Sonntag, 5. Januar 2014

Sabina Naber : "Marathon-duell"

Sabina Naber :
"Marathon-Duell" - Erster Fall für Mayer & Katz
2013, Gmeiner Verlag
358 Seiten + 4 Seiten Glossar Wiener Ausdrücke
ISBN 978-3-8392-1379-3

Während des Wiener Marathons wird eine unschöne, reiche Frau ermordet. Das neue Team Katz und Mayer ermittelt und untersucht wie der geschickte, brutal klare Mörder sein Alibi getrickst hat. ein Tip: es immer praktisch auch einen laufenden Zwillingsbruder zu haben.

In den Kapiteln wird gesprungen - es wird nicht chronologisch erzählt wie Katz, und unabhängig davon der Mörder den Marathon laufen und alte Kindheitstraumata Revue passieren lassen, und wie das Team Katz & Mayer ermittelt.
Daniela Mayer hat parallel eine zu Ende gehende Beziehung mit einer wunderschönen, aber dummen Frau zu verarbeiten. Und die Probleme dieses Privatleben vor dummen, chauvinistischen Kommentaren zu schützen.

Die Kapitel über das Marathonlaufen und wie man durchhält, und welche Tricks die Läufer und Läuferinnen anwenden, ist für jeden halbwegs sportlichen Menschen der bei Wettbewerben durchhalten möchte, interessant mitzulesen.

Die Geschichte ist gut geschrieben, und spannend. Leider ist die Sprache und die Art und Weise der Sprüche nicht so angenehm. Die Ansagen und tiefen Sprüche über Frauen, egal ob Lesben oder hetero-erotischer Frauen, sind herabwürdigend und nicht unterhaltend. Schade, denn der Plot macht neugierig und bringt zum Weiterlesen.

Sabine Naber wurde 1965 in Niederösterreich geboren. Sie studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Geschichte. Sie arbeitete als Journalistin, Regisseurin, Schauspielerin und startet 2002 mit dem Geschichten und Krimi schreiben. 

Montag, 30. Dezember 2013

Stefan Zweig : "Brasilien"

Stefan Zweig :
"Brasilien" - Ein Land der Zukunft
1941 erstmals bei Bermann-Fischer Verlag AB, Stockholm erschienen
Insel Taschenbuch 4208
2013, Suhrkamp Berlin
275 Seiten
13 Seiten Einleitung von Stefan Zweig
13 Seiten Nachwort von Volker Michaels, Frankfurt a. Main 1994
ISBN 978-3-458-35908-1

Das Buch ist ein wunderbares Buch mit wunderschöner Sprache, schönen Bildern im Kopf und spannend geschrieben. Der Roman eignet sich weniger zum Querhinunterlesen sondern es ist schöner hier die Sätze, Metaphern bewußt und konzentriert zu lesen, auch wenn das mehr Zeit benötigt.

Vor allem die Geschichte grandios erzählt. Auf diesen Teil wieder immer wieder zurückgegriffen, wenn die Wirtschaft extra erzählt wird oder einzelnen Städte in ihrem auf und ab mit der Entwicklung der Rohstoffe wie Kautschuk, Kakao oder Kaffee reflektiert. Am willkürlichsten liest sich der Teil als der Goldrausch ausgebrochen war, und zwei Generationen später bereits erloschen war.

Die ersten 80 Seiten Geschichte sind spannend erzählt. Fast so spannend wie ein gut geschriebener Thriller. Brasilien wurde meist in Ruhe gelassen, die hohen Erwartungen die an die von den Spaniern entdeckten Länder gerichtet waren und zu derem raschen kulturellem Ruin führten, fand hier nicht statt. Dafür haben hier die Jesuiten über Generationen viel an Schulung durchgeführt, die später von den eigenen Landsleuten durch Menschenraub zunichte gemacht wurde. Dann kam interimistisch der portugiesische Königshof um den europäischen Wirren zu entfliehen. Für Rohstoffgewinnung brachten später Schiffe ladungenweise Arbeiter aus Afrika. Zuwanderer kamen aus Deutschland, Holland etc ..

Das Völkergemisch aus ausgewanderten und angelieferten Menschen bietet ein vielfältiges Kulturangebot, das sich Kirchen der verschiedensten Ausstattungen wiederspiegelt. Wie Stefan Zweig die vielen unterschiedlichen Kirchen in Bahia, 'der alten Dame', beschreibt macht Freude zu lesen.

Stefan Zweig betrachtet Literatur, Lyrik, Musik,  Architektur, das reiche Pflanzenangebot und die Freundlichkeit der Menschen und im Miteinander. Er sah sich Kaffee und Kautschukplantagen an, und auch den damals aktuellen Stand der Goldgewinnung. Hier war er enttäuscht, denn keine Sinnlichkeit war zu spüren, obwohl so viel Arbeit in der Gewinnung steckt, die dann wegegesperrt wird

Hochinteressant ist zu lesen wie er Rio de Janeiro, Sao Paolo, Bahia, die Goldstädte, Recife in ihren Unterschiedlichkeiten vergleicht und auch Lebensqualität wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und kulturelle Umgebung eingeht.

Das Buch ist nicht unumstritten. Teilweise wird behauptet, daß das Buch quasi ein Auftragswerk im Gegenzug zum guten Leben in Brasilien sei. Im Nachwort ist vermerkt, daß Zweig vorgeworfen wurde zu positiv über Brasilien schrieb und die durchaus existierenden Probleme schön schrieb. Bei den Absätzen in denen er die Favelas in Rio pitturesk beschreibt und die Neger (er verwendet das Wort) so nett und freundlich und unbekümmert ihre Blechbehausungen gelassen von einem Hügel auf den anderen tragen, versteht man diese Überlegungen.

Vorwort und Nachwort sind hier absolut empfehlenswert ebenfalls zu lesen. In Summe ein großartiges Buch, das ich großteils genossen habe. Viel Muße und Freude beim Lesen !

Stefan Zweig wurde am 28. November 1887 in Wien geboren. Er war rasch als Romancier anerkannt und seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt. Er reiste viel und lernte über den PEN-Club Brasilien kennen. Als der von ihm initiierte Verlag nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten seine Werke nicht mehr drucken durfte, und es auch in Österreich (Zweig lebte in Salzburg) eng wurde, nahm er die Einladung in Brasilien zu leben - nach Scheidung für Neuvermählung - an. Trotzdem nahm er sich 1942 in Petrópolis, Brasilien, das Leben.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Pablo Tusset : "Im Namen des Schweins"

Pablo Tusset :
"Im Namen des Schweins"
2006, Ediciones Destino, S.A. Barcelona
im Original "En el nombre del cerdo"
aus dem Spanischen von Ralph Amann
2009, Heyne Taschenbuch Verlag
559  Seiten
ISBN 978-3-453-81176-8

Dieser durchaus dicke Roman beginnt wie ein Krimi mit dem Auffinden einer ziemlich grauslich zerstückelten Leiche. Dann wird in zwei parallel laufenden Geschichten vom dicklichen Comissario Pujol, der kurz vor seiner Pensionnierung steht und einen zweiten Frühling mit seiner eigenen Frau erlebt. Die andere Geschichte handelt von seinem Ziehsohn Thomas, den jeder auch er sich selber nur 'T' nennt. Sein Ziehvater hat ihn zum Inspector ausbilden lassen, und der Hauptkommissar ist der einzigem dem er soetwas wie Liebe entgegen bringt. Frauen bekommen seine Fixierung auf eine Bellini - Madonna bisweilen sehr schmerzhaft ab.
'T' wird undercover zum Dorf des Leichenfundes gebracht. Er soll dort einem Dichter und wichtigen Wirtschaftsmann und nebenbei der Dorfstruktur auf die Schliche kommen. Er ist dort als 'P', als Pedro, bekannt. Das Ende ist anders als erwartet.

Orte der Handlung sind der neue Polizeibau in Barcelona, Calabrava, ein Hügel in Katalonien und New York. Innenausstattung und Örtlichkeiten sind anschaulich, aber nicht mühsam geschildert.

Hauptkommissar Pujol wird mit viel Humor geschildert. Wenn er Kassetten mit Musik kaufen möchte, und ihm ein vorlauter schwuler Verkäufer frech eine CD mit guter Pop-musik verkauft. Auch die ätzenden Bemerkungen des jungen Mannes über Kleidung machen ihn gewissen Kleidungsvorschriften offener und auch bereit dem Leben mit Freunde zu begegnen. Kleidung, Frisur, ein CD-player und eine neues Auto irritieren seine Frau kurz, dann macht sie freundlich mit.

'T' ist eher düster geschildert, wie er die Straßen New York durchläuft, die Billigläden nach Markenware durchforstet und in der Liebe Schiffbruch erleidet. Gruselig ist wie 'P' im Dorf dann auf 'T' trifft und sich die Bilder aus New York, die Flugzeugeinstürze in die Tower, und Balkon und Landschaft des Kaffs in Katalonien durcheinander schieben.

Eigentümlich ist die Beschäftigung mit dem Zettel in der Leiche, der der Titel des Buches ist. Und daraus folgend das Lesen eines GEdichtes, das der wichtige Wirtschaftsmann des Kaffs geschrieben hat. Mühsam werden Stilformen und Ergänzungen herausgearbeitet.

Der Roman ist spannend geschrieben, aber die Zeilen sind genau zu lesen. Das Buch ist empfehlenswert für alle neugierigen Leser und Leserinnen.

Pablo Tusset ist das Pseudonym für David Homedes Cameo, der 1965 in Barcelona geboren wurde. Über seine Vita ist wenig bekannt. Eine Quelle meint er sei Informatiker, eine andere vermutet, daß er eine Bar oder sonst etwas Gastronomisches betreibt, noch eine andere Quelle nennt die unterschiedlichsten Arbeitsarbeiten in seinem Leben. Sein erstes Buch "Das Beste was einem Croissant wiederfahren kann' wurde 2001 (spanisch und deutsch) veröffentlicht

Samstag, 30. November 2013

Franz Josef Weißenböck : "Mord im Parlament"

Franz Josef Weißenböck :
"Mord im Parlament" - ein konstruktivistischer Kriminalroman
'Eine Ungeheuerlichkeit'    
2011, Edition VA bENE, Klosterneuburg
255 Seiten
ISBN 978-3-85167-252-7

Thomas Thomas arbeitet im österreichischen Parlament. Einer seiner besten Freunde dort ist Franz Ferdinand Schwarzenberger, Pressechef und genauso wie er Freund und Verfechter guter schöner österreichischer Sprache. Ein Kriminologenkongreß ist geplant - genau an der Stelle an der Kriminologen aus Israel plaziert sein sollen, war ein Luster zerschellt. er Kongreß wird ins Parlament verfrachtet. Bevor die Mitglieder des Kongresses eintreffen wird ein Politiker ermordet im Keller aufgefunden. Dieser Politiker war gewieft im Anpassen an Politisches und hatte einen manifesten Ruf als Frauenheld. Polizist Hans Scherzer tritt auf - er hat auf Wunsch seiner Gattin deren Namen angenommen weswegen ihn Thomas nicht sofort als ehemaligen Klassenkollegen im humanistischen Gymnasium erkennt. Die Krimologen treffen ein - es sind die Protagonisten vieler Kriminalgeschichten von Commissarion Brunetti bis Mira Valevsyk, Benno Berghammer, Salvo Montalbano, Erlendur Sveinsson, Marga Zymsteyn und Kostas Charitos etc. Nach drei Tagen Diskussionen, Workshops und Theorien zu dem aktuellen Politikermord reisen die Herrschaften ab. Im Mord wird noch ermittelt.

In dem Buch das zwar ein Krimi ist, aber kein who-dunn-it ist werden viele unterschiedliche Themen und rote Fäden verfolgt.
Plot der zusammenhält sind der heruntergefallene Luster und der Mord. Den anderen Themen wird mehr Raum gewährt - bis auf die kurze Geschichte als der Mord inoffiziell geklärt wird.
Einigen Raum nehmen die Politiker, das sich zu wichtig fühlen der Mitglieder des Bundesrats, der Wankelmut in politischen Themen ein. Bösartig werden politische Diskussionen auf dieser Nebenbühne, dem Bundesrat, beschrieben, indem es einerseits um ein lächerliches Gesetz (Ausländer mit Linksbegabung und Linkshänderförderung mit grandioser Abkürzung) geht und andererseits nur inhaltlos, aber mit floskelgewaltig darum geht die eigene Existenz zu rechtfertigen.
Hobby von Thomas und Schwarzenberger ist Sprache. Beiden macht der Umgang Freude, bzw der Umgang in den Medien die der deutschen Sprache nicht mehr mächtig scheinen Kummer. Sie werfen sich lateinische und griechische Bibelübersetzungen an den Kopf und amüsieren sich dabei großartig.
Bei den Kriminologen ist es spannend und unterhaltsam wie diese hier geschildert werden: Der arme Brunnetti dem ein Philosoph den er nicht ausstehen kann angedichtet wurde, Laurenti der sich als Schöpfung mit italienischer Kunst wohlfühlen darf, Valevsyk die einen Spaghetti-disput vom Zaun bricht und eine Gruppe daheim bekocht. Thomas ist glücklich als er über Caravaggio reden darf. (ein ganzes Kapitel ist Caravaggio und Rembrandt gewidmet).

Das Buch ist nicht einfach zu lesen, da doch ein gerütteltes Maß an Allgemeinbildung und auch gelesenen & gemerkten Krimigestalten vorausgesetzt wird. Die lateinischen und griechischen Stellen sind netterweise fließend im folgenden Text zumindest ansatzhalber übersetzt, denn das Schullatein manches Lesers/mancher Leserin kann schon länger zurückliegen oder verschüttet sein.

Skurril sind Ansätze wenn zwei Disputanten nachfragen warum die griechischen Götter lächeln, und warum sie Trankopfer bringen. Sie sind doch unsterblich, warum bringen sie dann Opfer dar ? Oder wissen sie um die Totenwelt und es gibt keine Unsterblichkeit ?

Auf dem ersten Blatt des Buches verweist der Verlag darauf, "daß seine Bücher der alten Rechtschreibung folgen. Die Entscheidung bezieht sich auf die Sinnwidrigkeit der meisten neuen Regeln und darauf, daß sie sich gegen die deutsche Sprache selbst richten."
Im Absatz darunter der Hinweis, daß der Druck mit Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien, des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur etc ... erfolgte. Wenn das nicht Humor hat :-)

Die Kapitel haben tw. witzige Bezeichnungen  abseits der Zeitstruktur die an einem Samstag morgen beginnt, und dann die Woche davor beginnend mit Samstag schildert: 'Nil nisi bene de Carlo Malfatti', 'Small talk und Caravaggio', 'Pasta mit Hypothesen', 'Caravaggio gegen Rembrandt 1:0', 'Odysseus auf Scheria' und 'Das Lächeln de Mona Lisa'.

In Summe ein Buch das mir sehr gut gefallen hat, aber keines ist das sich rasch diagonal Lesen läßt. Viele sehr interessanten Themen sind angeschnitten über die bei Bedarf noch diskutiert werden kann. Ich überlege derzeit wem ich das Buch schenken kann, um ebenfalls die grauen Zellen zu trainieren. Viel Spaß !

PS: Poirot ist natürlich nicht bei dem Kriminologenkongreß; auch Miss Marple fehlt.


Franz Josef Weißenböck wurde 1949 in Neunkirchen (Niederösterreich) geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern: und  lebt in Wien und Niederösterreich. Eintritt ins Wiener Priesterseminar und Studium der Theologie an der Universität Wien, wo er 1979 mit einer praktisch-theologischen Arbeit über „Katholische Kirche und Öffentlichkeit“ zum Doktor der Theologie promoviert wurde. 1999 Abschluß einer Ausbildung zum systemischen Supervisor und Coach.
Parallel zum Studium zuerst frei-, später hauptberufliche Tätigkeit als Redakteur der katholischen Presseagentur Kathpress, dazwischen als Religionslehrer an einer Wiener Volksschule. Mitarbeit bei verschiedenen in- und ausländischen Print- und elektronischen Medien. Seit 1980 Arbeit in verschiedenen Ministerien (Gesundheit und Umweltschutz, Finanzen, Soziales), seit 1999 Chefredakteur des parlamentarischen Pressedienstes - bis 2011.

Buchveröffentlichungen bisher: „Übrigens. Gespräche mit großen Geistern aus sechs Jahrhunderten. Mit einem Vorwort von Adolf Holl.“ (Innsbruck 2005). „Coaching für Platon, Caesar, Ovid, Pilatus, Paulus, Konstantin. Mit einem Vorwort von Franz Fischler.“ (EDITION VA bENE 2008).  „
Handbuch der Kirchenspaltung.  Mit einem Vorwort von Weihbischof Helmut Krätzl und einem Gastkommentar von Dr. Walter Weiss" (EDITION VA bENE  ISBN 978-3-85167-231-2)

Donnerstag, 14. November 2013

James Bowen : "Bob, der Streuner"

James Bowen :
"Bob, der Streuner"
2012, Hodder & Stoughton Ltd
original "A Street Cat Named Bob"
Aus dem Englischen von Ursula Mensah
2013, Bastei Lübbe
245 Seiten + 2 Seiten Dank
ISBN 978-3-404-60693-1

Das Cover zeigt einen wunderschönen roten Kater mit blauem Schal. Dieser Kater ist Angelpunkt dieser wahren Katzengeschichte aus London.

James, Ex-junkie und Straßenmusiker findet im Frühjahr 2007 diesen verwahrlosten, halbverhungerten, verletzten roten Kater. Er kümmert sich um ihn, und möchte ihn wieder der gewohnten Freiheit zurückgeben. Der Kater will bleiben, und setzt sich durch (nona - sagt der Katzenliebhaber, der Katzen kennt). Und er bringt Struktur und Stabilität in das Leben des Menschen der sich schon aufgegeben hatte.

James ernährt sich und Bob zuerst als Straßenmusiker, dann als Zeitungsverkäufer. Die Einblicke in die Hintergründe der Abläufe und internen menschlichen Schwierigkeiten beim Verkauf einer Obdachlosenzeitung sind faszinierend. Beobachtungen wie sich die Menschen in der Wirtschaftskrise zwischen 2007 und 2009 ändern, ergänzen das Umfeld.
Stark ist, daß der Katzenmitbewohner durch die positive Reaktion der Umwelt auf den Kater wieder nette, hilfsbereite, freundliche Menschen kennen lernt; und damit lernt daß es doch Menschen gibt, denen er vertrauen kann.
Das Thema Rauschgift, seine Folgen für den Junkie aber auch für die Umwelt kommt oft vor. Die Ohnmacht der Familie nichts tun zu können und daß alles auseinandergleitet, wird genauso beschrieben, wie der systhematische Entzug, den James mithilfe seines sensiblen Katers auch schafft.
Witzig ist der Zeitbezug, daß schon längst Photos und Filmchens des Zeitungsverkäufers und seines Katers in den sozialen Medien sind, und erst Spanier ihn auf diese Bekanntheit aufmerksam machen.

Das Buch ist eine Geschichte für Advent oder Weihnachten, auch wenn nur ein Weihnachten beschrieben wird, und der rote Kater Bob anders als der weiße "Polar Bear" in "The Cat who came for Christmas" von Cleveland Armory, der wirklich zu Weihnachten ins Leben seines Autors tritt.

Die Geschichte ist einfach und unpretentiös geschrieben. Ohne viele Schnörkel, sondern die Geschichte wie sie abgelaufen war. Menschen die mit Katze & Kater leben / gelebt haben, werden durch Bobs Beschreibungen einiges wieder erkennen. Ein schönes Buch zum Verschenken - nicht nur an Katzenfans.

James Bowen wurde am 15. Jänner in Surrey (UK) geboren, lebte nach Scheidung der Eltern in Australien, zog 1997 nach London zurück, wo er seitdem lebt.
Co-Autor des Buches ist der Journalist Garry Jenkins, der ihn interviewt hatte und gemeinsam James' Geschichte aufschrieb.

Dienstag, 12. November 2013

Fernando Vallejo : "Die Madonna der Mörder"

Fernando Vallejo :
"Die Madonna der Mörder"
original "La Virgen de los Sicarios"
1994, Verlag Santilla, Santafé de Bogotá
aus dem kolumbianischen Spanisch von Klaus Laabs
2000, Paul Zsolnay Verlag Wien
161 Seiten
ISBN 3-552-04988-6

Ein älterer Herr, ein Grammatikprofessor, erlebt eine Liebe mit ein jungen schönen Mann mit grünen Augen. Alexis ist Mörder, er kommt aus einer der vielen Mörderbanden in Medellín und kann nichts anderes als punktgenau schießen. Der ältere Herr - Fernando - schildert seine Liebe zu dem Jungen, die Banden in Medellín, die Drogenkriege, das erschießen Pablo Escobars, das Bereichern mancher katholischer Herren damit sie nach Rom kommen dürfen, und immer wieder Gewalt bei der es einfach nur ums Behaupten geht. Die Gewalt trifft alle : Taxifahrer die zu laut Musik hören, Taxifahrer die leider etwas gesehen haben, faule Serviererinnen, Schwangere die zufällig auf der Straße sind etc. Als Alexis erschossen wird, bringt er in noch rasch in ein Krankenhaus und vergräbt sich dann. Später trifft er Wilmar, auch ein schöner Junge mit grünen Augen, der Mörder ist. Ihm wird offenbart, daß er Alexis umgebracht hat. Er kann den Grund akzeptieren und möchte raus aus der Stadt - gemeinsam mit Wilmar. Leider ist eine Kugel rascher und trifft den jungen Mann. Jetzt geht er alleine aus der Stadt.

Das Buch ist in Ich-form aus der Sicht des älteren Herrn, dem die Musik zu laut, die Fernsehserien zu dumm, die Polizisten zu bestechlich und die katholischen Kirchenmänner zu raffgierig und zu wenig menschlich sind. Die Kirchen sind das einzig beständige. Dorthin geht er alleine oder gemeinsam. Manche Kirchen liebt er weil dort 'sein' Gott ist, andere sind so leblos, daß er 'seinen' Gott dort nicht vermutet.

Die Gewalt, die Drogenkriegen, die Bandenkriege, Beobachtungen über Viertel in Medellín die man besser nicht betritt werden klar, sachlich und ohne moralische Bewertung geschrieben. Kühl werden Gemetzel zwischen Banden vor Kirchen erzählt - inklusive Kollateralschaden, denn die Menschen die es zufällig auch erlegt, zählen nicht.
Für die Jungen, die Mörder, sind nur Markenwaren wie Jeans, Schuhe, Leiberln, Stereoanlage und Riesenfernseher wichtig; und Kühlschränke - die amerikanischen die Eis machen können.

Die Metaphern bringen mitunter zum Schmunzeln, wenn er z.B. einen lauten Fernseher tollwütig nennt.

Mich hat das Buch fasziniert. Ich habe dann wieder einiges über die Zeit der 90-er Jahr in Kolumbien nachgelesen. Der Stil ging mir unter die Haut. Ich kann den Roman nur empfehlen.

Fernando Vallejo wurde am 24. Oktober 1942 in Antioquia, einem Teilbezirk von Medellín geboren. Er studierte Biologie. Nachdem er einen Film über die Gewalt in Kolumbien in Mexico gedreht hatte, zog er 1971 wegen Schwierigkeiten in Kolumbien nach Mexico. 2007 wurde er mexikanischer Staatsbürger. Er hat Biographien geschrieben, Romane, über Grammatik und diverse hochdotierte renommierte Preise erhalten. Und er ist Filmemacher.

Mittwoch, 6. November 2013

Jean-Yves Ferri + Didier Conrad: Asterix bei den Pikten (Band 35)

Jean-Yves Ferri + Didier Conrad: Asterix bei den Pikten (Band 35)
original "Astérix chez les Pictes"
2013, Editions Albert René
aus dem Französischen übersetzt von Klaus Jöken
2013, Egmont Comic Collection
46 Seiten
ISBN 978-3770436354

Endlich gibt es wieder einen - einen neuen Asterix Band ! Dieser, der 35. Band, gestaltet und geschrieben von einem neuen französischen Team, das von Albert Uderzo wohlwollend unterstützt wurde.

Die Geschichte ist unterhaltsam. Asterix und Obelix helfen einem gestrandeten Pikten (Schotten/Kaledonier) wieder nach Hause zu kommen - zu seiner großen Liebe, gegen einen bösen anderen Piktenclan und - nona - die Römer.

Das Dorf in Gallien ist intakt mit allen seit Jahrzehnten lieb gewonnenen Gestalten. Caesar weiterhin siegeswillig. Die verschiedenen Clane der Pikten ein Vergnügen zu lesen - inkl. dem Patchworkclan. Bei der Vorstellung der Familienangehörigen könnte so manche Whiskeymarke Pate gestanden haben (?).

Idefix bellt weiterhin alles an. Die Wollschafe der Schotten sind entzückend gezeichnet. Das bekannte schottische Seemysterium liebevoll mit Mustern versehen.

Seitenhiebe auf die Soldaten (stille Post), Volkszählungen, Manipulation in der Politik durch Malzwasser unterhalten bestens. Obelix genießt die fischreiche Ernährung.

Viel Spaß bei Kichern / Schmunzeln / Lachen und dann Weitererzählen :-)

Jean-Yves Ferri lebt seit seinem vierten Lebensjahr in Südwestfrankreich, im Départment Ariège. Er lernte mit Comics das Lesen und zeichnete bereits im zarten Alter von 11 Jahren seinen ersten Comic-Strip. 1995 begann seine Zusammenarbeit mit dem in Frankreich sehr bekannten Zeichner Manu Larcenet, als dessen Co-Autor und Szenarist er bis heute wirkt.
Didier Conrad wurde 1959 in der Mittelmetropole Marseille geboren. Seine ersten Cartoons veröffentlichte er 1973 im Magazin „Spirou“. Seitdem hat sich Conrad zahlreicher Comic-Serien angenommen und gilt als einer der erfahrensten Comic-Zeichner aus französischen Landen, der unter anderem für Disney und Dreamworks arbeitete. Unter Pseudonym zeichnete er die Abenteuer des jungen Lucky Luke („Lucky Kid“) und ab 2011 den „Marsupilami“-Ableger „Marsu Kids“.