Charlotte Link :
"Die Betrogene"
2015, Blanvalet Verlag, München
636 Seiten
ISBN 978-3-7341-0085-7
Kate Linville wird nach dem Mord an ihrem Vater, einem pensionierten Polizisten, aus Amerika zurückgeholt. Hier entdeckt sie daß ihre Vater während der Krebskrankheit ihrer Mutter eine Freundin gehabt hatte, die im Laufe des Romans ebenfalls ermordet wird. Auch ein ehemaliger Kollege ihres Vater wird ermordet aufgefunden.
Parallel dazu tyrannisiert ein labiler Mann eine Familie mit Adoptivkind und bringt diese in einer ziemlich abgelegenen Gegend in Lebensgefahr.
Am Schluß lösen sich die Morde auf, und lassen sich durch Fahrlässigkeit und daraus schlimme Belastungen für die Opfer der Fahrlässigkeit erklären.
Lange wird der Weg von Kate und dem englischen ex-Kollegen ihres Vater Caleb, und beider Alkoholgenuß begleitet. Immer wieder scheinen innerhalb der Polizei Kollegen auf, bei denen Jane als engagiert positiv erscheint. Daß sie immense Belastungen privat hat, wird erst spät enthüllt als der von ihr zu versorgende Familienangehörige ihr körperlich erwachsener Bruder ist, der nach einem Unfall als geistig Fünfjähriger ohne Entwicklungspotential zurückgeblieben ist.
Die Menschen sind rasch skizziert und gut vorstellbar. Während mir Kate und Caleb mit ihrer Einsamkeit nicht so sehr unter die Haut gingen, war mir Jane Crane, die ihren angeschossenen Mann und das Adoptivkind in der Einsamkeit versorgen muß, in ihren Sorgen um Kind und ums Überleben emotional näher.
Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Terror des labilen Mannes verbreitet kostet zwar direkt keine Menschenleben, verletzt aber viele Menschen nachhaltig. Wie er eine noch labilere Frau manipuliert ist allerdings erschreckend.
Ort der Handlung sind Liverpool, die Hochmoore von Yorkshire und London.
Der Roman ist gut geschrieben und flott - trotz seiner hohen Seitenanzahl - lesbar, und gute spannende Unterhaltung. Viel Spaß beim Lesen.
Charlotte Link wurde am 5. Oktober 1963 in Frankfurt am Main geboren. sie studierte einige Semester Jus, und komplett Geschichte und Literaturwissenschaft. 1985 erschien ihr erster Roman. Mittlerweile gilt sie als Bestsellerautorin.
Sonntag, 10. Dezember 2017
Donnerstag, 7. Dezember 2017
P.B. Ryan: "Still Life with Murder"
P.B. Ryan:
"Still Life with Murder" - Nell Sweeney Mystery Series Book 1
Dateigröße: 1370 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 319 Seiten
Verlag: Hawkley Books; Auflage: 2 (5. Juli 2010)
Auf deutsch heißt dieser Kriminalroman "Dunkel wie die Spur des Todes"
Nell Sweeney, eine junge Frau aus sehr ärmlichen und brutalen Verhältnissen, hilft einem Landarzt. Hier lernt sie die Familie Hewitt bei der Geburt eines Mädchens kennen, und sofort als Gouvernante für dieses Kind und ein Leben in Boston engagiert. Ausgehend von dieser Basis wird sie von der Dame des Hauses beauftragt heimlich aufzuklären wieso der tot geglaubte älteste Sohn des Mordes bezichtig wird, was im Hinterhof einer Spelunke mit Huren, Ratten-Terrierspielen und Opium-Konsum geschehen war. Will ist ein eigenwilliger Arzt, der nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg untergetaucht war. Er hatte den Mord an seinem Bruder im Gefangenenlager Andersonville gesehen, war auf der Flucht verletzt worden und dann in Opiumsucht abgerutscht auch um die Schmerzen zu vergessen. Der alter Freund Familie, der Anwalt ist, - Jack - wird beauftragt mit Nell gemeinsam zu ermitteln. Das Ende ist überraschend.
Der Kriminalroman spielt in Boston den 60-er Jahren des 19. Jahrhunderts, vor und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg.
Die Menschen sind plastisch vorstellbar geschildert. Auf der einen Seite die Schichte derer mit schönen Häusern, schönem Gewand und Schmuck, gutem sattem Leben. Auf der anderen Seite die Menschen die entweder Hure, Soldaten, Matrosen, Spelunken wirte sind. Dazwischen gibt es Hauspersonal und Menschen die versuchen mit einem Handwerk wie Schneiderei zu leben. Als drittes Element ist asiatisches Leben hier in Form von Opiaten geschildert. Opium war für Kriegsversehrte wichtig, da sie sonst die schmerzen nicht ausgehalten hätten; leider war gegen die Sucht dann kein Mittel verfügbar.
Der Weg und die Gedanken von Nell werden geschildert, inklusive ihrer Angst nicht mehr für das kleine Mädchen verantwortlich sein zu dürfen. Brutalitäten aus ihrer Kindheit und als junge Frau vertraut sie nur Will an. Will ist der voreheliche Sohn, der immer ein eheliches Mäntelchen erhalten hatte und gelernt hat sich zu verstecken; durch eine Kriegsverletzung hat er sich an Opium gewöhnt.
Jack ist im Vergleich weniger charismatisch - ihn haben die Erinnerungen an die Gräuel des Krieges auch Jahre später im Griff, was sich auch im Ende zeigt.
Die Kleinigkeiten in der Hierachie im Hause Hewitt sind teilweise befremdlich, teilweise auch amüsant zu lesen.
Es wird viel von den Gräueltaten des Gefangenenlagers Andersonville erzählt - der Mord hat seine Ursache in diesem.
Exkurs : Lager Andersonville ist in Georgia gewesen, wo die Konföderierten (die "Südstaaten") im Amerikanischen Bürgerkrieg zwischen Feb 1964 und April 1865 mehr als die 3-fach zugelassene Menschenanzahl untergebracht hatten. Die Gefangen wurden miserabel verpflegt - Photos von damals zeigen ähnliche elend ausgemergelte Gestalten wie später in den Konzentrationslagern. Einige Offizieren spielte grausame Spiele mit den Gefangenen. Es war nicht erlaubt Wände aus Holz zur Abgrenzung oder als Schutz gegen den kalten Wand aufzubauen. Es grassierten mehrere Epidemien gleichzeitig und kosteten mehr als 13.000 von geschätzten 45.000 Menschen das Leben. Das Amerikanische rote Kreuz fand dort seinen Ursprung.
Das Englisch ist schön und bildhaft. Einige Vokabel mußte ich nachschauen - meist poppte im e-Reader die Zusatzinformation auf, daß das Vokabel bereits älter sei.
In Summe ein guter Kriminalroman der gut unterhält. Viel Freude beim Lesen !
Patricia Burford Ryan wurde am 09. August 1954 in Las Cruces in New Mexiko geboren - genauso wie ihre Zwillingsschwester, die Romanschriftstellerin Pamela Burford. Nach Schulzeit und Studium arbeitete sie für einige Zeit für einige Verlagshäuser in New York und Rochester. Liebesromane (mittlerweile 18) schrieb sie unter 'Patricia Ryan' und Krimis unter 'P.B. Ryan'. Mittlerweile sind sechs Nell Sweeny Krimis erschienen, die auch alle auf deutsch übersetzt wurden. Neben ihrem eigenen Namen benutzte sie auch das Pseudonym 'Louisa Burton'. Seit 2010 lebt sie in Rochester.
"Still Life with Murder" - Nell Sweeney Mystery Series Book 1
Dateigröße: 1370 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 319 Seiten
Verlag: Hawkley Books; Auflage: 2 (5. Juli 2010)
Sprache: Englisch
ASIN: B003UV98MMAuf deutsch heißt dieser Kriminalroman "Dunkel wie die Spur des Todes"
Nell Sweeney, eine junge Frau aus sehr ärmlichen und brutalen Verhältnissen, hilft einem Landarzt. Hier lernt sie die Familie Hewitt bei der Geburt eines Mädchens kennen, und sofort als Gouvernante für dieses Kind und ein Leben in Boston engagiert. Ausgehend von dieser Basis wird sie von der Dame des Hauses beauftragt heimlich aufzuklären wieso der tot geglaubte älteste Sohn des Mordes bezichtig wird, was im Hinterhof einer Spelunke mit Huren, Ratten-Terrierspielen und Opium-Konsum geschehen war. Will ist ein eigenwilliger Arzt, der nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg untergetaucht war. Er hatte den Mord an seinem Bruder im Gefangenenlager Andersonville gesehen, war auf der Flucht verletzt worden und dann in Opiumsucht abgerutscht auch um die Schmerzen zu vergessen. Der alter Freund Familie, der Anwalt ist, - Jack - wird beauftragt mit Nell gemeinsam zu ermitteln. Das Ende ist überraschend.
Der Kriminalroman spielt in Boston den 60-er Jahren des 19. Jahrhunderts, vor und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg.
Die Menschen sind plastisch vorstellbar geschildert. Auf der einen Seite die Schichte derer mit schönen Häusern, schönem Gewand und Schmuck, gutem sattem Leben. Auf der anderen Seite die Menschen die entweder Hure, Soldaten, Matrosen, Spelunken wirte sind. Dazwischen gibt es Hauspersonal und Menschen die versuchen mit einem Handwerk wie Schneiderei zu leben. Als drittes Element ist asiatisches Leben hier in Form von Opiaten geschildert. Opium war für Kriegsversehrte wichtig, da sie sonst die schmerzen nicht ausgehalten hätten; leider war gegen die Sucht dann kein Mittel verfügbar.
Der Weg und die Gedanken von Nell werden geschildert, inklusive ihrer Angst nicht mehr für das kleine Mädchen verantwortlich sein zu dürfen. Brutalitäten aus ihrer Kindheit und als junge Frau vertraut sie nur Will an. Will ist der voreheliche Sohn, der immer ein eheliches Mäntelchen erhalten hatte und gelernt hat sich zu verstecken; durch eine Kriegsverletzung hat er sich an Opium gewöhnt.
Jack ist im Vergleich weniger charismatisch - ihn haben die Erinnerungen an die Gräuel des Krieges auch Jahre später im Griff, was sich auch im Ende zeigt.
Die Kleinigkeiten in der Hierachie im Hause Hewitt sind teilweise befremdlich, teilweise auch amüsant zu lesen.
Es wird viel von den Gräueltaten des Gefangenenlagers Andersonville erzählt - der Mord hat seine Ursache in diesem.
Exkurs : Lager Andersonville ist in Georgia gewesen, wo die Konföderierten (die "Südstaaten") im Amerikanischen Bürgerkrieg zwischen Feb 1964 und April 1865 mehr als die 3-fach zugelassene Menschenanzahl untergebracht hatten. Die Gefangen wurden miserabel verpflegt - Photos von damals zeigen ähnliche elend ausgemergelte Gestalten wie später in den Konzentrationslagern. Einige Offizieren spielte grausame Spiele mit den Gefangenen. Es war nicht erlaubt Wände aus Holz zur Abgrenzung oder als Schutz gegen den kalten Wand aufzubauen. Es grassierten mehrere Epidemien gleichzeitig und kosteten mehr als 13.000 von geschätzten 45.000 Menschen das Leben. Das Amerikanische rote Kreuz fand dort seinen Ursprung.
Das Englisch ist schön und bildhaft. Einige Vokabel mußte ich nachschauen - meist poppte im e-Reader die Zusatzinformation auf, daß das Vokabel bereits älter sei.
In Summe ein guter Kriminalroman der gut unterhält. Viel Freude beim Lesen !
Patricia Burford Ryan wurde am 09. August 1954 in Las Cruces in New Mexiko geboren - genauso wie ihre Zwillingsschwester, die Romanschriftstellerin Pamela Burford. Nach Schulzeit und Studium arbeitete sie für einige Zeit für einige Verlagshäuser in New York und Rochester. Liebesromane (mittlerweile 18) schrieb sie unter 'Patricia Ryan' und Krimis unter 'P.B. Ryan'. Mittlerweile sind sechs Nell Sweeny Krimis erschienen, die auch alle auf deutsch übersetzt wurden. Neben ihrem eigenen Namen benutzte sie auch das Pseudonym 'Louisa Burton'. Seit 2010 lebt sie in Rochester.
Sonntag, 3. Dezember 2017
Margaret Atwood : "The Handmaid's Tale"
Margaret Atwood :
"The Handmaid's Tale"
first published 1986
2010, Penguin Random House / Vintage Fiction
300 Seiten + 15 Seiten 'historical notes'
ISBN 978-0-099-51166-3
Eine weibliche Ich-Person erzählt in Gegenwart und Rückblenden, wie sie als fertile Magd in Zeiten schwindender Geburten für ein elite-Paar ein Kind auf die Welt bringen soll. Zwei Jahre zuvor war sie verheiratet gewesen - mit einem geschiedenen Mann - und hatte eine Tochter. Von keiner der beiden weiß sie nun. Im Jetzt hat eine christliche Sektierergruppe die Macht übernommen, Menschen Aufgaben zugeteilt, und erlaubt nur der sogenannten Elite das Lesen und Schreiben. Altes Leben wie Denken, Zeitschriften sehen, Schminken, bis zu Scheidung, Abtreibung, alt sein und jetzt Auflehnung wird hart bestraft - bis hin zur Todesstrafe. Am Anfang versuchten Menschen noch zu fliehen. Und es gab Demonstrationen. Aktuell gibt es Menschen die im Untergrund gegen die Strukturen arbeiten. Die Ich-Person, die Offred genannt wird, als Teil von Fred ihrem Chef wird immer wieder privat zu Verbotenem eingeladen - wie Scrabble, Zeitschrift lesen und in ein Puff eingeladen. Parallel trifft sie sich auf Anraten der Frau von Fred mit dem Chauffeur um doch endlich ein Kind zu zeugen. Als das Treffen mit Fred auffliegt, wird sie von Wachsoldaten oder doch Untergrundleuten in Uniform abgeholt.
Im Nachspann wird knapp 150 Jahre später im Rahmen eines wissenschaftlichen Meetings über die frühe und mittlere Gilhead Periode gesprochen und dreißig Kassetten die von einer Frau (der Ich-Person) besprochen worden waren. Ihr Leben war die frühe Periode der Umstellung.
Gespräche über das System gingen mir unter die Haut, wenn Commander Fred in einem der geheimen Gespräche mit der Ich-Person über das neue System meint : "we thought we could do better ... better never means better for everyone .. it always means worse, for some."
Außerdem will er ihr anpreisen, daß es doch jetzt besser ist auch für Frauen nicht mehr im Dunkel vergewaltigt zu werden, sondern verheiratet und sonst (zwangsbestimmt) eingeteilt zu werden. Sie meint was ist mit Liebe - die Antwort bleibt er ihr schuldig.
Lange gehen die Beschreibungen des Terrors und die Entmündigungen der Frauen vor sich hin, inkl. Rückblenden und Erinnerungen an die eigene kleine Familie und auch ihre Mutter, bevor die Geschichte Tempo aufnimmt und mit Liebschaft, Schwangerschaft, bis zum Untergrund plötzlich an Spannung gewinnt. Das Ende bleibt offen, weil nicht wirklich klar ist, ob die Ich-Person überlebt; das Ende ihrer kleinen Familie ist ebenso ungeklärt.
Jezebel's - Club ist ein klassischer alter Männerclub, bei dem sich die Commander und ihre Gäste mit käuflichen Frauen - ausgemustert als nicht-gebährfähig weil schlechter Charakter (!) aber gute Figur - vergnügen. Die Beschreibungen der Gewandungen der Ich-Figur und der anderen Frauen dort, über ungepflegte einst sexy Outfits wie Hasenkostüme oder Cat-suits liest sich abstoßend.
Auch wenn die Geschichte von einer Frau erzählt wird über das fruchtbarbezogene Leben, und andere eintönige Frauenleben, sind nicht nur die Frauen unglücklich in dem System, sondern erscheinen es die Männer ebenso.
Während die Ich-Person sich ihrem Leben in der Diktatur, allerdings nach mißglückter Flucht, anzupassen scheint, wird in den Rückblenden offen, daß ihre Mutter eine ewige Rebellin war die für Frieden und Frauenrechte demonstrierte, ihre angepaßte Tochter mit konservativem Familienwunsch überhaupt nicht verstand. eine Freundin erzählt spät, daß ihre Mutter wie andere Aufsässige dazu verurteilt war radioaktives Material ohne irgendeinen Schutz wegzuräumen.
Einige Fragen neben dem offene Ende bleiben offen : er teilt die Menschen welchen Aufgaben zu ? welche Aufgaben bleiben Männern ? was passiert mit Menschen die nicht mehr fruchtbar und/oder zu alt sind ?
Der Schreibstil ist dicht und läßt die Menschen vor dem geistigen Auge beschreiben. Auch düstere Stadtbeschreibungen, wenn es heißt das Haus hat einmal nach einem ermordeten Präsidenten geheißen, oder wie heiß es die Frauen die Kinder empfangen und austragen sollen unter ihren roten sackähnlichen Gewändern schwitzen.
Das Englisch ist sehr schön, beschreibt mit vielen schönen Vokabeln Feinheiten und Schattierungen. Mir sind unter anderem diese Wörter aufgefallen : semaphore, grapevine für 'Dschungeltelegraph', luxuriate, dissipation, swashbuckling, pizzazz. Der Absatz in dem sie einen blühenden sinnlichen Garten in dieser unsinnlichen Gesellschaft ist faszinierend.
Es gibt Wortschöpfungen wie : Computalk, Compuphone. Sogar Latein wird bemüht : "nolite te bastardes carborundum", das der Commander als Schulbubenlatein abtut, aber eine Warnung unter den Frauen ist.
In Summe ein spannender wenn auch nicht fröhlich stimmender Roman, der sehr gut zu Lesen ist. Viel Freude beim Eintauchen in diese eigenartige Welt.
Margaret Eleanor Atwood, wurde am 18. November 1939 in Ottawa, Kanada geboren. Sie studierte englische Sprache und Literatur in Toronto. Sie arbeitet als Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin ( Romane, Kurzgeschichten und Lyrik). Ihr erster Roman erschien 1969. Oft setzte sie sich für Rechte der Frauen ein, oder thematisiert Umweltthemen. Sie ist Mitglied der 'Rare Bird Society'.
"The Handmaid's Tale"
first published 1986
2010, Penguin Random House / Vintage Fiction
300 Seiten + 15 Seiten 'historical notes'
ISBN 978-0-099-51166-3
Eine weibliche Ich-Person erzählt in Gegenwart und Rückblenden, wie sie als fertile Magd in Zeiten schwindender Geburten für ein elite-Paar ein Kind auf die Welt bringen soll. Zwei Jahre zuvor war sie verheiratet gewesen - mit einem geschiedenen Mann - und hatte eine Tochter. Von keiner der beiden weiß sie nun. Im Jetzt hat eine christliche Sektierergruppe die Macht übernommen, Menschen Aufgaben zugeteilt, und erlaubt nur der sogenannten Elite das Lesen und Schreiben. Altes Leben wie Denken, Zeitschriften sehen, Schminken, bis zu Scheidung, Abtreibung, alt sein und jetzt Auflehnung wird hart bestraft - bis hin zur Todesstrafe. Am Anfang versuchten Menschen noch zu fliehen. Und es gab Demonstrationen. Aktuell gibt es Menschen die im Untergrund gegen die Strukturen arbeiten. Die Ich-Person, die Offred genannt wird, als Teil von Fred ihrem Chef wird immer wieder privat zu Verbotenem eingeladen - wie Scrabble, Zeitschrift lesen und in ein Puff eingeladen. Parallel trifft sie sich auf Anraten der Frau von Fred mit dem Chauffeur um doch endlich ein Kind zu zeugen. Als das Treffen mit Fred auffliegt, wird sie von Wachsoldaten oder doch Untergrundleuten in Uniform abgeholt.
Im Nachspann wird knapp 150 Jahre später im Rahmen eines wissenschaftlichen Meetings über die frühe und mittlere Gilhead Periode gesprochen und dreißig Kassetten die von einer Frau (der Ich-Person) besprochen worden waren. Ihr Leben war die frühe Periode der Umstellung.
Gespräche über das System gingen mir unter die Haut, wenn Commander Fred in einem der geheimen Gespräche mit der Ich-Person über das neue System meint : "we thought we could do better ... better never means better for everyone .. it always means worse, for some."
Außerdem will er ihr anpreisen, daß es doch jetzt besser ist auch für Frauen nicht mehr im Dunkel vergewaltigt zu werden, sondern verheiratet und sonst (zwangsbestimmt) eingeteilt zu werden. Sie meint was ist mit Liebe - die Antwort bleibt er ihr schuldig.
Lange gehen die Beschreibungen des Terrors und die Entmündigungen der Frauen vor sich hin, inkl. Rückblenden und Erinnerungen an die eigene kleine Familie und auch ihre Mutter, bevor die Geschichte Tempo aufnimmt und mit Liebschaft, Schwangerschaft, bis zum Untergrund plötzlich an Spannung gewinnt. Das Ende bleibt offen, weil nicht wirklich klar ist, ob die Ich-Person überlebt; das Ende ihrer kleinen Familie ist ebenso ungeklärt.
Jezebel's - Club ist ein klassischer alter Männerclub, bei dem sich die Commander und ihre Gäste mit käuflichen Frauen - ausgemustert als nicht-gebährfähig weil schlechter Charakter (!) aber gute Figur - vergnügen. Die Beschreibungen der Gewandungen der Ich-Figur und der anderen Frauen dort, über ungepflegte einst sexy Outfits wie Hasenkostüme oder Cat-suits liest sich abstoßend.
Auch wenn die Geschichte von einer Frau erzählt wird über das fruchtbarbezogene Leben, und andere eintönige Frauenleben, sind nicht nur die Frauen unglücklich in dem System, sondern erscheinen es die Männer ebenso.
Während die Ich-Person sich ihrem Leben in der Diktatur, allerdings nach mißglückter Flucht, anzupassen scheint, wird in den Rückblenden offen, daß ihre Mutter eine ewige Rebellin war die für Frieden und Frauenrechte demonstrierte, ihre angepaßte Tochter mit konservativem Familienwunsch überhaupt nicht verstand. eine Freundin erzählt spät, daß ihre Mutter wie andere Aufsässige dazu verurteilt war radioaktives Material ohne irgendeinen Schutz wegzuräumen.
Einige Fragen neben dem offene Ende bleiben offen : er teilt die Menschen welchen Aufgaben zu ? welche Aufgaben bleiben Männern ? was passiert mit Menschen die nicht mehr fruchtbar und/oder zu alt sind ?
Der Schreibstil ist dicht und läßt die Menschen vor dem geistigen Auge beschreiben. Auch düstere Stadtbeschreibungen, wenn es heißt das Haus hat einmal nach einem ermordeten Präsidenten geheißen, oder wie heiß es die Frauen die Kinder empfangen und austragen sollen unter ihren roten sackähnlichen Gewändern schwitzen.
Das Englisch ist sehr schön, beschreibt mit vielen schönen Vokabeln Feinheiten und Schattierungen. Mir sind unter anderem diese Wörter aufgefallen : semaphore, grapevine für 'Dschungeltelegraph', luxuriate, dissipation, swashbuckling, pizzazz. Der Absatz in dem sie einen blühenden sinnlichen Garten in dieser unsinnlichen Gesellschaft ist faszinierend.
Es gibt Wortschöpfungen wie : Computalk, Compuphone. Sogar Latein wird bemüht : "nolite te bastardes carborundum", das der Commander als Schulbubenlatein abtut, aber eine Warnung unter den Frauen ist.
In Summe ein spannender wenn auch nicht fröhlich stimmender Roman, der sehr gut zu Lesen ist. Viel Freude beim Eintauchen in diese eigenartige Welt.
Margaret Eleanor Atwood, wurde am 18. November 1939 in Ottawa, Kanada geboren. Sie studierte englische Sprache und Literatur in Toronto. Sie arbeitet als Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin ( Romane, Kurzgeschichten und Lyrik). Ihr erster Roman erschien 1969. Oft setzte sie sich für Rechte der Frauen ein, oder thematisiert Umweltthemen. Sie ist Mitglied der 'Rare Bird Society'.
Dienstag, 28. November 2017
Frank Schirrmacher : "EGO - Das Spiel des Lebens"
Frank Schirrmacher :
"EGO - Das Spiel des Lebens"
2013, Karl Blessing Verlag
9 Seiten Vorwort + 272 Seiten + 1 Seite Danksagung + 4 Seiten Appendix 'Entwicklungsgeschichte des künstlichen Agenten an den Börsen' + 32 Seiten Bibliographie + 19 Seiten Anmerkungen (zu den Fußnoten) + 3 Seiten Personenregister
ISBN 978-3-896-67427-2
Gleich vorneweg : das Buch ist anspruchsvoll und hat mich emotional aufgewühlt.
Die Theorie ist, daß uns Menschen unterstellt wird als 'homo öconomicus' als nur auf unsere Vorteile bedachter Mensch zu agieren, und da dies nicht wirklich gelingt, versucht man uns via Medien, soziale Netzwerke etc. dorthin zu gängeln.
Es wäre für Wirtschaftsmenschen und vermutlich auch Politiker viel einfacher wenn wir endlich der leicht lenkbare und vorhersagbare 'Mensch Version 2' wären.
Während früher die Menschen mechanische Puppen entwickelten oder sich Ideen wie Frankenstein entwickelten, wurden nach dem 2. Weltkrieg daran gearbeitet das "Spiel" der Wirtschaft zu optimieren. Oft wird RAND Corporation gebracht, eine amerikanische Denkfabrik, die eigentlich die Streitkräfte beraten hat, aber nach dem streichen des Etats ihre abstrakten Gedanken in andere Metiers einbracht. Es wird zitiert, daß John Nash hoffte, daß sich Menschen gewinnmaximierend verhielten, und enttäuscht war daß soziale Bande sich als wichtiger erwiesen.
Das Thema des Datenhungers und wie einfach Daten frei gegeben werden - manchmal mit manchmal ohne das Wissen, bzw oft mit Erzwingen von persönlichen Daten, da der Mensch (bewußt kein User) sonst nicht auf Websites weitersuchen darf - wird oft angesprochen.
Während es in Teil 1 um das Spiel an sich geht, geht es im Teil 2 mehr um den Menschen, und wie das Spiel ihn sich gefügig machen will. Hier geht es auch um Brüche mit Werten wenn zwar Loyalität, Treue und Bildung wichtig in der Gesellschaft wären, aber keinen (Mehr)-Wert besitzen, und damit Strukturen im sozialen Verbund zu bröckeln beginnen, und auch Vertrauen ein zerbröselnder Wert wird, und zurück auf die Gesellschaft fallen wird.
Nachdem das Buch vieles in Frage stellt ist der Ausklang leicht versöhnlich wenn der 1984 geborene Evgeny Morozow zitiert wird, daß wir nur die "Marionette" (des Spiels) zu töten brauchen.
Stilistisch tut das Buch so als wäre es einfach zu lesen, während die Information und Vernetzungen die an Grundwerte gehen langsam im kognitiven Untergrund zu brodeln anfangen.
Ich konnte meist nur 10 bis 15 Seiten lesen und mußte dann das Buch zumachen um das Gelesene setzen zu lassen und/oder ein intelligentes flexibles Gegenüber zu suchen um über das gerade Gelesene reden zu können.
Selbst als halbwegs gebildeter Mensch sind die vielen Verweise aus Politiker, Wissenschaftler, Menschen der Wirtschaft und Schriftsteller nicht immer einfach zu verknüpfen.
Die Art und Weise Angaben zu zitieren ohne dabei an Spannung zu verlieren, wünsche ich schon wegen der Akkuratesse mancher Doktorarbeit.
Leider ist das Buch 2013 erschienen, der Autor 2014 plötzlich verstorben. Wie wäre das Vorwort zu aktuellen Auflage dieses Autors im Herbst 2017 gewesen ? Wie hätte sich jetzt seine Meinung zu dem immer brennenderen Thema geändert oder verschärft ?
In Summe ein grandioses Buch, das aber auch aufwühlen kann. Viel viel Freude beim Lesen und Grübeln !
Frank Schirrmacher wurde am 5. September 1959 in Wiesbaden geboren. Er studierte Germanistik und Anglistik in Deutschland und Literatur und Philosophie in England. Seit 1994 zählte er zu den Herausgebern der "FAZ". Er gehörte zu den einflussreichsten deutschen Journalisten, und erntete als blitzgescheiter Querdenker entweder Fans oder Skeptiker. Er starb am 21. Juni 2014 an einem Herzinfarkt in Frankfurt am Main.
"EGO - Das Spiel des Lebens"
2013, Karl Blessing Verlag
9 Seiten Vorwort + 272 Seiten + 1 Seite Danksagung + 4 Seiten Appendix 'Entwicklungsgeschichte des künstlichen Agenten an den Börsen' + 32 Seiten Bibliographie + 19 Seiten Anmerkungen (zu den Fußnoten) + 3 Seiten Personenregister
ISBN 978-3-896-67427-2
Gleich vorneweg : das Buch ist anspruchsvoll und hat mich emotional aufgewühlt.
Die Theorie ist, daß uns Menschen unterstellt wird als 'homo öconomicus' als nur auf unsere Vorteile bedachter Mensch zu agieren, und da dies nicht wirklich gelingt, versucht man uns via Medien, soziale Netzwerke etc. dorthin zu gängeln.
Es wäre für Wirtschaftsmenschen und vermutlich auch Politiker viel einfacher wenn wir endlich der leicht lenkbare und vorhersagbare 'Mensch Version 2' wären.
Während früher die Menschen mechanische Puppen entwickelten oder sich Ideen wie Frankenstein entwickelten, wurden nach dem 2. Weltkrieg daran gearbeitet das "Spiel" der Wirtschaft zu optimieren. Oft wird RAND Corporation gebracht, eine amerikanische Denkfabrik, die eigentlich die Streitkräfte beraten hat, aber nach dem streichen des Etats ihre abstrakten Gedanken in andere Metiers einbracht. Es wird zitiert, daß John Nash hoffte, daß sich Menschen gewinnmaximierend verhielten, und enttäuscht war daß soziale Bande sich als wichtiger erwiesen.
Das Thema des Datenhungers und wie einfach Daten frei gegeben werden - manchmal mit manchmal ohne das Wissen, bzw oft mit Erzwingen von persönlichen Daten, da der Mensch (bewußt kein User) sonst nicht auf Websites weitersuchen darf - wird oft angesprochen.
Während es in Teil 1 um das Spiel an sich geht, geht es im Teil 2 mehr um den Menschen, und wie das Spiel ihn sich gefügig machen will. Hier geht es auch um Brüche mit Werten wenn zwar Loyalität, Treue und Bildung wichtig in der Gesellschaft wären, aber keinen (Mehr)-Wert besitzen, und damit Strukturen im sozialen Verbund zu bröckeln beginnen, und auch Vertrauen ein zerbröselnder Wert wird, und zurück auf die Gesellschaft fallen wird.
Nachdem das Buch vieles in Frage stellt ist der Ausklang leicht versöhnlich wenn der 1984 geborene Evgeny Morozow zitiert wird, daß wir nur die "Marionette" (des Spiels) zu töten brauchen.
Stilistisch tut das Buch so als wäre es einfach zu lesen, während die Information und Vernetzungen die an Grundwerte gehen langsam im kognitiven Untergrund zu brodeln anfangen.
Ich konnte meist nur 10 bis 15 Seiten lesen und mußte dann das Buch zumachen um das Gelesene setzen zu lassen und/oder ein intelligentes flexibles Gegenüber zu suchen um über das gerade Gelesene reden zu können.
Selbst als halbwegs gebildeter Mensch sind die vielen Verweise aus Politiker, Wissenschaftler, Menschen der Wirtschaft und Schriftsteller nicht immer einfach zu verknüpfen.
Die Art und Weise Angaben zu zitieren ohne dabei an Spannung zu verlieren, wünsche ich schon wegen der Akkuratesse mancher Doktorarbeit.
Leider ist das Buch 2013 erschienen, der Autor 2014 plötzlich verstorben. Wie wäre das Vorwort zu aktuellen Auflage dieses Autors im Herbst 2017 gewesen ? Wie hätte sich jetzt seine Meinung zu dem immer brennenderen Thema geändert oder verschärft ?
In Summe ein grandioses Buch, das aber auch aufwühlen kann. Viel viel Freude beim Lesen und Grübeln !
Frank Schirrmacher wurde am 5. September 1959 in Wiesbaden geboren. Er studierte Germanistik und Anglistik in Deutschland und Literatur und Philosophie in England. Seit 1994 zählte er zu den Herausgebern der "FAZ". Er gehörte zu den einflussreichsten deutschen Journalisten, und erntete als blitzgescheiter Querdenker entweder Fans oder Skeptiker. Er starb am 21. Juni 2014 an einem Herzinfarkt in Frankfurt am Main.
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Donnerstag, 23. November 2017
Wendy Guerra : "Alle gehen fort"
Wendy Guerra :
"Alle gehen fort"
Roman
original "Todos se van"
2006 Indent Literary Agency
Aus dem Spanischen von Peter Tremp
2017, Unionsverlag Taschenbuch
197 Seiten + 3 Seiten Worterklärungen (Namen, Schlagworte)
ISBN 978-3-293-2077-5
Nieve schreibt in Tagebüchern über ihr Leben, zuerst als Kind, dann als Jugendliche. Sie lernt früh, daß wichtige Menschen gehen, entweder ins Gefängnis oder weil sie Kuba verlassen (müssen). Ihre Mutter, eine kreative Frau die Puppen bastelt und im Radio Kindersendungen macht, glaubt zwar dem kubanischen Kommunismus, versteht aber die Reglementierungen und die Unmenschlichkeit der Diktatur sowie die Brutalität gegen Kunst nicht. Nieves Vater wird als Alkoholiker mit Wandertheater geschildert, der zwar seine Tochter beherrschen, sie aber nicht versorgen will. (Die Abschnitte über Gewalt und Hunger sind heftig). Fausto, der liebevolle freundliche schwedische Freund der Mutter, wird des Landes verwiesen. Nieve verliert alle Kontakte bei jedem Schulwechsel. Sie lernt sich oft zu verabschieden.
Als Jugendliche ist sie in kreativen Kreisen. Sie lernt Osvaldo, einen berühmten Künstler kennen und lieben. Als er nach Paris eingeladen wird, heißt es lange warten, bis klar wird, daß sie nicht nachreisen kann. Filmemacher Antonio bringt sie darauf das echte Leben zu betrachten, nicht nur durch die Seiten der Tagebücher, die sie schreibt.
Die Geschichte wird aus der Ich-Sicht in Tagebuchform erzählt, in die manchmal Gedichte einfließen. Der einzige Teil der nicht aus Nieves Sicht beschrieben ist, ist ein langer Brief von Antonio.
Ich bin eingetaucht in die Welt und die Beschreibungen des Mädchens und später der jungen Frau. Diese Welt bestand am Anfang aus Liebe der Mutter und ihres Freundes, sowie der Brutalität ihres Vaters. Früh lernt sie Angst und Mund halten kennen, weshalb sie sich nur den Tagebüchern anvertraut (was - wie sie weiß - politischer Wahnsinn ist).
Die Stellen in denen kreativ gearbeitet wird und Menschen einfach Kunst und Musik leben wollen sind stark; ebenso die in denen verbotene Literatur, weil zensuriert, versteckt werden muß.
Es gibt einige deftige erotische Absätze.
Politischer Hintergrund ist die Zeit der Repressionen und Hungerszeit der 70-er auf Kuba, in der viele Menschen gehen wollen. Ich habe einiges nachgelesen in der Geschichte Kubas : über die Zeit als die Menschen in der peruanischen Botschaft Zuflucht suchten, als Ausreisewillige wüst beschimpft wurden und die künstlerisch 'graue' Ära auf der Insel.
Die Namen der Worterklärungen führen zu einigen Künstlern die mir neu waren.
Im Summe ein dichter Roman bei dem sich Menschen und Rundherum gut vorstellen lassen - sowohl das Lebensgefühl, auch auch die Diktatur der Lebensverweigerung. Viel Freude beim Lesen !
Wendy Guerra wurde am 11. Dezember 1970 in Havanna (Kuba) geboren. Mit 17 veröffentlichte sie ihren ersten Lyrikband, dann ging sie auf die Kunsthochschule. Später arbeitete sie als Radio- und Fernsehsprecherin und Schauspielerin und besuchte die Filmhochschule um Regie zu lernen. Nach dem außenpolitischen Erfolg ihrer Gedichte, wurde sie in Kuba negiert, was sie dazubrachte in spanischen Zeitungen zu schreiben. Mittlerweile sind drei Gedichtbände und fünf Romane von ihr erschienen. Sie lebt weiterhin auf Kuba.
"Alle gehen fort"
Roman
original "Todos se van"
2006 Indent Literary Agency
Aus dem Spanischen von Peter Tremp
2017, Unionsverlag Taschenbuch
197 Seiten + 3 Seiten Worterklärungen (Namen, Schlagworte)
ISBN 978-3-293-2077-5
Nieve schreibt in Tagebüchern über ihr Leben, zuerst als Kind, dann als Jugendliche. Sie lernt früh, daß wichtige Menschen gehen, entweder ins Gefängnis oder weil sie Kuba verlassen (müssen). Ihre Mutter, eine kreative Frau die Puppen bastelt und im Radio Kindersendungen macht, glaubt zwar dem kubanischen Kommunismus, versteht aber die Reglementierungen und die Unmenschlichkeit der Diktatur sowie die Brutalität gegen Kunst nicht. Nieves Vater wird als Alkoholiker mit Wandertheater geschildert, der zwar seine Tochter beherrschen, sie aber nicht versorgen will. (Die Abschnitte über Gewalt und Hunger sind heftig). Fausto, der liebevolle freundliche schwedische Freund der Mutter, wird des Landes verwiesen. Nieve verliert alle Kontakte bei jedem Schulwechsel. Sie lernt sich oft zu verabschieden.
Als Jugendliche ist sie in kreativen Kreisen. Sie lernt Osvaldo, einen berühmten Künstler kennen und lieben. Als er nach Paris eingeladen wird, heißt es lange warten, bis klar wird, daß sie nicht nachreisen kann. Filmemacher Antonio bringt sie darauf das echte Leben zu betrachten, nicht nur durch die Seiten der Tagebücher, die sie schreibt.
Die Geschichte wird aus der Ich-Sicht in Tagebuchform erzählt, in die manchmal Gedichte einfließen. Der einzige Teil der nicht aus Nieves Sicht beschrieben ist, ist ein langer Brief von Antonio.
Ich bin eingetaucht in die Welt und die Beschreibungen des Mädchens und später der jungen Frau. Diese Welt bestand am Anfang aus Liebe der Mutter und ihres Freundes, sowie der Brutalität ihres Vaters. Früh lernt sie Angst und Mund halten kennen, weshalb sie sich nur den Tagebüchern anvertraut (was - wie sie weiß - politischer Wahnsinn ist).
Die Stellen in denen kreativ gearbeitet wird und Menschen einfach Kunst und Musik leben wollen sind stark; ebenso die in denen verbotene Literatur, weil zensuriert, versteckt werden muß.
Es gibt einige deftige erotische Absätze.
Politischer Hintergrund ist die Zeit der Repressionen und Hungerszeit der 70-er auf Kuba, in der viele Menschen gehen wollen. Ich habe einiges nachgelesen in der Geschichte Kubas : über die Zeit als die Menschen in der peruanischen Botschaft Zuflucht suchten, als Ausreisewillige wüst beschimpft wurden und die künstlerisch 'graue' Ära auf der Insel.
Die Namen der Worterklärungen führen zu einigen Künstlern die mir neu waren.
Im Summe ein dichter Roman bei dem sich Menschen und Rundherum gut vorstellen lassen - sowohl das Lebensgefühl, auch auch die Diktatur der Lebensverweigerung. Viel Freude beim Lesen !
Wendy Guerra wurde am 11. Dezember 1970 in Havanna (Kuba) geboren. Mit 17 veröffentlichte sie ihren ersten Lyrikband, dann ging sie auf die Kunsthochschule. Später arbeitete sie als Radio- und Fernsehsprecherin und Schauspielerin und besuchte die Filmhochschule um Regie zu lernen. Nach dem außenpolitischen Erfolg ihrer Gedichte, wurde sie in Kuba negiert, was sie dazubrachte in spanischen Zeitungen zu schreiben. Mittlerweile sind drei Gedichtbände und fünf Romane von ihr erschienen. Sie lebt weiterhin auf Kuba.
Montag, 13. November 2017
Julie Wassmer : "Eine Leiche kommt selten allein"
Julie Wassmer :
"Eine Leiche kommt selten allein" - Küstenkrimi
original "Murder on Sea" (Whitstable Pearl Mystery #2)
2015, Constable
Aus dem Englischen von Sepp Leeb
2017, Ullstein Buchverlage GmbH Berlin
327 Seiten
ISBN 978-3-548-29017-1
Pearl, die ein eigenes Restaurant hat und als Detektivin bekannt ist, hat es diesmal mit bösartigen Weihnachtskarten zu tun, die den Menschen den Spiegel vorhalten. Ihre beste Freundin und Steuerberaterin wird während der Weihnachtstombola in der Kirche vergiftet. Die liebevolle ältere Putzfrau wird auch vergiftet, und als noch eine Leiche entdeckt wird löst Pearl bei einem gemütlichen Weihnachtszusammensein das Rätsel der bösen Weihnachtskarten und die Morde auf.
Nebenbei wird das zarte Knistern, das in Band 1 zwischen Pearl und Inspector Mc Guire, begonnen hat, weitergeführt. Auch andere Lieben sind wichtig, manche gehen gut aus, manche nicht.
Zeitpunkt der Handlung ist die Woche vor Weihnachten mit Vorbereitungen, Treffen, und Beschreibungen von Weihnachtsessen und Traditionen.
Pearl ist als charmante offene tatkräftige Frau geschildert, Mc Guire ist zurückhaltender aber effektiv als Polizist, Pearls Mutter Polly ist farbenkräftig, Nathan - eine guter Freund Pearls - ist stilsicher und hilft ihr oft weiter, Diana eine bodenständige Steuerberaterin mit Prinzipien, Martha die ältere emsige Putzfrau, Bonita (früher straßenköterblond) und Simon sind zwar entspannt nerven Diana jedoch, Giles und Alice sind Arzt und Ehefrau die in einen jüngeren Mann verliebt war was noch zu Komplikationen führt, Cassie ist eine Photographin auf Durchreise, Reverend Pru eine (für manche zu) farbenfrohe Pastorin.
Sehr nett fand ich, daß jede Menge Katzen durch die Handlung spazieren : Mutter Dolly hat Kater Mojo; Putzfrau Martha hat Pilchard und Sprat und Nathan Kater Biggy. Das Katzenvolk schnurrt, schäft oder frißt nach Bedarf oder saust durch die Gegend.
Da Pearl als Restaurantbesitzerin beschrieben wird, gibt es einiges an Eßbarem in dem Krimi. Entgegen der landläufigen Meinung liest sich diese britische Küche sehr g'schmackig, bis auf das mir zu viel Frischkäse verwendet wird.
Den Küstenort Whitstable gibt es wirklich; es ist ein Ort in der Grafschaft Kent im Süden von England, der Nahe Canterbury liegt.
In dem Buch wird einiges über die Stadt selbst und sonst anekdotenhaftes der Region erzählt, was mir manchmal zu lange wurde. Das Auftauchen der Seidenschwänze (kleine Singvögel mit verwegenem Schopf) fand ich allerdings interessant.
Die Geschichte ist unterhaltsam erzählt und gemütlich. Mir wurde es allerdings mit zuviel Lokalkolorit etwas lange, sodaß ich für die Handlung einige Seiten sehr rasch quer gelesen habe.
Wer einen gemütlichen verschneiten Weihnachtskrimi sucht, wird sich hier wohlfühlen inkl. beim Mitraten von whodunnit. Viel Freude beim Lesen !
Julie Wassmer dürfte 1953 auf die Welt gekommen sein. Sie schreibt seit über zwanzig Jahren Drehbücher für die BBC. 201o erschien ihre Autobiographie "More Than Just Coincidence", in der sie beschreibt wie sie ihre mit 17 Jahren weggebene Tochter wiederfindet. "
Pearl Nolan und der tote Fischer" ist der Auftakt zu ihrer Serie um die Privatdetektivin und Köchin Pearl Nolan, bei der mittlerweile Band 4 auf englisch erschienen ist (auf deutsch erst Band 2). Julie Wassmer lebt in Whitstable und engagiert sich für Umweltschutz.
"Eine Leiche kommt selten allein" - Küstenkrimi
original "Murder on Sea" (Whitstable Pearl Mystery #2)
2015, Constable
Aus dem Englischen von Sepp Leeb
2017, Ullstein Buchverlage GmbH Berlin
327 Seiten
ISBN 978-3-548-29017-1
Pearl, die ein eigenes Restaurant hat und als Detektivin bekannt ist, hat es diesmal mit bösartigen Weihnachtskarten zu tun, die den Menschen den Spiegel vorhalten. Ihre beste Freundin und Steuerberaterin wird während der Weihnachtstombola in der Kirche vergiftet. Die liebevolle ältere Putzfrau wird auch vergiftet, und als noch eine Leiche entdeckt wird löst Pearl bei einem gemütlichen Weihnachtszusammensein das Rätsel der bösen Weihnachtskarten und die Morde auf.
Nebenbei wird das zarte Knistern, das in Band 1 zwischen Pearl und Inspector Mc Guire, begonnen hat, weitergeführt. Auch andere Lieben sind wichtig, manche gehen gut aus, manche nicht.
Zeitpunkt der Handlung ist die Woche vor Weihnachten mit Vorbereitungen, Treffen, und Beschreibungen von Weihnachtsessen und Traditionen.
Pearl ist als charmante offene tatkräftige Frau geschildert, Mc Guire ist zurückhaltender aber effektiv als Polizist, Pearls Mutter Polly ist farbenkräftig, Nathan - eine guter Freund Pearls - ist stilsicher und hilft ihr oft weiter, Diana eine bodenständige Steuerberaterin mit Prinzipien, Martha die ältere emsige Putzfrau, Bonita (früher straßenköterblond) und Simon sind zwar entspannt nerven Diana jedoch, Giles und Alice sind Arzt und Ehefrau die in einen jüngeren Mann verliebt war was noch zu Komplikationen führt, Cassie ist eine Photographin auf Durchreise, Reverend Pru eine (für manche zu) farbenfrohe Pastorin.
Sehr nett fand ich, daß jede Menge Katzen durch die Handlung spazieren : Mutter Dolly hat Kater Mojo; Putzfrau Martha hat Pilchard und Sprat und Nathan Kater Biggy. Das Katzenvolk schnurrt, schäft oder frißt nach Bedarf oder saust durch die Gegend.
Da Pearl als Restaurantbesitzerin beschrieben wird, gibt es einiges an Eßbarem in dem Krimi. Entgegen der landläufigen Meinung liest sich diese britische Küche sehr g'schmackig, bis auf das mir zu viel Frischkäse verwendet wird.
Den Küstenort Whitstable gibt es wirklich; es ist ein Ort in der Grafschaft Kent im Süden von England, der Nahe Canterbury liegt.
In dem Buch wird einiges über die Stadt selbst und sonst anekdotenhaftes der Region erzählt, was mir manchmal zu lange wurde. Das Auftauchen der Seidenschwänze (kleine Singvögel mit verwegenem Schopf) fand ich allerdings interessant.
Die Geschichte ist unterhaltsam erzählt und gemütlich. Mir wurde es allerdings mit zuviel Lokalkolorit etwas lange, sodaß ich für die Handlung einige Seiten sehr rasch quer gelesen habe.
Wer einen gemütlichen verschneiten Weihnachtskrimi sucht, wird sich hier wohlfühlen inkl. beim Mitraten von whodunnit. Viel Freude beim Lesen !
Julie Wassmer dürfte 1953 auf die Welt gekommen sein. Sie schreibt seit über zwanzig Jahren Drehbücher für die BBC. 201o erschien ihre Autobiographie "More Than Just Coincidence", in der sie beschreibt wie sie ihre mit 17 Jahren weggebene Tochter wiederfindet. "
Pearl Nolan und der tote Fischer" ist der Auftakt zu ihrer Serie um die Privatdetektivin und Köchin Pearl Nolan, bei der mittlerweile Band 4 auf englisch erschienen ist (auf deutsch erst Band 2). Julie Wassmer lebt in Whitstable und engagiert sich für Umweltschutz.
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Freitag, 10. November 2017
Sybille Lewitscharoff : "Killmousky"
Sybille Lewitscharoff :
"Killmousky"
Roman
2015, Suhrkamp Verlag, Berlin
217 Seiten
ISBN 978-3-518-46601-8
Richard Ellwanger, der wegen einer verbalen Bedrohung bei einer Kindesentführung seinen Job als Polizist verloren hatte, wird gebeten in New York als Privatdetektiv den Tod einer jungen reichen Frau aufzuklären. Der Vater der jungen Frau sitzt im Rollstuhl und bietet Geld an, die ältere attraktive Schwester der Toten ihren Charme und Hilfe. Beide verdächtigen den blonden attraktiven angenehm erscheinenden Witwer, da er bei Tod alles kassiert hat. Eine Fährte lockt den Detektiv zurück nach Deutschland, wo der Fall Konturen gewinnt. Zurück in New York überlebt er durch Glück, und der Fall ist gelöst.
In Deutschland war ihm ein schwarzer Kater zugelaufen, der titel- und covergebende "Killmousky" der seinem Namen alle Ehre tut, und zwischendurch auf Schmusekater wechselt.
Ellwanger ist Mitte 50 und eher schlicht in seinem Äußeren beschreiben, seiner Vermieterin eine fröhliche Bayerin die in New York restauriert, der alte Mann im Rollstuhl sowie die ältere Tochter Catherine erinnern mich an "the deep sleep" von Raymond Chandler (ich hatte als Catherine den alten Film mit Lauren Bacall vor mir), der schöne blonde angenehme Mann Larson wird greifbarer als er sich am Ende bei Ellwanger über Frau sowie Schwägerin und Schwiegervater negativ äußert und dabei seine schöne Haltung verliert.
Die Orte in Deutschland sind nachvollziehbar, genauso wie der plötzliche Luxus mit der Ellwanger in New York im Hotel aber auch bei ungewohnten Menschen konfrontiert wird.
Die Metaphern und die Wortkreationen in dem Buch haben mich gut unterhalten: beispielsweise S. 114 gibt es 'Kleingehäuseltes", auf S. 44 kann man "in Vasen chinesische Kaiser verstecken" und auf S. 41 wird die Größe des Bettes beschrieben, daß "zehn Kerle eine Kissenschlacht hätten veranstalten können".
Die Katzenanteile sind etwas zu wenig nach meinem Geschmack, aber immerhin gibt es passend zum Titel und Cover auch eine gut vorstellbare Katze im Buch.
Die Geschichte ist gut geschrieben, und lauft gut vorstellbar ab. Es wären viele Auflösungen des Todes der jungen Frau möglich gewesen, also war es für mich spannend zu schauen welches Ende hier gewählt wurde. Viel Freude beim Lesen.
Sibylle Lewitscharoff wurde am 16. April 1954 in Stuttgart geboren. Sie studierte Religionswissenschaften und las die Klassiker der Kommunistischen Literatur; es folgten Hörspiele und Radiofeatures bis 1994 der erste Roman erschien. Es erschienen seitdem sieben weitere Romane ('Killmousky' als Krimi nicht mitgerechnet).
In den Medien war sie 2014 als sie Kinder die nicht auf natürliche Weise entstanden waren Halbwesen nannte; diese lieblose Haltung diesen Kindern gegenüber (und Eltern mit Kinderwunsch) brachte sie ziemlich in Kritik.
"Killmousky"
Roman
2015, Suhrkamp Verlag, Berlin
217 Seiten
ISBN 978-3-518-46601-8
Richard Ellwanger, der wegen einer verbalen Bedrohung bei einer Kindesentführung seinen Job als Polizist verloren hatte, wird gebeten in New York als Privatdetektiv den Tod einer jungen reichen Frau aufzuklären. Der Vater der jungen Frau sitzt im Rollstuhl und bietet Geld an, die ältere attraktive Schwester der Toten ihren Charme und Hilfe. Beide verdächtigen den blonden attraktiven angenehm erscheinenden Witwer, da er bei Tod alles kassiert hat. Eine Fährte lockt den Detektiv zurück nach Deutschland, wo der Fall Konturen gewinnt. Zurück in New York überlebt er durch Glück, und der Fall ist gelöst.
In Deutschland war ihm ein schwarzer Kater zugelaufen, der titel- und covergebende "Killmousky" der seinem Namen alle Ehre tut, und zwischendurch auf Schmusekater wechselt.
Ellwanger ist Mitte 50 und eher schlicht in seinem Äußeren beschreiben, seiner Vermieterin eine fröhliche Bayerin die in New York restauriert, der alte Mann im Rollstuhl sowie die ältere Tochter Catherine erinnern mich an "the deep sleep" von Raymond Chandler (ich hatte als Catherine den alten Film mit Lauren Bacall vor mir), der schöne blonde angenehme Mann Larson wird greifbarer als er sich am Ende bei Ellwanger über Frau sowie Schwägerin und Schwiegervater negativ äußert und dabei seine schöne Haltung verliert.
Die Orte in Deutschland sind nachvollziehbar, genauso wie der plötzliche Luxus mit der Ellwanger in New York im Hotel aber auch bei ungewohnten Menschen konfrontiert wird.
Die Metaphern und die Wortkreationen in dem Buch haben mich gut unterhalten: beispielsweise S. 114 gibt es 'Kleingehäuseltes", auf S. 44 kann man "in Vasen chinesische Kaiser verstecken" und auf S. 41 wird die Größe des Bettes beschrieben, daß "zehn Kerle eine Kissenschlacht hätten veranstalten können".
Die Katzenanteile sind etwas zu wenig nach meinem Geschmack, aber immerhin gibt es passend zum Titel und Cover auch eine gut vorstellbare Katze im Buch.
Die Geschichte ist gut geschrieben, und lauft gut vorstellbar ab. Es wären viele Auflösungen des Todes der jungen Frau möglich gewesen, also war es für mich spannend zu schauen welches Ende hier gewählt wurde. Viel Freude beim Lesen.
Sibylle Lewitscharoff wurde am 16. April 1954 in Stuttgart geboren. Sie studierte Religionswissenschaften und las die Klassiker der Kommunistischen Literatur; es folgten Hörspiele und Radiofeatures bis 1994 der erste Roman erschien. Es erschienen seitdem sieben weitere Romane ('Killmousky' als Krimi nicht mitgerechnet).
In den Medien war sie 2014 als sie Kinder die nicht auf natürliche Weise entstanden waren Halbwesen nannte; diese lieblose Haltung diesen Kindern gegenüber (und Eltern mit Kinderwunsch) brachte sie ziemlich in Kritik.
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