Donnerstag, 7. März 2024

Britta Habekost : "Stadt der Mörder"

Britta Habekost :
"Stadt der Mörder"
Kriminalroman
2021, Penguin Verlag
450  Seiten mit Lesebändchen + 6 Seiten Nachwort + 3 Seiten Dank
ISBN 978-3-328-60195-1

Lieutenant Julien Vioric wird beauftragt besonders grauenerregende Morde in Paris aufzuklären. Eine Gouvernante wurde ermordet, deren Schützling ein adeliger Jüngling ebenso
Lysanne Magloire kommt vom Land nach Paris um ihre Schwester zu suchen; die sie spät aber doch durch Hilfe der Surrealisten findet, allerdings an eine Krankheit verliert. Sie arbeitet ihre Jugendliebe auf, die trifft den ehemaligen Ortsarzt wieder, und läßt sich vom Charme Paris einfangen.
Lysanne trifft inzwischen eine Künstlertruppe, wobei ihre die Phantasie von Luis Aragon am meisten zusagt. Die anderen der Surrealisten, wie Breton, irritieren sie mehr , wobei Bretons Frau ihre wichtige Ideen gibt.
Juliens Bruder Edouard, der kein Kriegstrauma hat, erklimmt die Karriereleiter bei der Polizei, ist mittlerwweile Polizeipräfekt, pflegt Kontakte zu den besseren Kreisen und traktiert seinen Bruder sooft er kann.
Eine farbefrohe, fröhliche neugierige Frau arbeitet als Journalistin und geht der Polizei mit Fragen auf die Nerven. Sie hilft Lyssanne weiter.
Das Ende ist überraschend.

Die Menschen sind gut beschrieben - mit Mitgefühl Lysanne die den Dorf-Mief abschüttelt bzw abschütteln muß und Julien, der das Traum aus dem ersten Weltkrieg und den Verlust seiner großen Liebe aus Südfrankreich, zu verarbeiten hat. Der Krimi ist mit 1924 datiert - und hier wird beschreiben, wie manche Menschen die Kriegsgreuel nicht verarbeiten, während manche gut mit der Vergangenheit leben.

Ort ist Paris bevor Passagen und dunkle Winkel vor den Olympischen Spielen 1924 abgerissen werden. Viele billige Wohnungen gehen durch diese Maßnahmen verloren.

Die Szenerie der Surrealisten ist unterhaltsam geschildert, v.a. wenn die kleinen Ankündigungen ein Großaufgebot der Polizei verursachen.

In Summe ein unterhaltsamer Kriminalroman.

Dienstag, 6. Februar 2024

Miriam Elia, Ezra Elia : "Das Tagebuch von Edward dem Hamster 1990-1990"

Miriam Elia, Ezra Elia :
"Das Tagebuch von Edward dem Hamster 1990-1990"
original "The Diary of Edward the Hamster 1990-1990"
2012, Boxtree, Imprint von Pan Macmillan
Aus dem Englischen von Sibylle Meyer
2013, Fischer Taschenbuch / 8. Auflage: Dezember 2021
82  Seiten + 2 Seiten Vorwort + 1 Seite Autoren
ISBN 978-3-596-51310-9

Das Büchlein beginnt mit einem Vorwort, in dem das Tagebuch des philosophischen Hamsters Edward gefunden wird.
Edward langweilt sich alleine in seinem Käfig, weil er keine Ansprache hat. Auch die Katze will nicht mit ihm diskutieren. Als er endlich einen Gefährten bekommt, entpuppt sich dieser als verfressener und eher dümmlicher Zeitgenosse. Dank einer Sabotage am Rad erledigt sich das Problem.
Dann kommt Camilla - eine bezaubernde intelligente Hamsterdame. Eine kurze intensive glückliche Phase kommt für Edward, bis Camilla einem Unfall zum Opfer fällt.

In dem Büchlein sind in kurzen und langen Absätzen Edwards Überlungen und Tagebucheinträge notiert. Abgewechselt werden die Texte von kleinen quadratischen Zeichnungen, in denen weiß auf schwarz das Hamsterleben illustriert ist. Der Hamster sieht meiner Ansicht nach aber nie glücklich aus - offenbar kein Grund für ihn das zu tun.

Manches bringt zum Lachen, bei anderen Beschreibungen kommt eher Rührung auf.

Freitag, 2. Februar 2024

Alex Beer : "Die rote Frau"

Alex Beer :
Die rote Frau - ein Fall für August Emmerich"
Kriminalroman
2018, Limes in Verlagsgruppe Random House GmbH
400 Seiten + 3 Seiten Nachwort + 2 Seiten Danke + 2 Seiten Quellenangaben
ISBN 978-3-8090-2676-1

Rayoninspektor August Emmerich, humpelnd nach Kriegsverletzung, und sein Mitarbeiter Ferdinand Winter mit kaputtem Arm nach dem Krieg, werden von ihrem Vorgesetzten mit dummer Papierarbeit gequält. Erst die Morddrohung an einer Filmdiva bringt die beiden in Recherche. Parallel wurde ein Stadtrat ermordet, der viel für die vielen Bedürftigen in Wien um 1920 macht.
Ausgehend von dem Arbeiterwohnheim in dem er wohnen muß, weiß er, daß der Beschuldigte nicht der Mörder sein kann, und sucht mit Genehmigung, weiter.
Es gibt Gesellschaften die den Armen nach dem Weltkrieg weiterhelfen (wollen), und ebenso gibt es Gesellschaften die einzelnen Auserlesenen mit Verletzungen mit Prothesen aushelfen wollen.
Erst spät tut sich Emmerich auf, daß die rote Frau bei den einzelnen Gesellschaften mit unterschiedlichen Utensilien gezeichnet ist und erschreckend andere Konzepte zur Beseitigung der Massenarmut angestrebt werden.

Wien ist in seinen verschiedenen Örtlichkeiten der Armut genau beschrieben : Das menschliche Elend und die Machtspiele im Männer-Obdachlosenheim, die Kohlefabriken mit Dreck und Hitze, das Leben der Menschen die überall sparen müssen.
Einige wenige können sich Leben leisten, ohne auf Geld achtgeben müssen.
Die Beschreibungen gehen unter die Haut.

Die Menschen sind stark und eindrücklich beschrieben. Es sind sowohl die direkte als auch süffisante Brutalität der Menschen spürbar, als auch wenn jemand versucht sich noch ein bißchen die restliche Würde zu bewahren.
Emmerichs Verzweiflung daß er seine Liebe an ihren aus dem Krieg zurückgekehrten brutalen Ehemann verloren hat, ist greifbar. 

In Summe ist dieser Kriminalroman trotz seiner Düsterkeit empfehlenswert. Gutes Lesen !

Alex Beer, eigentlich Daniela Larcher wurde am 8. April 1977 in Bregenz geboren. 2008 erschien ihr erster Kriminalroman . Mittlerweile gibt es vier Kriminalroman-Reihen : Otto Morell, August Emmerich, Isaak Rubinstein  und Felix Blom sind die Hauptprotagonisten.

Samstag, 20. Januar 2024

Shelby van Pelt : "Das Glück hat acht Arme"

Shelby van Pelt :
"Das Glück hat acht Arme"
Roman
original "Remarkably Bright Creatures"
2022, Ecco/Harper Collings New York
Aus dem amerikanischen Englisch von Andrea Fischer
2022, S. Fischer Verlag gmbH
453 Seiten + 3 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-596-70700-3

Marcellus, ein pazifischer Riesenkrake, lebt in einem großen Aquarium. Er ist blitzgescheit und kann sich durch die schmalsten Ritzen durchbewegen, auch in benachbarte Fisch- und Muschelbereiche. Er weiß, daß er nur vier Jahre alt wird.
Mit ihm reden Schulkinder, aber auch die ältere einsame Tova, die in der Nacht putzt und über ihren verschwundenen Sohn spricht. Sie lebt alleine in einem schönen großen Haus, das ihr eigentlich zu groß ist.
Cameron ist ein junger Mann, der nichts auf die Reihe bekommt, allerdings sich vieles merkt was man ihm erzählt, wie den Namen einer Clematis, Einzelheiten über Kraken. Seine Tante Jeanne ist die einzige  verbliebene Familie, mit der er in einem Wohnpark lebt. Er macht sich auf die Suche nach seinem Vater und arbeitet zwischendurch als Putzkraft in dem Aquarium bei Marcellus.
Am Schluß haben sich alle drei Fäden miteinander verbunden,

Die Kapitel von Marcellus sind auch Ich-sicht geschrieben; sie sind unterhaltsam und haben mich sehr berührt.
Die Kapitel aus der Sicht von Tova und Cameron sind aus Beobachterebene erzählt.

Der Roman ist ein gut geschriebener Roman mit meist freundlichen Personen und für einen grauen Abend genau das richtige Buch mit Wohlfühl-faktor. Viel Genuß beim Lesen !

Samstag, 6. Januar 2024

Anjali Deshpande : "Mord"

Anjali Deshpande :
"Mord"
original "Hatya"
2019,
Aus dem Hindi übersetzt von Almuth Degner
2023, Draupadi Verlag, Heidelberg
202 Seiten
ISBN 978-3-945191-80-4

Adhirath ist suspendierter Polizist in Chhatarpur, da er einem anderen Polizisten zur Seite stand. Er lebt in einem kleinen Haus mit seiner Ehefrau Puschpa, die aus einer niedrigen Kaste als er kommt aber als Polizistin auf der Karriereleiter ist, deren beider Sohn Varun, und seinen Eltern, die immer an seiner Frau kritisieren.
Als er in der erzwungenen Freizeit einen Kollegen begleitet kommen sie zu der Leiche einer vorerst unbekannten schönen Frau. Adhirath ist der einzige der sich auf die Suche nach dem/den Mörder(n) macht und stößt auf eine Wand von Schweigen aus der eigenen Familie (dort hatte sie Schande gebracht), und im Dorf (keiner wollte offiziell mit dieser Frau mit verschiedenen Namen zu tun haben). Basanti oder Suryabala, hatte ihre Schönheit und Erotik zum Aufstieg in ein besseres Leben nutzen wollen, und war am Schluß unter anderem die Geliebte eines reichen einflußreichen Mannes gewesen.
Adhirath fragt den Ortsvorsitzenden, einen reichen Mann, dessen Frau, deren Verwalter der auch Chauffeur war, bis er wirklich den Mörder herausgefunden hat. Ob dieser wirklich eine Strafe erhalten wird, ist allerdings fraglich.

Die Orte der Handlung sind faszinierend beschrieben. Adhirath und seine Familie leben in einem unfertigen Haus neben einer Baustelle, und in einer lauten Straße. Das Dorf und das Landgut auf dem die Leiche gefunden wurde, sind abgelegen; auf dem Landgut wird viel angebaut an Gemüse und schönen Bäumen. Ganz anders ist die Villa des reichen Ehepaares, die mit viel Platz und schönen Dingen ausgestattet ist.

Die Menschen sind facettenreich geschildert. Die Ermordete wird als sehr schöne Frau geschildert, die nicht wie ihre Familie zufrieden war daß sie aus einer unteren Kaste entstammte. Auch die Frau des Polizisten ist aus einer unteren Kaste, die die ganze Zeit arbeitet und kocht, und zu ihrem Mann hält, allerdings von dessen Eltern nur gehässige Kommentare erhält. Eine weitere starke Frau ist die Ehefrau des reichen Mannes, die großartige Kleidung trägt, freundlich zu Adhirath ist und ihrem Mann und seinem Gehabe eiserne Maske bewahrt.
Adhirath ist beim Auflösen des Mordes konzentriert, sonst hat er aber den Boden unter den Füßen durch die Suspendierung und die drohende Kündigung verloren.

Daß Ärzte für Obduktionen bestochen werden müssen, war ein eigene Szenerie für mich.

Ich hatte einige Probleme beim Merken der Namen und bis ich mich ausgekannt habe, wer wer ist.

In Summe für mich ein starker Kriminalroman, der einiges an Konzentration gefordert hat. Viel Freude beim Lesen !

Leider habe ich keine Biographie der Autorin im Internet gefunden.

Donnerstag, 4. Januar 2024

René Goschinny + Albert Uderzo: "Asterix & Obelix feiern Geburtstag - das Goldene Buch" (Band 34)

René Goschinny + Albert Uderzo: "Asterix & Obelix feiern Geburtstag - das Goldene Buch" (Band 34)
original "L'anniversaire d'Astérix et Obélix - Le livre d'or"
2009, Editions Albert René
aus dem Französischen übersetzt von Klaus Jöken
2009, Egmont Comic Collection
55 Seiten
ISBN 978-3-7704-3338-4

In dem Band werden Asterix & Obelix sowohl als ältere Herren mit Familie zeichnerisch dargestellt, als auch ihre Jugend in der sie ziemlich verweichlicht waren.
Aber eigentlich geht es um große Geburtstage der beiden und wie das Dorf sie feiern möchte. Die Frau des Methusalix möchte Mode entwerfen (die Entwürfe für Obelix sind wirklich lustig und gelungen), 

Die Piraten schicken Glückwünsche, aus Ägypten kommt ein Reiseführer, auch Troubadix bietet Reisen an und initiert "Gallien sucht den Superbarden" (!!!), es gibt Ideen wie man Asterix & Obelix sportlich einbinden kann, der Taubertrank soll schwarze Gedanken vertreiben (diese Gedanken sind als herrlich schwarze Käfer gezeichnet !), auch Filmideen entstehen (Idefix hat auch eine Platte mit Pfotenabdruck!), und gibt einige sehr humorvolle Varianten zu Klassikern der Kunstgeschichte von Delacroix bis ready-mades. Nachdem Cleopatra auch extra angereist ist, gibt es eine am Ende eine große Fete für alle.

Zeichnerisch ist dieser Band für mich ein Vergnügen, denn es gibt immer wieder schwarz-weiße Skizzen, die ein anderes Ende eines Handlungstrangs andeuten und mich zum Lachen brachten. Auch die Varianten der Kunstgeschichte sind gelungen, inkl. böse Kommentare der Dorfbewohner.

Es hat viel Spaß gemacht diesen Band mehr als einmal durchzulesen, durchzublättern und zu genießen.

Sonntag, 24. Dezember 2023

Timna Brauer : "Weihnachten ist überall"

Timna Brauer :
"Weihnachten ist überall" - Fantastische Geschichten zu Traditionen aus aller Welt
Mit Bildern von Florence Dailleux
2023, G&G Verlag
1 Seite Timna Brauer liest und singt  + 5 Seiten Vorwort + 57 Seiten + 1 Seite Information Lieder zu den Geschichten
ISBN 978-3-7074-2437-9

Nach einem berührenden Vorwort, bei dem klar wird, daß Weihnachten eine Gewohnheit der Christen ist, die es für Menschen anderer Religionen nicht immer einfach macht, werden elf Geschichten aus der Welt etwas verwandelt oder erweitert erzählt.
Es gibt einen Heiligen Abend in Dornbach in Wien, Befana tanzt in Italien, Tió de Nadal furzt sich in Katalonien durch Weihnachten, in Stuttgart treffen sich Weihnachtsmann und das Christkind, in London werden Socken gestrickt und die Weihnachtsfrau liefert die packerln aus, in der Ukraine schmückt die Spinne Pavuchky mit ihren silbernen Fäden den Tannenbau, in Sibirien laden Väterchen Frost und die kleine Schneeflocke die Baba Jaga zur Weihnachtsfeier ein, in Caracas rollen die Menschen auf Rollschuhen zur Weihnachtsmesse, in Norwegen werden Besen versteckt und die Kühe schlafen in der Weihnachtsnacht auf Matratzen, ein Bub reist mit seinem Vater im Flugzeug durch einige afrikanische Länder und lernt daß in Liberia der Weihnachtsmann keine Geschenke gibt sondern um sie bettelt, und in Österreich gibt es das Postamt Christkindl.

Mit einem QR-Code geht es zur musikalischen Fassung dieser Märchen, die zuerst erzählt werden, und dann in einem Lied enden.

Ich habe mir das Buch geschenkt, da ich die Stimme von Frau Brauer sehr mag und mich ihre feinfühlige Art Geschichten zu erzählen fasziniert. In diesem Buch ist ihr dieser Zauber für mich wieder gelungen.
Manchen Geschichten brachten mich fast zum Weinen, andere zum Lachen wie die Erzählung in London in denen es von Namen der Royals wimmelt.

Viel Freude beim Lesen, egal ob rasch oder gemütlich jede Erzählung einzeln.

Timna Brauer wurde am 1. Mai 196 in Wien geboren. Sie ist Sängerin und in vielen künstlerischen Sparten tätig.