Samstag, 13. Januar 2018

Tom Ang : "Die Geschichte der Fotografie"

Tom Ang:
"Die Geschichte der Fotografie" in über 1500 Bildern
original "Photography - The Definitive Visual History"
2014, Dorling, Kindersley Ltd, London
Übersetzung Susanne Ochs
2015, Dorling, Kindersley Verlag, München
400 Seiten
ISBN 978-3-8310-2828-3

Das ist ein faszinierendes Buch mit Seiten über Photos, zeigt alte bis ultramoderne Techniken und Geräte, sich wandelnde Methoden, sich ändernde Themen wie Krieg, Hunger, Mode, Architektur, andere Kulturen, inszenierte Aufnahmen und Photos zum genau richtigen Zeitpunkt, und vieles mehr.

Dazwischen sind immer wieder Seiten über einige der Top-Photographen (beispielhaft, Capa, Stieglitz) im Laufe der Zeit, die Photos gschaffen haben die mittlerweile als Ikonen ihrer Zunft gelten.
Bei einzelnen ausgesuchten Photos ist der Aufbau erläutert.

Ich stöbere gerne in dem Buch und lasse mich in die visuelle Welt verführen; oder lese z.B. konzentriert über alte Techniken nach.

In Summe ein wunderbares Buch, über das ich mich sehr freue.

Tom Ang wurde am 25. März 1952 geboren. Er ist ein britischer Photograph, Autor und Reisender. Er arbeitete für die BBC und unterrichtete an der University of Westminster.

Samstag, 6. Januar 2018

Erich Kästner : "Der 35. Mai"

Erich Kästner :
"Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee"
Copyright 1933, Atrium Verlag Zürich
Illustriert von Walter Trier
1950, Carl Ueberreuter Wien
117 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 1 Seite Verzeichnis der Abbildungen
keine ISBN

Der kleine Konrad ist jeden Donnerstag nachmittag bei seinem Onkel, dem Apotheker Ringelhuth. Gemeinsam mit dem schwarzen Zirkuspferd, Negro Caballo, machen sie sich auf die Reise in die Südsee, da Konrad einen möglichst phantasievollen Aufsatz darüber schreiben soll.
Auf dem Weg dorthin kommen sie ins Schlaraffenland mit Präsident Seidelbast, später treffen sie Napoleon, Cäsar, die beiden Ajaxe aus der Illias, Barbarossa und Turnvater Jahn, Alexander der große und Achilles, und beobachten Hannibal und Wallenstein mit Zinnsoldaten im Kampf um einen Rosenstrauch mithilfe von Erbsenkanonen.
In der verkehrten Welt werden böse Eltern erzogen. Der Äquator ist ein Metallband, das vor dem rosten bewahrt werden muß. In der Südsee treffen sie auf die schwarz-weiß-karierte Prinzessin Petersilie und einem Wal im Urwald.
Mittels König und Zauberspruch kommen sie wieder nach Hause, und überfordern Konrads Eltern.

Die Reise Phantansiewelt macht nach den ersten irgendwie eher mühsamen Seiten dann viel Spaß zu lesen. Vermutlich merkt sich jede/r Leser/in andere feine Details, die z.B. von Vier-Frucht-Baum, über spiegelei-legende Hennen bis zu furchtsamen Tigern reichen.

Schön ist in dieser Ausgabe, daß alle Zeichnungen von Walter Trier aus der ersten Ausgabe von 1931 hier abgedruckt sind.

Viel Spaß beim Lesen !

Emil Erich Kästner wurde am 23. Februar 1899 in Dresden geboren. Er war bekannter Kinderschriftsteller, Schriftsteller für Erwachsene, bis zu Texter für das Kabarett. Als regimekritischer Mensch in Deutschland in der NS-Zeit hatte er es zwar nicht leicht, durfte aber immerhin unter Pseudonym veröffentlichen. Am bekanntesten dürften seine Kinderbücher wie "Das doppelte Lottchen", "Emil und die Detektive" sowie "Das fliegende Klassenzimmer" sein. Er starb am 29. Jui 1974 in München.

Dienstag, 2. Januar 2018

J.K. Rowling : "Was wichtig ist"

J.K.Rowling :
"Was wichtig ist" - Vom Nutzen des Scheiterns und die Kraft der Fantasie
2008, "Very good lifes. The Fringe Benefits of Failure and the Importance of Imagination"
2015, published Little, Brown
Illustrationen von Joel Holland
Aus dem Englischen von Klaus Fritz
2017, Carlsen Verlag Hamburg
   Seiten
ISBN 978-3-551-58777-0

In dem Buch ist eine Rede, die die berühmte Harry Potter Autorin bereits 2008 in Harvard gehalten hat abgedruckt. Ergänzt mit liebevollen rot-weißen-Illustrationen.

Bei dem Nutzen des Scheiterns bezieht sie sich darauf, daß sie echte Freunde dadurch kennen gelernt hat und auch sich auf ihren Traum, nämlich das Schreiben, konzentrieren zu können, was sie in einem normalen Job nicht gemacht hätte.

Leider ist für mich der Klappentext etwas irreführend, weil mir die Kraft der Phantasie zu kurz kommt. Mehr ist hier Augenmerk darauf, daß wir Menschen etwas darauf achten sollten, uns bißchen Mitgefühl für unsere Mitmenschen zu bewahren.

Beim Mitgefühl bewahren und etwas tun um anderen Menschen zu helfen, erzählt sie von ihrer Mitarbeit bei Amnesty International und damit Wissen über Menschenleben, das sie sonst so nicht gehabt hätte. Trotz all dem Schrecklichen, das sie dort gehört/gelesen hat, ist für sie das Positive und das Grundgefühl etwas Bewegen zu können überwiegend. Das Gefühl gibt sie mit.

Freitag, 29. Dezember 2017

Ross Macdonald : "Unterwegs im Leichenwagen"

Ross Macdonald :
"Unterwegs im Leichenwagen"
Roman
original "The Zebra-Striped Hearse"
1962, Alfred A. Knopf New York
Neuübersetzung aus dem Amerikanischen von Karsten Singelmann
2017, Diogenes Verlag Zürich
402 Seiten + 6 Seiten Nachwort von Donna Leon
ISBN 978-3-527-3052-9

Der Krimi beginnt fast klassisch: reicher Colonel ersucht Privatdetektiv Lew Archer den neuen Freund der Tochter zu hinterfragen weil er vermutet, daß dieser nur hinter dem Familiengeld her ist. Archer besucht den jungen attraktiven Mann, der sich nur seinem Malen widmet. Dann bekommt die Geschichte Tempo, denn nach Familienkrach fährt das junge Paar weg. Archer sucht sie in Mexiko, entdeckte einige Leichen und ältere Morde, redet mit der echten Mutter der jungen reichen Frau, der neuen sympathischen Frau des Colonel, einer ex-freundin des Malers, und weiteren Menschen. Die Geschichte windet sich zwischen mexikanischen Dörfer, armen Spelunken, eleganten Badehäusern und teuren Villen, bis erst auf der vorvorletzen Seite einige alte Morde und ein Selbstmord aufgeklärt werden.

Die Geschichte wird spannend erzählt. Lew Archer erzählt die Handlung und Dialoge aus seiner Ich-sicht und seinen Eindrücken der Menschen, Einrichtungen und Örtlichkeiten aus seiner Sicht.

Die Menschen sind anschaulich geschildert in ihrer Art zu sprechen, sich anzuziehen und zu bewegen. Die Beobachtungen sind eher sachlich und weniger wertend. Sympathie oder anthipathie fließen in die Schilderungen ein. Während der cholerische, tyrannische Colonel fast sofort Anthipathie auslöst, ist seine zweite Frau Isobel die versucht fair und liebevoll zu bleiben als sehr sympathisch spürbar. Tochter Harriet ist leider nur reich, groß und eher ungelenk. Der künstlerisch talentierte Bruce Damian/Campion sieht gut aus, was er manchmal weiß, aber er lebt lieber seine künstlerischen Ambitionen. Das Schicksal der mollig-süßen Dolly die ein Kind geboren hat, aber ermordet wurde und auch der Mord an Ralph Simpson wird geklärt.

Während sofort berechnet wird, daß ein Künstler eine reiche Erbin nur wegen ihres Geldes interessant findet, kommt erst spät auf, daß ein gestandener Mann an kindlichen Frauen Gefallen findet, und hier eine Kette von Ereignissen auslöst.

Der englische Original Titel bezieht sich auf einen mit Streifen angemalten Leichenwagen, in dem junge Surf-wütige Leute den schönen Wellen die Küste entlang fahren und Archer immer wieder begegnen. Ein wichtiges Beweismittel fischen sie aus dem Meer.

Die Beschreibungen sind bildhaft. Die Atmosphäre sowohl im snobistischen Bereich als auch in der armseligen mexikansichen Stadt mit originellen Figuren ist spürbar.

Ich habe diesen Kriminalroman sehr genossen  ! Viel Freude beim Lesen !

Ross Macdold wurde am 13. Dezember 1915 unter dem Namen Kenneth Millar in Los Gatos (Kalifornien) geboren. Er wuchs in Ontario auf, studierte in Michigan, wo er war Dozent war, bevor er mit dem Schreiben von Kriminalromanen begann. 1946 erstand der Privatdetektiv 'Lew Archer' in einer Kurzgeschichte. 1949 erschien der erste Roman. Er starb am 11. Juli 1983 in Kalifornien.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Eskil Engdal, Kjetil Saeter : "Fischmafia"

Eskil Engdal, Kjetil Saeter :
"Fischmafia" - Die Jagd nach den skrupellosen Geschäftemachern auf unseren Weltmeeren
original "Jakten pâ Thunder"
2017, Forlaget Vigmostad & Bjorke AS
Aus dem Norwegischen von Lothar Schneider
2017 Campus Verlag Frankfurt / New York
306 Seiten Text + 16 Seiten bunte Photos mitten im Buch + 3 Seiten Dank + 21 Seiten Anmerkungen
Hardcover und Lesebändchen
ISBN 978-3-593-50671-5

Fast 200 Seiten geht es um die Verfolgung der "Thunder" unter Kapitän Gataldo durch das Schiff der 'Sea Shepherd' durch die "Rob Barker" unter Kapitän Peter Hammerstadt. Hintergrund ist der Verdacht, daß Schiffbesatzungen illegal schwarzer Antarktisdorsch (genannt das "weiße Gold") aus den Tiefen von 600 Meter entlang des Südpoles fischen, konservieren und an einem Hafen meist in Asien oder Afrika illegal an Land bringen. Von dort wird der hochbezahlte fein schmeckende Fisch für hohe Preise weltweit weiterverkauft.
Ziel ist es eines der Schiffe auf frischer Tat zu erwischen und alles zu belegen und damit an die Hintermänner und Drahzieher zu gelangen.

Am 17 Dezember wird die "Thunder" erstmals von der Brücker der "Rob Barker" gesehen. 110 Tage später geht die "Thunder", nachdem Wasser über Lucken hereingelassen wurde, um 12h52 ziemlich spektakulär zwischen nahe San Tome vor Äquatorial-Guinea unter - und sinkt auf 3.800 Meter Tiefe ab. Die Mannschaft wird über Rettungsinsel auf zwei Schiffe der 'Sea Shepherd' gerettet und interviewt, vor Gericht gestellt, verurteilt und dann über Hintertüren heimwärts geschafft.

Auf vielen Seiten wird das Hintereinanderherfahren und Manövrieren der beiden Schiffe inkl. Kommunikation beschrieben.
Während am Schiff der 'Sea Sheperd' lauter Freiwillige und Begeisterte an einem Strang ziehen, ist auf dem berufsmäßigen Fischereischiff eine indonesische Mannschaft für die niedrigen Dienste und Spanier sowie Lateinamerikaner an den entscheidenden Positionen nach Willen der Auftraggeber angestellt.
Emotional faszinierend bleibt für mich als Leser, daß zwei doch kleine Schiffe über diese riesige Wasserfläche einen Wettkampf führen; es wird über brüllende Breitengrade, Zyklone, 20 Meter hohe Wellen und sonst Unwetter berichtet.

Parallel zur "Thunder" hat die 'Sea Shepherd' weitere fünf Schiffe als Jagdziele auserkoren, da auch sie zur illegalen Jagd auf Schwarzen Seehecht im Südpol eingesetzt werden. Im Buch werden immer wieder die "Yongding" sowie "Kunlun" genannt; später auch die "Viking".
Das Schiff "Tiantai" geht nahe dem Eisrand unter - die Mannschaft konnte sich vorher noch auf ein Nachbarschiff retten. (In den Medien war damals mehr von der Suche nach dem vermißten Flugzeug der Malaysia Airlines 2014 zu lesen)
Mühsam zu verfolgen, sind die vielen unterschiedlichen Namen, die Schiffe im Rahmen ihres Schifflebens haben. Nur die IMO-Nummer bleibt, sonst bekommen die Schiffe, die illegal eingesetzt werden, manchmal sehr plötzlich neue Namen, und neue Flaggen unter deren Staaten sie angeblich angemeldet sind.

Weiteres Schiff der Sea Shepard ist die "Sam Simon" unter dem Kapitän Sid Chakravarty.
Faszinierend ist die Besessenheit mit der die Leute der 'Sea Shepherd' unterwegs sind; für einige war 'Greenpeace' nicht extrem genug.

Die Geschichte Nigerias ab den 80-er Jahren mit wechselnden Präsidenten, aber gleichbleibender Brutalität wird erzählt. Ähnlich liest sich die Geschichte Äquatorial-Guineas in und nach den 80-er Jahren als das Meer sogar als Feind angesehen wurde. Auch die Geschichte der Insel San Tome mit möglichem Kakaoanbau und dann fast komplettem Abbau von legaler Arbeitsmöglichkeit liest sich interessant bis erschreckend.

Das Gegenteil ist Ribeira in Departement Galicien (Spanien nahe Portugal / am Atlantik). Hier wohnen einerseits arme arbeitssame Fischer, aber es gibt auch bestens geschützte, bestens ausgestattete Villen für einige Mitglieder einer reich gewordenen Familie. Einige der Beteiligten werden/wurden vor Gericht gestellt, manche verurteilt. Viele der Kapitäne und Maschinisten der illegalen Schiffe haben kaum mehr Chancen eine Heuer zu erhalten.

Die Karten im Buchinnendeckel zeigen zwar die Fahrt der beiden Schiffe zwischen Antarktis und Versenkpunkt der Thunder, aber die vielen Feinheiten auf der Verfolgungsfahrt fehlen.
Karten auf denen z.B. die Banzare-bank eingezeichnet ist fehlen, genauso wie die Breitengrade die gerade mit ihren maritimen Herausforderungen an die Schiffe wichtig ist.

Der Inhalt des Buches in hochinteressant und spannend. Allerdings ist mir die Sprache zu einfach, und erinnert mich stilistisch an die Schulaufsätze eines 15-jährigen, was mir zum Lesen wenig Freude macht.

Auch hat mich irritiert daß das Schiff als böse und illegal Fische jagend oder Hacken auf dem Meer schlagend erzählt wird, als ob das Schiff selbst böse wäre und abstrakt selbstständig einen Weg wählt, statt von Entscheidungen auf der Offiziersbrücke zu schreiben. Warum die "Viking" explodiert, also zerstört werden mußte war mir nicht nachvollziehbar.

In Summe aber ein hochinteressantes Buch über ein wichtiges Thema wenn wir uns unsere Erde ansehen.

Über die Journalisten/Autoren Eskil Engdal und Kjetil Saeter habe ich leider keine autobiographischen Daten im Internet gefunden.
Übersetzer Lothar Schneider wurde 1946 geboren und hat Skandinavistik, Geschichte und Philosophie studiert und besonderes Naheverhältnis zu Norwegen.


Samstag, 16. Dezember 2017

Ernst Solér : "Staub im Paradies"

Ernst Solér :
"Staub im Paradies"
2009, Grafiti Verlag
203 Seiten + 1 Seite Erklärung und Danke + 2 Seiten Glossar (gemischt schweizerische und tamilische Ausdrücke)
ISBN 978-3-89425-357-8

In diesem großartigen Kriminalroman werden in zwei Strängen Morde einmal in der Schweiz, einmal in Sri Lanka erzählt. Der schweizerische Kriminalkommissar Staub besucht mit seiner Familie die Tochter aus einer früheren Beziehung. Mitten in den Bergen wird ein Malariaforscher, ein Kollege der Tochter, erschossen. Währenddessen wird in der Schweiz die übrige Truppe von Staub mit einem ermordeten Tamilen konfrontiert.
Staub holt einige Informationen aus der Schweiz für quasi seinen Mord, und hilft den Mord seiner Gruppe aufzulösen.
Mordursache sind der (Bürger-)Krieg zwischen Tamilen und Singhalesen, der wie ein scharfes Schwert über den Menschen hängt, und Intrigen.

Eine kleine Liebesgeschichte bahnt sich zwischen Gret und einem Lokalbesitzer an. Staubs große Tochter hat sich endlich in einen für den Vater brauchbaren Mann, einen engagierten Arzt, verliebt. Sein Sohn hat sich einen temperamentvolle Schönheit verliebt, und auch Staubs Frau hat Witz und Willen.

Die Orte der Handlung sind in Sri Lanka die Bergwelt bei Pelmadulla, aber auch Stadt und Strandgegenden. In der Schweiz dürfte es um Zürich, mit Ausflüge nach Basel gehen.

Die Absätze über Ansätze die Übertragung der Malaria zu übertragen sind hochinteressant. DDT wird sehr kritisch betrachtet.

Ich habe die Sprache und die Metaphern in diesem Buch genossen. Ich habe in gefühlt jedem zweiten Absatz mindestens eine Formulierung oder Analogie gefunden, die mich zum Schmunzeln brachte : hier einige Beispiele :  Schweizer Mücken als flügellahme Lachnummern, abgasgeplagte Palmen,

Die zwei verwebten Geschichten sind in sehr schöner Sprache geschrieben, die ich sehr genossen habe. Spannend sind die beide Handlungsstränge ebenfalls. Leider gibt es keine gutes Ende mit dem ich mich wohl gefühlt habe (was mich an Donna Leon erinnert hat).

Viel Freude beim Lesen dieses unterhaltsamen und spannenden Kriminalromans !

Ernst Solèr wurde am 7. Juli 1960 in Männedorf (Kanton Zürich) geboren. Einige zeitlang war er Ethnologie-Student, Rock-Gitarrist und Spiele-erfinder. Ab 1987 arbeitete er als beim Schweizer Fernsehen. Ab 1999 widmetet er sich dem Schreiben - als Journalist und Schriftsteller.  2006 erschien der erste der vier Krimis um Hauptmann Fred Staub. Er starb am 16. Juli 2008 an Krebs.

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Barbara Meyer : "Teneriffa Tod"

Barbara Meyer :
"Teneriffa Tod"
2016, emons Verlag 
395 Seiten + 2 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-7408-007-9

Die junge Gärtnerin Carmen fliegt ihre Eltern auf Teneriffa besuchen. Dort gab es einige Unfälle, die nur sie beunruhigen, ihre durch Immobiliengeschäfte reich gewordenen Eltern jedoch nicht. Als sie später mit ihrer trotz Rollators dynamischen Großmutter weiterfragen eröffnen sich private und berufliche Abgründe. Die heilen Welten der spanischen Patriarchen bröckeln und berufliche amigo-konstrukte haben einigen Schaden an Häusern, wunderbarer Landschaft und innerhalb von Familien angerichtet. Während die Großmutter in ihren Plauderrunden einiges erfährt, ist Carmen in der jungen Generation unterwegs. Es sogar ein positives Ende bei dem zumindest in einer Familie schlechte Geheimnisse bereinigt werden, und eine Romanze glückerfüllend verläuft.

Die Geschichte wird aus Carmens Sicht erzählt. Sie ist Vaters Liebling, und auch der der Großmutter. Obwohl Spanierin spricht selbst schlecht spanisch, in der Geschichte sprechen alle deutsch.
Faszinierend ist die Gestalt der neugierigen temperamentvollen kartenlegenden Großmutter, und auch des karrierebewußten machtgeilen Immobilien-Vaters. Die Mutter wird als schöne geldausgebende Frau geschildert.
Während die Generation der Väter bedenkenlos mit Immobiliengeschäften Geld machte, überlegt deren Kindergeneration wie Immobilienbau, Tourismus und gewisse Nachhaltigkeit mit Erhalt der schönen Regionen der Insel möglich ist. Sie arbeiten meist in den Hotels- oder Baustellen ihrer Väter und sind vom Temperament unterschiedlich gezeichnet.

Carmen fühlt sich zu einem der jungen Männer hingezogen, wobei ihr bewußt ist, daß zwei aus der Clique an ihr interessiert sind.

Im Roman wird auch die Zeitgeschichte um Franco und die Zeit danach versucht aufzuarbeiten. Die unverarbeitete Unterdrückung andersdenkender Menschen belastet zumindest die ältere Generation.

Es wird einiges an Lokalkolorit erzählt : über die niedrigen Häuser, das schöne Orotava-tal, die Wellen die unvorsichtige Schwimmer ins Meer spülen können, aber auch die häßlichen Hotelkomplexe, und daß die Insel quasi nur durch Tourismus überleben kann.

Die Geschichte die zwar im Winter spielt, strahlt die Wärme der Region aus und tut gerade bei Schneetreiben oder grauen Herbst gut.
Sprachlich ist die Geschichte nett erzählt, aber mir manchmal zu wenig unterhaltend (was andere Leser vermutlich anders empfinden werden). Trotzdem viel Spaß beim Lesen !

Barbara Meyer wurde 1948 in Paderborn (Nordrhein - Westfalen) geboren. Sie studierte Mediävistik und Allgemeine Literaturwissenschaften  ebendort. Sie arbeitet als freiberufliche Autorin im Bereich Regional- und Familiengeschichte. Sie hat historische Roman geschrieben - der erste  "Im Schatten des Doms" erschien 2008. Sie lebt abwechselnd in Paderborn oder in Puerto de la Cruz auf Teneriffa.