Mittwoch, 24. Dezember 2025

Beate Maly : "Mord im Stadtpalais"

Beate Maly :
"Mord im Stadtpalais" - ein Weihnachtskrimi
2025, Emons Verlag
2016 Seiten + 2 Seiten Nachwort + Leseprobe "Mord in der Wiener Werkstätte"
ISBN 978-3-7408-2051-0

Mila Sokol aus einer kinderreichen Familie in Böhmen nach Wien abgeschoben, hat es geschafft als geniale Köchin einen guten Arbeitsplatz in einem Stadtpalais im Herzen Wiens zu haben. Die Arbeitgeber erwarten die Familien für den ganzen Advent - und so kommen zu dem Ehepaar, und der unverheirateten Tochter, der Sohn mit Familie, die gerade schwangere andere Tochter, und die Schwestern des Gastgebers, sowie der Verlobte der Tochter und der Familienarzt.
Bereits am ersten Abend gibt es einen Toten, und der gemütliche und Essen genießende Kommissar Felix Zack sieht Familie und alle Mitarbeiter im Haus kennen, und muß sich der Frage ob die zuckerfreien Marillentascherln oder Powidltascherln mit Gift versetzt waren stellen.
Kommissar Zack bekommt Hilfe nicht nur von Mila, sondern auch von einem liebevollen freundlichen Streuner, der sich den Rang eines Polizeihunds erarbeitet.
Mitraten nach dem Mörder ist möglich.

Ort der Handlung ist Wien im Dezember 1906.

Die Menschen sind gut vorstellbar geschildert inklusive ihrer Probleme. Mila Sokol ist als neue in dem Palais mit einigen Gepflogenheiten dort sehr gefordert; es geht unter die Haut, daß sie trotz verletztem Bein arbeiten muß, weil es für verletzte Dienstboten keinen Kündigungsschutz gibt.
Die Sympathien liegen bei Mila, der unverheirateten Tochter, und Felix Zack.

Der Grund des Mordes ist ein klassischer.
Liebensgeschichten gibt es auch.

Ich habe diesen "Cosy Crime" im verschneiten Advent in Wien mit vielen guten Süßigkeiten mit Vergnügen lesen. Viel Spaß !

Biographie siehe Beate Maly "Tod an der Wien".

Freitag, 19. Dezember 2025

Bernhard Schlink : "Der Vorleser"

Bernhard Schlink :
"Der Vorleser"
Ausgabe Eine Stadt. Ein Buch
copyright 1995, Diogenes Verlag 2023 Echomedia Buchverlag / Eine Stadt. Ein Buch.
203 Seiten + 8 Seiten Interview Bernhard Schlink
keine ISBN 

Der Teenager Michael Berg lernt durch einen Zufall die etwas über 30 jährige Hanna Schmitz kennen, die als Bahnschaffnerin arbeitet. Er verliebt sich in ihre warmherzige bodenständige sinnliche Art, und beginnt ihr auf ihren Wunsch hin vorzulesen. Die erotische Beziehung und den Kontakt mit ihr verschweigt er seiner Umgebung komplett. Später im Gymnasium hat er mehr Kontakt mit gleichaltrigen, und die Beziehung zerbricht.
Während des Studiums wird eine Gruppe um einen Professor dazu eingeteilt einen Gerichtsprozeß zu verfolgen, bei dem einige KZ-aufsehende Frauen jüdische Gefangene bei dem Transport weg von den russischen Soldaten in einem brennenden Gebäude eingeschlossen haben und umkommen lassen, zu diesem Verbrechen angeklagt werden. Michael erkennt Hanna, die sich zu manchem bekennt, manches hinterfragt, und ihm wird klar, daß sie Analphabetin ist, was nicht bekannt ist. Um ihre Souveränität nicht zu verletzen sagt er nichts; sie wird zu langer Gefängnisstrafe verurteilt. Die Auseinandersetzung mit der Arbeit als KZ-Aufseherin unterbleibt.
Als seine Ehe gescheitert ist, beginnt er Kassetten mit Text aus Romanen vorzulesen und zu besprechen und schickt diese an Hanna ins Gefängnis. Jahre später kommt Antwort in eckiger Schrift; die Zeilen werden mit der Zeit flüssiger. Hanna bringt sich kurz vor der Entlassung aus dem Krankenhaus um, und Michael erfährt von der Gefängnisleiterin, daß sie sich am Ende ihres Lebens mit Biographien anderer KZ-Aufseherinnen beschäftigt hat, und ihr Geld Angehörigen der damals verbrannten Frauen vermacht hat.

Der Roman ist dreiteilig aufgebaut - Teenagerzeit, Student, nach seiner Ehe; und in Ich-form aus Sicht von Michael Berg geschildert.

Als Person werden nur Michael Berg geschildert und wie er die anderen Menschen sieht. Er fühlt sich bei der rundlichen geraden Hanna wohler als bei vielen anderen Menschen, auch wenn sie ihn - um ihren Analphabetismus zu vermeiden - immer wieder hart behandelt. Der Vater ist zwar da, aber ferne und kalt.
Die Abschnitte, in denen es um das/die Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus geht, werden überraschend unemotional beschrieben, vermutlich das Grauen im Kopf den Lesern/Leserinnen überlassend.

Der Roman ist sehr gut geschrieben; die Szenerien laufen vor Auge ab. Die Kontakte zwischen Michael und Hanna sind spürbar, auch wenn eigentlich kein Kontakt mehr vorhanden ist; die Einsamkeit der beiden ist ebenfalls spürbar.

In Summe ein Roman der eindrücklich bei mir in Erinnerung bleibt.

Bernhard Schlink wurde am 6. Juli 1944 in Großdornberg / Bielefeld geboren. Er ist Jurist und wurde Professor für öffentliches Recht in Deutschland. 1987 begann er zu schreiben, zuerst als als Co-Autor, später alleine vor allem als Kriminal-Schriftsteller.

Mittwoch, 10. Dezember 2025

S J. Bennett : "Die unhöfliche Tote"

S J Bennett :
"Die unhöfliche Tote" - ein Queen-Elizabeth-Krimi
original "A three Dog Problem"
2021, Zaffre, Bonnier Books, London
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
2023, Knaur Taschenbuch Lizenz
358 Seiten + 1 Seite Dank
ISBN 978-3-426-52734-4

Queen Elisabeth II, hat nicht nur die Verantwortung für ihre Land und Sorgen um ihre Familie, sondern braucht auch Hilfe um ein Bild, das sie gemeinsam mit ihrem Mann in den ersten Zeiten ihrer Ehe gekauft hatte. Sie bitte Rozie Oshodi, ihre Privatassistentin um deren energische Hilfe; als plötzlich die unbeliebte Haushälterin ermordet am Pool gefunden wird.
Rozie fährt zu dem früheren Leiter der kunsthistorischen Sammlung, entdeckt einen Geheimgang im Buckinghampalace, und legt sich mit Bediensteten an; und erzählt alles der Queen.
Die Queen grübelt während der Spaziergänge mit ihren Corgis nach, während sie zu Portrait sitzt, fragt manches ihren Mann, und langsam entwickelt sich ein Muster, das zu Betrug mit Kunstwerken führt.

Mit viel Humor wird erzählt wie die Queen in ihrem persönlichen Umfeld agiert, aber mit Zähigkeit an ihren Zielen bleibt. Ihre Assistentin Rozie wird als gutaussehende, große, sportliche, höfliche und gescheite junge Frau geschildert, die kein Problem hat anzupacken.

Hintergrund sind Zeichnungen der Artemisia Gentileschi. Es geht um Menschen die Kunstgeschichte und Künstler/Künstlerinnen lieben, aber auch um Menschen die sich der Werke zu eigenem Wohlstand bedienen. 

Das Buch feinfühlig und mit Respekt für die Menschen in der königlichen Familie beschrieben. Nur sehr von der Ferne wird auch die aktuellen Mitglieder der Familie Bezug genommen, ebenso auf die hohe Politik im Parlament.
Auf Bürokratie machen sich alle immer wieder lustig.

Für Hundefans gibt es einige nette Anekdoten mit den Corgis, und auch Sorgen um sie.

Der Roman ist mit Humor geschrieben; ich habe beim Lesen in der Straßenbahn öfters Lachen müssen. Viel Spaß beim Lesen !

Sophia Bennett wurde 1966 in Yorkshire geboren. 
Ihr erstes Buch erschien 2004; sie hat zuerst viele Kinderbücher geschrieben, die in viele Sprachen übersetzt worden sind.
Den Namen "SJ Bennett" verwendet sie für Kriminalromane für Erwachsene, bei denen Queen Elizabeth II als geheimer Privatdetektiv agiert, unterstützt von ihrer fiktionalen Privatassistentin mit Stammbaum in Nigeria, Captain Rozie Oshodi. Mittlerweile gibt es fünf Kriminalromane
mit Queen Elizabeth II und ihren Corgis, die auf deutsch übersetzt worden sind.

Sonntag, 19. Oktober 2025

Christian Klinger : "Eine Corsa in Triest"

Christian Klinger :
"Eine Corsa in Triest" - Gaetano Lamprecht ermittelt
2024, Picus Verlag
318 Seiten
ISBN 978-3-7117-2123-5

In Triest beginnen sich nach dem ersten Weltkrieg die neuen Gruppen aufzustellen - alte Österreicher, junge Menschen die Arbeit suchen, und sehr nationale Gruppen. Aus Wien kommt die Familie Kinsky in ein ererbtes Haus, in dem Walter Kinsky seine Erfindung zu einem Auto mit Elektroantrieb entwickeln möchte.
Parallel ist Gaetano Lamprecht, als ehemaliger Soldat auf Arbeitssuche bei der Polizei, die ihn als kritisch sehen, da er Österreicher ist. Erst nach Umstieg auf die italienische Staatsbürgerschaft erhält er Arbeit, ebenso wie seine Schwester die italienische Staatsbürgerschaft annimmt um Aufstiegschancen im Architekturbüro zu haben.
Der Erfinder verschwindet, die Schlägertruppen werden mehr, Gaetano geht seinem Verdacht über die Hintergründe der Schlägergruppen nach und wird als Commissario suspendiert.
Ein Corsa - eine Wettfahrt - findet zwischen einem Auto mit Elektroantrieb und mit Benzinantrieb statt, welche dort Orts- also Kurvenkenntnis gewonnen wird. Am Schluß kommt es zu einem Showdown zwischen rechten Schlägertruppen und der Polizei und Soldaten.

Ort der Handlung ist Triest, das sich nach dem ersten Weltkrieg, neu aufstellt. Es gibt die politischen die auf Machtgefüge setzen und die vielen Menschen, die sich anpassen müssen und in den neuen Umständen überleben wollen. Die Anpassung schaffen nicht alle.
Die Familie Kinsky sind als Vater, Mutter und Kind freundlich geschildert, wobei der erfindende Vater mit entwendeten Plänen und politischer Fehleinschätzung agiert; allerdings findet er Schlupfwinkel.
Familie Lamprecht ist mit Vater, Mutter, Gaetano und Schwester Adina, und Onkel eher zerrissen; anhand dieser Familie ist die Situation der alten Österreicher im neuen Italien, und deren Fragen wie sie selbst mit der neuen Situation umgehen sollen, aber auch wie sie gesehen werden, exemplarisch geschildert.

Dazwischen findet viel Radfahren statt.

Der Roman ist mit seinen unterschiedlichen Handlungslinien wie Commissario Lamprecht, zwei Männer aus der rechtsextremen Szene, und technischen Erneuerungen spannend geschrieben; die technischen Informationen waren gerade in Zeiten wie aktuell bei denen es um Einsatz von Ressourcen den Erde geht, hochinteressant.

Viel Freude beim Lesen !

Christian Klinger wurde am 15. Jänner 1966 in Wien geboren. Er studierte in Wien Jus, und war Musiker. 2005 erschien mit 'Die Spur im Morgenrot' sein erster Krimi rund um Ermittler Chefinspektor Seidenbast, um den der Autor noch zwei weitere Kriminalromane schrieb. 2012 begann Klinger eine neue Serie um den Privatermittler Marco Martin, um den noch weitere drei Romane veröffentlicht wurden. 2022 begann er mit dem Polizeibeamten Gaetano Lamprecht eine neue Serie, die im Triest des frühen 20. Jahrhunderts angesiedelt ist.
Seit 2017 ist sein Zweitwohnsitz  in Triest.

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Tony Hillerman : "Blinde Augen"

Tony Hillerman :
"Blinde Augen" - ein Fall für die Navajo-Police
original "Listening Woman" (A Leaphorn and Chee Novel,3)
1978, Harper & Row
Aus dem Englischen von Friedrich A. Hofschuster
Mit einem Nachwort von Claus Biegert
2023, Unionsverlag 954
251 Seiten + 9 Seiten "Tony Hillerman - Ein Fall von Kultureller Wertschätzung" + 1 Seite Biographie Tony Hillerman
ISBN 978-3-293-20954-1

Ein alter Mann und ein junges Mädchen werden ermordet, während die alte blinde Heilerin in ein Vision versunken ist. Lieutenant Joe Leaphorn wird fast von einem Autofahrer überfahren. Langsam macht er sich auf die Suche nach dem rücksichtslosen Autofahrer, und entdeckt, daß beide Fälle zusammenhängen.
Mit altem Navajo Wissen ausgestattet geht er Spuren nach, und auch alten Bräuchen. Bei weisen Menschen fragt er altes Wissen und alte Welt-entstehungs-mythen nach.
Sehr langsam entschlüsselt sich, daß einer der junge Indianer, die früh in die Heime gesteckt wurden, seinen Halt in sehr alten Mythen sucht, und hier den Umsturz plant.

Ich muß zugeben, daß ich mit dem Stil des Autors überhaupt nicht konnte. Mich hat seine Ausdrucksweise irritiert.  Mir fehlt auch das empathische Eingehen auf Menschen; am Schluß wird es sehr 'action'-reich, die mich nicht erreicht hat. Inhaltlich ist das Antasten an ein Thema und Menschen allerdings sehr interessant.

Die Mythen der unterschiedlichen Indianerstämme haben mich allerdings in den Bann gezogen.

Anthony Grove Hillerman wurde am 27. Mai 1925 nahe Sacred Heart, Oklahoma geboren. Erste Bildung erhielt er in einem Internat für Indianer. 1945 kam er aus dem Zweiten Weltkrieg zurück, und schloß sein Journalismus - studium ab. Er arbeitete bis 1965 als Journalist, später als Dozent für Journalismus.
1970 veröffentlichte er seinen ersten Kriminalroman 'The Blessing Way' ('Wolf ohne Fährte', 1972). Seine Romane spielen im Bundesstaat Arizona in der Navajo Nation Reservation. Seine Detektive sind die Diné-Polizisten Joe Leaphorn (in den späteren Fällen pensioniert und als Privatdetektiv tätig) und Jim Chee (erstmals 1980 in dem Roman 'People of Darkness'
).
Er starb am 26.Oktober 2008 in Albuquerque, New Mexico.

Sonntag, 5. Oktober 2025

Italo Calvino : "Der Baron auf den Bäumen"

Italo Calvino :
"Der Baron auf den Bäumen"
original "Il barone rampante"
1957, Giulio Einaudi editore, Turin
Aus dem Italienischen von Oswalt von Nostiz
deutsche Übersetzung 1960
S. Fischerverlag 6. Auflage 2023
173 Seiten
ISBN 978-3-596-90441-9

Der zwölfjährige Zweitgeborene, Cosimo Piovasco di Rondò, aus einer Adelsfamilie schwingt sich bei einem ekelerregenden Mittagessen in fader Kommunikation auf den Baum vor dem Eßzimmer und bewegt sich über die Bäume weiter. Er beschließt, daß er keinen Fuß mehr auf den Boden setzt, und sich nur noch in den Bäumen bewegt. Auf diese Art lernt er die schöne Nachbarstochter kennen, aber auch eine Jugendbande die er sich mit seinem kleinen Schwert vom Leibe hält. Er richtet es sich in den Bäumen ein, mit Bett, Regenschutz, und Rutsche um seine Kleidung gewaschen zu erhalten.
Er verkehrt mit Piraten und Räubern, und plaudert mit gekrönten Menschen
Als er von Menschen hört die auch die Bäumen leben, klettert er über tagelang zu den Spaniern, und hat dort eine wichtige Liebe, ehe die Spanier wieder nach Hause reisen.
Über seinen Hund kommt er wieder mit der schönen Nachbarstochter, die jetzt reiche Witwe ist, zusammen; leider zerstreiten sich die beiden Sturköpfe.
Als Cosimo älter wird, kommen Heißluftballone auf; als eines vorbeifliegt, ergreift er sich ein Seil, und fliegt aufs Meer hinaus.

Der Erzähler der Geschichte ist der erstgeborene ältere Bruder, der sich am meisten um den Baron in den Bäumen kümmert, und auch um die Güter der Familie. 
Ort der Handlung ist Ligurien, um von 1767 bis nach Napoleons Kriegszügen.

Die Personen sind zum Angreifen nahe geschildert. Die Mutter des Barons, als Tochter eines Generals, als hochzufrieden und durchgetaktet, die schleimige Tante, der noch schleimigere geistliche Lehrer der Buben, der unnahbare sehr arrogante Vater von Baron und Erzähler, und auch der aufgeweckt junge Baron in den Bäumen selbst; witzig ist die verwöhnte eigenwillige Nachbarstochter, spätere schöne eigenwillige Frau.

Die Geschichte ist sehr skurril und unterhält gut.
Nicht nur die turnerische Begabung des jungen Mannes unterhält, sondern auch die verschiedenen Menschen, mit denen er zusammentrifft; wie z.b. der Liebesroman süchtige Bandit, oder die wie er die faulen Soldaten mit Läusen zu Hygiene und Bewegung bringt.

Am Anfang brauchte ich etwas Zeit um mich an den Stil oder Übersetzung zu gewöhnen, später bin ich beim Lesen lächelnd in der Straßenbahn gesessen.

In Summe ein sehr unterhaltsames Buch; viel Freude beim Lesen !

Italo Calvino wurde am 15. Oktober 1923 in Santiago de las Vegas, Provinz Havanna, Kuba geboren. Er lebte zuerst mit seiner Familie in Kuba, begann dann ein Studium der Agrarwissenschaften; Ende des Krieges schloß er sich den Kommunisten an und engagierte er sich bei den Partisanen. Nach dem Krieg studierte er Literaturwissenschaften, und beim Verlag Einaudi in Presseabteilung und später Lektorat zu arbeiten. 1957 trat er aus der Kommunistischen Partei aus Enttäuschung über den Einmarsch in Ungarn aus. Er lebte später auch auf Kuba und in Paris.
1947 erschien sein erster Roman
'Il sentiero dei nidi di ragno' bei Einaudi, Turin / Deutsch: 'Wo Spinnen ihre Nester bauen'.
Er starb am 19. September 1985 in Siena, Italien.

Sonntag, 28. September 2025

Igort : "Berichte aus der Ukraine [Tagebuch einer Invasion]"

Igort :
"Berichte aus der Ukraine [Tagebuch einer Invasion]"
original 'Quaderni ucraini : Diario di un 'invasione'
2022, Oblomov Edizioni
Aus dem Italienischen von Mariam Alfano
2023, Reprodukt Berlin
156 Seiten + 4 Seiten "Goldfisch oder Elefant" + 3 Seiten Postscriptum

ISBN 978-3-95640-357-6

In dem Tagebuch werden die ersten 98 Tage nach dem militärischen Angriff der russischen Truppen auf die Ukraine ab 24. Feb 2022 und einige Rückblenden der ukrainisch-russischen und russischen Geschichte erzählt.
Nach Einzelschicksalen von auseinander gerissenen Familien (der Mann bleibt, Frau und Kinder suchen Sicherheit zwischen Bombenangriffen) mit sehr dunklen Bildern, bringen wackelnde Säulen den Leser in das Geschehen um das Theater in Mariupol mit allen Menschen die im Keller nach Beschuß umkommen und einen Exkurs in den Holodomor in den 30-er Jahren, der vielen Ukrainern das Leben durch Hunger gekostet hat; diese Zeichnungen sind mit vielen feinen Strichen gezeichnet.
Butscha, ein Vorort von Kiew, ist mittlerweile zum Kennwort für die Brutalität und Rücksichtslosigkeit gegen Zivilisten und Familien geworden; die Graphiken sind in dunklem Braun, Grau und Schwarz gehalten und sind Hintergrund zu Worten die von den Gräulichkeiten berichten.

Die Graphic Novel endet am 1. Juni; die Soldaten der Asow-Werke in Mariupol werden am 22. Juni 2022 kapitulieren.

In diesem Buch sind im Gegensatz zu vielen anderen Graphic Novels und Comics mehr Seiten mit viel bis ausschließlich Text, in dem die Geschichte erzählt wird, oder intensiv die Situationen von ausgewählten Menschen im Krieg, und auch auf der Flucht.

Die Geschichten über die einzelnen Menschen gehen unter die Haut - z.b. die eines russischen Soldaten der zufällig überfahren wird, nachdem er beschlossen hat, zurück in die Heimat zu fahren, und dort zu verbreiten wie dieser Krieg wirklich ist, und welche Lügen erzählt worden sind.

Neu war für mich der Politiker Stepan Bandera; für ihn waren nach dem Holodomor Nazi-Deutschland weniger problematisch als Rußland um eine politisch sehr rechts stehende Unabhängigkeitspartei der Ukraine zu gründen; leider wurden auch für diese Unabhängigkeit viele tausende als unpassend geltende Menschen ermordet, was für ihn nur Notwendigkeit ohne Gewissensbisse gewesen ist. Er war sein Leben lang als Feind der Russen bekannt, und wurde schlußendlich vergiftet.

Die Graphic Novel erzählt von Soldaten, von Frauen, von Männer, von Töchtern und Söhnen, von Eltern. Es sind kurze Kapitel, die sehr unter die Haut gehen.

Igort wurde am 26. September 1958 in Cagliari als Igor Tuveri geboren. Sein Vater ist klassischer Komponist, und er lernte über ihn russische Musik und Literatur kennen. Er hat zwei Jahre in der Ukraine gelebt.
Mit 20 zog er nach Bologna und begann als Comiczeichner zu arbeiten. Seine Werke erschienenen auch in Frankreich und Japan, und anderen europäischen Ländern. Ab 1993 erschienen regelmäßig Werke von ihm
Seit 1980 arbeitete er parallel als Musiker mit verschiedenen Bands als Komponist, Sänger und Arrangeur.
Filme nach seinen Drehbüchern erscheinen seit 2019.

2011 erschien 'Berichte aus der Ukraine (Erinnerungen an die Zeit der UdSSR)'. Eine erste Sammlung dieser öffentlichen Tagebuch-Blätter erschien 2022 als zweiter Band seiner "Quaderni ucraini" (auf Deutsch 2023: 'Berichte aus der Ukraine 2').

Freitag, 12. September 2025

Lisa Stidl : "Adalinde Addix ermittelt - Die letzte Aufführung"

Lisa Stidl :
"Adalinde Addix ermittelt - Die letzte Aufführung"
2020, Buchschmiede
282 Seiten
ISBN 978-3-99125-4347-8

Im einem zentral gelegenen gemütlichem Wiener Hotel mit Spa und schönen Salons kommen zusammen : Adalinde Addix, die zum ersten Mal aus München in diesem Hotel ist; der attraktive Stefano, dem Kellner und einer der guten Geister des Hotels; die pflichtbewußte Rezeptionistin Gabi Hicks; Ellen Bay, eine frühere hochgefeierte aber intrigante sehr selbstbewußte  Schauspielerin; Ruben und Torin, alte Freunde von Adalinde älteren Alters aus dem Zirkus kommend; dem Hotelbesitzer Richard; Lia Hubertus, eine schöne junge rothaarige Frau mit heimlicher Liebe; Samuel Bay, Enkelsohn von Ellen Bay; der erfolgreiche Geschäftsmann Antony Storm; Rose, ein Zimmermädchen; Nora Menke, eine alte Freundin von Richard und von früher von Ellen; ein freundliches Pensionistenehepaar Amanda und Harald
Ellen Bay wird getötet gefunden, Adalinde findet, daß sie hier ihr aktiv werden muß, bis der Mord geklärt ist; und auch einige andere Geheimnisse gelüftet sind.

Das Hotel ist gut vorstellbar geschildert. Manche Menschen sind klar vor, andere eher stereotyp und unspürbar. Leider habe ich auch länger gebraucht, um mich bei den Paaren auszukennen.

Es wird viel über Theater und Intrigen erzählt, auch daß manche Auswirkungen spät und gründlich kommen. Liebe findet statt - manchmal geglückt, manche unerfüllt, und manche nie erfüllbar.

Leider ist mir die Hauptperson Adalinde nicht sympathisch durch ihre durchaus besserwisserische Art; es wird ein Geheimnis um sie angedeutet, daß nicht gelöst wird, vermutlich um in Band zwei erzählt zu werden.

Mitraten nach dem Mörder ist möglich - die Geschichte dahinter ist gelungen.

Lisa Stidl ist Schriftstellerin, und Lektorin bei Goldegg-Training (Buch-, Medien- & Verlagsakademie).

Freitag, 29. August 2025

Javier Marías : "Berta Isla"

Javier Marías :
"Berta Isla"
Roman
original "Berta Isla"
2017, Alfaguara Barcelona
Aus dem Spanischen von Susanne Lange
2022, Fischer Taschenbuchverlag
648 Seiten
ISBN 978-3-596-70341-8

Berta Isla ist eine intelligente junge Frau, die bereits früh in einer Beziehung mit Tomás ist. Sie ist Spanierin, er halb spanisch halb britisch weshalb er als diese beiden Sprachen und als Sprachtalent in vielen Akzenten spricht. Sie heirateten, es kommt er Kind, er arbeitet die ganze Zeit in einem Arbeitsbereich über den er nicht sprechen darf in England, oder wo aus immer. Kind zwei kommt, und einige Zeit später erfährt Berta, daß ihr Mann umgekommen sei, aber seine Leiche nicht gefunden wurde. Berta hat zwar Affären und Beziehungen, ist aber nicht überzeugt, daß Tomás nicht mehr am Leben sei.
      Parallel wird Tomás Leben erzählt - mit einer Affäre in England, die scheitert, und Gesprächen, die ihn überzeugen seine Talente in den Dienst des englischen Geheimdiensts zu stellen. Sein mentaler Anker in den Einsätzen bleibt der Glaube an Berta, auch als er in Pension in verschiedenen kleinen Städten Englands lebt.
   Die Endwendung ist sehr überraschend, und plötzlich sieht alles anders aus.

Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Berta und Tomás geschrieben, aber nicht in I-form, und begleiten die beiden seit ihrer gemeinsamer Studienzeit. Tomás ist ein fröhlicher kommunikativer Mensch, sie ist eine korrekte Spanierin - beiden ist klar daß sie zusammen sind.

Vor dem Hintergrund der Margaret-Thatcher-regierung in England, den Attentaten der ETA in Spanien, und anderen europäischen Themen wird die Geschichte von viel Abwesenheit des Ehemannes erzählt, in der Berta die Kinder aufzieht, selbst Lehrerin ist, und auch ein sehr unangenehmes Erlebnis mit Agenten hat.

Dieses Buch ist mehr aus der Sicht von Berta geschrieben.
Die andere Sichtweise ist hier : 2021: Tomás Nevinson. Alfaguara, Madrid, dt. von Susanne Lange als Tomás Nevinson, S. Fischer, Frankfurt 2022.

Ich habe in  den 90-er Jahren "Sein Herz zu weiß" gelesen, und war damals von dem Stil nicht begeistert, weil ich mir nicht in den Bann gezogen hat.
Dieses Buch ist - obwohl distanziert - so geschrieben (oder übersetzt), daß die coole beherrschte logische Berta mit ihren Ängsten, Sorgen, Gedanken stimmig und fühlbar war. 

Die intellektuelle Auseinandersetzung zwischen den beiden ist spürbar. Faszinierend wird es wenn Berta englischer Literatur zitiert, die mehr die Heimat von Tomás ist, um sich verständlich zu machen.

In Summe ein intensiver Roman; viel Freude beim Lesen.

Javier Marías Franco wurde am 20. September 1951 in Madrid geboren und verbrachte einige Jahre seiner Jugend in USA, da sein Vater sich der spanischen Republik zugehörend bekannte. Er studierte Literaturwissenschaften und Philosophie. war ein Schriftsteller, Kolumnist und Übersetzer. Er starb am 11. September 2922.
Er begann früh schrifstellerisch zu arbeiten.
Zu seinen Werken gehören die Romane 'El hombre sentimental' (1982, deutsch: Der Gefühlsmensch) , Todas las almas (1986, deutsch: Alle Seele und sein siebenter Roman Corazón tan blanco (1992, deutsch: Mein Herz so weiß), der ein internationaler Erfolg wurde. Seine Romane sechszehn und siebzehn sind "Berta Isla" und "Tomás Nevinsson".

Samstag, 16. August 2025

Robert Thorogood : "Murder on the Marlow Belle"

Robert Thorogood :
"Murder on the Marlow Belle" - A Marlow Murder Club Mystery
2025, Harper Collins Publishers Ltd
308 Seiten +2 Seiten Acknowledgements + weitere Seiten für Folgeroman
ISBN 978-0-00-856738-5

Drei Damen in einem entzückenden Dorf machen sich unauffällig auf die Suche nach dem Mörder eines die Aufmerksamkeitn suchenden Direktors einer dilettantischen Dorfteeatergruppe. Der Mord war auf einem Ausflugsschiff mit nur wenigen Menschen geschehen, weshalb Judith Potts, Suzie und Becks die Geheimnisse über Bigamie, wirtschaftliche Probleme, Tratschsucht, etc aufgedecken und versuchen möglichst unauffällig an ihre geschätzte Polizistien Tanika zu geben, damit diese freundliche Dame keine Probleme bekommt. Judith nimmt an den Proben und Aufführung der Theatergruppe teil, um an die Geheimnisse zu kommen. Spät kommt die entscheidende Information, die zur Lösung führt.

Der Roman ist in sehr schön reichhaltigen Englisch mit vielen Pflanzennamen geschrieben.
Die Personen sind liebevoll in ihren Verschiedenartigkeiten, Ecken und Kanten geschildert. Es gibt den verstorbenen geltungssüchtigen Direktor des Theaters; seine Frau die eher korrekt ist aber nicht mehr bereit nur zurückzustecken; zwei weitere Schauspieler die mehr oder minder begabt und ausstrahlungstark sind, und eine aufgetaktelte sich wichtig machende ältere Dame in der Theatergruppe. Dazu kommt eine Frau, die bei diesem Theater gestartet hatte und Jahre später eine anerkannte Hollywood-schauspielerin ist.
Judith Potts hat eine eigenartige Vergangenheit mit Spionage und weltweiten Einsätzen und kaum Skrupeln zu Information zu kommen, sie ist auch wagemutig; Suzie hat Familie und sorgt sich um den neuen Freund ihrer Tochter; Becks muß mit ehemaligen Freunden fertig werden.

Ich habe mich gut beim Lesen dieses Romans unterhalten. Viel Freude.

Robert Thorogood wurde 1972 in Colchester, Essex geboren. Er ist Drehbuchautor und Romanschriftsteller. am bekanntesten ist er für die Drehbücher für "Death in Paradiese" .

Sonntag, 27. Juli 2025

Robert Harris : "Conclave"

 Robert Harris :
"Conclave"
2016, Hutchinson, Penguin, London
1 Seite Author's Note + 2 Seiten St Peter und Umgebung + 287 Seiten + 2 Seiten Acknowledgements
ISBN978-0-09-195917-3

Der Papst stirbt; Kardinal Lomelli erhält den auftrag das Konclave für die Papstwahl vorzubereiten und bis zur Wahl des Papstes zu organisieren. Auch für ihn stellt sich die Frage wer am ehesten das was er sich von einem Papst wünscht erfüllen kann, und wer nicht.
Zum Konklave kommen die Herren aus der Welt und werden sehr unterschiedlich geschildert. Auch ein junger Mann kommt, der erst heimlich vom verstorbenen Papst zum Kardinal erklärt worden war. Lomelli ist erstaunt, wie viele der Kardinäle diesen jungen Mann kennen, der in den gefährlichsten Gegenden der Welt für Barmherzigkeit gearbeitet hatte.
Lomelli entdeckt, daß der afrikanische leutselige Kardinal mit den meisten Chancen srkukellos eine Nonne verführt und sitzten gelassen hatte, was der verstorbene Papst auch gewußt hat. Unter den Notizen des verstorbenen Papstes finden sich auch Unterlagen, daß der jovial wirkende kanadische Kardinal schon zu Lebzeiten des Papstes begonnen hatte für seine Papstwahl Kardinäle zu schmieren. Gegen den letzten Favoriten, einen der die Rückständigkeit in der katholischen Kirche vertrtitt, werden trotz Bombendrohungen und einigen Attentaten in Rom, die Vision der Liebe die der heimliche Kardinal verbreitet wichtig, und er wird zum  Papst gewählt.
Im Schlußgespräch erzählt der neue Papst, daß er innere weibliche Organe hat und sich operieren lassen wollte.

Das Buch ist spannende geschrieben. Die Wahldurchgänge sind einerseits lähmend weil sehr reglementiert und dann wieder sehr spannend geschildert.

Meine Lieblingsstelle sind die Seiten auf denen genüßlich die verschiedenen Menschen und Typen an Kardinälen geschildert werden die auf das Konclave zuströmen : es gibt die plauderndern, die vergeistigten, die einzelnen, die in lauten Gruppen, die die zielgerecht streben, und die die fast über die eigenen Füße stolpern, die überheblichen und die schüchternen. 

Der Autor handelt auch die verschiedenen Fraktionen innerhalb der katholischen Kirche ab - die konservativen, die für die dritte Welt, die die wissen daß man offener werden muß, wobei hier auch Frauen gemeint werden. Die Kardinäle stehen für diese Fraktionen, und haben teilweise gezeichnende Namen.

Der verstorbene Papst ist etwas dem 33 Tage Papst nachempfunden, auch Kritik an der Finanz der Vatikanbank kommt durch.

Kardinal Lomelli ist als das spirituelle suchende beschrieben, den die Kirche aber immer auf sehr weltliche Stellen mit Organisation gesetzt hat; er akzeptiert daß die Kirche ihn dort braucht, versucht aber Zeit für Gespräche mit Gott zu finden.

Ich fand den Roman faszininierend; manche Fachausdrücke aus dem kirchen-kleidungs-vokabular mußte ich nachsehen. Viel Freude beim Lesen

Robert Dennis Harris  wurde am 7. März 1957 in Nottingham, England geboren;  er ist Journalist, Sachbuchautor und Schriftsteller und hat viele Bestseller in vielen Sprachen veröffentlicht.

Freitag, 4. Juli 2025

Zelba : "Der große Zwischenfall"

Zelba (Text und Illustrationen):
"Der große Zwischenfall" - eine feministische Fabel im Museum
original "Le Grand Incident"
2023, Futuropolis - Louvre éditions
Übersetzung aus dem Französischen von Silv Bannenberg
2025, Helvetiq AG
112 Seiten + 3 Seiten Nachwort von Zelda + 1 Seite 'Susanna und die Ältesten' + 2 Seiten 'Der Akt in der Kunst' + 2 Seiten Dank
ISBN 978-3-03964-092-8

In dieser faszinienierend schön gezeichneten Graphic Novel geht es um den Streik der nackten weiblichen Statuen und gemalten Frauen im Louvre, weil ihnen die bösen Bemerkungen der älteren Männer und Zudringlichkeiten der Schüler zu viel sind. Nur die Chefin des Putzpersonals hat den steigenden Mißmut der zur Schau gestellten Damen gemerkt, wird zuerst gefeuert als sie dies dem Direktorium mitteilt, und später als Vermittlerin eingesetzt. Sie hat zu vermitteln, daß Männer nur nackt in Museum dürfen  - Schal bei Verkühlung wird gerade noch akzeptiert.
Parallel zur Emanzipation der Statuen und Gemälde findet ein umgedrehtes Spiel im Direktorium statt : der kleine gescheite Kunsthistoriker hat gegen seine große eloquente Schwester im Auftreten keine Chance - aber er ist  Direktor, und sie ist die Assistentin, wobei beide immer wieder die Rollen wechseln.
Es gibt schöne Lösungen am Ende für viele.

Es dauert ein bißchen bis ich in diese Geschichte eingetaucht bin, wobei mich die Illustrationen von anfang an faszinierte. Die Idee mehrfarbig zu arbeiteten gefällt mir sehr gut. 

Knackpunkt der Geschichte ist, als der Herr Direktor als Assistentin in Rock und Stöckln an einem Baugerüst am Louvre vorbeistockelt und ihm nachgepfiffen wird. Erst hier beginnt er zu verstehen, warum die Schönen der Kunst so empört sind.

In einige Szenen beginnen die männlichen Statuen und Gemälde zu plaudern. Ich habe mich sehr gut unterhalten.

In Summe ein Buch, das mich sehr gut unterhalten hat, wobei mich vor allem die Illustrationen und schönen Linien beeindruckt haben.

Wiebke Petersen alias Zelba wurde am 18. Juni 1973 in Aachen geboren. Sie wuchs in Aachen und Essen auf, aber sie lebt und arbeitet seit 1998 in Saint-Etienne in Frankreich. Bevor sie Illustratorin wurde, war sie Juniorenweltmeisterin im Rudern. Sie hat bereits zwei Graphic Novels veröffentlicht: 'Im selben Boot' (2019) und 'Mes mauvaises filles'. Zelba lebt mit ihrer Familie in Frankreich.

Samstag, 14. Juni 2025

Liza Markland : "Prime Time"

Liza Markland :
"Prime Time" - ein Annika Bengtzon - Roman
original "Prime Time
2002, Piratförlaget, Stockhom
Deutsch von Susanne Dahmann
2005, Rowohlt Taschenbuch Verlag
408  Seiten + 3 Seiten Danksagung
ISBN 978-6-499-23298-7

Annika muß nach der Geburts des zweiten Kindes nach der Karenz wieder zurück in ihre journalistische Arbeit, während ihr Partner mit den beiden gemeinsamen  Kindern einige Tage bei seiner Familie im Urlaub ist. Eine charismatische Fernsehmoderatorin war ein einem dort Regen abgeschlossenen Ort ermordet worden - weshalb es genug eindeutige Verdächtige aus der Medienbranche gibt, von denen jeder einiges zu verbergen hat.
Nebenbei kämpft der Herausgeber der Zeitung, in der Annika angestellt ist, gegen das Gefühl, daß der aktuelle Besitzer die Zeitung in den Abgrund und Verkauf führen möchte, und setzt Annika auf heimlich Recherche an.
Am Schluß hat Annika Insiderhandel aufgedeckt, die Zeitung gerettet und in einem großen Showdown wird der Mord aufgeklärt.

In dem Kriminalroman wird einiges aus dem Hintergrund des Fernsehjournalismus erzählt - Bänder recherche, Datenbank, Machtkampf und Intrigen mit Terminen, Menschen die es nie schaffen werden aber notwendig sind, und zerstörte Visionen weil zuwenig Kameracharisma vorhanden sein kann. Diese Abschnitte sind sehr glaubhaft, und habe mich am meisten berührt.

Nebenbei gibt es Familienthemen weil Annikas Partner einige Erwartungen seiner Familie zurecht rückt, und mit Glück sich auch seiner Arbeit neue Türen auftun.

Der Roman ist gut geschrieben und durchaus unterhaltend. Viel Spaß beim Lesen über die Medienbranche.

Eva Elisabeth „Liza“ Marklund wude am 9. September 1962 in Parmark, einem Dorf bei Pitea , in Stadt in der Provinz Norrbottens geboren . Sie  eine schwedische Journalistin, Krimiautorin und Gründerin des Verlages Piragförlaget. Annika BengtzonRomane erschienen ab 1999 auf schwedisch; mittlerweile gibt es 13 Romane. Ihr erster Roman war 'Mia. Ein Leben im Versteck', Originaltitel 'Gömda' (1995, überarbeitete Auflage 2000).

Samstag, 24. Mai 2025

Han Kang : "Deine Kalten Hände"

Han Kang :
"Deine Kalten Hände"
original 2002, Moonji Publishing
Aus dem Koreanischen von Kyong-Hae Flügel
3. Auflage 2023 Aufbau Taschenbuch
307 Seiten +  1 Seite Nachwort
ISBN 978-3-7466-3731-0

In der Rahmenhandlung wird die Erzählerin immer wieder von Skulpturen die schwebende Hände zeigen fasziniert.
Ihr wird ein Manuskript überspielt, in dem ein Künstler von seiner kaltherzigen Familie erzählt und wie er sich ins Funktionieren retten muß, und später Bildhauer wird. Er entwickelt seine spezielle Technik dünne Gipsabzüge von Händen zu nehmen, dieser Abzüge nochmals abzuziehen und zu bearbeiten. Ein rundliche Frau mit schönen Händen ist lange sein Modell, und er beginnt nicht nur Hände zu gestalten. Später sind es andere Frauen. Manchmal werde alle seine fertigen Werke zerstört, was ihn nur dazu bringt weiter zu arbeiten. Über einen Auftrag lernt er eine bildschöne perfekte Frau kennen, die er zuerst auch als Modell einsetzen darf, bis sie umgekehrt ihn als Modell für Gipsabzüge verwendet. Hier erkennt er, daß seine Technik für seine Modells extrem schmerzhaft ist. Die bildschöne Frau hat eine Hand-operation hinter sich, weil sie 6 Finger gehabt hatte; die seelischen Narben sind nie verheilt.
In einer Galerie könnten der Künstler und seine Freundin gesehen worden sein, aber das ist unklar.

Die Menschen in diesem Buch haben keine Namen, maximal Buchstaben. Allerdings waren die Beschreibungen sehr gut, und haben mich sehr berührt. Bei den Menschen waren für mich zwei Frauen in ihrem Wandel stark : die rundliche Frau mit starker Seele, die es schafft abzunehmen, dann bulemisch wird und mit dem gesellschaftlich gewünschten schlank sein ihre Persönlichkeit und Charme einbüßt; und die schöne Frau die durch ihre 6 Finger so geächtet war, daß sie sich auf perfekt trainiert mit perfekt abgestimmter Kleidung, vorschriftsmäßiger Wohnungseinrichtung und extrem angepaßter strahlender Höflichkeit und Schönheit. 

Manchmal reist der Künstler, aber mir die koreanische Geographie und Städte nichts sagen, war mir das nicht wichtig.

Mich hat das Gemisch aus getrieben sein und dann wieder kompletter Abgehobenheit des Künstlers fasziniert; manchmal ist er was, dann auch wieder nicht; er arbeitet wenn ihn eine Idee gepackt hat ganz intensiv. Als praktisch denkender Mensch habe ich manchmal überlegt, wie er dieses Leben finanziert ..

In Summe ein grandioser Roman der mich sehr berührt habe, auch wenn die Gesichter für mich gesichtslos geblieben sind. Viel Freude beim Lesen !

Hang Kang wurde am 27. November 1970 in Gwangju, Provinz Süd-Jeolla, Südkorea geboren. Sie studierte koreanische Literatur in Seoul, und begann danach Gedichte und Prosa zu veröffentlichen. Nebenbei arbeitete sie als Journalistin. 2007 erschien ihr erster Roman "Die Vegetarierin" auf koreanisch, der 2016 auf deutsch erschien. 2024 erhielt sie den Literatur-Nobelpreis.

Donnerstag, 8. Mai 2025

Karosh Taha : "Beschreibung einer Krabbenwanderung"

Karosh Taha :
"Beschreibung einer Krabbenwanderung"
Roman
2018, DoMont Buchverlag Köln
200 Seiten + 1 Seite Danksagung + rotes Lesebändchen
ISBN 978-3-8121-9880-0

Sanaa lebt mit ihren Eltern, ihrer jüngeren Schwester und vielen ebenfalls kurdischen Familien in einem deutschen Hochhaus. Sie ist Studentin, trifft sich aber parallel mit zwei jungen Männern, und lebt ein westliches Leben. Ihr Sorge gilt ihrer Mutter Asia, die meist träumend am Balkon steht, oft vergißt etwas zu kochen, und dünn und schmal ist. Ihre Schwester ist einiges jünger, und am Beginn der Pubertät. Ihr Vater, der die treibende Kraft zur Übersiedlung nach Deutschland war, wechselt dauernd seine Hilfsjobs und ist selten bei seiner Familie.
Meist sitzt Besuch auf der Wohnzimmercouch; zwei dicke Tanten machen es sich bequem, rauchen und lästern und manipulieren nach Lust und Laune. Es dauert bis Sanaa es schafft sich deren Einfluß zu entziehen und ihre Mutter wieder Lust am Kochen, v.a. am Backen wieder entdeckt und damit auch ihre Würde.

Der Roman ist aus der Sicht von Sanaa geschrieben. Sie kann sich noch Kurdistan, den Irak, die Farben des Flußes und der Erde erinnern; und denkt oft an ihre damalige beste beste Freundin, die etwas älter war und bereits mit der Pubertät begann.
Es ist spannend wie sie versucht an das Hochzeitsvideo ihrer Eltern zu kommen, um zu sehen ob ihre Eltern jemals glücklich miteinander waren; es gibt unterschiedliche Erzählungen wie sich die beiden kennen lernten und dann je nach Sichtweise heirateten bzw heiraten mußten. 

Die titelgebenden Krabben bzw deren Wanderung ist ein Bild das die Autorin/ Saana öfters verwendet, sei es um die Bewegungen und Ziele der Menschen zu beschreiben, aber auch um die Schrammen durch die Handwerkarbeiten am gesamten Arm ihres Vaters zu charakterisieren. Manchmal beschreibt sie eine Krabbe alleine, manchmal auch viele die gerade einen ziemlich eigenartigen Weg gehen.

Die Beschreibungen der Menschen sind gut gelungen: die fetten Tanten wie sie am Tisch sitzen, die Heimlichtuerei mit ihrem deutschen Universitätsfreund, die Doppelbödigkeit der kurdischen Familien auch in Deutschland.

Die Rezepte, die ihre Mutter zubereitet, lesen sich wunderbar.

Der Roman ist gut geschrieben; mich hat die Geschichte der jungen Frau die den Spagat aus zwei Kulturen macht fasziniert, und die Liebe wie sie über ihre Großmutter im Irak schreibt.
Viel Freude beim Lesen.

Karosh Taha wurde 1987 in Zaxo, Kurdistan - Irak geboren. 1997 kam sie mit ihren Eltern nach Deutschland, wo sie in Duisburg aufwuchs. Sie absolvierte zuerst eine Lehramtsstudium für Englisch und Geschichte und arbeitete auch als Lehrerin, ehe sie ab 2021 ausschließlich als Schriftstellerin tätig ist.

Dienstag, 29. April 2025

Gerhard Roth : "Der Strom"

Gerhard Roth :
"Der Strom"
Roman
3. Auflage 2002 S. Fischer
337  Seiten + 4 Seiten Inhaltsverzeichnung + blaues Lesebändchen
ISBN 3-10-066056-0

Thomas Mach wird vom Reisebüro seines Onkels in Österreich nach Ägypten gesandt um herauszufinden, was mit seiner Vorgängerin Eva Blum als Fremdenführerin passiert ist, da sie über den Hotelbalkon gefallen oder gesprungen war. Er folgt hier mehr seiner inneren Stimme und den Notizen Eva Blums als den Wünschen eines deutschen ehemaligen Polizisten und einen Arbeitskollegen von Frau Blum. Er kutschiert durch Kairo und seine Vororte, er fährt nach Alexandria und in die Oase, er besucht eine Moschee und Menschen auf Hausbooten in der Corniche von Kairo. Er bleibt in Ägypten.

Eigentlich soll ein möglicher Mord aufgeklärt werden, aber in dem Roman bewegt sich Thomas durch eigenartige, skurille und sehr ägyptischen Situationen und Gegenden; er hat keine Scheu vor den Handwerksbezirken, den Friedhöfen in denen die Armen leben.
In den Notizen Eva Blums findet er mehrsprachige Informationen über Orte, und ein Kloster in einer Oase; auch stellt er fest, daß sie koptisch kann.

Die Stimmung ist für mich oft unwirklich als ob Thomas mach wie in einer Traumlandschaft unterwegs ist; wenn der den Witwer von Eva Blum einen Tag lang verfolgt wird es teilweise sehr skurril.
Ebenso unwirklich wirkt es wenn er sich mit seinem Chauffeur einem älteren Mann versucht zu unterhalten, ohne daß einer auch nur eine Sprache des anderen sprechen kann. Die beiden finden eine gemeinsame Sprache.

"Der Strom" ist Teil des Romanzyklus "Orkus", an dem der Autor 1995 bis 2011 geschrieben hat.

Der Roman hat mich in den Bann gezogen. Der Nil glitzert und ist ruhig, und immer vorhanden als Lebensmotor in Kairo und Alexandria. Der Krimi ist für mich kein Krimi, sondern ein träumender Roman. 

Viel Freude beim Lesen.

Gerhard Roth wurde am 24. Juni 1942 in Graz, er starb am 8 Februar 2022. Er begann Medizin zu studieren, sattelte dann auf Organisationsleiter eines Rechenzentrums um, und hatte seine erste Veröffentlichung 1972. Später reiste er nach Amerika und schrieb weiter. Er war Erzähler, Dramatiker und Essayist und auch Drehbuchautor.

Donnerstag, 10. April 2025

Alaa al-Aswani : "Der Jakubijan-Bau"

Alaa al-Aswani :
"Der Jakubijan-Bau"
original "Imârat Ya'qûbyân!
2002, published by arrangement with the American University in Cairo Press
Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich
(2007), 4. Auflage 2011, Lenos Pocket 123, Basel
354 Seiten + 2 Seiten 'Die wichtigsten Personen' + 7 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-85787-723-0

Der "Jakubijan-Bau" in der Suleiman Pascha Straße hat schöne Wohnungen, schöne Geschäfte und je höher es geht umso einfachere Behausungen, vor allem auf dem Dach. In diesem Roman erzählt der Autor das Leben einiger wie ihnen das Leben spielt oder auch wie sie mit dem Leben anderer spielen.
Taha lernt und will auf die Polizeischule, was ihm trotz seiner Noten nur wegen seiner Abstammung zu einem Torhüter verwehrt wird. Ihm wird mitgeteilt daß er studieren darf, lernt dort sehr gläubige Menschen kennen und folgt einem manipulativen Scheich. Sein Aufenthalt im Gefängnis bringt ihn weiter auf die aggressive Bahn, die schlecht für ihn ausgeht.
Buthina ist seine ehemalige Freundin. Als intelligente Frau ohne Vater kann sie nicht weiterstudieren, muß arbeiten gehen und lernen wie man als hübsche Frau mit lästigen Männern umgeht. Durch eine List wird sie Assistentin von Saki, einem nicht mehr ganz jungen Bonvivant mit Faible für schöne Frauen. Sie hilft ihm und die Geschichte geht gut für sie aus.
Hatim ist ein gescheiter, belesener aber einsamer und homosexueller Chefredakteur. Seine Verbindung zu einem jungen attraktiven verheirateten Soldaten wird für den jungen Mann immer problematischer. Hatim hilft ihm weiter, die Beziehung hat keine Chancen.
Hagg ist ein Unternehmer mit vielen Beziehungen und dem Wunsch auch politisch aufzusteigen. Er findet immer die richtigen Leute die ihm die richtigen Ratschläge geben - sei es für die Politik als auch für sein Privatleben. Er heiratet heimlich die junge schöne Suad, wobei sie nur als seine geliebte gilt und kein Kind von ihm haben darf. Als doch ein Kind entsteht weiß ein machtbewußter Scheich wie man auch dieses Problem - dem Koran zum Trotz - erledigt.
Als Nebenfiguren gibt es den Diener von Saki, der geschäftstüchtig ist und mit seinem Bruder weiß wie man gut mit Nebengeschäften und Brutalität durchkommt.

Die Menschen sind teilweise gut gezeichnet, manchmal auch etwas plakativ. Die Lebensgeschichten der einzelnen Menschen ist intensiv geschrieben, die einen in ihrer durch Ungerechtigkeit angestachelten religiöser Überzeugung, andere die durch Anpassung versuchen etwas besser zu leben.

Die beiden Scheichs werden skrupellos geschildert, der eine für die religiöse Sache, der andere zum Nutzen der Reichen und Schaden der Armen.

Unter die Haut ging mir das Schicksal von Suad, die als zweite Frau vollkommen rechtlos ist, mit deren Bruder ein Vertrag über sie gemacht wurde, die ihren eigenen Sohn aus der Ehe davor nicht sehen darf, aber einem ältlichen Mann die reizvolle Frau spielt; sie paßt sich auch an als der Scheich kommt. Wie dann die Rache der Mächtigen über sie kommt fand ich schaurig.

Die Beschreibungen von Gewalt sind deftig, genauso von Sexualität. Der Roman ist kraftvoll wie er zwischen von den Schicksalen der Menschen erzählt, auch wenn er den Tod des kleines Kind des Freundes von Hatim beschreibt, oder die noch stärkere Verzweiflung Hatims auf der Suche nach Liebe und Beziehung als andere Figuren in dem Roman.

Mit den Orten der Handlungen konnte ich wenig anfangen, mir sind die Menschen nahe gegangen.

In Summe ein starker Roman, bei dem ich manchmal auch mit weniger Brutalität verstanden hätte, was der Autor bezweckt.

ʿAla' al-Aswani (vom Verlag verwendete Transkription Alaa al-Aswani) wurde am 26. Mai 1957 in Kairo geboren. Er war in Kairo im Lycee und studierte später Zahnmedizin in Kairo und Paris, mit späterer Weiterbildung in USA. Er ist Wortführer für die demokratische Opposition in Ägypten, war wichtig bei dem Sturz Mubaraks 2011. 2002 veröffentlichte er den Roman ʿImarat Yaʿqubian' (Der Jakubijan-Bau), 2006 schrieb er den Roman (ar.: 'riwayah') 'Shikaju', 2021 erschien sein Roman 'Die Republik der Träumer' über den Arabischen Frühling in Kairo. Er lebt seit 2019 zwischen Paris und New York im selbstgewählten Exil.

Sonntag, 30. März 2025

Waguih Ghali : "Snooker in Kairo"

Waguih Ghali :
"Snooker in Kairo"
original "Beer in the Scnooker club"
1964, Serpent's Tail, London
Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch
2018, C.H. Bock München
6 Seiten Einführung von Diana Athill - 235 Seiten - 7 Seiten Glossar
ISBN 978-3-406-71902-8

Ram ist eine junger Mann aus guter, aber veramter koptischer ägyptischer Familie. Er verbringt seine Tage in Kairo in verschiedenen Clubs, trinkt Whiskey und anderes, flirtet Frauen an und spielt Snooker. Seine große Liebe ist die etwas ältere Edna, eine intellektuelle junge Frau aus einer reichen jüdischen Familie. Sie ermöglicht ihm nach London zu reisen und dort einige Zeit zu leben und zu studieren. Wieder zurück verbringt er weiterhin seine Tage gemütlich. Bei einer reichen Tante trifft er wieder eine Freundin Didi aus Londoner Tagen.

Der Roman ist in Ich-form aus der Sicht von Ram geschrieben. Die Zeit in London beschreibt er in Rückblicken, wobei das Panoptikum aus Menschen dort aus ehemaligen Soldaten am Sues, einem ägyptischen Freund, manchen hilfreichen Freunden besteht.
Die Cliquen in Kairo sind unterschiedlich - es gibt die Freunde zum Snooker spielen, Freunde die seine Leben finanzieren, einen Freund der in einem Club an der Bar arbeitet; seine Familie ist verarmt, seine Mutter würzt mit franzöischen Worten ihre Sprache, alle hoffen auf Zuwendungen der reichen Verwandten.

Als Kopte (Anmerkung : vermutlich Mitglied der koptisch-orthodoxen christlichen Kirche, die in Ägypten immer benachteiligt wurde) hat Ram weniger Chancen Arbeit zu finden, teilweise gilt er sogar als gefährlich.
Die Stimmung in dem Roman ist eigen, fast abgehoben; Ram denkt und trinkt sich durch den Tag, aber die Frage was er wirklich tut bleibt beim lesen für mich.

Liebe findet statt, zerbricht oder wird eingetauscht. Das Leben und Snooker gehen weiter.
Dieser Roman wirkt in mir durch seine Sprache und Schilderungen nach.

Waguih Ghali wurde am am 25 Feb 1927 oder 1928 oder 1929 in Ägypten in einer wohlhabenden koptischen Familie geboren. Nachdem er sich mit der Zeit immer stärker kommunistischen Ideen angenähert hatte, war er gezwungen, Ägypten 1958 zu verlassen und nach London zu gehen, da die Gefahr bestand, dass er in Ägypten als Kommunist eingesperrt würde. Als sein Pass abgelaufen war, ging Ghali ins Exil nach Deutschland, wo er neben der Arbeit in einer Fabrik seinen Debütroman schrieb. Er begann einen zweiten Roman über das Leben als „Gastarbeiter“, vollendete diesen jedoch nicht. 1966 ging er nach London zurück. Er starb durch Suizid am 5. Jänn 1969 in London, in der Wohnung seiner damaligen Freundin Diana Athill.
Er schrieb seinen einzig veröffentlichten Roman auf englisch.

Sonntag, 16. März 2025

Nagib Machfus : "Der Dieb und die Hunde"

Nagib Machfus :
"Der Dieb und die Hunde"
original "al-liss wa al-kilab"
1961, Maktabat Misr, Kairo
Aus dem Arabischen von Doris Erpenbeck
1986, Verlag C.H. Beck München
163 Seiten + 4 Seiten Nachbemerkung von Doris Erpenbeck
ISBN 3-406-31025-7

Said Muhran, ehemals erfolreicher aber verratener Dieb, wird nach vier Jahren aus dem Gefängnis entlassen, und findet alles verändert vor, v.a. sind seine große Liebe und sein Kind nicht mehr an ihm interessiert. Er geht zu dem Scheich, bei dem sein Vater und er früher Schutz und geistige Führung gesucht und gefunden hatten. Diesmal ist der Haß stärker - der Haß auf seinen ehemligen Schüler, den Frau und Kind jetzt lieben und der Haß auf seinen ehemaligen Kompagnion der gut in einem schönen Haus lebt. Einige alte Freunde versuchen ihn zu warnen, und auch zu helfen, aber bis auf eine alte Freundin, die ihm wirklich hilft, kommt niemand an ihn durch. Nachdem er mit seiner Rache Unschuldige getötet hat, zieht sich der Kreis der Verfolger eng und enger um ihn.

In dem Roman wird Said begleitet - von seiner Entlassung aus dem Gefängnis, bei den für ihn demütigenden Besuch bei ex-frau und Tochter und den hämischen Grinsen der Beobachter, bei dem ruhigen weisen Scheich der in seiner eigenen spirituellen Welt zu leben scheint aber ihm trotzdem mit Schlafraum und Essen weiterhilft, einem Wirt aus alten Zeiten der zumindest Essen bringt, der hochnäsige reiche ehemalige Kompagnon der nur einen kleinen schäbigen Job in Aussicht stellt, und eine ehemalige Freundin und schöne Frau Nur die sich verkauft und ihm einige schöne Zeit beschafft. 

Die Gedanken von Said ziehen ihn in einen Zerstörungswahn, der sich immer schneller dreht und mich als Leser mitgezogen hat.
Allerdings gilt mein Mitgefühl auch dieser Frau Nur, die ihre Liebe und viel gibt und dann plötzlich nicht mehr in dem Buch vorhanden ist.

Der steigenden Verzweiflung von Said steht die betonte Ruhe des Scheichs gegenüber, der Zeilen aus dem Koran zitiert und damit Spiegel und Hilfe für Said sein könnte, was dieser nicht annimmt oder nicht annehmen kann.

In Summe ein faszinierender roman, auch wenn er für mich nicht ganz einfach zu Lesen war !

Montag, 10. März 2025

Nagib Machfus : "Echnaton"

Nagib Machfus :
"Echnaton" - Der in der Wahrheit lebt
Roman
original "Al-A'isch fi l-Haqiqa"
1985, American University in Kairo
Aus dem Arabischen von Doris Kilian
2011 / 4. Auflage 2023, Unionsverlag
180 Seiten + 1 Seite "Nagib Machfus : Leben und Werk" + 3 Seiten Worterklärungen
ISBN 978-3-293-20530-7

In einer Rahmenhandlung begibt sich ein junger Mann Merimun einige Jahre nach dem Tod von Echnaton auf die Suche nach dem Leben und Wirken von Echnaton, der als Amenphobis IV auf den Thron kam. Er trifft in Gesprächen enge und ferne Freunde und Feinde von Echnaton und seiner Frau Nofrete und versucht zu erkennen warum so schlecht über Echnaton und seine Zeit gesprochen wird.
In Gesprächen bei Familie seiner Frau Nofrete, alten Freunden, persönlichem Arzt, ehemaligen Priestern, bis zuletzt bei Nofretet persönlich entschlüsseln daß Echnaton von beginn an anders war, da er weder an Militär interessiert war, auf der Suche nach etwas anderem spirituellen und dabei sehr charismatisch war. Hoffnungen seiner Familie und der traditionellen Priesterschaft, daß seine Frau ihn auf den traditionellen Weg bringen würde, zerschlugen sich als Nofrete mit ihm seinen spirituellen Weg zu nur einem Gott ging. Das Leben in der neuen Stadt war gut, aber da die Feinde Ägyptens militärisch nicht zurückgeschlagen wurden, wandte sich die Meinung gegen das Pharaonenpaar.

Die fiktiven Gespräche sind meist abwechselnd pro oder contra Echnaton, dem Ketzter wie ihn manche nannten. Es wechseln tiefer Haß und Verachtung, bis zu Verehrung, Bewunderung und tiefer Liebe ab. Auch Jahre später sind die Fronten für Verständnis verhärtet, wenn auch die Preister ihre Macht zurückerhalten haben.

Machfus läßt auch Eje und Haremhab zu Wort kommen, die später selber auf dem Pharaonenthron sitzen werden.

Feinfühlig zeichnet der Autor die mögliche Entwicklung dieses Pharaos nach einem anderen spirituellen Gott, vor allem mit mehr Liebe und weniger machtvollen Preistern nach.

Ein wunderbares Buch !

Freitag, 7. März 2025

Nagib Machfus : "Cheops"

Nagib Machfus :
"Cheops"
Roman
original "Abath al-Aqdar"
1939, Salama Moussa
Aus dem Arabischen von Doris Kilias
2007 /3. Auflage 2024 Unionsverlag
Nachwort in der englischen Ausgabe unter dem Titel 'Khufu's Wisdom", 2003, American Universiry in Cairo Press
239 Seiten +  4 Seiten mit einem Nachwort Raymond Stock + 4 Seiten Nagib Machfus : Leben und Werk
ISBN 978-3-293-20380-8

Cheops wird vorausgesagt, daß sein Nachfolger Sohn des Ra-Priesters und nicht einer seiner Söhne werde, worauf er, sein Sohn und eine Gruppe Bewaffneter dies zu verhindern suchen. Das Schicksal trennt Mutter und Priestersohn Dadaf, der Priestersohn wird mit der Dienerin als eigenes Kind und sie als zweite Frau angenommen. Während die Halbgeschwister andere Wege einschlagen, zieht es den Dadaf zum Millitär, bei dessen Abschlußprüfungen er brilliert. Inzwischen lernt er eine junge Frau kennen, die sich als Tochter des Pharaos Miri-si-Anch entpuppt, weshalb beide auf Abstand gehen. Dadaf, der immer noch nicht über seine Abstammung Bescheid weiß, wird Heerführer und begleitet den Kronprinzen im Krieg gegen die Nachbarn. Als sich eine der Gefangenen als seine echte Mutter entpuppt, wird endlich seine Abstammung geklärt und Cheops muß den Wunsch des Schicksals akzeptieren.

Der Roman wurde vom ersten ägyptischen Verleger umbenannt in "die Absurditität des Schicksals". Dieser Roman ist der erste der Pharaonen Trilogie des Autors - die beiden anderen Bände heißen auf deutsch "Radubis" und 'Kefah Teba' (engl. 'Thebes at War'). 

Der Roman ist ziemlich geradlienig geschrieben, die Personen sind eher einfach beschrieben. Cheops ist als selbstbewußter und machtbewußter Mensch beschrieben; der Kronprinz als Mann des Krieges und des machtvollen Hinterhalts; der Wesir ist weise. Die Ersatzfamilie von Dadaf ist ähnlich einfach : der Quasi Vater ist ein gutmütiger Beamter, Dadafs Ersatzmutter ist liebevoll.

Mir ging beim Lesen dieses Buches die Vielfalt und Vielschichtigkeit der Figuren aus den anderen (und später geschriebenen) Bücher von dieses Autors ab;
trotzdem ein interessanter Roman.

Samstag, 1. März 2025

Nagib Machfus : "Karnak-Café"

Nagib Machfus :
"Karnak-Café"
original "Al Karnak in Kairo"
1974, American University in Cairo Press
Aus dem Arabischen von Doris Kilias
2009, Unionsverlag
114 Seiten + 2 Seiten Worterklärungen / Die Übersetzerin + 6 Seiten : Roger Allen : Das Bild einer aufgewühlten Welt
ISBN 978-3-293-00400-9

Der Erzähler geht in ein Café abseits der Hauptstraße und sieht am Eingang, am Kassenplatz, eine wunderschöne Frau, in der er eine ehemalige Tänzerin Kurunfula entdeckt. Sie führt jetzt das Café, und einige ehemalige Verehrer arbeiten jetzt ebenfalls dort.Regelmäßige Besucher sind vier junge Studenten, 3 junge Männer und eine junge Frau; einer der jungen Männer, Hilmi Hamada, wird der Freund von Kurunfula, was sie strahlen läßt. Zwischen der jungen Frau und einem der jungen Männer beginnt sich eine Romanze anzubahnen, als Polizeirepresalien zuschlagen. Insgesamt drei mal werden dei jungen Leute verhaftet; nach dem dritten Mal kommen nur drei zurück und etwas ist in ihnen zerbrochen. Auch für die anderen Menschen hat sich das Leben nach dem Sechs-Tage-Krieg (1967) einiges geändert; einige träumen der Revolution von 1952 nach, andere sprechen gar nicht mehr über Politik.

Ismail Asch-Scheich, einer der jungen Studenten, ist aus armer Familie und darf studieren. Bei dem ersten Gefängnisaufenthalt wird ihm ein Naheverhältnis zur muslemischen Bruderschaft vorgeworfen, bei dem zweiten daß er Kommunist sei, beim dritten wird seine Vertrautheit mit Zainab zerstört und er sieht den zerstörten Hilmi.
Mir bleibt bei ihm seine Einsamkeit am Schluß, eigentlich Orientierungslosigkeit im Gedächtnis

Zainab Dijab, ist das die junge Frau, die seit ihrer Jugend mit Ismail befreundet und vertraut ist. Auch sie studiert. Wie Ismail werden ihr unterschiedliche politische Gruppenzugehörigkeiten angedichtet, und am Schluß ihr die Würde als Frau genommen.
Mir bleibt ihre Wut am Schluß am meisten im Gedächtnis.

Chalid Safwan, kommt erst am Schluß ins Café. Er ist der Chef der Polizei im Gefängnis und damit der Albtraum der Jugendlichen gewesen. Mit freundlichen Sätzen schafft er es, daß ihm eine zweite Chance gegeben wird und er in die Gemeinschaft der Cafébesucher aufgenommen wird.

In diesen vier Kapiteln erzählt der Autor wie Hoffnung und Engagement zerstört werden, und sich die Menschen ändern und anpassen müssen. 

Sympathisch ist mir Kurunfula, die immer noch an die Liebe glaubt und für die Altersgrenzen nicht vorhanden sind. Wie der Autor sie beschrieben hat, mir ihrem Charme und Ausstrahlung ist faszinierend.

Der Autor hat mich mit seinen Menschenschilderungen wieder in den Bann gezogen; ein wunderbares, aber auch verstörendes kleines feines Buch.

Montag, 24. Februar 2025

Andrej Kurkow : "Picknick auf dem Eis"

Andrej Kurkow :
"Picknick auf dem Eis"
original "Smert' postoronnego"
1996, Folio, Charkiw
Aus dem Russischen von Christa Vogel
1999 / 2024 Echomedia Buchverlag / Eine Stadt. Ein Buch.
283 Seiten + 6 Seiten Interview mit Andrej Kurkow
keine ISBN 

Viktor lebt mit dem Pinguin Mischa, den er aus einem Tiergarten zu sich genommen hat. Als Möchtegern Schriftsteller und arbeitsloser Journalist kann er leider nicht schreiben, bis ihm angeboten wird Nachrufe auf Vorrat für eine Zeitung zu schreiben. Er bekommt Stichworte an die er sich zu halten hat, darf nicht darüber erzählen und wird gut bezahlt. Einige der Menschen für die er Nachrufe verfaßt hat, sterben wirklich und sein Werk wird unter einem Pseudonym abgedruckt. Zum Pinguin dazu vertraut ihm der Chefredakteur, auch ein Mischa, seine Tochter an. Der Chefredakteur verschwindet, und Viktor, die Tochter des Redakteurs, die Kindersitterin und Pinguin fahren gemeinsam mit einem Polizisten in eine hübsches Haus am Land. Später verreist der Polizist und kommt nicht mehr zurück. Viktor möchte dem Pinguin eine Reise in die Antarktis spendieren, damit er unter Artgenossen kommt, aber alles kommt anders.

Die Menschen sind in ihrer Traurigkeit und Einsamkeit gut vorstellbar. 
Viktor lebt traurig vor sich hin, trinkt, schreibt, versorgt Pinguin und die immer größer werdende Quasi-Familie. Seine Gedanken sind eher mißmutig, und freudlos. Für den Pinguin macht er mehr als für viele Menschen. So besucht er einen alten Mann der Pinguinforscher gewesen war. In den Grsprächen ist große Traurigkeit spürbar.
Der Kontakt zum Chefredakteur ist eigenartig und es schwingt Gewalt mit. Der Ausflug in eine andere Stadt wird zum Desaster und es gibt plötzlich Leichen.

Der deutsche Titel kommt von einem Picknick am Eis der kleinen Quasi-Familie. Skurril wird in der Szene erzählt wie die Angler erstaunt sind einen Pinguin unter Eis zu sehen.

Daß auch andere Mächte und Gesellscahfgten am Werk sind, läßt der Autor durchblicken, wenn verschlossene Türen nicht ausreichen, und eigenartige Informationen kommen.

Skurril ist das Wort das mir beim Lesen dieses Romans am meisten durch den Kopf schoß : ein Pinguin der den Kopf auf den Schoß des Menschens legt ? ein Pinguin der auf Begräbnissen gewünscht wird ?
Weniger skurril ist wie Menschen verschwinden oder sarkastisch zurückgeliefert werden. 

Der Roman ist eindrücklich - zuerst zog er mich mit seinen verrückten Gestalten und Einsamkeit in den Bann, die Falle der Gewalt am Schluß der sich Viktor entzieht wirkt nach.

Viel Genuß beim Lesen !

Andrej Kurkow wurde am 23. April 1961 in St. Petersburg geboren. Er lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen, war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach schrieb er zahlreiche Drehbücher. Er lebt in Kiew. 

Samstag, 11. Januar 2025

Pedro Badrán : "Verbrechen in der Provinz"

Pedro Badrán :
"Verbrechen in der Provinz" - Auch ein Kriminalroman
Kolumbien in der edition 8
original "Crimenes de providencia"
2022, Penguin Random House Grupo Editorial, Bogota
Aus dem kolumbianischen Spanisch übersetzt von Richard Gross
2024, edition 8
170 Seiten + 4 Seiten sehr umfangreiches Glossar + mauve-farbenes Lesebändchen
ISBN 978-3-85990-515-3

Rodolfo Cuesta beginnt sich mit dem Tod seines besten Freundes, Horacio, Sohn des Senators in einer fiktiven Stadt zu beschäftigen. Er war erschossen worden. Horacio war ein lebensfroher aber auch idealistischer Arzt gewesen, der sich mehr für die Armen engagiert hatte, als für die Karriere, wie es seinem mächtigen Vater besser gefallen hätte.
Rodolfo trifft sich mit Horacios Schwester Marielita und erzählt über die Zeit als er, als Kind einer Ladenbesitzerin und eines getöteten Aufständischen, im Haus des Senators immer willkommen war.
Sehr vorsichtig versucht er, selbst Arzt, das Geheimnis des eigenen Vaters, die vielen Geheimnisse um den Senator und gesellschaftliche Verstrickungen zu entwirren. Auch lernt er die letzten Freundin von Horacio kennen. Unterlagen werden versprochen und kommen nie an; Menschen sterben mit denen er sprechen möchte. Sehr langsam tastet er sich vor und fragt im Umfeld des Senators, den viele als Wohltäter der Stadt sehen.
Der Senator stirbt ebenfalls - aber einen natürlichen Todes. Ende gibt es keines.

Der Roman ist in Ich-Form aus Sicht von Rodolfo geschrieben.

Mich fasziniert die Langsamkeit in diesem Buch, in der sich einiges zäh entwickelt oder anderes nie entwirren wird.
Polizei, Gesellschaft, Politik und Überleben sind eng verkettet. Mord eines Sohnes wenn er gesellschaftlichen Normen widerhandelt wird in dieser Stadt nicht nur toleriert, sondern auch gut geheißen.

Die Rolle einer Tochter, oder Frau ist in dem Buch sehr unterschiedlich. Die Schwester ist Langzeitstudentin und hinterfragt alles. Ihre frühere beste Freundin war zuerst mit ihrem Bruder verheiratet, und nach dessen Ermordung mit ihrem früheren Schwiegervater und mit diesem glücklicher als zuvor. Rudolfos Mutter findet, daß der Senator ein Held ist und nicht kritisiert werden darf. 

Mich hat der Roman in den Bann gezogen. Viel Freude beim langsamen Lesen.

Pedro Badrán wurde 1960 geboren in Magangué (Departamento Bolívar), im Hinterland der karibischen Küste Kolumbiens. Er ist Nachkomme palästinensisch-syrischer Einwanderer. Er wuchs in Cartagena auf und studierte Linguistik in Bogotá, wo er heute als freier Schriftsteller lebt. Mit je fünf Romanen und Erzählungsbänden gilt er in der kolumbianischen Literatur als einer der herausragenden Vertreter der Post-post-García-Márquez-Generation. Sein erster auf Deutsch erschienener Roman "Der Mann mit der magischen Kamera" (edition 8, 2019) schaffte es auf die Hotlist der zehn besten Bücher aus unabhängigen Verlagen.