Donnerstag, 24. März 2011

Trow M.J.: "Lestrade und das Rätsel des Skarabäus"

Trow M.J.:
"Lestrade und das Rätsel des Skarabäus"
original 1990 bei Constable and Company, London
"Lestrade and the Guardian Angel"
aus dem Englischen von Hans J. Schütz
1996, rororo Taschenbuch Verlag GmbH
269 Seiten
ISBN 3-499-43020-7

Die Thriller genannte Geschichte spielt 1897 und hat Inspector Lestrade - ja den aus den Sherlock Holmes Romanen - als Hauptfigur. Diesmal hat der Inspector Erfolg und ein Watson hilft ein wenig und ein Conan Doyle gibt auch wichtige Informationen.

Inspector Lestrade wird offiziell mit einem Mord getraut, bei dem einem Offizier sein Abzeichen in den Mund gelegt worden war. Kurz darauf bittet ihn ein Freund um Hilfe, weil ein Pächter mit einem Skarabäus im Mund verfrüht starb. Weitere mysteriöse Leichen mit wichtigen Hinweisen aus dem Leben folgen - viele sind durch Phosphor umgekommen. Obwohl ihm sein direkter Vorgesetzter eher hinderlich ist, schafft es der Inspector mithilfe seiner 3 Getreuen auf die Logik des Mörders zu kommen.

Die Figuren sind unterhaltsam geschildert, das englische Stadt- und auch Landleben mit den Unterschiedlichkeiten wird schön geschildert, Menschen aus allen möglichen Gesellschafts- und Berufsschichten Platz eingeräumt. Es wird nicht an kleinen Seitenhieben auf die Absonderlichkeiten aus der jweiligen Herkunft gespart - sowohl die Verhandlungen mit 3 Gangs gleichzeitig, die nur noch losschlagen wollen finden Platz, wie das betulichen Benehmen einer ältlichen Dame mit Hörrohr.

'running gag' wird die Unsportlichkeit des Inspectors der sowohl auf ein Pferd, ein Fahrrad und in einen Ballon gezwungen wird und bei allem nicht gut abschneidet, aber witzig geschildert wird.

Ich wünsche gute Unterhaltung beim Lesen !

Montag, 21. März 2011

Herta Müller: „Der Fuchs war damals schon der Jäger“

Herta Müller:
„Der Fuchs war damals schon der Jäger“
1992 Rowohlt VerlagsGmbH
Fischer Taschenbuch Verlag
2. Auflage 2009
286 Seiten
ISBN 978-3-596-18162-9

Es war Neugier wie die Nobelpreisträgerin 2009 schreibt, die mich zu dem Buch greifen ließ.
Meine Erwartungen gingen in die Richtung Elfriede Jelinek, aber hier wurde ich enttäuscht.

Als ich bei Seite 89 das Buch endgültig zur Seite legte (vorher hatte ich das Buch 10 Mal zur Seite gelegt und wieder aufgenommen), waren nur eine eigenartige spröde Traurigkeit, graue Eintönigkeit bei mir angekommen. Eigen abgehoben sind die Absätze in denen eine Warzenkette, oder eine Kette aus Ameisen, die Pappeln deren Schatten wie Messer sind oder der Selbstmord des Altwarenhändlers beschrieben wird - irgendwie nicht greifbar oder gerade doch ?
Von den zwei Liebesgeschichten, die auf dem Cover angesprochen wurden, war zu dem Zeitpunkt (nach einem Drittel) für mich nichts zu merken.

Die Metaphern sind mir zu kompliziert gewesen, und die Bilder nicht in meinem Kopf entstanden. Die Sätze haben bei einem Bild begonnen und hatten ihr Ende im nächsten Halbsatz im Nichts.

Hoffentlich kommen andere Leser besser als ich mit den Bildern, die die Autorin erzeugen möchte zurecht.

Samstag, 26. Februar 2011

Raj Kamal Jha : "Wenn Du Dich fürchtest vor dem Fall"

Raj Kamal Jha :
"Wenn Du Dich fürchtest vor dem Fall"
Englische Originalausgabe
„If You Are Afraid Of Heights“
2003 Picador, London
Deutsch von Walter Ahlers
2005, Goldmann Verlag
349 Seiten
ISBN 3-442-31015-6

Von diesem Buch geht ein eigener Zauber aus, eine zarte Magie die sich für mich nicht wirklich greifen ließ.

Es werden drei Geschichten erzählt:
die von Amir, der einen Unfall hat und von Mira gesund gepflegt wird. als er wieder in die Arbeit geht stellt er fest, daß sich nichts geändert hat und seine Abwesenheit nicht aufgefallen ist. oder hatte er gar keinen Unfall ? Mira ist auf jeden Fall nicht mehr da - kein Spur ihrer Anwesenheit in seinem Appartment als Erinnerung zu finden.
In der zweiten Geschichte geht Mala auf Suche was wirklich mit einem toten Mädchen in einem Dorf passiert ist. Sie lernt verschiedene Menschen kennen, rollt ihre eigene Kindheit (Übergriff eines Erwachsenen ?) wieder auf. Am Schluß erscheint eine Figur - Alam - der versucht ihr anderes sehen beizubringen. Aber was mit dem Mädchen in dem roten Kleid wirklich geschah, bleibt ungelöst.
Die dritte Geschichte blieb für mich an ungreifbarsten, denn sie erzählt in Ich-Form von einem Mädchen, das einen unsichtbaren Freund hat, das ihr das Leben ihrer Eltern in Form von Photos aus deren Alltag erzählt. Einzelne Elemente aus den anderen Geschichten kommen hier wieder vor, wie z.B. das eigenartige Hochhaus der ersten Geschichte, das wie ein Cubus aussehen dürfte, und die Vitrine mit den vier Puppen im Zimmer des Polizeikommissärs aus der zweiten Geschichte.

Das Buch entführt in eine Phantasiewelt, oder mehrere Phantasiewelten, die aber auch wahr sein können oder werden. Es ist eigen, weil einiges un-begreifbar bleibt, aber ich kann das Buch empfehlen. Schönes Lesen und Eintauchen !

Sonntag, 13. Februar 2011

Shanghvi Siddharth Dhanvant: "Das Lied der Dämmerung"

Shanghvi Siddharth Dhanvant:
"Das Lied der Dämmerung"
2003 "the Last Song of Dusk"
2004 auf deutsch, Wunderlich Verlag
377 Seiten + 2 Seiten Danksagung
ISBN 3-8052-0769-7

Bei diesem Buch hatte ich 'hochgelobten Roman' am Cover gelesen und zugegriffen.

Der Roman wird als Bollywood Roman beschrieben.
Leider hat mich die Geschichte zwischen einer wunderschönen Frau mit faszinierender Singstimme aus Rajastan und einem reichen bestens aussehenden Arzt in Bombay mit böser Stiefmutter und 2 weiteren weiblichen Familienmitgliedern zu wenig in ihren Bann gezogen, sodaß ich auf Seite 50 zu lesen aufgehört habe.
Die Szenerien  sind tw. schöne bis bizzar beschrieben, die Menschen eher plakativ gezeichnet.
Der Stil war mir zu wenig fließend.

Ich hoffe andere Leser können das Buch länger genießen als ich.

Sonntag, 30. Januar 2011

Vikas Swarup : "Rupien ! Rupien!"

Vikas Swarup :
"Rupien ! Rupien!"
Englisches Original "Q &A"
übersetzt von Berhard Robben
Clubtaschenbuch
2006 Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
Printed in Germany 2009 - Buch 105025
(keine ISBN Nummer zu finden)

337 Seiten
1 Seite Danksagung
3 Seiten Erläuterungen der verwendeten indischen Wörter, das leider nicht alphabetisch ist

Zu dem Buch habe ich gegriffen, weil ich die Vorlage zum Film "Slumdog Millionär" lesen wollte.
Gleich vornweg - einige Kapital im Vergleich zwischen Buch und Film sind komplett unterschiedlich.
Nichtsdestoweniger ist das Buch sehr gut und gut zu lesen.

Es geht um die Geschichte eines Waisenbuben mit hindu-moslem-christlichem Namen, der um seine Liebe - eine Prostituierte - zu finden und sie freizukaufen an dem Millionenspiel macht. Er hat Glück mit den Fragen und kann wider die Wahrscheinlichkeit und die Berechnungen der Showleute alle Fragen beantworten.
Aus der Folter und den Befragungen rettet ihn eine junge Anwältin- und dieser erzählt der junge Mann dann die Teile aus seinem Leben, durch die er die Fragen richtig beantworten konnte.
Da er Waisenjunge ist und wenig Hilfe in seinem Leben hatte, sind die Abschnitte immer wieder von Brutalität, Einsamkeit gekennzeichnet - sei es weil er es erlebt oder miterlebt hat bzw. sieht.
Das Buch hat ein Happy End, weil die Anwältin - eine frühere Nachbarin, der er geholfen hatte - das gewonnene Geld für ihn erstreitet, er seine Liebe heiratet und einigen Kindern, die ähnlich wie er ausgenutzt wurden, helfen kann.

Das Buch ist gut geschrieben, die Szenerien und Menschen sind plastisch geschildert. Auch die Reisen in den Zügen, und Beschreibung der Städte wie Mumbai, Delhi und Agra sind faszinierend - bis zu den Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen (dem arbeitslosen versoffenen ehemaligen Universitätsprofessor, der Schauspielerin, der reichen Frau, dem Zuhälter, dem spionierendem Diplomaten, etc.) .
Nicht schlüssig ist für mich die Reflexionsfähigkeit dieses jungen Menschen, dessen Geschichte in Ich-form geschrieben ist.

Empfehlenswert ist das Buch für alle, die sich eine Geschichte gut erzählen lassen wollen, aber die Gleichgültigkeit und Brutalität im Überleben im Kontinent Indien gut verarbeiten können.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

H.R.F. Keating: "Inspector Ghote zerbricht ein Ei"

H(enry) R(eymond) F(itzwater) Keating:
"Inspector Ghote zerbricht ein Ei"
original "Inspector Ghote Breaks an Egg"
1970, Collins London
übersetzt von Marianne Lipcowitz
2004, Unionsverlag Zürich
216 Seiten
1 Seite Liste der Hauptpersonen
ISBN 9783293202993

In diesem Kriminalroman wird ein korrekter Polizist von einem hohen Politiker eingesetzt einen Mord von vor 15 Jahren zu lösen. Das ist eigentlich ein Vorwand, denn man will den mächtigsten Mann des Dorfes, in dem dieser Mord passiert sein soll, politisch untergraben.
Obwohl es Inspector Ghote nicht leicht gemacht wird - polizeiinterne Intrigen bis Demonstrationen gegen ihn und der Haß eines heiligen Mannes verfolgen ihn - schafft es beide 'Aufträge' zu erledigen.

Mich faszinierten in dem Buch wie die unterschiedlichen Kasten, und Lebensumstände der Menschen geschildert werden - die Vorsicht der Unberührbaren, bis zur Arroganz der Brahmanen. Jede Schicht weiß genau welche Rechte, aber auch welche Frechheiten erlaubt sind.

Zwischendrin blitzt immer wieder etwas skurriler Humor auf, etwa wenn ein "alkoholdurchtränkter" Zeuge beschrieben wird, oder die Tarnung des Inspectors als Vertreter für Hühnerfutter genutzt wird.

Mich hat das Buch gut unterhalten, auch wenn es konzentriert gelesen werden möchte. Viel Freude beim Mitverfolgen wie der Inspector letztendlich doch seine Beweise zusammenbringt.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Thrity Umrigar : "Die Nähe zwischen uns"

Thrity Umrigar :
"Die Nähe zwischen uns"
amerikanische Originalausgabe "the space between us"
2005 William Morrow, New York
ins Deutsche übertragen von Svenja Geithner
2006 Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin
358 Seiten
7 Seiten Glossar der verwendeten indischen Ausdrücke (und Speisen)
1 Seite Danksagung
ISBN-13: 978-3-550-08648-9

Dieser Roman erzählt die Geschichte zweier Frauen die in Bombay leben. Die eine ist eine wohlhabende Parsin, die andere ihre Haushälterin, die täglich aus den Slums zu ihr fährt um sich um sie und ihren Haushalt zu kümmern. Die Frauen haben lange Zeit ihres Lebens miteinander verbracht und wissen viel über einander ohne viele Worte zu verlieren.

Sera, die schöne Parsin, geht in eine wohlhabende Ehe und erlebt dort eine tyrannische Schwiegermutter, einen musikliebenden Schwiegervater, dessen Papagei, ihren jähzornigen Ehemann und ihre später ihre gemeinsame Tochter.
Bhima heiratet einen liebenswürdigen positiven fröhlichen Mann, hat 2 Kinder, und arbeitet bei Sera. Nach einem Arbeitsunfall ihres Mannes, bei der die Firma Bhima als Analphabetin dazu bringt auf alle Rechte zu verzichten, erhält Bhima die Familie, da ihr Mann sich in den Alkohol flüchtet. Schließlich flieht er mit dem gemeinsamen Sohn aufs Land zurück - von dem er kommt. Die gemeinsame Tochter bleibt, heiratet, bekommt wieder ein Mädchen und gemeinsam ziehen sie der Arbeit wegen nach Delhi. Tochter und Schwiegersohn sterben an Aids in Delhi - die Beschreibungen im Krankenhaus sind erschreckend -, und Bhima nimmt ihre Enkelin Maya zu sich.

Maya wird schwanger - und hier startet das Buch eigentlich. In Rückblenden werden die Geschichten der beiden Frauen aufgerollt. Auch die Tochter von Sera ist schwanger, aber verheiratet und offenbar in einer glücklichen, wohlhabenden Ehe.
Maya ersucht Sera um Begleitung ins Krankenhaus zur Abtreibung, und erst spät wird klar, daß der Schwiegersohn von Sera der Vater des Kindes aus einem Übergriff des Mannes an Maya war. Als er merkt, daß Bhima aus seinem Verhalten die Wahrheit entdeckt hat, behauptet er, daß sie Geld entwendet hat um sie aus seiner Familie loszuwerden. Der Plan geht auf.

Der Roman ist dicht beschrieben - auf der einen Seite die Elendsviertel mit Gemeinschaftstoilette und einem gemeinsamen Brunnen, Probleme mit der einfachsten Hygiene bis zu gutem wohlhabenden Leben in schöner Umgebung und schönen Kleidern. Die Seiten auf denen das Krankenhaus in der offenbar ersten Phase mit Aids, als niemand mit der Krankheit umgehen konnte, geschildert wird, sind erschreckend unmenschlich. Nachher werden die Toten rituell verbrannt.

Die Menschen sind schön und klar gezeichnet - die Sympathie der Autorin liegt klar bei den Frauen, denn fast kein Mann wird positiv oder gut beschrieben.
Schön finde ich wie sie auf die Unterschiede der Gesellschaften eingeht und sie beobachtet: die Parsen und deren Grundsätze, die Armen und wie sie leben, bis zum lebendigen Marktleben.

Das Buch ging mir unter die Haut. die Handlungsstränge sind stark erzählt. Es bleibt die Frage für mich ob Sera gegen die Anschuldigungen ihres Schwiegersohns etwas anderes hätte tun können, als Bhima entlassen. - und auch ob sie ernst nimmt, daß Bhima ihr gesagt hat, daß ihr wunderbarer Schwiegersohn der Vater des abgetriebenes Kindes war. Vor allem bleibt die Frage, was Menschen wie Bhima und Maya nach dem Jobverlust machen (werden/würden).

Schön fand ich den Glossar, der sowohl auf die offenbar üblichen Formulierungen und Begrüßungen einging, aber auch typische Gerichte in Bombay beschrieb. Im Text kamen immer wieder Worte vor die das Miteinander charakterisierte wie Sodabottleopenerwalla - die mir sehr gut gefielen.

Den Roman kann ich allen empfehlen, die sich gerne in eine andere Kultur - mit seinen schönen und dunklen Seiten - einlassen möchten, und von starken Frauen faszinieren läßt.