Sonntag, 3. Dezember 2017

Margaret Atwood : "The Handmaid's Tale"

Margaret Atwood :
"The Handmaid's Tale"
first published 1986
2010, Penguin Random House / Vintage Fiction
300 Seiten + 15 Seiten 'historical notes'
ISBN 978-0-099-51166-3

Eine weibliche Ich-Person erzählt in Gegenwart und Rückblenden, wie sie als fertile Magd in Zeiten schwindender Geburten für ein elite-Paar ein Kind auf die Welt bringen soll. Zwei Jahre zuvor war sie verheiratet gewesen - mit einem geschiedenen Mann - und hatte eine Tochter. Von keiner der beiden weiß sie nun. Im Jetzt hat eine christliche Sektierergruppe die Macht übernommen, Menschen Aufgaben zugeteilt, und erlaubt nur der sogenannten Elite das Lesen und Schreiben. Altes Leben wie Denken, Zeitschriften sehen, Schminken, bis zu Scheidung, Abtreibung, alt sein und jetzt Auflehnung wird hart bestraft - bis hin zur Todesstrafe. Am Anfang versuchten Menschen noch zu fliehen. Und es gab Demonstrationen. Aktuell gibt es Menschen die im Untergrund gegen die Strukturen arbeiten. Die Ich-Person, die Offred genannt wird, als Teil von Fred ihrem Chef wird immer wieder privat zu Verbotenem eingeladen - wie Scrabble, Zeitschrift lesen und in ein Puff eingeladen. Parallel trifft sie sich auf Anraten der Frau von Fred mit dem Chauffeur um doch endlich ein Kind zu zeugen. Als das Treffen mit Fred auffliegt, wird sie von Wachsoldaten oder doch Untergrundleuten in Uniform abgeholt.
Im Nachspann wird knapp 150 Jahre später im Rahmen eines wissenschaftlichen Meetings über die frühe und mittlere Gilhead Periode gesprochen und dreißig Kassetten die von einer Frau (der Ich-Person) besprochen worden waren. Ihr Leben war die frühe Periode der Umstellung.

Gespräche über das System gingen mir unter die Haut, wenn Commander Fred in einem der geheimen Gespräche mit der Ich-Person über das neue System meint : "we thought we could do better ... better never means better for everyone .. it always means worse, for some."
Außerdem will er ihr anpreisen, daß es doch jetzt besser ist auch für Frauen nicht mehr im Dunkel vergewaltigt zu werden, sondern verheiratet und sonst (zwangsbestimmt) eingeteilt zu werden. Sie meint was ist mit Liebe - die Antwort bleibt er ihr schuldig.

Lange gehen die Beschreibungen des Terrors und die Entmündigungen der Frauen vor sich hin, inkl. Rückblenden und Erinnerungen an die eigene kleine Familie und auch ihre Mutter, bevor die Geschichte Tempo aufnimmt und mit Liebschaft, Schwangerschaft, bis zum Untergrund plötzlich an Spannung gewinnt. Das Ende bleibt offen, weil nicht wirklich klar ist, ob die Ich-Person überlebt; das Ende ihrer kleinen Familie ist ebenso ungeklärt.

Jezebel's - Club ist ein klassischer alter Männerclub,  bei dem sich die Commander und ihre Gäste mit käuflichen Frauen - ausgemustert als nicht-gebährfähig weil schlechter Charakter (!) aber gute Figur - vergnügen. Die Beschreibungen der Gewandungen der Ich-Figur und der anderen Frauen dort, über ungepflegte einst sexy Outfits wie Hasenkostüme oder Cat-suits liest sich abstoßend.

Auch wenn die Geschichte von einer Frau erzählt wird über das fruchtbarbezogene Leben, und andere eintönige Frauenleben, sind nicht nur die Frauen unglücklich in dem System, sondern erscheinen es die Männer ebenso.

Während die Ich-Person sich ihrem Leben in der Diktatur, allerdings nach mißglückter Flucht, anzupassen scheint, wird in den Rückblenden offen, daß ihre Mutter eine ewige Rebellin war die für Frieden und Frauenrechte demonstrierte, ihre angepaßte Tochter mit konservativem Familienwunsch überhaupt nicht verstand. eine Freundin erzählt spät, daß ihre Mutter wie andere Aufsässige dazu verurteilt war radioaktives Material ohne irgendeinen Schutz wegzuräumen.

Einige Fragen neben dem offene Ende bleiben offen : er teilt die Menschen welchen Aufgaben zu ? welche Aufgaben bleiben Männern ? was passiert mit Menschen die nicht mehr fruchtbar und/oder zu alt sind ?

Der Schreibstil ist dicht und läßt die Menschen vor dem geistigen Auge beschreiben. Auch düstere Stadtbeschreibungen, wenn es heißt das Haus hat einmal nach einem ermordeten Präsidenten geheißen, oder wie heiß es die Frauen die Kinder empfangen und austragen sollen unter ihren roten sackähnlichen Gewändern schwitzen.

Das Englisch ist sehr schön, beschreibt mit vielen schönen Vokabeln Feinheiten und Schattierungen. Mir sind unter anderem diese Wörter aufgefallen : semaphore, grapevine für 'Dschungeltelegraph', luxuriate,  dissipation, swashbuckling, pizzazz. Der Absatz in dem sie einen blühenden sinnlichen Garten in dieser unsinnlichen Gesellschaft ist faszinierend.
Es gibt Wortschöpfungen wie : Computalk, Compuphone. Sogar Latein wird bemüht :  "nolite te bastardes carborundum", das der Commander als Schulbubenlatein abtut, aber eine Warnung unter den Frauen ist.

In Summe ein spannender wenn auch nicht fröhlich stimmender Roman, der sehr gut zu Lesen ist. Viel Freude beim Eintauchen in diese eigenartige Welt.

Margaret Eleanor Atwood, wurde am 18. November 1939 in Ottawa, Kanada geboren. Sie studierte englische Sprache und Literatur in Toronto. Sie arbeitet als Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin ( Romane, Kurzgeschichten und Lyrik). Ihr erster Roman erschien 1969. Oft setzte sie sich für Rechte der Frauen ein, oder thematisiert Umweltthemen. Sie ist Mitglied der 'Rare Bird Society'.

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