Samstag, 16. Mai 2026

R.J. Palacio : "Wunder"- Sieh mich nicht an !

R.J. Palacio :
"Wunder" - Sieh mich nicht an !
original "Wonder"
2012, Alfred A. Knopf, Random House Children Books
Aus dem Englischen von André Mumot
2013, Carl HanserVerlag Gmbh, München
2025, 22. Auflage; dtv Verlag
457  Seiten
ISBN 978-3-423-62589-0

Die Geschichte wurde von Hollywood bereits verfilmt, es ist aber wie gewohnt vielschichtiger das Buch mit den Geschichten der Großeltern und die vielen menschlichen Feinheiten zu lesen.

August, oft Auggie genannt, ist eine zehnjähriger Bub der aufgrund von mehreren kombinierten Krankheiten oft operiert werden mußte, und dessen Gesicht sehr unschön aussieht. Seine Eltern beschließen daß es Zeit ist, daß er nicht mehr zwischen den Operationen zu Hause unterrichtet werden soll, sondern daß es Zeit ist, daß er in die normale Schule mit Gleichaltrigen geht.
Wie erwartet bzw befürchtet wollen die meisten in der Klasse nichts mit ihm zu tun haben; Julian hilft ihm, und erst später hört August durch einen Zufall, daß Julian bessere Noten versprochen wurden, wenn er August hilft. Summer, ein bildhübsches Mädchen, hilft ihm ehrlich weiter. Am anfang nuschelt er noch ziemlich, später wird das besser als er besonderes Hörgerät, das allerdings etwas auffälliger ist. Im Laufe des Schuljahres mausert er sich nicht nur zum Liebling der Klasse, sondern auch der Schule.

Die meisten Kapitel sind aus sich von August geschrieben, wie sich die Umwelt ihm gegenüber benimmt, Unterhaltungen seiner Eltern, Gespräche mit seiner hübschen Schwester Vida.

Interessant ist wie der die Unterschiedlichkeit der Eltern und ihrer Familien beschrieben wird. Die Mutter als rundliche lebensfrohe fröhliche Frau aus dem Lateinamerika kommend, der Vater aus Polen mit Eltern die das Grauen des Nationalsozialismus erlebt hatten, der mit viel Humor Situationen ins Positive wandeln kann.

Unterhaltsam finde ich die Kapitel in denen über den Lehrer Brown geschrieben wird. Er fordert die Schüler mit Werten heraus.

Der Schreibstil ist freundlich, die kleinen und großen Gemeinheiten finden im Kopf statt.
Das Buch läßt das glauben, daß freundliches positives miteinander möglich ist.
Danke für das positive Lese-gefühl.

Freitag, 17. April 2026

Melania G. Mazzucco : "Die Villa der Architektin"

Melania G. Mazzucco :
"Die Villa der Architektin"
Roman
original 'L'architettrice'
2019, Verlag Giulio Einaudi Turin
Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl
2024, Folio Verlag Wien + Bozen
441 Seiten mit blauem Lesebändchen + 4 Seiten Rom 2002-2019 + 2 Seiten Anmerkungen + 4 Seiten Verzeichnis der historischen Personen + 2 Seiten Bildnachweis // U2 Plan von Rom
ISBN 978-3-85256-901-7

Es geht um Plautilla Bricci, genannt Bricci, eine Frau aus einfachen Verhältnissen stammt, deren Vater ihr aber als Maler grundlegendes Wissen über Kunst vermittelte, nachdem einige ihrer Brüder nicht interessiert waren. Sie wird sich als Malerin und Architektin einen Namen machen, v.a. da von einigen wichtigen Personlichkeiten und andern wie da Anna von Österreich die gerne Frauen förderte, für Bauprojekte engagiert wurde.

Leider konnte ich mit dem Stil in diesem Buch nicht, da mich die Ausdrucksweisen (hier kann ich nicht unterscheiden ob es an dem Original oder der Übersetzung liegt) in diesem Buch überhaupt nicht ansprach und ich Mühe hatte weiterzulesen. Der Stil war also ob mir eine Schülerin etwas erzählt, nicht eine Frau die Latein und Architektur beherrschte ihr Leben erzählt. Schade denn mich hätte diese Architektin sehr interessiert .....

Freitag, 13. März 2026

"Anne C. Voorhoeve : "Chicken Impossible

Anne C. Voorhoeve :
"Chicken Impossible" - Ein Krimi aus dem Hühnerstall
2025, Emons Verlag
320 Seiten
ISBN 978-3-7408-2351-1

Zwei Schwestern müssen nach dem Tod der Mutter gemeinsam im mütterlichen Haus leben. Die eine hatte Ehemann, Arbeit, Haus und ist innerlich unglücklich und findet, daß sie im Leben immer benachteiligt gewesen war; die anderen ist fröhlich, durfte studieren, hatte nie geregelte Arbeit, kümmerte sich aber liebevoll um ihre Mutter. 
Die Fröhliche hat sich für ihren Teil des Gartens zweimal zwei verschiedene Hühner geholt : 2 Hühner mit badischem Dialekt - Sundheimer - namens Susi und Heidi, und eine robuste amerikanische Rasse namens  Rocky und Amy - - die Hühner erzählen übrigens die Geschichte der zwei Schwestern.
Der Klein- und Nervenkrieg der zwei Schwestern weitet sich mehr und mehr aus, Fetzen eines vernichteten Testaments werden entdeckt, bis leider eine der Schwestern tot ist, und die andere ins Krankenhaus transportiert wird. Die Hühner werden sich selbst überlassen.

Es ist kein Krimi im Sinn eine who-dunn-it, sondern die Geschichte in der es unlösbar auf eine tödliche Lösung zusteuert. Die Menschen machen sich das Leben teilweise sehr gezielt, oder auch ungezielt schwer und zur Hölle.

Bei den Hühnern gibt es klare Ordnung : Rocky ist die Führungsnatur, Amy stimmt zu, beide führen, Susi und Heidi, sind in der Ordnung darunter; bis Susi sich in die Reihe zwei hinein argumentiert und diskutiert.

Die Gespräche zwischen den Hühnern sind sehr humorvoll, den Dialekt mußte ich allerdings laut vor mich sprechen um die Texte zu verstehen. Die Gespräche mit den Waschbären, und wie sie verbünden um nicht gefressen zu werden sind sehr schräg.

In Summe fand ich die Dialoge zwischen den Hühnern grandios, die Geschichte zwischen den Schwestern machte nur traurig.

Sonntag, 1. Februar 2026

Gordon Tyrie : "Schottenkomplott"

Gordon Tyrie :
"Schottenkomplott" - Ein Hebriden krimi
2022, Droemer Taschenbuch
1 Seite Karte der Insel Colonsay + 1 Seite Hauptpersonen + 370 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-426-30857-8

Thin Lizzy, eine eigenwillige schottische Hochwildkuh mit zielsichererr Angriffs- und Verteidigungstechnik wird von einer Insel auf die andere verfrachtet, um in einem Ressort Menschen bei der Entspannung zu helfen. Dort hilft ihr das spanische Eselchen Santiago in der nicht willkommenden Tierwelt zu überleben.
Hynch, ein ausgestiegener Profikiller, hat Kontaktanzeigen aufgegeben, und hofft auf die passende Herzdame. Ihm ist eine Killerin auf den Fersen. Alle Damen der Theatertruppe der Insel versuchen ihn einem Crash-kurs in Kontakt zu Frauen zu geben, wenn sie nicht an die erhoffte Macbeth Aufführung denken.
In der Tierwelt wollen einige Gelegenheiten zur Revanche für Beleidigungen genutzt werden, unter den Menschen ist dies ebenso als Hynchs Erzfeind ankommt, und eine ziemliche Keilerei und strategisches Waffeneinsetzen abläuft.
Am Ende haben sich einige Paare gebildet.

Die Kapitel sind entweder aus der Ich-Sicht von Thin Lizzy geschrieben, und Menschen beobachtet, wobei Hynch die Hauptperson ist.

Mich haben die Kapital aus Sicht der Kuh sehr gut unterhalten, diese sind mit viel Situationshumor geschildert. Wie Thin Lizzy die anderen Tiere in dem esoterischen Streichelzoo beschreibt, die Hackordnung und freundlichen bis machtgierigen tierischen Charaktäre bescchreibt ist sehr unterhaltend.
Die Beschreibung der Personen, v.a. der Frauen ist breit gefächert.

Dieser Band ist der dritte Band cosy Crime der in Schottland spielt.
Wer einen gemütlichen Krimi mit tierischer Unterhaltung schätzt, und manch deftigen Kommentar aushält wird sich vermutlich gut unterhalten. Viel Spaß beim Lesen !

Gordon Tyrie ist das Pseudonym des Glauser-Preisträgers Thomas Kastura, geboren 1966 in Bamberg. Er studierte Germanistik und Geschichte, arbeitet als Autor für den Bayerischen Rundfunk und schreibt seit 20 Jahren Kriminalromane und Erzählungen.

Montag, 5. Januar 2026

Fabcaro + Didier Conrad: "Asterix in Lusitanien" (Asterix Band 41)

Fabcaro + Didier Conrad: "Asterix in Lusitanien" (Asterix Band 41)
Kolorierung: Thierry Mebarki
original 'Asterix en Lusitanie'
2025, Hachette Livre / Goscinny-Uderzo
aus dem Französischen übersetzt von Klaus Jöken
2025, Egmont Comic Collection
44 Seiten
ISBN 978-3-7704-2441-2

Ein phönizisches Schiff kommt zum gallischen Dorf und bringt nicht nur die neueste Mode, sondern auch den Lusitanier Schnurres, der um Hilfe ersucht, weil es Wettbewerb um vergorenen Fischsud gibt, und der Produzent von Cäsars Lieblings-garum, namens Schäoprozess, verhaftet worden ist. Diese Gelegenheit die Piraten auf dem Meer, und neue frische Römer in Lusitanien freundlich (nach Obelix' Art) zu begrüßen, lassen sich die Asterix, Obelix und Idefix nicht entgehen. Sie führen den intriganten Karies mit Alkohol in eine Falle, Präfekt Fetterbonus winkt genau dieses nicht, und Zenturio Pistorius ist eher glücklos.
Hilfe erhalten die Gallier von dem gallischen Ehepaar Mandarfjagarnix und seine Flottebine, die mit Wohnwagen durch die Gegend touren.

Wie immer gibt es wunderbare Kleinigkeiten, wie die Obelix mit spanischem Temperament loslegt und portugiesischem Fado haltlos heult, und auch Talent für diese Lieder entwickelt; er allerdings seine Abneigung gegen Kabeljau, die bleibt; dafür testet er sich durch ein Buffet mit netten kleinen Tapas, wie Gemisch aus Fleischstückchen mit Muscheln, gemütlich durch; daß Hinkelsteine in kleine quadratische Stücke geschnitten werden, um Mosaik zu legen, versteht er auch nicht.
Auf zwei Seiten werden Werbe-slogans in einem Think-tank mit Anmeldung Benutzerkonto und den Besonderheiten bei Passwortnotwendigkeiten gemütlich durch den Kakao gezogen.

Zeichnerisch erfreulich ist die Variante der gelben Straßenbahn, die hier von Pferde gezogen wird.
 
Zum Lachen brachte mich der Koch Mayopommes, eine Schlacht mit Kalorienbomben ('pastel de nata'), ein Helferlein des Präfekten namens Benfica und es gibt ein Lokal namens "vaso da gama"

In Summe habe ich mich sehr gut beim ersten Lesen und Ansehen unterhalten, und werde vermutlich viele Feinheiten beim zweiten Durchgang entdecken. Viel Spaß !

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Beate Maly : "Mord im Stadtpalais"

Beate Maly :
"Mord im Stadtpalais" - ein Weihnachtskrimi
2025, Emons Verlag
2016 Seiten + 2 Seiten Nachwort + Leseprobe "Mord in der Wiener Werkstätte"
ISBN 978-3-7408-2051-0

Mila Sokol aus einer kinderreichen Familie in Böhmen nach Wien abgeschoben, hat es geschafft als geniale Köchin einen guten Arbeitsplatz in einem Stadtpalais im Herzen Wiens zu haben. Die Arbeitgeber erwarten die Familien für den ganzen Advent - und so kommen zu dem Ehepaar, und der unverheirateten Tochter, der Sohn mit Familie, die gerade schwangere andere Tochter, und die Schwestern des Gastgebers, sowie der Verlobte der Tochter und der Familienarzt.
Bereits am ersten Abend gibt es einen Toten, und der gemütliche und Essen genießende Kommissar Felix Zack sieht Familie und alle Mitarbeiter im Haus kennen, und muß sich der Frage ob die zuckerfreien Marillentascherln oder Powidltascherln mit Gift versetzt waren stellen.
Kommissar Zack bekommt Hilfe nicht nur von Mila, sondern auch von einem liebevollen freundlichen Streuner, der sich den Rang eines Polizeihunds erarbeitet.
Mitraten nach dem Mörder ist möglich.

Ort der Handlung ist Wien im Dezember 1906.

Die Menschen sind gut vorstellbar geschildert inklusive ihrer Probleme. Mila Sokol ist als neue in dem Palais mit einigen Gepflogenheiten dort sehr gefordert; es geht unter die Haut, daß sie trotz verletztem Bein arbeiten muß, weil es für verletzte Dienstboten keinen Kündigungsschutz gibt.
Die Sympathien liegen bei Mila, der unverheirateten Tochter, und Felix Zack.

Der Grund des Mordes ist ein klassischer.
Liebensgeschichten gibt es auch.

Ich habe diesen "Cosy Crime" im verschneiten Advent in Wien mit vielen guten Süßigkeiten mit Vergnügen lesen. Viel Spaß !

Biographie siehe Beate Maly "Tod an der Wien".

Freitag, 19. Dezember 2025

Bernhard Schlink : "Der Vorleser"

Bernhard Schlink :
"Der Vorleser"
Ausgabe Eine Stadt. Ein Buch
copyright 1995, Diogenes Verlag 2023 Echomedia Buchverlag / Eine Stadt. Ein Buch.
203 Seiten + 8 Seiten Interview Bernhard Schlink
keine ISBN 

Der Teenager Michael Berg lernt durch einen Zufall die etwas über 30 jährige Hanna Schmitz kennen, die als Bahnschaffnerin arbeitet. Er verliebt sich in ihre warmherzige bodenständige sinnliche Art, und beginnt ihr auf ihren Wunsch hin vorzulesen. Die erotische Beziehung und den Kontakt mit ihr verschweigt er seiner Umgebung komplett. Später im Gymnasium hat er mehr Kontakt mit gleichaltrigen, und die Beziehung zerbricht.
Während des Studiums wird eine Gruppe um einen Professor dazu eingeteilt einen Gerichtsprozeß zu verfolgen, bei dem einige KZ-aufsehende Frauen jüdische Gefangene bei dem Transport weg von den russischen Soldaten in einem brennenden Gebäude eingeschlossen haben und umkommen lassen, zu diesem Verbrechen angeklagt werden. Michael erkennt Hanna, die sich zu manchem bekennt, manches hinterfragt, und ihm wird klar, daß sie Analphabetin ist, was nicht bekannt ist. Um ihre Souveränität nicht zu verletzen sagt er nichts; sie wird zu langer Gefängnisstrafe verurteilt. Die Auseinandersetzung mit der Arbeit als KZ-Aufseherin unterbleibt.
Als seine Ehe gescheitert ist, beginnt er Kassetten mit Text aus Romanen vorzulesen und zu besprechen und schickt diese an Hanna ins Gefängnis. Jahre später kommt Antwort in eckiger Schrift; die Zeilen werden mit der Zeit flüssiger. Hanna bringt sich kurz vor der Entlassung aus dem Krankenhaus um, und Michael erfährt von der Gefängnisleiterin, daß sie sich am Ende ihres Lebens mit Biographien anderer KZ-Aufseherinnen beschäftigt hat, und ihr Geld Angehörigen der damals verbrannten Frauen vermacht hat.

Der Roman ist dreiteilig aufgebaut - Teenagerzeit, Student, nach seiner Ehe; und in Ich-form aus Sicht von Michael Berg geschildert.

Als Person werden nur Michael Berg geschildert und wie er die anderen Menschen sieht. Er fühlt sich bei der rundlichen geraden Hanna wohler als bei vielen anderen Menschen, auch wenn sie ihn - um ihren Analphabetismus zu vermeiden - immer wieder hart behandelt. Der Vater ist zwar da, aber ferne und kalt.
Die Abschnitte, in denen es um das/die Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus geht, werden überraschend unemotional beschrieben, vermutlich das Grauen im Kopf den Lesern/Leserinnen überlassend.

Der Roman ist sehr gut geschrieben; die Szenerien laufen vor Auge ab. Die Kontakte zwischen Michael und Hanna sind spürbar, auch wenn eigentlich kein Kontakt mehr vorhanden ist; die Einsamkeit der beiden ist ebenfalls spürbar.

In Summe ein Roman der eindrücklich bei mir in Erinnerung bleibt.

Bernhard Schlink wurde am 6. Juli 1944 in Großdornberg / Bielefeld geboren. Er ist Jurist und wurde Professor für öffentliches Recht in Deutschland. 1987 begann er zu schreiben, zuerst als als Co-Autor, später alleine vor allem als Kriminal-Schriftsteller.