Samstag, 3. Juli 2010

Christiane Martini : "Venezianischer Mord"

Christiane Martini :
"Venezianischer Mord" - "Carusos zweiter Fall"
2006 Piper München Zürich
161 Seiten Krimi + 3 Seiten Personenregister + 3 Seiten italienisch + deutsches Glossar + 1 Seite Rezeptverzeichnis + 2 Seiten Stadtplan Venedig
ISBN 978-3-492-24468-8

Nett und rasch lesbarer Krimi, der ideal für Schokolade- und Katzenfans ist. Caruso, der rote Kater, hilft mithilfe seiner Katzengang den Mord wegen eines alten Kampfes um ein altes Buch mit Schokoladepralinenrezepten zu lösen (Geheimrezept mit Schokolade, Zimt, Anis, Harrisa und bisserl Giftpilz). Auch Gnocci, eine kleine dicke Ratte, der es nebenbei schafft seinen Spitznamen, als Kartoffelfresser, zu überwinden und ab nun Dispedanzo, der Schlaue, genannt wird, schafft es mit dem gefährlichen schwarzen Katerbrüderpaar Neri eine Kooperation herzustellen und auch die Rattengang zur Hilfe zu überzeugen.
Inspettore Castello, der Mensch für Camilla, die Carusos Gefährtin ist, kann den Fall durch aktive Mithilfe von Katz & Ratz lösen (Hilfe durch Hervorzaubern von Beweismaterial bis Stoppen des Verdächtigen indem die vielen vorhandenen Vierbeiner sich in besagtes Individuum verknabbern). Leider ist seinem Chef die vierpfötige Hilfe weniger willkommen.
In den Katzenkrimi sind Rezepte von Rosenlimonade, über kandierte Blumen bis Pistazienpralinen etc. eingebaut - manche reizen zum nachbasteln.
Stars des Buches sind die Tiere, sie sind genau und schön vorstellbar gezeichnet sind. Auch der schokobraune Kater Burma, dessen Mensch sich leider als sein Mörder zeigt.
Die Menschen bleiben bis auf den Inspettore schemenhaft und reduziert auf Schuhe, Mantel und Geruch.
Für Venedigfans ist schön genau geschildert auf welchen Wegen sich die Katzen (und Ratten) bewegen, und immerwieder wird kurz innegehalten, um 2 Zeilen über das schneetreiben und damit Zauber der Stadt in den Schneeflocken (der auch Spaß für Katzen sein kann) zu schildern. arrivederci cioccolata !

Mittwoch, 23. Juni 2010

Hannelore Hippe : "Niedere Frequenzen"

Hannelore Hippe :
"Niedere Frequenzen"
1994, Giftmelange - die Krimireihe im Wiener Frauenverlag / Band 3
283 Seiten
ISBN 3-85286-004-0

Leicht geschriebener Krimi, der streckenweise etwas mühsam (konstruiert) wirkt, aber schön in die Szenerien hineinzieht.

Gunda Korwitz, Sekretärin in einem Sender, liest gerne Krimis. Der Chef ihrer Kollegin wird ermordet. Später auch seine Sekretärin. Eine attraktive Kommisarin recherchiert. Gunda fährt nach Wales, weil ein wichtiger Philosoph dort gelebt hatte, aber entführt und ermordet worden war. Es stellt sich heraus, daß ein anderer Mann im Sender die Dissertationsunterlagen seiner Geliebten genutzt hatte um mit diesem Philosphen ein Interview zu fälschen. Da diese Tatsache ans Licht zu kommen droht, hat er kurzerhand die Entdecker ermordet.

Eher kühler Krimi, der für mich keine Gefühl der Dichtheit erzeugte.
Dabei sind die Menschen und das Ambiente schön gezeichnet, sodaß die Protagonisten fast bildhaft vor mir sind. Sowohl das deutsche Umfeld mit wunderbar kochendem Freund von Gunda, essen gehen, Fitnessstudio, bis zu Kantine im Sender als auch der Ausflug nach Wales mit Landschaft, Ruinen, Landgasthaus sind klar beschrieben, ohne daß es pickt.

Die titelgebenden 'Niederen Frequenzen' werden kurz in einem Artikel genannt, sind für mich aber kein Schlüssel zum Buch.

PS: ob es den Wiener Frauenverlag noch 2010 gibt, habe ich leider nicht herausbekommen

Samstag, 12. Juni 2010

Andrej Wolos : "Der Animator"

Andrej Wolos :
"Der Animator"
original 2005, Zebra-E in Moskau
aus dem Russischen von Christiane Körner
2007, Carl Hanser Verlag München
285 Seiten
ISBN 978-3-446-20827-8

Ein gut geschriebenes Buch, daß Aufmerksamkeit fordert, mit Begriffen wie Noosphäre etc. herausfordert und mit seinem Grenzgang Seelen am Leuchten zu halten, oder dem Versuch die Seelen Lebender zu lesen und damit womöglich Terrorattaken zu verhindern im Futurismus landet.

Barmin, geschieden, eine Tochter, hat die Gabe die Seelen Verstorbener im Kolben durch die Informationen der Verwandten zum Leuchten zu bringen. Die Qualität dieses Leuchtens hat verschiedenen Stufen und es liegt beim Menschen seines Berufe, den Animatoren, so gut wie möglich zu sein. Der Beruf strengt an und jeden Tag gilt es zu beweisen, daß die Gabe immer noch vorhanden ist. Auf der anderen Seite holt er sich dann die Energie bei Alkohol, Frauen anplaudern, noch mehr Alkohol und Essen.

In hineingeschnittenen Kapiteln werden einige der beendeten Leben erzählt, die am Anfang sehr willkürlich wirken, aber dann zusammenführen da es Berichte aus Katschirien sind - verschleppte Menschen erzählen, ein religiöser Fanatiker, einer russischer bestechlicher Offizier, etc.

Als quasi dritte Ebene kommt eine quasi offizielle/militärische Linie, in der versucht wird Selbstmordattentate aufzuhalten, Terroristen zu verfolgen (was jämmerlich schief geht) und dem Bürgerkrieg in Katschirien zu begegnen.

Katschirien - es geht um Tschetschenien: die Geschichte, den Kampf um Freiheit, aber auch um die Attentate in der Oper (hier im Theater), den religiösen Auseinandersetzungen bis zu den Selbstsprengungen im Bus etc.

Die Liebesgeschichte zwischen Barmin und der 26-jährigen Klara, die sich von ihm trennt weil er immer gesagt hat kein Kinder (mehr) zu wollen, in der Trennungsphase sein Kind auf die Welt bringt, findet kein happy end, den sie überlebt die Geiselnahme im Theater nicht, im Gegensatz zu Barmin.

Für mich war es ein spannendes Buch, das vielleicht etwas kompliziert zu lesen war, weil mir Begriffe wie Noosphäre und Kosmologie neu waren/sind und weil ich erst sehr spät Katschirien nicht als Fiktion, sondern tschetschenische Wirklichkeit erkannt habe.
Es ist keine Gute-Nacht-lesebuch, sondern eines das Fragen evoziert : über Tod, über Geschichte, über Terror etc ....

Sonntag, 23. Mai 2010

Sandra Mulansky : "Tod der Unschuld"

Sandra Mulansky :
"Tod der Unschuld"
2000, Rowohlt Taschenbuch Verlag
256 Seiten
ISBN 3-499-22891-2

Kein klassischer who-dunnit-krimi sondern die Geschichte um einen getöteten Säugling mit massiven Herzproblemen, mit Eintauchen in die medizinischen und auch menschlichen Probleme für die Angehörigen.

Eine kleine Detektei, bestehend aus 2 Archäologen, wird beauftragt den Tod eines Säuglings in Frankfurt zu untersuchen. Claudia-Marlies lernt Säuglinge mit ihren speziellen Herzproblemen (nur eine Kammer etc.) und deren Eltern, sowie die Spezialisten und Angestellten des Krankenhauses und die Familie des getöten Bubens kennen. Durch einen Zufall stellt sich heraus, daß eine junge Lernschwester komplett mit den seelischen Belastung überfordert war und man erwischt sie als sie einem operierten Säugling mit einer Überdosis das Sterben erleichtern will.

Viele Handlungstränge sind um diese Hauptgeschichte gewoben
*Detekteipartner Federico, der zuviel trinkt, recherchiert in dem er sich als Journalist ausgibt, und sich in eine zeitweise Verdächtige sehr attraktive Frau verliebt
*Claudia-Marlies' Sohn, dem der Kindergarten nicht gefällt und der dazugehörige Vater mit dem die Beziehung nicht eindeutig ist, aber ein happy end im Raum steht
*Claudia-Marlies' Schwester abgehaut ist, - nach Australien, was nur Claudia-Marlies und eine Tante wissen
*die Großeltern des getöteten Buben, die einer rechten Denkart anheim sind, daß es ihnen der Tod des kranken Enkels und damit Abkömmling des nicht geschätzten Schwiegersohns fast recht ist
*der türkische Oberarzt dessen Habitilation von seinem Chef nicht anerkannt wird
*daß die Mutter des Buben einen Zwillingsbruder gehabt hat, bei dessen Geburt es ein Problem gegeben haben, dürfte, sodaß lernen für ihn schwierig war und der sich bei schlechten Noten mit 11 Jahren aufhängte
*der türkische Oberarzt bewacht seine Schwester streng und bezieht gegen ihren alevitischen Freund eher aggressiv Stellung
* ein oder zwei Fälle aus der Detektei

Situationen und Menschen sind klar geschildert und sie entstehen schön vor meinem Auge; manches ist durchaus wie ein Film.
Die vielen Handlungsstränge und - ebenen sind nicht immer leicht auseinander zu halten, aber in Sumnme bleibt die Spannung und Neugier wie die Geschichte denn ausgehen wird, erhalten.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Peter. R. Wieninger : "Die Spur der Katzen"

Peter. R. Wieninger :
"Die Spur der Katzen"
Roman
1996, Reclam Verlag Leipzig
219 Seiten
ISBN 3-379-00756-0

Eigenartige Geschichte, bei der in der Jetztzeit ein verwöhnter schicki-micki Beamter spirituell erleuchtet wird, und parallel die Geschichte des 'Book of Kells' erzählt wird.

Die titelgebenden Katzen sind als Verteidiger der bösen Energie nur fauchend und kratzend geschildert - leider. Der Hund auf der Seite der positiven Energie, klassisch treu.

Das Buch ist in zwei Strängen aufgebaut, die am Schluß zusammenfinden.
Die Handlung in der Jetztzeit beschreibt den Beamten Steinwändter in Armani/Boss/etc. Anzügen und Sportautos mit "i" am Schluß, der beim Rasen einen Mann überfährt, sein Auto versteckt, trickst um eine Anzeige wegen Autodiebstahls machen zu können, das Auto wider Erwarten ohne Schaden retourerhält (bald aber merkt, daß es nicht sein Auto ist), und dann neugierig geworden und weil seine Kinder und sein Hund bedroht werden (seine Frau ist ihm egal, da er eine Geliebte hat), nach St. Pölten fährt weil ein Hinweis es so will. Im Dom findet er dann die relevanten und rätsellösenden Antworten.
Parallel wird die Geschichte des 'Book of Kells' erzählt, an dessen 340 Seiten im 9 Jahrhunder 4 Mönche arbeiteten, zeichneten, kallographierten, für Farbe Würmer zerrieben ließen , Gold in malbare Konstistenz bringen ließen und für dessen Existenz sie von Inseln bei Schottland, zu Inseln bei Irland fliehen mußten. In den nächsten historischen Wirren wird das Buch in Dublin untergebracht, wo es im 20. Jahrhundert unter Alarmglocken geschützt der Öffentlichkeit gezeigt wird. Berühmt ist es für seine Zeichnungen und die Farben die auch nach einem Jahrtausend noch frisch sein sollen.
Nebenzweig die Geschichte und der spirituelle Hintergrund der Zoroaster, und wie sie den Ausgleich von Gut und Böse auf der Welt sehen.

Das Buch ist so geschrieben, daß ich das Ende wissen wollte, sprachlich hat es mich aber nicht gereizt.
Den Beschreibungen des Buches, der Kleidungen, der diversen Interieurs, der Landschaften, der Stadt St. Pölten und Teilen Wiens ist Raum gegeben ohne sich festzulaufen - leider bleiben die Menschen für mich an der Oberfläche und auch die Wandlung des Abteilungsleiters Steinwändtner durch spirituelle Informationen ist eher belustigend.

Oder macht sich der Autor über seinen eigenen 'halben' Fantasyroman (die andere Hälfte kann eher als Kriminalroman klassifiziert werden) selber lustig ? Beim Lesen des Endes habe ich zumindest mehrmals den Eindruck.

Nettes Detail ist die Beschreibung von "Uisce beatha" ... genau: Whiskey :-)

Dienstag, 11. Mai 2010

Linda Mather : "Schlechte Zeiten für den Widder" - "ein Astro Krimi"

Linda Mather :
"Schlechte Zeiten für den Widder"
"ein Astro Krimi"
Original "Blood of an Aries"
1993 Macmillan London/Pan Macmillan Ltd.
aus dem Englischen von Wolfgang Thon
1. Auflage, 1996, Aufbau Taschenbuch Verlag Berlin
242 Seiten
ISBN 3-7466-1204-7

Nett lesbarer Krimi, der gut in den Öffentlichen unterhält, in dem eine kleine Detektei in Coventry der Ermordung eines Steuerberaters in Ausbildung, eines Universitätsprofessors und eines Amerikaners auf der Spur ist.

Jo, die einen Job neben ihrer Freiberuflichkeit als Astrologin braucht, nimmt eine Teilzeitarbeit als Mitarbeiterin in einer netten kleinen Detektei an. Diese soll einen Leichenfund in einem Hotel klären – den werdenden Steuerberater -, beim Aufarbeiten seiner Kontakte wird der Universitätsprofessor erschossen. Jo und die Leute der Detektei lernen die Familie des aus den USA zurückgekehrten Professors kennen, und auch einige Freunde der Familie.
Dann taucht auch noch ein ehemaliger Student aus den USA aus, der sich als ehemalige Freund/Liebhaber des Professors erklärt. Auch dieser wird ermordet.
Letztendlich kommt Jo drauf, daß der Professor bevor er in die USA ging, eine Freundin seiner damaligen Verlobten und jetzigen Frau vergewaltigt hatte, und diese ihn als Rache erschoß - und, weil er sie erpresste, den amerikanischen Studenten auch umbrachte. Der aufstrebende Steuerberater hat Selbstmord begangen, da er keine Chance sah seine Beziehung zu dem Professor zu leben. Da die Polizei aber die Morde dem amerikanischen Stundenten mit anschließendem Selbstmord in die Schuhe schiebt, bleibt die rächende Frau unbehelligt.

Nett lesbare Geschichte, in der sich auch mit einer Annäherung zwischen Jo und dem Chef der Detektei Macy eine Liebesgeschichte anspinnt.
Die Menschen sind teilweise nett beschrieben, sehr klar die Familie des Professors (die superfreundliche Frau und 2 Töchter, einmal charismatisch kritisch, die andere neugierig und Teenager), auch der Nachbar der Familie (= Liebhaber der Ehefrau) hat klare Konturen, die Freundin der Familie und deren Nichte (die sich in der charismatischen Professor verliebt, und damit die Emotionen ihrer [vergewaltigten] Tante endgültig zum übergehen bringt) sind schön in ihrer Zurückgezogenheit und Verbittertheit die eine, sinnlos verknallt die andere gezeichnet. Auch die Hilfsgeister der Detektei wie der ruppige Al und die positive, plaudernde Bürochefin Celia haben Linien.

Astrologie wird als Thema bißchen angerissen, aber bleibt für mich an der Oberfläche, daß für mich die Kategorisierung ‚Astrokrimi’ zu wenig Substanz hat.

Freitag, 7. Mai 2010

Jutta Motz : "Späte Seilschaften"

Jutta Motz :
"Späte Seilschaften"
Originalausgabe
Pendragon Verlag
Günter Butkus, Bielefeld 2008
449 Seiten
ISBN 978-3-86532-105-3

Spannende Geschichte, mit Leiche im Keller, verdächtigem Archäologen der als Spion gearbeitet hatte, einem Ex-Stasi-Mann der DDR der in England neu Fuß fassen möchte, archäologische Schwindel die nur deshalb nicht publik werden weil der beruflich anerkannte Vater des Schwindlers seinen guten Ruf verlieren dürfte, einem Ex-liebhaber der am Fleischhacken endet, und alles mündet in einem saftigen Pharmaskandal.

den roten Faden bildet die Tochter des verdächtigten Archäologen, der als ehemaliger Spion noch gut weiß, wie man sich verborgen hält. Sie war mit einem Deutschen liiert gewesen und glaubt als einzige daran, daß ihr Vater kein Mörder ist und ist gemeinsam mit einem seiner ehemaligen Schüler auf der Suche nach ihm. Eine Liebesgeschichte beginnt sich hier zu entspinnen ;-)
Der Mörder ist übrigens ein ehemaliger Lernkollege dieser Tochter, der seine unbeantwortete Zuneigung rächen wollte.

Die Geschichte ist spannend, die Personen knapp aber schön skiziert und laufen wie ein Film vor dem geistigen Auge ab. Das Buch ist jedem zu empfehlen der ein bisserl verzwickte Kriminalromane mag.