Montag, 22. Februar 2021

Claudia Santana : "Der Tote von Sines"

Claudia Santana :
"Der Tote von Sines" - Inspector Cabral ermittelt
2020, Aufbau Taschenbuch Verlag
342 Seiten
ISBN 978-3-7499-3594-1

Inspector Nuno Cabral muß aus privaten Gründen in den Alentejo. Beruflich muß er gerade eine Pause machen, was niemanden in seinem Heimatort interessiert da eine häßlich ermordete Leiche gefunden wurde. Ein Netzwerk aus älteren Damen und Herren hilft ihm mehr oder weniger auffällig den Hintergrund des Opfers und aktuelle Immobilienverstrickungen aufzudecken. Auch eine junge Frau die überlegt als Journalistin zu arbeiten hift ihm manchmal freundlich, manchmal unfreundlich weiter. Nebenbei wird ihm die Chance gewährt sich bei einem alten Rivalen innerhalb der Polizei zu rächen. Der Hintergrund des Mordes liegt in einem grauslichen Kapitel Portugals im Umgang mit Regime.gegnern und Kapverde und Angola.

Cabral wird als Mitte 30 und sehr eigen in Kleidung geschildert. Seine Umgangsformen sind unhöflich bis ruppig, ohne die Bereitschaft etwas zu ändern. Die Menschen seines Netzwerks sind im Gegensatz zu ihm freundlich, tolerant, und mehr als hilfsbereit geschildert. Die Selbstverständlichkeit dieser dörflichen Gemeinschaft ist faszinierend geschildert. Gewissen Fußball-Jargon mußte ich aber überlesen.

Orte sind ein kleines Dort und die Küste mit der Kraft des Meeres, und bizarren Felsen.

Bei Schilderung des relevanten Hintergrunds sind große zwischenmenschliche Grausamkeiten beschrieben, die sehr unter die Haut gehen.

Das Buch ist Großteils sehr gut zu lesen und ich habe es genossen; die Grobheit der Hauptperson hat mich allerdings abgestoßen. Trotzdem viel Spaß beim Lesen !

Claudia Santana wurde in Hamburg geboren. 2009 war sie zum ersten Mal nach Portugal, und lernte Mann, Menschen, Kultur und Geschichte des Landes lieben

Samstag, 6. Februar 2021

Bernhard Görg : "Dürnsteiner Würfelspiel"

 Bernhard Görg :
"Dürnsteiner Würfelspiel" - ein Wachau-Krimi
2017, edition a, Wien
266 Seiten + vereinfachte Karte von Dürnstein und Rossatzbach in der vorderen Buch-Innenseite + vereinfachte Karte von Mautern und Unterloiben in der hinteren Buch-Innenseite
ISBN 978-3-90320-005-0

Eine Leiche in einem Weingarten bei Krems wird gefunden. Die Leiterin der Kremser Mordkommission Doris Lenhart muß nicht nur ermitteln, sondern sich auch mit einem aalglatten politischen Vorgesetzten auseinander setzen. Sie und Stellvertreter 'Spencer' ermitteln bei einer kurvigen Gemeinderätin, einem Chirurgen, einem Anästhesisten und brauchen leider auch die Mitarbeit eines einfachen Polizisten, der einige Schwierigkeiten verursacht. Mühsam und trotz der Schikanen des neuen Vorgesetzten recherchieren sie in der Vergangenheit um Kindergrausamkeiten und ein Würfelspiel aufzudecken.

Wenn man sich in der Gegend Krems, Stein, Mautern, Rossatzbach etc auskennt macht das Lesen Spaß, da als Leseratte möglich geistig mitzufahren.  

Die Personen der Handlung und auch kurzzeitige Nebenpersonen sind mit Humor und Einfühlungsvermögen geschildert und bringen zum Schmunzeln. Bei Schilderung des schmierigen ehrgeizigen Vorgesetzten und seinen Intrigen wäre interessant zu wissen ob es hier eine konkrete Vorlage gab, die es zu karikieren galt.

In Summe ein gut zu lesender Krimi, dessen Stärke meiner Ansicht nach bei den Personenbeschreibungen ist. Viel Spaß beim Lesen !

Bernhard Görg wurde am 9. Februar 1942 in Horn in Niederröstereich geboren.  Er studierte Geschichte und Jus in Wien. Er arbeitete bei IBM, später für die ÖVP, wobei er zwischen 1996 und 2001 Vizebürgermeister von Wien war. Nach dem Ausscheiden aus der Politik begann seine Karriere als Sachbuch- und Krimiautor.

Samstag, 30. Januar 2021

Heide Schmidt : "Ich sehe das so"

 Heide Schmidt :
"Ich sehe das so" - "Warum Freiheit, Feminismus und Demokratie nicht verhandelbar sind"
2020, Christian Brandstätter Verlag Wien
167 Seiten
ISBN 978-3-7106-0485-0

Dr. Heide Schmidt beschreibt hier in fünf Kapiteln daß und wieso ihr das Engagement für Demokratie und demokratische Prozesse so wichtig ist. 

In einem starken Gemisch aus nüchternen Erklärung und doch starkem Engagement tritt sie für aktive demokratische Prozesse, offenen respektvollen Diskurs mit anders denkenden Menschen egal welchen Hintergrunds ein.
Sie geht auf ihre Zeit bei der FPÖ ein, beleuchtet die Arbeit gemeinsam mit Jörg Heider, dessen Weg zum BZÖ wird aber nicht genannt.

Sehr kritisch sieht sie die das Krisenmanagement durch den Virus in Österreich und vergleicht ihn mit Deutschland.

Sie tritt auch für gleiche Bezahlung gleichwertiger Arbeit von Männern und Frauen ein, und führt hier den Vergleich körperlicher Belastung von Schwerarbeitern und Pflegekräften an. Auch für sie sieht Frauenarbeit oft strukturell schlechter bezahlt, obwohl sie zugibt damit nicht konfrontiert gewesen zu sein. Mir fehlt der Bezug, daß Frauen aufgrund möglicher Schwangerschaft schlechtere Berufschancen haben.

Sie geht auch auf das Thema bedingungsloses Grundeinkommen ein, daß über dem Mindesteinkommen sein sollte, da sonst niemand mehr arbeiten geht.

Die Überlegungen sind sehr interessant und fordern Mitdenken heraus. Ich konnte das Buch nur seitenweise lesen - bei manchen Absätzen mußte ich länger verweilen um den Gedankengängen zu folgen.

In dem Buch fehlt mir ein kleiner Abschnitt über die Autorin, der sonst immer im kleinst-punkt-größe zu Lesen ist.

In Summe ein hochinteressantes Buch das Gedanken und Werte hinterfragt und zu aktiver Demokratie bzw zum Einfordern eines respektvollen Miteinanders in einer Demokratie aufruft. Fast ein Pflichtbuch in Zeiten von Corona und Beschränkungen !

Heide Schmidt, geb. Kollmann wurde am 27. November 1948 in Kempten im bayerischen Allgäu geboren. Als Kleinkind kam sie nach Wien, studiert hier Jus (Abschluß mit Dr juris ab) und später Wirtschaftswissenschaften. Sie arbeitete bei der Volksanwaltschaft, beim Österreichischen Rundfunk. Als Mitglied der FPÖ war sie im österreichische Parlament tätig. 1993 trat sie aus der FPÖ aus, und gründete gemeinsam mit vier anderen Abgeordneten das Liberale Forum. Das LIF war bis 1999 im österreichischen Parlament. Sie engagiert sich jetzt im sozialen und demokratie-politischen Bereich.

Freitag, 15. Januar 2021

Veit Heinichen : "Borderless"

 Veit Heinichen :
"Borderless" - Thriller
2020, Piper Verlag
458 Seiten
ISBN 978-3-492-31608-8

Xenia Ylenier Zannier ist eine eigenwillige Polizistin, Commissario, die in Grado versucht einer skrupellosen Politikerin endlich das Handwerk zu legen. Diese Politikerin ist mit ehemaligen Handlangern aus der yugoslawischen Zeit im Waffengeschäft, bereichert sich an Flüchtlingsdramen und Immobiliendeals. In Grado taucht auch ein deutscher hochrangiger - machtbesessener und intriganter - Beamter auf, der sich bereichert, und dessen Frau aus dem ehemaligen Bereich Yugoslawien stammte. Eine ehemalige DDR-Schwimmerin und jetzt Photographin taucht mit ihrem Freund, der aus Slowenien, ist, auf, und macht noch einiges mehr an Komplikationen, bevor Xenia endlich die Politikerin und ihren extremistischen Bruder, sowie einen lange gesuchten Verbrecher der ex-Yugoslawien-Zeit verhaften kann.

Die Personen des Buches sind sehr unterschiedlich, manchmal auch ambivalent gezeichnet.
Xenia ist eigenwillig, dünn-attraktiv, mit Kindheitstraumata und ehrgeizig, aber nicht immer sympathisch. Wichtig sind ihr Cousin-Bruder Floriano, der aufgrund der Machenschaften der Politikerin ums Leben kam, und Jordon S Becker, ein Journalist, der wie ein ex-68-er geschildert wird, und zäh an Politikern, die meinen sich alles richten zu können, dran bleibt.
Wichtig war ihr auch ein ehemaliger Vorgesetzter, der attraktive und unbestechliche Nicola Bonnani, der aus Rom versucht zu helfen, und mit dem sie eine schöne Zeit verband.
Als "Bösewichte" sind die Politikerin, deren Bruder, die Waffenschieber in Deutschland und ex-Yugoslawien, sowie deren Hanglanger geschildert.
Dann gibt es noch den charismatischen ehemaligen Broker und jetzt Gemüse- und sonstiges Händler Valerio Alfieri, der nicht ganz einschätzbar ist, aber zwischendurch doch hilft. Und Clarissa die als ehemalige DDR-Schwimmerin mit Atemtechnik grausliche Folter übersteht. Milos ist ihr Fahrer, und Freund der so lange zu ihr hält, wie er es aushält, um dann zurück nach Slowenien zu kehren.

Es gibt einige sehr grausliche und brutale Szenen, die im Krieg als Yugoslawien auseinanderfällt und Zivilbevölkerung schikaniert wird, sind. Die Art und Weise der Dialoge der machtgeilen Menschen untereinander, sind erschreckend und respektlos gegenüber vielen zwischenmenschlichen Werten.

Der Roman ist spannend erzählt. Manchmal ist es mühsam den Zeit- und Ortsprüngen innerhalb der Kapitel zu folgen, die bis zu 20 Jahre auseinander sind, und Italien, Deutschland, Salzburg und Slowenien. 

Der Widerwillen gegen Politiker wird nach diesen Buch nicht weniger. Viel Spaß beim Lesen und der Spannung folgen.

Donnerstag, 24. Dezember 2020

"24 Katzengeschichten"

"24 Katzengeschichten" - Ein Adventbuch zum Aufschneiden
2020, ars edition
ISBN 978-3-8458-396-9

24 Katzengeschichten zum Aufschneiden für jeden Adventtag sind hier zusammengestellt. Es gibt berühmte Autoren (Fontane, Kafka, Hesse, von Chamisso, ETA Hoffmann, Theodor Storm, T S Eliott, Andrea Schacht, Busch, Grimm, Wilde, Baudelaire, Brehm, Armory) und auch mir weniger bekannte. Manche haben starken Weihnachtsbezug, andere sind einfach nur nette Katzengeschichten die eher das Wesen der Katze beschreiben. Es gibt Prosa, und auch Lyrik (mit der ich leider wenig anfangen kann).

Entzückend fand ich den Ausschnitt "Die Teegesellschaft der Katzen" von Gertrude Jekyll.

Leider sind mir die Geschichten und Ausschnitte der Erzählungen zu kurz. Trotzdem ein nettes kleines Weihnachtsbücherl.

Samstag, 12. Dezember 2020

Jörg Maurer : "Den letzten Gang serviert der Tod"

Jörg Maurer
"Den letzten Gang serviert der Tod" – der 13. Alpenkrimi
2020, Scherz Fischerverlag
402 Seiten + 3 Seiten Nachwort (mit amüsanten Betrachtungen eines Fast-food-Restaurant-besuchs)
ISBN 978-3-651-02589-9 

Vier Tote werden in einem Sternerestaurant auf einem Hügel in Bayern gefunden – alle Mitglieder eines illustren Kochzirkels, denen das Kochen Freude macht. Kommissar Hubertus Jenewein, und Polizeimeister Franz Hölleisen (kurz auch Hölli genannt) und ihr Team tauchen ein in eine Welt des Sternekochens, gekauften Restaurantbewertungen und dessen Algorithmus, Eifersüchteleien innerhalb des Zirkels, mögliche Mafia-Einflüsse und Spielsucht. Am Schluß entdecken die Polizisten daß jemand sehr falsch gespielt hat und in eine show-down in einem Flugzeug werden die Morde geklärt.

Parallel wird in Abschnitten von einem eher häßlichen Pilze-sammler und Pilze-maler erzählt der entweder auf Pilz-rausch ist oder Panik, weil er Augenzeuge war und jetzt Albträume hat. In diesen Absätzen wimmelt es von originellen (aber richtigen) Pilznamen (meine Favoriten : der 'Gemeine Gurkenschnitzling' und der 'Klebrige Schleimfußsaftling') und es werden Analogien zur Kunstgeschichte gezogen, die mich gut unterhalten haben.

Als dritte Schiene werden Restaurantbewertungen aus dem Internet zitiert. Bei manchen wird erklärt  wie man erkennt, daß das gekaufte Rezensionen waren, andere sind bodenständig gut oder vernichtend geschrieben. Mein Favorit hier die Kritik eines 10-jährigen Buben – grandios.

Im Roman werden mindestens drei Versionen - sehr unterhaltsam - erzählt wer wann in welchem Land der Erde die Niedriggarmethode als erstes entwickelt hatte. 

Die Personen die zu vernehmen sind, sind unterschiedlich geschildert: es gibt die biedere korrekte   Ehefrau die auf den Ruf ihres Ehemanns bedacht ist. Es gibt die etwas übertriebene Ehefrau eines Piloten. Es gibt einen zurückhaltenden koreanischen Herren, einen pedantischen Herren der Gerüchte streut. Ein zwielichtiger Gastwirt wird geschildet.

Der Stil ist unterhaltend, viele Situationen laufen vor im Kopfkino ab und brachten mich laut zum Lachen, weil sie so komisch waren.

Samstag, 5. Dezember 2020

Agustín Martinez : "Monteperdido"

Agustín Martinez :
"Monteperdido"- "Das Dorf der verschwundenen Mädchen"
Kriminalroman
Original "Monteperdido"
2015, Plaza &Janés Barcelona
Aus dem Spanischen von Lisa Grüneisen
2. Auflage März 2017, Fischer Verlag
488 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-596-03658-5

In einem Dorf in den Pyrenäen verschwinden zwei 11-jährige  Mädchen. Fünf Jahre später taucht eines wieder auf, das bei einem Verkehrsunfall in den  Pyräneen verwickelt war. Kommissarin Sara Campos und Inspector Santiago Bain von der Bundespolizei wird in die Berge geschickt um mit dem Mädchen zu sprechen und den Fall nach fünf Jahren zu lösen. Polizist Victor Gamero vor Ort versucht einerseits zu helfen, andererseits nicht das Vertrauen der Menschen im Ort zu verletzten. Die ortsunkundigen Polizisten müssen sich aus einem Dickicht aus Mißtrauen, Verzweiflung der Familien, und neuen Banden auseinandersetzen. Später kommen Drogen, Prostitution, und Alkoholsucht dazu. Schlußendlich gibt es leider zwei Leichen mehr aber auch zumindest zwei Erfolge.

Die Weg denen Sara und Santiago folgen um von dem gefundenen Mädchen, den beiden Familien, den Menschen im Dorf zu finden, ist sehr spröde und geht über Erpressung, Vorurteile, Alkohol bis Prostitution.
Die Familien der Mädchen sind unterschiedlich beschrieben - die eine die an dem verlorenen Kind fixiert festhält, während die andere zerbricht sich dafür aber Neues anbahnen könnten. Das Leben beider Familien stellt sich auf den Kopf als der hinterhältige Täter nochmals zuschlägt. Hier ist Empathie spürbar.
Diese Empathie geht bei Kommissarin Sara für mich verloren, die zwar suchend und unsicher unterwegs ist, aber nicht spürbar ist; die kommende Liebensgeschichte wirkt etwas gekünstelt.

Szenerien ist ein Bergdorf mit eingeschworenen Menschen, die Neuankömmlinge nicht mögen. Wunderschöne aber hohe Berge die viel Schatten werfen, stillgelegte Bergstollen und auch ein schöner Bergsee auf der Anhöhe wird geschildert.

Der Roman ist sehr spannend geschrieben. Es ist mitraten nach dem Bösewicht im Hintergrund ist möglich. Viel Freude beim Lesen.

Agustín Martinez wurde 1975 in Lorca (Spanien) geboren. Er studierte audiovisuelle in Madrid und arbeitet als Drehbuchautor. Sein erster Roman erschien 2015 in Spanien, sein zweiter 2017.