Alejandro Zambra :
"Die Erfindung der Kindheit"
original "Formas de volver a casa"
2011, Barcelona
aus dem Spanischen von Susanne Lange
2012, Suhrkamp Verlag
xx Seiten
ISBN: 978-3-518-42334-9
Dieser Roman ist vierteilig und in Ich-Form geschrieben.
Im ersten Teil erzählt ein Bub, der für ein Mädchen schwärmt, wie er auf deren Wunsch einen Nachbar beobachtet/verfolgt. Angesiedelt ist die Beobachtung in Maipú (Anm: einem Bezirk der Stadt Santiago de Chile). Ausgangspunkt ein Erdbeben das 1985 das Land erschüttert und all die Menschen gemeinsam eine Nacht verbringen, die sonst möglichst wenig miteinander zu tun haben und noch weniger miteinander reden. Als er eine junge Frau bei dem zu Beobachtenden sieht und dies berichtet, reagiert das Mädchen sehr verstört. Erklärungen warum er beobachten soll und was die Reaktion bedeutet, erfolgen trotz fragen nicht.
In den Teilen zwei bis vier ist der Bub erwachsen, schreibt Romane, versucht sich in Lyrik, hat eine Ehe hinter sich, besucht seine Eltern selten aber doch - und das Mädchen von damals läuft ihm wieder über den Weg. Mittlerweile ist die Diktatur unter Pinochet vorbei. Erst jetzt fällt auf, daß seine Familie und er durch konsequentes wenig Reden, in der Diktatur überlebt haben - seine Familie hat niemanden verloren. Andere Familien waren da anders - das Mädchen hatte in dem Nachbarn ihren Vater wiedererkannt, der unter falschem Namen und Identität Mitmenschen half. In dieses Geheimnis war sie nicht eingeweiht gewesen - ihre große Schwester war altersbedingt es. Konflikte waren und sind programmiert.
Er versucht weiter an seinem Roman zu schrieben, scheitert aber weil seine Ex-Frau nicht die gewünschte Reaktion zeigt. Die Gedichte fließen wie von selbst aus ihm.
Das Mädchen heißt Claudia, ihre Schwester Ximena, der Vater Roberto - Rául, die Ex-Ehefrau M., Vater und Mutter sind Vater und Mutter, seine Schwester ist namenslos, genauso wie mir kein Name für den Erzähler selber auffiel.
Der erste Teil hat mich sehr angesprochen. Leider ist die Spannung in den anderen Teilen nicht zu spüren. Hier verliert sich der Text in unfertigen Bildern. Manchmal wirkt der Text wie eine Aneinanderreihung von Absätzen, die nicht immer miteinander in Kontext stehen.
Die Personen sind tw. schön geschildert und nachvollziehbar. Leider bleibt der Erzähler für mich formlos. Die Frauen sind vorstellbar. Die Orte bleiben Ausschnitte.
Ich hatte beim Lesen ein Post-it im Buch um mir die vielen verschiedenen für mich neuen Autoren aufzuschreiben. Viele dieser Namen sind in Lateinamerika offenbar sehr bekannt, dürften aber (noch) keine deutschen Übersetzer haben.
Wenn das Reflektionen der notwendigen Kommunikationslosigkeit unter einer Diktatur das emotionale Ziel des Romans war, kann der Leser es als gelungen betrachten. Mir waren zu wenig Auflösungen der Rätsel der Kindheit zu finden, und auch kein Umgang die Gegenwart anzupacken und zu gestalten.
Mittwoch, 24. Oktober 2012
Donnerstag, 11. Oktober 2012
Jutta Motz : "Drei Frauen und die Kunst"
Jutta Motz :
"Drei Frauen und die Kunst"
Roman
2001, Piper GmbH München Berlin
340 Seiten
2 Seiten Danksagung
2 Seiten über Tugenden - deren deutsche und lateinische Namen als Kapitelüberschriften eingesetzt werden
ISBN 3-492-23153-5
Lisa Wolf wird beauftragt als Kunstjournalistin, die nach dem Tod ihren Mannes nach Berlin zurückkehrt, heimlich für eine Kunstversicherung den weltweitem Handel von gefälschten Druckgraphiken / gefälschten Signaturen zu recherchieren. Ihre Tante Marlene, Schwester ihres Vaters, die Mutter und Tochter nach deren DDR-Flucht in Berlin aufgenommen hatte, nimmt wieder wieder unter ihre Fittiche. - Marlene ist Juristin und arbeitet bei einem Fernsehsender.
Als Lisa's Wohnung nach einem Vernissagenbesuch komplett verwüstet wird, lernt sie die Kirminalhauptkommissarin Traute kennen. die drei Frauen schließen sich zusammen um deb Kunstfälscherein auf die Spur zu kommen.
Lisa lernt den Künstler Bobo Scheußlich kennen - nomen est omen, der kurz darauf ermordet wird. Ihr Vater kannte ihn schon aus DDR-Zeiten - ihr Vater war damals Zeichenlehrer ohne Arbeit, der nach der Flucht von Frau und Tochter noch mehr Schwierigkeiten hatten.
Später reist sie zu ehemaligen Schulkollegen in Halle, wo sich eine Motorradgang wieder sieht die langfristig zur Lösung von Mord und Fälschung führt.
Der Roman ist in Ich-form aus Sicht von Lisa erzählt. Sie beginnt bei der Einsamkeit als Witwe in den USA, und endet als Frau die sich entschließt in Berlin bei Vater und Familie zu bleiben.
Stark sind die kurzen Informationen über das sogenannte normale Leben in der DDR, als Stasileute überall waren, Spitzel für Mißtrauen sorgten und harmloses Kunstinteresse sofort als staatsfeindlich galt (allerdings auch mit Tricks umspielt werden konnte).
Witziger Seitenstrang ist eine Telephon-Sex-Hotline, die irrtümlich auf Lisas Nummer landet. Die Meldungen der Herren Anrufer, wie sich Lisa bei der Telephongesellschaft endlich durchsetzt und da sie die Dame der Hotline persönlich kennen lernt, auch kurz deren Hilfe in Anspruch nimmt, ist humorvoll geschildert.
Die Menschen sind lebensnah, humorvoll und gut vorstellbar geschildert. Die Szenerien auch jemandenr der nur einiges Male kurz in Berlin war, wiedererkennbar bzw. vorstellbar.
Die Geschichte ist gut und spannend, aber trotzdem mit Gemütlichkeit und Zeit für Schilderungen erzählt. Viel Spaß beim Lesen.
"Drei Frauen und die Kunst"
Roman
2001, Piper GmbH München Berlin
340 Seiten
2 Seiten Danksagung
2 Seiten über Tugenden - deren deutsche und lateinische Namen als Kapitelüberschriften eingesetzt werden
ISBN 3-492-23153-5
Lisa Wolf wird beauftragt als Kunstjournalistin, die nach dem Tod ihren Mannes nach Berlin zurückkehrt, heimlich für eine Kunstversicherung den weltweitem Handel von gefälschten Druckgraphiken / gefälschten Signaturen zu recherchieren. Ihre Tante Marlene, Schwester ihres Vaters, die Mutter und Tochter nach deren DDR-Flucht in Berlin aufgenommen hatte, nimmt wieder wieder unter ihre Fittiche. - Marlene ist Juristin und arbeitet bei einem Fernsehsender.
Als Lisa's Wohnung nach einem Vernissagenbesuch komplett verwüstet wird, lernt sie die Kirminalhauptkommissarin Traute kennen. die drei Frauen schließen sich zusammen um deb Kunstfälscherein auf die Spur zu kommen.
Lisa lernt den Künstler Bobo Scheußlich kennen - nomen est omen, der kurz darauf ermordet wird. Ihr Vater kannte ihn schon aus DDR-Zeiten - ihr Vater war damals Zeichenlehrer ohne Arbeit, der nach der Flucht von Frau und Tochter noch mehr Schwierigkeiten hatten.
Später reist sie zu ehemaligen Schulkollegen in Halle, wo sich eine Motorradgang wieder sieht die langfristig zur Lösung von Mord und Fälschung führt.
Der Roman ist in Ich-form aus Sicht von Lisa erzählt. Sie beginnt bei der Einsamkeit als Witwe in den USA, und endet als Frau die sich entschließt in Berlin bei Vater und Familie zu bleiben.
Stark sind die kurzen Informationen über das sogenannte normale Leben in der DDR, als Stasileute überall waren, Spitzel für Mißtrauen sorgten und harmloses Kunstinteresse sofort als staatsfeindlich galt (allerdings auch mit Tricks umspielt werden konnte).
Witziger Seitenstrang ist eine Telephon-Sex-Hotline, die irrtümlich auf Lisas Nummer landet. Die Meldungen der Herren Anrufer, wie sich Lisa bei der Telephongesellschaft endlich durchsetzt und da sie die Dame der Hotline persönlich kennen lernt, auch kurz deren Hilfe in Anspruch nimmt, ist humorvoll geschildert.
Die Menschen sind lebensnah, humorvoll und gut vorstellbar geschildert. Die Szenerien auch jemandenr der nur einiges Male kurz in Berlin war, wiedererkennbar bzw. vorstellbar.
Die Geschichte ist gut und spannend, aber trotzdem mit Gemütlichkeit und Zeit für Schilderungen erzählt. Viel Spaß beim Lesen.
Mittwoch, 3. Oktober 2012
Carlos Ruiz Zafón : "Marina"
Carlos Ruiz Zafón : "Marina" Roman
original "Marina"
1999, Edebé, Barcelona
geschrieben lt. Vorwort zwischen 1996 und 1997
aus dem Spanischen von Peter Schwaar
2011, S. Fischer Verlag
339 Seiten
3 Seiten Vorwort
2 Seiten Epilog
ISBN 978-3-10-095401-5
'Marina' ist ein Roman über Jugendliebe, erste Liebe, und Kunst, der zu einem guten Drittel eine Gruselgeschichte ist, in der es wieder um Liebe und Kunst geht. Mit schönen, starken dichten Metaphern sind die Umgebung und die Menschen beschrieben - die Geschichte zieht in den Bann.
Òscar Drai, ein junger Mann der 1979 im Internat in Barcelona lebt, durchstreift gerne die Straße und lernt nachdem er Kater Kafka verfolgt hat, deren Besitzerin die zarte, schöne, gleichaltrige Marina und deren Vater Géronimo Blau kennen. Sie leben in einer ziemlich verfallenen Jugendstilvilla in einer Gegend mit alten, eher verfallenen Häusern. Die Mutter Marinas war eine wunderbare, gefeierte begnadete Sängerin gewesen, die an TBC verstorben ist. Géronimo hatte den Zauber seiner Frau als genialer Maler der er war, in wunderschönen Bildern festgehalten.
Marina zeigt Òscar auf dem Friedhof in Serría eine schöne tiefverschleierte Frau. Beim Verfolgen dieser Frau entdecken sie ein gespenstisches Gartenhaus mit mißgestalteten Marionetten. Òscar und Marina folgen der Geschichte und Stück für Stück wird ihnen die bizarre Lebensgeschichte von Michael Kolwenik aus Waisentum, Varieté, Geld, medizinischen Gelenken, großer Liebe, Salzsäure, Betrug und beginnendem Wahnsinn aus Mißbildung erzählt.
Die Menschen in den Roman sind wunderschön geschildert - Òscar als ungelenker aber netter junger Mann, Marina als schöne gescheite junge Frau, ihr Vater Géronimo als Herr der alten Schule mit Manieren, mit Bildung, und Zurückhaltung, Kater Kafka der genau weiß was er will, Pater Sergiu im Internet, die verschleierte Frau, Dr. Shelley mit Tochter. Schöne Metaphern umschreiben die Personen - Géronimo dessen Fahrweise beschrieben wird, daß er selbst Ameisen den Vortritt läßt. Auch Géronimo hat seine Familiengeschichte als Liebe, Schönheit und Verrat vorzuweisen. Die verschiedenen menschlichen Facetten von Michael Kolwenig, vom genialen Ingenieur, zum verliebten Mann der einen Traum gestalten will und sich über menschliche Grenzen hinwegsetzen möchte sind beängstigend nahe beschrieben.
Mir haben die Formulieren und Beschreibungen des in Ich-Form geschriebenen Buchs in diesem Buch besonders gut gefallen: Beispiele dafür sind ' Regen kratzt am Fenster', 'Maler heißt schreiben mit Licht', 'wo die Gezeiten atmeten wie ein versteinerter Wal', 'das Lichtdiadem des Vordachs' bis 'Kobold der Zeit' und ' Müdigkeit begann mich zu umzingeln wie hungrige Wölfe'.
Das Buch in lesbaren großen Buchstaben geschrieben - es war nicht notwendig nach der Lesebrille zu suchen.
Sehr angesprochen haben mich auf die Beschreibungen der Ort, des Mystik der Ort, der Nebel der die Villengegenden verhängt. Es ist kein buntes Barcelona, das hier beschrieben wird, sondern die scharz-grau schillernden geheimnisvollen Teile der Stadt.
Im Vorwort erzählt der Autor, daß es lange dauerte bis ein Verlag das Buch komplett veröffentlichte und nicht mit Strichen, die die Gesamtheit der Geschichte sehr beeinträchtigt hatten.
Der Roman ist sehr empfehlenswert, wenn der Leser/die Leserin in eine vergangene Welt mit Zauber tauchen will, denn die Stadt wird als sehr versunken geschildert. Das Erwachsen werden von Òscar ist behutsam geschildert, seine Freundschaft und der Zauber zu Marina, das Kennenlernen von Rücksicht wie sie in der Familie von Marina praktiziert wird. Mir hat das Buch sehr sehr gut gefallen.
original "Marina"
1999, Edebé, Barcelona
geschrieben lt. Vorwort zwischen 1996 und 1997
aus dem Spanischen von Peter Schwaar
2011, S. Fischer Verlag
339 Seiten
3 Seiten Vorwort
2 Seiten Epilog
ISBN 978-3-10-095401-5
'Marina' ist ein Roman über Jugendliebe, erste Liebe, und Kunst, der zu einem guten Drittel eine Gruselgeschichte ist, in der es wieder um Liebe und Kunst geht. Mit schönen, starken dichten Metaphern sind die Umgebung und die Menschen beschrieben - die Geschichte zieht in den Bann.
Òscar Drai, ein junger Mann der 1979 im Internat in Barcelona lebt, durchstreift gerne die Straße und lernt nachdem er Kater Kafka verfolgt hat, deren Besitzerin die zarte, schöne, gleichaltrige Marina und deren Vater Géronimo Blau kennen. Sie leben in einer ziemlich verfallenen Jugendstilvilla in einer Gegend mit alten, eher verfallenen Häusern. Die Mutter Marinas war eine wunderbare, gefeierte begnadete Sängerin gewesen, die an TBC verstorben ist. Géronimo hatte den Zauber seiner Frau als genialer Maler der er war, in wunderschönen Bildern festgehalten.
Marina zeigt Òscar auf dem Friedhof in Serría eine schöne tiefverschleierte Frau. Beim Verfolgen dieser Frau entdecken sie ein gespenstisches Gartenhaus mit mißgestalteten Marionetten. Òscar und Marina folgen der Geschichte und Stück für Stück wird ihnen die bizarre Lebensgeschichte von Michael Kolwenik aus Waisentum, Varieté, Geld, medizinischen Gelenken, großer Liebe, Salzsäure, Betrug und beginnendem Wahnsinn aus Mißbildung erzählt.
Die Menschen in den Roman sind wunderschön geschildert - Òscar als ungelenker aber netter junger Mann, Marina als schöne gescheite junge Frau, ihr Vater Géronimo als Herr der alten Schule mit Manieren, mit Bildung, und Zurückhaltung, Kater Kafka der genau weiß was er will, Pater Sergiu im Internet, die verschleierte Frau, Dr. Shelley mit Tochter. Schöne Metaphern umschreiben die Personen - Géronimo dessen Fahrweise beschrieben wird, daß er selbst Ameisen den Vortritt läßt. Auch Géronimo hat seine Familiengeschichte als Liebe, Schönheit und Verrat vorzuweisen. Die verschiedenen menschlichen Facetten von Michael Kolwenig, vom genialen Ingenieur, zum verliebten Mann der einen Traum gestalten will und sich über menschliche Grenzen hinwegsetzen möchte sind beängstigend nahe beschrieben.
Mir haben die Formulieren und Beschreibungen des in Ich-Form geschriebenen Buchs in diesem Buch besonders gut gefallen: Beispiele dafür sind ' Regen kratzt am Fenster', 'Maler heißt schreiben mit Licht', 'wo die Gezeiten atmeten wie ein versteinerter Wal', 'das Lichtdiadem des Vordachs' bis 'Kobold der Zeit' und ' Müdigkeit begann mich zu umzingeln wie hungrige Wölfe'.
Das Buch in lesbaren großen Buchstaben geschrieben - es war nicht notwendig nach der Lesebrille zu suchen.
Sehr angesprochen haben mich auf die Beschreibungen der Ort, des Mystik der Ort, der Nebel der die Villengegenden verhängt. Es ist kein buntes Barcelona, das hier beschrieben wird, sondern die scharz-grau schillernden geheimnisvollen Teile der Stadt.
Im Vorwort erzählt der Autor, daß es lange dauerte bis ein Verlag das Buch komplett veröffentlichte und nicht mit Strichen, die die Gesamtheit der Geschichte sehr beeinträchtigt hatten.
Der Roman ist sehr empfehlenswert, wenn der Leser/die Leserin in eine vergangene Welt mit Zauber tauchen will, denn die Stadt wird als sehr versunken geschildert. Das Erwachsen werden von Òscar ist behutsam geschildert, seine Freundschaft und der Zauber zu Marina, das Kennenlernen von Rücksicht wie sie in der Familie von Marina praktiziert wird. Mir hat das Buch sehr sehr gut gefallen.
Mittwoch, 26. September 2012
Gioconda Belli : "Die Republik der Frauen"
Gioconda Belli : "Die Republik der Frauen"
Roman
original " El pais de las mujeres"
2010, Editoral Norma, Bogotá
aus dem niceraguanischen Spanisch von Lutz Kliche
2012, Droemer Verlag München
293 Seiten
ISBN 978-3-426-19915-2
Der fast 300 Seiten starke Roman ist eine wunderbare starke intensive Vision, wie fünf unterschiedliche Frauen eine Partei gründen und in einem Phantasie-Mini-Staat wirklich an die Macht kommen. Wie sie ihre Ziele formulieren, umsetzen und tw. auch überarbeiten und nachbewerten - auch in parteipolitischem Kontext - ist faszinierend, berührend, humorvoll und geht trotz dem Bewußtsein, daß es eine Vision ist, unter die Haut.
Viviana Sansón, eine schöne intelligente sinnliche Fernsehreporterin, der Ungerechtigkeit auf die Nerven geht, gründet gemeinsam mit vier anderen Freundinnen eine Partei. Eva Salvatierra, Ifigenia (kurz : Ifi) Porta, Martina Meléndez, Rebeca de Rìos, und Viviana sind die Säulen der Partei, die mit der Idee antritt, daß Frauen daheim für Ordnung sorgen können, warum also nicht auch in der Politik. Und sie möchten Frauen die Chance geben arbeiten zu dürfen wenn sie wollen, oder daheim zu bleiben. PIE, die "Partei der Erotische Linken" hat einen Fuß mit lackierten Zehennägeln als Symbol - der Name ist von einem alten Gedicht. Eros wird hier als Name für Leben nicht nur Liebe verstanden.
Der nahe gelegene Vulkan bricht aus und lähmt das Testosteron der Männer - und die PIE gewinnt die Wahlen. Die Frauen beginnen Ideen zu verwirklich und als sie merken, daß die anwesenden Männer im Staatsdienst mehr bremsen als mitarbeiten, werden sie für ein halbes Jahr nach Hause in den Haushalt gesandt. Idee dahinter ist, daß sie den Wert des Haushalt führens kennen lernen. Daß das bei einigen Männern keine positive Resonz findet ist klar - und ein Attentat auf Viviana geschieht.
Hier steigt die Geschichte ein. Mit Rückblenden anhand von Gegenständen die Viviana im Koma zu sehen , zu tasten vermeint wird die Geschichte erzählt. Immer unterbrochen von der weiterlaufenden Politik.
In dem Roman findet nicht nur Politik statt, sondern auch privates. Vivianas Tochter Celeste, die sie allein erzieht, da der Vater gestorben ist, ist ein wichtiger Faktor. Und Emir - ein Mann der erst nach der Gründung der Partei in ihr Leben tritt.
Positiv ist die Parallelgeschichte einer jungen Frau die fast nur Gewalt durch Männer kannte, Viviana aufsucht und diese ihr so hilft, daß sie aus den Geschehnissen Kraft schöpfen kann. Juana ist eine der wertvollen Stützen innerhalb der Partei und für die fünf verschiedenen Frauen der PIE.
Es war spannend mitzulesen, wie aus einer möglichen politischen Idee, die Energie zur Parteigründung, das Ringen um Grundsatzwerte und Ideen bis zum Umsetzen der Ziele und Visionen entwickelt und umgesetzt werden.
Männer werden unterschiedlich gezeichnet. Positiv Jose de Artimetica (seine Mutter hatte Arithmea nicht richtig schreiben können), verkauft süßes Eiszeugs, hört vieles und steht auf Seite der PIE.
Negativ Richter Jimenez, der es liebt Mädchen Gewalt anzutun, aber geschützt wird da er alles und jeden kennt und der erst durch Berichte Vivianas stürzt.
In der Danksagung am Ende des Buches bedankt sich die Autorin bei ihrer Mutter und anderen starken Frauen der Familie und Geschichte, die sich nicht für ihr Frau-sein schäm(t)en.
Die Partei der Erotischen Linken hat es wirklich gegeben. Frau Belli läßt die damaligen großen Damen auftreten und gibt ihnen Stimme und nachhaltige Bedeutung
Ich habe fast zwei Monate an dem Buch gelesen - immer wieder unterbrochen von anderen Büchern, viel Arbeit im Büro, etc. Das (Wieder)Eintauchen in die warmherzigen, bildhaften, lebensnahen Frauenspersönlichkeiten war sofort.
Der Roman hielt Spannung, da die Frage wer denn das Attentat gemacht bzw. beauftragt hatte, gelöst werden mußte (ja - es war ein Mann gewesen).
In Summe ein wunderbares Buch, dessen Frauengestalten mir sehr sehr gut gefallen haben, dessen Kraft und Mut und Humor zu politischer und gesellschaftlicher Vision manchmal zu schön zu glauben ist, aber Freude macht. Ein Buch, das hoffentlich vielen Frauen und humorvollen Lesern Spaß macht.
Gioconda Belli (* 9. Dec 1948) ist eine niceraguanische Schriftstellerin und Dichterin. Sie schrieb erotische und revolutionäre Gedichte und lehnte sich gegen die Diktatur der Somoza-Familie in Niceragua zwischen 1970 und 1974 auf. Sie war Mitglied bei der FSLN - der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront. 1975 ging sie nach Mexico, Costa Rica und später USA.
Das in Europa bekannteste Buch ist "Bewohnte Frau" ein Roman (übers. v. Lutz Kliche). bei Dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-21011-9.
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Samstag, 15. September 2012
Gerhard Loibelsberger : "Reigen des Todes"
Gerhard Loibelsberger :
"Reigen des Todes" - ein Roman aus dem alten Wien
2010, Gmeiner Verlag
304 Seiten
2 Seiten historischer Personen
8 Seiten Glossar der Wiener Ausdrücke
3 Seiten Quellen
ISBN 978-3-8392-1068-0
Der große rundliche Inspector Joseph Maria Nechyba wandert durch Wien der Vorkriegszeit, und löst den Hintergrund von zwei Leichen die aus der Donau bzw. teilweise aus dem Kanal gefischt werden. Unterhaltsam wird das Wien mit den verschiedenen Gesellschaftsschichten und diverse Delikatessen geschildert.
Oberstleutnant Vestenbrugg wird vermißt und dann sein Arm und später sein Kopf gefunden. Inspector Nechyba wird im Frühjahr 1908 beauftragt zu ermitteln, besucht Obdachlosenheime, geht ins cafehaus den Journalisten Leo Goldblatt besuchen und gegenseitiger Hilfe entdecken sie, daß der Oberstleutnant eine junge üppige Freundin ausgehalten hatte. Die ist spurlos verschwunden. Ein halbes Jahr später schwimmt eine ganze Leiche in der Donau - es ist ein ehemaliger Leutnant aus der gleichen Regiment wie der Oberstleutnants. Am Schluß ( Zeitsprung 1911) stellt sich heraus daß die Leichen nicht ermordet worden waren - aber die üppige Freundin beiden Männer sehr sehr gut gekannt hatte.
Witzig die Seitenhiebe auf die Kunstszene und wie die Gemälde von Schiele, Kokokoschka und Klimt beschrieben werden - inkl. die Aufregung in der guten Gesellschaft.
Der üppigen Freundin Steffi Morawec wird ein zweiwöchiges Techtelmechtel mit Oskar Kokoschka in den Roman geschrieben. Der Leutnant besucht Sigmund Freund - was ihm leider nicht hilft.
An Figuren sind für mich der Inspector Nechyba mit seiner Vorliebe für ausgezeichnete Wiener Küche und die Freundin der Männer Steffi Morawec, die hübsches Aussehen und erotische Offenheit bei Männern nutzt um endlich eine warme große Wohnung zu haben. Sie ist Darstellerin in künstlerisch freizügigen Filmen, für sogenannte Herrenabende, was damals für die einen normal, für die anderen ein Aufreger gewesen sein dürfte.
Sehr unterhaltsam sin die Erläuterungen der Wiener Ausdrücke, die einerseits auf der gleichen Seite abgedruckt sind, und auch hinten im Glossar zu finden sind. Alle dem Wiener selbstverständlichen Essens- und sonstige Vokabel von 'Gfrieß' bis 'Frittatensuppe' sind in schönem Schriftdeutsch erklärt und bringen zum Lächeln.
Ich habe den Roman/Krimi sehr genossen und mich gut unterhalten. Das Buch ist jedem Wien-Krimi-Fan zu empfehlen und auch Menschen die sich beim Krimilesen gerne von gutem Essen erzählen lassen.
"Reigen des Todes" - ein Roman aus dem alten Wien
2010, Gmeiner Verlag
304 Seiten
2 Seiten historischer Personen
8 Seiten Glossar der Wiener Ausdrücke
3 Seiten Quellen
ISBN 978-3-8392-1068-0
Der große rundliche Inspector Joseph Maria Nechyba wandert durch Wien der Vorkriegszeit, und löst den Hintergrund von zwei Leichen die aus der Donau bzw. teilweise aus dem Kanal gefischt werden. Unterhaltsam wird das Wien mit den verschiedenen Gesellschaftsschichten und diverse Delikatessen geschildert.
Oberstleutnant Vestenbrugg wird vermißt und dann sein Arm und später sein Kopf gefunden. Inspector Nechyba wird im Frühjahr 1908 beauftragt zu ermitteln, besucht Obdachlosenheime, geht ins cafehaus den Journalisten Leo Goldblatt besuchen und gegenseitiger Hilfe entdecken sie, daß der Oberstleutnant eine junge üppige Freundin ausgehalten hatte. Die ist spurlos verschwunden. Ein halbes Jahr später schwimmt eine ganze Leiche in der Donau - es ist ein ehemaliger Leutnant aus der gleichen Regiment wie der Oberstleutnants. Am Schluß ( Zeitsprung 1911) stellt sich heraus daß die Leichen nicht ermordet worden waren - aber die üppige Freundin beiden Männer sehr sehr gut gekannt hatte.
Witzig die Seitenhiebe auf die Kunstszene und wie die Gemälde von Schiele, Kokokoschka und Klimt beschrieben werden - inkl. die Aufregung in der guten Gesellschaft.
Der üppigen Freundin Steffi Morawec wird ein zweiwöchiges Techtelmechtel mit Oskar Kokoschka in den Roman geschrieben. Der Leutnant besucht Sigmund Freund - was ihm leider nicht hilft.
An Figuren sind für mich der Inspector Nechyba mit seiner Vorliebe für ausgezeichnete Wiener Küche und die Freundin der Männer Steffi Morawec, die hübsches Aussehen und erotische Offenheit bei Männern nutzt um endlich eine warme große Wohnung zu haben. Sie ist Darstellerin in künstlerisch freizügigen Filmen, für sogenannte Herrenabende, was damals für die einen normal, für die anderen ein Aufreger gewesen sein dürfte.
Sehr unterhaltsam sin die Erläuterungen der Wiener Ausdrücke, die einerseits auf der gleichen Seite abgedruckt sind, und auch hinten im Glossar zu finden sind. Alle dem Wiener selbstverständlichen Essens- und sonstige Vokabel von 'Gfrieß' bis 'Frittatensuppe' sind in schönem Schriftdeutsch erklärt und bringen zum Lächeln.
Ich habe den Roman/Krimi sehr genossen und mich gut unterhalten. Das Buch ist jedem Wien-Krimi-Fan zu empfehlen und auch Menschen die sich beim Krimilesen gerne von gutem Essen erzählen lassen.
Sonntag, 2. September 2012
George Sand : "Ein Winter auf Mallorca"
George Sand :
"Ein Winter auf Mallorca"
1985, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH München
(16. Auflage 2004)
8 Seiten Vorwort des Herausgebers
17 Seiten J.B. Laurens - Erinnerungen einer Kunstreise nach Mallorca
219 Seiten George Sand - "ein Winter auf Mallorca" in drei Teilen
15 Seiten George Sand - Geschichte meines Aufenthalts auf Mallorca
1 Seite Bibliographie
1 Seite Bildquellen Nachweis
2 Seiten Karte vom Mallorca
ISBN 3-423-12497-0
Titel der Originalausgabe:
Paris 1842
Ich hatte einiges über George Sand gehört und war neugierig darauf wie sie schreibt. Mein Wissen über sie war, daß sie unkonventionell war, Schriftstellerin, 2 Kinder und - v.a. - die Gefährtin Chopins.
"Ein Winter auf Mallorca" ist entstanden nachdem sie mit ihren Kindern und Chopin drei Monate 1838 auf der Insel verbracht hatte, mit den Ziel dem kalten Winter in Paris zu entfliehen und damit ihrem Sohn Maurice Krankheiten zu ersparen bzw. daß er sich erholen kann. Maurice hat sich erholt und sie beschreibt wie er und ihre Tochter Solange wie die Ziegen auf den Steinen der Insel herumkraxeln.
Leider ist Chopin erkrankt, weshalb der Aufenthalt auf der Insel kürzer als geplant war. Die gewünschte Erholung hatten die Erwachsenen bei dem Aufenthalt nicht.
Sie beschreibt die Insel, die Vegetation, die Architektur, die Art und Weise wie Menschen wohnen die mehr haben, genauso wie die Bauern, Landwirtschaft, Nutztiere und viel was sie an Benehmen ihnen gegebenüber wahrgenommen hat.
Die vier Reisenden wurden nicht wohlwollend aufgenommen: sie und ihre Tochter trugen Hosen, sie und Chopin waren nicht verheiratet und sie gingen sonntags nicht in die Kirche . Verhalten das in Paris als extravagant galt, war auf der Insel unerwünscht.
Hilfe für Kranke war nicht üblich - im Gegenteil Kranke galten als ansteckend und wurde gemieden, was v.a. Chopin erfahren mußte.
Seitenlang beschreibt sie die Kartause in Vallemosa, mit ihren Trakten, Höfen, Bäumen, Ruinenteilen, wenigen Mönchen. Wie sie beschreibt und welche Metaphern sie findet, hat mich fasziniert. Schön sind ihre Assoziationen wenn sie Romantisches mit Operninszenierungen vergleicht oder französische Maler (wie Delacroix) zitiert.
Faszinierend finde ich ihre Beschreibungen der Kleidung der Menschen und wie sie die Menschen ans sich beschreibt - Gesichter, Körper, Benehmen (das sie als ungastlich und schmarotzend empfindet).
Geschichtliche Rückblicke auf den Zusammenhang zwischen Spanien und der Insel werden aufgeblättert. Keine Pferde, weil die nur vom Festland für den Krieg eingezogen wurden, kaum Rind weil das gleiche hier geschah, dafür Schweine, weil die wollten die Spanier nicht.
Sie beschäftigte sich auch mit der Geschichte der Klöster, bzw. der Auflassung und of Niederbrennung. Viele verbrannte Klosterruinen zieren die Landschaft. Dem zur Zeit herrschenden Romantizismus stellt sie in einem fiktiven Gespräch einen Mönch entgegeben, der von den eigenen Katholiken im Kerker ohne Sonne gehalten wurde. Die Inquisition hatte auch hier reiche Beute gefunden und Schuldlosigkeit galt noch nicht - was für Menschen der Aufklärung im Nachhinein schwer zu verstehen ist. Das Gespräch ist sehr packend geschrieben.
Ich habe einige Wochen an dem Buch gelesen - immer wieder unterbrochen von anderen Büchern. Mich hat der Stil und was Frau Sand schreibt fasziniert und ich kann jedem Leser nur das gleiche Verngügen an Sprache, Beschreibung und auch Fiktion wünschen.
George Sand, (eigentlich Amandine Aurore Lucile Dupin de Francueil) lebte vom 1. Juli 1804 bis 8 Juno 1876. Sie war Schriftstellerin und galt als Vielschreiberin (was einige Zeitgenossen nicht schätzten). Ihre Werke sind Romane, Novellen und auch Theaterstücke - viele Briefe von ihr sollen erhalten sein.
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1842,
2004,
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Mallorca,
Menschen,
Natur,
Wertung - 4 Bücher
Freitag, 31. August 2012
Marlene Faro : "Blutiger Klee"
Marlene Faro : "Blutiger Klee"
Roman
2012, Gmeiner Verlag, Meßkirch
304 Seiten
ISBN 978-3-8392-1288-2
Arthur Pestalozzi und Leo Attwenger, zwei Kriminalkommissare aus Salzburg, werden ins Salzkammergut gesandt um einen Mord ein einem älteren tyrannischen einflußreichen Baron aufzuklären.
Baron Gleinig ist ermordet worden. Seine noch lebenden vier Kinder und der letzte treue Bedienstete im Schloß werden informiert. Er war ein einflußreicher Mann gewesen, nicht leicht zu ertragen für seine Familie. Politiker und Wirtschaftsleute machen Druck, um baldige Ergebnisse zu erhalten. Grund für den Mord war eine kleine Tatsache die jeder im Ort gekannt hatte, aber über die man nicht (mehr) sprach.
Da das Buch ein Salzkammergutkrimi ist, war für mich die Frage welcher See denn der Schauplatz ist. Die Hinweise deuten auf den Traunsee.
Witzig bis böse sind die Seitenhiebe auf dörfliche Tratsch- bzw. Zusammenlebensstrukturen. Auch alte Rituale und Begebenheiten werden geschildert. Herr Pestalozzi geht hier sehr feinfühlig mit dem örtlichen Polizisten Krinzinger um und anderen Menschen deren Familien seit Generationen am dem See verankert sind.
Kriminalkommissar Arthur Pestalozzi geht beruflich mit seinem Assistenten Leo Attwenger, der eigentlich nur von Frauen und Motorrädern träumt, gemeinsame Wege. Privat kapselt er sich ab. Parallel ist die geschiedene Gerichtsmedizinerin Lisa Kleinschmidt, die ihre zwei Kindern nun alleine erzieht. Die Menschen in den Buch sind klar gezeichnet, aber es sind fast alle in ihrer Einsamkeit gefangen - auch die Kinder des Barons tun sich nicht leicht.
Kleine Geschichte nebenbei ist ein Rückblick auf die Zwischenkriegszeit mit einem Teenager der regelmäßig auf Sommerfrische am See ist und einem einheimischen sehr jungen Mädchen, deren zarte mögliche Romanze an der nicht-arischen Herkunft des Jünglings keine Chance auf Entwicklung hat. Der Enkel des Mannes besucht Jahrzehnte später die damalige große Liebe seines Großvaters.
Der Titel ist von einem kleinen Detail des Mordes : es war Blut auf den Klee getropft.
Das Buch ist rasch zu lesen, die Neugier wer der/die Mörder/in ist hat mich angestachelt. Die Schilderung der Menschen hat mich angesprochen, leider hat mich die Geschichte zu wenig bewegt. Lesen Sie selbst.
Roman
2012, Gmeiner Verlag, Meßkirch
304 Seiten
ISBN 978-3-8392-1288-2
Arthur Pestalozzi und Leo Attwenger, zwei Kriminalkommissare aus Salzburg, werden ins Salzkammergut gesandt um einen Mord ein einem älteren tyrannischen einflußreichen Baron aufzuklären.
Baron Gleinig ist ermordet worden. Seine noch lebenden vier Kinder und der letzte treue Bedienstete im Schloß werden informiert. Er war ein einflußreicher Mann gewesen, nicht leicht zu ertragen für seine Familie. Politiker und Wirtschaftsleute machen Druck, um baldige Ergebnisse zu erhalten. Grund für den Mord war eine kleine Tatsache die jeder im Ort gekannt hatte, aber über die man nicht (mehr) sprach.
Da das Buch ein Salzkammergutkrimi ist, war für mich die Frage welcher See denn der Schauplatz ist. Die Hinweise deuten auf den Traunsee.
Witzig bis böse sind die Seitenhiebe auf dörfliche Tratsch- bzw. Zusammenlebensstrukturen. Auch alte Rituale und Begebenheiten werden geschildert. Herr Pestalozzi geht hier sehr feinfühlig mit dem örtlichen Polizisten Krinzinger um und anderen Menschen deren Familien seit Generationen am dem See verankert sind.
Kriminalkommissar Arthur Pestalozzi geht beruflich mit seinem Assistenten Leo Attwenger, der eigentlich nur von Frauen und Motorrädern träumt, gemeinsame Wege. Privat kapselt er sich ab. Parallel ist die geschiedene Gerichtsmedizinerin Lisa Kleinschmidt, die ihre zwei Kindern nun alleine erzieht. Die Menschen in den Buch sind klar gezeichnet, aber es sind fast alle in ihrer Einsamkeit gefangen - auch die Kinder des Barons tun sich nicht leicht.
Kleine Geschichte nebenbei ist ein Rückblick auf die Zwischenkriegszeit mit einem Teenager der regelmäßig auf Sommerfrische am See ist und einem einheimischen sehr jungen Mädchen, deren zarte mögliche Romanze an der nicht-arischen Herkunft des Jünglings keine Chance auf Entwicklung hat. Der Enkel des Mannes besucht Jahrzehnte später die damalige große Liebe seines Großvaters.
Der Titel ist von einem kleinen Detail des Mordes : es war Blut auf den Klee getropft.
Das Buch ist rasch zu lesen, die Neugier wer der/die Mörder/in ist hat mich angestachelt. Die Schilderung der Menschen hat mich angesprochen, leider hat mich die Geschichte zu wenig bewegt. Lesen Sie selbst.
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