Gil Ribeiro :
"Lost in Fuseta" - ein Portugal-Krimi
2017, Kiepenheuer & Witsch Köln
374 Seiten + 2 Seiten Danksagung + 2 Seiten 'Über den Roman'
ISBN 978-3-462-04887-2
In diesem unterhaltsamen und durchaus fröhlichen Krimi werden das Ermittlerpaar bildhübsche, temperamentvolle Graciana Rosado und verfressene Carlos Esteves durch innereuropäischen Polizeiaustausch der deutsche Leander Lost zusammen auf Verbrecherjagd geschickt. Ein Toter einem Schiff bei einer Insel, eine frühere Tote bei einem Verkehrsunfall, zwei komplett ausgebrannte Behausungen, noch eine Leiche fordern die drei Menschen. Eine trickreiche Firma, die Wasser entnimmt und teuer verkaufen möchte, sowie Umweltaktivisten sind der Hintergrund für die Geschichte.
Zusätzlich hat Leander Lost das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus, die die Kommunikation seiner Umgebung ziemlich fordert da er nicht lügen kann; sein grandioses photographisches Gedächtnis und seine absolute Logik helfen nach Anfangsproblemen den Fall zu lösen.
Liebevolles rundherum ist die Familie von Graciana die sowohl Leander als auch eine Jugendliche liebevoll umsorgen. Der Eintopf mit Herzmuscheln klingt so gut, daß ich ihn gerne dem Buch entnommen hätte.
Die Orte der Handlung sind gut vorstellbar; vor allem wenn man in Portugal gewesen war, spielt sich vieles wie ein Film vor den Augen ab.
Die Menschen sind großteils als sympathische, freundliche, aufgeschlossene Mitmenschen geschildert. Das freundliche miteinander Umgehen und der liebevolle Humor sind schön zu lesen.
Es gibt keine Sex-Szenen, schon gar keine mühsamen und unnotwendigen. Nur eine Romanze liegt in der Luft, was fein zu Lesen ist .
Leider gibt es keine Seite Glossar über portugal-typische Wörter und Erläuterungen wie "Bica" (der portugiesische Espresso), Sagres (eine der typischen Bier-marken in Portugal) und paar Süßigkeiten, die sich zwar sehr süß aber sehr gut lesen.
In den Coverinnenseiten vorne und hinten sind Detailkarten von Portugal und der beschriebenen Gegend abgedruckt, die helfen sich in der Geographie zurecht zu finden.
In Summe in gemütliches Buch mit schöner Geschichte und sympathischen Menschen das gut zu lesen ist, und für einen verregneten Tag ideal geeignet ist. Viel Freude beim Lesen !
Gil Ribeiro, echter Name Holger Karsten Schmidt, wurde 1965 in Hamburg geboren. Er verliebte sich in das Land Portugal während seiner Interrailreisen und er reist noch heute gerne dorthin. Beruflich ist er Drehbuchautor. Derzeit lebt er in Baden-Württemberg, und in der Freizeit in Fuseta.
Freitag, 22. September 2017
Dienstag, 12. September 2017
Fouad Laroui : "Die alte Dame in Marrakesch"
Fouad Laroui :
"Die alte Dame in Marrakesch"
Roman
original "La vieille dame du ruad"
2011, Editions Juillard Paris
Deutsch von Christine Kayer
2015, Merlin Verlag
166 Seiten + 5 Seiten für Glossar, Liedtexte und Textpassagen
ISBN 978-3-87536-314-2
Als Rahmenhandlung sind Cécile und Francois, ein gut situiertes Paar aus Paris, in Marrakesch unterwegs um einen Wunsch von Francois nach einem Riad (in Marokko ist das ein traditionelles Haus mit einem Innenhof) zu erwerben, was zuerst auch gelingt. Dann finden die beiden eine alte Dame in einem Zimmer, die wie ein Geist wirkt.
Im zweiten langen Kapitel wird anhand von Hadj Fatmi, seiner Berberfrau (der zweiten), deren Sohn Tayeb, die Geschichte Marokkos aus der Sicht der Berber Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts erzählt. Es gibt Bürgerkrieg, Gemetzel, Intrigen, Militärs aus Spanien und Frankreich, Waffen aus England und Deutschland, Wertewandel, Überlegungen wer sich wem wie anpassen soll, IS entsteht, Tayeb meldet sich für die französische Armee im zweiten Weltkrieg und geht verloren.
Im Abschlußkapitel wird der Riad mit all den Unterlagen die das französische Paar mittlerweile über die Berber gesammelt hat eine Art Museum.
Während im ersten Kapitel ein eingespieltes humorvolles Ehepaar miteinander lebt, und zwar ohne wirkliche Probleme, ist das zweite lange Kapitel mit den Kampf- und Kriegswirren sehr spannend geschrieben / spannend übersetzt (was ich nicht entscheiden kann da mein französisch dafür zu schlecht ist).
Die Sichtweise der marokkanischen Geschichte aus dem Blickwinkel der Berber bzw. eines Stammes des Berber, ihre Benachteiligung gegenüber arabisch sprechenden Menschen, der Versuch ihre Kultur auszumerzen, Diskussionen im fernen französischen Paris sind gut vorstellbar beschrieben. Erste islamische Organisationen (es steht im Roman : IS) gegen - hier fremde - Machthaber strukturieren sich.
Die Dialoge des französischen Paares sind sehr unterhaltsam, wobei er als Träumer dargestellt wird. Sie hat mehr Boden unter den Füßen. ist aber doch feinfühliger. Auch die Unterhaltungen der beiden inkl. Gedanken in Marokko mit den dort lebenden Menschen und deren Gepflogenheiten sind humorvoll geschildert.
Die Menschen um Tayeb sind entweder kämpferisch, oder in ihr Schicksal ergeben. Eine eigene Rolle hat die Bedienstete / Sklavin Massouda, die die Gabe hat in die Zukunft zu sehen und eine treue liebevolle Seele ist.
Das Glossar ist wichtig, allerdings mußte ich weitere Wörter nachsehen, die im französischen - islamischen - maghrebinischen Kontext sind. Hier wäre weitere Wörter für das Glossar hinzuzufügen.
In Summe ein spannendes gut geschriebenes Buch mit viel Information über einen geschichtlichen Blick auf die Berber. Viel Freude beim Lesen !
Fouad Laroui wurde am 12. August 1958 in Oujda (Marokko) geboren. Er studierte zuerst in Casablanca und später in Paris Ingenieurswissenschaften. Dann arbeitete er in Khouriba (Marokko), dann in Cambridge und York. Hier studierte er Wirtschaft. Später ging er nach Amsterdam um zu unterrichten (was er bis jetzt tut). Nebenbei schreibt er für ein Wochenmagazin und Romane. Sein erster Roman "Les Dents du topographe" erschien 1996.
"Die alte Dame in Marrakesch"
Roman
original "La vieille dame du ruad"
2011, Editions Juillard Paris
Deutsch von Christine Kayer
2015, Merlin Verlag
166 Seiten + 5 Seiten für Glossar, Liedtexte und Textpassagen
ISBN 978-3-87536-314-2
Als Rahmenhandlung sind Cécile und Francois, ein gut situiertes Paar aus Paris, in Marrakesch unterwegs um einen Wunsch von Francois nach einem Riad (in Marokko ist das ein traditionelles Haus mit einem Innenhof) zu erwerben, was zuerst auch gelingt. Dann finden die beiden eine alte Dame in einem Zimmer, die wie ein Geist wirkt.
Im zweiten langen Kapitel wird anhand von Hadj Fatmi, seiner Berberfrau (der zweiten), deren Sohn Tayeb, die Geschichte Marokkos aus der Sicht der Berber Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts erzählt. Es gibt Bürgerkrieg, Gemetzel, Intrigen, Militärs aus Spanien und Frankreich, Waffen aus England und Deutschland, Wertewandel, Überlegungen wer sich wem wie anpassen soll, IS entsteht, Tayeb meldet sich für die französische Armee im zweiten Weltkrieg und geht verloren.
Im Abschlußkapitel wird der Riad mit all den Unterlagen die das französische Paar mittlerweile über die Berber gesammelt hat eine Art Museum.
Während im ersten Kapitel ein eingespieltes humorvolles Ehepaar miteinander lebt, und zwar ohne wirkliche Probleme, ist das zweite lange Kapitel mit den Kampf- und Kriegswirren sehr spannend geschrieben / spannend übersetzt (was ich nicht entscheiden kann da mein französisch dafür zu schlecht ist).
Die Sichtweise der marokkanischen Geschichte aus dem Blickwinkel der Berber bzw. eines Stammes des Berber, ihre Benachteiligung gegenüber arabisch sprechenden Menschen, der Versuch ihre Kultur auszumerzen, Diskussionen im fernen französischen Paris sind gut vorstellbar beschrieben. Erste islamische Organisationen (es steht im Roman : IS) gegen - hier fremde - Machthaber strukturieren sich.
Die Dialoge des französischen Paares sind sehr unterhaltsam, wobei er als Träumer dargestellt wird. Sie hat mehr Boden unter den Füßen. ist aber doch feinfühliger. Auch die Unterhaltungen der beiden inkl. Gedanken in Marokko mit den dort lebenden Menschen und deren Gepflogenheiten sind humorvoll geschildert.
Die Menschen um Tayeb sind entweder kämpferisch, oder in ihr Schicksal ergeben. Eine eigene Rolle hat die Bedienstete / Sklavin Massouda, die die Gabe hat in die Zukunft zu sehen und eine treue liebevolle Seele ist.
Das Glossar ist wichtig, allerdings mußte ich weitere Wörter nachsehen, die im französischen - islamischen - maghrebinischen Kontext sind. Hier wäre weitere Wörter für das Glossar hinzuzufügen.
In Summe ein spannendes gut geschriebenes Buch mit viel Information über einen geschichtlichen Blick auf die Berber. Viel Freude beim Lesen !
Fouad Laroui wurde am 12. August 1958 in Oujda (Marokko) geboren. Er studierte zuerst in Casablanca und später in Paris Ingenieurswissenschaften. Dann arbeitete er in Khouriba (Marokko), dann in Cambridge und York. Hier studierte er Wirtschaft. Später ging er nach Amsterdam um zu unterrichten (was er bis jetzt tut). Nebenbei schreibt er für ein Wochenmagazin und Romane. Sein erster Roman "Les Dents du topographe" erschien 1996.
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Samstag, 2. September 2017
Michail Gorbatschow : "Das neue Russland: Der Umbruch und das System Putin"
Michail Gorbatschow
"Das neue Russland: Der Umbruch und das System Putin"
original "Posle Kremlja"
2015, Bastei Lübbe (Quadriga)
Übersetzer : Boris Reitschuster
514 Seiten + 5 Seiten Inhaltsverzeichnis + 9 Seiten 'Gedanken über mich' + 6 Seiten Anhang + 7 Seiten Personenregister + 9 Seiten Anmerkungen (Fußnoten)
In diesem dicken gescheiten Buch mit vielen herausfordernden Überlegungen erzählt einer der wichtigsten Politiker des 20. Jahrhunderts über 25 Jahre Rußland. Er geht etwas auf die verkrusteten Strukturen ein bevor es ihm gelang Rußland zu öffnen, und erzählt dann im 1. Kapitel die Zeit der 90-er Jahre mit dem Elend der Bevölkerung und den Fehlern Präsident Boris Jelzins, im 2. Kapitel die Nuller-Jahre des 21. Jahrhunderts inkl. Wirtschaftskrise und dann im 3. Kapitel die Chancen, die Gefahren und die Fehler in Rußland und der Welt und räsoniert über Punkte die ihm in der Welt wichtig sind.
Am Anfang beschreibt er wie man innenpolitisch mit ihm nach dem Präsidentenwechsle 1991 umgegangen ist, wie grob wie abweisend plötzlich viele Menschen und Organisationen waren - er konnte sich nur seine Position als Meinung halten weil er und seine Organisationen zu bekannt waren.
Er blickt auf die Jahre der Perestroika zurück und auf viele Gespräche mit anderen hochkarätigen Politikern in USA, Deutschland und anderen großen Staaten der Welt.
Wie er über Wladimir Wladimirowitsch Putin schreibt ist faszinierend zu lesen. Er bemüht sich um Sachlichkeit und versucht das Positive und Negative abzuwägen. Im dritten Abschnitt findet er nichts mehr Positives zu schreiben. Die Schwachheit von Präsident Boris Nikolajewitsch Jelzin nennt er allerdings klar.
Viele Themen und Fragestellungen werden angesprochen - u.a. :
Frage ob zuerst Reformen laufen sollen und erst dann die Meinungsfreiheit forciert gehört , weil gleichzeitiges die Menschen überfordert ?
was ist für ihn Sozialismus ?
wie wichtig ist Demokratie (vorneweg : es geht nicht ohne)
Gefahren und Chancen der Globalisierung
Seine Sorgen um die Ukraine (ein Elternteil waren Raissa Maximowna Gorbatschowa war aus der Ukraine)
Syrien ist 2015 bei Drucklegung bereits Thema aber noch nicht mit der derzeitigen politischen und menschlichen Tragweite.
Seine Definition von Nationalismus - er meinte aber hier den russischen - ist sehr eigen.
Irritierend ist, daß für ihn Rußland zu Europa gehört, und daß es für ihn erschreckend ist, daß dies Europäer anders sehen.
Wie er China einschätzt ist vollkommen anders als man gewohnt ist zu Lesen.
Das Buch ist nicht einfach zu lesen, weil es viel zitiert wird aus Gesprächen, aus Veröffentlichungen und diese mit anderen Fonts, Absätzen gekennzeichnet sind, was das einfache Lesen herausfordert.
Ich habe mit vielen Unterbrechungen von anderen Büchern fast eineinhalb Jahre an dem Buch gelesen und es hat mich immer fasziniert. Meine Umgebung hat es meist abgekommen wenn ich wieder 10 oder 15 Seiten gelesen hatte und darüber erzählen mußte, weil es hochinteressant - aber kompakt - ist.
In Summe ein faszinierendes Buch über Politik, Demokratie, Meinungsfreiheit das nicht so leicht losläßt und öfters gelesen werden sollte !
Michail Sergejewitsch Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje / Region Stawropol / UdSSR geboren. Er war von März 1985 bis August 1991 Generalsekretär der KPdSU und von März 1990 bis Dezember 1991 Präsident der Sowjetunion. Er leitete 'Glasnost' (steht für Öffnung und Kommunikation mit den Menschen) und 'Perestroika' (steht für Umbau des politischen, wirtschaftlichen Systems) ein, und beendete den Kalten Krieg mit den USA.
Boris Reitschuster wurde a. 12. Mai 1971 in Augsburg geboren. Er war als Journalisten lange in Rußland tätig und ist auch Sachbuchautor.
"Das neue Russland: Der Umbruch und das System Putin"
original "Posle Kremlja"
2015, Bastei Lübbe (Quadriga)
Übersetzer : Boris Reitschuster
514 Seiten + 5 Seiten Inhaltsverzeichnis + 9 Seiten 'Gedanken über mich' + 6 Seiten Anhang + 7 Seiten Personenregister + 9 Seiten Anmerkungen (Fußnoten)
ISBN 978-3-869950822
In diesem dicken gescheiten Buch mit vielen herausfordernden Überlegungen erzählt einer der wichtigsten Politiker des 20. Jahrhunderts über 25 Jahre Rußland. Er geht etwas auf die verkrusteten Strukturen ein bevor es ihm gelang Rußland zu öffnen, und erzählt dann im 1. Kapitel die Zeit der 90-er Jahre mit dem Elend der Bevölkerung und den Fehlern Präsident Boris Jelzins, im 2. Kapitel die Nuller-Jahre des 21. Jahrhunderts inkl. Wirtschaftskrise und dann im 3. Kapitel die Chancen, die Gefahren und die Fehler in Rußland und der Welt und räsoniert über Punkte die ihm in der Welt wichtig sind.
Am Anfang beschreibt er wie man innenpolitisch mit ihm nach dem Präsidentenwechsle 1991 umgegangen ist, wie grob wie abweisend plötzlich viele Menschen und Organisationen waren - er konnte sich nur seine Position als Meinung halten weil er und seine Organisationen zu bekannt waren.
Er blickt auf die Jahre der Perestroika zurück und auf viele Gespräche mit anderen hochkarätigen Politikern in USA, Deutschland und anderen großen Staaten der Welt.
Wie er über Wladimir Wladimirowitsch Putin schreibt ist faszinierend zu lesen. Er bemüht sich um Sachlichkeit und versucht das Positive und Negative abzuwägen. Im dritten Abschnitt findet er nichts mehr Positives zu schreiben. Die Schwachheit von Präsident Boris Nikolajewitsch Jelzin nennt er allerdings klar.
Viele Themen und Fragestellungen werden angesprochen - u.a. :
Frage ob zuerst Reformen laufen sollen und erst dann die Meinungsfreiheit forciert gehört , weil gleichzeitiges die Menschen überfordert ?
was ist für ihn Sozialismus ?
wie wichtig ist Demokratie (vorneweg : es geht nicht ohne)
Gefahren und Chancen der Globalisierung
Seine Sorgen um die Ukraine (ein Elternteil waren Raissa Maximowna Gorbatschowa war aus der Ukraine)
Syrien ist 2015 bei Drucklegung bereits Thema aber noch nicht mit der derzeitigen politischen und menschlichen Tragweite.
Seine Definition von Nationalismus - er meinte aber hier den russischen - ist sehr eigen.
Irritierend ist, daß für ihn Rußland zu Europa gehört, und daß es für ihn erschreckend ist, daß dies Europäer anders sehen.
Wie er China einschätzt ist vollkommen anders als man gewohnt ist zu Lesen.
Das Buch ist nicht einfach zu lesen, weil es viel zitiert wird aus Gesprächen, aus Veröffentlichungen und diese mit anderen Fonts, Absätzen gekennzeichnet sind, was das einfache Lesen herausfordert.
Ich habe mit vielen Unterbrechungen von anderen Büchern fast eineinhalb Jahre an dem Buch gelesen und es hat mich immer fasziniert. Meine Umgebung hat es meist abgekommen wenn ich wieder 10 oder 15 Seiten gelesen hatte und darüber erzählen mußte, weil es hochinteressant - aber kompakt - ist.
In Summe ein faszinierendes Buch über Politik, Demokratie, Meinungsfreiheit das nicht so leicht losläßt und öfters gelesen werden sollte !
Michail Sergejewitsch Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje / Region Stawropol / UdSSR geboren. Er war von März 1985 bis August 1991 Generalsekretär der KPdSU und von März 1990 bis Dezember 1991 Präsident der Sowjetunion. Er leitete 'Glasnost' (steht für Öffnung und Kommunikation mit den Menschen) und 'Perestroika' (steht für Umbau des politischen, wirtschaftlichen Systems) ein, und beendete den Kalten Krieg mit den USA.
Boris Reitschuster wurde a. 12. Mai 1971 in Augsburg geboren. Er war als Journalisten lange in Rußland tätig und ist auch Sachbuchautor.
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Mittwoch, 30. August 2017
Dörte Hansen : "Altes Land"
Dörte Hansen :
"Altes Land"
Roman
2015, Albrecht Kraus Verlag
5. Auflage 2017
281 Seiten
ISBN 978-3-328-10012-6
In diesem eindrücklichen Roman werden mehrere Frauengeschichten der Nachkriegszeits - Deutschlands bis heute geschildert. Chronologisch wären dies Ida Eckhof mit Sohn Karl, Hildegard von Kamcke mit Tochter Vera Eckhoff später Marlene, und deren Tochter Anna mit Sohn Leon. Ort der Handlung ist hauptsächlich ein altes Fachwerkhaus im Norden Deutschlands, das die Frauen von lebenslang bis möglichst kurz beherbergt.
Hauptfigur ist Vera die als Flüchtlingskind in das Haus kommt, dort als Stiefkind von Karl lebt und ihn als Kriegsinvaliden umsorgt nachdem sich ihre Mutter mit einem anderen Mann abgesetzt hat. Ihre Nichte Anna kommt als Hilfesuchende zu ihr (gemeinsam mit dem Sohn) und gemeinsam beginnen die beiden das Haus wieder zu umsorgen. Dazwischen muß sie sich behaupten und kämpfen, wird von den meisten im Dorf abgelehnt, überlebt aber als anerkannte Zahnärztin.
Ihre Mutter Hildegard war als Flüchtling mit Vera gestrandet, hat niemals Stolz oder Ziele vergessen, heiratete zuerst Karl, zog mit einem anderen nebulos bleibenden Mann weg, brachte Marlene und Thomas auf die Welt und blieb fern. Sie wird stolz, aber singend beschrieben.
Ida in deren Haus die 2 Flüchtlinge kamen war eine eher mitleidlose Frau, die sich von den Folgen des Krieges nicht erholte.
Marlene die zweite Tochter von Hildegard wird als überbetuliche Mutter geschildert die zuerst musikalische Wunderkind Anna fördert, dann fallen läßt zugunsten des wirklichen musikalischen Wunderkindes Thomas. Spät beginnt sie das Leben ihrer Mutter Hildegard nachzuforschen, aus dem sie immer ausgeklammert gewesen war.
Anna muß sich nach dem Scheitern als Wunderkind behaupten, lernt tischlern, zieht in die Stadt bekommt ein Kind, wird vom Vater des Kindes einem Romanzenschriftsteller verlassen und baut sich bei ihrer Tante am Land wieder ein Leben auf.
Unter die Haut gehen die kurzen Sequenzen in denen Sterben nach dem Krieg beschrieben wird: einmal die Menschen die sich erhängen oder die Babys die im Kinderwagen erfrieren und einfach stehen gelassen werden.
Nebenelemente ist Dirk vom Felde, ein bodenständiger Bauer mit fröhlicher Frau, Kindern, Hunden, und Traktoren. Als Gegenelement ist Burkhard Weißwerth geschildert : ein Städter den es ins so idyllische Landleben verschlägt, hier einen Bestseller über das Landleben schreibt, aber letztendlich doch merkt, daß was er unter Landleben versteht mit dem wirklichen Landleben wenig zu tun hat und wenig Idylle birgt.
Auch das Kindergartenleben in der Stadt ist anders als am Land wie Leon und seine Mutter merken (müssen) - und auch die Kindergartenleiterin.
Die Schilderungen von Menschen gingen mir unter die Haut. Vor allem Vera mit ihrer Sprödigkeit und Geradlinigkeit hat mich fasziniert; selbst daß sie nur im Sitzen schlafen kann weil sie Angst vor dem Haus hat ist spürbar. Die Menschen machen im Sinnen von bewegen einiges - diese Bewegungen waren gut vorstellbar. Das Buch schildert mehr die Frauen , aber auch der Nachbar von Vera wird mit seinen Veränderungen und seinem Leben - alle drei Söhne gehen vom Bauernhof weg - erzählt.
Hintergrund sind die Nachkriegszeit und dann ist Wiederaufbau spürbar; auch die aktuelle Suche nach Ruhe und sogenannter Idylle ist vorhanden, inkl. Scheitern.
In Summe ein großartiges Buch, das ich genossen habe zu Lesen. Viel Freude auch anderen Leserinnen und Lesern !
Dörte Hansen wurde in Husum (Kreisstadt des in Nordfriesland in Schleswig-Holstein) geboren . Daheim lernte sie zuerst Plattdeutsch, ehe sie in der Schule Schriftdeutsch lernte. Sie ist eine deutsche Linguistin (Linguistik, Anglistik, Romanistik und Frisistik an der Universität Kiel), Journalistin (NDR, WDR, etc) und Autorin. Sie lebte in Steinkirchen (Niedersachsen) und jetzt wieder in Husum.
"Altes Land"
Roman
2015, Albrecht Kraus Verlag
5. Auflage 2017
281 Seiten
ISBN 978-3-328-10012-6
In diesem eindrücklichen Roman werden mehrere Frauengeschichten der Nachkriegszeits - Deutschlands bis heute geschildert. Chronologisch wären dies Ida Eckhof mit Sohn Karl, Hildegard von Kamcke mit Tochter Vera Eckhoff später Marlene, und deren Tochter Anna mit Sohn Leon. Ort der Handlung ist hauptsächlich ein altes Fachwerkhaus im Norden Deutschlands, das die Frauen von lebenslang bis möglichst kurz beherbergt.
Hauptfigur ist Vera die als Flüchtlingskind in das Haus kommt, dort als Stiefkind von Karl lebt und ihn als Kriegsinvaliden umsorgt nachdem sich ihre Mutter mit einem anderen Mann abgesetzt hat. Ihre Nichte Anna kommt als Hilfesuchende zu ihr (gemeinsam mit dem Sohn) und gemeinsam beginnen die beiden das Haus wieder zu umsorgen. Dazwischen muß sie sich behaupten und kämpfen, wird von den meisten im Dorf abgelehnt, überlebt aber als anerkannte Zahnärztin.
Ihre Mutter Hildegard war als Flüchtling mit Vera gestrandet, hat niemals Stolz oder Ziele vergessen, heiratete zuerst Karl, zog mit einem anderen nebulos bleibenden Mann weg, brachte Marlene und Thomas auf die Welt und blieb fern. Sie wird stolz, aber singend beschrieben.
Ida in deren Haus die 2 Flüchtlinge kamen war eine eher mitleidlose Frau, die sich von den Folgen des Krieges nicht erholte.
Marlene die zweite Tochter von Hildegard wird als überbetuliche Mutter geschildert die zuerst musikalische Wunderkind Anna fördert, dann fallen läßt zugunsten des wirklichen musikalischen Wunderkindes Thomas. Spät beginnt sie das Leben ihrer Mutter Hildegard nachzuforschen, aus dem sie immer ausgeklammert gewesen war.
Anna muß sich nach dem Scheitern als Wunderkind behaupten, lernt tischlern, zieht in die Stadt bekommt ein Kind, wird vom Vater des Kindes einem Romanzenschriftsteller verlassen und baut sich bei ihrer Tante am Land wieder ein Leben auf.
Unter die Haut gehen die kurzen Sequenzen in denen Sterben nach dem Krieg beschrieben wird: einmal die Menschen die sich erhängen oder die Babys die im Kinderwagen erfrieren und einfach stehen gelassen werden.
Nebenelemente ist Dirk vom Felde, ein bodenständiger Bauer mit fröhlicher Frau, Kindern, Hunden, und Traktoren. Als Gegenelement ist Burkhard Weißwerth geschildert : ein Städter den es ins so idyllische Landleben verschlägt, hier einen Bestseller über das Landleben schreibt, aber letztendlich doch merkt, daß was er unter Landleben versteht mit dem wirklichen Landleben wenig zu tun hat und wenig Idylle birgt.
Auch das Kindergartenleben in der Stadt ist anders als am Land wie Leon und seine Mutter merken (müssen) - und auch die Kindergartenleiterin.
Die Schilderungen von Menschen gingen mir unter die Haut. Vor allem Vera mit ihrer Sprödigkeit und Geradlinigkeit hat mich fasziniert; selbst daß sie nur im Sitzen schlafen kann weil sie Angst vor dem Haus hat ist spürbar. Die Menschen machen im Sinnen von bewegen einiges - diese Bewegungen waren gut vorstellbar. Das Buch schildert mehr die Frauen , aber auch der Nachbar von Vera wird mit seinen Veränderungen und seinem Leben - alle drei Söhne gehen vom Bauernhof weg - erzählt.
Hintergrund sind die Nachkriegszeit und dann ist Wiederaufbau spürbar; auch die aktuelle Suche nach Ruhe und sogenannter Idylle ist vorhanden, inkl. Scheitern.
In Summe ein großartiges Buch, das ich genossen habe zu Lesen. Viel Freude auch anderen Leserinnen und Lesern !
Dörte Hansen wurde in Husum (Kreisstadt des in Nordfriesland in Schleswig-Holstein) geboren . Daheim lernte sie zuerst Plattdeutsch, ehe sie in der Schule Schriftdeutsch lernte. Sie ist eine deutsche Linguistin (Linguistik, Anglistik, Romanistik und Frisistik an der Universität Kiel), Journalistin (NDR, WDR, etc) und Autorin. Sie lebte in Steinkirchen (Niedersachsen) und jetzt wieder in Husum.
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Freitag, 25. August 2017
Jeff Lindsay : "Dearly devoted Dexter"
Jeff Lindsay :
"Dearly devoted Dexter"
2005, Orion Books / 2006, paperpack edition
296 Seiten
ISBN 978-0-7528-7788-4
Dexter Morgan, Blutspezialist bei der Polizei in Miami, hat eine nette Freundin mit Kindern und einen 'dunklen Passagier', der gerne Menschen tötet. Dexters Adoptivvater hat ihm beigebracht daß er erst sicher sein muß, daß ein Mensch bewiesenermaßen Böses getan hat und durch die Lücken der Gesellschaft keine Strafe erwartet oder erwischt wird bevor er zuschlagen darf. Ein Kinderschänder ist hier genau das richtige um die dunkle Stimme in ihm zu beruhigen. Mitten in den Vorbereitungen wird er genauso wie seine Schwester und das andere Polizeiteam zu einem Tatort gerufen, bei dem ein menschliches verstümmeltes Wrack gefunden wird. Externe Hilfe trifft ein und wir den Leuten vor Ort vor die Nase gesetzt. Es werden noch einige Menschen verstümmelt, eine Falle aufgestellt die leider nicht wie geplant funktioniert bis ab Schluß der Verstümmelnde getötet wird und Dexter - und der 'dunklen Passagier' endlich den Kinderschänder seiner Strafe zuführen darf.
Parallelgeschichte ist daß sich Dexters Schwester Debra in den externen Polizisten verliebt. Und Dexter sich irrtümlich mit Rita verlobt, was in einer ziemlich alkohol-lastigen Party gefeiert wird.
Das ist Buch 2 aus der Dexter Serie, das auf deutsch mit dem Titel "Dunkler Dämon" übersetzt wurde. Da ich Dexter, die Serie zwar nur teilweise gesehen habe, interessiert mich die Vorlage. Eingeweihten zufolge ist diese Geschichte nicht eins-zu-eins in einer Serie gelandet.
Das wirkliche Problem ist für das auseinanderklaffen der Figur von Debra, die im Buch eher üppig beschrieben wird, in der Serie aber eine dünne Frau ist. Netterweise ist die mich ziemlich nervende Rita im Buch weniger präsent.
Ich habe mich köstlich beim Lesen amüsiert. Der böse schwarze Humor, das Spiel zwischen echter Emotionslosigkeit, bemühen um freundliche Fassade als emotionaler Mensch aber professionellem Interesse an der Technik des Verstümmelnden sind zynisch unterhaltend beschrieben. Zynisch unterhaltsam sind auch Kommentare über eine Pädophilenvereinigung, von der Dexter gar nichts hält.
Das Englisch ist unterhaltsam v.a. wenn der Autor mit Aussagen wie "Dexter the Avenger" oder "Dutiful Dexter" spielt. Gewisse Vokabel wie 'dismemberment' mußte ich nachblättern.
In Summe ein herrlich rabenschwarzes Buch. Viel Freude beim Lesen !
Jeffry P. Freundlich, Pseudonym Jeff Lindsay, wurde am 14. Juli 1952 in Florida geboren.
Sein erster Roman 'Tropical Depression: A Novel of Suspense' wurde 1994 veröffentlicht. In den 1990er-Jahren folgten noch drei Werke, jedoch erst 2004 feierte Lindsay mit Darkly Dreaming Dexter den Durchbruch und seinen ersten großen Erfolg. Mittlerweile gibt es acht Bücher mit Dexter Morgan.
"Dearly devoted Dexter"
2005, Orion Books / 2006, paperpack edition
296 Seiten
ISBN 978-0-7528-7788-4
Dexter Morgan, Blutspezialist bei der Polizei in Miami, hat eine nette Freundin mit Kindern und einen 'dunklen Passagier', der gerne Menschen tötet. Dexters Adoptivvater hat ihm beigebracht daß er erst sicher sein muß, daß ein Mensch bewiesenermaßen Böses getan hat und durch die Lücken der Gesellschaft keine Strafe erwartet oder erwischt wird bevor er zuschlagen darf. Ein Kinderschänder ist hier genau das richtige um die dunkle Stimme in ihm zu beruhigen. Mitten in den Vorbereitungen wird er genauso wie seine Schwester und das andere Polizeiteam zu einem Tatort gerufen, bei dem ein menschliches verstümmeltes Wrack gefunden wird. Externe Hilfe trifft ein und wir den Leuten vor Ort vor die Nase gesetzt. Es werden noch einige Menschen verstümmelt, eine Falle aufgestellt die leider nicht wie geplant funktioniert bis ab Schluß der Verstümmelnde getötet wird und Dexter - und der 'dunklen Passagier' endlich den Kinderschänder seiner Strafe zuführen darf.
Parallelgeschichte ist daß sich Dexters Schwester Debra in den externen Polizisten verliebt. Und Dexter sich irrtümlich mit Rita verlobt, was in einer ziemlich alkohol-lastigen Party gefeiert wird.
Das ist Buch 2 aus der Dexter Serie, das auf deutsch mit dem Titel "Dunkler Dämon" übersetzt wurde. Da ich Dexter, die Serie zwar nur teilweise gesehen habe, interessiert mich die Vorlage. Eingeweihten zufolge ist diese Geschichte nicht eins-zu-eins in einer Serie gelandet.
Das wirkliche Problem ist für das auseinanderklaffen der Figur von Debra, die im Buch eher üppig beschrieben wird, in der Serie aber eine dünne Frau ist. Netterweise ist die mich ziemlich nervende Rita im Buch weniger präsent.
Ich habe mich köstlich beim Lesen amüsiert. Der böse schwarze Humor, das Spiel zwischen echter Emotionslosigkeit, bemühen um freundliche Fassade als emotionaler Mensch aber professionellem Interesse an der Technik des Verstümmelnden sind zynisch unterhaltend beschrieben. Zynisch unterhaltsam sind auch Kommentare über eine Pädophilenvereinigung, von der Dexter gar nichts hält.
Das Englisch ist unterhaltsam v.a. wenn der Autor mit Aussagen wie "Dexter the Avenger" oder "Dutiful Dexter" spielt. Gewisse Vokabel wie 'dismemberment' mußte ich nachblättern.
In Summe ein herrlich rabenschwarzes Buch. Viel Freude beim Lesen !
Jeffry P. Freundlich, Pseudonym Jeff Lindsay, wurde am 14. Juli 1952 in Florida geboren.
Sein erster Roman 'Tropical Depression: A Novel of Suspense' wurde 1994 veröffentlicht. In den 1990er-Jahren folgten noch drei Werke, jedoch erst 2004 feierte Lindsay mit Darkly Dreaming Dexter den Durchbruch und seinen ersten großen Erfolg. Mittlerweile gibt es acht Bücher mit Dexter Morgan.
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2005,
Autor,
in englischer Originalfassung gelesen,
Krimi,
Roman,
schwarzer Humor,
Thriller,
USA
Samstag, 19. August 2017
Bernhard Aichner : "Nur Blau"
Bernhard Aichner :
"Nur Blau"
Roman
2012, Haymon Innsbruck
222 Seiten
ISBN 978-3-85218-903-1
In diesem dichten großartigen Roman geht es um das Blau und dem Maler Yves Klein. Mehrere Fäden werden erzählt, die sich lose miteinander verbinden :
Der eine ist Jo, ein ungestümer junger Mann der so lange mit blau probiert, bis der das Yves Klein blau hat und Kopieren herstellen kann. Mosca ist sein Freund, Literaturagent, gepflegt, elegant und belesen. Ben ist Taxifahrer in Frankfurt und hat grausliche Alpträume durch Tabletten. Oliver ist Mistmann, findet ein Bild von Yves Klein in einer Mülltonne und verliebt sich in Herta die von einem eigenen Restaurant träumt. Anna war mit Ludwig einem Radiosprecher zusammen, der sich quälte - jetzt zeichnet sie mit Bleistift und arbeitet in einem Restaurant; nebenbei hatte sie was mit Ben laufen. Mirella ist aus Italien, lebt in einem Wohnwagen und kannte Yves Klein als sie jung war und er in einer Galerie in Mailand ausstellte. Onnie ist Däne, dünn und hat ein Harnproblem und schnupft Rauschgift; als Mosca ihm helfen will wird das von Ming, einer ehrgeizigen Asiatin, vereitelt. Am Schluß ist ein Fenster offen.
Mich hat der Roman fasziniert und ich mußte weiter- und durchlesen bis ich auf der letzten Seite war. Die Menschen und ihren 2-er oder auch 3-er Beziehungen sind gut spürbar, aber auch die Suche nach wie-will-ich-leben bei denen die Haupt- und Nebenplaneten ist nachvollziehbar.
Die Beziehung zwischen Mosca und Jo ist haptisch und in ihrer Sinnlichkeit schön vorstellbar. Auch die Beziehung zwischen Anna und Ludwig, die Ludwig durch Verletzungen ruiniert, ist in ihrer Körperlichkeit nachvollziehbar.
Als Gegenpole sind Jo der dem abstrakten Klein-Blau nachjagt und Anna die viele Bleistiftzeichnungen ihres eigenen verletzten Körpers zeichnet aufgebaut.
Im Gegensatz zu einem Kriminalroman des Autors bei dem mir die Eigenschaftswörter fehlten, gibt es hier genug vorstellbares und ich konnte in die spannenden Erzählfäden eintauchen.
In Summe : ein grandioses Buch, das ich gerne weiterempfehle !
Yves Klein lebte von 28. April 1928 in Nizza bis 6. Juni 1962 in Paris (Herzinfarkt).
"Nur Blau"
Roman
2012, Haymon Innsbruck
222 Seiten
ISBN 978-3-85218-903-1
In diesem dichten großartigen Roman geht es um das Blau und dem Maler Yves Klein. Mehrere Fäden werden erzählt, die sich lose miteinander verbinden :
Der eine ist Jo, ein ungestümer junger Mann der so lange mit blau probiert, bis der das Yves Klein blau hat und Kopieren herstellen kann. Mosca ist sein Freund, Literaturagent, gepflegt, elegant und belesen. Ben ist Taxifahrer in Frankfurt und hat grausliche Alpträume durch Tabletten. Oliver ist Mistmann, findet ein Bild von Yves Klein in einer Mülltonne und verliebt sich in Herta die von einem eigenen Restaurant träumt. Anna war mit Ludwig einem Radiosprecher zusammen, der sich quälte - jetzt zeichnet sie mit Bleistift und arbeitet in einem Restaurant; nebenbei hatte sie was mit Ben laufen. Mirella ist aus Italien, lebt in einem Wohnwagen und kannte Yves Klein als sie jung war und er in einer Galerie in Mailand ausstellte. Onnie ist Däne, dünn und hat ein Harnproblem und schnupft Rauschgift; als Mosca ihm helfen will wird das von Ming, einer ehrgeizigen Asiatin, vereitelt. Am Schluß ist ein Fenster offen.
Mich hat der Roman fasziniert und ich mußte weiter- und durchlesen bis ich auf der letzten Seite war. Die Menschen und ihren 2-er oder auch 3-er Beziehungen sind gut spürbar, aber auch die Suche nach wie-will-ich-leben bei denen die Haupt- und Nebenplaneten ist nachvollziehbar.
Die Beziehung zwischen Mosca und Jo ist haptisch und in ihrer Sinnlichkeit schön vorstellbar. Auch die Beziehung zwischen Anna und Ludwig, die Ludwig durch Verletzungen ruiniert, ist in ihrer Körperlichkeit nachvollziehbar.
Als Gegenpole sind Jo der dem abstrakten Klein-Blau nachjagt und Anna die viele Bleistiftzeichnungen ihres eigenen verletzten Körpers zeichnet aufgebaut.
Im Gegensatz zu einem Kriminalroman des Autors bei dem mir die Eigenschaftswörter fehlten, gibt es hier genug vorstellbares und ich konnte in die spannenden Erzählfäden eintauchen.
In Summe : ein grandioses Buch, das ich gerne weiterempfehle !
Yves Klein lebte von 28. April 1928 in Nizza bis 6. Juni 1962 in Paris (Herzinfarkt).
Labels:
2012,
Autor,
Erotik,
Homosexualität,
Kunst,
Künstler,
Künstlerin,
Liebe,
Roman,
Wertung - 4 Bücher
Sonntag, 13. August 2017
Maurice Leblanc : "Die grünäugige Frau"
Maurice Leblanc :
"Die grünäugige Frau"
original "La Demoiselle aux yeux verts",
1927, Éditions Pierre Lafitte
Dateigröße: 402 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 222 Seiten
Verlag: idb (5. Januar 2017)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch - leider ist kein/e Übersetzer/in angegeben
ASIN: B01N1ZPHD2
Ein Mann sieht eine schöne Frau in Paris und folgt ihr - mit blauen Augen und Temperament. Im Cafehaus sieht er eine andere schöne Frau - mit grüne Augen. Im Zug wird die blauäugige Frau ermordet. Später taucht die grünäugige junge Frau (Aurelie) wieder auf - wie sie Verbrechern Schmiere steht, wie sie Menschen im Zug überfällt, aber immer ist sie unschuldig weil ein böser Stiefvater und noch paar Spießgesellen an einem alten Rezept hinter ihr her sind. Einzig ein Mann der sich als Raoul nennt, aber Arsene Lupin ist, hilft ihr entweder romantisch oder heldenhaft.
Das e-book ist in der Serie "historische Kriminalromane" herausgegeben, weshalb ich neugierig geworden war.
Leider hat mich der Stil überhaupt nicht fasziniert, was eigen ist, da ich sonst gerne den langsamen Stil der Zwischenkriegszeit lese. Ich mußte mich zwingen die Geschichte weiterzulesen, da mich einerseits die flachen Menschentypen nicht interessierten, und auch das pseudo-heldenhafte Benehmen und dann wieder James -Bond -mäßigen-Machoaktionen zwischen Raoul/Arsene Lupin und seinem Gegenspieler Marescal abstieß.
Vielleicht funktioniert die Geschichte wenn man sie in einem Fortsetzungsroman jede Woche ein Kapitel liest, als Roman war mir die Geschichte aber zu mühsam.
Die schöne Frau mit den grünen Augen soll 18 jahre jung sein, war im Kloster, tut auf unschuldig, macht aber bei Überfällen mit und ist sonst auch nicht zimperlich - paßt für mich nicht zusammen. Die blau-äugige Frau, die sich mit Temperament und guten Beobachtungen zu wehren weiß, wirkt weniger zusammengesetzt.
Da ich leider keinen Übersetzer gefunden habe weiß ich nicht ob es eine aktuelle oder eine ältere ist.
Der Titel ist auch in anderen Übersetzungen zu finden wie "Die Frau mit den grünen Augen" oder "die Frau mit den jadegrünen Augen". Ob der Stil dem original entspricht oder der Übersetzung zu verdanken ist, ist mir nicht klar.
Ich hoffe anderen Lesern & Leserinnen gefällt der Roman besser als mir.
Maurice Leblanc wurde am 11. November 1864 in Rouen geboren. Er war Journalist und Romancier, und schrieb Abenteuer- und Kriminalgeschichten, Theaterstücke und Kurzgeschichten. 1905 erschien die erste Geschichte mit 'Arsène Lupin' als Fortsetzungsroman. Zwischen 1907 und 1935 erschienen 20 Romane, 2 Theaterstücke und etliche Kurzgeschichten rund um 'Arsène Lupin'. Er starb am 6. November 1941 in Perpignan.
"Die grünäugige Frau"
original "La Demoiselle aux yeux verts",
1927, Éditions Pierre Lafitte
Dateigröße: 402 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 222 Seiten
Verlag: idb (5. Januar 2017)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch - leider ist kein/e Übersetzer/in angegeben
ASIN: B01N1ZPHD2
Ein Mann sieht eine schöne Frau in Paris und folgt ihr - mit blauen Augen und Temperament. Im Cafehaus sieht er eine andere schöne Frau - mit grüne Augen. Im Zug wird die blauäugige Frau ermordet. Später taucht die grünäugige junge Frau (Aurelie) wieder auf - wie sie Verbrechern Schmiere steht, wie sie Menschen im Zug überfällt, aber immer ist sie unschuldig weil ein böser Stiefvater und noch paar Spießgesellen an einem alten Rezept hinter ihr her sind. Einzig ein Mann der sich als Raoul nennt, aber Arsene Lupin ist, hilft ihr entweder romantisch oder heldenhaft.
- ich habe nicht bis zum Ende durchgehalten, bei 49 % gelesen war 'definitiv Stop'.
Leider hat mich der Stil überhaupt nicht fasziniert, was eigen ist, da ich sonst gerne den langsamen Stil der Zwischenkriegszeit lese. Ich mußte mich zwingen die Geschichte weiterzulesen, da mich einerseits die flachen Menschentypen nicht interessierten, und auch das pseudo-heldenhafte Benehmen und dann wieder James -Bond -mäßigen-Machoaktionen zwischen Raoul/Arsene Lupin und seinem Gegenspieler Marescal abstieß.
Vielleicht funktioniert die Geschichte wenn man sie in einem Fortsetzungsroman jede Woche ein Kapitel liest, als Roman war mir die Geschichte aber zu mühsam.
Die schöne Frau mit den grünen Augen soll 18 jahre jung sein, war im Kloster, tut auf unschuldig, macht aber bei Überfällen mit und ist sonst auch nicht zimperlich - paßt für mich nicht zusammen. Die blau-äugige Frau, die sich mit Temperament und guten Beobachtungen zu wehren weiß, wirkt weniger zusammengesetzt.
Da ich leider keinen Übersetzer gefunden habe weiß ich nicht ob es eine aktuelle oder eine ältere ist.
Der Titel ist auch in anderen Übersetzungen zu finden wie "Die Frau mit den grünen Augen" oder "die Frau mit den jadegrünen Augen". Ob der Stil dem original entspricht oder der Übersetzung zu verdanken ist, ist mir nicht klar.
Ich hoffe anderen Lesern & Leserinnen gefällt der Roman besser als mir.
Maurice Leblanc wurde am 11. November 1864 in Rouen geboren. Er war Journalist und Romancier, und schrieb Abenteuer- und Kriminalgeschichten, Theaterstücke und Kurzgeschichten. 1905 erschien die erste Geschichte mit 'Arsène Lupin' als Fortsetzungsroman. Zwischen 1907 und 1935 erschienen 20 Romane, 2 Theaterstücke und etliche Kurzgeschichten rund um 'Arsène Lupin'. Er starb am 6. November 1941 in Perpignan.
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