Mittwoch, 19. Februar 2014

Sergio Àlvarez : "35 Tote"

Sergio Àlvarez :
"35 Tote"
original "35 muertos"
2010,
Aus dem Spanischen von Marianne Gareis
2011, Suhrkamp Nova
536  Seiten
ISBN 978-3-518-46250-8

Der Roman erzählt die Geschichten eines Jungen in Kolumbien, der bald Waise wird. Er lebt zuerst bei einem Wahlonkel am Land, dann bei einer fröhlichen Tante in der Stadt die sich in einen Kommunisten verliebt. Die ersten Kommunen und Gewerkschaften entstehen - auch Verrat. Später hat der junge Mann Freunde mit denen er Markenartikel stiehlt und dann Bier und Joints genießt. Die erste große Liebe flammt auf, wird genossen und zerbricht. Er studiert Philosophie ohne Interesse, zerbricht fast, und wird vom  Militärdienst aufgelesen und erzogen. Als Soldat bekommt er den brennenden Justizpalast zu sehen und muß dort Geschehenes mitaufräumen. Die Präsidenten des Landes kommen und gehen (und werden meist verachtet), aber die Gewalt steigt. Am Land sieht er eine Chance und zieht mit einem Puppenspieler aus der Zeit der Kommunisten (und dessen Tochter) durchs Land, sieht die Kaffeeregionen und manche Städte. Wieder zerbricht alles am Strudel von Drogen und Gewalt. Wieder erscheint eine neue Frau, neues Leben, diesmal mit Ehe und Familie, aber auch das zerbricht am Drogen-Waffen-Handel und diesmal härterem Eingriff der Politik. Ein Freund hilft und er kommt diesmal zu Paramilitärs, fliegt als weicher Mensch und Kommunist auf und kann gerade noch entfliehen. Wieder hilft ein Freund - diesmal nach Madrid verschwinden.  Die Kolumbianer in Spanien helfen einander, aber es ist wieder der Kreislauf aus Drogen und Zuschlagen der wieder alles zerschlägt.

Ich  - es erzählt in jedem Kapitel ein 'ich' das Geschehen von Tod, Liebe, Hoffnung bis Gewalt. Meist ist es der junge Mann, dessen Leben begleitet wird - von der Entstehung bis zum Leben in Madrid der Jahrtausendwende. Manchmal ist es die Tante, dann eine Geliebte, dann eine betrügende Geliebte, dann ein Weggefährte, oder Menschen die nicht mehr im Roman vorkommen sondern nur eine Facette des Lebens erzählen. Sich hier wieder einzudenken und einzufühlen ist nicht immer einfach.

Er wird von vielen Menschen umgeben : seine lebensfrohe Tante Christinita die andere letzten großen Liebe stirbt, sein Jugendfreund Quique vom Land, die Freunde aus der Kommunenzeit Marcos, Nemo, Zuma, el Fantasma etc, Frauen wie Natalía, Talía, Camila, María Paula in die er sich verliebt und glücklich verträumt ist solange es geht. Die Menschen sind nachfühlbar beschrieben.

"Glaub mir Bruder, hier regiert der Tod, und wer nicht tötet oder töten lässt, ist nichts wert, ein Nichts" (Seite 473)

Wer mit der Geschichte Kolumbiens besser vertraut ist, wird die nebenbei erzählten politischen Fakten besser einreihen können. Die Ermordung des Schwester eines Präsidenten wird nebenbei erzählt, auch diverse andere Charaktereigenschaften von Präsidenten. Nur der Sturm auf den Justizpalast von Studenten, Schießereien mit dem Militär, alles zulasten der Geiseln die rücksichtslos als Collateralschaden betrachtet werden, Brand der die Geiselnehmer zum aufgeben zwingen soll und Leichen unkenntlich werden läßt wird genauer geschildert. Daß dann beim Aufräumen nicht alles rechtens zuging, wird erst in der neueren Geschichte aufgearbeitet.

Das Buch wird mit Gabriel Garcia Marquez "100 Jahre Einsamkeit" verglichen. Diesen Vergleich kann ich nicht bestätigen, da mich die blühenden Metaphern und das Herumspringen von Damen gleichen Namens aber ungleicher Geschichte tief in seinen sprachlichen Bann gezogen hatte. Alvarez benutzt keine Metaphern und die Sprache ist nicht so reichhaltig, wie die phantasievolle und skurrile Ideenwelt von Gabriel Garcia Marquez.

Das Buch zieht durch die Geschichte von Gewalt, Politik, Liebe, Erotik und Tanz & Musik in den Bann. Vermutlich ist die Welt der Drogen, Waffen, Gewalt nur durch die Lebenslust am Tanz, Vallenato, Salsa und Alkohol & gutem Essen und Sex auszuhalten.

In Summe ein intensives, starkes Buch, bei dem ich immer wieder im Internet nachrecherchiert habe da ich die Hintergründe nicht wahrnehmen wollte. Ein empfehlenswertes Buch, für das sich Leserin & Leser Zeit nehmen sollten.

Sergio Alvarez wurde 1965 in Bogotá geboren. Er ist Schriftsteller und Journalist. Seine Artikel erscheinen in 'El Pais' und 'La Vanguardia'. 2004 ist sein erster Roman erschienen : 'La Lectora' das das Drogenphandel beschäftigt; 2006 'Mapaná'  das sich mit dem Generationenproblem am Amazonas auseinandersetzt; '35 Muertes' ist sein dritter Roman.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Melanie Laibl / Maria Karipidou : "Der katzofantastische Wunschautomat"

Melanie Laibl (Text) / Maria Karipidou (Illustration) :
"Der katzofantastische Wunschautomat"
2014, Nilpferd in Residenz Verlag, Österreich
58 Seiten
ISBN 978-3-7017-2132-0

Dieses entzückende Kinderbuch erzählt humorvoll geschildert und bebildert die Geschichte des schwarzen Katers Hatschek.

Der freundliche liebevolle, aber pechschwarze Kater läuft ausgerechnet dem abergläubischen Herrn Hasenfuß zu, der vor Freitag dem 13, schwarzen Katzen und sonst vielem Angst hat. Mithilfe des einbeinigen Piratenpapageis Frankenstein, der köstliche Wortspiele liefert, findet er zwar den katzofantastischen Wunschautomat, aber genau bei dem Kater geht der Wunsch schief.
Am Ende sind Herr Hasenfuß und Kater Hatschek zusammen und glücklich.

Das Buch ist entzückend und macht Erwachsenen Freude es zu lesen und die liebevollen Bilder zu betrachten; vor allem wenn man gerade wie ich derzeit ein anspruchsvolles anderes Buch liest.

Freude machen die kleinen Details in dem Buch : die Hufeisensammlung, der Mann mit Glatze der Haare wie eine Angorakatze bekommt etc.

Ich bin neugierig was diverse Kinder in meiner Umgebung zu dem Buch sagen werden ....

Nachtrag 05. März : einer Enkelin und ihrer Großmutter hat dieses Buch sehr gut gefallen.

Sonntag, 9. Februar 2014

Sam Parangi : "Mr. Majestic verbessert sein Karma"

Sam Parangi :
"Mr. Majestic verbessert sein Karma"
original "Mr. Majestic - the Tout of Bengaluru"
2012, Hachette, India
Aus dem Englischen von Nicole Seifert
2014, Rowohlt Polaris
437  Seiten
ISBN 978-3-499-22401-0

In diesem unterhaltsamen Kriminalroman erzählt Haree/Hari Majestic wie er es sich als Internetbetrüger, Anbieter von fiktiven Bollywoodkursen etc. und Detektiv in Südindien durchs Leben schlägt. Er möchte zwar im nächsten Leben besser leben, wofür er jetzt sein Karma verbessern möchte, muß aber in diesem Leben überleben was er mehr schlecht als recht hinkriegt.

Hari hat mehrere heiße Eisen zum Überleben im Feuer : über Internet erfindet er reiche Tote und ergaunert Geld von Angehörigen, er bietet aber auch Kurs für kommende Filmsternchen im Bollywood Business an (die Betriebe gibt es nicht, nur die Bankkonten), und er ist Detektiv.
Als letztes wird er beauftragt eine junge Frau zu finden, die verschwunden ist. Nach vielen Seiten findet er sie versteckt lebend, da sie es geschafft hatte einem Porno zu entfliehen (ihr war gesagt worden, daß sie einen echten Film drehen darf) und sich vor schlagfreudigen Geldgebern in Sicherheit bringen mußte. Geholfen hatte ihr ein alter Bekannter von Hari, der sich mit seichten und sehr schlüpfrigen Filmchens (je mehr x, desto gut) sein Leben verdient hatte.
Hari hat alle Hände zu tun seinen alten klapprigen aber früher juristisch denkenden Onkel zu versorgen, diversen Schlägertrupps zu entkommen, zuzusehen wie Menschen irrtümlich aufgeschlitzt werden und sich um seine Seele in der kommenden Inkarnation zu sorgen. Letztendlich sitzt die gesuchte junge Frau im Flugzeug in ihre Heimat.

Der Stil des Roman ist frech, auch etwas respektlos, sehr unterhaltsam, und hat mich öfters zum laut auflachen beim Lesen gebracht. Der Roman hat Drive und trotz der vielen Seiten nicht langweilig.

Die Geschichte wird aus Sicht von Hari beschrieben. Er ist 27 Jahre jung, ölt seine Haare mit Kokosfett ein und hat eine Haarlocke die er sehr pflegt. Die Menschen um ihn sind aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, meist aber ums Überleben kämpfend. Witzig ist wenn er Menschen mit Tieren vergleicht : die Beschreibung eines Schlägerypen vor dem er sich in Acht nehmen muß als hungriger Tyrannosaurus ist schön griffig.

Essen - v.a. vegetarisches - ist wichtig; der Duft des Essens wird beschrieben, die Standln der Stadt mit diversem Frittierten genauso wie das mitgenommene Fleischlose derjenigen die ein halbwegs fixes Büro haben. Alkohol der unterschiedlichsten illegalen und gemischten Herkunftsstätten hat ebenfalls Platz - es wird frohgemut einheimischer mit renommierten Whiskey gemischt,

Ort der Handlung ist die Stadt Bangalore, die derzeit in Bengaluru umbenannt wird. Bei einer Reise mit Zug, Bus und Taxis schildert er den Süden, das Überleben dort und die Heldenverehrung eines Gurus.
Die Wohnungen, Zimmer, Büros, Hotelzimmer sind meist sehr abgewohnt und angesammelt mit Gegenständen geschildert. Gegenpol ist ein teurer Hotelkasten mit exklusiver Suite; aber hier sind nur wenige der vielen Szenerien.

Es gibt einige Zitate die mir sehr gut gefallen :
"Daß Menschen mit miserablem Karma häufig der Fernseher abhanden kam, war schließlich allgemein bekannt" (S. 5)

In Summe ein witziges Buch, das sehr unterhaltend ist. Viel Vergnügen !

Über den Autor ist zwar eine Vita abgedruckt; es tauchte die Idee auf, daß Sam Parangi eine erfundene Persönlichkeit wie die Internetmachenschaften seines "Hari Majestic" ist.


Montag, 27. Januar 2014

Roberto Ampuero : "Tod in der Atacama"

Roberto Ampuero :
"Tod in der Atacama" - Cayetano Brulé ermittelt
Roman
auf original "El Alemán de Atacama"
1996, Planeta, Santiago de Chile
Aus dem Spanischen von Carsten Regling
2012, Bloomsbury Berlin
338 Seiten
ISBN 978-3-8270-1034-6

Der unterhaltsame Krimi ist gut geschrieben und macht Freude zu lesen.

Detektiv Brulé und sein Helferlein Suzuki bekommen von einer rothaarigen attraktiven deutschen Journalistin den Auftrag dem Tod eines idealistischen Bekannten nachzugehen. Dieser ebenfalls Deutsche war mit zwei Kugeln im Körper in der Atacamawüste aufgefunden worden. Obwohl Brulé die regenfeuchte Karibik vorzieht, fährt er auftragsgemäß in die trockene, heiße und hochgelegene Ebene. Er trifft dort Atacamenos, Touristen, Barbesitzer, und Ingenieure die Schürfrechte haben. Es dauert seine Zeit, aber schlußendlich kommt er einem Umweltskandal auf die Spur, die dem Deutschen, einer Ingenieurin, und einem chilenischen Politiker das Leben gekostet hat.

Ort der Handlung ist die Atacamawüste, über die und deren Bewohner viel erzählt wird. Die Atacamenos hatten eine uralte Kultur (älter als 1500 Jahre), von der nur wenig erhalten blieb, da Räuber erfolgreicher waren als Archäologen. Mittlerweile ist das Land Schauplatz verschiedener Baustellen, weil mehrfach nach Rohstoffen gesucht wird.
Die Kargheit der Landschaft, die Weite bis zu den Kordilleren, die Magie der nächtlichen Beleuchtung des Mondes und der Sterne sind schön beschrieben.

Die Figur des Detektivs Cayetano Brulé ist vielfältig. Seine Familie war aus Frankreich ausgewandert, seine Eltern hatten im vorrevolutionären Kuba gelebt, ihr hatte als junger Mann die Lust an Revolution nach Chile verschlagen. Jetzt ist er ein rundlicher, dem Essen zugeneigter Mann mit dicken Brillengläsern, dicken Schnurrbart, der mit violetter Krawatte mit Guanakos vor dem geistigen Augen des Lesers gut vorstellbar ist.

Die anderen Menschen in dem Roman sind ebenfalls gut vorstellbar: die deutsche Journalistin Cornelia Katz, die ehemalige Freundin des Ermordeten Isabel Ayabire, der Touristenführer und leidenschaftliche Schatzsucher Pompeyo Jara mit seinem klapprigen Pick-up sowie der Unternehmensleiter Bodo Pankow.

Der Krimi ist drei Jahren nach dem Ende von Pinochets Diktatur entstanden. Innen-Politisches kommt nur auf wenn die Atacamenos über ihre Diskriminierung berichten - sie waren lange nur Durchzugsgebiet für Bolivien und Peru gewesen, und die Chilenen kommen nicht gut weg. Witzig liest sich der Vergleich von kommunistischem Regime und rechter Diktatur unter Pinochet - - die Entwicklung der Idealisten bei beiden Gruppen kann nach Auflösung der tyrannischen Strukturen vom Superkapitalisten bis zum Entwicklungshelfer gehen. Aber es bleiben die extremen Bereiche.

Ich habe es genossen das Buch zu lesen und empfehle es gerne weiter !

Roberto Ampuero wurde am 22. Februar 1953 in Valparaíso / Chile geboren. Er war zwischen 1973 bis 1993 im Exil - lange davon an der Universität in Leipzig/DDR. Seit 2012 ist er Botschafter für Chile in Mexiko.
 
Roberto Ampuero hat 1993 mit der Figur dieses Detektivs begonnen: "? Quién mató a Christián Kustermann" (1993), "Boleras en La Habana" (1994), "El alemán de Atacama" (1996; auf deutsch "Tod in der Atacama), "Cita en al Azul Profundo" (2001), "Halcones de la noche" (2005; ) und als derzeit letzter "El caso Neruda" (2008; auf deutsch "Der Fall Neruda" 2011)

Mittwoch, 22. Januar 2014

Preethi Nair : "Koriandergrün und Safranrot"

Preethi Nair :
"Koriandergrün und Safranrot"
Roman
original "One Hundred Shades of White"
HarperCollins Publishers, London
Aus dem Englischen von Karin Dufner
2007, Knaur Taschenbuch Verlag
374 Seiten
2 Seiten Glossar mit indischen Ausdrücken z.B. innerhalb der Familie und Gewürze & Essen betreffend
ISBN 978-3-426-63658-9

Das Buch birgt einen gut lesbaren, farbenfrohen, gut erzählten Frauen - Roman, den ich an einem Tag gelesen und genossen habe.

Die Geschichte erzählt von einer Familie die zuerst glücklich in Indien gelebt hat, dann dem Ehemann/Vater zu dessen beruflicher Entwicklung nach London folgte. Dort gab es denn Ernährer plötzlich nicht mehr und Nadili, die Mutter der beiden Kinder, war auf sich gestellt. Mithilfe von Freunden bekam sie ein Dach über den Kopf, Arbeit und auch dann die Ideen sich wieder dem indischen Kochen zu widmen. Mit ihren süß-scharfen Pickels kann sie sich und den Kindern endlich mehr zum Leben gönnen, und lernt Ravi, einen diesmal wirklich liebenswürdigen Mann, kennen. Saatchi, der Sohn, und Maya, die Tochter machen mehrmalige Übersiedlungen mit, und entwickeln sich kritisch mit. Am Schluß steht ein Happy End.

Der Roman ist aus Sicht von Nadili und Maya geschrieben. Nadili erzählt auch die Hintergründe des Lebens in Indien, und als ihr ihre Mutter das Kochen beibringt. Maya reist und sieht Spanien, USA und auch das aktuelle Indien, ebenso wie die Hütte in der ihre Großmutter gestorben ist.

Es ist eher ein Frauenroman, da Nadili, ihre Mutter, die Tochter Maya und Maggie, eine Irin, die es nach London verschlagen hat, beschrieben werden. Bei den Frauen werden die Entwicklungen genauer beschrieben. Bei den Männern sind nur Saatchi wichtig, und Ravi; der zwielichtige Vater von Maya und Saatchi, der nie Wort hält, kommt nicht gut weg.

In dem Buch werden Gewürze beschrieben, auch welche Mischungen die Pickels haben, aber richtig nachkochbare Rezepte fand ich nicht. Allerdings habe ich mir nach dem Fertiglesen ein Gericht mit Zimt und Koriander zubereitet, da es draußen kalt war.
Ob den Zutaten oder Gewürzen wirklich die Kräfte zukommen, die beschrieben werden, - Kräfte des Vergessens, Verzeihens, der Energie etc - ist mir nicht klar, aber es liest sich schön. Das Einzige das irritiert ist, daß von einem Gewürz namens Turmeric geschrieben wird - was Kurkuma ist.

In Summe ein einfach schöner Roman, der in der kalten Jahreszeit genau das Richtige zum Lesen war. Wer an kalten Abenden etwas unterhaltsames lesen möchte, ist bei diesem Roman durchaus gut aufgehoben. Viel Freude !

Preethi Nair wurde 1971 in Kerala/Indien geboren. Ihre Familie zog nach London wo sie auch jetzt lebt. Sie arbeitet als Unternehmensberaterin bevor sie ihren ersten Roman "Gypsy Masala" schrieb, den sie mangels Interesse der Verlage im Selbstverlag und Selbst-PR herausbrachte. 2008 veröffentliche sie ihren dritten Roman "The Colour of Love" (Duft der Farben), mittlerweile bei Harper Collins, London.

Dienstag, 21. Januar 2014

Jacqueline Gillespie : "Schade um die Lebenden"

Jacqueline Gillespie :
"Schade um die Lebenden" - Ein Schneeberg-Krimi
2013, Haymon-Verlag, Innsbruck-Wien
182 Seiten
4 Seiten Glossar mit umgangssprachlichen Ausdrücken
ISBN 978-3-85218-918-5

Der Kriminalroman am Schneeberg erzählt eine etwas krude Geschichte mit zwei Morden, einem Unfall, drei Kriminalbeamten aus der Sicht von zwei Erzählperspektiven.

Charlotte von Schwarz, 'die Schallott', wird nach einem Fest ermordet aufgefunden. Mögliche Täter sind die Familie oder ein ortsbekannter Besoffener, der die Gastgeberin zu einer Ohrfeige provoziert hatte. Sie war aus Deutschland als zweite Gattin mit Herrn von Schwarz gekommen, und hatte sich nie wirklich wohl gefühlt - trotz des gemeinsamen Sohnes, der ein genialer junger Violinist ist. Die Söhne aus der ersten Ehe sind unterschiedlichst - der eine ein Berg-& Natur-Fan, der andere der von der großen Politik träumt. Erst nach dem zweiten Mord und dem Unfall ist klar, wer den Mord warum begangen hatte.

Den Krimi erzählen eine ältere Frau aus Nieselbach, Frau Apollonia, aus Ich-Sicht mit ihren niederösterreischen Satzsstellungen und ostösterreichischen Dialekt-Vokabeln. Sie schaut sich die menschliche Seite an und denkt über deren Verhalten nach.
Auf der anderen Seite stehen Polizeijurist Dr. Patrick Sandor (er hat seinen Zweitwohnsitz in Neiselbach), Kriminalinspektor Müller (vornamenslos) und der Revierinspektor Simon Singer. Hier ist die klassische Krimibetrachtung, in der aus der Außensicht und in Schriftdeutsch beschrieben wird.

Nieselbach ist der fiktive Ort der Handlung. Kirche, Pfarrer, Gasthaus, Bauern, Wiener Gäste etc - alles ist vorhanden. Das soziale Leben wird genauer geschildert; wer mit wem redet oder gemeinsam trinkt ist wichtig. Zur Erzählerin kommen die diversen Menschen in ihren Nöten um einfach reden zu dürfen. Die Liebesgeschichte zwischen dem Kriminalinspektor Müller und seiner Lisi findet Platz, genauso wie der Wunsch geliebt zu werden von Thesi, einem unglücklich agierenden leider unhübschen sechszehnjährigen Mädchen des Dorfes, das noch dazu immer mit ihrer Mutter im Krach ist.

Der Titel wird im letzten Satz genannt, da die Lebenden mit den Scherben aus den Morden umzugehen haben.

Die Geschichte ist gut; leider berührt mich keine der Personen. Wer einen Krimi sucht, der in naßkalten Bergen und doch Sommerhitze spielt, ist bei diesem Roman sicher gut aufgehoben.

Jacqueline Gillespie wurde 1958 als Tochter einer Wienerin und eines Schotten in Wien geboren. Sie studierte Romanistik (Mag.Dr.phil) und war etliche Jahre im Managementbereich tätig. Sie absolvierte die Ausbildung zur Reittrainerin an der Wiener Neustädter Militärakademie. Seit 2001 schreibt sie hauptberuflich. 2004 erschien "Nimm dir was du willst" (Verlag Pro Mente), 2006 "Alles was Recht ist" ( Edition Innsalz) ihr zweiter Kriminalroman. "Schade um die Lebenden" ist ihr dritter Kriminalroman. Sie lebt in Miesenbach/Bezirk Wiener Neustadt in Niederösterereich .

Freitag, 17. Januar 2014

Jane Austen : "Sense and Sensibility"

Jane Austen :
"Sense and Sensibility"
um 1795 geschrieben
1811, bei Thomas Egerton veröffentlicht
e-book und
Penguin Books 1994
374 Seiten
ISBN 978-0-14062-327-7 parallel gelesen

Der erste Titel des Buches war "Elinor and Marianne", der bei Drucklegung 1811 auf "Sense and Sensibility" geändert wurde.

Der Roman spielt in SüdWestEngland und erzählt von den zwei Schwestern Elinor und Marianne. Die eine mehr aus der Vernunft und ruhigem Verstand agierend, die andere zutiefst emotional und offenherzig, ohne jegliche Begabung zu unehrlichem Benehmen.

John Dashwood stirbt und hinterläßt seiner zweiten Frau und den gemeinsamen drei Töchtern Elinor, Marianne und Margaret nichts, da Frauen damals nicht erben konnten. Sein Sohn aus erster Ehe sollte unterstützen, aber dank engen Geistes und seiner habgierigen Ehefrau tut er nichts. Sein Schwager Edward kommt zu Besuch und freundet sich in seiner sachlichen Art mit der verwitweten Familie an. Nach Monaten gemeinsamen Lebens auf dem Landsitz des verstorbenen, werden Witwe und Töchtern das Wohnen in einem Cottage angeboten - ein liebenswürdiger Verwandter der Witwe greift helfend ein, und freut sich auf mehr Familie.
Die Damen Dashwood leben sich bald in den engeren und bescheidenen Verhältnissen ein, unterstützt von oftmaligen Einladungen des Vetters. Bald treten neue Männer auf  - der ruhige besonnene Colonel Brandon - ein Freund des Vetters - und der junge attraktive charmante Gentlemen Willoughby. Beide sind sehr an Marianne interessiert. Marianne entflammt für Willoughby, der nach heftigem Werben unvermutet nach London beordert wird und verschwindet.
Des Vetters Schwiegermutter, ein herzlicher Mensch mit lautem Humor und viel Geld, lädt die beiden jungen Damen ein nach London zu kommen .... Nach einigen Zeitverlauf und viel Herzweh auch durch Intrigen gibt es spät aber doch ein happy end für Elinor und Marianne.

Das Umfeld ist bessere Gesellschaft in England. Ziel von jungen Damen ist es einen vermögenden Mann zu heiraten. Männer ohne Geld versuchen das Gleiche bei reichen Erbinnen. Gute Familie, Bildung und gutes Benehmen werden nicht immer geschätzt; eine junge hübsche Frau vom Land und ohne Geld schafft es hier mit Intrigen und - heute würde man sagen - Schleimen   in gute Gesellschaft zu gelangen und daß ihr alle Fehler im Benehmen und durch berechnendes Verhalten verziehen werden. Andere haben nicht das Glück, sondern erfreuen sich an inneren Werten, guter Ehe und liebevollem Ambiente auf dem Land.

Elinor Dashwood,  Marianne Dashwood, und auch Lucy Steele und Mrs. Jennings sind genau geschildert. Colonel Brandon, Willoughby und auch Edward Ferrars sind die Männer die genau gezeichnet werden - allerdings mit weniger Selbstreflexionen.

Das Buch ist schön geschrieben. Es beschreibt ohne Hektik wie sich Menschen entwickeln und ihre Werte hinterfragen. Manchmal wurden mir die Selbstreflexionen und Dialoge zu lange, und zu sehr in den seelischen Untiefen verhaftet.

Ich habe das Buch auf englisch gelesen, wobei den Großteil auf einem elektronischen Buch, bei dem ich es genossen habe die Schriftgröße adaptieren zu dürfen, und einige Kapitel in der 'Penguin Popular Classics' Ausgabe, deren Schriftgröße mich zur Brille greifen ließ.

Sprachlich habe ich das Buch genossen. Gewissen ältere oder gehobene Ausdrücke im englischen mußte ich nachschlagen/nach-interneten, der Genuß blieb.

In Summe eine schöne Erfahrung das Buch gelesen zu haben. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen.

Jane Austen wurde am 16. Dezember 1785 in Steventen (Hampshire) geboren. Sie war das siebte Kind eines Pfarrers und begann früh zu schreiben. Sie heiratete nicht, sondern lebte in einen kleinen Haus auf dem Anwesen ihres Bruders. Ihre anderen berühmten Werke sind "Pride and Prejudice" (veröffentlicht 1813), "Mansfield Park" (1814), "Emma" (1816), "Persuasion" (veröffentlicht 1818),"Northhanger Abbey" (1818 veröffentlicht). Sie starb am 18. Juli 1817 in Winchester, wo sie in der Kathedrale begraben wurde.