Mittwoch, 26. September 2012

Gioconda Belli : "Die Republik der Frauen"


Gioconda Belli : "Die Republik der Frauen"
Roman
original " El pais de las mujeres"
2010, Editoral Norma, Bogotá
aus dem niceraguanischen Spanisch von Lutz Kliche
2012, Droemer Verlag München
293 Seiten
ISBN 978-3-426-19915-2

Der fast 300 Seiten starke Roman ist eine wunderbare starke intensive Vision, wie fünf unterschiedliche Frauen eine Partei gründen und in einem Phantasie-Mini-Staat wirklich an die Macht kommen. Wie sie ihre Ziele formulieren, umsetzen und tw. auch überarbeiten und nachbewerten - auch in parteipolitischem Kontext - ist faszinierend, berührend, humorvoll und geht trotz dem Bewußtsein, daß es eine Vision ist, unter die Haut.

Viviana Sansón, eine schöne intelligente sinnliche Fernsehreporterin, der Ungerechtigkeit auf die Nerven geht, gründet gemeinsam mit vier anderen Freundinnen eine Partei. Eva Salvatierra, Ifigenia (kurz : Ifi) Porta, Martina Meléndez, Rebeca de Rìos, und Viviana sind die Säulen der Partei, die mit der Idee antritt, daß Frauen daheim für Ordnung sorgen können, warum also nicht auch in der Politik. Und sie möchten Frauen die Chance geben arbeiten zu dürfen wenn sie wollen, oder daheim zu bleiben. PIE, die "Partei der Erotische Linken" hat einen Fuß mit lackierten Zehennägeln als Symbol - der Name ist von einem alten Gedicht. Eros wird hier als Name für Leben nicht nur Liebe verstanden.
Der nahe gelegene Vulkan bricht aus und lähmt das Testosteron der Männer - und die PIE gewinnt die Wahlen. Die Frauen beginnen Ideen zu verwirklich und als sie merken, daß die anwesenden Männer im Staatsdienst mehr bremsen als mitarbeiten, werden sie für ein halbes Jahr nach Hause in den Haushalt gesandt. Idee dahinter ist, daß sie den Wert des Haushalt führens kennen lernen. Daß das bei einigen Männern keine positive Resonz findet ist klar - und ein Attentat auf Viviana geschieht.

Hier steigt die Geschichte ein. Mit Rückblenden anhand von Gegenständen die Viviana im Koma zu sehen , zu tasten vermeint wird die Geschichte erzählt. Immer unterbrochen von der weiterlaufenden Politik.
In dem Roman findet nicht nur Politik statt, sondern auch privates. Vivianas Tochter Celeste, die sie allein erzieht, da der Vater gestorben ist, ist ein wichtiger Faktor. Und Emir - ein Mann der erst nach der Gründung der Partei in ihr Leben tritt.
Positiv ist die Parallelgeschichte einer jungen Frau die fast nur Gewalt durch Männer kannte, Viviana aufsucht und diese ihr so hilft, daß sie aus den Geschehnissen Kraft schöpfen kann. Juana ist eine der wertvollen Stützen innerhalb der Partei und für die fünf verschiedenen Frauen der PIE.

Es war spannend mitzulesen, wie aus einer möglichen politischen Idee, die Energie zur Parteigründung, das Ringen um Grundsatzwerte und Ideen bis zum Umsetzen der Ziele und Visionen entwickelt und umgesetzt werden.

Männer werden unterschiedlich gezeichnet. Positiv Jose de Artimetica (seine Mutter hatte Arithmea nicht richtig schreiben können), verkauft süßes Eiszeugs, hört vieles und steht auf Seite der PIE.
Negativ Richter Jimenez, der es liebt Mädchen Gewalt anzutun, aber geschützt wird da er alles und jeden kennt und der erst durch Berichte Vivianas stürzt.

In der Danksagung am Ende des Buches bedankt sich die Autorin bei ihrer Mutter und anderen starken Frauen der Familie und Geschichte, die sich nicht für ihr Frau-sein schäm(t)en.
Die Partei der Erotischen Linken hat es wirklich gegeben. Frau Belli läßt die damaligen großen Damen auftreten und gibt ihnen Stimme und nachhaltige Bedeutung

Ich habe fast zwei Monate an dem Buch gelesen - immer wieder unterbrochen von anderen Büchern, viel Arbeit im Büro, etc. Das (Wieder)Eintauchen in die warmherzigen, bildhaften, lebensnahen Frauenspersönlichkeiten war sofort.
Der Roman hielt Spannung, da die Frage wer denn das Attentat gemacht bzw. beauftragt hatte, gelöst werden mußte (ja - es war ein Mann gewesen).

In Summe ein wunderbares Buch, dessen Frauengestalten mir sehr sehr gut gefallen haben, dessen Kraft und Mut und Humor zu politischer und gesellschaftlicher Vision manchmal zu schön zu glauben ist, aber Freude macht. Ein Buch, das hoffentlich vielen Frauen und humorvollen Lesern Spaß macht.


Gioconda Belli (* 9. Dec 1948) ist eine niceraguanische Schriftstellerin und Dichterin. Sie schrieb erotische und revolutionäre Gedichte und lehnte sich gegen die Diktatur der Somoza-Familie in Niceragua zwischen 1970 und 1974 auf. Sie war Mitglied bei der FSLN - der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront. 1975 ging sie nach Mexico, Costa Rica und später USA.
Das in Europa bekannteste Buch ist "Bewohnte Frau" ein Roman (übers. v. Lutz Kliche). bei Dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-21011-9.

Samstag, 15. September 2012

Gerhard Loibelsberger : "Reigen des Todes"

Gerhard Loibelsberger :
"Reigen des Todes" - ein Roman aus dem alten Wien
2010, Gmeiner Verlag
304 Seiten
2 Seiten historischer Personen
8 Seiten Glossar der Wiener Ausdrücke
3 Seiten Quellen
ISBN 978-3-8392-1068-0

Der große rundliche Inspector Joseph Maria Nechyba wandert durch Wien der Vorkriegszeit, und löst den Hintergrund von zwei Leichen die aus der Donau bzw. teilweise aus dem Kanal gefischt werden. Unterhaltsam wird das Wien mit den verschiedenen Gesellschaftsschichten und diverse Delikatessen geschildert.

Oberstleutnant Vestenbrugg wird vermißt und dann sein Arm und später sein Kopf gefunden. Inspector Nechyba wird im Frühjahr 1908 beauftragt zu ermitteln, besucht Obdachlosenheime, geht ins cafehaus den Journalisten Leo Goldblatt besuchen und gegenseitiger Hilfe entdecken sie, daß der Oberstleutnant eine junge üppige Freundin ausgehalten hatte. Die ist spurlos verschwunden. Ein halbes Jahr später schwimmt eine ganze Leiche in der Donau - es ist ein ehemaliger Leutnant aus der gleichen Regiment wie der Oberstleutnants. Am Schluß ( Zeitsprung 1911) stellt sich heraus daß die Leichen nicht ermordet worden waren - aber die üppige Freundin beiden Männer sehr sehr gut gekannt hatte.

Witzig die Seitenhiebe auf die Kunstszene und wie die Gemälde von Schiele, Kokokoschka und Klimt beschrieben werden - inkl. die Aufregung in der guten Gesellschaft.
Der üppigen Freundin Steffi Morawec wird ein zweiwöchiges Techtelmechtel mit Oskar Kokoschka in den Roman geschrieben. Der Leutnant besucht Sigmund Freund - was ihm leider nicht hilft.

An Figuren sind für mich der Inspector Nechyba mit seiner Vorliebe für ausgezeichnete Wiener Küche und die Freundin der Männer Steffi Morawec, die hübsches Aussehen und erotische Offenheit bei Männern nutzt um endlich eine warme große Wohnung zu haben. Sie ist Darstellerin in künstlerisch freizügigen Filmen, für sogenannte Herrenabende, was damals für die einen normal, für die anderen ein Aufreger gewesen sein dürfte.

Sehr unterhaltsam sin die Erläuterungen der Wiener Ausdrücke, die einerseits auf der gleichen Seite abgedruckt sind, und auch hinten im Glossar zu finden sind. Alle dem Wiener selbstverständlichen Essens- und sonstige Vokabel von 'Gfrieß' bis 'Frittatensuppe' sind in schönem Schriftdeutsch erklärt und bringen zum Lächeln.

Ich habe den Roman/Krimi sehr genossen und mich gut unterhalten. Das Buch ist jedem Wien-Krimi-Fan zu empfehlen und auch Menschen die sich beim Krimilesen gerne von gutem Essen erzählen lassen.

Sonntag, 2. September 2012

George Sand : "Ein Winter auf Mallorca"


George Sand :
"Ein Winter auf Mallorca"
1985, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH München
(16. Auflage 2004)
8 Seiten Vorwort des Herausgebers
17 Seiten J.B. Laurens - Erinnerungen einer Kunstreise nach Mallorca
219 Seiten George Sand - "ein Winter auf Mallorca" in drei Teilen
15 Seiten George Sand - Geschichte meines Aufenthalts auf Mallorca
1 Seite Bibliographie
1 Seite Bildquellen Nachweis
2 Seiten Karte vom Mallorca
ISBN 3-423-12497-0

Titel der Originalausgabe:
'Un hiver à Majorque'
Paris 1842

Ich hatte einiges über George Sand gehört und war neugierig darauf wie sie schreibt. Mein Wissen über sie war, daß sie unkonventionell war, Schriftstellerin, 2 Kinder und - v.a. - die Gefährtin Chopins.

"Ein Winter auf Mallorca" ist entstanden nachdem sie mit ihren Kindern und Chopin drei Monate 1838 auf der Insel verbracht hatte, mit den Ziel dem kalten Winter in Paris zu entfliehen und damit ihrem Sohn Maurice Krankheiten zu ersparen bzw. daß er sich erholen kann. Maurice hat sich erholt und sie beschreibt wie er und ihre Tochter Solange wie die Ziegen auf den Steinen der Insel herumkraxeln.
Leider ist Chopin erkrankt, weshalb der Aufenthalt auf der Insel kürzer als geplant war. Die gewünschte Erholung hatten die Erwachsenen bei dem Aufenthalt nicht.

Sie beschreibt die Insel, die Vegetation, die Architektur, die Art und Weise wie Menschen wohnen die mehr haben, genauso wie die Bauern, Landwirtschaft, Nutztiere und viel was sie an Benehmen ihnen gegebenüber wahrgenommen hat.

Die vier Reisenden wurden nicht wohlwollend aufgenommen: sie und ihre Tochter trugen Hosen, sie und Chopin waren nicht verheiratet und sie gingen sonntags nicht in die Kirche . Verhalten das in Paris als extravagant galt, war auf der Insel unerwünscht.
Hilfe für Kranke war nicht üblich - im Gegenteil Kranke galten als ansteckend und wurde gemieden, was v.a. Chopin erfahren mußte.

Seitenlang beschreibt sie die Kartause in Vallemosa, mit ihren Trakten, Höfen, Bäumen, Ruinenteilen, wenigen Mönchen. Wie sie beschreibt und welche Metaphern sie findet, hat mich fasziniert. Schön sind ihre Assoziationen wenn sie Romantisches mit Operninszenierungen vergleicht oder französische Maler (wie Delacroix) zitiert.

Faszinierend finde ich ihre Beschreibungen der Kleidung der Menschen und wie sie die Menschen ans sich beschreibt - Gesichter, Körper, Benehmen (das sie als ungastlich und schmarotzend empfindet).

Geschichtliche Rückblicke auf den Zusammenhang zwischen Spanien und der Insel werden aufgeblättert. Keine Pferde, weil die nur vom Festland für den Krieg eingezogen wurden, kaum Rind weil das gleiche hier geschah, dafür Schweine, weil die wollten die Spanier nicht.

Sie beschäftigte sich auch mit der Geschichte der Klöster, bzw. der Auflassung und of Niederbrennung. Viele verbrannte Klosterruinen zieren die Landschaft. Dem zur Zeit herrschenden Romantizismus stellt sie in einem fiktiven Gespräch einen Mönch entgegeben, der von den eigenen Katholiken im Kerker ohne Sonne gehalten wurde. Die Inquisition hatte auch hier reiche Beute gefunden und Schuldlosigkeit galt noch nicht - was für Menschen der Aufklärung im Nachhinein schwer zu verstehen ist. Das Gespräch ist sehr packend geschrieben.

Ich habe einige Wochen an dem Buch gelesen - immer wieder unterbrochen von anderen Büchern. Mich hat der Stil und was Frau Sand schreibt fasziniert und ich kann jedem Leser nur das gleiche Verngügen an Sprache, Beschreibung und auch Fiktion wünschen.

George Sand, (eigentlich Amandine Aurore Lucile Dupin de Francueil)  lebte vom 1. Juli 1804 bis 8 Juno 1876. Sie war Schriftstellerin und galt als Vielschreiberin (was einige Zeitgenossen nicht schätzten). Ihre Werke sind Romane, Novellen und auch Theaterstücke - viele Briefe von ihr sollen erhalten sein.

Freitag, 31. August 2012

Marlene Faro : "Blutiger Klee"

Marlene Faro : "Blutiger Klee"
Roman
2012, Gmeiner Verlag, Meßkirch
304 Seiten
ISBN 978-3-8392-1288-2

Arthur Pestalozzi und Leo Attwenger, zwei Kriminalkommissare aus Salzburg, werden ins Salzkammergut gesandt um einen Mord ein einem älteren tyrannischen einflußreichen Baron aufzuklären.

Baron Gleinig ist ermordet worden. Seine noch lebenden vier Kinder und der letzte treue Bedienstete im Schloß werden informiert. Er war ein einflußreicher Mann gewesen, nicht leicht zu ertragen für seine Familie. Politiker und Wirtschaftsleute machen Druck, um baldige Ergebnisse zu erhalten. Grund für den Mord war eine kleine Tatsache die jeder im Ort gekannt hatte, aber über die man nicht (mehr) sprach.

Da das Buch ein Salzkammergutkrimi ist, war für mich die Frage welcher See denn der Schauplatz ist. Die Hinweise deuten auf den Traunsee.

Witzig bis böse sind die Seitenhiebe auf dörfliche Tratsch- bzw. Zusammenlebensstrukturen. Auch alte Rituale und Begebenheiten werden geschildert. Herr Pestalozzi geht hier sehr feinfühlig mit dem örtlichen Polizisten Krinzinger um und anderen Menschen deren Familien seit Generationen am dem See verankert sind.

Kriminalkommissar Arthur Pestalozzi geht beruflich mit seinem Assistenten Leo Attwenger, der eigentlich nur von Frauen und Motorrädern träumt, gemeinsame Wege. Privat kapselt er sich ab. Parallel ist die geschiedene Gerichtsmedizinerin Lisa Kleinschmidt, die ihre zwei Kindern nun alleine erzieht. Die Menschen in den Buch sind klar gezeichnet, aber es sind fast alle in ihrer Einsamkeit gefangen - auch die Kinder des Barons tun sich nicht leicht.

Kleine Geschichte nebenbei ist ein Rückblick auf die Zwischenkriegszeit mit einem Teenager der regelmäßig auf Sommerfrische am See ist und einem einheimischen sehr jungen Mädchen, deren zarte mögliche Romanze an der nicht-arischen Herkunft des Jünglings keine Chance auf Entwicklung hat. Der Enkel des Mannes besucht Jahrzehnte später die damalige große Liebe seines Großvaters.

Der Titel ist von einem kleinen Detail des Mordes : es war Blut auf den Klee getropft.

Das Buch ist rasch zu lesen, die Neugier wer der/die Mörder/in ist hat mich angestachelt. Die Schilderung der Menschen hat mich angesprochen, leider hat mich die Geschichte zu wenig bewegt. Lesen Sie selbst.

Mittwoch, 29. August 2012

Andreas Schnabel : "Tod auf Cabrera"

Andreas Schnabel :
"Tod auf Cabrera"
Mallorca Krimi
2012, Hermann-Josef-Emons Verlag
292 Seiten
2 Seiten Plan der Inseln Mallorca und Cabrera
ISBN 978-3-89705-974-0

In diesem unterhaltsamen, spannenden, etwas frechen Krimi wird eine Geschichte um viel Macht, einige sehr machtbedürftige Menschen und die Guten wie Polizei mit Comissario, seinem Team und guten Freund Michael Berger, "dem Residente" flott erzählt.

Michael Berger, "Residente", wird auf Mallorca als Skipper gechartert um einem humorvollen, vielsprachigen, gebildeten, gutaussehenden Mann aus dem Vatikan einige Tage für Tauchen auf Cabrera hilfreich zur Seite zu stehen. Leider schwimmen ihnen einige Leichen dazwischen, sodaß statt Tauchen Freund Comissario García Vidal Helfen wichtiger ist. Weitere Leichen tauchen auf und es kreuzen unangemeldete mysteriöserweise U-boote auf. Der israelische Geheimdienst hatte zwei Agentinnen geschickt um etwas zu suchen, die Polizei findet geflüchtete Marokkaner in einer abgeschlossenen Höhle, es tauchen Geschichten über kaltblütige lybische Amazonen auf und der Commisario schafft es seit drei Generationen verfeindete Familien wieder zum miteinander Reden zu bringen. Am Ende stehen einige erschreckend machtgierige und gewissenlose Menschen, denen Menschenleben nichts bedeutet, und ein frecher Scherz an den Mann des Vatikan.

Die Liebe (und Erotik) findet auch Platz. Berger und die schöne Gräfin Rosa von Zastrow sind seit Beginn des Buches bereits ein glücklich verliebtes Paar. Der Mann hat schon längt den Gefallen der reichen deutschen temperamentvollen Tante Auguste gefunden, die die Adoptionspapiere als Ersatzsohn für ihn bereits fertig im Gepäck hat.

Es ist das vierte Buch mit den Protagonisten "Residente", Gräfin Rosa und dem Comissario. Für mich das erste.

Die Personen  sind klar und greifbar geschildert - Tante Auguste und ihr Anatol, Carmen und Tormeau, Carcía und Angela, der Notar, Tierärztin Mira und ihre Kollegin Fatma, die alten Damen der verfeindeten Familien bis zu den Bar Besitzern in denen offenbar literweise Cortado (Anm: Espresso mit ganz wenig Milch) getrunken wird.
Die Situationen mit Filou, dem Schwein, sind teilweise sehr sehr komisch.
Witzig waren die Wortgefechte zwischen dem Mann des Vatikans, Bischof Crasaghi, und dem "Residente" - die mich ziemlich zum Grinsen brachten.

Für Segler könnte das Buch nett sein, da immer wieder von Llauts und ihren Ausstattungen geschrieben wird.

Ein unterhaltsames Buch, das ideal noch für den Urlaub oder das Nach-Urlauben geeignet ist, und öfters zum Lachen bringt. Viel Spaß beim Lesen !

Mittwoch, 8. August 2012

Rosa Ribas : "Falsche Freundin"

Rosa Ribas :
"Falsche Freundin"
- der dritte Fall für Komissarin Cornelia Weber-Tejedor
original "en caída libre"
2011, Editorial Viceversa, Barcelona
aus dem Spanischen von Peter Schwaar
Deutsche Erstausgabe
2012, Suhrkamp Taschenbuch Verlag
407 Seiten
ISBN 978-3-518-46302-4

Der mehr als 400 Seiten starke Kriminalroman erzählt eine zeitweise ziemlich brutale Geschichte um Drogen, die Verteilung, die kleinen Teilchen in dem großen Netzwerk und den Kampf um Macht der Gruppen. Mittendrin Kommissarin Cornelia Weber-Tejedor, die als Putzfrau im Gefüge des Flughafens Frankfurt versteckt, Vertrauen aufbaut, ins Netzwerk kommt und damit hilft zumindest einige Morde aufzuklären.

Hauptfigur ist Cornelia Weber-Tejedor, Tochter einer spanischen Mutter und eines deutschen Vaters, deren Ehe vor den Scherben steht. Sie ist in einen Kollegen verliebt. Um all dem zu entfliehen heuert sie versteckt für Mitarbeit in den Putztrupps des Flughafens an, da hier die Weitergabe von Drogen beobachtet wurde. Sie bewährt sich nach Wochen und wird in den engen Kreis der Drogentransporteure aufgenommen. Das Regiment ist brutal, denn mimimales Abweichen von Loyalität und Ordnung oder mögliche Gefahr wird sofort von Schlägerjungs geahndet - bzw. manche Drogenleiche wird gefunden. Die Eskalation findet statt als sich zwei Gruppen die beide die Macht um die Drogen beanspruchen in die Quere kommen - wer bei welcher Gruppe ist wird der Kommissarin sehr spät klar.

Ich habe etwas Zeit gebraucht bis ich endlich den Drive der Geschichte gespürt habe, konnte aber dann das Buch nicht aus der Hand legen, bis endlich einige Knoten aufgelöst worden waren.

Die Art der Menschenschilderung gefällt mir sehr sehr gut. Die Polizeikollegen sind schön gezeichnet : Reiner, Leo, Vorgesetzter Rossmann, Sulima. Die Putzfrauen : die Polin Beata, die Möchtegernschauspielerin Freya, die Deutsch-Türkin Selin mit Bruder Harun und Ehefrau Raquel, Carolina aus Lateinamerika, deren immer grantige Chefin Ramona, der planungswütige Chef Raschke. Die liebenswürdige Nachbarin Gamze mit ihrem dicken Sohn Hakim, der auf eine Operation zur Magenverkleinerung wartet (und sie rettet).
Die Menschen sind als Menschen greifbar mit ihren unterschiedlichen Temperamenten. Jeder hat sein einzelnes Schicksal, das nie stereotyp wirkt.
Es gibt gute und böse Menschen, quer durch die multi-kulti-Umgebung, aber nicht aufgrund der Herkunft erkennbar.

Der Flughafen ist ein Arbeitsplatz. Mehr nicht. Die Menschen sind wichtig, nicht der Ort.

Die Geschichte wird in Ich-form aus Sicht der Kommissarin erzählt, mit ihren Eindrücken von Menschen und Situationen, ihre Hoffnungen (Beziehung) und Ängsten (Exmann, Eltern, ob ihre Deckung gut ist). Stark sind die Schilderungen über ihre Eltern, deren Beziehung und wie die beiden sich im Altern gegen das Aufarbeiten der Franco-Zeit wehren (etwas das sie in jüngeren Jahren befürwortet hatten).

In Summe kann ich das Buch gerne empfehlen. Die Brutalitäten sind nicht meins, aber die Geschichte ist spannend erzählt und durchaus vorstellbar. Viel Vergnügen !

Samstag, 14. Juli 2012

Tess Gerritsen : "Totengrund"

Tess Gerritsen :
"Totengrund"
Roman
original "Ice Cold"
2010, Ballantine Books by Random House Inc.,N.Y.
Deutsch von Andeas Jäger
2010, Limes Verlag München
407 Seiten
ISBN 978-3-8090-2576-4

Der Roman ist ein spannend geschriebener Thriller, indem der Tod einer Gerichtmedizinerin und ihrer Freunde vorgetäuscht wird. Freunde lassen nicht locker und am Schluß ein 30 Jahre alter Umweltskandal aufgedeckt.

Die Gerichtsmedizinerin Dr. Maura Isles fährt mit einem alten Studienfreund und dessen Freunden in die Berge. Sie kommen nicht am Ziel an, entdecken aber einer menschenleeres Dorf - in jedem Haus hängt das Photo eines charismatischen Mannes mit faszinierenden Augen.
In Boston wird sie von ihrer Freundin Jane Rizzoli und ihrem heimlichen Liebhaber dem Pfarrer vermißt. Auch das Auffinden von verbrannten Leichen stoppt Jane nicht weiter nachzuforschen. Sie findet Maura, die mithilfe eines 15-jährigen Jungen mit großem Hund in den Wäldern überlebt hat.
Sie entdecken, daß das Dorf leer ist, weil giftige Gase uralten vergrabenen Fässern entwichen war.

Der charismatische Mann ist Jeremiah, der eine große Schar Bewunderer mit seiner religiösen Vision hat. Sein Modell der Gemeinschaftsarbeit im Dorf wird als positiv empfunden, - aber männlichen Teenager ab 14waren  aus der Gemeinschaft zu verweisen (tw. brutal rauszuprügeln), und die 14 jährigen Mädchen älteren Männern zuzuführen hat bei den betroffenen Kindern große Schäden hinterlassen. Eine Ehemalige rechnet ab.

Die Story ist gut geschrieben. Manche Kleinigkeiten werden mir nicht logisch erklärt, aber die Geschichte hat Drive und ich wollte wissen wie es weitergeht. Mißbrauch in religiösen Umfeld aufzuzeigen ist vermutlich wichtiger denn je.

Die Landschaft, das Dorf, das Überleben im Wald sind gut beschrieben. Die Menschen haben Profil. Ich habe erst nach dem Lesen mitgekriegt, daß Maura und Jane bereits im achten Thriller zusammenarbeiten und Janes Ehemann und Mauras reicher Verehrer offenbar fixe Bestandteile sind.

Ich habe den Roman in einem Rutsch gelesen und mich hat die Geschichte angesprochen. Viel Vergnügen.