Lisa Lercher :
"Jenseits auf Rezept"
Kriminalroman
2018, Haymon Verlag
266 Seiten + 2 Seiten Glossar (nieder/österreichische Ausdrücke)
ISBN 978-3-7099-7898-6
Polizist Paul Eigner ist froh wieder in einer (fiktiven) Gemeinde in der schönen Wachau zu arbeiten. Kaum Verbrechen, und nur Einbruchsschulung sind der Ausblick. Diesmal stört die Leiche einer schönen Physiotherapeutin und eine übersinnlich begabte Tochter einer älteren zu Tode gekommenen Frau die Ruhe. Recherchen bei Arztpraxis und Physiobereich bringen einigen Verdächtige. Letztendlich gibt es einen überraschenden Mörder mit sehr klassischem Motiv.
Nebenbei emanzipiert sich seine Schwester von dem seitenhüpfenden Ehemann, und es beginnt sich zarte Liebe bei ihm selbst anzubahnen.
Der Roman ist sehr gut lesbar.
Die dargestellten Personen sind gut vorstellbar : Paul Eigner selbst mit Glatze und gutmütig, seine Schwester die die Marillenernte organisiert tough, der schmierige anlassige Schwager, seine freundliche Tochter und Enkelsohn, der engagierte attraktive junge Arzt, seine bissige als Dame auftretende Mutter, das Physiotherapeutenteam, Polizistinnen mit denen Eigner zusammenarbeitet und einem Fast-Chef mit dem es nur Probleme gibt.
Wer Fußball mag, findet zwei Seiten mit Spielbeschreibungen. Wen es in die Pathologie zieht, der findet auch seine Details.
Der Hintergrund von Abrechnungen an die Krankenkassen und daß es Möglichkeiten zum Mogeln gibt, war interessant zu Lesen.
Die Umgebung der Wachau rund um den fiktiven Ort ist real, und für Wachau-Liebhaber zum Grinsen.
Am Cover ist der Schatten einer Katze; diese Entscheidung des Verlags kann ich nicht nachvollziehen, da in dem Krimi keine Katze relevant ist.
In Summe in sehr nett lesbarer Roman, der gut unterhält und von Wetter, Arbeitssorgen gut abzulenken versteht. Viel Spaß beim Lesen !
Lisa Lercher wurde am 13. Februar 1965 in Hartberg geboren. sie studierte Erziehungswissenschaften und arbeitet dann in Organisationen gegen Gewalt. Zuerst veröffentlichte Sie Sachbücher gegen Gewalt, später entstanden daraus ihre ersten Krimikurzgeschichten und -romane. Ihr bekanntestes Buch "die Mutprobe" entstand 2006 und wurde 2009 mit exzellenten Schauspielern verfilmt.
Freitag, 12. Oktober 2018
Mittwoch, 10. Oktober 2018
Michael Böckler : "Falscher Tropfen"
Michael Böckler :
"Falscher Tropfen" - ein Wein-Krimi aus Südtirol
2018, Rowohl Taschenbuch Verlag
389 Seiten + Anhang 26 Seiten Weine + 22 Seiten Essen und Trinken
ISBN 978-3-499-27349-0
Baron Emilio von Ritzfeld-Hechenstein darf wieder ermitteln. Diesmal beauftragt ihn eine trauende Witwe dem Rätsel um eine Flasche Rotwein zu folgen. Während er den Spuren zu einem Weinfälscher, einem Etikettenfälscher und einem chinesischen Konzern folgt, und eine sehr sehr attraktive Photographin kennenlernt, kommt auch heraus, daß der Verstorbene keinem Unfall zum Opfer fiel und ein zweiter Toter wird gefunden.
Als Nebenstrang ist seine schöne und fröhliche Lebensgefährtin und Weinhauerin Phina mit Flüchtlingskindern beschäftigt.
Wie gewohnt fährt Emilio in seinem alten Land Rover durch die Gegend, genießt Speis' und Trank, philosophiert darüber, und bewahrt sich sein Mißtrauen Menschen gegenüber.
Die Weinfälscherszene in der eigentlich teure Weine mit guten Weinen und Aromen schlecht nachgemacht werden, macht mir wenig Freude, denn dazu genieße ich Wein zu sehr.
Die Menschen inklusive dem etwas überkandidelt gekleideten Emilio und Menschen wie die Witwe Martina, deren Bruder dem Koch Sepp, die Photographin Tilda, Emilios Freundin Phina, Linus sowie Gianlucca sind farbenreich geschildert und gut vorstellbar.
Emilio ist hier im Eisacktal sowie zwischen Eppan und Bozen viel unterwegs. Wenn man die Gegend kennt, ist es schön gedanklich mitzufahren.
Die Geschichte ist schön erzählt und liest sich gut. Ein wunderbarer Kriminalroman für schlechtes Wetter, oder die Urlaubszeit. Viel Sapß beim Lesen !
Lebenslauf 15. Oktober 2015 bei "Mord in bester Lage - Ein Weinkrimi aus Südtirol"
"Falscher Tropfen" - ein Wein-Krimi aus Südtirol
2018, Rowohl Taschenbuch Verlag
389 Seiten + Anhang 26 Seiten Weine + 22 Seiten Essen und Trinken
ISBN 978-3-499-27349-0
Baron Emilio von Ritzfeld-Hechenstein darf wieder ermitteln. Diesmal beauftragt ihn eine trauende Witwe dem Rätsel um eine Flasche Rotwein zu folgen. Während er den Spuren zu einem Weinfälscher, einem Etikettenfälscher und einem chinesischen Konzern folgt, und eine sehr sehr attraktive Photographin kennenlernt, kommt auch heraus, daß der Verstorbene keinem Unfall zum Opfer fiel und ein zweiter Toter wird gefunden.
Als Nebenstrang ist seine schöne und fröhliche Lebensgefährtin und Weinhauerin Phina mit Flüchtlingskindern beschäftigt.
Wie gewohnt fährt Emilio in seinem alten Land Rover durch die Gegend, genießt Speis' und Trank, philosophiert darüber, und bewahrt sich sein Mißtrauen Menschen gegenüber.
Die Weinfälscherszene in der eigentlich teure Weine mit guten Weinen und Aromen schlecht nachgemacht werden, macht mir wenig Freude, denn dazu genieße ich Wein zu sehr.
Die Menschen inklusive dem etwas überkandidelt gekleideten Emilio und Menschen wie die Witwe Martina, deren Bruder dem Koch Sepp, die Photographin Tilda, Emilios Freundin Phina, Linus sowie Gianlucca sind farbenreich geschildert und gut vorstellbar.
Emilio ist hier im Eisacktal sowie zwischen Eppan und Bozen viel unterwegs. Wenn man die Gegend kennt, ist es schön gedanklich mitzufahren.
Die Geschichte ist schön erzählt und liest sich gut. Ein wunderbarer Kriminalroman für schlechtes Wetter, oder die Urlaubszeit. Viel Sapß beim Lesen !
Lebenslauf 15. Oktober 2015 bei "Mord in bester Lage - Ein Weinkrimi aus Südtirol"
Freitag, 5. Oktober 2018
Andréa del Fuego : "Geschwister des Wassers"
Andréa del Fuego :
"Geschwister des Wassers"
Roman
original "Os Malaquias"
2010, Língua Geral, Rio de Janeiro
Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Marianne Gareis
2013, Carl Hanser Verlag München
198 Seiten
ISBN 978-3-446-24331-6
Die Malaquias ist eine Familie, bei der die Eltern durch einen Blitz in der Serra Morena sterben, und die drei Kinder aufgeteilt werden. Nico arbeitet am Bauernhof, verliebt sich in Maria und sie bekommen Zwillinge Anesia und Onofre. Antonio ist mit Julia im Kloster. Während Julia bei einer Dame leben darf, entwickelt sich Antonio zum Zwerg. Antonio schließt sich bei Nicos Hochzeit den beiden an. Julia möchte kommen aber es kommt immer etwas dazwischen. Julia bekommt sogar ein Baby, einen Zwerg. Am Ende sind alle am gleichen Schiff; Zufälle verhinden daß Julia wieder Familienanschluß bekommt.
Parallell wird die Geschichte des Grundgrundbesitzers Geraldo, des Geistes Geraldina, des eigenartigen Eneido erzählt, und wie das Wasser das ins Tal gespült wird, vieles inklusive das Dorf vernichtet.
Die Kapitel sind kurz. Sie sind entweder Nico später gemeinsam mit Antonio gewidmet, Julia, oder anderen Handlungssträngen. Selten aber doch verschlängeln sich die Handlungsstränge.
Die Menschentypen sind teilweise bodenständig, teilweise skurril, manche arbeiten, manche tun nichts.
Mich hat am meisten Geraldina fasziniert, die nur kurz Mensch ist, aber meist als Wasser, Schweiß oder sonst in einem wässrig-luftigen Aggregatzustand vorhanden ist.
Die Örtlichkeiten sind einerseits eine Stadt, andererseits einige Fazendas. Das Tal wird zwar mit Wasser überflutet um Strom herstellen, aber sowohl Wasser als auch Strom nehmen ab.
Der Roman ist dicht geschrieben. Die Szenerien laufen vor dem geistigen Auge ab.
Die skurillen Gespräche, Gedanken und Handlungsweisen faszinieren.
Viel Freude beim Lesen dieses Romans.
Andréa del Fuego wurde 1975 in Sao Paulo als Andréa Fátima dos Santos geboren. Sie studierte Philosophie und ist Schriftstellerin, Journalistin und Bloggerin.
"Geschwister des Wassers"
Roman
original "Os Malaquias"
2010, Língua Geral, Rio de Janeiro
Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Marianne Gareis
2013, Carl Hanser Verlag München
198 Seiten
ISBN 978-3-446-24331-6
Die Malaquias ist eine Familie, bei der die Eltern durch einen Blitz in der Serra Morena sterben, und die drei Kinder aufgeteilt werden. Nico arbeitet am Bauernhof, verliebt sich in Maria und sie bekommen Zwillinge Anesia und Onofre. Antonio ist mit Julia im Kloster. Während Julia bei einer Dame leben darf, entwickelt sich Antonio zum Zwerg. Antonio schließt sich bei Nicos Hochzeit den beiden an. Julia möchte kommen aber es kommt immer etwas dazwischen. Julia bekommt sogar ein Baby, einen Zwerg. Am Ende sind alle am gleichen Schiff; Zufälle verhinden daß Julia wieder Familienanschluß bekommt.
Parallell wird die Geschichte des Grundgrundbesitzers Geraldo, des Geistes Geraldina, des eigenartigen Eneido erzählt, und wie das Wasser das ins Tal gespült wird, vieles inklusive das Dorf vernichtet.
Die Kapitel sind kurz. Sie sind entweder Nico später gemeinsam mit Antonio gewidmet, Julia, oder anderen Handlungssträngen. Selten aber doch verschlängeln sich die Handlungsstränge.
Die Menschentypen sind teilweise bodenständig, teilweise skurril, manche arbeiten, manche tun nichts.
Mich hat am meisten Geraldina fasziniert, die nur kurz Mensch ist, aber meist als Wasser, Schweiß oder sonst in einem wässrig-luftigen Aggregatzustand vorhanden ist.
Die Örtlichkeiten sind einerseits eine Stadt, andererseits einige Fazendas. Das Tal wird zwar mit Wasser überflutet um Strom herstellen, aber sowohl Wasser als auch Strom nehmen ab.
Der Roman ist dicht geschrieben. Die Szenerien laufen vor dem geistigen Auge ab.
Die skurillen Gespräche, Gedanken und Handlungsweisen faszinieren.
Viel Freude beim Lesen dieses Romans.
Andréa del Fuego wurde 1975 in Sao Paulo als Andréa Fátima dos Santos geboren. Sie studierte Philosophie und ist Schriftstellerin, Journalistin und Bloggerin.
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Brasilien,
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Samstag, 29. September 2018
Goncalo M. Taveres : "Joseph Walsers Maschine"
Goncalo M. Taveres :
"Joseph Walsers Maschine"
Roman
original "A máquina de Joseph Walser"
2004, Editorial Caminho, SA
Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis
2014, Deutsche Verlags Anstalt München
164 Seiten
ISBN 978-3-421-04627-7
Joseph Walser arbeitet in einer Fabrik an einer Maschine. Diktatur oder Krieg baut sich rings um ihn auf. Seine Frau betrügt ihn mit Klober, dem intellektuellen Vorarbeiter. Walser verliert einen Finger beim Hantieren mit der Maschine und wird einer anderen Arbeit zugeteilt. Walser hat eine Affaire mit der Witwe eines guten Freundes, den er verraten hatte. Nach dem Krieg lädt ihn Klober in eine Falle ein. Das Ende bleibt offen.
Das Buch ist in drei Teil aufgeteilt, die wiederum meist kurze Kapitel umfassen.
Der Schreibstil ist konzentriert und sachlich. Empathie kommt wenig auf - nur wenn Walser sich seiner Metallstücke-sammlung widmet ist etwas wie emotionale Bindung und Leidenschaft zu merken. Eine Art Emotionalität ist beschrieben, wenn Walser fast im gleichen Tempo zu atmen und sich bewegen scheint wie die Maschine.
Die Quasi-Monologe die Klober über Werte, Individualität contra Allgemeinheit, Verhalten mit und ohne abgeschnittenem Finger hält, lesen sich zwar anstrengend, sind aber in ihrer Stringenz durchaus reizvoll.
Das Geschehen wirkt wie im flachen schwarz-weiß-Film ohne Tiefenwirkung. Die Menschen sind alle nicht attraktiv, und bis auf Klober ziemlich schweigsam. Walser selbst sagt wenig, agiert aber möglichst unauffällig.
Der Roman liest sich spröde und nicht einfach. Die Betrachtungen über Krieg, das Verhalten der Menschen in diesem abstrakten Krieg etc arbeiten nach. Gutes Auseinandersetzen mit diesem Buch !
Gonçalo Manuel Tavares wurde im August 1970 in Luandam Angola geboren. Er zog mit 18 Jahren nach Lissabon. Er studierte sport, Kunst und ist rofessor für Erkenntnistheorie an der Technischen Universität Lissabon. 2001 erschien sein erster Gedichtband - seitdem ist er als Schriftsteller tätig.
"Joseph Walsers Maschine"
Roman
original "A máquina de Joseph Walser"
2004, Editorial Caminho, SA
Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis
2014, Deutsche Verlags Anstalt München
164 Seiten
ISBN 978-3-421-04627-7
Joseph Walser arbeitet in einer Fabrik an einer Maschine. Diktatur oder Krieg baut sich rings um ihn auf. Seine Frau betrügt ihn mit Klober, dem intellektuellen Vorarbeiter. Walser verliert einen Finger beim Hantieren mit der Maschine und wird einer anderen Arbeit zugeteilt. Walser hat eine Affaire mit der Witwe eines guten Freundes, den er verraten hatte. Nach dem Krieg lädt ihn Klober in eine Falle ein. Das Ende bleibt offen.
Das Buch ist in drei Teil aufgeteilt, die wiederum meist kurze Kapitel umfassen.
Der Schreibstil ist konzentriert und sachlich. Empathie kommt wenig auf - nur wenn Walser sich seiner Metallstücke-sammlung widmet ist etwas wie emotionale Bindung und Leidenschaft zu merken. Eine Art Emotionalität ist beschrieben, wenn Walser fast im gleichen Tempo zu atmen und sich bewegen scheint wie die Maschine.
Die Quasi-Monologe die Klober über Werte, Individualität contra Allgemeinheit, Verhalten mit und ohne abgeschnittenem Finger hält, lesen sich zwar anstrengend, sind aber in ihrer Stringenz durchaus reizvoll.
Das Geschehen wirkt wie im flachen schwarz-weiß-Film ohne Tiefenwirkung. Die Menschen sind alle nicht attraktiv, und bis auf Klober ziemlich schweigsam. Walser selbst sagt wenig, agiert aber möglichst unauffällig.
Der Roman liest sich spröde und nicht einfach. Die Betrachtungen über Krieg, das Verhalten der Menschen in diesem abstrakten Krieg etc arbeiten nach. Gutes Auseinandersetzen mit diesem Buch !
Gonçalo Manuel Tavares wurde im August 1970 in Luandam Angola geboren. Er zog mit 18 Jahren nach Lissabon. Er studierte sport, Kunst und ist rofessor für Erkenntnistheorie an der Technischen Universität Lissabon. 2001 erschien sein erster Gedichtband - seitdem ist er als Schriftsteller tätig.
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Samstag, 22. September 2018
Wilhelm Genazino : "Bei Regen im Saal"
Wilhelm Genazino :
"Bei Regen im Saal"
Roman
2014, Carl Hanser Verlag München
154 Seiten
ISBN 978-3-446-24596-9
Ein 43-jähriger eher erfolgloser Mann plaudert über seine Zuneigung zu Sonja, ihre Körperlichkeit, seinen unbezahlten Job als "Überwinder", dann einem Redakteursjob und seinen Betrachtungen über das gewöhnliche Leben. Beim "Überwinder" handelt es sich um Gespräche mit Menschen, die über Probleme reden wollen und diese überwinden wollen; er möchte das für sein Leben nicht machen.
Nicht uninteressant sind Wortschöpfungen wie Nicht-Ereignisse. 'Inneres Verschrobensein' beschreibt er seinen Zustand, der sehr gut das Chaos und die Unentschlossenheit der Hauptperson umfaßt.
Etwas nervig sind seine erotischen Phantasien, die Schilderungen von fad-gemütlichem Sex, und seiner Fixierung auf den offenbar großen Busen seiner Freundin, der offenbar genauso groß wie der seiner oft bedachten verstorbenen Mutter ist. Auch auf die Gegend zwischen den Beinen von Sonja scheint er fixiert zu sein.
Auf dem Cover ist ein liebevolles Päarchen im Stil der 50-er Jahre vor einer Berglandschaft abgebildet. Nichts davon ist in dem Buch zu spüren - kein Päarchen, keine Berge, kein Miteinander.
Leider passiert in den zwölf Kapiteln wenig Merkbares.
Die Beschreibungen von dünnen Socken, dünner Unterwäsche, viel Ungepflegtheit, und viel Armseligkeit durch Faulheit nerven ziemlich. Unterhaltsam wird die Figu,, dann wenn sie sich der aktuellen Digitalisierung komplett entzieht, indem maximal nur ein altes Radio in der Wohnung ist, sowie eine alte Tasten-Schreibmaschine.
Das Buch ist mühsam zu lesen, und die Hauptfigur hat für mich leider nicht an Reiz gewonnen. Das Ringen um Liebe, das auf der Rückseite des Covers versprochen wird, ist für mich nicht spürbar. Vielleicht macht anderen Leserinnen & Lesern dieser Roman mehr Freunde als mir.
Wilhelm Genazino wurde am 22. Jänner 1943 in Mannheim geboren. Er arbeitete als Voluntär bei einer Zeitung, bevor er Germanistik, Philosophie und Soziologie studierte. Dann arbeitete wieder als Journalist und Redakteur bis nur noch freier Schriftsteller wurde. Sein erster Roman erschien 1965. Jetzt lebt er in Frankfurt am Main.
"Bei Regen im Saal"
Roman
2014, Carl Hanser Verlag München
154 Seiten
ISBN 978-3-446-24596-9
Ein 43-jähriger eher erfolgloser Mann plaudert über seine Zuneigung zu Sonja, ihre Körperlichkeit, seinen unbezahlten Job als "Überwinder", dann einem Redakteursjob und seinen Betrachtungen über das gewöhnliche Leben. Beim "Überwinder" handelt es sich um Gespräche mit Menschen, die über Probleme reden wollen und diese überwinden wollen; er möchte das für sein Leben nicht machen.
Nicht uninteressant sind Wortschöpfungen wie Nicht-Ereignisse. 'Inneres Verschrobensein' beschreibt er seinen Zustand, der sehr gut das Chaos und die Unentschlossenheit der Hauptperson umfaßt.
Etwas nervig sind seine erotischen Phantasien, die Schilderungen von fad-gemütlichem Sex, und seiner Fixierung auf den offenbar großen Busen seiner Freundin, der offenbar genauso groß wie der seiner oft bedachten verstorbenen Mutter ist. Auch auf die Gegend zwischen den Beinen von Sonja scheint er fixiert zu sein.
Auf dem Cover ist ein liebevolles Päarchen im Stil der 50-er Jahre vor einer Berglandschaft abgebildet. Nichts davon ist in dem Buch zu spüren - kein Päarchen, keine Berge, kein Miteinander.
Leider passiert in den zwölf Kapiteln wenig Merkbares.
Die Beschreibungen von dünnen Socken, dünner Unterwäsche, viel Ungepflegtheit, und viel Armseligkeit durch Faulheit nerven ziemlich. Unterhaltsam wird die Figu,, dann wenn sie sich der aktuellen Digitalisierung komplett entzieht, indem maximal nur ein altes Radio in der Wohnung ist, sowie eine alte Tasten-Schreibmaschine.
Das Buch ist mühsam zu lesen, und die Hauptfigur hat für mich leider nicht an Reiz gewonnen. Das Ringen um Liebe, das auf der Rückseite des Covers versprochen wird, ist für mich nicht spürbar. Vielleicht macht anderen Leserinnen & Lesern dieser Roman mehr Freunde als mir.
Wilhelm Genazino wurde am 22. Jänner 1943 in Mannheim geboren. Er arbeitete als Voluntär bei einer Zeitung, bevor er Germanistik, Philosophie und Soziologie studierte. Dann arbeitete wieder als Journalist und Redakteur bis nur noch freier Schriftsteller wurde. Sein erster Roman erschien 1965. Jetzt lebt er in Frankfurt am Main.
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Samstag, 15. September 2018
Erling Sandmo : "Ungeheuerlich - Seemonster in Karten und Literatur 1491-1895"
Erling Sandmo :
"Ungeheuerlich - Seemonster in Karten und Literatur 1491-1895"
original "Uhyrlig"
2017, Olso
aus dem Norwegischen übersetzt von Sylvia Kall
2018, Nagel & Kimche
91 Seiten - dickes ausgeschnittenes Cover durch das ein Fischmonster-Auge lugt + 2 Seiten Quellen
ISBN : 978-3-312-01094-3
Phantasievolle Tiere der Wasserwelt die auf Karten die sich in Norwegens Büchereien befinden sind hier liebevoll beschrieben und erläutert. Kapitelweise wird auf zwei Seiten das ausgewählte mehr oder minder gefährliche Wassermonster beschrieben und auf den folgenden zwei Seiten ist die schöne Abbildung dazu.
Bischof Erik Pontoppidan und Olaus Magnus sind die Grundlagen für das meiste Getier. In die Beschreibungen geht einerseits katholische Bewertung von gar fürchterlichen Verbrechen wie Sinnlichkeit einher; andererseits wird auch auf Übersetzungsfehler eingegangen die dann zu ziemlich schrägen Umsetzungen führten. Andere Übersetzer von Grundlagentexten sind weniger klerikal unterwegs.
Es werden Superriesenkraken beschrieben, phantasievoll zusammengesetzte Fabelwesen, singende Wesen die wir aus der Odyssee kennen aber in den Norden reklamiert werden, verschiedene Walarten die Jonas beherbergt hatten, etc.
Das schmale Buch mit gutem hartem Einband ist entzückend und macht es macht Spaß einerseits den Angstphantasien der Menschen auf dem Meer zu folgen, aber mir noch mehr die faszinierenden Zeichnungen zu betrachten. Viel Freunde dabei !
Erling Sverdrup Sandmo wurde am 6. November 1963 geboren. Er ist Historiker, Musikkritiker und hat eine Radiosendung. Außerdem ist der Professor für Geschichte und Archäologie an der Universität Oslo.
"Ungeheuerlich - Seemonster in Karten und Literatur 1491-1895"
original "Uhyrlig"
2017, Olso
aus dem Norwegischen übersetzt von Sylvia Kall
2018, Nagel & Kimche
91 Seiten - dickes ausgeschnittenes Cover durch das ein Fischmonster-Auge lugt + 2 Seiten Quellen
ISBN : 978-3-312-01094-3
Phantasievolle Tiere der Wasserwelt die auf Karten die sich in Norwegens Büchereien befinden sind hier liebevoll beschrieben und erläutert. Kapitelweise wird auf zwei Seiten das ausgewählte mehr oder minder gefährliche Wassermonster beschrieben und auf den folgenden zwei Seiten ist die schöne Abbildung dazu.
Bischof Erik Pontoppidan und Olaus Magnus sind die Grundlagen für das meiste Getier. In die Beschreibungen geht einerseits katholische Bewertung von gar fürchterlichen Verbrechen wie Sinnlichkeit einher; andererseits wird auch auf Übersetzungsfehler eingegangen die dann zu ziemlich schrägen Umsetzungen führten. Andere Übersetzer von Grundlagentexten sind weniger klerikal unterwegs.
Es werden Superriesenkraken beschrieben, phantasievoll zusammengesetzte Fabelwesen, singende Wesen die wir aus der Odyssee kennen aber in den Norden reklamiert werden, verschiedene Walarten die Jonas beherbergt hatten, etc.
Das schmale Buch mit gutem hartem Einband ist entzückend und macht es macht Spaß einerseits den Angstphantasien der Menschen auf dem Meer zu folgen, aber mir noch mehr die faszinierenden Zeichnungen zu betrachten. Viel Freunde dabei !
Erling Sverdrup Sandmo wurde am 6. November 1963 geboren. Er ist Historiker, Musikkritiker und hat eine Radiosendung. Außerdem ist der Professor für Geschichte und Archäologie an der Universität Oslo.
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Tiere,
Übersetzerin,
Wasser,
Zeichnungen
Dienstag, 11. September 2018
Antonio Tabucchi : "Erklärt Pereira"
Antonio Tabucchi :
"Erklärt Pereira" - eine Zeugenaussage
original "sostiene Pereira"
1994, Feltrinelli Mailand
Aus dem Italienischen von Karin Fleischhanderl
1995, Carl Hanser Verlag
201 Seiten
ISBN 3-446-18298-5
Pereira, ein rundlicher Kulturjournalist in Portugal mit Faible für französische Autoren des 19. Jahrhunderts wird mit einem jungen Mann, den er als Praktikenten beschäftigt, bekannt. Dieser engagiert sich für die Republikaner im benachbarten Spanien, und das 1938 in der Zeit des Guernica-Angriffs. Während der Journalist versucht in seiner Welt zu bleiben, indem er französische Autoren übersetzt und Nachrufe plant, Omelette verspeist und Limonade trinkt, was auf 190 Seiten geschieht, bricht in den letzten Seiten die Brutalität der Realität in seine Wohnung ein, der junge Mann wird gefoltert und stirbt, worauf Pereira eine List für den Nachruf über den jungen Mann anwendet und sein Verschwinden plant.
Als Kunstgriff ist immer wieder "erklärt Pereira" in den Erzählstrom eingefügt, als ob er das Geschehen jemandem erzählte oder etwas beweisen muß.
Pereira ist Witwer, und unterhält sich mit dem Photo seiner Frau. Offen sprechen kann er mit einem lange bekannten Priester und später einem Arzt in einem Erholungsspital; sonst hält er sich mit dem Sprechen zurück, und versinkt lieber im Übersetzen. Der Roman liest sich gemütlich, Literatur und Philosophie und die Überlegungen über das 'hegemonische Ich' werden gepflegt.
Die Welt des Praktikanten und seiner Freundin, die sich beide für die Nationalisten und gegen Franco entschieden haben, sind ihm fremd. Erst als sich die spanische Kirche auf die Seite Francos schlägt, das Dorf Guernica zerstört wird und der vertrauensselige Praktikant in seiner Wohnung getötet wird, gewinnt der Roman an Geschwindigkeit und Wendigkeit.
Personen der Handlung sind Pereira, der Herausgeber der Zeitung, die Hausmeisterin (und wahrscheinlich Polizeispitzel der Salazar-Diktatur), Praktikant Rossi und seine Freundin Martha. Orte sind Lissabon, und Gegenden am Land oder am Meer.
Es fallen viele Namen von Autoren und Philosophen die mir nicht immer etwas gesagt haben. Beispielsweise sind genannt : Francois Mauriac (französischer Schriftsteller; 1885 - 1970), Filippo Marinetti (italienischer Schrifsteller, Futurist 1876 - 1944), Georges Bernanos (französischer Schriftsteller, 1888 - 1948), Gabriele D'Annunzio (italienischer Schrifsteller, Symbolist; 1863 - 1938), Alphonse Daudet (französischer Schriftsteller; 1840 - 1897).
Das Buch war nicht einfach zu Lesen. Die Welt des dicken einsamen Mannes bietet nicht viel Abwechslung. Faszinierend wie er den Krieg im Nachbarland komplett ausklammert.
Das Buch wurde 1995 mit Marcello Mastroianni in der Rolle des Dr. Pereira verfilmt.
Antonio Tabucchi wurde am 24. September 1943 in Pisa geboren. Er lernte portugiesisch, als er an der Universität in Genua studierte. er war Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Sein erstes Buch erschien 1975 in Italien (" Piazza d'Italia"). Er starb am 25. März 2012 in Lissabon.
"Erklärt Pereira" - eine Zeugenaussage
original "sostiene Pereira"
1994, Feltrinelli Mailand
Aus dem Italienischen von Karin Fleischhanderl
1995, Carl Hanser Verlag
201 Seiten
ISBN 3-446-18298-5
Pereira, ein rundlicher Kulturjournalist in Portugal mit Faible für französische Autoren des 19. Jahrhunderts wird mit einem jungen Mann, den er als Praktikenten beschäftigt, bekannt. Dieser engagiert sich für die Republikaner im benachbarten Spanien, und das 1938 in der Zeit des Guernica-Angriffs. Während der Journalist versucht in seiner Welt zu bleiben, indem er französische Autoren übersetzt und Nachrufe plant, Omelette verspeist und Limonade trinkt, was auf 190 Seiten geschieht, bricht in den letzten Seiten die Brutalität der Realität in seine Wohnung ein, der junge Mann wird gefoltert und stirbt, worauf Pereira eine List für den Nachruf über den jungen Mann anwendet und sein Verschwinden plant.
Als Kunstgriff ist immer wieder "erklärt Pereira" in den Erzählstrom eingefügt, als ob er das Geschehen jemandem erzählte oder etwas beweisen muß.
Pereira ist Witwer, und unterhält sich mit dem Photo seiner Frau. Offen sprechen kann er mit einem lange bekannten Priester und später einem Arzt in einem Erholungsspital; sonst hält er sich mit dem Sprechen zurück, und versinkt lieber im Übersetzen. Der Roman liest sich gemütlich, Literatur und Philosophie und die Überlegungen über das 'hegemonische Ich' werden gepflegt.
Die Welt des Praktikanten und seiner Freundin, die sich beide für die Nationalisten und gegen Franco entschieden haben, sind ihm fremd. Erst als sich die spanische Kirche auf die Seite Francos schlägt, das Dorf Guernica zerstört wird und der vertrauensselige Praktikant in seiner Wohnung getötet wird, gewinnt der Roman an Geschwindigkeit und Wendigkeit.
Personen der Handlung sind Pereira, der Herausgeber der Zeitung, die Hausmeisterin (und wahrscheinlich Polizeispitzel der Salazar-Diktatur), Praktikant Rossi und seine Freundin Martha. Orte sind Lissabon, und Gegenden am Land oder am Meer.
Es fallen viele Namen von Autoren und Philosophen die mir nicht immer etwas gesagt haben. Beispielsweise sind genannt : Francois Mauriac (französischer Schriftsteller; 1885 - 1970), Filippo Marinetti (italienischer Schrifsteller, Futurist 1876 - 1944), Georges Bernanos (französischer Schriftsteller, 1888 - 1948), Gabriele D'Annunzio (italienischer Schrifsteller, Symbolist; 1863 - 1938), Alphonse Daudet (französischer Schriftsteller; 1840 - 1897).
Das Buch war nicht einfach zu Lesen. Die Welt des dicken einsamen Mannes bietet nicht viel Abwechslung. Faszinierend wie er den Krieg im Nachbarland komplett ausklammert.
Das Buch wurde 1995 mit Marcello Mastroianni in der Rolle des Dr. Pereira verfilmt.
Antonio Tabucchi wurde am 24. September 1943 in Pisa geboren. Er lernte portugiesisch, als er an der Universität in Genua studierte. er war Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Sein erstes Buch erschien 1975 in Italien (" Piazza d'Italia"). Er starb am 25. März 2012 in Lissabon.
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