Bogotá
Aus dem Spanischen von Rainer Schultze-Kraft und Peter Schultze-Kraft
2012, S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a. Main
165 Seiten
ISBN 978-3-10-026605-7
In diesem dichten, etwas spröden Roman erzählt der Maler David sprunghaft von dem Leben seiner Familie, das durch den Autounfall das ersten Sohnes ziemlich umgekrempelt wird. Die Familie war aus Kolumbien zuerst nach Miami ausgewandert, dann lange in New York bis er im Alter mit seiner wunderschönen, erdenden Frau Sarah wieder an La Mesa in Kolumbien siedelt.
In New York sind das Einkommen von Sara als Krankenschwester, sein werdender Ruhm als Mahler und dann der Unfall von Jacobo bestimmend. In dem Roman wird immer wieder auf die Folgen des Unfalls inklusive Schmerzen trotz Rollstuhl, und der Entscheidung den Freitod zu suchen umkreist; die Nacht in der die Schmerzen beendet werden sind der Angelpunkt auf den immer wieder in ganzen Kapiteln später sprunghaft in einzelnen Absätzen zurückgegriffen wird.
David beschreibt alles aus seiner Sicht, wie er zuerst malt und malte während Sara die Familie erhält, und alles organisiert. Er beschreibt die Farben die er sieht und die Formen, die Flammen in seinem Inneren, den Rost der Fahrräder, Pfeilschwanzkrebse, Gischt und wie er sich müht diese auf großformartigen Bildern abzubilden, die sich zum Glück für die Familie gut umsetzen.
Die Familie besteht aus Jacobo der den Unfall hatte, seine Physiotherapeutin und dann Freundin Venus, Bruder Pablo der Photograph wird und der jüngste Arturo der um die Zeit des Freitodes eine flippige junge Freundin namens Amber hat. Ergänzt wird die Familie von Kater Cristobál und Pagagei Sparky. David und Sara finden Freunde, die sie ihr ganzes Leben begleiten, und auch in der Nacht beistehen.
Schön sind die spanischen Ausdrücke, die immer wieder in der deutschen Übersetzung gebracht werden: 'chontaduros' (Süßigkeit), 'Macho sapiens' (etwas böse), 'Pielroja' (ist das eine spezielle Zigarette ohne Zusätze), 'Aguardiente' (kolumbianischer Schnaps aus Anis und Zuckerrohr) bis 'Envigado' (grüne Ausläufer von Medellín).
Der Roman ist nicht so schnell lesbar, weil die Beschreibungen schöne Bilder im Kopf machen und weil die Hoffnung und Angst um den Freitod wie ein Bumerang immer wieder kommen bis ein Schlußstrich kommt. Ein eindrücklicher starker Roman, den ich sehr genossen habe. Viel Freude beim Lesen !
Tomás González wurde am 18. März 1950 in Medellín / Kolumbien geboren. Er studierte Philosophie in Kolumbien, arbeitete hinter einer Bar, betrieb in Miami eine Fahrradwerkstatt, war Journalist und Übersetzter in New York und schrieb Gedichte, Erzählungen und Romane. 2002 kehrte er nach Kolumbien zurück und lebte acht Jahre lang in Chia, einem Städtchen an der Stadtgrenze von Bogotá. Heute lebt er nördlich der kolumbianischen Hauptstadt im Department Cundinamarca.
Sein erstes veröffentlichtes Buch ist 'Primero estaba el mar' in 1983, das auf deutsch 2010 beim Fischer Taschenbuch Verlag erschien.
"Das spröde Licht"
Roman
original "La luz dificil"
2011, Verlag Alfaguara, Bogotá
Aus dem Spanischen von Rainer Schultze-Kraft und Peter Schultze-Kraft
2012, S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a. Main
165 Seiten
ISBN 978-3-10-026605-7
In diesem dichten, etwas spröden Roman erzählt der Maler David sprunghaft von dem Leben seiner Familie, das durch den Autounfall das ersten Sohnes ziemlich umgekrempelt wird. Die Familie war aus Kolumbien zuerst nach Miami ausgewandert, dann lange in New York bis er im Alter mit seiner wunderschönen, erdenden Frau Sarah wieder an La Mesa in Kolumbien siedelt.
In New York sind das Einkommen von Sara als Krankenschwester, sein werdender Ruhm als Mahler und dann der Unfall von Jacobo bestimmend. In dem Roman wird immer wieder auf die Folgen des Unfalls inklusive Schmerzen trotz Rollstuhl, und der Entscheidung den Freitod zu suchen umkreist; die Nacht in der die Schmerzen beendet werden sind der Angelpunkt auf den immer wieder in ganzen Kapiteln später sprunghaft in einzelnen Absätzen zurückgegriffen wird.
David beschreibt alles aus seiner Sicht, wie er zuerst malt und malte während Sara die Familie erhält, und alles organisiert. Er beschreibt die Farben die er sieht und die Formen, die Flammen in seinem Inneren, den Rost der Fahrräder, Pfeilschwanzkrebse, Gischt und wie er sich müht diese auf großformartigen Bildern abzubilden, die sich zum Glück für die Familie gut umsetzen.
Die Familie besteht aus Jacobo der den Unfall hatte, seine Physiotherapeutin und dann Freundin Venus, Bruder Pablo der Photograph wird und der jüngste Arturo der um die Zeit des Freitodes eine flippige junge Freundin namens Amber hat. Ergänzt wird die Familie von Kater Cristobál und Pagagei Sparky. David und Sara finden Freunde, die sie ihr ganzes Leben begleiten, und auch in der Nacht beistehen.
Schön sind die spanischen Ausdrücke, die immer wieder in der deutschen Übersetzung gebracht werden: 'chontaduros' (Süßigkeit), 'Macho sapiens' (etwas böse), 'Pielroja' (ist das eine spezielle Zigarette ohne Zusätze), 'Aguardiente' (kolumbianischer Schnaps aus Anis und Zuckerrohr) bis 'Envigado' (grüne Ausläufer von Medellín).
Der Roman ist nicht so schnell lesbar, weil die Beschreibungen schöne Bilder im Kopf machen und weil die Hoffnung und Angst um den Freitod wie ein Bumerang immer wieder kommen bis ein Schlußstrich kommt. Ein eindrücklicher starker Roman, den ich sehr genossen habe. Viel Freude beim Lesen !
Tomás González wurde am 18. März 1950 in Medellín / Kolumbien geboren. Er studierte Philosophie in Kolumbien, arbeitete hinter einer Bar, betrieb in Miami eine Fahrradwerkstatt, war Journalist und Übersetzter in New York und schrieb Gedichte, Erzählungen und Romane. 2002 kehrte er nach Kolumbien zurück und lebte acht Jahre lang in Chia, einem Städtchen an der Stadtgrenze von Bogotá. Heute lebt er nördlich der kolumbianischen Hauptstadt im Department Cundinamarca.
Sein erstes veröffentlichtes Buch ist 'Primero estaba el mar' in 1983, das auf deutsch 2010 beim Fischer Taschenbuch Verlag erschien.
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