"Das kleine Eulenbuch"
- Eine Hommage in Geschichten, Gedichten und Bildern
zusammengestellt von Daniel Kampa
Umschlagillustration und Frontispiz von Tomi Ungerer
Zeichnung auf der Mottoseite von Paul Flora
2014, Diogenes Verlag AG Zürich
250 Seiten inkl. Vor- und Nachwort
8 Seiten Text- und 4 Seiten Bildnachweise
ISBN 978-3-257-79734-3
Nach einem entzückenden Vorwort von Charles de Coster aus dem Jahr 1867 damals für den Ulenspiegel geschrieben wurden in dem Büchlein Gedichte sowie kurze und lange Erzählungen von Baudelaire über Jandl und Eugen Orth bis Gebrüder Grimm, Emily Dickinson, Lessing, Highsmith und Dörrie und vielen anderen mehr zusammengefaßt.
Es gibt liebevolle, humorvolle, tragische und traurig stimmende Wortmeldungen zum Thema Eule (oder auch Uhu). Gut gefällt mir die Idee die Eule als die "gefiederte Schwester der Katze" zu bezeichnen - aber ich bin ein Katzen- & Eulenfan.
Es sind nicht alle Geschichten positiv stimmend, da bei einigen der dumme Aberglauben bzw. die Dummheit der Menschen zuschlägt und die arme Eule deshalb umkommt.
Dazwischen gibt es gemalte und gezeichnete Eulen seit Hieronymus Bosch bis Paul Flora, Pablo Picasso, Alfred Kubin etc ... Selbst die Mottoseite ist voller Eulen.
Im Nachwort finden Jakob Arjouni mit seiner Anekdote eine Eule mit Salami aufgepäppelt zu haben und auch Tanja Blixen Ausdruck ihrer Eulenfaszination.
Der Verlag zeigt auf den Seiten 245 und 255 Eulen seit seinem Bestehen.
In Summe ein wunderbares Buch mit kleinen netten Geschichten und kurzweiliger Lyrik. Für Eulenfans fast ein "must-have".
Donnerstag, 25. Dezember 2014
"Das kleine Eulenbuch"
Labels:
2014,
Autor,
Autorin,
Erzählungen,
Eule,
Gedichte,
Humor,
schwarzer Humor,
Zeichnungen
Sonntag, 14. Dezember 2014
Mitra Devi : "Seelensplitter"
Mitra Devi :
"Seelensplitter" - Ein Fall für Nora Tabani
2013, Unionsverlag Taschenbuch 622, Zürich
270 Seiten
ISBN 978-3-293-20622-9
Die Detektivin Nora Tabani mit ihrem Partner Jan Berger erhalten die Auftrag den Unfalltod eines Firmenchefs aufklären. Bei einer Firmenfeier war er mit dem Wunsch fliegen zu können vom Basler Penthouse gesprungen. Leider springt bei einem Firmenausflug einige Zeit später wieder ein Mitarbeiter mit dem selben Wunsch vom Ausflugschiff am Bodensee. Ein weiterer Tote wird gefunden. Der Showdown findet im ersten Unterschoß des Storage-hauses statt.
Der Roman ist meist aus Beobachterperspektive geschrieben und begleitet Nora Tabani bei ihren Gespräche, Besuchen beim Labor und in der Pathologie und auf diversen Suchen.
Dazwischen ist aus der Ich-Perspektive geschrieben wie ein junges Mädchen in eine Hippie-Haushalt mit Eltern mit Hang zu natürlichen Drogen aufwächst; diverse Pilze, Gräser und Wurzeln sind üblich. Auch sie muß diese Produkte für Grenzerfahrung essen - und kippt in die dämonische Seite. Erst spät finden die beiden Stränge zusammen.
Hintergrund des Buches ist eine Firma in der Storage-Räumlichkeiten angeboten werden. Der Wettbewerb, die Interna mit den unterschiedlichen Abteilungen und deren Eigenarten wird beschrieben.
Die Personen des Buches sind gut vorstellbar. Nora Tabani ist Ex-Polizistin, die immer noch geschätzt wird und gute Kontakte hat. Jan hat eine Freundin und liebt Nutella-Brote. Die Menschen der Storage-Firma sind unterschiedlich geschildert in Temperamenten, Lebenszielen und Geheimnissen; für jeden der in einem Bürokosmos arbeitet fast gewohnt-überspitztes Umfeld.
Es gibt die treu-verantwortliche Sekretärin Sarah Dobler, den präsumptiven kühlen Chefnachfolger Cedric Stark, den verkaufsgewandten charmanten der Damenwelt zugeneigten pseudo-Italiener Marco Bennedetti, die junge Mitarbeiterin mit schrillen Farben Claudia, die ältere Mitarbeiterin Ruth, die versierten Männer im Untergeschoß Gerhard und Tim und die Chefswitwe Antje.
Die Teile in denen das Mädchen ihre Wandlung vom Mädchen zur Vertrauten der Wurzel Alrune beschreibt und wie sie die Dämonen schildert die die den Drogenversuche der Eltern an ihr als Kind auslösen, sind erschreckend und einfühlsam geschrieben.
Ich habe Ablenkung gebraucht, da ich gerade dabei bin einen eher anstrengenden Schmöker eines Nobelpreisträgers zu lesen - diese Erwartung ist komplett erfüllt worden.
Mitraten wer der/die Mörder/in ist ist möglich. Viel Spaß beim Lesen.
Mitra Devi wurde am 30. Oktober 1963 geboren und lebte als Jugendliche zwei Jahre in Israel und ein halbes Jahr in Indien. Sie absolvierte die Kunstschule in Zürich, war in verschiedenen Jobs tätig. Sie ist Zeichnerin, Autorin, Film-Regisseurin.
"Seelensplitter" - Ein Fall für Nora Tabani
2013, Unionsverlag Taschenbuch 622, Zürich
270 Seiten
ISBN 978-3-293-20622-9
Die Detektivin Nora Tabani mit ihrem Partner Jan Berger erhalten die Auftrag den Unfalltod eines Firmenchefs aufklären. Bei einer Firmenfeier war er mit dem Wunsch fliegen zu können vom Basler Penthouse gesprungen. Leider springt bei einem Firmenausflug einige Zeit später wieder ein Mitarbeiter mit dem selben Wunsch vom Ausflugschiff am Bodensee. Ein weiterer Tote wird gefunden. Der Showdown findet im ersten Unterschoß des Storage-hauses statt.
Der Roman ist meist aus Beobachterperspektive geschrieben und begleitet Nora Tabani bei ihren Gespräche, Besuchen beim Labor und in der Pathologie und auf diversen Suchen.
Dazwischen ist aus der Ich-Perspektive geschrieben wie ein junges Mädchen in eine Hippie-Haushalt mit Eltern mit Hang zu natürlichen Drogen aufwächst; diverse Pilze, Gräser und Wurzeln sind üblich. Auch sie muß diese Produkte für Grenzerfahrung essen - und kippt in die dämonische Seite. Erst spät finden die beiden Stränge zusammen.
Hintergrund des Buches ist eine Firma in der Storage-Räumlichkeiten angeboten werden. Der Wettbewerb, die Interna mit den unterschiedlichen Abteilungen und deren Eigenarten wird beschrieben.
Die Personen des Buches sind gut vorstellbar. Nora Tabani ist Ex-Polizistin, die immer noch geschätzt wird und gute Kontakte hat. Jan hat eine Freundin und liebt Nutella-Brote. Die Menschen der Storage-Firma sind unterschiedlich geschildert in Temperamenten, Lebenszielen und Geheimnissen; für jeden der in einem Bürokosmos arbeitet fast gewohnt-überspitztes Umfeld.
Es gibt die treu-verantwortliche Sekretärin Sarah Dobler, den präsumptiven kühlen Chefnachfolger Cedric Stark, den verkaufsgewandten charmanten der Damenwelt zugeneigten pseudo-Italiener Marco Bennedetti, die junge Mitarbeiterin mit schrillen Farben Claudia, die ältere Mitarbeiterin Ruth, die versierten Männer im Untergeschoß Gerhard und Tim und die Chefswitwe Antje.
Die Teile in denen das Mädchen ihre Wandlung vom Mädchen zur Vertrauten der Wurzel Alrune beschreibt und wie sie die Dämonen schildert die die den Drogenversuche der Eltern an ihr als Kind auslösen, sind erschreckend und einfühlsam geschrieben.
Ich habe Ablenkung gebraucht, da ich gerade dabei bin einen eher anstrengenden Schmöker eines Nobelpreisträgers zu lesen - diese Erwartung ist komplett erfüllt worden.
Mitraten wer der/die Mörder/in ist ist möglich. Viel Spaß beim Lesen.
Mitra Devi wurde am 30. Oktober 1963 geboren und lebte als Jugendliche zwei Jahre in Israel und ein halbes Jahr in Indien. Sie absolvierte die Kunstschule in Zürich, war in verschiedenen Jobs tätig. Sie ist Zeichnerin, Autorin, Film-Regisseurin.
Donnerstag, 4. Dezember 2014
Ece Temelkuran : "Was nützt mir die Revulotion, wenn ich nicht tanzen kann?"
Ece Temelkuran :
"Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann?"
Roman
original "Dügümlere Üfleyen Kadinlar"
2013, Everest Yayinlari, Istanbul
aus dem Türkischen von Johannes Neuner
2014, Atlanik Verlag (in der Hoffmann und Campe Verlag GmbH) Berlin
390 Seiten
ISBN 978-455-60004-9
Dieser dichte Frauenroman der in Tunesien, Lybien, Ägypten, und Libanon nach dem arabischen Frühling spielt, erzählt wie vier faszinierende Frauen auf ihrer Roadstory moralischen Mist über Bord werfen und sich nach und nach zutrauen sich ehrlich zu leben.
Start ist in Tunesien. Drei Frauen trinken gemeinsam, beobachten eine Nachbarin, werden dann zu dieser zum Jasminstrauch, herrlichem Essen und einer verrückten Reise eingeladen. Grenzen werden mit Tricks überwunden, als Fortbewegungsmittel Kamele, Autos, Hubschrauber, Yacht und Flugzeug benutzt, Kleidung anpassungsfähig eingesetzt und bei allen wird gelesen, diskutiert, gelacht, geweint bis jede ihrer kleinen bis großen Lebensaufgabe ins Auge sieht. Anfang und Ende sind der Hof mit dem Jasminbaum.
Das Buch ist aus Ich-Sicht der Türkin, einer Journalistin, die nach Tunis geflohen ist erzählt. Sie ist die zurückhaltendste und am wenigsten spürbar; ihre Lust am Schreiben wird immer stärker.
Amira ist Tunesierin, Bauchtänzerin und hat sich in einen Dschihadisten verliebt. Sie ist eine emotionale, liebevolle, übersprudelnde Frau. Ihr Traum ist eine eigene Bauchtanzschule - ihr Vater ist dagegen. Sie hat Briefe von dem jungen Ex-Dschihadisten erhalten, der seine Handlungen und Werte in Frage stellt und über das Mittelmeer nach London flieht.
Maryam ist ägyptische Wissenschaftlerin, die ab den zweiten Abend auf dem Tahirplatz war. Dort begegnete ihr der Chef eines Fußballfanclubs - diese Liebe verändert ihr Leben. Beruflich weiß sie viel über das Leben von Dido, der großen königlichen Dame in Karthago. Sie ist als Muslima durch Schleier tragen erkenntlich. Sie wirkt wie die männliche Ergänzung zur sehr fraulichen Amira.
Madame Lilla / Esme/ Mutter Thirina ist die ältere, charismatische Dame, die viel erlebt hat, von ihrem Spionageleben spuradisch erzählt, überall Menschen kennt, genußvoll ihre Macht zelebriert, einer großen Liebe nicht verzeihen kann und die Aura einer "Grand Dame" ausstrahlt.
Schön sind die Beschreibungen der jeweiligen Gegenden. Am besten gefiel mir die Formulierung in der die Wüste "bonbonrosa" schien; liebevoll ist beschrieben wie wenig die traditionellen orientalischen Männer in ihren Cafés mit diesen vier Frauen umgehen konnten, denen anzusehen war, daß diese keine Touristinnen sondern aus ihrem Kulturkreis sind.
Die vier Frauen sind die Hauptpersonen. Männer sind wichtig, aber Nebenfiguren in dem großen Schachspiel; sie haben alle Namen und sind nicht auf Funktionen reduziert.
Einer der Männer ist ein Tuareg; auch diese Welt ist dem Roman inkludiert.
Skurril ist der Besuch in einem ehemalig wunderschönen, jetzt zerfallenden Landsitz im Libanon als die vier Frauen auf eine ehemalige Löwenbändigerin stossen, die sich jetzt mit Katzen- und Schlangenzucht über Wasser hält; der Mann züchtet die Tauben.
Weibliche Esoterik blitzt kurz durch, als die vier Frauen bei einer der Reisestationen aufgefordert werden sich mit ihrer Göttin zu unterhalten (Göttin : Aphrodite, Artemis, Hekate etc ...).
Schön finde ich die Elemente wenn die ältere Dame den drei jüngeren zu vermitteln versucht, daß der Atem der Frauen die Welt und die Männer am Leben erhalten.
Etwas unrealistisch scheinen die Grenzübergänge, da es wohl kaum ohne Pässe gehen kann. v.a. wenn beim Rückflug ein Flugzeug einer Chartergesellschaft bestiegen wird; dies mit einem zwei Monate jungen Baby und einer kleinen Siamkatze.
Musik ist ein Teil der Reise. Die Frauen hören und diskutieren über die großen Damen der arabischen Musik: Asmahan, Umm Kulthum und die Libanesin Fairuz.
In Summe ein schönes Buch mit geistigen Ausflügen in den Koran, die Entwicklung von Frauen, Geschichte mit Dido und humorvollen Situationen. Viel Freude !
Ece Temlukuran wurde 1973 in Izmir geboren. Sie ist Juristin, Journalistin und Schriftstellerin; ihren Job als Journalistin verlor sie aufgrund ihrer oppositionellen Einstellung. Ihr erster Roman "Die Stimme der Bananen"(original : "Muz Sesleri") erschien 2010.
"Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann?"
Roman
original "Dügümlere Üfleyen Kadinlar"
2013, Everest Yayinlari, Istanbul
aus dem Türkischen von Johannes Neuner
2014, Atlanik Verlag (in der Hoffmann und Campe Verlag GmbH) Berlin
390 Seiten
ISBN 978-455-60004-9
Dieser dichte Frauenroman der in Tunesien, Lybien, Ägypten, und Libanon nach dem arabischen Frühling spielt, erzählt wie vier faszinierende Frauen auf ihrer Roadstory moralischen Mist über Bord werfen und sich nach und nach zutrauen sich ehrlich zu leben.
Start ist in Tunesien. Drei Frauen trinken gemeinsam, beobachten eine Nachbarin, werden dann zu dieser zum Jasminstrauch, herrlichem Essen und einer verrückten Reise eingeladen. Grenzen werden mit Tricks überwunden, als Fortbewegungsmittel Kamele, Autos, Hubschrauber, Yacht und Flugzeug benutzt, Kleidung anpassungsfähig eingesetzt und bei allen wird gelesen, diskutiert, gelacht, geweint bis jede ihrer kleinen bis großen Lebensaufgabe ins Auge sieht. Anfang und Ende sind der Hof mit dem Jasminbaum.
Das Buch ist aus Ich-Sicht der Türkin, einer Journalistin, die nach Tunis geflohen ist erzählt. Sie ist die zurückhaltendste und am wenigsten spürbar; ihre Lust am Schreiben wird immer stärker.
Amira ist Tunesierin, Bauchtänzerin und hat sich in einen Dschihadisten verliebt. Sie ist eine emotionale, liebevolle, übersprudelnde Frau. Ihr Traum ist eine eigene Bauchtanzschule - ihr Vater ist dagegen. Sie hat Briefe von dem jungen Ex-Dschihadisten erhalten, der seine Handlungen und Werte in Frage stellt und über das Mittelmeer nach London flieht.
Maryam ist ägyptische Wissenschaftlerin, die ab den zweiten Abend auf dem Tahirplatz war. Dort begegnete ihr der Chef eines Fußballfanclubs - diese Liebe verändert ihr Leben. Beruflich weiß sie viel über das Leben von Dido, der großen königlichen Dame in Karthago. Sie ist als Muslima durch Schleier tragen erkenntlich. Sie wirkt wie die männliche Ergänzung zur sehr fraulichen Amira.
Madame Lilla / Esme/ Mutter Thirina ist die ältere, charismatische Dame, die viel erlebt hat, von ihrem Spionageleben spuradisch erzählt, überall Menschen kennt, genußvoll ihre Macht zelebriert, einer großen Liebe nicht verzeihen kann und die Aura einer "Grand Dame" ausstrahlt.
Schön sind die Beschreibungen der jeweiligen Gegenden. Am besten gefiel mir die Formulierung in der die Wüste "bonbonrosa" schien; liebevoll ist beschrieben wie wenig die traditionellen orientalischen Männer in ihren Cafés mit diesen vier Frauen umgehen konnten, denen anzusehen war, daß diese keine Touristinnen sondern aus ihrem Kulturkreis sind.
Die vier Frauen sind die Hauptpersonen. Männer sind wichtig, aber Nebenfiguren in dem großen Schachspiel; sie haben alle Namen und sind nicht auf Funktionen reduziert.
Einer der Männer ist ein Tuareg; auch diese Welt ist dem Roman inkludiert.
Skurril ist der Besuch in einem ehemalig wunderschönen, jetzt zerfallenden Landsitz im Libanon als die vier Frauen auf eine ehemalige Löwenbändigerin stossen, die sich jetzt mit Katzen- und Schlangenzucht über Wasser hält; der Mann züchtet die Tauben.
Weibliche Esoterik blitzt kurz durch, als die vier Frauen bei einer der Reisestationen aufgefordert werden sich mit ihrer Göttin zu unterhalten (Göttin : Aphrodite, Artemis, Hekate etc ...).
Schön finde ich die Elemente wenn die ältere Dame den drei jüngeren zu vermitteln versucht, daß der Atem der Frauen die Welt und die Männer am Leben erhalten.
Etwas unrealistisch scheinen die Grenzübergänge, da es wohl kaum ohne Pässe gehen kann. v.a. wenn beim Rückflug ein Flugzeug einer Chartergesellschaft bestiegen wird; dies mit einem zwei Monate jungen Baby und einer kleinen Siamkatze.
Musik ist ein Teil der Reise. Die Frauen hören und diskutieren über die großen Damen der arabischen Musik: Asmahan, Umm Kulthum und die Libanesin Fairuz.
In Summe ein schönes Buch mit geistigen Ausflügen in den Koran, die Entwicklung von Frauen, Geschichte mit Dido und humorvollen Situationen. Viel Freude !
Ece Temlukuran wurde 1973 in Izmir geboren. Sie ist Juristin, Journalistin und Schriftstellerin; ihren Job als Journalistin verlor sie aufgrund ihrer oppositionellen Einstellung. Ihr erster Roman "Die Stimme der Bananen"(original : "Muz Sesleri") erschien 2010.
Montag, 1. Dezember 2014
Joann Sfar : "Die Katze des Rabbiners"
Joann Sfar :
"Die Katze des Rabbiners"
Text und Zeichnungen : Joann Sfar
Kolorierung : Brigitte Findakly
Sammelband 1
2008, Dargaud Verlag
2014, Avant-Verlag Berlin
146 Seiten
ISBN 978-3-945034-01-9
In diesem ersten Sammelband sind die ersten drei Geschichten von Joann Sfar zusammengesetzt.
<La Bar-Mitsva> (2001), (dt.: Die Bar-Mizwa, 2004) 44 Seiten
<Le Malka des lions>s (2002), (dt.: Malka, der Herr der Löwen, 2004) 46 Seiten
<L’Exode> (2003), (dt.: Exodus, 2004) 46 Seiten
Kater Moujroum wohnt bei einem liebevollen rundlichen Rabbi und dessen schöner Tochter Zlabya im Algerien der 1920/30-er Jahre. Nach Verspeisen des nervenden sprechenden Papageis kann der Kater plötzlich sprechen. Als respektloser, hinterfotzig denkender Kater möchte der liebevolle Vater nicht, daß er seine Tochter beeinflußt. Der Kater verhandelt bis der Rabbi dem Studium der Thora, des Thalmuds etc. mit dem Kater zustimmt um mit einer Bar-Mitsva eine Prüfung zu bestehen. Der intolorante dünne Rabbi des Rabbi ist dagegen und verlangt die Tötung des armen Katzenviehs. Zlabya würde ihrem Vater das nie verzeihen und schlußendlich verspricht der Kater dem Rabbi mit seiner Tochter nicht zu sprechen ...
Malka, ist der Cousin des Rabbi. Er kommt mit Charisma und Löwen aus der Wüste. Ein junger Mann aus Paris kommt zu Besuch; er wird Rabbi in der Nachbarschaft und verliebt sich in Abwesenheit des Rabbis in seine Tochter. Der Rabbi mit Kater trifft in der Wüste einen muslemischen Musiker mit Esel - sie singen miteinander und freunden sich an. Leider verliert Moujroum in diesem Band leider die Fähigkeit zu sprechen.
Im dritten Band reist das junge Ehepaar mit Rabbi und Kater nach Paris. Zuerst irrt der kreuzunglückliche Rabbi durch die Stadt, campiert in einer katholischen Kirche (die Darstellungen der halbnackten Märtyrer und Märtyrerinnen schrecken ihn ziemlich) und genießt einen Abend lang unkoscheres Essen. Der Kater trifft einen netten Hund. Der Rabbi trifft sich mit seinem Neffen, dessen Stimme ein wunderbare Karriere versprochen hatte. Jetzt ist er Straßenkünstler und vermittelt dem Rabbi ein nicht den Regeln unterworfenes Lebensgefühl. Zurück in Algerien vermisst der Rabbi Paris und hält eine ziemlich entspannte Predigt sehr zum Staunen seiner Gemeinde
Es ist viel Information über die mosaische Religion in diesem Comic verpackt. Nachdem mich der Inhalt immer mehr zu interessieren begann, habe ich weniger auf die humorvollen Szenen geachtet.
Der Zeichenstil macht mich etwas nervös, weil er mir ziemlich unruhig scheint. Menschen und Einrichtungen wirken ruhig - sowohl er liebevolle rundliche Rabbi, als auch der dünne unliebenswürdige Rabbi des Rabbi, liebevoll ist auch die Tochter des Rabbis mit vielen netten Details in der Kleidung. Die Katze hat allerdings eine lang Schnauze, bei der ich mich manchmal frage ob hier nicht doch ein Dackel Pate gestanden ist - versiertere Menschen haben mich korrigiert und meinen Siam können so lange Nasen haben (sorry, keine der Siamkatzen die ich kannte sah so aus).
Einzig in dem Traum in dem Kater und der Rabbi als ziemlich rundlicher Kater unterwegs sind, gibt es eine runde Katze. Der kleine Hund in Paris ist dem Kater sehr ähnlich. Gut gefiel mir der Löwe von Malka.
Die Diskussionen über Gott, verschiedene Regeln, andere Religionen, was Toleranz ist bzw. sein kann bringen zu denken.
Ein hochinteressanter Comic, der sehr empfehlenswert ist.
Joann Sfar wurde am 28. August 1971 in Nizza geboren. Er studiert Philosophie und die schönen Künste in Frankreich. Die "Katze des Rabbiners" begann 2001 als Serie, 2011 wurde teilweise als animierter Spielfilm umgesetzt. Der Autor spielt auch ein Instrument - die Ukulele.
"Die Katze des Rabbiners"
Text und Zeichnungen : Joann Sfar
Kolorierung : Brigitte Findakly
Sammelband 1
2008, Dargaud Verlag
2014, Avant-Verlag Berlin
146 Seiten
ISBN 978-3-945034-01-9
In diesem ersten Sammelband sind die ersten drei Geschichten von Joann Sfar zusammengesetzt.
Kater Moujroum wohnt bei einem liebevollen rundlichen Rabbi und dessen schöner Tochter Zlabya im Algerien der 1920/30-er Jahre. Nach Verspeisen des nervenden sprechenden Papageis kann der Kater plötzlich sprechen. Als respektloser, hinterfotzig denkender Kater möchte der liebevolle Vater nicht, daß er seine Tochter beeinflußt. Der Kater verhandelt bis der Rabbi dem Studium der Thora, des Thalmuds etc. mit dem Kater zustimmt um mit einer Bar-Mitsva eine Prüfung zu bestehen. Der intolorante dünne Rabbi des Rabbi ist dagegen und verlangt die Tötung des armen Katzenviehs. Zlabya würde ihrem Vater das nie verzeihen und schlußendlich verspricht der Kater dem Rabbi mit seiner Tochter nicht zu sprechen ...
Malka, ist der Cousin des Rabbi. Er kommt mit Charisma und Löwen aus der Wüste. Ein junger Mann aus Paris kommt zu Besuch; er wird Rabbi in der Nachbarschaft und verliebt sich in Abwesenheit des Rabbis in seine Tochter. Der Rabbi mit Kater trifft in der Wüste einen muslemischen Musiker mit Esel - sie singen miteinander und freunden sich an. Leider verliert Moujroum in diesem Band leider die Fähigkeit zu sprechen.
Im dritten Band reist das junge Ehepaar mit Rabbi und Kater nach Paris. Zuerst irrt der kreuzunglückliche Rabbi durch die Stadt, campiert in einer katholischen Kirche (die Darstellungen der halbnackten Märtyrer und Märtyrerinnen schrecken ihn ziemlich) und genießt einen Abend lang unkoscheres Essen. Der Kater trifft einen netten Hund. Der Rabbi trifft sich mit seinem Neffen, dessen Stimme ein wunderbare Karriere versprochen hatte. Jetzt ist er Straßenkünstler und vermittelt dem Rabbi ein nicht den Regeln unterworfenes Lebensgefühl. Zurück in Algerien vermisst der Rabbi Paris und hält eine ziemlich entspannte Predigt sehr zum Staunen seiner Gemeinde
Es ist viel Information über die mosaische Religion in diesem Comic verpackt. Nachdem mich der Inhalt immer mehr zu interessieren begann, habe ich weniger auf die humorvollen Szenen geachtet.
Der Zeichenstil macht mich etwas nervös, weil er mir ziemlich unruhig scheint. Menschen und Einrichtungen wirken ruhig - sowohl er liebevolle rundliche Rabbi, als auch der dünne unliebenswürdige Rabbi des Rabbi, liebevoll ist auch die Tochter des Rabbis mit vielen netten Details in der Kleidung. Die Katze hat allerdings eine lang Schnauze, bei der ich mich manchmal frage ob hier nicht doch ein Dackel Pate gestanden ist - versiertere Menschen haben mich korrigiert und meinen Siam können so lange Nasen haben (sorry, keine der Siamkatzen die ich kannte sah so aus).
Einzig in dem Traum in dem Kater und der Rabbi als ziemlich rundlicher Kater unterwegs sind, gibt es eine runde Katze. Der kleine Hund in Paris ist dem Kater sehr ähnlich. Gut gefiel mir der Löwe von Malka.
Die Diskussionen über Gott, verschiedene Regeln, andere Religionen, was Toleranz ist bzw. sein kann bringen zu denken.
Ein hochinteressanter Comic, der sehr empfehlenswert ist.
Joann Sfar wurde am 28. August 1971 in Nizza geboren. Er studiert Philosophie und die schönen Künste in Frankreich. Die "Katze des Rabbiners" begann 2001 als Serie, 2011 wurde teilweise als animierter Spielfilm umgesetzt. Der Autor spielt auch ein Instrument - die Ukulele.
Sonntag, 23. November 2014
Mary Higgins Clark : "Du entkommst mir nicht"
Mary Higgins Clark :
"Du entkommst mir nicht"
original "On the street where you live"
2001
aus dem Amerikanischen von Karin Dufner
2005, Wilhelm Heyne Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Taschenbuchausgabe
382 Seiten
ISBN -453-72054-7
Nachdem ich vor Jahren einige Kriminalromane von Mary Higgins Clark auf englisch gelesen hatte, ist mir diese deutschsprachige Taschenbuchausgabe mit Katze am Cover in die Hände gefallen.
Die geschiedene Strafverteidigerin Emily Graham zieht in ein Haus der Küstenstadt Spring Lake. Dort waren in den 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts drei junge hübsche Frauen spurlos verschwunden. 110 Jahre später verschwinden wieder zwei. Beim Aufarbeiten der alten Geschehnisse liest Emily alte Briefe, Tagebücher, Zeitungen und baut die kleine alte Straße aus Spielzeugboxen wieder auf. Der Mörder hat sie als drittes Opfer auserkoren, was sie aber nicht merkt, denn sie wird durch Photos gestalkt. Die Polizei findet zwar noch einige andere tote Frauen, kann bei ihr aber rechtzeitig dazwischen schießen.
Die Geschichte wird in sieben großen Kapiteln geschrieben. Das jeweils erste Unterkapitel ist aus der Sicht des Mörders aus Ich-Sicht geschrieben; sonst ist das Buch wie gewohnt aus der Autoren-Beobachtungs-Perspektive.
Ort der Handlung ist ein Ferienort an der Küste, an dem langjährige Bewohner seit Generationen wohnen, aber auch nur am Wochenende bewohnt werden, da New York nahe liegt oder überhaupt als Ferienidylle dient.
Die Personen im Buch sind als alle Altersstufen und Charaktere geschildert. Die Polizisten werden engagiert gezeichnet; ein alternder Rektor mit seiner dominierenden Frau, ein alternder Geschäftsmann mit seiner jungen schönen Frau, ein Immobilienanwalt, eine Journalistin, eine Psychologin, Vater und Sohn einer Rechtsanwaltskanzlei und ältere Herrschaften sind liebevoll mit feinen Details gezeichnet
Das Buch ist genau das richtige für einen grauen Tag, den der Leser/die Leserin lieber auf der Couch lesend als draußen verbringen möchte.
Mary Higgins Clark (geboren als Mary Theresa Eleanor Higgins) wurde am 24. Dezember in New York City geboren - die Jahreszahlen sind unterschiedlich 19291927, 1928 oder 1931. Sie arbeitete eine Zeitlang als Stewardess, bis sie nach ihrer Heirat zu schreiben begann. Nach dessen frühem Tod begann sie mit Kriminalgeschichten und studierte Philosophie. 2013 ist ihr 43. Kriminalroman erschienen ("On the street where you live" ist der 26.)
"Du entkommst mir nicht"
original "On the street where you live"
2001
aus dem Amerikanischen von Karin Dufner
2005, Wilhelm Heyne Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Taschenbuchausgabe
382 Seiten
ISBN -453-72054-7
Nachdem ich vor Jahren einige Kriminalromane von Mary Higgins Clark auf englisch gelesen hatte, ist mir diese deutschsprachige Taschenbuchausgabe mit Katze am Cover in die Hände gefallen.
Die geschiedene Strafverteidigerin Emily Graham zieht in ein Haus der Küstenstadt Spring Lake. Dort waren in den 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts drei junge hübsche Frauen spurlos verschwunden. 110 Jahre später verschwinden wieder zwei. Beim Aufarbeiten der alten Geschehnisse liest Emily alte Briefe, Tagebücher, Zeitungen und baut die kleine alte Straße aus Spielzeugboxen wieder auf. Der Mörder hat sie als drittes Opfer auserkoren, was sie aber nicht merkt, denn sie wird durch Photos gestalkt. Die Polizei findet zwar noch einige andere tote Frauen, kann bei ihr aber rechtzeitig dazwischen schießen.
Die Geschichte wird in sieben großen Kapiteln geschrieben. Das jeweils erste Unterkapitel ist aus der Sicht des Mörders aus Ich-Sicht geschrieben; sonst ist das Buch wie gewohnt aus der Autoren-Beobachtungs-Perspektive.
Ort der Handlung ist ein Ferienort an der Küste, an dem langjährige Bewohner seit Generationen wohnen, aber auch nur am Wochenende bewohnt werden, da New York nahe liegt oder überhaupt als Ferienidylle dient.
Die Personen im Buch sind als alle Altersstufen und Charaktere geschildert. Die Polizisten werden engagiert gezeichnet; ein alternder Rektor mit seiner dominierenden Frau, ein alternder Geschäftsmann mit seiner jungen schönen Frau, ein Immobilienanwalt, eine Journalistin, eine Psychologin, Vater und Sohn einer Rechtsanwaltskanzlei und ältere Herrschaften sind liebevoll mit feinen Details gezeichnet
Das Buch ist genau das richtige für einen grauen Tag, den der Leser/die Leserin lieber auf der Couch lesend als draußen verbringen möchte.
Mary Higgins Clark (geboren als Mary Theresa Eleanor Higgins) wurde am 24. Dezember in New York City geboren - die Jahreszahlen sind unterschiedlich 19291927, 1928 oder 1931. Sie arbeitete eine Zeitlang als Stewardess, bis sie nach ihrer Heirat zu schreiben begann. Nach dessen frühem Tod begann sie mit Kriminalgeschichten und studierte Philosophie. 2013 ist ihr 43. Kriminalroman erschienen ("On the street where you live" ist der 26.)
Sonntag, 16. November 2014
Rita Falk : "Schweinskopf al Dente"
Rita Falk :
"Schweinskopf al Dente" - ein Provinzkrimi
2011, Deutscher Taschenbuch Verlag München
222 Seiten + 3 Seiten Glossar + 7 Seiten Rezepte + Danksagung
ISBN 978-3-423-24892-1
Das ist der dritter Krimi mit Franz Eberhofer, seinem verkifften Vater und der wunderbar kochenden Großmutter. Diesmal müssen sie einen ängstlichen Richter vor den Rachegelüsten eines ausgebrochenen Psychopathen retten. Franz Eberhofers Vater nimmt sich des Richters an, teilt Gras mit ihm und hört - zum Gefallen des Sohnes - nach 40 Jahren Beatles endlich mal was anderes : nämlich die Stones. Bis der Psychopath endlich wieder im Gefängnis landet, fahren die drei kurz nach Italien, und retten die Susi und der befreundete Installateur beglückt mehr Damen als es seiner Ehe gut tut.
Die Geschichte ist diesmal etwas chaotisch, da die Suche nach dem Psychopathen eher mühsam ist. Unterhaltsamer sind die Männergespräche beim Wirten über - nona - 'die Damen'. Witzig Eberhofers Vater und sein Musikgeschmack, und die excellent kochende Oma (mit tw. rosa Haaren). Liebe besteht zwischen den Brüdern Franz und Leopold immer noch nicht - und daß seine Nichte ihn mehr liebt als seinem Bruder Freude macht, ist sowieso ein Problem.
Der Roman ist unterhaltend, aber kein Krimi im klassischen Agatha Christie oder Maigret stil. Der Böse wird am Schluß erwischt, sonst aber die Polizei ziemlich auf die Schaufel genommen :-) .
Rita Falk wurde am 30. Mai 1964 in Oberammergau (Bayern / Deutschland) geboren. Sie ist gelernte Bürokauffrau. 2013 ist der fünfte der Franz Eberhofer Krimis erschienen.
"Schweinskopf al Dente" - ein Provinzkrimi
2011, Deutscher Taschenbuch Verlag München
222 Seiten + 3 Seiten Glossar + 7 Seiten Rezepte + Danksagung
ISBN 978-3-423-24892-1
Das ist der dritter Krimi mit Franz Eberhofer, seinem verkifften Vater und der wunderbar kochenden Großmutter. Diesmal müssen sie einen ängstlichen Richter vor den Rachegelüsten eines ausgebrochenen Psychopathen retten. Franz Eberhofers Vater nimmt sich des Richters an, teilt Gras mit ihm und hört - zum Gefallen des Sohnes - nach 40 Jahren Beatles endlich mal was anderes : nämlich die Stones. Bis der Psychopath endlich wieder im Gefängnis landet, fahren die drei kurz nach Italien, und retten die Susi und der befreundete Installateur beglückt mehr Damen als es seiner Ehe gut tut.
Die Geschichte ist diesmal etwas chaotisch, da die Suche nach dem Psychopathen eher mühsam ist. Unterhaltsamer sind die Männergespräche beim Wirten über - nona - 'die Damen'. Witzig Eberhofers Vater und sein Musikgeschmack, und die excellent kochende Oma (mit tw. rosa Haaren). Liebe besteht zwischen den Brüdern Franz und Leopold immer noch nicht - und daß seine Nichte ihn mehr liebt als seinem Bruder Freude macht, ist sowieso ein Problem.
Der Roman ist unterhaltend, aber kein Krimi im klassischen Agatha Christie oder Maigret stil. Der Böse wird am Schluß erwischt, sonst aber die Polizei ziemlich auf die Schaufel genommen :-) .
Rita Falk wurde am 30. Mai 1964 in Oberammergau (Bayern / Deutschland) geboren. Sie ist gelernte Bürokauffrau. 2013 ist der fünfte der Franz Eberhofer Krimis erschienen.
Labels:
2011,
Autorin,
Bayern,
Deutschland,
Essen,
Krimi,
Skurrilität,
Unterhaltung
Donnerstag, 13. November 2014
Juan Gabriel Vazquez : "Das Geräusch der Dinge beim Fallen"
Juan Gabriel Vazquez :
"Das Geräusch der Dinge beim Fallen"
Roman
original "El ruido de las cos al caer"
2011, Santillana Ediciones Generales, S.L. Madrid
Aus dem Spanischen von Susanne Lange
2014, Schöffling & Co
280 Seiten
ISBN 978-3-89561-008-0
In diesem schön geschriebenen Roman mit Lesebändchen geht es um Kolumbien und seine Drogenvergangenheit. Zwei Männerleben sind miteinander verwoben. Ricardo Laverde mit Drogenvergangenheit und Gefängnisgeschichte begegnet Antonio Yammara, einem Jus Professor Mitte zwanzig, in einem abgehalfterten Billardladen in Bogota. Als die beiden einige Zeit später auf der Straße miteinander plaudern, wird Laverde von einem Motorradfahrer erschossen und Antonio verletzt. Ab hier wird zurückgeblendet. Es wird Ricardo Laverdes Liebesgeschichte zu Elaine Fritts/Elena de Laverde erzählt und die Drogengeschichte Pablo Escobars mit seinen Attentaten erzählt. Zweiter Einschnitt ist der Absturz des Passagierflugzeugs American Airlines 965, geschehen durch menschliches Versagen an den Bergen von Calí, bei dem Ricardo seine Frau verliert.
Die Personen sind schön vorstellbar geschildert. Ricardo bleibt etwas distanziert, selbst wenn er von seinem Traum als Piloten erzählt und seine Geschichte vom Großvater der auch Pilot war zum Besten gibt. Die grünäugige Elaine mit hüftlangen dunklen Haaren kommt mit dem Friedenscorps aus den Staaten, hat Verbesserungsidee und bleibt hängen. Deren beider Tochter Maya geht in der engen Beziehung der Eltern irgendwie unter; sie behält das Grundstück der Eltern und hat Bienenstöcke. Antonio ist ziemlich auf sich konzentriert und mir durch seine egoistische Art fast unsympathisch; nach dem Attentat verschließt er sich und seine schöne charmante Frau Aura ist ausgeschlossen; nur die gemeinsame Tochter Leticia ist ihm wichtig, was nicht reicht um die Familie zusammenzuhalten. Wovon die kleine Familie lebt war mir nicht schlüssig erklärt.
Pablo Escobar ist zwar 1993 erschossen worden, sein Schatten bzw. der der Drogenkriege liegt weiterhin über den Menschen. Es ist bedrückend wie sehr der Krieg gegen die Drogenbarone, die Attentate mit Collateralschäden an Unschuldigen das Grundgefühl der Menschen beeinflußt haben. Der Zerfall der ursprünglich elitären Zoos von Escobar, ist eine sichtbare Metapher der Seele der Menschen - nichts bietet Halt. Am Anfang des Buches wird über die geheimnisvollen Nilpferde dort gesprochen - am Ende steht wieder eines da.
Die Beschreibungen haben mich fasziniert - 'Pfützen von Licht' (Seite 142) und 'Regen grauer als ein Eselsschwanz' (Seite 264) nur als Beispiel. Saint-Exupery wird zitiert. Das Buch ist in Ich-Form aus Sicht von Antonio geschrieben, bis auf die Zeitperioden in denen Ricardos und Elaines Geschichte erzählt wird die aus der Perspektive Dritter stattfindet.
Der Titel dürfte aus dem Bericht der Black Box des abgestürzten Flugzeuges sein. Hier sind die Pilotengespräche, das Merken daß etwas schief läuft und dann das Bersten und Stille der fallenden Flugzeugteile beschrieben.
Mich hat das Buch fasziniert und in seinen Bann gezogen. Sowohl die Geschichtsstränge als auch die Sprache und Metaphern haben es mir angetan. Viel Freude beim Lesen, auch wenn der Inhalt nicht immer einfach ist.
Juan Gabriel Vásquez wurde 1973 in Bogotá geboren und studierte lateinamerikanische Literatur an der Sorbonne. Seine preisgekrönten Romane, Erzählungen und Essays wurden bisher in 16 Sprachen übersetzt. 2011 wurde Vásquez mit einem der wichtigsten Literaturpreise der spanischsprachigen Welt ausgezeichnet - dem Alfaguara-Literaturpreis. Juan Gabriel Vásquez lebt mit seiner Familie in Bogotá.
"Das Geräusch der Dinge beim Fallen"
Roman
original "El ruido de las cos al caer"
2011, Santillana Ediciones Generales, S.L. Madrid
Aus dem Spanischen von Susanne Lange
2014, Schöffling & Co
280 Seiten
ISBN 978-3-89561-008-0
In diesem schön geschriebenen Roman mit Lesebändchen geht es um Kolumbien und seine Drogenvergangenheit. Zwei Männerleben sind miteinander verwoben. Ricardo Laverde mit Drogenvergangenheit und Gefängnisgeschichte begegnet Antonio Yammara, einem Jus Professor Mitte zwanzig, in einem abgehalfterten Billardladen in Bogota. Als die beiden einige Zeit später auf der Straße miteinander plaudern, wird Laverde von einem Motorradfahrer erschossen und Antonio verletzt. Ab hier wird zurückgeblendet. Es wird Ricardo Laverdes Liebesgeschichte zu Elaine Fritts/Elena de Laverde erzählt und die Drogengeschichte Pablo Escobars mit seinen Attentaten erzählt. Zweiter Einschnitt ist der Absturz des Passagierflugzeugs American Airlines 965, geschehen durch menschliches Versagen an den Bergen von Calí, bei dem Ricardo seine Frau verliert.
Die Personen sind schön vorstellbar geschildert. Ricardo bleibt etwas distanziert, selbst wenn er von seinem Traum als Piloten erzählt und seine Geschichte vom Großvater der auch Pilot war zum Besten gibt. Die grünäugige Elaine mit hüftlangen dunklen Haaren kommt mit dem Friedenscorps aus den Staaten, hat Verbesserungsidee und bleibt hängen. Deren beider Tochter Maya geht in der engen Beziehung der Eltern irgendwie unter; sie behält das Grundstück der Eltern und hat Bienenstöcke. Antonio ist ziemlich auf sich konzentriert und mir durch seine egoistische Art fast unsympathisch; nach dem Attentat verschließt er sich und seine schöne charmante Frau Aura ist ausgeschlossen; nur die gemeinsame Tochter Leticia ist ihm wichtig, was nicht reicht um die Familie zusammenzuhalten. Wovon die kleine Familie lebt war mir nicht schlüssig erklärt.
Pablo Escobar ist zwar 1993 erschossen worden, sein Schatten bzw. der der Drogenkriege liegt weiterhin über den Menschen. Es ist bedrückend wie sehr der Krieg gegen die Drogenbarone, die Attentate mit Collateralschäden an Unschuldigen das Grundgefühl der Menschen beeinflußt haben. Der Zerfall der ursprünglich elitären Zoos von Escobar, ist eine sichtbare Metapher der Seele der Menschen - nichts bietet Halt. Am Anfang des Buches wird über die geheimnisvollen Nilpferde dort gesprochen - am Ende steht wieder eines da.
Die Beschreibungen haben mich fasziniert - 'Pfützen von Licht' (Seite 142) und 'Regen grauer als ein Eselsschwanz' (Seite 264) nur als Beispiel. Saint-Exupery wird zitiert. Das Buch ist in Ich-Form aus Sicht von Antonio geschrieben, bis auf die Zeitperioden in denen Ricardos und Elaines Geschichte erzählt wird die aus der Perspektive Dritter stattfindet.
Der Titel dürfte aus dem Bericht der Black Box des abgestürzten Flugzeuges sein. Hier sind die Pilotengespräche, das Merken daß etwas schief läuft und dann das Bersten und Stille der fallenden Flugzeugteile beschrieben.
Mich hat das Buch fasziniert und in seinen Bann gezogen. Sowohl die Geschichtsstränge als auch die Sprache und Metaphern haben es mir angetan. Viel Freude beim Lesen, auch wenn der Inhalt nicht immer einfach ist.
Juan Gabriel Vásquez wurde 1973 in Bogotá geboren und studierte lateinamerikanische Literatur an der Sorbonne. Seine preisgekrönten Romane, Erzählungen und Essays wurden bisher in 16 Sprachen übersetzt. 2011 wurde Vásquez mit einem der wichtigsten Literaturpreise der spanischsprachigen Welt ausgezeichnet - dem Alfaguara-Literaturpreis. Juan Gabriel Vásquez lebt mit seiner Familie in Bogotá.
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