Andrea Camilleri :
"Die Tage des Zweifels" - Commissario Montalbanos vierzehnter Fall
Roman
original "Letá del dubbio"
2008, Sellerio Editore, Palermo
Aus dem Italienischen von Rita Seuß und Walter Kögler
2013, Bastei Lübbe Köln
Bastei Lübbe Taschenbuch 17147
246 Seiten
ISBN 978-3-404-17147-7
Commissario Salvo Montalbano fischt bei einem Wolkenbruch eine junge Frau auf, die ihm einiges über eine Yacht erzählt. Die junge Frau erweist sich als Täuschung, einiges an der Yacht ebenso. Ein Toter mit kaputtem Gesicht taucht auf, und ein Matrose stürzt ins Meer ab, während sich der Commissario in die bildschöne Frau Leutnant Belladonna im Hafen verliebt (was durch Gegenseitigkeit nicht einfacher wird). Er kämpft gegen die Gefühle und die Midlife-Crises, schickt seine Kollegen Fazio und Mimí aus, ärgert sich über Catarella, hat Probleme mit seinen Vorgesetzten und versetzt letztendlich weltweiten Diamantschmuggel einen ziemlichen Schlag.
Basisgeschichte ist Diamantschmuggel, der hauptsächlich zwischen Afrika, Mittelmeerraum, und Holland stattfindet und Blutdiamanten reinwaschen soll. Menschenleben hat in diesem Business keinen Wert.
Montalbanos Midlife-crise nimmt ziemlichen Raum ein. Seine Beziehung mit Livia ist weiterhin telephonisch, aber die Anziehung zwischen ihm und Laura Belladonna (nomen est omen) ist in der Übersetzung sehr greifbar.
Der Roman wurde zwar 2008 geschrieben, hat Internet aber unterhaltsamerweise hat Montalbano kein Handy sondern hetzt sich nach Hause damit er dort bei seinem Festnetzanschluß abheben kann. Er hat auch noch keine Telephon-nummern-Erkennung, was einige komische Situationen erzeugt wenn er ohne zu wissen wer dran ist losdonnert.
Die gewohnten Kabbeleien im Kommisariat sind vertraut und die kulinarischen Schilderungen machen wie gewohnt Appetit auf Sizilien. Der Kriminalroman ist wie gewohnt gut geschrieben und gut lesbar. Viel Freude beim Lesen !
Andrea Camilleri wurde am 6. September 1925 in Porto Empedocle in Sizilien geboren. 1942 begann Camilleri für Theater und Rundfunk als Regisseur zu arbeiten. Er machte sich damit verdient, Werke von August Strindberg, Samuel Beckett, Eugene Ionesco und T.S. Eliot in Italien einzuführen. Von 1958 bis 1970 unterrichtete er am Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom. Von 1977 bis 1997 war er Professor an der Nationalakademie der Dramatischen Künste „Silvio D’Amico“. 1978 erschien sein erster Roman 'Hahn im Korb'. 1994 erschien der erste Roman mit dem sizilianische Commissario Montalbano 'La forma dell’acqua' , den er nach dem spanischen Schriftsteller Mauel Vazquez Montalban benannte. (1999 erschien dieser Roman unter dem Titel 'Die Form des Wassers - Commissario Montalbano denkt nach'. Die Kriminalromane mit Commissario Montalbano wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Camilleri ist verheiratet, hat drei Töchter und vier Enkel und lebt in Rom.
Donnerstag, 12. Mai 2016
Montag, 9. Mai 2016
Radek Knapp : "Reise nach Kalino"
Radek Knapp :
"Reise nach Kalino"
Roman
2012, Piper Verlag München GmbH
251 Seiten
ISBN: 978-3-492-30222-7
Der Roman ist gut geschrieben, wobei die Gedanken und Aktionen von Werkazy begleitet werden. Er, der gerne Alkohol trinkt, wird bei der Grenze seines Otards beraubt und mit dem Denkmantel der Gesundheit auf Abstinenz gesetzt. Er muß eine Schlucht hinunterkraxeln, klaut ein superschnelles futuristisches Auto, und trixst die Bewacher aus.
Kalino ist blitzsauber und steril, die Aussicht von der Villa Osmos auf die Stadt grandios, die Türen sind schwer und lautlos, aber eine alte Stadt zerfällt, genauso wie einiges in den Menschen.
In einem Absatz wurde kurz Mord diskutiert; ob nicht das den Geist einschränken genauso Mord wäre. Freies Denken wird in Kalino bereinigt - alles Schädliche wird dem Körper entzogen.
Der Krimi ist gut lesbar, die Geschichte entwickelt sich gut verfolgbar, und die Personen gut vorstellbar. Viel spaß bei Lesen !
"Reise nach Kalino"
Roman
2012, Piper Verlag München GmbH
251 Seiten
ISBN: 978-3-492-30222-7
Julius Werkazy ist mit seinem Technik verliebten Partner Bruno als mäßig erfolgreicher Detektiv tätig. Ein Auftrag ruft ihn in die mysteriöse Stadt Kalino, in der ihn der Chef Osmos persönlich den Auftrag gibt einen Mord (hier Verschwinden, weil die Kalanianer den Tod nicht kennen) des genialen Wissenschaftlers Buschart aufzuklären. Das Leben in Kalino ist jung, attraktiv aber sehr kontrolliert. Es gibt keine Fenster, aber alle persönlichen Daten sind am Auto außen abgedruckt. Werkazy besucht den Chef Wissenschaftler Kliszt, den Chauffeur von Buschart und Witwe Buschart sowie den Gründerfreund von Osmos Dornort mit seiner Assistentin Wiweka. Werkazy durchschaut immer mehr was alles unstimmig ist, bis er mit Hilfe in der Stadt einiges ändern kann und rechtzeitig entkommt.
Der Roman ist gut geschrieben, wobei die Gedanken und Aktionen von Werkazy begleitet werden. Er, der gerne Alkohol trinkt, wird bei der Grenze seines Otards beraubt und mit dem Denkmantel der Gesundheit auf Abstinenz gesetzt. Er muß eine Schlucht hinunterkraxeln, klaut ein superschnelles futuristisches Auto, und trixst die Bewacher aus.
Kalino ist blitzsauber und steril, die Aussicht von der Villa Osmos auf die Stadt grandios, die Türen sind schwer und lautlos, aber eine alte Stadt zerfällt, genauso wie einiges in den Menschen.
In einem Absatz wurde kurz Mord diskutiert; ob nicht das den Geist einschränken genauso Mord wäre. Freies Denken wird in Kalino bereinigt - alles Schädliche wird dem Körper entzogen.
Der Krimi ist gut lesbar, die Geschichte entwickelt sich gut verfolgbar, und die Personen gut vorstellbar. Viel spaß bei Lesen !
Radek Knapp, wurde am 3. Oktober 1964 in Warschau geboren. 1976 kam er mit seiner Mutter nach Wien, wo er nach der HAK Philosophie an der Universität Wien studierte. Jetzt lebt er als freier Schriftsteller in Wien und in der Nähe von Warschau.
1994 kam sein Durchbruch als Schriftsteller mit dem aspekte-Preis ausgezeichnete Band »Franio«. außerdem erschienen von ihm : Roman »Herrn Kukas Empfehlungen«, Erzählungssammlung »Papiertiger«, eine »Gebrauchsanweisung für Polen«.
1994 kam sein Durchbruch als Schriftsteller mit dem aspekte-Preis ausgezeichnete Band »Franio«. außerdem erschienen von ihm : Roman »Herrn Kukas Empfehlungen«, Erzählungssammlung »Papiertiger«, eine »Gebrauchsanweisung für Polen«.
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Donnerstag, 5. Mai 2016
Julie Masson : "Der Commissaire kocht"
Julie Masson :
"Der Commissaire kocht" - Lucien Lefevre ermittelt, Band 3
Kriminalroman
2016, Rowohlt Taschenbuch Verlag
298 Seiten
ISBN 978-3-499-27164-9
In dem dritten Band um den gut aussehenden Kommissar an der Atlantikküste geht es ums Kochen. Die Gewinnerin einer Kochshow investiert in das Haus aus dem ersten Band mit dem Kommissar, wobei bei der Eröffnungsshow der arrogante geschniegelte bekannte Gourmetkritiker vor aller Augen ermordet wird. Lefevre bewegt sich zwischen Köchen, Kochjournalisten, einem renommierten Kochverlag, der Pathologie und seinen beiden Sergeanten. Da der Ermordete viele Menschen gegeneinander ausgespielte und sonst auch charmant-schleimig-erpresserisch-unangenehm geschildert wird, gibt es einige Verdächtige, bis Lefevre Antworten auf die Fragen präsentieren kann.
Den Titel trägt das Buch, weil Lefevre, der gerne ißt, am Schluß des Buches eine gemütliche Kochrunde bei sich hat und selbst Hand an legt. In der Zwischenzeit ist er glücklich, daß seine Freundin Sophie aus Berlin (und aus dem ersten Band) wieder bei ihm ist und saust in seinem Porsche zwischen der Küste und Bordeaux herum.
Die Personen sind unterschiedlich geschildert: seine beiden Sergeants sind wie gewohnt, leider nerven die Frauengeschichten hier etwas und sein alter Freund und Pathologie ist auch noch zur Stelle, weil ihn das verwendete Gift interessiert. An neuen Menschen gibt es das Ekelpaket Raul Silva, bei dem sich viele schlechte Eigenschaften von Erpressung bis massiver Untreue auftun, seine schöne elegante Frau, Colette (Coco) Viard die das neue Restaurant aufmacht, einen ehemaligen Bewerber in der Kochshow und jetzt Mitarbeiter Martin, sowie Vater und Tochter Cuillard vom Verlagshaus Cuillard. Böses wird aus dem Hintergrund von Kochshow und dem Fernsehwesen berichtet.
Dieser Roman spielt in der Nebensaison, wobei das Gefühl in der Atlantikstadt hier schön eingefangen ist. Eine besonders giftige Qualle ist wichtig, weil sie auch Namenspatronin zu einem sehr feinen Gericht ist.
Wie die beiden Bände davor war es gemütlich und angenehm diesen Krimi zu Lesen und zu entspannen. Gutes Genießen !
Biographie der Autorin beim ersten Band mit Lucien Lefevre am 4. April 2014
"Der Commissaire kocht" - Lucien Lefevre ermittelt, Band 3
Kriminalroman
2016, Rowohlt Taschenbuch Verlag
298 Seiten
ISBN 978-3-499-27164-9
In dem dritten Band um den gut aussehenden Kommissar an der Atlantikküste geht es ums Kochen. Die Gewinnerin einer Kochshow investiert in das Haus aus dem ersten Band mit dem Kommissar, wobei bei der Eröffnungsshow der arrogante geschniegelte bekannte Gourmetkritiker vor aller Augen ermordet wird. Lefevre bewegt sich zwischen Köchen, Kochjournalisten, einem renommierten Kochverlag, der Pathologie und seinen beiden Sergeanten. Da der Ermordete viele Menschen gegeneinander ausgespielte und sonst auch charmant-schleimig-erpresserisch-unangenehm geschildert wird, gibt es einige Verdächtige, bis Lefevre Antworten auf die Fragen präsentieren kann.
Den Titel trägt das Buch, weil Lefevre, der gerne ißt, am Schluß des Buches eine gemütliche Kochrunde bei sich hat und selbst Hand an legt. In der Zwischenzeit ist er glücklich, daß seine Freundin Sophie aus Berlin (und aus dem ersten Band) wieder bei ihm ist und saust in seinem Porsche zwischen der Küste und Bordeaux herum.
Die Personen sind unterschiedlich geschildert: seine beiden Sergeants sind wie gewohnt, leider nerven die Frauengeschichten hier etwas und sein alter Freund und Pathologie ist auch noch zur Stelle, weil ihn das verwendete Gift interessiert. An neuen Menschen gibt es das Ekelpaket Raul Silva, bei dem sich viele schlechte Eigenschaften von Erpressung bis massiver Untreue auftun, seine schöne elegante Frau, Colette (Coco) Viard die das neue Restaurant aufmacht, einen ehemaligen Bewerber in der Kochshow und jetzt Mitarbeiter Martin, sowie Vater und Tochter Cuillard vom Verlagshaus Cuillard. Böses wird aus dem Hintergrund von Kochshow und dem Fernsehwesen berichtet.
Dieser Roman spielt in der Nebensaison, wobei das Gefühl in der Atlantikstadt hier schön eingefangen ist. Eine besonders giftige Qualle ist wichtig, weil sie auch Namenspatronin zu einem sehr feinen Gericht ist.
Wie die beiden Bände davor war es gemütlich und angenehm diesen Krimi zu Lesen und zu entspannen. Gutes Genießen !
Biographie der Autorin beim ersten Band mit Lucien Lefevre am 4. April 2014
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Sonntag, 1. Mai 2016
Jörg Juretzka : "Fallera"
Jörg Juretzka :
"Fallera"
Kriminalroman
2002, Unionsverlag Zürich
210 Seiten
ISBN 978-3-293-20578-9
Kristof Kryszinski erzählt hier als Ich-Erzähler im fünften Band, von derzeit 13, wie er von der Polizei zu einer Begleitung von Behinderten bei einem Ausflug in die Schweizer Berge verdonnert wird. Hier stehen seine Drogenabhängigkeit und sein Ruf zur Bewährung an. Bergführer Toni leitet die gemischte Gruppe aus Behinderten aller Sorten und Knackis aus sieben verschiedenen Bundesländern Deutschlands. Leider wird er nach der zweiten Nacht tot aufgefunden, nach der dritten Nacht wird gerade noch rechtzeitig Frau Doktor Marx, die den Rollstuhl braucht, gefunden. Das muntere Gruppendezimieren geht weiter, als bewußt eine Lawine losgetreten wird. Eine wüste Erpressergeschichte mit Gold und ein tödlicher Verkehrsunfall durch Alkoholmißbrauch werden genannt, bis am Schluß ein kleine Restgruppe politischer Willkür entkommen kann.
Die Menschen des Romans sind ziemlich gemischt. Polizeimensch Menden wird respektlos geschildert, Drogenkurier Scuzzi mit trockenen Kommentaren, der bewertende Arzt am Berg Dr. Welfenheim ist klein und kugelrund. Die Behinderten sind die MS-beeinträchtigte Ärztin, der riesenwüchsige und stotternde Alfred, Sportler Horst im Rollstuhl, der spastische Uwe, der liebevoll Downsyndrom-Mann Egon und Christine mit Hirntrauma nach Pflasterstein am Kopf.
Die 'Knackis' sind Kristof, Ostbacke Ernesto Che, ExBiker Atze, Igelschnitt Alex, Rattengesicht Tom, Gewohnheitsverbrecher Sigismund Piepenkopp und Familienauslöscher Wurstauge.
Zwei Frauen werden genannt - Kim eine große Liebe von Kristof, die leider starb und Mona, mit der wieder Freude kommt.
Der Stil des Buches ist ziemlich flappsig bis schnoddrig. Respekt ist nicht wichtig, aber es kommt soetwas wie Verständnis zwischen den Menschen auf, und auch ein Miteinander.
Witzig ist die Art der Kommunikation bei der sich alles mischt, von kurzen Sätzen, einigen Silben bis zu mühsamen Ausdruck.
Orte der Handlung sind eine Stadt im Ruhrgebiet, und die Berge mit allen Wettern von Sonne, Nebel, Regen bis Schnee. Die Natur bietet Steine, Bäume, Gräser und auch Höhlen an.
Mir war der Stil etwas zu flappsig und vieles zu konstruiert, aber dann wieder zu wenig skurril. Die Menschen und ihr miteinander war trotz anfänglicher Rauheiten gut zu lesen.
Jörg Juretzka, 1955 in Mülheim an der Ruhr geboren, ist gelernter Zimmermann und baute zuerst Blockhütten in Kanada, bevor er sich aufs Schreiben konzentrierte. 'Prickel', war sein Krimidebüt und der erste Fall für den Privatermittler Kristof Kryszinski, erschien 1998.
"Fallera"
Kriminalroman
2002, Unionsverlag Zürich
210 Seiten
ISBN 978-3-293-20578-9
Kristof Kryszinski erzählt hier als Ich-Erzähler im fünften Band, von derzeit 13, wie er von der Polizei zu einer Begleitung von Behinderten bei einem Ausflug in die Schweizer Berge verdonnert wird. Hier stehen seine Drogenabhängigkeit und sein Ruf zur Bewährung an. Bergführer Toni leitet die gemischte Gruppe aus Behinderten aller Sorten und Knackis aus sieben verschiedenen Bundesländern Deutschlands. Leider wird er nach der zweiten Nacht tot aufgefunden, nach der dritten Nacht wird gerade noch rechtzeitig Frau Doktor Marx, die den Rollstuhl braucht, gefunden. Das muntere Gruppendezimieren geht weiter, als bewußt eine Lawine losgetreten wird. Eine wüste Erpressergeschichte mit Gold und ein tödlicher Verkehrsunfall durch Alkoholmißbrauch werden genannt, bis am Schluß ein kleine Restgruppe politischer Willkür entkommen kann.
Die Menschen des Romans sind ziemlich gemischt. Polizeimensch Menden wird respektlos geschildert, Drogenkurier Scuzzi mit trockenen Kommentaren, der bewertende Arzt am Berg Dr. Welfenheim ist klein und kugelrund. Die Behinderten sind die MS-beeinträchtigte Ärztin, der riesenwüchsige und stotternde Alfred, Sportler Horst im Rollstuhl, der spastische Uwe, der liebevoll Downsyndrom-Mann Egon und Christine mit Hirntrauma nach Pflasterstein am Kopf.
Die 'Knackis' sind Kristof, Ostbacke Ernesto Che, ExBiker Atze, Igelschnitt Alex, Rattengesicht Tom, Gewohnheitsverbrecher Sigismund Piepenkopp und Familienauslöscher Wurstauge.
Zwei Frauen werden genannt - Kim eine große Liebe von Kristof, die leider starb und Mona, mit der wieder Freude kommt.
Der Stil des Buches ist ziemlich flappsig bis schnoddrig. Respekt ist nicht wichtig, aber es kommt soetwas wie Verständnis zwischen den Menschen auf, und auch ein Miteinander.
Witzig ist die Art der Kommunikation bei der sich alles mischt, von kurzen Sätzen, einigen Silben bis zu mühsamen Ausdruck.
Orte der Handlung sind eine Stadt im Ruhrgebiet, und die Berge mit allen Wettern von Sonne, Nebel, Regen bis Schnee. Die Natur bietet Steine, Bäume, Gräser und auch Höhlen an.
Mir war der Stil etwas zu flappsig und vieles zu konstruiert, aber dann wieder zu wenig skurril. Die Menschen und ihr miteinander war trotz anfänglicher Rauheiten gut zu lesen.
Jörg Juretzka, 1955 in Mülheim an der Ruhr geboren, ist gelernter Zimmermann und baute zuerst Blockhütten in Kanada, bevor er sich aufs Schreiben konzentrierte. 'Prickel', war sein Krimidebüt und der erste Fall für den Privatermittler Kristof Kryszinski, erschien 1998.
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Freitag, 22. April 2016
Claire Belton : "I Am Pusheen the Cat"
Claire Belton :
"I Am Pusheen the Cat"
2013, The Touchstone
164 Seiten
ISBN 978-1-4767-4701-9
Pusheen ist eine mollige gemütliche Katze die von Claire Belton gezeichnet wird. In fünf Kapiteln erzählt diese etwas rundliche Katze von ihren Vorlieben, wie man sich als Katze den Tag plant, auch Pizza macht, welches die Lieblingsplätze sind ... und vieles mehr.
Großartig ist die Zeichnung in denen der Körper einer Katze in drei Regionen eingefärbt ist - gut zu kraulen, geht auch zu kraulen, und Hände weg weil Katze sonst kratzt.
Das Innencover ist sehr hübsch gestaltet mit einem Muster aus Katzen, Mascherln, Brownies und Torten. Es gibt fünf Abschnitte, wobei einer auch Stormy einem fluffigen grauen Wuschelkätzchen gewidmet ist.
Der Stil der Zeichnungen ist eher flach mit Umriß-Linien, die dann gefüllt werden. Katze und alles andere sind vereinfacht dargestellt, wobei Katzen mit ihren Schnurrbarthaaren sehr charmant sind.
Dieses entzückende unterhaltsame Buch kam als Geschenk zu mir, da ich Katzenfan bin; und auf englisch. Es ist zum rasch durchblättern unterhaltsam, und auch dann wenn sich der Katzenfan die Ideen und Bilder gemütlich ansieht.
Viel Freude dabei, Miau ! Meow !
Claire Belton lebt mit ihrem Verlobten und Stormy in Chicago. Sie ist Illustratorin. Pusheen lebt bei ihren Eltern in Connecticut. 'Puísin' ist übrigens der irische Begriff für Kätzchen.
"I Am Pusheen the Cat"
2013, The Touchstone
164 Seiten
ISBN 978-1-4767-4701-9
Pusheen ist eine mollige gemütliche Katze die von Claire Belton gezeichnet wird. In fünf Kapiteln erzählt diese etwas rundliche Katze von ihren Vorlieben, wie man sich als Katze den Tag plant, auch Pizza macht, welches die Lieblingsplätze sind ... und vieles mehr.
Großartig ist die Zeichnung in denen der Körper einer Katze in drei Regionen eingefärbt ist - gut zu kraulen, geht auch zu kraulen, und Hände weg weil Katze sonst kratzt.
Das Innencover ist sehr hübsch gestaltet mit einem Muster aus Katzen, Mascherln, Brownies und Torten. Es gibt fünf Abschnitte, wobei einer auch Stormy einem fluffigen grauen Wuschelkätzchen gewidmet ist.
Der Stil der Zeichnungen ist eher flach mit Umriß-Linien, die dann gefüllt werden. Katze und alles andere sind vereinfacht dargestellt, wobei Katzen mit ihren Schnurrbarthaaren sehr charmant sind.
Dieses entzückende unterhaltsame Buch kam als Geschenk zu mir, da ich Katzenfan bin; und auf englisch. Es ist zum rasch durchblättern unterhaltsam, und auch dann wenn sich der Katzenfan die Ideen und Bilder gemütlich ansieht.
Viel Freude dabei, Miau ! Meow !
Claire Belton lebt mit ihrem Verlobten und Stormy in Chicago. Sie ist Illustratorin. Pusheen lebt bei ihren Eltern in Connecticut. 'Puísin' ist übrigens der irische Begriff für Kätzchen.
Montag, 18. April 2016
Per J. Andersson : "Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden"
Per J. Andersson :
"Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" - eine wahre Geschichte
original "New Delhi - Bords"
2013
Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
2015, Kiepenheuer & Witsch
312 Seiten + 12 Seiten Photos in sw
ISBN 978-3-462-04747-9
Pikay ist der jüngste Sohn einer Familie der Kaste der Dalait im indischen Bundesstat Orissa (seit 2011 Odisha). Er wächst geliebt und behütet auf; erst in der Schule lernt er was er als Kastenausgestossener alles nicht darf und muß brutale Zurückweisungen erfahren. Ihm wird die Schulausbildung ermöglicht, und ein Lehrer erkennt, wie grandios er zeichnet und daß er auf die Kunsthochschule in Delhi soll. Da die Stipendienzahlungen ausfallen, zeichnet er am Springbrunnen Porträits. Dadurch und durch Freunde kann er im wahrsten Sinne überleben. Es ist die Zeit der 70-er Jahre in denen Indira Ghandi erstmals regiert und europäische und amerikanische Jugendliche die Spiritualität Indiens bereisen und besuchen kommen. Hier kommt auch Lotta aus Schweden, die eine Parallelität zwischen einigen schwedischen und indischen Stoffmustern erkennt und den mittlerweile berühmten Zeichner am Brunnen kennenlernt.
Im zweiten Teil des Buches reist Pikay zuerst mit dem Fahrrad durch Pakistan, dann dem Iran, und mithilfe von Freunden weiter nach Istanbul, dort wieder mit Hilfe weiter nach Wien, und dann wieder mit Hilfe weiter nach Schweden. Dort bauen er und Lotta wirklich ein gemeinsames Leben inkl. Heirat und Kinder auf, wobei er beruflich wieder seine künstlerische Seite lebt.
Da Buch liest sich wie eine Art Märchen in dem zwar einige Menschen nicht angenehm sind, aber auch auch wieviele freundlich sind und weiterhelfen.
Von Indien wird der Bundesstaat Orissa geschildert mit seinem unterschiedlichen Kastenwesen, den Trennungen zwischen Waldmenschen die mit den Göttern und Geistern des Waldes vertraut sind aber von allen anderen mißtrauisch bis abwertend behandelt werden, und dann der großen Stadt Delhi mit den vielen unterschiedlichen Menschen aber einem gemütlichen Café mit offenherzigen Menschen die ihn einladen, seine Zeichnungen schätzen und weiterhelfen. Durch die Zeichnungen öffnen sich manche Pforte für ihn bis hinauf zu Indira Ghandi.
Ihm immer wieder seine Nicht-Kaste vorgehalten, auch wenn offiziell das Kastenwesen abgeschafft wurde. Für andere Menschen, v.a. in Künstlerkreisen, ist dieses Schachteldenken nicht vorhanden.
Durch seine Zeichenkenntnisse und gewinnende Art gelingt es ihm bei der Reise durch Pakistan, und Afghanistan auf dem Rad durchzuhalten und sich weiterhelfen zu lassen. Es ist faszinierend zu lesen wie Pikay damals Pakistan und Afghanistan Mitte der 70-ger Jahre schildert, vor allem wenn man sich die aktuellen polisch-verfeindeten Verhältnisse ansieht. Auch im damaligen Persien / heute Iran kam man ihm hilfreich und freundlich entgegen. Auch in Wien bekommt er Hilfe, Wohnung, Zugkarte und kann Zeichnungen verkaufen.
Die Situationen die ihm dann in Schweden Probleme machen sind eher als Kulturunterschied zu sehen ? Wenn er Floskeln über das Wetter für Small Talk, ernst nimmt, oder Worte so vermischt, daß sie als Beleidigungen verstanden werden. Aber er lernt die Sprache und wird so ernst genommen, daß er als Zeichenlehrer arbeiten kann. Spät lebt er dann die Spiritualität mit Yoga und Meditation, die eigentlich mit Indien assoziiert wird.
In Summe ein wunderbares Buch das ich sehr genossen habe, vor allem weil es positiv stimmt. Diese Freude wünsche ich auch anderen Leserinnen und Lesern !
Per J. Andersson wurde 1962 in Halstahammar (Provinz Västmanland/ Schweden) geboren. Er ist Mitbegründer von Schwedens bekanntestem Reisemagazin Vagabond und viel gereist.
"Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" - eine wahre Geschichte
original "New Delhi - Bords"
2013
Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
2015, Kiepenheuer & Witsch
312 Seiten + 12 Seiten Photos in sw
ISBN 978-3-462-04747-9
Pikay ist der jüngste Sohn einer Familie der Kaste der Dalait im indischen Bundesstat Orissa (seit 2011 Odisha). Er wächst geliebt und behütet auf; erst in der Schule lernt er was er als Kastenausgestossener alles nicht darf und muß brutale Zurückweisungen erfahren. Ihm wird die Schulausbildung ermöglicht, und ein Lehrer erkennt, wie grandios er zeichnet und daß er auf die Kunsthochschule in Delhi soll. Da die Stipendienzahlungen ausfallen, zeichnet er am Springbrunnen Porträits. Dadurch und durch Freunde kann er im wahrsten Sinne überleben. Es ist die Zeit der 70-er Jahre in denen Indira Ghandi erstmals regiert und europäische und amerikanische Jugendliche die Spiritualität Indiens bereisen und besuchen kommen. Hier kommt auch Lotta aus Schweden, die eine Parallelität zwischen einigen schwedischen und indischen Stoffmustern erkennt und den mittlerweile berühmten Zeichner am Brunnen kennenlernt.
Im zweiten Teil des Buches reist Pikay zuerst mit dem Fahrrad durch Pakistan, dann dem Iran, und mithilfe von Freunden weiter nach Istanbul, dort wieder mit Hilfe weiter nach Wien, und dann wieder mit Hilfe weiter nach Schweden. Dort bauen er und Lotta wirklich ein gemeinsames Leben inkl. Heirat und Kinder auf, wobei er beruflich wieder seine künstlerische Seite lebt.
Da Buch liest sich wie eine Art Märchen in dem zwar einige Menschen nicht angenehm sind, aber auch auch wieviele freundlich sind und weiterhelfen.
Von Indien wird der Bundesstaat Orissa geschildert mit seinem unterschiedlichen Kastenwesen, den Trennungen zwischen Waldmenschen die mit den Göttern und Geistern des Waldes vertraut sind aber von allen anderen mißtrauisch bis abwertend behandelt werden, und dann der großen Stadt Delhi mit den vielen unterschiedlichen Menschen aber einem gemütlichen Café mit offenherzigen Menschen die ihn einladen, seine Zeichnungen schätzen und weiterhelfen. Durch die Zeichnungen öffnen sich manche Pforte für ihn bis hinauf zu Indira Ghandi.
Ihm immer wieder seine Nicht-Kaste vorgehalten, auch wenn offiziell das Kastenwesen abgeschafft wurde. Für andere Menschen, v.a. in Künstlerkreisen, ist dieses Schachteldenken nicht vorhanden.
Durch seine Zeichenkenntnisse und gewinnende Art gelingt es ihm bei der Reise durch Pakistan, und Afghanistan auf dem Rad durchzuhalten und sich weiterhelfen zu lassen. Es ist faszinierend zu lesen wie Pikay damals Pakistan und Afghanistan Mitte der 70-ger Jahre schildert, vor allem wenn man sich die aktuellen polisch-verfeindeten Verhältnisse ansieht. Auch im damaligen Persien / heute Iran kam man ihm hilfreich und freundlich entgegen. Auch in Wien bekommt er Hilfe, Wohnung, Zugkarte und kann Zeichnungen verkaufen.
Die Situationen die ihm dann in Schweden Probleme machen sind eher als Kulturunterschied zu sehen ? Wenn er Floskeln über das Wetter für Small Talk, ernst nimmt, oder Worte so vermischt, daß sie als Beleidigungen verstanden werden. Aber er lernt die Sprache und wird so ernst genommen, daß er als Zeichenlehrer arbeiten kann. Spät lebt er dann die Spiritualität mit Yoga und Meditation, die eigentlich mit Indien assoziiert wird.
In Summe ein wunderbares Buch das ich sehr genossen habe, vor allem weil es positiv stimmt. Diese Freude wünsche ich auch anderen Leserinnen und Lesern !
Per J. Andersson wurde 1962 in Halstahammar (Provinz Västmanland/ Schweden) geboren. Er ist Mitbegründer von Schwedens bekanntestem Reisemagazin Vagabond und viel gereist.
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Samstag, 9. April 2016
Antal Szerb : "Reise im Mondlicht"
Antal Szerb :
"Reise im Mondlicht"
Roman
original "Utas és holdvilág"
1937, Révai, Budapest
aus dem Ungarischen von Christina Viragh
2003, Deutscher Taschenbuch Verlag
250 Seiten + 3 Seiten Nachwort von Péter Esterházy
ISBN 3-423-24370-8
Der Roman startet mit der Hochzeitsreise von Mihály und Erszi nach Italien. Erszi war bereits verheiratet gewesen und freut sich in der Ehe mit dem besonnen Mihály auf ein geregeltes Leben. Ein Jugendfreund von ihm taucht auf und ab nun diktiert die Vergangenheit sein Leben: er erzählt seiner Frau von der Jugendclique mit Evá, Tamás, Ervin und János, deren intellektuellen Spielchen und der Todessehnsucht von Tamas, der dieser später nachgeben wird. Ervin liebt Eva, entscheidet sich dann für das das Leben als Mönch, wo ihm Mihaly prompt begegnet. Auch Eva ist plötzlich da.
Erzsi zieht nach Paris, lernt dort einen faszinierenden Perser kennen und entscheidet sich dann doch wieder für ihren Ex-Mann Zóltan, der ihr das Leben bietet das sie gewohnt ist, und der sein Leben immerhin in die Hand nimmt, im Gegensatz zu fremdbestimmten Mihaly.
Spannend ist die Schilderung der Personen : Mihaly läßt sich treiben und beeinflussen, solange die Person die ihm was sagt stark genug ist und versieht somit seine Arbeit in der väterlichen Firma mit Pflichtgefühlt, sonst sieht er sich lieber die Gegend an; Erszi dürfte eine schöne Frau sein, die Luxus schätzt und das Gefühl verwöhnt zu werden, aber auch ihr wird zuviel daß Mihaly Eva noch immer liebt und wenig eigenen Antrieb hat; Zoltan ist bürgerlicher und brilliant-durchtriebener Geschäftsmann der zwar nur seinen Geldes wegen geschätzt wird, Erzsi aber trotz seiner Seitensprünge immer noch liebt; Eva dürfte eine wunderschöne charismatische und eigenwillige Frau sein, die nach der tiefen Verbindung zu ihrem Bruder auf der Suche nach einem ebenso zu tiefen Gefühl ist; Ervin ist die Figur die am extremsten handelt und ändert als er vom Judentum zum Katholizismus übertritt, der Liebe zu Eva abschwört und statt dessen weiser charismatischer aber leider körperlich kranker Franziskanermönch wird; Janos ist ein unsympathischer etwas provozierender Mensch; Millicent beglückt Mihaly einige Zeit lang und ist als dummes reiches aber liebenswertes Geschöpf geschildert; Sarí eine Freundin von Erzsi hilft ihr in Paris zu überleben, und ist bodenständig und humorvoll gezeichnet; Waldheim, ein Studienkollege von Mihaly ein Wissenschaftler über Religion/Spiritualität der gut lebt, Frauen liebt, und Mihaly hilft einiges an Werten wieder zusammenzurücken.
Auch wenn sich die vielen Ungarn nur in Italien und dann in Paris treffen, spielt der Roman hauptsächlich in Italien. Es wird die Toskana mit ihren Kulturschätzen, Landschaften und Klöstern und später Rom mit dem Trastevere Viertel, Friedhöfen, Hügel mit Amphorenscherben, billigen Tavernen + Hotels und einfachen bis armen Menschen geschildert. Bei den Beschreibungen in Italien gibt es schöne Passagen in den das Licht daß durch die Landschaft fällt erzählt wird.
Realistisch wird in dem Roman angesprochen, daß man Geld zu zahlen der Lebensnotwendigkeiten braucht und wie Erzsi in Paris überlebt, wie sich Mihaly durchs Leben in Italien schnorrt und die Winkelzüge von Zoltan und Janos laufen bis zum Vater Mihalys der plötzlich auftaucht, alles zahlt und dann den Sohn nach Budapest retour nimmt.
Der Roman ist schön geschrieben. Der Autor nimmt sich die Zeit Szenerien zu beschreiben ohne sich zu hetzten aber auch ohne langatmig zu werden. Immer wieder sind schöne für heute fast bisserl altvatrische Worte verwendet (ob das an Autor oder Übersetzerin liegt kann ich nicht entscheiden), die die Stimmung sehr schön einfangen.
Für Leser und Leserinnen die sich die Zeit für ein Buch nehmen können und wollen, ist das Buch genau richtig. Viel Freude damit !
Antal Szerb wurde am 1. Mai 1901 in Budapest geboren. Er studierte in Graz klassische und moderne Philologie und in Budapest Hungarologie, Germanistik und Anglistik. Zuerst arbeitete auf Studienreisen in Italien und Frankreich, dann in London; später als Lehrer für Ungarisch und Englisch. 1937 schaffte er es zu habilitieren, und auf der Uni zu lehren bis er zum Arbeitsdienst verpflichtet wurde. Er wurde am 27. Jänner 1945 im Lager Balf (Gebiet Sopron-Fertöd/West-Ungarn) erschlagen.
Als Schriftsteller schrieb er unter seinen eigenen Namen und auch unter dem Pseudonym A. H. Redcliff. 1934 erschien seine 'Ungarische Literaturgeschichte', 1938 seine Romantheorie, 'Die Suche nach dem Wunder. Umschau und Problematik in der modernen Romanliteratur' (unter dem eingedeutschten Namen Anton Szerb). 1941 wurde seine Literaturgeschichte der Welt veröffentlicht.
"Reise im Mondlicht"
Roman
original "Utas és holdvilág"
1937, Révai, Budapest
aus dem Ungarischen von Christina Viragh
2003, Deutscher Taschenbuch Verlag
250 Seiten + 3 Seiten Nachwort von Péter Esterházy
ISBN 3-423-24370-8
Der Roman startet mit der Hochzeitsreise von Mihály und Erszi nach Italien. Erszi war bereits verheiratet gewesen und freut sich in der Ehe mit dem besonnen Mihály auf ein geregeltes Leben. Ein Jugendfreund von ihm taucht auf und ab nun diktiert die Vergangenheit sein Leben: er erzählt seiner Frau von der Jugendclique mit Evá, Tamás, Ervin und János, deren intellektuellen Spielchen und der Todessehnsucht von Tamas, der dieser später nachgeben wird. Ervin liebt Eva, entscheidet sich dann für das das Leben als Mönch, wo ihm Mihaly prompt begegnet. Auch Eva ist plötzlich da.
Erzsi zieht nach Paris, lernt dort einen faszinierenden Perser kennen und entscheidet sich dann doch wieder für ihren Ex-Mann Zóltan, der ihr das Leben bietet das sie gewohnt ist, und der sein Leben immerhin in die Hand nimmt, im Gegensatz zu fremdbestimmten Mihaly.
Spannend ist die Schilderung der Personen : Mihaly läßt sich treiben und beeinflussen, solange die Person die ihm was sagt stark genug ist und versieht somit seine Arbeit in der väterlichen Firma mit Pflichtgefühlt, sonst sieht er sich lieber die Gegend an; Erszi dürfte eine schöne Frau sein, die Luxus schätzt und das Gefühl verwöhnt zu werden, aber auch ihr wird zuviel daß Mihaly Eva noch immer liebt und wenig eigenen Antrieb hat; Zoltan ist bürgerlicher und brilliant-durchtriebener Geschäftsmann der zwar nur seinen Geldes wegen geschätzt wird, Erzsi aber trotz seiner Seitensprünge immer noch liebt; Eva dürfte eine wunderschöne charismatische und eigenwillige Frau sein, die nach der tiefen Verbindung zu ihrem Bruder auf der Suche nach einem ebenso zu tiefen Gefühl ist; Ervin ist die Figur die am extremsten handelt und ändert als er vom Judentum zum Katholizismus übertritt, der Liebe zu Eva abschwört und statt dessen weiser charismatischer aber leider körperlich kranker Franziskanermönch wird; Janos ist ein unsympathischer etwas provozierender Mensch; Millicent beglückt Mihaly einige Zeit lang und ist als dummes reiches aber liebenswertes Geschöpf geschildert; Sarí eine Freundin von Erzsi hilft ihr in Paris zu überleben, und ist bodenständig und humorvoll gezeichnet; Waldheim, ein Studienkollege von Mihaly ein Wissenschaftler über Religion/Spiritualität der gut lebt, Frauen liebt, und Mihaly hilft einiges an Werten wieder zusammenzurücken.
Auch wenn sich die vielen Ungarn nur in Italien und dann in Paris treffen, spielt der Roman hauptsächlich in Italien. Es wird die Toskana mit ihren Kulturschätzen, Landschaften und Klöstern und später Rom mit dem Trastevere Viertel, Friedhöfen, Hügel mit Amphorenscherben, billigen Tavernen + Hotels und einfachen bis armen Menschen geschildert. Bei den Beschreibungen in Italien gibt es schöne Passagen in den das Licht daß durch die Landschaft fällt erzählt wird.
Realistisch wird in dem Roman angesprochen, daß man Geld zu zahlen der Lebensnotwendigkeiten braucht und wie Erzsi in Paris überlebt, wie sich Mihaly durchs Leben in Italien schnorrt und die Winkelzüge von Zoltan und Janos laufen bis zum Vater Mihalys der plötzlich auftaucht, alles zahlt und dann den Sohn nach Budapest retour nimmt.
Der Roman ist schön geschrieben. Der Autor nimmt sich die Zeit Szenerien zu beschreiben ohne sich zu hetzten aber auch ohne langatmig zu werden. Immer wieder sind schöne für heute fast bisserl altvatrische Worte verwendet (ob das an Autor oder Übersetzerin liegt kann ich nicht entscheiden), die die Stimmung sehr schön einfangen.
Für Leser und Leserinnen die sich die Zeit für ein Buch nehmen können und wollen, ist das Buch genau richtig. Viel Freude damit !
Antal Szerb wurde am 1. Mai 1901 in Budapest geboren. Er studierte in Graz klassische und moderne Philologie und in Budapest Hungarologie, Germanistik und Anglistik. Zuerst arbeitete auf Studienreisen in Italien und Frankreich, dann in London; später als Lehrer für Ungarisch und Englisch. 1937 schaffte er es zu habilitieren, und auf der Uni zu lehren bis er zum Arbeitsdienst verpflichtet wurde. Er wurde am 27. Jänner 1945 im Lager Balf (Gebiet Sopron-Fertöd/West-Ungarn) erschlagen.
Als Schriftsteller schrieb er unter seinen eigenen Namen und auch unter dem Pseudonym A. H. Redcliff. 1934 erschien seine 'Ungarische Literaturgeschichte', 1938 seine Romantheorie, 'Die Suche nach dem Wunder. Umschau und Problematik in der modernen Romanliteratur' (unter dem eingedeutschten Namen Anton Szerb). 1941 wurde seine Literaturgeschichte der Welt veröffentlicht.
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